Online-Journalismus - Aus- und Fortbildung in Deutschland


Hausarbeit (Hauptseminar), 2000
24 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Online-Redakteur

3. Berufsanforderungen an den Online-Redakteur
3.1 Inhalt
3.2 Technik
3.3 Grafik und Gestaltung
3.4 (Projekt-)Management und Marketing

4. Ausbildungswege im Online-Journalismus
4.1 Die Universitäten
4.2 Fachhochschulen und Technische Universitäten
4.3 Journalistenschulen
4.4 Volontariate
4.5 Überbetriebliche Aus- und Weiterbildung
4.5.1 Akademie für Publizistik
4.5.2 Deutsches Institut für publizistische Bildungsarbeit

5. Fazit und Ausblick

Bibliographie

Anhang

1. Einleitung

Das Internet - unendliche Weiten, unendliche Möglichkeiten. Wir schreiben das Jahr 2000 und befinden uns auf einer Irrfahrt durch die Medienlandschaft, die sich gerade von einem mittleren Erdbeben erholt. Das World Wide Web hat alle bestehenden Strukturen aufgebrochen und eröffnet so allen Beteiligten der Branche völlig neue Perspektiven. Für die Journalistinnen und Journalisten bedeutet das Aufkommen des Netz-Mediums vor allem eines: Veränderte Anforderungen an den herkömmlichen Beruf. Gleichzeitig kristallisieren sich zahlreiche neue Tätigkeitsfelder mit neuen Qualifikationsprofilen heraus.

Der Markt hat – wie immer – als erstes reagiert. Und so finden sich in den Stellenmärkten der großen Tageszeitungen vermehrt Jobangebote für Screen-Designer, Multimedia-Producer oder Online-Redakteure. Erst langsam stellen sich Verlage, Universitäten und überbetriebliche Ausbildungseinrichtungen auf die veränderte Nachfrage ein. Die Unsicherheit ist groß, denn niemand weiß, wie sich der Nachwuchs am besten auf die neuen Arbeitsanforderungen im Multimedia-Journalismus vorbereiten soll. Daneben ist nach wie vor unklar, wie erfahrene Journalistinnen und Journalisten ihre Qualifikation in Richtung „Online“ erweitern müssen beziehungsweise können.

Die vorliegende Arbeit soll zunächst einen kurzen Überblick über die veränderten Anforderungen an die Qualifikation der sogenannten ‚Online-Journalisten‘ geben. Anschließend werden verschiedene Einrichtungen vorgestellt, die eine entsprechende Ausbildung anbieten. Auch wenn es sich bei der Auflistung lediglich um Berufsbilder mit echtem journalistischem Hintergrund handelt, kann der Anspruch der Vollständigkeit auf keinen Fall erhoben werden. Die Übergänge zwischen den einzelnen Multimedia-Berufen sind fließend, was eine fundierte Differenzierung nahezu unmöglich macht. Außerdem würde eine exakte Betrachtung der einzelnen Betätigungsfelder und deren Ausbildung den Rahmen der Arbeit sprengen: Bereits im Jahr 1998 waren in der Weiterbildungsdatenbank des Arbeitsamtes mehr als 250 Berufe im Multimedia-Sektor gespeichert.[1]

Die Literaturlage ist aufgrund der schnellen Entwicklung und Veränderung des Themas dünn. Die vorgestellten Erkenntnisse beruhen daher überwiegend auf aktuellen Zeitschriftenartikeln, eigener Recherche wie elektronischen oder telefonischen Anfragen, sowie Erfahrungen im Rahmen der eigenen Ausbildung am Institut für Kommunikationswissenschaft an der Universität München.

