Der Begriff der Schönheit in der Antike - Speziell bei Platon und Aristoteles


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

23 Seiten, Note: 1

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Auffassungen des Schönheitsbegriffs in derAntike
1.1 Etymologie
1.2 Pythagoreismus
1.3 Die Sophistik
1.4 Demokrit
1.5 Sokrates
1.6 Xenophon

2. Die Welt in der Idee (Platon)
2.1 Platons Auffassung der Welt
2.1.1 Was sind Ideen
2.1.2 Platons Einteilung der Künste
2.2 Platons Auffassung der Idee der Schönheit
2.3 Platons Auffassung der erfahrbaren Schönheit

3. Die Idee in der Welt (Aristoteles)
3.1 Schönheit ist etwas irdisches
3.2 Schönheit ist Maßästhetik
3.3 Schönheit ist Angemessenheit und Größe
3.4 Schönheitserfahrung ist ein Anthropinon

4. Ästhetiker am Ende des hellenistischen Zeitalters
4.1 Plotin
4.1.2 Plotins Emanationslehre
4.1.2 Plotins Schönheitsauffassung aus der Emanationslehre
4.2 Augustinus
4.2.1 Dinge gefallen, weil sie schön sind
4.2.2 Synkretistische Schönheitsauffassung
4.2.3 Schönheit als Abglanz Gottes
4.2.4 Die Hässlichkeit als Vergleich

5.1 Fazit

Quellenverzeichnis

Einleitung

Der Begriff Schönheit ist heute allgegenwärtig. Im Fernsehen, auf Plakaten und im Privatleben der Menschen spielt dieser Ausdruck eine zunehmend große Rolle. Bereits Kinder wollen einem Schönheitsideal gleichen. Erwachsene Frauen wie Männer pilgern ins Fitnessstudio, um ihre Körper zu trainieren und somit diesem Ideal näher zu kommen.

Wird heute die „Charakterisierung „schön" als auf einen bestimmten Modus der vergegenwärtigten Bedürfnislage selbst" (Koppe, 2004, S. 164) bezogenen Begriff bezeichnet, war die Idee der Schönheit doch bereits in der Antike geboren.

Schon ca. 550 v. Chr. hatte Pythagoras eine Vorstellung davon, was Schönheit sein sollte, nämlich, dass „Ordnung und Proportionen schön und nutzbringend" (Waibl, 2009, S. 37) sind.

Zwei der größten Denker des Abendlandes - namentlich Platon und sein Schüler Aristoteles - haben eine differenziertere Ansicht vom Begriff der Schönheit. Ihre Auffassung lässt sich nicht einfach, wie die des Pythagoras, durch eine Zahl ausdrücken. Sie haben wesentlich anspruchsvollere Definitionen geschaffen und obschon Aristoteles ein Schüler Platons war, hat er eine gegensätzliche Auffassung von Schönheit. Ihre jeweilige Position soll in dieser Hausarbeit beleuchtet werden. Um dieses jedoch leisten zu können, wird zuvor der Blick auf deren Vorgänger gerichtet. Dadurch lässt sich der Begriff der Schönheit klarer einteilen. Ebenso wird auf diejenigen geachtet, welche sich nach Aristoteles ebenso zur Schönheit äußerten (vgl. Koppe, 2004, S. 164 f.), (vgl. Waibl, 2009, S. 37 f.), (vgl. Trebeß, 2006, S. 287 ff.).

1. Auffassungen des Schönheitsbegriffs in der Antike

Eine Definition des Begriffs der Schönheit ist schwer zu geben. Denn der Ausdruck „Schönheit" und alles was mit ihm einher geht, hängen selbstredend immer vom Zeitgeist und der jeweils vorherrschenden Meinung ab. So ist es nicht nur heute, sondern so war es auch in der Antike.

1.1 Etymologie

Das deutsche Adjektiv „schön" leitet sich vom indogermanischen „skeu" ab. Diese Wortwurzel bedeutet so viel wie „auf etwas achten, aufpassen oder bemerken". Somit ist das Wort der Vorgänger für das mittelhochdeutsche Wort „schouwen", was „sehen oder bemerken" bedeutet.

Demgemäß lässt sich behaupten, dass die Grundinterpretation dieses Wortes durchaus darauf hin abzielt, etwas Schönes ansehen zu wollen. Ebenso macht dieses Schöne auch auf sich aufmerksam (vgl. Duden, 2007, S. 709, S. 737).

1.2 Pythagoreismus

Wie bereits angedeutet, war für Pythagoras (ca. 580 - 500 v. Chr.) - den Begründer des Phytagoreismus - die Schönheit eine maßästhetische Angelegenheit. Die Schönheit ist ausschließlich „eine Sache der Proportionen, des Maßes und damit der Zahl" (Waibl, 2009, S. 37). Die Mathematik hat im Denken des Pythagoras eine alles beherrschende Rolle inne. Diese Aussage denkt Pythagoras konsequent zu Ende, denn bei ihm gilt das Fehlen von Proportionen als hässlich und unnütz. Selbstredend wendet er dieses Denken auch auf die Kunst an, von der behauptet wird, dass auch sie nicht ohne Proportionen geschaffen werden kann. „Proportion aber besteht in einer Zahl; folglich kommt jede Kunst durch eine Zahl zustande. Dank der Zahl ist alles wohlgeraten" (vgl. Waibl, 2009, S. 37 f.), (vgl. Büttner, 2006, S. 62 f.).

1.3 Die Sophìstìk

Der Leitsatz der Sophisten ist mit den Worten von Protagoras (480 - 410 v. Chr.) leicht beschrieben: „Der Mensch ist das Maß aller Dinge" (Waibl, 2009, S. 45).

Hierdurch wird klar, dass dem Menschen eine überaus wichtige Rolle zukommt. Schönheit ist somit nicht objektiv begründbar, sondern beruht auf reiner Subjektivität. Gleichfalls von wichtiger Bedeutung ist die Eigenschaft aller geistigen Gebilde, dass diese einem Wandel unterworfen sind. Jener rührt vom sich verändernden Gedankengut der Menschen her.

Ganz deutlich zeigt sich hierin, dass die Sophisten nicht wie ihr Vorgänger Pythagoras denken, denn dieser wollte jedwede Schönheit von Proportion und somit von Zahlen abhängig machen.

Da sich die Menschen voneinander unterscheiden, ist auch der Schönheitsbegriff bei den Sophisten variabel. Die sophistische Auffassung ist der Ansicht, der heute in den Industrienationen lebenden Menschen bereits sehr ähnlich, geht sie doch von keiner „ewigen und überzeitlich gültigen Idee" (Waibl, 2009, S. 45) aus. Die Sophisten verfolgten den Weg des ästhetischen Relativismus.

Dies zeigt sich ganz deutlich am Beispiel des Schminkens. Bei Frauen wird diese Handlung gefordert und gilt als modern. Bei Männern wird das Schminken jedoch als seltsam empfunden. In den letzten Jahren gibt es tatsächlich aber mehr männliche Personen, welche sich Schminken. Die als Metrosexuell bezeichnete Stilrichtung findet erstens immer mehr Anhänger und wird zweitens gesellschaftliche auch akzeptiert (vgl. Waibl, 2009, S. 45 f.).

1.4 Demokrit

Demokrit (460 - 371 v. Chr.) war ein reiner Materialist. Seine Weltauffassung war folglich von der Annahme geprägt, alles besteht aus einem kurzzeitigen Zusammenschluss von Atomen. Alles was existiert, setzt sich seiner Meinung nach aus Atomen zusammen - infolgedessen auch der Mensch. Ebenso sei die Seele des Menschen nur eine Zusammenfügung von Atomen. Somit steht Demokrits Weltauffassung im genauen Gegensatz zu der der Pythagoreer. Nur in Sachen der Schönheit ist auch Demokrit ganz bei ihnen, denn Schönheit ist auch bei ihm eine Angelegenheit des Maßes. Demokrit schrieb hierzu: „Schön ist in allem das Gleichmass [sic]; Übertreibung und Mangel billige ich nicht" (Waibl, 2009, S. 56). Ein weiterer Ausspruch Demokrits ist: „Wenn man das richtige Mass [sic] überschreitet, dann kann das Angenehmste zum Unangenehmsten werden" (Waibl, 2009, S. 56), (vgl. Waibl, 2009, S. 56 f.), (vgl. Büttner, 2006, S. 128 f.).

1.5 Sokrates

Sokrates (469 - 399 v. Chr.) war eine der größten Denker des vorchristlichen Abendlandes. Er äußerte sich zur Schönheit jedoch nicht direkt, sondern lies dieselbe den Umweg über die Angemessenheit nehmen. Nach Sokrates muss allem ein Zweck innewohnen:

„Ist auch ein Mistkorb schön?" wandet Aristipp ein.

„Jawohl und ein goldener Schild ist häßlich [sic], wenn der Mistkorb für seine Bestimmung tauglich und der andere aber untauglich ist" (Waibl, 2009, S. 59).

Nur dort, wo eine Zweckbestimmung gefunden werden kann, ist ein Gegenstand auch schön. Denn diese Bestimmung gibt dem Objekte ein Maß. Wird dieses Maß beibehalten - ist der Gegenstand zweckmäßig - so wird er gleichzeitig auch als schön bezeichnet. Wird dieses Maßjedoch verfehlt, gilt das Objekt als nicht zweckmäßig und ist somit hässlich.

Diese Betrachtungsweise der Schönheit - welche augenscheinlich in der Funktionalität des Gegenstands begründet ist - lässt sich auch heute noch in modernen Bauten erkennen. In der funktionalistischen Ästhetik spielt die Angemessenheit die hervortretende Rolle. Nüchtern und sachlich, dem Zwecke untergeordnet, müssen die Bauten sein. Die ebenso moderne Stealth-Bauweise, welche keine Rückschlüsse auf die Funktion des Gebäudes beim bloßen Betrachten mehr ziehen lässt, widerspricht beispielsweise dem Ansatz des Sokrates (vgl. Waibl, 2009, S. 60 f.), (vgl. Eco, 2007, S. 49 f.).

1.6 Xenophon

Xenophon (450 - 354 v. Chr.) schrieb das Werk Symposion. Darin enthalten ist seine Analytik des Schönen. Der Denker baut seine Analysen aus einer Erzählung über ein Gastmahl (griech. Symposion) auf. Darin steht geschrieben:

„Wer nun achtgab, was geschah, in dem konnte wohl der Gedanke aufsteigen, wie der Schönheit eine Art natürliches Königtum gleichkommt (...). Denn gleich wie ein Licht in der Nacht erglänzt, aller Augen anzieht, so leitet damals die Schönheit des Autolykos alle Blicke auf ihn hin; auch war von den Schauenden keiner, dem nicht in seiner Seele etwas widerfuhr durch ihn: die einen wurden schweigsamer, andere gebärdeten sich irgendwie. [] Schweigsam waren sie nun also beim Mahl, als wäre es ihnen von einem Herrn befohlen" (Xenophon, o.J., S. 8).

Aus diesem kurzen Textauszug werden zwei Interpretationen deutlich. Einerseits erhebt die Schönheit den ansehnlichen Menschen über die anderen. Er kann somit Macht über dieselben ausüben, wie die letzten Zeilen „schweigsam waren sie nun also beim Mahl, als wäre es ihnen von einem Herrn befohlen" (Xenophon, o.J., S. 8) zeigen. Diese Macht wird dem Schönen aber nicht von anderen Menschen verliehen, sondern sie ist naturgegeben und der Wundervolle kann somit dieser nicht beraubt werden. Andererseits braucht der mit Schönheit gesegnete Mensch keine Gewaltmittel, um seinen Einfluss durchzusetzen. Seine Schönheit nötigt den Mitmenschen die Unterordnung ab, da die Schönheit eine „überwältigende Kraft [darstellt], der sich niemand entziehen kann" (Waibl, 2009, S. 63).

Die Schönheit wird bei Xenophon also von der Natur verliehen und sie zwingt andere Menschen, sich dieser unterzuordnen. Jedoch gehört für Xenophon noch etwas anderes zur Schönheit. Die Mitmenschen müssen auch für diese empfänglich sein. Hierbei sei wieder auf die indogermanische Herkunft des Wortes verwiesen, welche von „auf etwas achten" herrührt. Nur wer von Gott „in die Weihen dieser Gottheit eingeführt" (Waibl, 2009, S. 64) wurde, kann sie auch erkennen. Es bedarf demgemäß dem schönen Menschen als Objekt und dem empfänglichen Menschen als Subjekt. Nur dadurch kann Schönheit sichtbar werden.

Was Xenophon weiter vertritt ist die Ansicht, welche durch seinen letzten Satz: „Schweigsam waren sie nun also beim Mahl, als wäre es ihnen von einem Herrn befohlen" (Xenophon, o. J., S. 8) deutlich wird. Die Schönheit raubt dem Menschen sein wichtigstes, nämlich die Sprache. Sie hat sozusagen eine Macht, vor der man sich beugen muss. Keiner kann sich dieser widersetzen. Xenophons Ansichten sind heute durchaus aktuell, bedenkt man nur den Hype, welcher um die schönen Hollywood Stars gemacht wird. Es zeigt sich hierin, dass die Schönheit „eine soziale Macht" (Waibl, 2009, S. 66) verleiht. Schöne Menschen gehen leichter durchs Leben und können viele Dinge anders angehen, als dies diejenigen tun, welche von Natur aus nicht so schön gestaltet sind (vgl. Waibl, 2009, S. 64 ff), (vgl. Eco, 2007, S. 48 f.), (vgl. Grassi, 1980, S. 68 ff.).

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Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Der Begriff der Schönheit in der Antike - Speziell bei Platon und Aristoteles
Hochschule
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)  (Institut für Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Geschichte der Ästhetik. Ausgewählte Texte von Platon bis zur Gegenwart
Note
1
Jahr
2010
Seiten
23
Katalognummer
V193561
ISBN (eBook)
9783656192510
ISBN (Buch)
9783656192985
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
begriff, schönheit, antike, speziell, platon, aristoteles
Arbeit zitieren
Anonym, 2010, Der Begriff der Schönheit in der Antike - Speziell bei Platon und Aristoteles, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193561

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