Prozessoptimierung durch die IT am Patientenbett


Bachelorarbeit, 2009

62 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Gesundheitssystem
2.1 Das österreichische Gesundheitssystem
2.2 Organisation Krankenhaus
2.2.1 Krankenhausmanagement
2.2.2 Betriebsprozesse des Krankenhauses
2.2.3 Medizinische Funktionsbereiche des Krankenhauses
2.3 Das Allgemeine Krankenhaus Wien

3 Arbeitsprozesse im Krankenhaus
3.1 Analyse der Wertschöpfung im Krankenhaus
3.2 Veränderungsmanagement im Krankenhaus
3.3 Medizinischer Prozess - Visite

4 IT Unterstützung im Krankenhaus
4.1 E-Health
4.2 Telemedizin
4.3 E-Patientenakte
4.4 Personal Digital Assistant (PDA) und Tablet PC
4.4.1 PDA
4.4.2 Tablet PC
4.5 IT-Sicherheit
4.6 EDV-Netzwerke in der Medizin
4.6.1 Terminalserver, Thin-Client- und Citrix-Lösungen
4.6.2 Funknetzwerke
4.6.3 Sicherheitsaspekte in medizinisch genutzten Netzwerken

5 Moderne Software für den Krankenhausbereich
5.1 Soarian®
5.2 i.s.h.med (Industry solution for Healthcare medical)
5.3 k.i.s

6 Neue Krankenhaussoftware im AKH Wien
6.1 Grundzüge der Umsetzungsstrategie
6.2 Strategische Grundzüge des Projektes AKIM
6.3 Projektstatus

7 Fazit

8 Abbildungsverzeichnis

9 Tabellenverzeichnis

10 Abkürzungsverzeichnis

11 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Diese Bachelorarbeit wird die Verbesserungsmöglichkeiten durch die IT in einem Krankenhaus, welches eine Komplettumstellung der IT im administrativen bzw. medizinischen Bereich durchführen wird, beschreiben. Das Allgemeine Krankenhaus der Stadt Wien wird eine optimale, komplexe Grundlage für diese Bachelorarbeit bieten.

Der zunehmende Wettbewerbs- und Kostendruck im Gesundheitswesen erfordert von Krankenhäusern einen grundlegenden Wandel in ihren Strukturen. Organisationsänderungen, Prozessoptimierungen, Fehlerminimierungen als auch Einsetzung von modernster EDV sind Grundlagen bzw. sind Ziele der Krankenhäuser von heute.

Heutzutage ist die IT ein wichtiger Faktor im Krankenhaus und ebenso umfangreich sind die Abhängigkeiten der EDV Systeme untereinander als auch die Abhängigkeiten der Prozesse zwischen den einzelnen Universitätskliniken und den Verwaltungsbereichen.

Dementsprechend ist ein IT Umstieg, in dem größten Krankenhaus Europas, von einem alten Krankenhausinformationssystem auf ein neues Krankenhausinformationssystem, genau zu konzipieren und sämtliche Abhängigkeiten als auch Rahmenbedingungen zu beachten, um die gewünschten Verbesserungen aller Prozesse zu erzielen. Jedoch lastet oft ein großer Druck im Top-Management, das immer wieder Kosten senken, Prozesse optimieren, Personalressourcen optimal nutzen und die Konkurrenzfähigkeit bis auf das Äußerste steigern muss. Daher ist die ständige Verbesserung der IT Landschaft ein Grundstein für jedes Krankenhaus.

Erfolgsfaktor für die Umstellung ist die Schaffung einer modernen und sicheren EDV. In dieser Arbeit wird speziell der medizinische Prozess der Visite bearbeitet. Anhand dieses Prozesses ist die Darstellung der Verbesserung durch IT-Unterstützung sehr gut erkennbar und ausformuliert.

Der erste Teil der Arbeit gibt einen Einblick in das Gesundheitssystem von heute - speziell in das österreichische Gesundheitssystem. Aufgrund der Darstellung des Umstieges des Krankenhausinformationssystems im Allgemeinen Krankenhaus Wien (AKH Wien), wird am Anfang dieser Arbeit das AKH Wien kurz charakterisiert.

Das dritte Kapitel wird sich mit den Arbeitsprozessen im Krankenhaus auseinandersetzen - speziell mit dem medizinischen Arbeitsprozess. Während der Ausarbeitung der Arbeitsprozesse wird die zukünftige EDV Unterstützung beschrieben.