2. Der Online-Redakteur

In dem undurchsichtigen Berufsfeld des ‚Online-Journalismus‘ kursieren im Augenblick zahlreiche Berufsbezeichnungen, die sich nur schwer voneinander differenzieren lassen. Eine sinnvolle Unterteilung nimmt Inge Behrens in ihrem Buch ‚Neue Berufe in den neuen Medien‘ vor. Sie ordnet die verschiedenen Tätigkeitsprofile nicht nach Branchen, sondern nach ihren jeweiligen Funktionen. Behrens unterscheidet dabei die Schnittstellen zwischen Technik, Gestaltung, Text und Business.[2]

Der Journalist in den ‚Neuen Medien‘ sitzt an der Schnittstelle zwischen Text und Technik und trägt die Bezeichnung ‚Online-Redakteur‘. Dieses Berufsbild ansprechend zu definieren, fällt den Medienexperten offensichtlich schwer. Inge Behrens konzentriert sich überwiegend auf die verschiedenen Tätigkeitsbereiche und die Voraussetzungen, die ein Online-Redakteur mitbringen sollte.[3] Der Deutsche Multimedia Verband (dmmv) hingegen stellt für den Online-Redakteur die fachliche Kompetenz im Bereich Internet und zugehöriger Software in den Vordergrund.[4]

Die treffendste Definition dieses Berufsbilds liefert Klaus-Dieter Altmeppen: „Online-Redakteure gestalten den Inhalt aktueller Internet-Angebote ihres Medienunternehmens. Anforderungen, Bedingungen, Organisation und Abläufe ihrer Arbeit werden einerseits von der technischen Ausstattung geprägt, aber ebenso von den redaktionellen Zielen und Ressourcen (...). Gestalterische und organisatorische Elemente gehören ebenso zum Tätigkeitsfeld wie die Konzeption der Produkte und ihre Marktfähigkeit (...). In den Online-Redaktionen der Medien arbeiten sie nicht nur recherchierend und schreibend, sondern gestaltend und koordinierend.“[5]

Im folgenden konzentriert sich die Arbeit nahezu ausschließlich auf das Berufsbild, die Anforderungen und Ausbildungsmöglichkeiten zum Online-Redakteur, weil er dem Bild des ‚klassischen‘ Journalisten im Bereich Multimedia am meisten entspricht.

3. Berufsanforderungen an den Online-Redakteur

„Die neue Publikationsform des Electronic Publishing hat eine Verschmelzung mehrerer Branchen zur Folge – angefangen von der Computerindustrie über den Werbe- und Verlagssektor bis hin zur Telekommunikation. Nicht zu vergessen sind die traditionellen, klassischen audiovisuellen Medien, die sich mit den interaktiven Medien mehr und mehr vermischen.“[6] Durchsucht man die Stellenmärkte der Tageszeitungen oder Fachzeitschriften nach Angeboten für Online-Redakteure, so fehlt ein einheitliches Anforderungsprofil an Ausbildung und erlernte Fähigkeiten.[7] Die möglichen Bewerber sollen vor allem Kompetenzen in den Bereichen Inhalt, Technik, Grafik und Management aufweisen. Die Ausbildung zum Online-Redakteur sollte deshalb Kenntnisse in folgenden vier Segmenten vermitteln.

3.1 Inhalt

Wie schon im klassischen Journalismus bilden auch im Internet-Journalismus die Inhalte den Schwerpunkt für den Online-Redakteur. Darunter ist zunächst die journalistische Grundkompetenz zu verstehen. Wie Christoph Neuberger und Jan Tonnemacher festgestellt haben, gehören die „Auswahl von Texten“ (89,7 Prozent), das „Redigieren von Fremdtexten“ (78,5 %) sowie das „Schreiben eigener journalistischer Beiträge“ (74,4 %) zu den Hauptaufgaben der Mitarbeiter in den Online-Redaktionen deutscher Tageszeitungen.[8] Das heißt, auch im Internet-Journalismus läuft nichts ohne fundierte journalistische Kenntnisse: Redigieren, selektieren und recherchieren gehören selbstverständlich auch hier zum täglichen Handwerk. Dazu kommt die Kenntnis sämtlicher Darstellungsformen. Schließlich finden sich auch im Internet Glossen, Reportagen und Features, auch wenn das Medium eine spezielle, online-orientierte‘ Schreibe verlangt. Ressortwissen und eine umfassende Allgemeinbildung sind ohnehin unverzichtbar.

