Der Redakteur als Gatekeeper - Eine Untersuchung von James K. Buckalew aus dem Bereich der Gatekeeper-Forschung


Seminararbeit, 2003

16 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsübersicht

1 Einleitung
1.1 Die Notwendigkeit zur Nachrichtenselektion
1.2 Abgrenzung des Themas und Gang der Untersuchung

2 Begriffliche und thematische Grundlagen
2.1 Der Begriff des Gatekeepers
2.2 Stationen der Gatekeeper-Forschung
2.3 Ansätze in der Gatekeeper-Forschung
2.3.1 Individualistische Untersuchungen
2.3.2 Institutionale Untersuchungen
2.3.3 Kybernetische Untersuchungen

3 Die Studie „News Elements and Selection by Television News Editors“ von James. K. Buckalew
3.1 Gegenstand der Untersuchung und Vorgehensweise
3.2 Ergebnisse der Untersuchung
3.3 Einordnung der Studie in die Gatekeeper-Forschung und Vergleich mit anderen Studien

4 Zusammenfassung und Ausblick

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Die Notwendigkeit zur Nachrichtenselektion

Unsere Gesellschaft sieht sich in einer durch neue und erleichterte Kommunikationsmöglichkeiten immer kleiner werdenden Welt mit einem rasanten Ansteigen von Geschehnissen und den Informationen über eben diese konfrontiert. Dabei ist die Entwicklung einer Kultur maßgeblich von einer funktionierenden Kommunikation abhängig.

Da schon lange nicht mehr alle Informationen von einzelnen Individuen verarbeitet werden können, sieht sich der Journalist einem stetig wachsenden Selektionsdruck ausgesetzt, was er in seiner Funktion als Gatekeeper, also als Schnittstelle von Geschehnissen und Informationsnachfragern, an Informationen weitergibt und was nicht. Dabei muss er seine Selektionsentscheidungen vor dem Hintergrund seiner sich „aus deröffentlichen Aufgabe der Presse (…) ergebenden Informationsfunktion - „umfassend“, „vollständig“ und „sachlich“ zu berichten -“ treffen (Schulz 1976, S. 7). Schon an dieser Stelle wird der Konflikt eines jeden Journalisten deutlich, da eine umfassende Berichterstattung bei begrenzten Aufnahme- und Verarbeitungskapazitäten nicht erreicht werden kann. Schulz schreibt dazu, „dass keine Nachrichtenberichterstattung auch nur im entferntesten „umfassend“ oder „vollständig“ sein kann“ (Schulz 1976, S. 8). Eine sinnvolle Informationsverarbeitung und -nutzung scheint demnach nur nach einem vorhergehenden Nachrichtenselektionsprozess möglich.

James. K. Buckalew untersucht im Rahmen einer institutionalen Untersuchung in seiner Studie „News Elements and Selection by Television News Editors“ die Rolle von zwölf Nachrichtenredakteuren in verschieden großen Nachrichtenredaktionen und versucht dabei, Schemata bei der Nachrichtenselektion zu erkennen.

1.2 Abgrenzung des Themas und Gang der Untersuchung

Bis eine Nachricht dem Informationsnachfrager zur Verfügung steht, durchläuft sie oft eine ganze Kette von Stationen und den damit verknüpften Selektionsentscheidungen. Wie sich in zahlreichen Untersuchungen ergeben hat, wird dieser Selektionsprozess wiederum durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst.

Die Gatekeeper-Forschung untersucht hierbei die Schlüsselfunktion einzelner Journalisten, die aus einer Vielzahl von Ereignissen einige wenige für eine spätere Publikation auswählen müssen.

James K. Buckalew hat sich in seiner 1969 veröffentlichten Studie „News Elements and Selection by Television News Editor“ dieser Thematik angenommen und untersucht, nach welchen Kriterien eine Nachricht angenommen oder abgelehnt wird. Dabei beleuchtet er neben den inhaltlichen Elementen einer Nachricht auch den subjektiven Einfluss des Nachrichtenredakteurs und den Einfluss des Umfeldes auf diese Entscheidung.

Anschließend stellt er den Input an Nachrichten den in den Nachrichtensendungen tatsächlich verwendeten Beiträgen gegenüber.

Nach einem historischen Abriss der Stationen der Gatekeeper-Forschung setzt sich diese Arbeit anschließend vor diesem Hintergrund mit der Studie von James K. Buckalew auseinander und beleuchtet diese kritisch. Dazu wird die Studie mit anderen Studien aus diesem Forschungsansatz, z.B. mit der von Walter Gieber, verglichen um Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszustellen.

2 Begriffliche und thematische Grundlagen

2.1 Der Begriff des Gatekeepers

"Simply put, gatekeeping is the process by which the billions of messages that are available in the World get cut down and transformed into the hundreds of messages that reach a given person on a given day." (Shoemaker 1991, Seite 1). So beschreibt Pamela Shoemaker die Aktivität eines Gatekeepers, der in seiner Funktion als Schnittstelle von Ereignissen und Nachrichtennachfragern im Zuge eines Nachrichtenselektionsprozesses das „Gate“ - also das Tor - zur nächsten Station, sei es ein weiterer Gatekeeper oder aber auch das letzte Glied dieser Kette, entwederöffnet und die Nachricht durchlässt, oder aber das Tor geschlossen hält und somit die Nachricht zurückhält.

Eine solche Kette könnte beispielsweise wie folgt aussehen:

Eine Nachrichtenagentur berichtet über ein Ereignis und stellt diesen Bericht seinem Kunden, beispielsweise einer Zeitung, zur Verfügung. Alleine die Tatsache, dass die Agentur über das Ereignis berichtet hat, ist schon Folge eines Selektionsprozesses. Die Nachrichtenagentur fungiert hier als Gatekeeper, da ohne ihre Berichterstattung die Zeitung in dieser strikten Hierarchie niemals Kenntnis von dem Ereignis erhalten hätte, um anschließend darüber berichten zu können. Der in der Zeitung tätige Journalist wiederum wählt aus einer Flut von Agenturmeldungen etc. nun die Nachrichten aus, die in der Zeitung tatsächlich publiziert werden sollen, und von denen die Leser seiner Zeitung schlussendlich Kenntnis erlangen. Auch hier fungiert der Journalist als Gatekeeper. Staab sieht hierbei eine Filterfunktion von Journalisten, „die aus einer Flut von Ereignissen und Meldungen einige wenige zur Veröffentlichung auswählen“ (Staab 1990, S. 202).

Dieser Selektionsprozess ist abhängig von vielen Faktoren, die in der GatekeeperForschung, in der News Bias-Forschung und in der Nachrichtenwert-Forschung näher beleuchtet werden.

Im Zuge dieser Arbeit gehe ich im folgenden Kapitel auf den Forschungsansatz der Gatekeeper-Forschung näher ein.

2.2 Stationen der Gatekeeper-Forschung

Am Anfang der Gatekeeper-Forschung stand der amerikanische Sozialpsychologe Kurt Lewin, der sich die Aufgabe stellte, die den Einkaufsgewohnheiten der Frauen in der Kriegszeit zugrunde liegenden Entscheidungsprozesse zu eruieren. Dazu untersuchte er die verschiedenen Kriterien, nach denen die Wahl der Lebensmittel erfolgte und später dann auf welchen Wegen diese auf den Tisch kommen. In so genannten „Schaltzentralen“ beeinflussen entweder Gatekeeper oder allgemeine Verhaltensregeln die Bewegung der Lebensmittel. Dabei entscheiden dieselben Faktoren, die auf die Entscheidung des Gatekeepers Einfluss nehmen, auch über die Bewegungsrichtung und den Durchlass der Lebensmittel. Man könnte also darauf schließen, dass eine Veränderung der sozialen Prozesse auch eine Umstrukturierung der für einen Gatekeeper entscheidungsrelevanten Prozesse mit sich bringt. (vgl. Holz 1998)

