Carl Gustav Jungs Begriff der Persona in Anders Thomas Jensens Film „Adams æbler“ (2005)

Eine kritische Analyse der Persona Ivan Fjeldsteds


Essay, 2011
7 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Was ist mit der Persona von Ivan Fjeldsted los?

Im Verlauf dieses Essays soll dieser Frage nachgegangen werden. Dabei wird zum einen Bezug auf die Persona-Theorie Carl Gustav Jung genommen, welche sich mit der Beschaffenheit der menschlichen Psyche und insbesondere mit dem Wechselspiel zwischen dem Bewussten, dem Unbewussten und dem Ich beschäftigt, und zum anderen auf Elemente der Filmanalyse-Theorien Knut Hickethiers, auf welche in ihrer Funktion als unterstützende und begleitende Argumentation und aufgrund der Kürze dieser Arbeit lediglich in geringem Maße zurückgegriffen wird.

Zunächst werden die grundsätzlichen markanten Aussagen der jungschen Theorie zum persönlichen und kollektiven Unbewussten und zum eigentlichen Personabegriff (nach Jacobi) umrissen.

Anschließend wird die Persona von Ivan Fjeldsted anhand von Beobachtungen aus dem der Arbeit zugrunde liegenden Film analysiert. Dabei wird die Persona-Analyse gelegentlich von filmanalytischen Ansätzen unterstützt.

Schließlich wird die Analyse einer Schlussfolgerung entgegen geführt und ein Resümee gezogen.

Um auf Ivan Fjeldsteds Persona einzugehen, ist es zunächst einmal nötig, diesen Begriff zu definieren. Als Persona bezeichnet Jung „die allgemeine psychische Verhaltensweise des Menschen gegenüber seiner Umwelt“ (Jacobi, S. 38). Nach Meinung von Jacobi muss eine Persona dreierlei Faktoren Rechnung tragen. Zum einen muss sie dem Ich-Ideal, bzw. dem Wunschbild des Menschen gerecht werden, zum anderen muss sie dem allgemeinen Bild gerecht werden, das sich die Umwelt von dem Menschen macht und schließlich muss sie den psychischen und physischen Limitationen der Selbstverwirklichung des Menschen Rechnung tragen (vgl. Jacobi, S. 39).

Nach Jung befindet sich das „Ich“ zwischen dem „Bewusstsein“ und dem „Unbewussten“. Dort ist es derart verschiebbar, dass es entweder mittig zwischen den beiden Bereichen liegen kann, weiter oberhalb oder weiter unterhalb (vgl. Jacobi, S. 7). Im ersten Fall spricht Jacobi vom unrealistischen Idealfall, im zweiten Fall, wenn das Ich also nach oben verschoben wurde, von einem „engen Bewusstsein“ (vgl. Jacobi, S. 7), im dritten Fall, bei einem nach unten verschobenen Ich deutet das auf ein enges Unbewusstes hin. Je größer also der Raum, den der jeweilige Bereich (Bewusstsein / Unbewusstes) vom Ich zugesprochen bekommt, desto mehr kann der entsprechende Bereich für das Handeln hinzugezogen werden. Bei einem engen Bewusstsein liegt klarerweise der Großteil der handlungsgebenden Impulse im (viel größeren) unbewussten Bereich und vice versa.

Bei Ivan Fjeldsted ist ein solches „enges Bewusstsein“ den gesamten Film über zu beobachten. Der Zuschauer erfährt nämlich im weiteren Verlauf des Filmes, dass Ivan einen Großteil seiner tragischen Vergangenheit nicht wahrnimmt und sogar deren Existenz leugnet, wenn er darauf angesprochen wird, zum Beispiel als er im ersten Gespräch mit Sarah seinen Sohn erwähnt (vgl. Adams Äpfel, 17:20), als er von Adam auf die kriminellen Aktivitäten der angeblich resozialisierten restlichen Bewohner der Kommune hingewiesen wird (vgl. Adams Äpfel, 22:03 ) und auch, als er von Adam auf den Selbstmord seiner Frau angesprochen wird (vgl. Adams Äpfel, 35:10 ).

All diese einzelnen Vorkommnisse weisen darauf hin, dass bei Fjeldsted der dem Ich zum Bewerten der Handlung gegebene Teil vom Unbewussten dominiert wird, während der Einfluss seines Bewusstseins auf seine Handlungen verschwindend gering zu sein scheint.

Aufgrund dieser Tatsache wird der visuelle Erfahrungsraum des Zuschauers stark beschnitten. Die wesentlichen Punkte in Bezug auf Fjeldsteds Persönlichkeit erfährt der Zuschauer durch diegetische Narration, da das Unbewusste von Ivan Fjeldsted von der Kamera nicht aufgezeichnet werden kann und deswegen durch sein Umfeld erzählt werden muss (zum Beispiel die Vergewaltigung durch seinen Vater, den Selbstmord seiner Frau und die Lähmung seines Sohnes, die später allerdings auch mimetisch erzählt wird) – der Anteil mimetischer Narration fällt also ungewöhnlich gering aus. (vgl. Hickethier, S. 107)

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Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Carl Gustav Jungs Begriff der Persona in Anders Thomas Jensens Film „Adams æbler“ (2005)
Untertitel
Eine kritische Analyse der Persona Ivan Fjeldsteds
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Nordische Philologie)
Veranstaltung
Einführung in die Kulturwissenschaft
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
7
Katalognummer
V189627
ISBN (eBook)
9783656139805
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
"Ein tief reflektiertes Werk, das aufgrund der hohen erbrachten Leistung die Bestnote mehr als verdient hat."
Schlagworte
carl, gustav, jungs, begriff, persona, anders, thomas, jensens, film, adams, eine, analyse, ivan, fjeldsteds
Arbeit zitieren
Damian Windau (Autor), 2011, Carl Gustav Jungs Begriff der Persona in Anders Thomas Jensens Film „Adams æbler“ (2005), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/189627

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