Im vierten Kapitel werden die technische Basis bzw. Möglichkeiten in der IT im Krankenhaus, als auch die Verwendung von modernen Endgeräten, beschrieben.

Die zukünftige Software wird im fünften Teil bearbeitet, welche das SAP R/3 i.s.h.med System sein wird. Es sollen jedoch einige moderne Krankenhausinformationssysteme am Markt dargestellt werden, um sowohl die Vielfalt, als auch Vor- und Nachteile, aufzeigen zu können.

Das größte EDV Projekt in der Geschichte des AKH Wien, wird im sechsten Kapitel beschrieben. Hier sollen die wichtigsten Projektthemen als auch der Projektstatus dokumentiert werden.

Im Fazit werden, die aus der Arbeit gewonnenen Fakten, zu Erkenntnissen zusammengeführt. Eine Darstellung der wichtigsten Eckpunkte für die Modernisierung der EDV Landschaft - unabhängig von Krankenhausgröße, Standort, vorhandene Software - ist der Output dieser Arbeit und umfasst das letzte Kapitel.

2 Das Gesundheitssystem

Zu Anfang und als Basis widmet sich das zweite Kapitel der Definition des Gesundheitssystems als auch dem österreichischen Gesundheitssystem. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Gesundheit als den Zustand des vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens. Die Ganzheitsmedizin entspricht dieser Definition im Wissen um die dynamische Wechselwirkung dieser Einzelkomponenten. Die Lösung eines medizinischen Problems gelingt dann, wenn sie sich auf den Menschen als eine Gesamtheit - und nicht nur auf ein Organ oder ein Symptom - konzentriert.1

Gesundheitssysteme sind immer komplexe Systeme. Grundsätzlich ist ein System ein Gefüge aus Einzelteilen, die im Zusammenwirken etwas anderes bewirken als jeder Einzelteil alleine bewirken könnte2. Gesundheitssysteme bestehen aus unzähligen AkteurInnen. Alle behaupten, dass sie sich um die Gesundheit der PatientInnen kümmern, der, wie oft vergessen wird, ebenfalls ein/e AkteurIn des Gesundheitssystems ist. Die Gesundheit des Patienten bzw. der Patientin gilt in Gesundheitssystemen als gemeinsames Ziel aller Akteure.3

Das Gesundheitssystem wird - unter dem Aspekt der unterschiedlichen Aufgabenverteilung - in folgende Sektoren eingeteilt: Prävention, Behandlung, Pflege und Rehabilitation.4

AkteurInnen im Gesundheitssystem können sowohl aus Einzelpersonen oder aber aus Organisationen bestehen. Unter Organisationen ist dabei ein sehr breites Feld zu verstehen, das von Interessensvertretungen über Geldgeber und Politiker bis hin zur einzelnen Arztpraxis reicht. Eine endgültige Liste der AkteurInnen festzulegen ist vermutlich nicht möglich.5

In Westeuropa besteht ein politischer Konsens darüber, dass für die soziale Krankenversicherung staatliche Vorgaben und Kontrollmechanismen zum Schutz der wirtschaftlich Schwachen, Behinderten und chronisch Kranken unumgänglich sind. Die zentrale Frage, ob das Ziel einer sozialen Krankenversorgung mit einem staatlichen Gesundheitssystem, einem Kassenmonopol oder mit gesetzlichen Krankenversicherungen (GKVen) unter Wettbewerb bei staatlicher Rahmensetzung und Kontrolle am besten erreicht werden kann, wird derzeit in Österreich anders als in den Nachbarstaaten beantwortet. Die ÖsterreicherInnen neigen zu staatlichen und monopolistischen Lösungen, die anderen Staaten zu reguliertem Wettbewerb. Das System der sozialen Krankenversicherung in Österreich ist als Sozialversicherungssystem mit einer GKV als Organisator der gesamten Krankenversorgung angelegt und damit den GKV-Systemen in den Niederlanden, der Schweiz, Frankreich, Belgien und Deutschland wesensverwandt und unterscheidet sich grundsätzlich von den staatlichen Gesundheitssystemen in Großbritannien, Skandinavien und den meisten mediterranen Staaten. In beiden Systemen besteht Unzufriedenheit über Effizienz und daher werden Wege gesucht, die Effizienz zu erhöhen und die Finanzierung zu sichern.6

Ebenso wird der Begriff Krankenhaus definiert und ein minimaler Überblick über die dazugehörigen rechtlichen Aspekte gegeben. Da das Allgemeine Krankenhaus Wien (AKH Wien) für diese Arbeit einen wichtigen Faktor darstellt, wird das AKH Wien beschrieben.