Für die Ausbildung bedeutet das: Auch der Online-Redakteur muss fundierte Kenntnisse in den drei Säulen journalistischer Qualifikation - Sach-, Fach und Vermittlungskompetenz - besitzen.[9]

3.2 Technik

Selbstverständlich steht der Computer und das Internet im Mittelpunkt der Arbeit des Online-Redakteurs, was ihm zusätzliche technische Kompetenz abverlangt. Der Online-Journalist sollte sich deshalb mit den gängigen Programmiersprachen wie HTML oder Java auskennen, auch wenn er durch neuartige Redaktionssysteme immer weniger mit dem eigentlichen Quellcode in Berührung kommt. Gerade kleinere Redaktionen leisten sich keine hauseigenen Informatiker, so dass der Journalist zumindest eine Vorstellung haben sollte, wie sich verschiedene Designs über die gängigsten Web-Editoren darstellen lassen.

Zudem sollte der Online-Redakteur ausreichend Internet-Erfahrungen mitbringen. Das beinhaltet vor allem den sicheren Umgang mit Datenbanken. Gerade bei Online-Recherchen gehört die Kenntnis der unterschiedlichen Vorgehensweisen der Suchmaschinen zum Handwerkszeug des Redakteurs. Außerdem sollte er die Seriosität der Quellen richtig einschätzen können. Fachbegriffe wie Usenet, FTP oder Browser dürfen keine Probleme bereiten.[10]

Für die Ausbildung bedeutet das: Vertiefte Datenverarbeitungs- und Internetkenntnisse sind unabdingbare Voraussetzung für einen Online-Redakteur.

3.3 Grafik und Gestaltung

„Texte, Töne und Bilder werden künftig verstärkt zu multimedialen, onlinegerechten Informationsangeboten verschmelzen.“[11] Stefan Heijnk, Seminarleiter mit Schwerpunkt Online an der Akademie für Publizistik in Hamburg, ist sich sicher, dass vom Online-Redakteur der Zukunft vor allem eines verlangt wird: Multimedia-Kompetenz. Der Redakteur sollte demnach ein gestalterisches Auge besitzen, das ihm den richtigen Umgang mit den verschiedenen grafischen Elementen erleichtert. Die richtige Kombination aus Text, Bildern, Animationen, Filmen oder Tönen wird unter anderem über den Erfolg eines Online-Angebotes entscheiden. Auch Spiegel-Online -Redakteur Ulrich Booms hat erkannt: „Alleine gut schreiben können heißt noch nicht viel. Es ist ein optisches Medium, und man braucht ein Gefühl für das Bild.“[12]

Demnach sollten dem Online-Redakteur die Prinzipien und Zwänge des Screen- und Interface-Designs bekannt sein. Erfahrungen mit Audio- und Videoelemente sind ebenfalls von Vorteil. Dabei stehen vor allem zwei Fragen im Vordergrund: Was ist machbar? Und wie lässt es sich umsetzen? Der sichere Umgang mit der entsprechenden Bildbearbeitungs- und Grafiksoftware, wie Photoshop, QuarkXPress oder Illustrator, wird in den entsprechenden Stellenanzeigen als selbstverständlich vorausgesetzt.

Für die Ausbildung bedeutet das: Der Journalist muss kein Grafik-Designer sein, sollte aber gestalterisches Talent besitzen, die multimedialen Möglichkeiten kennen und mit ihnen umgehen können.

3.4 (Projekt-)Management und Marketing

Der Journalismus steht zwar im Zentrum der Tätigkeit des Online-Redakteurs, doch der Aspekt des Projekt-Managements sollte nicht unterschätzt werden. Gerade in kleineren Verlagen muss der Redakteur sein Produkt auch innerhalb des Hauses wirtschaftlich vertreten und sollte deshalb stets ein wachendes Auge auf den Werbekunden haben. „Grundwissen in Konzeption und Einführung von Produkten, in Akquisition und Kundenberatung wird oft als selbstverständlich vorausgesetzt.“[13]

