Die ostdeutsche Jugendkultur vor und nach der Wende


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Aufwachsen in der DDR - Der Alltag der Jugend
2.1 Schule und Erziehung
2.2 „Freie Deutsche Jugend“
2.3 Medienalltag und Musikszene

3 Jugend in Ostdeutschland heute
3.1 Schulische Bildung und Veränderungen
3.2 Zukunftsaussichten
3.3 Freizeitgestaltung
3.4 Politische Einstellung und Rechtsextremismus

4 Fazit

5 Literaturquellenverzeichnis

1 Einleitung

Wer in den siebziger und achtziger Jahren in der DDR aufgewachsen ist, hatte eine beweg- te Jugend[1]. Sie war geprägt von einem geordneten und „geplanten“ Leben, jedoch auch von vielen Pflichten und Verboten. Doch mit dem Fall der Mauer 1989 begann ein neuer Lebensabschnitt für die Heranwachsenden. Die Jugendlichen mussten plötzlich mit einer Auflösung ihres sozialen Milieus und damit einer Auflösung traditionsvermittelnder Orien- tierungssicherheiten (vgl. Melzer, 1992:122) sowie vielen Veränderungen im Alltag zu- rechtkommen. Das komplette Schulsystem wurde nach westlichem Vorbild verändert, ein neuer Umfang an Medien stand ihnen zur Verfügung und zum ersten Mal in ihrem Leben konnten sie ohne Probleme reisen, wohin sie wollten. Auf der einen Seite war es eine Be- freiung. Es war jedoch, nicht zu vergessen, auch eine große persönliche Anstrengung für die Jugendlichen, den neuen Alltag zu bewältigen und sich auf das neue System einzulas- sen. (vgl. Friedrich, 1997:39) 20 Jahre nach der Wiedervereinigung hat sich die Art, wie die Jugend in Ostdeutschland verbracht wird, in vielen Punkten an die Jugend in West- deutschland angeglichen. Es gibt jedoch immer noch einige Unterschiede zwischen Ost und West.

Wie war es, seine Jugend in der DDR zu verbringen und wie sieht die Jugendzeit im heuti- gen Ostdeutschland aus? Dieses Thema hat mich sehr interessiert, denn ich wollte heraus- finden, wie es war, seine Jugend in der DDR zu verbringen und inwiefern sie sich von meiner eigenen unterschieden hat. Ich habe außerdem einen guten Freund, der aus der Nä- he von Chemnitz stammt. Ihn habe ich vor meiner Ausarbeitung zu seinen Erfahrungen befragt, was mir den Einstieg in das Thema sehr erleichtert und meine Neugier noch mehr geweckt hat. Mein Ziel ist es, die Jugend in der DDR und im heutigen Ostdeutschland zu beschreiben und zu ergründen, ob es noch immer Unterschiede zwischen ost- und west- deutschen Jugendlichen gibt. Auch der politische Aspekt interessiert mich sehr. Die Frage, warum die Jugend in Ostdeutschland rechtsextremer ist als in Westdeutschland muss un- tersucht werden, denn der Rechtsextremismus stellt einen der größten Unterschiede zwi- schen Ost und West dar.

In meiner Hausarbeit zeige ich zunächst den schulischen Alltag der Jugend in der DDR

nach dem Mauerbau 1961 auf. Im Jahre 1965 wurde ein neues Bildungsgesetz erlassen, was den Inhalt und die Organisation des Bildungswesens bis zur Wende festlegte. (vgl. Internetquelle 1) Deshalb habe ich mich dazu entschieden, dort mit meinen Untersuchun- gen zu beginnen. Danach beschreibe ich die Freizeit und den Medienalltag der Jugend. Im zweiten Teil meiner Hausarbeit beschreibe ich das Leben der Jugendlichen im heutigen Ostdeutschland und erkläre, wie sich dieses verändert hat. Dies werde ich anhand der schu- lischen Bildung sowie den Zukunftserwartungen und Aussichten der Jugend heute analy- sieren. Außerdem erläutere ich die Nutzung der Freizeit, die politische Einstellung sowie den Rechtsextremismus der heutigen Jugend. Zum Schluss werde ich erörtern, wie sich die Jugend im Osten Deutschlands verändert hat und ob es noch immer Unterschiede zwischen ost- und westdeutschen Jugendlichen gibt.

Die Auswahl meiner Quellen besteht aus Internetquellen der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Bildungsbericht. Zudem habe ich Literatur benutzt, die kurz nach der Wende verfasst wurde, da diese ein gutes Bild der DDR und der Situation zur Zeit der Wende zeigen. Um die aktuelle Situation der Jugend zu beschreiben, habe ich mich an Internetquellen und Zeitungsberichten orientiert.

2 Aufwachsen in der DDR - Der Alltag der Jugend

Wie war es, in der DDR aufzuwachsen? Wie zuvor bereits beschrieben, beginne ich im Jahre 1965 mit meinen Untersuchungen und beschreibe zunächst das Bildungssystem. Zu- sätzlich zu dem neuen Bildungsgesetz war der Bau der Mauer ein entscheidendes Ereignis für die zukünftige Entwicklung der Jugendkultur der DDR in den sechziger Jahren, wo sich langsam ein kritisches Verständnis gegenüber der sozialistischen Regierung bildete. Nach der Beschreibung des Bildungssystems werde ich auf einzelne Merkmale der Jugendkultur eingehen. Zu diesen Merkmalen gehören die vom Staat gesteuerte Jugendorganisation „Freie Deutsche Jugend“ (FDJ) sowie das Aufkommen der Beatmusik[2]. Auf diese Punkte gehe ich näher ein und beschreibe, inwiefern der Staat seinen Einfluss in den verschiede- nen Lebensbereichen der Jugendlichen ausübte.

2.1 Schule und Erziehung

Die DDR-Jugendkultur war wie jede Jugendkultur von den gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen geprägt mit der sie sich auseinanderzusetzen hatte, in ihrem Falle der sozialistischen Ideologie der DDR. (Internetquelle 2)

Wie in diesem Zitat von Henning Pietzsch deutlich wird, kamen die Bürger der DDR schon von frühester Kindheit an in Kontakt mit dem sozialistischen System. Dies sollte das Ziel haben, die Bürger der DDR bereits mit der Geburt an das System zu gewöhnen und sie zu einem Teil dessen zu machen. Im Zuge des neuen Gesetzes über ein „einheitliches sozi- alistisches Bildungssystem“ bot die sozialistische Regierung zum Beispiel fast allen Fami- lien einen Platz in der Kinderkrippe. Zudem gab es Kindergärten, eine Vorschule und Spiel- und Lernnachmittage für Kinder. Das neue Gesetz wurde 1965 eingeführt, um "die Bürger zu befähigen, die sozialistische Gesellschaft zu gestalten, die technische Revolution zu meistern und an der Entwicklung der sozialistischen Demokratie mitzuwirken" (Internetquelle 1). Im Alter von sechs oder sieben Jahren wurden die Kinder dann eingeschult. In der DDR gab es Einheitsschulen[3], die sich „Polytechnische Oberschulen“ (POS) nannten. Die POS war eine Ganztagesschule, die auch für die Verpflegung und Hausaufgabenbetreuung der Schüler sorgte. Die Polytechnische Oberschule wurde von allen Kindern normalerweise

zehn Schuljahre lang besucht. Ein Merkmal der POS war der berufsorientierte „polytechni-

sche“[4] Unterricht ab der siebten Klasse. Henning Pietzsch sagt dazu:

Mit einem regelmäßig in den Stundenplan eingebundenen »Unterrichtstag in der Produktion« (UTP) bzw. »Produktiver Arbeit« (PA) sollten die Schülerinnen und Schüler in der DDR an das Arbeitsleben in den Volkseigenen Betrieben herangeführt werden.

(Internetquelle 2)

Zudem wurde 1978 der Wehrkundeunterricht eingeführt, der für Jungen und Mädchen Pflicht war. Dieser bestand aus theoretischen und praktischen Teilen. Jungen mussten eine Nahkampfausbildung absolvieren und den Umgang mit Waffen erlernen, für Mädchen stand eine Sanitätsausbildung auf dem Stundenplan. Es war möglich, den Unterricht zu verweigern, doch Schüler, die dies taten, mussten mit Benachteiligungen rechnen. (vgl. Internetquelle 2) Da nur etwa 10% der Schüler, die die zehnte Klasse der POS abschlossen, für die zwei weiterführenden Jahre zum Abitur[5] zugelassen wurden, verringerte eine Ver- weigerung die Chancen enorm. Der niedrige Prozentsatz der Zulassungen bewirkte einen hohen Leistungsdruck für die Schüler, da nur gute Schüler mit hoher Leistungsfähigkeit ausgewählt wurden. Auch die politische Reife der Schüler, also Systemtreue und politische Aktivitäten des Schülers, sowie das Engagement der Eltern für die DDR wurden bei der Auswahl berücksichtigt. Leistung wurde hier nicht als individueller Erfolg gesehen, son- dern als Beitrag zur Gemeinschaft. Es war eine Tugend, in der Schule gute Leistungen für den Sozialismus zu erbringen.

2.2 „Freie Deutsche Jugend“

Schule und Freizeit waren in der DDR nicht leicht zu trennen. Durch die Ganztagesschule verbrachten die Schüler die meiste Zeit des Tages in der Schule, zudem wurde samstags unterrichtet. Außerdem war die „Freie Deutsche Jugend“ (FDJ) auch im Schulalltag prä- sent. Sie war die einzige zugelassene Jugendorganisation in der DDR und hatte Einfluss auf fast alle Freizeitangebote. Die FDJ wurde vom Staat gelenkt und hatte das Ziel, die Jugendlichen zum Sozialismus zu führen und politisch zu beeinflussen. Es war sehr schwer, nicht mit der Organisation in Berührung zu kommen. Über die Pionierorganisation „Ernst Thälmann“[6] bot sie außerdem Ferienlager und Ausflüge für Kinder an. (vgl. Inter-

netquelle 3) Jugendliche hatten die Möglichkeit, an vielen Freizeitangeboten teilzunehmen,

wie zum Beispiel an Tanzabenden oder Treffen im dorfeigenen Jugendclub. Es war zwar freiwillig der FDJ beizutreten, doch diejenigen, die dies nicht taten, mussten mit Benach- teiligungen in der Schule und im Beruf rechnen. Es gab also eher einen „freiwilligen Zwang“, um Nachteile zu vermeiden, wie es auch beim Wehrkundeunterricht der Fall war. (vgl. Stock/Tiedke, 1992:23) An Schulen veranstaltete die FDJ Versammlungen und gab Unterricht vor der Jugendweihe, die offiziell auch freiwillig war. Die Jugendweihe wurde als Ersatz für die christliche Kommunion oder Konfirmation eingeführt, mit ihr wurden die Jugendlichen ins Erwachsenendasein aufgenommen und ein Mitglied der sozialistischen Gesellschaft. Jugendliche, die nicht an der Jugendweihe teilnahmen, hatten unter Anderem schlechtere Chancen in die EOS aufgenommen zu werden. Wegen der drohenden Benach- teiligung im zukünftigen Leben trat deshalb, bis auf wenige Ausnahmen, der Großteil der Jugendlichen der FDJ bei und nahm an der Jugendweihe teil. In den Versammlungen der FDJ war oft auch die schulische Leistung ein Thema. Wie schon zuvor beschrieben kam auch darin zum Ausdruck, dass gute Leistungen für die Gesellschaft von Bedeutung und „zu Ehren der DDR“ waren. (vgl. Stock/Tiedke, 1992:49;50).

[...]


[1] Definition „Jugend“: Man muss unter „Jugendlichen“, die zwischen 14 und 18 Jahren alt sind, und „jungen Erwachsenen“ unterscheiden, die zwischen 18 und 25 Jahren alt sind. Die Jugendzeit erstreckt sich also über das Alter von 14 bis 25 Jahren. (vgl. Friedrich, 1997:43) In meiner Hausarbeit werde ich mich der Übersichtlichkeit halber immer auf die gesamte Jugendzeit beziehen.

[2] Beatmusik beschreibt das neue Musikgenre, der Rock´n´Roll, welches aus dem Westen bis in die DDR vordrang.

[3] Eine Einheitsschule entspricht einer Gesamtschule

[4] Verbindung von theoretischem Lernen und praktischer Arbeit

[5] Die zwei weiterführenden Jahre nannten sich „erweiterte Oberstufe“ (EOS)

[6] Ernst Thälmann Jungpioniere: Massenorganisation für Kinder, um sie zu jungen Sozialisten zu erziehen

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die ostdeutsche Jugendkultur vor und nach der Wende
Hochschule
Technische Hochschule Köln, ehem. Fachhochschule Köln
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V191960
ISBN (eBook)
9783656167938
ISBN (Buch)
9783656168386
Dateigröße
667 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
DDR, Jugend, Ostdeutschland, Interkulturelle Kommunikation, Vergleich Ost und Westdeutschland
Arbeit zitieren
Sarah Pfeiffer (Autor:in), 2012, Die ostdeutsche Jugendkultur vor und nach der Wende, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191960

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