2.1 Das österreichische Gesundheitssystem

Insbesondere der Leistungsvergleich verweist auf stabile systemspezifische Gemeinsamkeiten zwischen Deutschland und Österreich auf der einen und Großbritannien und Dänemark auf der anderen Seite. Die Kurven zur Entwicklung der Gesamtbeschäftigtenzahlen und der Krankenhausbetten je 1.000 Einwohner sowie der Krankenhausverweildauern sind innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherungssysteme und innerhalb der nationalen Gesundheitssysteme jeweils annähernd deckungsgleich. Weiters wurde in beiden nationalen Gesundheitssystemen das Hausarztprinzip mit einem starken Akzent auf einer koordinierten primären Gesundheitsversorgung eingeführt, während in beiden gesetzlichen Krankenversicherungssystemen die freie Arztwahl/Ärztinwahl einschließlich des direkten Zugangs zum Facharzt/zur Fachärztin fest etabliert ist.7

2.2 Organisation Krankenhaus

Laut Artikel 1 Absatz 1 des Wiener Krankenanstaltengesetztes (KAG) werden Krankenanstalten wie folgt definiert.

Unter Krankenanstalten (Heil- und Pflegeanstalten) sind Einrichtungen zu verstehen, die

-zur Feststellung und Überwachung des Gesundheitszustands durch Untersuchungen,
-zur Vornahme operativer Eingriffe,
-zur Vorbeugung, Besserung und Heilung von Krankheiten durch Behandlung, zur Entbindung oder
-für Maßnahmen medizinischer Fortpflanzungshilfe bestimmt sind.8

Nach Artikel 12 Abs. 1 B-VG liegt die Grundsatzgesetzgebung für das Gesundheitssystem in der Kompetenz des Bundes, die Ausführungsgesetzgebung und die Vollziehung sind jedoch Ländersache. Die Verantwortung liegt daher nicht nur beim Gesundheitsministerium, sondern ist verteilt auf:

-verschiedene Ministerien des Bundes
-Länder und Gemeinden
-Sozialversicherungsträger als selbstverwaltete Körperschaften

Die Kompetenzverteilung, die Vielfalt der Geldgeber und die gemischte Finanzierung im Gesundheitswesen erfordern einen erheblichen Abstimmungsbedarf und Vereinbarungen zwischen verschiedenen Entscheidungsbereichen und Finanziers. Dadurch ist die Umsetzung von Gesundheitsreformen in den Bereichen e-Health, Gesundheitstelematik etc. kompliziert und setzt eine Kompromissbereitschaft zwischen den Bundesländern und der Bundesregierung voraus.9

Das österreichische Krankenanstaltengesetz (KAG) teilt die Krankenanstalten nach ihrer Versorgungsaufgabe ein:

-Allgemeine Krankenanstalten: für alle Menschen, ohne Rücksicht auf Geschlecht, Alter oder Art der ärztlichen Behandlung Sonderkrankenanstalten: für bestimmte Zwecke, bestimmte Personengruppen, bestimmte Erkrankungen oder Altersstufen Heime für Genesende
-Pflegeanstalten
-Gebäranstalten und Entbindungsheime Sanatorien
-Selbständige Ambulatorien10

Die äußeren Rahmenbedingungen (Gesetze, Wettbewerb, Demografie, Gesellschaft, Medizin und Technik, usw.) für die Krankenhäuser unterliegen einem stetigen Wandel, verschärfen sich zunehmend und sind durch Dynamik und Komplexität gekennzeichnet. Krankenhäuser müssen sich heute mit Herausforderungen auseinandersetzen, welche aus Entwicklungen resultieren, mit denen sich Industrie- und Dienstleistungsunternehmen bereits schon lange konfrontiert sehen. Effektivität, Effizienz, Qualität, Kosten und Zeit haben sich dort als die strategischen Erfolgsfaktoren herauskristallisiert.

