Theoretische Grundlagen des Triple P-Elterngruppentrainings


Hausarbeit, 2011
23 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Herleitung des Hausarbeitsthemas

2. Zur Bedeutung von Elterntraining
2.1. Anlass des Elterntrainings, Beobachtungen aus der Praxis
2.2. Aktuelle Erziehungsdebatte
2.3. Rechtliche Legitimation des Elterntrainings

3. Theoretische Grundlagen des Triple P-Elterntrainings
3.1. Begriffsklärungen
3.2. Entwicklung von Triple P
3.3. Kognitiv-behavioraler Ansatz
3.4. Ziele von Triple P
3.5. Inhaltliche Schwerpunkte
3.5.1. Grundlagen positiver Erziehung
3.5.2. Förderung der kindlichen Entwicklung
3.5.3. Umgang mit Problemverhalten
3.5.4. Vorausplanen

4. Die Praxis: Struktur und Rahmenbedingungen des Trainings
4.1. Kursleiter
4.2. Setting
4.2.1. Arbeitsmethoden im Gruppentreffen
4.2.2. Telefonkontakte
4.3. Evaluation

5. Fazit und Stellungnahme der Verfasserin

6. Erklärung der Verfasserin

7. Quellenverzeichnis

1. Herleitung des Hausarbeitsthemas

Während meiner Praxisphase in der Tagesklinik der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Uniklinikums Köln hatte ich die Möglichkeit, wöchentlich beim Elterntraining mitzuwirken. Dies ist ein verpflichtendes Angebot für die Eltern der in der Tagesklinik behandelten Kinder. Mein Augenmerk lag, neben der Assistenz während des zweistündigen Trainings, besonders auf der Evaluation des Programms. Hierzu wertete ich Voher- und Nachher-Fragebögen aus, um die Einschätzung der Eltern bezüglich ihrer Elternrolle, ihres Erziehungsverhaltens und des Problemverhaltens ihres Kindes zu erheben.

Im Laufe des Prozesses der Elternarbeit wurde zunehmend deutlich, dass psychiatrische Hilfen für Kinder nur dort fruchten, wo sich das Familiensystem für Veränderungen öffnet. So entstand der Wunsch, meine Beobachtungen der Praxis theoretisch fundieren zu wollen.

Wegen der gebotenen Kürze der vorliegenden Hausarbeit beschränke ich mich auf die Darstellung der theoretischen Grundlagen des Triple P- Elterngruppentrainings. Ziele des ersten Teils dieser Hausarbeit sind es, den Stellenwert des Elterntrainings als Teil der Erwachsenenbildung zu betrachten, dieses in die aktuelle Erziehungsdebatte einzuordnen und die rechtliche Legitimation solcher Elternarbeit zu skizzieren.

Im zweiten Teil möchte ich die theoretischen Grundlagen des Elterngruppentrainings Triple P betrachten. Hierzu umreiße ich die Entwicklung des Programms und den kognitiv-behavioralen Ansatz, an dem es sich orientiert. Weiterhin erläutere ich die langfristigen Ziele und beleuchte die inhaltlichen Schwerpunkte.

Im dritten Teil gehe ich auf die Rahmenbedingungen der praktischen Umsetzung von Triple P ein. Ich betrachte die Arbeitsmethoden im Gruppentreffen, dokumentiere exemplarisch einen Telefonkontakt und gebe einen Überblick über die Evaluationsmethoden des Programms.

In einer umfassenderen Betrachtung, in Form einer Bachelor-Arbeit, soll die Wirksamkeit dieses kognitiv-behavioralen Elterntrainings überprüft und mit alternativen Elterntrainings verglichen werden, die sich an der humanistischen Psychologie, der systemischen Familientherapie und der Kommunikationstheorie orientieren. Weiterhin werden kritische Stimmen zum Triple P-Elterntraining in die Betrachtung integriert und Perspektiven dieses Programms aufgezeigt.