Inspiriert von diesen Erkenntnissen war David Manning White mit seiner Einzelfallstudie im Jahre 1950 ein Pionier in der Gatekeeper-Forschung. Er war einer der ersten, der den Journalisten im Kommunikationsprozess als Gatekeeper für Ereignisse verstand. Er wollte die Gründe herausfinden, die den Journalisten dazu bewegten, bestimmte Nachrichten durchzulassen und andere wiederum nicht. Dabei unterschied er zwischen objektiven Gründen, wie zum Beispiel zu schlecht oder zu lang geschriebene Nachrichten, die zur Ablehnung einer Nachricht führten, oder aber auch subjektive Gründe. Solche Gründe waren im hohen Maße von den Einstellungen und Erwartungen des Journalisten abhängig. Etwa ein Drittel der Gründe waren subjektiv, zwei Drittel waren objektiv. (vgl. White 1950, S. 383-390) Kritik wurde an der Studie von White geübt, da er den Gatekeeper nur isoliert sah und andere relevante Einflussgrößen außer Acht ließ. Walter Gieber, der die Gatekeeper- Theorien anhand einer Studie von 16 Kabelnachrichtendienstredakteuren verfeinert hat, und Warren Breed setzten an diesem Kritikpunkt an und beleuchteten den Selektionsprozess vor dem Hintergrund von externen Gründen, wie z.B. dem Umfeld und redaktionellen Zwängen.

Wilbur Schramm beschreibt 1960 den Kommunikationsprozess als eine Art Kette. Die einfachste Form dieser Kette sieht er bei der Übertragung einer Nachricht von einer Person (Sender) zu einer anderen (Empfänger).

Die soziale Kommunikation hingegen beschreibt er als weitaus komplexer. Jedes einzelne Glied dieser Kette erfüllt hierbei eine Gatekeeper-Funktion.

Walter Ward beschreibt 1967 die Dimensionen einer Nachricht, die in einer Pilotstudie verfeinert wurden. (vgl. Buckalew 1969-1970, S. 47)

2.3 Ansätze in der Gatekeeper-Forschung

Die Gatekeeper-Forschung kann in drei Hauptgruppen unterteilt werden. In „Individualistische Untersuchungen“, „Institutionale Untersuchungen“ und „Kybernetische Untersuchungen“. In den folgenden Abschnitten werden diese drei Ansätze nach Robinson etwas näher beleuchtet. (vgl. Holz 1998)

2.3.1 Individualistische Untersuchungen

Individualistische Untersuchungen sind dadurch gekennzeichnet, dass Untersuchungsgegenstand nur einzelne Gatekeeper sind. Repräsentative Vertreter der individualitischen Gatekeeper-Forschung sind beispielsweise White, Snider und McNelly.

So untersuchte David Manning White einen Redakteur am Fernschreiber und versuchte aufzuzeigen, dass die Selektionsentscheidung alleine mit Hilfe individual- psychologischen Faktoren erklärt werden kann. Dabei bediente er sich als Instrument einer Input-Output-Analyse. Er bat den Wire-Editor, die Gründe die zur Annahme bzw. Ablehnung einer Nachricht führten, zu notieren und untersuchte diese anschließend. Dazu unterteilte er das ihm vorliegende Material in sieben Nachrichtenkategorien. Er fand heraus, dass der Redakteur Material bevorzugte, das er selber mochte, bzw. von dem er ausging, dass seine Leser es mögen würden. Eine Auswahl der Nachrichten nach bestimmten Themen konnte er nicht nachweisen. (vgl. White 1950, S. 383-390) Diese Form der Untersuchung wird besonders für ihre isolierte Betrachtung einzelner Gatekeeper kritisiert. Sie vernachlässigt das Faktum, dass es sich bei einem Entscheidungsprozess um ein komplexes System handelt, bei dem mehrere Faktoren im Wechselspiel zueinander stehen und den Gatekeeper in seiner Entscheidung beeinflussen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Redakteur als Gatekeeper - Eine Untersuchung von James K. Buckalew aus dem Bereich der Gatekeeper-Forschung
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Publizistik)
Veranstaltung
Theorien der Nachrichtenauswahl
Note
2,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
16
Katalognummer
V19260
ISBN (eBook)
9783638234283
ISBN (Buch)
9783638809801
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Da schon lange nicht mehr alle Informationen von einzelnen Individuen verarbeitet werden können, sieht sich der Journalist einem stetig wachsenden Selektionsdruck ausgesetzt, was er in seiner Funktion als Gatekeeper, also als Schnittstelle von Geschehnissen und Informationsnachfragern, an Informationen weitergibt und was nicht.
Schlagworte
Redakteur, Gatekeeper, Eine, Untersuchung, James, Buckalew, Bereich, Gatekeeper-Forschung, Theorien, Nachrichtenauswahl
Arbeit zitieren
Oliver Riehl (Autor), 2003, Der Redakteur als Gatekeeper - Eine Untersuchung von James K. Buckalew aus dem Bereich der Gatekeeper-Forschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19260

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