Krankenhäuser werden definiert als komplexe Betriebe, welche eine der gesellschaftlich wichtigsten und sensibelsten Dienstleistungen erbringen. Die Gesundheit zu wahren oder wiederherzustellen sowie chronisch Kranken eine optimale Lebensqualität zu ermöglichen. Das Gut Gesundheit hat eine herausragende Bedeutung, entsprechend hoch sind daher die Ansprüche an ein Krankenhaus. PatientInnen erwarten, dort in einer für sie bedrohlichen Situation als Individuum behandelt und gepflegt zu werden. Das entspricht der Krankenhaustradition, die in ihren Ursprüngen wesentlich von der christlichen Krankenhilfe geprägt war. Mittlerweile steht die medizinisch-pflegerische Wirklichkeit im Krankenhaus in einem Spannungsverhältnis zum hoch technisierten Krankenhausbetrieb mit seiner Eigenlogik aus Technikbestimmungen und Arbeitsteilung. Krankenhäuser werden zu einem der vielen Anbieter im medizinischen Dienstleistungssektor und in der medizinischen Versorgungskette.11

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Wandel der äußeren Rahmenbedingungen für Krankenhäuser12In Abbildung 1 werden die Herausforderungen für Krankenhäuser dargestellt. Die technische Entwicklung und der medizinische Fortschritt, die gesetzlichen Rahmenbedingungen und der zunehmende Wettbewerb, der gesellschaftliche Wertewandel und das Anspruchsdenken aber auch die demografische und epidemiologische Entwicklungen sind als Herausforderungen für Krankenhäuser zu nennen.

Das klassische Organisationsschema eines Krankenhauses baut auf drei nebeneinander stehenden Säulen auf: medizinischer Dienst, Pflegedienst und Wirtschafts- und Verwaltungsdienst. Die Geschäftsführung obliegt den LeiterInnen dieser drei Säulen, dem ärztlichen Direktor/der ärztlichen Direktorin, dem Pflegedirektor/der Pflegedirektorin und dem Verwaltungsdirektor/der Verwaltungsdirektorin als gleichberechtigten Mitgliedern und wird auch als kollegiale Führung bezeichnet. In Wien ist laut dem Wiener Krankenanstaltengesetz in Häusern über 800 Betten der technische Direktor/die technische Direktorin als viertes Mitglied der kollegialen Führung einzusetzen. Die DirektorInnen werden vom Krankenhausträger bestellt, dem sie verantwortlich und an dessen Weisungen sie gebunden sind.13

Herausragende Kennzeichen dieser traditionellen Säulenorganisation des Krankenhauses ist die starke Ausprägung der Hierarchie, vor allem innerhalb der Berufsgruppen der ÄrztInnen und der Pflege. In Ermangelung einer übergreifenden Führungskompetenz besteht zwischen den Berufsgruppen eine Trennung, sie arbeiten mehr neben- als miteinander und verfolgen teilweise gegensätzliche Interessen. Diese Konstruktion führt zu Ineffizienzen und erschwert oft die Befriedigung der Patientenbedürfnisse. Letztere ist in einem hochgradig arbeitsteiligen Prozess wie der Patientenbehandlung nur durch koordinierte Zusammenarbeit zu erreichen. Krankenhäuser, die sich im Wandel zu modernen, nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen geführten Dienstleistungsunternehmen befinden, stellen veränderte Anforderungen an ihre Führung. Es gilt, zielgerichtete Führung dem verwaltungsorientierten Denken vorzuziehen.14

2.2.1 Krankenhausmanagement

Ein Krankenhaus zu managen bedeutet im Idealfall, dieses zielorientiert im Sinne des Krankenhausträgers ganzheitlich zu lenken, die Aufgaben, Prozesse und Abläufe entsprechend funktionsorientiert zu koordinieren bzw. zu gestalten und nach Abwägung aller Entscheidungsalternativen konkret zu handeln. Die klassische Managementlehre unterscheidet in einen institutionellen und einen funktionellen Ansatz. Das Krankenhaus-Management als Institution meint die Gesamtheit aller Führungspersonen, die Entscheidungs- und Anordnungskompetenz besitzen und mit planerischen, organisatorischen und kontrollierenden Steuerungsaufgaben betraut sind. Je nach Stellung in der Krankenhaus-Organisationshierarchie, lassen sich die Aufgaben- bzw. FunktionsträgerInnen entweder dem Spitzenmanagement, dem mittleren Management oder dem unteren Management zuordnen. Managementaufgaben fallen in allen Bereichen im Krankenhaus auf jeder Hierarchiestufe an, sind jedoch unterschiedlich in Art und Umfang.15

Im Unterschied dazu steht das funktionale Managementkonzept, welches Management als Querschnittfunktion sieht, die in die Sachfunktionen, z. B. Produktion bzw. Dienstleistungserstellung oder Einkauf/Verkauf, steuernd eindringt und den Leistungserstellungsprozess netzartig überlagert. Das Krankenhaus- Management als Funktion meint das Denken und Handeln in abgegrenzten Funktionsbereichen.