2. Zur Bedeutung von Elterntraining

2.1. Anlass des Elterntrainings, Beobachtungen aus der Praxis

Eltern von psychisch kranken Kindern haben oftmals eine lange Zeit von Ausgrenzung ihres Kindes hinter sich. Psychiatrisch auffällige Kinder haben selten enge Freundeskreise, da andere Kinder das problematische Verhalten des Kindes nur schwer tolerieren können. Das betroffene Kind wird selten zu Kindergeburtstagen eingeladen, ist kaum favorisierter Spielpartner auf dem Schulhof und ist auch in Sportvereinen nicht gut angebunden. Die Eltern der behandelten Kinder sind daher tendenziell gekränkt: die sozialen und psychischen Auffälligkeiten ihres Kindes rücken ihre Erziehungskompetenz in den Fokus der familiären Umwelt. Eine psychische Störung entsteht nicht „auf freiem Feld“, also unabhängig vom Umfeld und vom Familiensystem, sondern in der Interaktion mit Eltern, Geschwistern und Angehörigen.

Nun gibt es eine breite Palette an ambulanten Angeboten für psychisch auffällige Kinder. Der erste Schritt ist die Vorstellung beim Kinderarzt, der bei entsprechender Symptomatik die Familie an einen ambulanten Kinder- und Jugendpsychotherapeuten verweist. Auch die Anbindung an den Schulpsychologen oder an eine Familienberatung kann ein erster Zugang zum Hilfesystem sein.

Die Familien, die sich für das teilstationäre Angebot der Tagesklinik entscheiden, haben diese ambulanten Angebote bereits in Anspruch genommen. Die Auffälligkeiten ihres Kindes konnten jedoch mithilfe dieser ambulanten Angebote nicht hinreichend gelindert werden und die ambulanten Angebote sind an die Grenzen ihrer Möglichkeiten gestoßen.

Das Wissen um die vorherige Inanspruchnahme dieser Hilfen, die wenigen Fortschritte des Kindes und die damit einhergehende Anspannung in der Familie ist in der Elternarbeit sehr wichtig. Die Grundhaltung, mit der den Eltern begegnet wird ist die Annahme, dass sie zu jedem Zeitpunkt das ihnen Möglichste getan haben. Es gibt verschiedenste Faktoren die die Genesung des Kindes erschwerten, sodass sie nun ein teilstationäres psychiatrisches Angebot in Anspruch nehmen. Ein Elterntraining, das an diesem schwierigen Punkt ansetzt, muss ein Verständnisvolles sein.

In der ersten Trainingseinheit ist die Erwartungshaltung der Eltern, sich erneut mit Schuldzuweisungen konfrontiert zu sehen, besonders spürbar. Die Erleichterung ist groß, wenn sie merken, wie frei ein solches Training gestaltet wird, wie freundlich sie bewirtet werden. Es entsteht keine Untersuchungsatmosphäre, in der elterliches Fehlverhalten unter die Lupe genommen wird, sondern es wird deutlich, dass ein Elterntraining für Eltern aller Kinder geeignet ist, ob psychisch auffällig oder nicht. Der in den Sitzungen verwendete Film zeigt „ganz normale Kinder“ und Eltern, die sich mit alltäglichen Erziehungsfragen konfrontiert sehen.

Die Haltung, die die Anbieter des Trainings den Eltern entgegenbringen ist entscheidend für den Prozess desselben. Ist diese Haltung wertschätzender und achtender Natur, so kann gemeinsam an bestehenden Unsicherheiten und Schwierigkeiten gearbeitet werden.

2.2. Aktuelle Erziehungsdebatte

Die Familie sieht sich heute mehr denn je mit komplexen Herausforderungen konfrontiert, die aus der zunehmenden Diversität der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen entstehen, in denen sich die Familie positionieren muss. Diese Diversität ist das Resultat einer globalisierten Ökonomie, der modernen Wirtschaft, dem Übergang zu einer Wissensgesellschaft und dem zunehmenden Druck mobil zu sein, aber auch Ergebnis des Phänomen der sozialen Ausgrenzung und Armut.1 In einer Zeit, in der die familiären Strukturen im Wandel sind, ist jedes Familienmitglied gefordert, Übergänge und Brüche in der Familienbiographie zu bewältigen.

Besonders die Erziehungskompetenz der Eltern ist, nicht zuletzt durch große Medienaufmerksamkeit, in den Fokus der Betrachtung gerückt. Immer wieder wird die Debatte um den „Erziehungsnotstand“ durch mediale Berichte über untragbare Zustände in Schulen (z.Bsp. der Fall der Berliner Rütli-Schule2 ), familiäre Miseren und andere gesellschaftliche Schieflagen angeheizt. Das fortschreitende Verschwinden von sozialen, integrierende Milieus3, wie der Großfamilie, oder andere Räume der äußeren prägende Umwelt, überträgt die Verantwortung der Kindererziehung auf die Kernfamilie. Eine Aufgabe, die noch vor einigen Jahrzehnten von mehreren Generationen gemeinsam bewältigt wurde, liegt nun allein bei den Eltern.

Hinzu kommt die Belastung der familiären Beziehungen durch Verhaltensauffälligkeiten und psychischen Erkrankungen des Kindes, die aus vielfältigen Faktoren des Lebensalltags eines Kindes entstehen können. Hier spielen genetische Komponenten, Einflüsse der Umwelt des Kindes und die Bindungen im Familiensystem eine Rolle.

Erziehung als Generationenverhältnis ist mindestens durch drei Momente bestimmt4 - und zwar in jeder Kultur: Durch das Angewiesensein des menschlichen Organismus auf Unterstützung in einem relativ langen Bildungsprozess; durch die prinzipielle (nicht faktische) Offenheit dieses Prozesses im Hinblick auf seine „Bestimmung“; durch die Nötigung der Erwachsenen, das Insgesamt der herrschenden Kultur durch ihre Person und ihre Handlungen in verstehbarer, sinnvoller Form der nachwachsenden Generation zu repräsentieren.

Erziehung ist also nicht nur je nach historischer und soziokultureller Situation verschieden, sondern sie kann auch misslingen. Die oben beschriebenen gesellschaftlichen, genetischen und familiären Faktoren können mithin auf die drei Momente der Erziehung negativ einwirken: Die Unterstützung kann ausbleiben oder fehlschlagen, die Bestimmung kann zur Rigidität erstarren oder in Formlosigkeit zerfließen, die Repräsentation der Kultur kann dem Erwachsenen missglücken.

Es besteht somit ein Bedarf an Elternbildung, mit dem Ziel, Eltern in der Gestaltung des familiären Alltags und in ihren Sozialisationsaufgaben durch Stärkung der personalen, familiären und sozialen Ressourcen zu unterstützen und so die Familie in ihrem Selbsthilfepotential zu stärken.5 Zu dieser Elternbildung, die der Erwachsenenbildung zugeordnet ist, gehört das Elterntraining Triple P, dessen theoretische Grundlagen im folgenden dargestellt werden.

Ob ein erzieherischer Unterstützungsbedarf, in diesem Fall in Form eines Elterntrainigs, tatsächlich so flächendeckend wie oben beschrieben besteht, kann an dieser Stelle, der Kürze der Darstellung geschuldet, nicht hinreichend betrachtet werden. Die Darstellung beschränkt sich daher auf den erzieherische Unterstützungsbedarf von Eltern mit verhaltensauffälligen und psychisch erkrankte Kindern.

2.3. Rechtliche Legitimation des Elterntrainings

Fraglich ist, was den Staat, z. Bsp. in Gestalt eines Jugendhilfeträgers berechtigt, in das Erziehungsverhalten von Eltern durch ein Elterntraining einzugreifen. Denn die Ehe und die Familie sind gemäß Art. 6 GG verfassungsmäßig geschützt. Das geschützte Verhalten reicht von der Familiengründung bis in alle Bereiche des familiären Zusammenlebens.6

Art. 6, Abs. 1 GG berechtigt die Familienmitglieder, „ihre Gemeinschaft nach innen in familiärer Verantwortlichkeit und Rücksicht frei zu gestalten.“7 Die Eltern eines Kindes haben mithin ein verfassungsmäßig geschütztes Recht auf freie Gestaltung ihrer Erziehung. Gegenüber staatlichen Eingriffen ist Art. 6, Abs. 1 GG vorbehaltlos gewährleistet.8 Es ist somit ein Abwehrrecht gegen staatliche Eingriffe in die Erziehung des Kindes, allerdings mit einer Besonderheit: Da die Würde des Menschen im Mittelpunkt unseres Wertesystems und unserer Verfassung steht, kann bei der Ordnung zwischenmenschlicher Beziehungen „grundsätzlich niemandem Rechte an der Person eines anderen“ eingeräumt werden, die nicht zugleich „pflichtgebunden sind und die Menschenwürde des anderen respektieren.“9 So verpflichtet der Staat die Eltern, „positiv die Lebensbedingungen für ein gesundes Aufwachsen des Kindes zu schaffen.“10

Weiterhin hat ein Kind das in § 1631 Abs. 2 BGB verfasste Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. Zudem verpflichtete der Gesetzgeber die Jugendhilfeträger gemäß § 16 Abs. 1 KJHG, Eltern Wege aufzuzeigen, ihre Erziehungsverantwortung besser wahrnehmen zu können.

Dem Erziehungsrecht der Eltern aus Art. 6 GG steht somit die Erziehungspflicht gegenüber, die aus demselben Grundrechtsartikel abgeleitet wird. Diese Erziehungspflicht bildet gemeinsam mit dem Recht des Kindes auf gewaltfreie Erziehung und der Selbstverpflichtung des Staates, die Eltern in der Erziehungsausübung zu unterstützen, die Legitimation für Elternbildungsangebote.

[...]


1 Fthenakis, W.: Bildungsangebote für Familien, Online-Familienhandbuch. URL: http://www.fthenakis.de/cms/Projekt_Familienhandbuch.pdf. [Stand:31.10.2011]

2 Von Randow, G. (2006): „Unter Polizeischutz“. URL: http://www.zeit.de/online/2006/14/ruetlischule [Stand:10.11.2011]

3 Gerster, P., Nürnberger C.: Der Erziehungsnotsand. Wie wir die Zukunft unserer Kinder retten, Berlin, rowohlt 2002, S. 19.

4 Mollenhauer, K.: „Erziehung“. In: Kreft, D., Mielenz, I.,(Hrsg.):Wörterbuch Soziale Arbeit.

3.Aufl. Weinheim und Basel: Beltz Verlag, S. 167.

5 Frank, S.: Elternbildung - ein kompetenzstärkendes Angebot für Familien. München: Herbert Utz Verlag 2010, S. 96.

6 Jarass, H., Pieroth, B.: Kommentar zum Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. 9. Aufl. München: Verlag C H. Beck. S. 225.

7 BVerfGE 80, 81/92

8 BVerfGE 24, 119/135; 31, 58/68f.

9 BVerfGE 24, 144

10 BVerfGE 24, 145

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Theoretische Grundlagen des Triple P-Elterngruppentrainings
Hochschule
Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen  (Fachbereich Sozialwesen)
Veranstaltung
Begleitseminar zum Praxissemester
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
23
Katalognummer
V193262
ISBN (eBook)
9783656182795
ISBN (Buch)
9783656183587
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Triple P, Elterntraining, Sanders, Theoretische Grundlagen Triple P Elterngruppentraining
Arbeit zitieren
Klara Maria Niermann (Autor), 2011, Theoretische Grundlagen des Triple P-Elterngruppentrainings, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193262

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