Wege des Denkens

Der Pfad der morgenländischen Philosophie


Hausarbeit, 2011

17 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Von den Begriffen

3.) Der Konflikt zwischen Qur â n und Philosophie

4.) Die Genese der arabisch-islamischen Philosophie
4.1.) Die präislamische, mediterrane Philosophie
4.2.) 9.-11. Jahrhundert - Rezeption der Antike
4.3.) 12. Jahrundert - Das Schwinden im Osten und Aufblühen im Westen
4.4.) 13. - 17. Jahrundert - Die dunkle Zeit
4.5.) 18. - 19. Jahrundert - Zeit der Demütigung
4.6.) 20. Jahrundert - Die Dominanz des Westens
4.7.) Moderne arabisch-islamische Philosophie

5.) Heutige Vertreter

6.) Averroes
6.1.) Geschichte des "Kommentators"
6.2.) Das Werk Ibn Rushds
6.3.) Ibn Rushds Philosophie und dessen Wirkung

7.) Schlussbetrachtungen

8.) Literaturverzeichnis

Wege des Denkens

Der Pfad der morgenländischen Philosophie

1. Einleitung

Während die europäische Philosophie über den eigenen Werdegang bestens unterrichtet ist, entfaltet sie heutzutage gegenüber ihrer östlichen Schwester ein eher stiefmütterliches Interesse. Während im Laufe der Geschichte über lange Zeit ein fruchtbares Verhältnis bestand, zum gegenseitigen, meist aber zum Vorteil der abendländischen Tradition, erlosch mit dem anklingenden 16. Jahrhundert die gegenseitige Begeisterung. Aus verschiedenen Gründen entwickelten sich die zuvor eng verwobenen großen Denkkulturen auseinander.

Im folgenden Text soll der Werdegang der morgenländischen Philosophie in Abgrenzung zur westlichen Tradition zusammengefasst werden und die anfängliche Ver- bis schließliche Entflechtung erklärt werden. Rezeption der Antike, Blütezeit und schließliches Schwinden der nahöstlichen Philosophie sowie ihre moderne, ambivalente Haltung zur dominanten, westlichen Tradition bilden hierbei den Rahmen. Aktualisierend hinsichtlich der "Wertschöpfung" der arabisch-islamischen Philosophie ist die Debatte um das vorhandene bzw. bestrittene islamische Erbe Europas. Exemplarisch wird hierzu ein Kronzeuge der Kommunikation zwischen den beiden Strängen vorgestellt, um die in der heutigen Zeit oft in Frage gestellte Wirkung der muslimischen Tradition auf die europäische von Zweifeln zu befreien. Ziel der Arbeit soll die Beantwortung der Frage sein, ob, und wenn wie stark, der Einfluss der östlichen Philosophie auf das Abendland war und ob die islamisch-arabisch- persiche Tradition als ein Erbe des europäischen Denkens angesehen werden kann.

2. Von den Begriffen

Der Begriff der arabisch-islamischen Philosophie ist gleich in mehrfacher Hinsicht problematisch. So beschreibt der lateinische Begriff der philos ó phia bzw. der griechische φιλοσοφία im Unterschied zur Theologie ursprünglich ein Denkgebäude, das von der empirisch wahrnehmbaren Wirklichkeit ausgeht und versucht durch diese vermittels der Vernunft - ansonsten jedoch voraussetzungslos - zu Erkenntnis zu gelangen.

Falsafa, die als Übersetzung für PhilosophieفلسGGفة Hikmat und حكم ةDie Begriffe herangezogen werden, sind dabei nicht völlig kongruent, gehen sie doch auf ein anders gewichtetes Verständnis der Wissenschaften zurück. Dabei umfasst die arabisch-islamische Philosophie die Disziplinen Ethik, Staatslehre, Hermeneutik, Ökonomie und Isagogik, sowie die Logik. Ihr gegenüberstehen die mathematischen Wissenschaften Mathematik, Optik und Mechanik, Musiktheorie, Astronomie und Astrologie; des weiteren die Medizin und Pharmakologie, die Naturkunde und Agrikultur. Die historische Entstehung einer eigenständigen philosophischen Lehre weist hierbei einen anderen Werdegang als die europäische auf, sodass es nicht wundernimmt, dass traditionellen Lehrorte eher Krankenhäuser und Sternwarten sind.

Auch die Spannweite der unter dem Begriff philosophisch verstandenen Bereiche ist umstritten. So spielen Dogmatik und Mystik eine bedeutende Rolle in der islamischen Philosophie. Während in der muslimischen Literatur des Mittelalters noch streng zwischen Dogma und Mystik auf der einen und Philosophie getrennt wurde, finden wir nach der Epoche von Avicenna, also ab dem Jahre 1037 n. Chr. eine zunehmende Vermischung und Synthese gnostischer Mystik, Philosophie und Theologie.

Auf der anderen Seite widmet sich beispielsweise die systematische Theologie, der Ilm al-Kalam, je nach Ausrichtung auch typisch philosophischen Themen. So sind beispielsweise Fragen über die Eigenschaften Gottes, Willensfreiheit und Erkenntnisfähigkeit des Menschen teil einer theologisch demonierten Sphäre.

Zudem erweist sich das konditionierende Adjektiv "arabisch-islamisch" als problematisch, bezeichnet es doch einen eher unscharf umgrenzten Kulturraum, der zudem andere, nicht arabisch, aber muslimische Philosophie ausgrenzt. Angedacht sind hierbei beispielsweise persische Philosophen. Aber auch jüdische Denker, die auf arabisch schrieben, entfielen bei der beschränkten Begrifflichkeit.

3. Der Konflikt zwischen Qur â n und Philosophie

Wenngleich der Qurân in seiner geistestheoretischen Bedeutung der Bibel vor der Reformation ähnelt, so ist es doch für moderne säkularisierte Europäer schwer verständlich, welch hegemoniale Stellung das "Wort Gottes" in der islamischen Welt einnimmt.

Insbesondere für die Philosophie, die keine Autorität anerkennt als zumeist Emperie und Vernunft, ist eine kategoriale Unterordnung schwer vermittelbar. "Jede Religion kennt Autoritäten, die zu akzeptieren sind, an die zu 'glauben' ist. Philosophie hingegen hat keine 'heiligen' Bücher, keine 'Dogmen', keine rechtgläubige Tradition."1 Doch der Qurân ist der Verfügungsgewalt der Menschen, selbst des ihn verkündenen Propheten, entzogen. Sein Inhalt, wie auch seine Form sind göttlichen Ursprungs und somit frei von Widersprüchen und zuverlässige Quelle für Ethik, Recht und Politik. Folge ist die Verdrängung jeder Philosophie, die diesen Anspruch nicht akzeptierte. Zudem zentrierte sich das philosophische Denken um den Qurân betreffende Themen.

So ist einer der zentralen Reflexionsaspekte die These des strikten Monotheismus. In Verbindung mit dieser folgt die zwangsweise Frage nach den Attributen Gottes und deren Verhältnis zu einer absolut, einzig und ewig gedachten Substanz. Des weiteren stellt sich für islamische Gelehrte die Frage nach der Beziehung zwischen Gott und Schöpfung bzw. der geschöpften Welt. Willensfreiheit und Unsterblichkeit der Seele sind daraus abgeleitete Fragestellungen. Schließlich kündigt sich noch die Frage des Verhältnisses zwischen Glauben, Vernunft und Wahrnehmung an. Ethische und ästhetische Überlegungen spielen eine untergeordnete Rolle, da sie in Šarīʿa bereits erschöpfend dargelegt worden sind.

4 Die Genese der arabisch-islamischen Philosophie

4.1 Die präislamische, mediterrane Philosophie

Die erste Phase orientalischer Philosophie entstand um Thales von Milet an der kleinasiatischen Küste, wo zwischen 700 und 620 v. Chr. ein reger Handelsverkehr mit Ägypten, Persien und Phönizien herrrschte. Verfassungsstrukturen der Phönizier, Metaphysik und entstehende Wissenschaften von Ägyptern, Medern, Mesopotamiern und Persern entfalteten sich in der ersten Blüte der mediteranen Philosophie. In den nachfolgenden Jahrhunderten, die von einer wechselseitigen Beeinflussung des Denkens rund um das östliche Mittelmeer geprägt waren, etablierte sich die Philosophie zusehends, wenngleich die Unterscheidung zwischen europäischer und später islamisch-arabischer sowohl willkürlich als auch uneffektiv ist. So ist die "'europäische Philosophie' [...] eine Verbingung von hellenistischen und biblischen ('orientalischen') Welt- und Wertvorstellungen[...]. Fragt man, wo diese Verbindung zustande gebracht wurde, lautet die Antwort: nicht in Europa, sondern in SW-Asien und N-Afrika."2 So lag eines der bedeutendes Zentren der hellenistischen Welt - Alexandria - beispielsweise im späteren Einflussgebiet des Islam. Allerdings kann weder von einer einheitlich europäischen Tradition noch von einer später islamischen gesprochen werden. Während asiatische Schulen mit griechischen konkurrierten, fand auch unter ihnen Wettbewerb und Abgrenzung statt.

4.2 9.-11. Jahrhundert - Rezeption der Antike

Der Beginn der eigentlich islamlischen Philosophie war der Eroberung großer oströmischer Städte - genannt seien hier Damaskus, Jerusalem und schließlich Alexandria - sowie persischer geschuldet. Unter den zur Macht gekommenen Kalifen begann eine knapp dreihundert Jahre währende Übersetzungarbeit der dort gefundenen ostbyzantischen Schriftschätze, die vornehmlich aus dem Griechischen und Altaramäischen ins Arabische und Persische durch griechische und syrische Theologen geleistet wurde. In Folge entstanden fünf große Übersetzungsschulen in Bagdad, Nisibis, Edessa, Esfahân und nach der Eroberung der iberischen Halbinsel durch die Mauren im Jahre 711 auch in Córdoba. Die anfängliche griechisch-syrische Zweisprachigkeit des hellenistischen Kulturbodens wurde durch eine zunehmend syrisch-arabische abgelöst.3 Der daraus resultierende Wissensschatz ermöglichte es der islamischen Kultur über Jahrhunderte einen Vorsprung vor der westlichen zu behaupten, der das antike Wissen größtenteils verloren gegangen war.

Zu den wichtigsten Denkern diese Zeit gehören Al-Kindi, Al-Farabi, Avicenna und im späteren Verlauf auch Averroës. Aristotelismus und Neoplatonimus wurden von ihnen in unterschiedlicher Gewichtung aufgenommen und im Kontext der islamischen Vorstellung neu verarbeitet. Neben den arabisch-maurisch-persischen Denkern sind noch jüdische zu nennen, wie Saadia Gaon, die über ähnliche Probleme wie die Einheit Gottes, seine Eigenschaften und die Beschaffenheit der Seele schrieben.

[...]


1 Wimmer (2004)

2 Holenstein (2004), S. 84

3 Strohmaier (2003)

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Wege des Denkens
Untertitel
Der Pfad der morgenländischen Philosophie
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Philosophisches Seminar)
Veranstaltung
Einführung in die islamische Philosophie
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V194376
ISBN (eBook)
9783656194613
ISBN (Buch)
9783656195313
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Islamische Philosophie, Philosophie, Averroes, Ibn Rushd, Islam
Arbeit zitieren
Michel Penke (Autor), 2011, Wege des Denkens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194376

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