Ein Vergleich der traditionellen mit der neu-keynesianischen Phillips Kurve


Seminararbeit, 2010
18 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1 Symbolverzeichnis

2 Einleitung

3 Die originäre Phillips Kurve nach A.W. Phillips

4 Die traditionelle Phillips Kurve
4.1 Die Modifizierung der originären Phillips Kurve
4.2 Das Modell der traditionellen Phillips Kurve
4.3 Die Rolle der Erwartungen
4.4 Kritik an der traditionellen Phillips Kurve

5 Die neu-keynesianische Phillips Kurve
5.1 Eine neue Interpretation der traditionellen Phillips Kurve
5.2 Das Modell der neu-keynesianischen Phillips Kurve
5.3 Die Rolle der Erwartungen
5.4 Kritik an der neu-keynesianischen Phillips Kurve

6 Weitere Betrachtungsmöglichkeiten der Phillips Kurve

7 Schlussbetrachtung

8 Literaturverzeichnis

1 Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2 Einleitung

Ziel dieser Arbeit ist es, die grundlegende Idee der Phillips Kurve in ihren verschiedenen Facetten und Interpretationen zu beleuchten und dabei besonders die traditionelle mit der neu-keynesianischen Phillips Kurve zu vergleichen. Hat A.W. Phillips mit seinem Werk[1] als erster einen Zusammenhang zwischen Lohnsteigerungen bzw. der Veränderung von Lohnsätzen und der Arbeitslosigkeit festgestellt, so gab es in der Folge eine schier nicht abreißende Diskussion, ob die von Phillips gewonnenen Erkenntnisse auch richtig waren und welche Schlüsse man aus Phillips´ Arbeit ziehen sollte. So wurde die Phillips Kurve des Öfteren modifiziert oder erweitert und von Monetaristen wie auch Post-Keynesianern neu interpretiert.

Diese Arbeit wird, nach einer kurzen Darstellung der originären Phillips Kurve, die traditionelle Phillips Kurve von Samuelson und Solow behandeln. Nach einer Skizzierung dieses Modells wird auf die Kritik an diesem Modell eingegangen und eine weitere Alternative gezeigt: die neu-keynesianische Phillips Kurve. Auch dieses Modell soll dargestellt und die geübte Kritik benannt werden, bis in einem weiteren Schritt eine weitere Betrachtungsmöglichkeit der Phillips Kurve aufgezeigt wird. Da über die Jahre sehr viele verschiedene Betrachtungsmöglichkeiten erarbeitet wurden, ist eine vollständige Aufbereitung der kompletten Thematik kaum möglich. Daher wird es an der einen oder anderen Stelle an der Vollständigkeit mangeln. Nichtsdestoweniger soll versucht werden, abschließend die Frage zu klären, ob die Phillips Kurve in ihren verschiedenen Darstellungen nun für die Wirtschaftspolitik tatsächlich relevant oder nur eine theoretische Übung ist, die einer praktischen Empfehlung für die ökonomischen Entscheidungsträger entbehrt.

3 Die originäre Phillips Kurve nach A.W. Phillips

Der neuseeländisch - britische Ökonom Alban William Phillips untersuchte in seinem Artikel von 1958[2] den Zusammenhang von Beschäftigungsgrad und der Zunahme von Lohnsätzen im Vereinten Königreich im 19. und 20. Jahrhundert. Phillips war der erste, der mit dieser Akribie eine solche Untersuchung durchführte. Jedoch gab es bereits Untersuchungen auf diesem Themengebiet. Fischer[3] führte ebenfalls schon in den 1920ern Forschungen auf diesem Gebiet durch. Jedoch war seine Untersuchung nicht so systematisch und auch nicht so umfangreich, wie die von Phillips. Dass Phillips mit diesem Artikel einen Stein würde ins Rollen bringen können, der die Wirtschaftspolitik in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts maßgeblich beeinflussen würde, war ihm bestimmt nicht bewusst. Schließlich wollte Phillips mit seiner empirischen Studie keine Handlungsanweisung für die Politik liefern. Er hatte sich in seinem berühmten Artikel vorgenommen, drei Thesen zu überprüfen, die Löhne zum Steigen bringen können[4]. Bei seinen Untersuchungen stellte Phillips fest, dass es einen Zusammenhang gibt: immer dann, wenn die Beschäftigungssituation im Vereinten Königreich besonders gut war, nahmen auch die Löhne[5] zu. Umgekehrt, wenn die Arbeitslosigkeit anstieg, konnte man einen geringeren Anstieg der Löhne beobachten. Damit war die Voraussetzung für die mittlerweile sehr bekannte Phillips-Kurve gegeben. Was später Phillips als grandiosen Erfolg zugeschrieben wurde, war, dass er nicht nur auf eine bis dato wichtige „Konstante gestoßen war, die die Ökonomen schon immer (und vergeblich) gesucht hatten“ (Rothschild 1974, S.19-20)[6], sondern, dass sein betrachteter Zeitraum fast hundert Jahre umfasste und damit langfristig war. Damit löste Phillips eine Debatte aus, die in der Folgezeit bis heute kontrovers geblieben ist. Einige Teile aus dem weiteren Verlauf der Diskussion werden in den folgenden Kapiteln erläutert.

4 Die traditionelle Phillips Kurve

Dass die Erkenntnisse, die Phillips in seiner empirischen Studie veröffentlicht hatte, nicht ohne Folge bleiben würden, konnte man annehmen, waren doch seine Erkenntnisse das erste Mal in dieser Form aufbereitet worden. Daher war es nur verständlich, dass sich in der Folgezeit allerhand Ökonomen mit der Arbeit von Phillips auseinander setzen würden. Die folgenden Teile der Arbeit sollen einen Einblick in die verschiedenen Reaktionen geben, angefangen bei der traditionellen oder auch modifizierten Phillips Kurve genannt.

4.1 Die Modifizierung der originären Phillips Kurve

Paul A. Samuelson und Robert M. Solow verfassten einen Artikel[7], der 1960 erschien und die Erkenntnisse, die von Phillips gewonnen wurden, zum Thema hatten. Darin fragten sie sich, ob es in den USA ebenso einen Zusammenhang zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit gegeben hat oder gibt, wie es für das Vereinte Königreich der Fall war. Zwar mussten sich Samuelson und Solow damit zufrieden geben, dass es keine vergleichbare umfangreiche Studie zu diesen beiden Größen für die Vereinigten Staaten bis dato gab. Dieser Umstand tat jedoch der Arbeit der beiden Ökonomen keinen Abbruch. Sie benutzten daher ein anderes Diagramm, welches „die jährlichen prozentualen Änderungen der durchschnittlichen Stundenlöhne im Industriebetrieb inklusive Zulagen (Daten nach Rees) auf der einen Seite, den durchschnittlichen jährlichen Prozentsatz des Arbeitskräftepotentials, der arbeitslos ist, auf der anderen Seite aufgetragen“ (Samuelson und Solow 1974, S.200)[8] hat. Für Samuelson und Solow erfüllte dieses Diagramm seinen Zweck, zeigte es doch, dass sich die Zusammenhänge in den USA ganz ähnlich verhielten, wie dies auch bei der Untersuchung Phillips´ für das Vereinte Königreich der Fall war. Sie stellten nämlich fest, dass, abgesehen von den Jahren 1933-1940, sich in dem Streuungsdiagramm ein relativ klares Bild abzeichnete. Zwischen der Jahrhundertwende und dem ersten Weltkrieg, der Zeit nach dem ersten Weltkrieg und der großen Depression und der Zeit ab ca. 1950 bis zum Verfassen des Artikels im Jahr 1960 war die Streuung relativ gleichförmig. Daher lasen Samuelson und Solow heraus, dass es einen Zusammenhang zwischen der Änderung von Löhnen und der Beschäftigung geben müsse.

4.2 Das Modell der traditionellen Phillips Kurve

Samuelson und Solows Meinung nach, hat der Zusammenhang von der Veränderung der Löhne und der damit einhergehenden Veränderung der Preise eine wirtschaftspolitische Implikation. Sie gehen von zwei unterschiedlichen Szenarien oder alternativen Möglichkeiten für die Wirtschaftspolitik aus: Entweder entscheidet sich die Wirtschaftspolitik in den USA für eine Arbeitslosigkeit von 5% - 6% bei einem Produktivitätswachstum von 2,5%, was Samuelson und Solow als realistisch ansehen. Dann würde Preisstabilität herrschen. Oder aber die Wirtschaftspolitik entscheidet sich für eine konstante Arbeitslosenquote bei etwa 3%. In diesem Fall dürfte der Anstieg des Preisniveaus nicht über 4% - 5% liegen. Ob diese Zahlen für den damaligen Zeitraum realistisch waren, soll hier vernachlässigt werden. Entscheidend ist die Aussage der Erkenntnisse: die Wirtschaftspolitik steht nämlich grundsätzlich vor der Entscheidung, Arbeitslosigkeit in moderatem Maße hinzunehmen und dafür ein relativ stabiles Preisniveau zu erhalten oder einen erheblicheren Anstieg des Preisniveaus in Kauf zu nehmen, um dafür eine bessere Beschäftigungssituation zu erhalten. Diese Schlussfolgerung, die Samuelson und Solow aus ihrer Arbeit zogen, ist als „menu of choice“[9] oder „Speisekarte“[10] für die Wirtschaftspolitik bekannt geworden. Damit haben Samuelson und Solow den Startschuss für die bis heute anhaltende Diskussion um die Phillips Kurve gegeben und eine mögliche Strategie für die Wirtschaftspolitik entworfen, die auch sehr großen Anklang gefunden hat. So haben einige westliche Länder die traditionelle Phillips Kurve als Aufhänger für ihre Wirtschaftspolitik in den 1960er Jahren genommen.

4.3 Die Rolle der Erwartungen

Erwartungen der Wirtschaftssubjekte spielen für den Erfolg der Wirtschaftspolitik eine wichtige Rolle. Antizipieren die Wirtschaftssubjekte die Entscheidungen der Politik, können Interventionen ohne Erfolg bleiben. Daher ist es, gerade für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit wichtig zu wissen, wie Erwartungen der Wirtschaftssubjekte gebildet werden. In der Diskussion um die Phillips Kurve, spielt die Unterscheidung von extrapolativen, adaptiven und rationalen Erwartungen eine bedeutende Rolle. Denn diese Erwartungen können nicht nur für den politischen Erfolg von Maßnahmen von Bedeutung sein, auch was den Verlauf der Phillips Kurve angeht, haben Erwartungen einen massiven Einfluss. Samuelson und Solow nehmen in ihrem Modell der traditionellen Phillips Kurve adaptive Erwartungen an, sprich die Wirtschaftssubjekte reagieren erst, wenn die Entscheidungen der Wirtschaftspolitik schon angekündigt worden sind und sich Auswirkungen der Maßnahmen zeigen. Das heißt, die Wirtschaftssubjekte lernen aus der Erfahrung in der Vergangenheit und passen ihre Erwartungen an. Auch andere Ökonomen glauben an adaptive Erwartungen. So sagt Friedman, dass die Arbeiter, wenn sie in der Vergangenheit Erfahrungen mit Inflation gemacht haben, auch zukünftig ihre Erwartungen dahingehend anpassen, immer schon bei neuen Lohnverhandlungen die Inflationsrate aus der Vergangenheit mit ins Kalkül zu nehmen[11]. Allerdings darf man hier nicht den Fehler begehen, zu denken, dass die Wirtschaftssubjekte die Maßnahmen der Wirtschaftspolitik bereits antizipieren. Dann wären rationale Erwartungen die Folge und die Wirtschaftspolitik bliebe erfolglos.

[...]


[1]“The Relation Between Unemployment and the Rate of Change of Money Wage Rates in the United Kingdom, 1861-1957” (Economica, 1958, S. 283-299).

[2] Phillips (1958).

[3] „A Statistical Relation between Unemployment and Price Changes“ (1926), neu abgedruckt im Journal of Political Economy 1973, S. 496-502).

[4] Phillips (1958), S. 283-84.

[5] Im originären Diagramm von Phillips sind auf der Ordinate Änderungsraten des Nominallohns abgetragen.

[6] Rothschild (1974), S. 19-20.

[7]“Analytical Aspects of Anti-Inflation Policy”, American Economic Review, Papers and Proceedings, vol. 50, May, S. 177-194.

[8] Samuelson und Solow (1974), S. 200.

[9] Samuelson und Solow (1960), S. 192 unter Abbildung 2.

[10] Rothschild (1974), S.49.

[11] Friedman (1968), S.10.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Ein Vergleich der traditionellen mit der neu-keynesianischen Phillips Kurve
Hochschule
Universität Hohenheim  (Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik)
Veranstaltung
Proseminars Europäische Wirtschaft und Politik
Note
2,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V193270
ISBN (eBook)
9783656182771
ISBN (Buch)
9783656450443
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vergleich, phillips, kurve
Arbeit zitieren
Michael Ungerer (Autor), 2010, Ein Vergleich der traditionellen mit der neu-keynesianischen Phillips Kurve, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193270

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