2.2.2 Betriebsprozesse des Krankenhauses

Die betriebliche Leistung eines Krankenhauses ergibt sich durch das Zusammenspiel der produktiven Faktoren (Input). Es ist zu unterscheiden zwischen zwei Faktorenarten. Die beiden Faktoren sind die Elementarfaktoren und die dispositiven Faktoren. Elementarfaktoren sind objektbezogene Tätigkeiten, die mit der Leistungserstellung des Krankenhauses direkt oder indirekt zu tun haben.

Dispositive Faktoren koordinieren den Einsatz der Elementarfaktoren. Dazu gehören die Krankenhausleitung und die Organe des Rechtsträgers. Das Zusammenwirken der Inputfaktoren erfolgt in einem Umfeld, das von diversen Einflüssen und Restriktionen geprägt ist, wie etwa Interessensvertretungen oder Rechtsnormen. Der Betriebsprozess eines Krankenhauses ist in Abbildung 1 dargestellt.16

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Betriebsprozess eines Krankenhauses17

Die Produktionsleistung - der Output - des Krankenhausbetriebsprozesses ist zweistufig. Die krankenhausspezifischen Leistungsprozesse bestehen aus den zielorientierten Einzelleistungen Medizin, Pflege und Administration, die in mehrere aufeinander folgende Stufen zu differenzieren sind. Die Primärleistung besteht in der Verbesserung des Gesundheitszustandes des Patienten/der Patientin. Der Sekundär-Output umfasst die Kombination der Einzelleistungen, die zur Erreichung des Primär-Output führen sollen. Die Leistungsfähigkeit eines Krankenhauses wird gegenwärtig vorwiegend am Sekundär-Output gemessen, da die Quantifizierung des Primär-Output methodisch schwierig ist. Die Leistungen müssen individuell sein und können nicht bzw. nur geringfügig genormt werden. Aufgrund der Ungewissheit über konkrete qualitative, quantitative und zeitliche Merkmale ist es unmöglich, Leistung auf Vorrat zu erstellen.18

2.2.3 Medizinische Funktionsbereiche des Krankenhauses

Der stationäre Bereich der Krankenhausversorgung mit den verschiedenen medizinischen Fachdisziplinen ist Mittelpunkt des Krankenhausbetriebes. Organisatorisch betrachtet sind die Krankenstationen geschlossene, medizinisch- pflegerische und administrativ selbständige Einheiten. Die Krankenhausversorgung im stationären Bereich erfolgt in Form von Normal-, Intensiv-, oder Langzeitbetreuung. Der semistationäre Bereich, eine Zwischenstufe zwischen stationärem und ambulantem Bereich, wurde in den letzten Jahren in Form von Tages- und/oder Nachtkliniken geschaffen. Tageskliniken können eine eigenständige Einrichtung sein oder Teil eines Akutkrankenhauses. Sie nehmen durch die zunehmenden Fortschritte in den medizinischen Verfahren an Bedeutung zu. Nachtkliniken sind besonders im Bereich der Psychiatrie zu finden. Im ambulanten Bereich werden Personen, die einer stationären Aufnahme nicht bedürfen, untersucht und versorgt, sofern bestimmte gesetzliche geregelte Notwendigkeiten vorliegen. Ambulanzen stellen für Krankenhäuser meist ein wirtschaftliches Problem dar, da die Abgeltung der Leistungen in der Regel weit unter den anfallenden Kosten liegt.19

Die drei erwähnten Bereiche dienen direkt der Patientenversorgung. Neben diesen drei Bereichen erfüllen Spitäler ebenso die Aufgabe der Aus- sowie Weiterbildung ihres pflegerischen und medizinischen Personals.

2.3 Das Allgemeine Krankenhaus Wien

In Europa stellt das Allgemeine Krankenhaus Wien, das größte Spital dar. Dementsprechend komplex ist die Struktur innerhalb des AKHs. In diesem Kapitel werden die Geschichte des AKH Wien, aber auch die Komplexität und die Größe dieses Krankenhauses veranschaulicht. Das Kapitel 6 wird einen Einblick in das Projekt AKIM (AKH Informationsmanagement) geben, welches die Komplettumstellung des Krankenhausinformationssystems (KIS) im AKH Wien zum Ziel hat.

Ein System, welches im Krankenhaus implementiert ist und zur Informationseingabe und Informationsverwaltung dient, wird als Krankenhausinformationssystem bezeichnet.

Das AKH Wien blickt auf eine mehr als 300-jährige Geschichte zurück. Im 19. Jahrhundert wuchs im Allgemeinen Krankenhaus eine neue Epoche der Wiener Medizin hervor. Die Entwicklung neuer Diagnose- und Therapieformen in dieser Epoche machten laufend Erweiterungsbauten notwendig. Wirtschaftliche Notzeiten und zwei Weltkriege verhinderten jedoch die Fertigstellung des Konzeptes der neuen Kliniken. Im Sommer 1964 wurde mit der Realisierung des ersten Bauabschnittes (Schulgebäude inklusive Internat, Personalwohnhäuser) begonnen. Im Jänner 1991 konnte der erste Patienten-Versorgungsbereich im Hauptgebäude, nämlich die Universitätsklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation, den klinischen Betrieb aufnehmen. Als letzte Klinik übersiedelte im März 1996 die Universitätsklinik für Frauenheilkunde in das neue AKH.20

Das Allgemeine Krankenhaus Wien ist Zentralkrankenanstalt und zugleich Sitz der Universitätskliniken Wiens. Die Universitätskliniken und klinischen Institute mit den klinischen Abteilungen sind sowohl Teil dieser Krankenanstalt als auch Organisationseinheiten des klinischen Bereichs der Medizinischen Universität Wien (MUW). Die universitären Angelegenheiten werden im autonomen Wirkungsbereich der MUW erfüllt. Wie dem Leitbild des AKH zu entnehmen ist, sind Patientenbetreuung, Lehre und Forschung als untrennbare und gleichwertige Einheit festgelegt.21

Das AKH Wien stellt gleichzeitig die Teilunternehmung 2 des Krankenanstaltenverbundes (KAV) dar. Der Direktor der Teilunternehmung 2 steht an der Spitze des AKH Wien, welchem die Kollegiale Führung unterstellt ist. Die Kollegiale Führung setzt sich aus dem Ärztlichen Direktor, der Verwaltungsdirektorin, dem Direktor des Pflegedienstes und dem Technischen Direktor. Momentan stellt die Funktion des Teilunternehmensdirektors und die Funktion des Ärztlichen Direktors eine Person dar. Der Vizerektor der Medizinischen Universität Wien und der Leiter der Stabsstelle Controlling der Direktion der Teilunternehmung nehmen an der Kollegialen Führung mit beratender Stimme teil.

[...]


1Krepler/Hackl/Marzi 2002, S. 1

2Korosec/Pichlbauer 2007, S. 79

3Korosec/Pichlbauer 2007, S. 81

4Vgl. Grethler 2006, S. 1

5Korosec/Pichlbauer 2007, S. 81f

6Laimböck 2009, S. 1

7Wendt 2009, S. 321

8http://www.magwien.gv.at/recht/landesrecht-wien/rechtsvorschriften/pdf/s7400000.pdf (Abfrage 21.4.2009)

9Amtmann 2006, S. 85

10Amtmann 2006, S. 87

11Abbildung in Anlehnung an Amtmann 2006, S. 85

12Guber-Klingler 2004, S. 14f

13Amtmann 2006, S. 91

14Amtmann 2006, S. 92

15Guber-Klingler 2004, S. 47

16Vgl. Amtmann 2006, S. 89

17Abbildung in Anlehnung an Amtmann 2006, S. 90

18Amtmann 2006, S. 89f

19Vgl. Amtmann 2006, S. 90f

20http://www.akhwien.at/default.aspx?pid=20 (Abfrage 22.4.2009)

21Amtmann 2006, S. 96

Ende der Leseprobe aus 62 Seiten

Details

Titel
Prozessoptimierung durch die IT am Patientenbett
Hochschule
Fachhochschule des bfi Wien GmbH
Veranstaltung
EDV / DV / IT / Telekommunikation
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
62
Katalognummer
V192182
ISBN (eBook)
9783656177258
ISBN (Buch)
9783656178385
Dateigröße
701 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Patient, Patientin, Medizin, Krankenhaus, österreichisches Gesundheitswesen, KIS, Krankenhausinformationssystem, Thin Client, Prozess, Prozessoptimierung, Prozessverbesserung, IT System, IT, medizinischer Prozess, Veränderungsmanagement, e-Health, Telemedizin, elektronische Patientenakte, elektronische Gesundheitsakte
Arbeit zitieren
MSc BA Alexandra Decker (Autor), 2009, Prozessoptimierung durch die IT am Patientenbett, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192182

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Prozessoptimierung durch die IT am Patientenbett



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden