Ehe als Konversionsfaktor

Wie die Ehe zum Religionswechsel führen kann


Seminararbeit, 2012
28 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

1 Religiöse Konversion

2 Konversion als Experiment

Resümee

Literaturverzeichnis

Einführung

Diese Arbeit stellt die Ehe und die Heirat als einen Motivationsfaktor zur Konversion dar. Dabei bedient sie sich unterschiedlicher Erklärungsmuster.

Sie möchte die Erklärungsmuster nicht praxislos belassen und sucht sich aus der Dissertation von Maria Elisabeth Baumann mit dem Titel „Frauenwege zum Islam“ Interviewpassagen aus, die die oben erwähnte Arbeitsaufgabe unterstützen sollen. In diesen Fällen sind es Konvertitinnen zum Islam. Da die unterschiedlichen Erklärungsmuster nur teilweise ihre Entstehungsbasis in der islamischen Tradition finden, schürt das Beispiel der Konvertitinnen zum Islam den Verdacht, dass die Konversion in andere Religionen mit ähnlichen Mustern funktioniert.

Anknüpfend an die Theorie zur Konversion soll bei der Analyse der Konversionsanalysen die folgende Analysestruktur nach Ulmer in Betracht gezogen werden:

Auf thematischer Ebene korrespondiert dieser Struktur die Abfolge von vier inhaltlichen Schwerpunkten: (a) Öffnung des Konvertiten auf das Religiöse, auf eine alltagstranszendente Wirklichkeit hin, (b) Schilderung eines außergewöhn- lichen Ereignisses, (c) Thematisierung einer emotionalen Erschütterung und (d) Beschreibung, wie die im emotionalen Bereich durchlebte religiöse Erfahrung reflektierend verarbeitet wird.1

Diese Schritte sollen möglichst fortfolgend beachtet werden, gleichwohl keine biografische Analyse der Konversionserzählungen angestrebt wird. Vielmehr soll der Zusammenhang zwischen „Ehe“ und „Konversion“ horizontal aus den verschiedenen Konversionserzählungen aufgegriffen werden. Dennoch interessiert sich die Fragestellung, angeleitet von Ulmer, ob dieser Zusammenhang eine Öffnung des Konvertiten für das Religiöse bedeutet, eine Schilderung eines außergewöhnlichen Ereignis- ses darbietet, eine damit zusammenhängende emotionale Erschütterung aufweist und ob dieser Zusammenhang die im emotionalen Bereich durchlebte Erfahrung reflektiert. Dabei soll stets der Zusammenhang „Ehe“ und „Konversion“ im Fokus stehen.

1 Religiöse Konversion

Religiöse Konversion ist der Übertritt eines Menschen in eine Religion,2 der auch als Bekehrung oder Wendepunkt im Leben bezeichnet wird.3 In einer religionspsychologischen Studie von Murken wird jedoch deutlich, dass ein Bekehrungserlebnis und ein religiöser Wendepunkt im Leben nicht gleichzusetzen sind. In seiner Studie, im Rahmen derer er 465 Patienten einer psychosomatischen Fachklinik nach Bekehrung befragt hat, kommt Murken zu folgenden Ergebnissen:

Während 33,8 % der Befragten die Frage nach dem religiösen Wendepunkt mit ja beantworteten, stimmen der Aussage „Ich hatte ein Bekehrungserlebnis“ selbst unter Einbeziehung der Antwort „teilweise“ nur 11,1 % (50 Personen) zu. 19 Personen davon hatten jedoch die Frage nach dem religiösen Wendepunkt verneint.4

Diese Unterscheidung ist insofern wichtig, als bei Lebensgeschichten ein „bloßer“ religiöser Wendepunkt im Leben nicht unbedingt mit Bekehrung gleichzusetzen ist.

Einige Erzählungen von Konvertitinnen, die in dieser Ausarbeitung behandelt und als Beispiele herangezogen werden, zeigen keine plötzlichen typischen Konversionsereignisse wie etwa transzendente Erfahrung, Wahrnehmung von Wesen oder ein transzendentales Ansprechen. Vielmehr ist die Bekehrung in diesen Erzählungen ein durch mehrere Lebensphasen bestehendes Ereignis. Am Beispiel von Silke A. sind folgende Berichte im Interesse dieser These:

Ja, und dann hab ich, während des Studiums hab ich einen bengalischen Mann kennen gelernt, den ich dann auch relativ schnell geheiratet habe.5

Da war ich dann ’91 das erste Mal auch in Bangladesch, damals wollte dann die Familie meines Mannes unbedingt auch ’ne islamische Eheschließung haben.6

Ich war zu einer islamischen Eheschließung zwar bereit, aber ich wollte nicht konvertieren.7

Als wir wiederkamen, haben wir dann noch mal kirchlich geheiratet in Heidelberg.8

Laut diesen Berichten beginnt, mit der Eheschließung mit einem Muslim die erste Phase der Konversion.9 Schließlich lösen die unterschiedlichen religiösen Sozialisationen der Ehepartner eine Konfrontation aus. Die Familie des Mannes wollte die islamische Eheschließung, mit der sich Silke A. erst einmal auseinandersetzen musste und schließlich zu folgendem Entschluss kam:

Ich war zu einer islamischen Eheschließung zwar bereit, aber ich wollte nicht konvertieren.10

Mit religiöser Sozialisation soll das religiöse kollektive Bewusstsein beschrieben werden, das die Lebensentscheidungen vieler Menschen, auch wenn sie zur Religion Distanz halten, beeinflusst, weil sie sich in diesem kulturellen Umfeld „zuhause“ fühlen. So ist die folgende Aussage zu verstehen:

Als wir wiederkamen, haben wir dann noch mal kirchlich geheiratet in Heidelberg.11

[...]


1 Knoblauch, H./Krech, V./Wohlrab-Sahr, M. (Hrsg.): Religiöse Konversion: Systematische und fallorientierte Studien in soziologischer Perspektive, UVK Soziologie, Konstanz 1998 , S. 21.

2 Jaeger, Friedrich/Liebsch, Burkhard/Rüsen, Jörn/Straub, Jürgen (Hrsg.): Handbuch der Kulturwissenschaften: Grundlagen und Schlüsselbegriffe, Metzler, 2011, S. 353.

3 Frei, Daniel: Die Padagogik der Bekehrung: Sozialisation in Chilenischen Pfingstkirchen, Lit-Verlag, Zürich 2009, S. 290.

4 Henning, Christian (Hrsg.): Einblicke. Beiträge zur Religionspsychologie, Konversion, Peter Lang Europäischer Verlag der Wissenschaft, Frankfurt am Main 2002, S. 148.

5 Gesprächspartner: Silke ., aus: „Frauenwege zum Islam“ (Dissertation) vorgelegt von Maria Elisabeth Baumann, Regensburg 2003.

6 Ebda.

7 Ebda.

8 Ebda.

9 Dieses Beispiel eine typische Entwicklung bei vielen Konvertitinnen

10 Gesprächspartner: Silke ., aus: „Frauenwege zum Islam“ (Dissertation) vorgelegt von Maria Elisabeth Baumann, Regensburg 2003.

11 Ebda.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Ehe als Konversionsfaktor
Untertitel
Wie die Ehe zum Religionswechsel führen kann
Hochschule
Universität Bayreuth
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
28
Katalognummer
V189167
ISBN (eBook)
9783656131175
ISBN (Buch)
9783656132837
Dateigröße
847 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
konversionsfaktor, religionswechsel, Ehe
Arbeit zitieren
Serkan Ince (Autor), 2012, Ehe als Konversionsfaktor, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189167

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