Hooligans im deutschen Fußball

Über die Entstehung der Hooliganszene und Präventionsmöglichkeiten


Hausarbeit, 2010

23 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

1 Einleitung

Im Fußball spielen die Fans eine zentrale Rolle, da nur durch sie der Sport finanziert werden kann und das große Interesse am Fußball aufrecht erhalten wird. Als Folge dessen gibt es allerdings auch immerwieder Zuschauer in deutschen Stadien, die sich durch diverse Aktionen in den Vordergrund drängen möchten, sei es durch Diskriminierung, Gewalt oder ähnliche Vergehen.Der Sport Fußball ist zudem jederzeit aktuell und fasziniert Millionen vonMenschen auf der ganzen Welt, was wiederum zeigt, welch große Bedeutung dieses Thema hat:

Fußball zog und zieht Millionen in seinen Bann unabhängig von Alter, Geschlecht, Bildungsstand und sozialer Herkunft. Fankultur und Fanszene präsentieren sich entsprechend ebenso vielschichtig und bunt wie widersprüchlich. Das Spektrum reicht vom kleinen Jungen bis zum graubärtigem Opa, von dem „mit den Wölfen heulendem Mädchen“ bis zur gereiften Oma, vom hemmungslos jubelnden bis hin zum distanziert konsumierenden Fan, vom friedfertigen Schlachtenbummler bis hin zum gewaltfaszinierten Hooligan, vom Abstinenzler bis zum Alkoholiker, vom „Linken“ bis zum „Rechten“. (Pilz, 2006, S.68)

In der Geschichte des deutschen Fußballs kam es bereits häufiger zu Ausschreitungen aggressiver gewaltsuchender Fans und somit zeigt sich der Hooliganismus als zeitloses Problem, welches auch in der Öffentlichkeit ständig im Fokus steht, speziell um die Sicherheit anderer Zuschauer zu gewährleisten. (Behn, et.al., 2005, S.289)

Auch aktuell rücken Fanausschreitungen bei Fußballspielen und deren Umfeld immer wieder in den Mittelpunkt der medialen Berichterstattung.So stellt sich häufig die Frage, wie der Hooliganismus präventioniert und bekämpft werden kann. Um dieses Problem erfolgreich zu lösen, muss man jedoch zuerst Hooligans soziologisch bestimmen und ihre Motive erkunden.Unter anderem werden Hooligans oft verschiedene Intentionen zugeschrieben, welche sich auf politische Motive beziehen können, oder auch der „Lust auf Gewalt“.(Althoff &Nijboer, 2008, S.137). Diese Ursachen müssen somit ebenfalls ergründet werden, damitpräventive Maßnahmen gefunden und sinnvoll eingesetzt werden können.

Die Hausarbeit beschäftigt sich mit der Entstehung von Hooligans und versucht die Beweggründe von den Randalierern aufzudecken, wobei verschiedene Aggressionsmodelle zur Hilfe genommen werden. Des Weiteren werden unterschiedliche Möglichkeiten aufgezeigt, die man in der Vergangenheit nutzte um die Hooliganszene zu verhindern und auch aktuelle oder zukünftige Maßnahmen, welche der Gewalt in deutschen Stadien vorbeugen sollen.

Die folgenden Seiten werden dem Leser Aufschluss darüber geben, wie das Problem „Hooliganismus“ entsteht und sich die Szene entwickelt hat. Zusätzlich sollen Präventionen und Bekämpfungsmaßnahmen deutlich und ein Ausblick auf das weitere Geschehen anhand dieser Informationen möglich werden.

2 Fankultur in Deutschland

Die deutsche Fankultur spielt im Fußball nicht nur eine bedeutende Rolle aufgrund der immer weiter zunehmenden Kommerzialisierung, sondern auch weil es als Motivation für die Spieler gilt und teilweise sogar eine Lebenseinstellung der Fans bedeutet. Natürlich hat sich auch dieses erst im Laufe der Zeit entwickelt und stetig verändert, wobei die Bindung und Nähe zum Verein undebenso dasZuschauerverhalten im Vordergrund steht. (Behn, et.al., 2005, S.290)

Speziell im Bezug auf das aggressive Verhalten haben Wissenschaftler Fangruppen kategorisiert, um den Verlauf nachvollziehen zu können und auch einer Zunahme von Randalierern entgegenzuwirken. So lässt sich auch einfacher feststellen aus welcher sozialen Schicht aggressive Fans vorrangig stammen und in welche Richtung weitere Forschungen nötig sind. (Bliesener, 2006, S.291)

2.1 Fangruppen und -kategorien

„Der typische Zuschauer der Gegenwart kommt weniger aus dem Interesse, seine Mannschaft zu unterstützen, sondern in erster Linie um gute Unterhaltung zu konsumieren.“(Friedmann, 2009, S.9) Ein Großteil der Fans ist hierbei friedlich. Allerdings unterscheidet man hierbei zwischen Kategorien und stuft die Fans in Gruppen ein, beispielsweise in die Kategorien A bis C.

Die Kategorie A beinhaltet die friedlichen Fans im Stadion, welche durchaus aktiv sein können, durch Gesänge, Anfeuerungen oder ähnlichen Handlungen, jedoch Gewalt ablehnen. Die Kategorie stellt die klare Mehrheit dar mit über 90 Prozent der gesamten Fußballfans und es geht keine Gefahr von ihnen aus.

Bei der zweiten Kategorie handelt es sich um fanatische Fans, wobei der Ausgang des Fußballspiels von zentraler Bedeutung ist. Das heißt es kann durchaus Gewalt nach einem negativen Ergebnis entstehen, wenn eine gewisse Gruppendynamik diese Situation ermöglicht.

Die letzte Kategorie C macht nur weniger als einen Prozent aus. In diese Kategorie werden Zuschauer eingeordnet, die zu Gewalt entschlossen sind und als Randalierer gelten. Sie wollen bewusst für Unruhe sorgen, unabhängig von den äußeren Gegebenheiten. Eine Abgrenzung zwischen den Kategorien B und C ist allerdings deutlich schwieriger als die Grenze zur Kategorie A. (Willms, 2009, S.128)

Weitere Autoren beschreiben diese nicht homogene-Fußballfan-Szene durch andere Begriffe, jedoch kann man diese meist auf die jeweils anderen Modelle übertragen. So gibt es laut Ina Weigelt (2004) konsumorientierte, fußballzentrierte und erlebnisorientiere Fans, die Begriffe Kategorie A bis C werden meist von der Polizei benutzt.

So ist für die konsumorientierten Fans die Bedeutung des Fußballspiels sehr hoch und die Leistung spielt ein entscheidendes Kriterium. Sie sehen Fußball als Freizeitbeschäftigung und schauen alleine oder als Kleingruppe zu. Den typischen Fanblock meiden sie und weichen vorzugsweise auf den Sitzplatz aus.

Die fußballorientierten Fans lassen sich mit der Kategorie B vergleichen, ihre Treue ist extrem hoch, egal bei welchem Spielergebnis und Tabellenplatz. Fußball stellt bei ihnen einen wesentlichen Lebensinhalt dar und ist nicht austauschbar, genauso wichtig ist die soziale Anerkennung durch den Fußball. Man findet diese Fans häufig im Fan-Block mit größeren Cliquen oder Fanclubs.

Die dritte Kategorie der erlebnisorientierten Fans sieht Fußball als Spektakel und es bedeutet Spannung im Leben, ist dennoch austauschbar, da andere Massenveranstaltungen mit ähnlichen Gefühlen besucht werden können. Das Stadion und das Umfeld ist ein wichtiges Präsentationsfeld, sie befinden sich immer da, „wo was los ist“, haben also wechselnde Standorte.

(Weigelt, 2004, S.29)

Die Anhänger selbst bezeichnen sich natürlich anders, so stellen die Konsumorientierten die „Neckermänner“ oder „Normalos“ dar, die Fußballzentrierten die „Kutten“ und die Erlebnisorientierten die „Hools“. (ebenda, S.30)

Die „Neckermänner“ oder konsumorientierten Fans interessiert meist nur ein gutes Spiel, da sie „Kutten“ und „Hools“ ablehnen kann es auch vorkommen, dass sie sich das Spiel lieber am Fernseher ansehen.

„Kutten“ sind die traditionellen Fans und stehen voll und ganz hinter ihrem Klub, die Gruppengemeinschaft ist besonders stark ausgeprägt. Der Begriff „Kutten“ lässt sich daraus ableiten, dass diese Fangruppe häufig die traditionellen Jacken und Schals tragen. Sie machen die meiste Stimmung im Stadion und als gewaltige Masse erscheinen sie den restlichen Zuschauern oft als Bedrohung.

Die „Hools“ entstanden ursprünglich aus den fußballorientierten Konsumenten, lehnen diese mittlerweile allerdings ab. Dies zeigt sich dadurch, dass sie die Fanbekleidung abgelegt haben und im Stadion oder auch vor und nach dem Spiel die gewalttätige Auseinandersetzung suchen. Gekämpft wird normalerweise Mann gegen Mann und ohne Waffen, nach einem ungeschriebenen Ehrenkodex. Zu dem typischen Verhaltensweisen und Merkmalen der „Hools“ werde ich noch weiter im Kapitel 3 eingehen. (ebenda)

Eine weitere Gruppe sind allerdings die „Ultras“, diese Fraktion hat als Vorbild eine italienische Bewegung von Jugendlichen. Mittlerweile besitzt fast jeder Profi-Klub eine Ultraszene, was gleichbedeutend mit der rasanten Veränderung der deutschen Fankultur in letzten Jahren ist. Sie gelten als äußerst vereinstreu und werden in der Regel als fußballorientierte Fans eingestuft.Als zentrales Merkmal haben die „Ultras“ für sich festgesetzt, dass sie unabhängig vom Verein sind und die unbedingte Präsenz, also die Unterstützung der Mannschaft, im Vordergrund steht. Auch die Polizei kann nicht klar einstufen, ob die Gruppierung zur Kategorie B oder C gehört, da bislang unter C nur die Hooligans fielen. (Friedmann, 2009, S.13 ff.)

2.2 Entwicklung des Zuschauerverhaltens

Die Wurzeln der Fankultur reichen weit in die Geschichte zurück, so waren in Deutschland „[…] Fußball und Gewalt schon in den Gründerjahren der Sportart miteinander verbunden.“ (Heith & Pauler, 2007, S.144) So kam es bereits vor dem ersten Weltkrieg zu ersten Zuschauerausschreitungen, was hingegen größtenteils mit der mangelnden Regelkenntnis zusammenhing. Aber auch nach dem Krieg kam es zu Beginn der 20er Jahre zu einem überharten Spiel und regelmäßigen Schlägereien am Seitenrand, da jeder sich mit seinem Ortsverein fest identifizierte. Nach dem zweiten Weltkrieg hingegen änderte sich die Situation und der Fußball in Westdeutschland war weitgehend gewaltfrei in den höheren Spielklassen. Zu dieser Zeit entstanden die typischen Fangesänge und Schmährufe gegen die Gegner, es gab allerdings immer wieder vereinzelte Fälle von Gewalt, sowohl zwischen Zuschauern als auch Spielern. Das aggressive Verhalten war in den war auch in den 1940er, 1950er und 1960er Jahren vollkommen aus der deutschen Fankultur verschwunden. (ebenda, S.145)

Pilz (2006) schreibt über das Verhältnis zwischen Spielern und Zuschauern, dass es sehr von Interaktion geprägt war und die Zuschauer nah am Geschehen waren. Die Anhänger wurden in den 20er Jahren als „Schlachtenbummler“ bezeichnet, was die militärische Tradition widerspiegelt. So wurden in den 30er Jahren Nachbarschaftsderbys als Möglichkeit für Ausflüge genutzt, in denen Verein, Anhänger und Spieler eine soziale und kulturelle enge Beziehung hatten. Oft wurde die ganze Familie mitgenommen und man saß nach dem Spiel noch in geselligen Runden zusammen. (Pilz, 2006, S.68 f.)

Gegen Ende der 50er Jahre entstand allerdings eine vielschichtige Zuschauerkrise, welche durch die immer weitere Professionalisierung des Fußballs in England, und daraufhin auch in Deutschland, hervorgerufen wurde. Die Interaktion flachte ab und die greifbaren Repräsentanten verschwanden immer mehr. Ebenso wandelte sich der Zuschauer, der die Spieler als Unterhalter ansah und das Spektakel suchte.(Friedmann, 2009, S.7)

Es folgte 1974 die Trikotwerbung und dadurch eine weitere Entfremdung, wodurch die Spaltung zu „wählerischen Konsumenten“ und „fußballorientierten Kuttenfan“ entstand.(Heith & Pauler, 2007, S.146)

Es tauchte ein großes Spannungsverhältnis auf, was mit den neuen Fußballstars und der neuen Rolle des Publikums zusammenhing. Geld bekam eine immer größere Bedeutung und das Fußballspiel erhielt Show-Charakter, so dass letztendlich die Repräsentation des eigenen Viertels oder der Stadt bei vielen Fans verloren ging. Diese Nicht-Beachtung der Spieler gegenüber den Fans kann nach Pilz ein möglicher Grund für die zunehmende Gewalt sein. (Pilz, 2006, S.70 f.)

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Hooligans im deutschen Fußball
Untertitel
Über die Entstehung der Hooliganszene und Präventionsmöglichkeiten
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
23
Katalognummer
V191726
ISBN (eBook)
9783656170587
ISBN (Buch)
9783656171300
Dateigröße
1012 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hooligans, fußball, entstehung, hooliganszene, präventionsmöglichkeiten, Agressionen, Sicherheit
Arbeit zitieren
Kevin Böttger (Autor), 2010, Hooligans im deutschen Fußball, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191726

Kommentare

  • Kevin Böttger am 17.4.2012

    Inhaltsverzeichnis

    1Einleitung
    2Fankultur in Deutschland
    2.1Fangruppen- und –kategorien
    2.2Entwicklung des Zuschauerverhaltens
    3spezifische Merkmale und Verhaltensweisen von Hooligans
    3.1Identifikation mit dem Verein
    3.2Äußerliche Erscheinung
    3.3Alkohol- und Drogenkonsum
    3.4Gewaltbereitschaft und Kriminalität
    3.5Soziales Umfeld
    3.6Ehrenkodex
    3.7Hierarchie und Zusammenhalt
    4ausgewählte Erklärungstheorien und Ursachen
    4.1Die Triebtheorie
    4.2Die Frustrations-Aggressions-Hypothese
    4.3Entwertungsthese
    4.4Gruppendynamik
    5Präventionsmaßnahmen
    5.1Vereine und Verbände
    5.2Polizei und Staat
    5.3Zusätzliche Maßnahmen
    6Ausblick
    7Literaturverzeichnis

Im eBook lesen
Titel: Hooligans im deutschen Fußball



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden