Familie und Bildung - Chancenungleichheit

Oder: Der Unterschied zwischen Arbeiter- und Akademikerkindern


Seminararbeit, 2011

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Zusammenfassung

1. Einleitung
1.1. Begriffsklärung
1.2. Fragestellung

2. Chancenungleichheit oder: Arbeiter- vs. Akademikerfamilien
2.1. Gegenwärtige Situation
2.2. Gründe und Risikofaktoren
2.2.1. Entscheidungsverhalten der Eltern
2.2.2. Einflüsse auf das Entscheidungsverhalten der Abiturienten
2.2.2.1. Die finanzielle Situation
2.2.2.2. Fehlende Hilfestellung in Nicht-Akademikerfamilien
2.2.3. Äußere Faktoren
2.3. Möglichkeiten und Chancen - Verhindern von Chancenungleichheit bei Nicht-Akademikerfamilien
2.3.1. Was Eltern tun können
2.3.2. Was Behörden/Schulen tun können

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

5. Eigenständigkeitserklärung

6. Anlagen

0. Zusammenfassung

In der nachfolgenden Arbeit geht es um die Darstellung der Chancenungleichheit

während der schulischen und universitären Ausbildung in Deutschland bzw. ob ein Unterschied in der Bildungsbeteiligung zwischen Arbeiter- und Akademikerkindern besteht, welche Ursachen diese Umstände haben und wie man diese umgehen bzw. etwas an dieser Situation verändern kann.

Dazu werden die Begriffe ‚Chancenungleichheit’ und ‚Arbeiter-‚ bzw. ‚Akademikerkinder’ geklärt, sowie ein Überblick über die gegenwärtige Situation in Deutschland anhand von Studien und Medienberichten gegeben. Danach wird nach Gründen für die aktuelle Situation während des Bildungswegs an deutschen Schulen gesucht und daraufhin werden Lösungsvorschläge gemacht: Was können Eltern und Behörden unternehmen, damit Kinder nicht ‚benachteiligt’ werden aufgrund ihrer sozialen Herkunft?

1. Einleitung

Geld kommt zum Geld. Dieser Ausspruch lässt sich in unserer Gesellschaft oft in

Gesprächen mit unseren Mitmenschen finden – vor allem, wenn es darum geht, dass zum Beispiel eine reiche bzw. eine aus einer gehobenen Familie stammende Frau einen reichen Mann geheiratet hat. Man hört ihn auch oft, wenn zum Beispiel der Sohn des reichen und einflussreichen Geschäftsmannes, trotz schlechter Leistungen in der Schule, eine gehobene und gut bezahlte (Ausbildungs-)Stelle bekommt. Es wird praktisch das Gefühl vermittelt, wo man hineingeboren wurde, das ist man und bleibt es für das ganze Leben – egal was man leistet. Doch nicht nur in der unmittelbaren Umwelt sieht man sich damit konfrontiert, dass man offensichtlich als einfacher Mensch keine Chance hat, aufzusteigen; die Medien berichten unentwegt über die Problematik reich gegen arm, bzw. gebildet gegen ungebildet oder bildungsarm. 2010 plant Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck ein Schüler-Bafög für arme Familien,[1] in Spiegel Online wird 2004 bestätigt, dass die soziale Herkunft ausschlaggebend ist für den Aufstieg[2] und diese Sicht wird auch noch am Beispiel der Karriere von Alexander von Witzleben bekräftigt: Der Vorstandsvorsitzende des Jenoptik-Konzerns kommt aus einer Familie, die ihm ein Studium ermöglichen hätte können, auch wenn er nicht klug gewesen wäre.[3] Außerdem besagt eine Studie von 1995, dass „82 Prozent der Chefs in Deutschland selber einen Chef zum Vater haben“.[4] Auf der anderen Seite macht der Artikel mit einem Gegenbeispiel Mut: Die damalige Bundesbildungsministerin Edelgard Buhlmann zeigt, dass man es als Tochter von einfachen Arbeitern „von ganz unten nach ganz oben“[5] schaffen kann.

1.1. Begriffsklärung

Bevor jedoch noch weiter auf die Chancenungleichheit in Deutschland bzw. im

deutschen Bildungssystem eingegangen wird, ist es notwendig zu klären, was man unter Chancenungleichheit versteht und, was auch zu Missverständnissen führen kann, was unter anderem mit Arbeiter- bzw. Akademikerfamilien gemeint ist.

Man spricht oft von Chancenungleichheit, wenn es darum geht, dass man als ‚einfacher’ Mensch bzw. als Kind aus einer nicht gut situierten Familie eben keine Chance hat, aufzusteigen, sondern, dass die Nachteile, die die soziale Herkunft mit sich bringt, über Generationen weitergegeben werden. In der Kurzfassung der 19. Sozialerhebung 2009 geht es unter anderem auch um eine so genannte ‚Studierchance’: Je nachdem welchen Abschluss der Vater hat, umso höher oder niedriger sind die Chancen für dessen Kind, einen Studienplatz zu bekommen bzw. überhaupt ein Studium beginnen zu können. Dazu kann man zum Beispiel sagen, dass bei 337.000 Arbeiterkindern, deren Vater keinen Hochschulabschluss hat, nur etwa 20 Prozent ein Studium beginnen, wohingegen 22 Prozent der 103.000 Kinder von Arbeitern mit Hochschulabschluss sich an einer Universität einschreiben.[6] Im Jahr 2007 haben sich 75 Prozent an einer Hochschule beteiligt, deren Vater selber eine Hochschulreife hat, dafür aber nur 20 Prozent derjenigen, deren Vater nur einen Hauptschulabschluss hat.[7]

Es wird hier schon angedeutet, was man auf der einen Seite unter einem Arbeiterkind bzw. Nicht-Akademikerkind versteht: Hierunter zählen alle Kinder, deren Eltern keinen Hochschulabschluss haben, und eben, wie der Name schon sagt, ‚nur’ Arbeiter, Angestellte, etc. sind. Dies soll in keinem Falle abwertend klingen; es besagt nur, dass die soziale Herkunft nicht von akademischer Natur ist und muss auch nicht bedeuten, dass diese Familien finanziell schlecht situiert sind. Auf der anderen Seite gibt es noch die so genannten Akademikerkinder: Diese stammen aus einer Familie, in der mindestens ein Mitglied einen Abschluss an einer Universität oder ähnliches geleistet hat.[8]

1.2. Fragestellung

Um noch einmal Bezug auf den Spruch ‚Geld kommt zum Geld’ zu nehmen: Ist das

wirklich so? Haben ‚einfache’ Menschen wirklich keine Chance aufzusteigen? Natürlich stellt sich auch immer wieder die Frage: Gibt es so etwas wie ‚Chancenungleichheit’ an deutschen Schulen? Haben es Nicht-Akademikerkinder wirklich schwerer als Akademikerkinder, wenn es um den sozialen Aufstieg geht oder entstehen diese Meinungen und Aussagen nur aus der subjektiven Wahrnehmung des Betrachters heraus?

2. Chancengleichheit oder: Arbeiter- vs. Akademikerfamilien

2.1. Gegenwärtige Situation

Zuerst ist es wichtig, die gegenwärtige Situation in Deutschland darzustellen: Wie

stehen die Chancen für Arbeiterkinder, im Gegensatz zu Akademikerkindern, eine Hochschule bzw. überhaupt erst ein Gymnasium zu besuchen? Haben sie die gleichen Möglichkeiten wie die Kinder aus einer Akademikerfamilie oder werden sie benachteiligt?

Dazu ist zu sagen, dass eine gewisse Chancenungleichheit schon in der Grund-

schule zu finden ist: Neben der Tatsache, dass in Bayern Kinder aus der Oberschicht eine 6,65 Mal so große Chance haben, das Gymnasium zu besuchen als Schüler aus einem Arbeiterhaushalt,[9] beginnt die so genannte ‚soziale Selektion’ schon vor dem potentiellen Übertritt auf das Gymnasium oder andere weiterführende Schulen: „Jede dritte Grundschullehrer-Empfehlung über die weitere Schullaufbahn nach Klasse vier ist nicht optimal“.[10] Das heißt, es spielt für die Grundschullehrer eine große Rolle, welche Herkunft der Schüler hat, ob seine Eltern nur einfache Arbeiter oder Angestellte sind oder ob diese aus einer höher gestellten Familie stammen. Akademikerkinder haben sogar eine „fast drei mal so große Chance, […] eine Empfehlung für den Besuch des Gymnasiums zu bekommen“[11] als Kinder aus der Mittel- oder Unterschicht, obwohl sie vielleicht über die gleiche Intelligenz und die gleichen Leistungen verfügen. Für viele Eltern ist diese Empfehlung aber wesentlich entscheidend für die letztendliche Schulwahl.[12] Erstaunlich ist jedoch, dass 36,5 Prozent der Eltern, deren Kinder trotzdem eine Gymnasialempfehlung bekommen haben, diese freiwillig unterschreiten und ihren Sohn oder ihre Tochter auf die Real- oder Hauptschule schicken.[13]

Nach dieser ersten Hürde, die ein Kind in seiner schulischen Laufbahn auf sich nehmen muss, kommt die zweite Schwelle – der Übergang in die Sekundarstufe II. Laut dem Bildungstrichter 2007 schaffen nur etwa 45 Prozent der Nicht-Akademikerkinder diesen Schritt; dagegen 81 Prozent der Akademikerkinder.[14] Von diesen 45 Schülern aus 100, die es bis in die gymnasiale Oberstufe geschafft haben und deren Eltern keine Akademiker sind, erreichen nur 24 die vierte Schwelle, den Hochschulzugang, wohingegen noch 71 Kindern der gebildeten Schicht auf eine Hochschule gehen.[15]

Diese Ergebnisse zeigen auf den ersten Blick, dass die Kinder, die aus einer gebildeten Umgebung kommen, anscheinend klüger sind und deshalb von ihnen mehr auf ein Gymnasium und letztendlich auf eine Universität gehen. Allein aber die Erkenntnis über unzureichende und vielleicht auch nicht vorurteilsfreie Grundschullehrerempfehlungen, lassen schon erkennen, dass dies nicht der einzige Grund sein kann, warum nicht viele Arbeiterkinder den Sprung in eine bessere schulische Karriere schaffen.

[...]


[1] http://welt.de/politik/bildung/article7262267/Platzeck-plant-Schueler-Bafoeg-fuer-arme-Familien.html

[2] Vgl. http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,306425,00.html

[3] Vgl. ebd.

[4] Ebd.

[5] Vgl. ebd.

[6] Vgl. Isserstedt, W., Middendorff, E., Kandulla, M., Borchert, L., Leszczensky, M .: Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in der Bundesrepublik Deutschland 2009. 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks. Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hrsg.), Bonn/Berlin 2010. S.9.

[7] Vgl. Isserstedt, W., Middendorff, E., Kandulla, M., Borchert, L., Leszczensky, M. o.o.A., S. 10.

[8] Vgl. Isserstedt, W., Middendorff, E., Kandulla, M., Borchert, L., Leszczensky, M. o.o.A., S. 17ff.

[9] Vgl. http://www.faz.net/artikel/C30919/pisa-laendervergleich-chancenungleichheit-in-schulen-waechst-30109315.html

[10] http://www.welt.de/politik/bildung/article7258676/Herkunft-entscheidet-wer-auf-das-Gymnasium-geht.html

[11] http://www.welt.de/politik/bildung/article7258676/Herkunft-entscheidet-wer-auf-das-Gymnasium-geht.html

[12] Vgl. http://www.welt.de/politik/bildung/article7258676/Herkunft-entscheidet-wer-auf-das-Gymnasium-geht.html

[13] Vgl. http://www.welt.de/die-welt/debatte/article7512153/Der-gerade-Weg-zur-Bildung.html

[14] Vgl. dazu Abbildung 1 im Anhang.

[15] Vgl. Abbildung 1

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Familie und Bildung - Chancenungleichheit
Untertitel
Oder: Der Unterschied zwischen Arbeiter- und Akademikerkindern
Hochschule
Universität Passau
Veranstaltung
Das ganz normale Chaos in der Familie – Form und Wandel einer Institution
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
19
Katalognummer
V191278
ISBN (eBook)
9783656160625
ISBN (Buch)
9783656160274
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
familie, bildung, chancenungleichheit, oder, unterschied, arbeiter-, akademikerkindern
Arbeit zitieren
Christina Machnyk (Autor), 2011, Familie und Bildung - Chancenungleichheit , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191278

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