Redaktionelles Marketing gehört folglich ebenfalls zum Handwerkszeug des Online-Journalisten. „Mit dem verschärften Konkurrenzkampf auf dem Online-Medienmarkt verwischt die klare Grenzlinie zwischen Marketing und Redaktion. (...) Im Zentrum steht dabei die Frage, wie die Wirtschaftlichkeit des eigenen Mediums mit journalistischen Mitteln unterstützt werden kann.“[14] Dazu muss der Online-Redakteur vor allem seine Zielgruppe kennen und gleichzeitig über die Nutzungsgewohnheiten der Internet-Surfer Bescheid wissen. Daran muss er zum Beispiel das Verhältnis von Text, Grafik und Bildern des Online-Auftritts ausrichten. Außerdem sollte der Internet-Journalist eine sogenannte ‚Service-Denke‘ mitbringen, also „attraktive Service-Themen erkennen und in Zusammenarbeit mit den Programmierern Nutzerfreundlich umsetzen.“[15]

Für die Ausbildung bedeutet das: Management- und Marketingwissen kann in einer Online-Redaktion nicht schaden. Zielgruppenorientierung gilt für den Online-Redakteur noch mehr als bei Hörfunk, Fernsehen oder Print.

4. Ausbildungswege im Online-Journalismus

„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“ (Art 5 GG, Abs.1)

Der Artikel der Meinungsfreiheit erlaubt es jedem Bürger, selbst journalistisch tätig zu werden. Der Zugang zum Journalistenberuf steht demnach jedem offen, die entsprechende Ausbildung ist nicht staatlich geregelt. Volontariat, Journalistenschule oder Universität: Das sind vornehmlich die drei Möglichkeiten, die in den klassischen Journalismus führen. Für den Bereich Online tun sich dagegen immer mehr private Einrichtungen hervor, die kostenpflichtig Online-Redakteuere ausbilden oder entsprechende Weiterbildungsangebote im Programm haben.

[...]


[1] Vgl. Meier, Klaus (Hg.): Internet-Journalismus, Konstanz 1998, S. 293

[2] Vgl. Behrens, Inge: Neue Berufe in den neuen Medien, Düsseldorf 1997, S. 8

[3] Vgl. ebd. S. 131ff

[4] Vgl. Medien-Informations-Archiv des dmmv unter: www.aim-mia.de/mia/f-afeld.htm (Stichwort „Online-Redakteur“)

[5] Belz, Christopher / Haller, Michael / Sellheim, Armin: Berufsbilder im Journalismus – Von den alten zu den neuen Medien, Konstanz 1999, S. 158

[6] Behrens, Inge: S. 7

[7] Als Beispiel ist im Anhang eine entsprechende Stellenanzeige der Wirtschaftswoche aus dem Fachmagazin journalist (1/2000) abgebildet: Siehe Anhang I, S. 19

[8] vgl. Mast, Claudia: Berufsziel Journalismus, S. 30

[9] vgl. Höbermann, Frauke: Anforderungen an die Ausbildung im Online-Journalismus, in: Neverla, Irene: Das Netz-Medium. Opladen 1998, S. 305ff

[10] Vgl. Belz, Christopher / Haller, Michael / Sellheim, Armin: S. 158

[11] ebd. S. 158

[12] Meier, Klaus: S. 295

[13] ebd. S. 295f

[14] Belz, Christopher / Haller, Michael / Sellheim, Armin: S. 159f

[15] ebd. S. 158f

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Online-Journalismus - Aus- und Fortbildung in Deutschland
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Kommunikationswissenschaft (Zeitungswissenschaft))
Veranstaltung
Hauptseminar "Online-Journalismus - Nachrichten zwischen Content und Commerce"
Note
1
Autor
Jahr
2000
Seiten
24
Katalognummer
V18948
ISBN (eBook)
9783638231923
ISBN (Buch)
9783656069140
Dateigröße
588 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Online-Journalismus, Aus-, Fortbildung, Deutschland, Hauptseminar, Nachrichten, Content, Commerce
Arbeit zitieren
Wolfgang Haserer (Autor), 2000, Online-Journalismus - Aus- und Fortbildung in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18948

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