Familienunternehmen - Generationenwechsel in Familien


Hausarbeit, 2011

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Das Familienunternehmen als besondere Wirtschaftsform
2.1 Die Familie - Definition in der Fachliteratur
2.2 Das Unternehmen - Definition in der Fachliteratur
2.3 Familie und Unternehmen - ein Gegensatz?

3. Das Familienunternehmen Merckle
3.1 Fakten und Zahlen zur Unternehmensgruppe
3.2 Werdegang von Adolf Merckle
3.3 Die Familie Adolf Merckle
3.4 Generationenkonflikt - Folgerungen

4. Fazit

III.Literaturverzeichnis

l.Einleitung

Familienuntemehmen nehmen eine bedeutende Stellung in der deutschen Wirtschaft ein. So sind mehr als 90% der Unternehmen in Familienbesitz. Sie erzielen 40% der Umsatze und schaffen fast 60% aller Arbeitsplatze in Deutschland.[1] Damit ein Familienuntemehmen erfolgreich fort bestehen kann, ist die Nachfolgefrage entscheidend fur die Zukunft eines Unternehmens. Nach Schatzung des Institutes fur Mittelstandsforschung Bonn werden im Zeitraum 2010 bis 2014 ca. 110.000 Familienuntemehmen einen neuen Nachfolger benotigen,2 da die Eigentumer aus der Fuhrung alters- oder krankheitsbedingt ausscheiden oder sterben. Nach einer Studie vom Bundesnetzwerk Burgerschaftliches Engagement gelingt aber nur in 30% der Familienuntemehmen der Wechsel von der ersten in die zweite Generation. In den nachsten Generationen sieht es noch ungunstiger aus: von der zweiten in die dritte Generation3 sind es gerade mal 10% und in die vierte schaffen es gar nur noch 5%.

Wie ist diese Tatsache zu erklaren? Warum gelingt es nur so wenigen Familienuntemehmen erfolgreich den Generationenwechsel zu vollbringen? Die Hausarbeit wird sich mit dieser Frage beschafdgen und nach den moglichen Ursachen fragen.

Meine These ist, dass generell eine starke emotionale Bindung zwischen den Familienmitgliedern eines Unternehmens herrscht, und zwar so stark, dass in Krisensituationen eine rationale Auseinandersetzung unter den Familienmitglieder um ihr Unternehmen verhindert wird.

Beim Versuch, Antworten auf diese Fragestellung zu finden, werde ich unter anderem auf ein Werk des Psychoanalytiker und Systemtherapeuten Fritz Simon, „Die Familie des Familienunternehmens“, zuruckgreifen. Anschliefiend sollen mogliche Ursachen am Beispiel des Familienunternehmens Merckle herausgearbeitet werden, eines der grofiten in der deutschen Nachkriegszeit.

2. Das Familienunternehmen als besondere Wirtschaftsform

Die Prasenz der Familie in Familienunternehmen ist ein bedeutender Unterschied zu anderen Untemehmensform, wie z.B. Aktiengesellschaften. In der Fachliteratur findet sich unter anderen folgende Definition: „Ein Familienunternehmen ist ein Unternehmen, auf das die Familie einen mafigeblichen Einfluss ausubt. Von einem mafigeblichen Einfluss der Familie auf das Unternehmen soll dann gesprochen werden, wenn die Familie einen der Einflussfaktoren Eigenkapital, Kontrolle oder Management vollstandig dominiert oder der Minder einfluss durch entsprechenden Einfluss bei einem anderen Faktor ausgeglichen wird. Als notwendige [4] Bedingung wird eine Beteiligung der Familie am Eigenkapital vorausgesetzt.“

Noch deutlicher wird die Besonderheit von Familienunternehmen in einer Aussage von Werner von Siemens, immerhin Grander eines der weltweit groBten Konzerne der Elektro- und Elektronik-Industrie. Er auBerte sich schon im Jahr 1887:

„Gewiss habe ich auch nach Gewinn und Reichtum gestrebt, doch wesentlich nicht, um sie zu genieBen, als um die Mittel zur Ausfuhrung anderer Plane und Unternehmungen zu gewinnen und um durch den Erfolg die Anerkennung fur die Richtigkeit meiner Handlungen und die Nutzlichkeit meiner Arbeiten zu erhalten. So habe ich fur die Grundung eines Weltgeschaftes a la Fugger von Jugend an geschwarmt, welches nicht nur mir, sondern auch meinen Nachkommen Macht und Ansehen in der Welt gabe und die Mittel, auch meine Geschwister und nahere Angehorige in hohere Lebensregionen zu erheben.“[5]

Familienunternehmen streben zwar auch nach maximalem Gewinn, aber die Unternehmensfuhrung sieht sich auch in einer besonderen sozialen Verantwortung gegenuber den eigenen Familienmitgliedern.

2.1 Die Familie - Definition in der Fachliteratur

Im Folgenden sollen zunachst die beiden zentralen Bestandteile „Familie“ und „Unternehmen“ naher beleuchtet werden. Denn es werden zwei Begriffe miteinander kombiniert, die aus soziologischer Sicht eine gegensatzliche Bedeutung haben.

Fur den Begriff „Familie“ gibt es in der Soziologie keine einheitliche Definition, was auf unterschiedliche wissenschaftstheoretische Ansatze zuruckzufuhren ist. Ich werde mich in dieser Hausarbeit auf die Definition der deutschen Soziologin Rosemarie Nave-Herz beschranken, die sich mit diesem Themenkomplex besonders auseinandergesetzt hat. Nach ihr sind Familien im Vergleich zu anderen gesellschaftlichen Gruppen durch folgende drei Merkmale gekennzeichnet:

1. „durch ihre „biologisch-soziale Doppelnatur“ (Konig 1946/2002), d.h. durch die Ubernahme der Reproduktions- und Sozialisationsfunktion neben anderen gesellschaftlichen Funktionen, die kulturell variabel sind,
2. durch die Generationsdifferenzierung (UrgroBeltern/GroBehern/Eltern/Kindfer)) und dadurch dass
3. zwischen ihren Mitgliedern eine spezifisches Kooperations- und Solidaritatsverhaltnis besteht, aus dem heraus die Rollendefinitionen festgelegt sind.“[6]

Bedeutsam fur die Fragestellung dieser Hausarbeit ist nach meiner Einschatzung vor allem der dritte Punkt. Es gibt demnach offenbar Verhaltensmuster in Familien, die auf das Unternehmen ubertragen werden und zu spezifischen Konflikten fuhren konnen, die etwa bei einer Aktiengesellschaft nicht auftreten. Diese Annahme soll weiter unten untermauert werden.

2.2 Das Unternehmen - Definition in der Fachliteratur

Wie beim Begriff „Familie“ gibt es auch beim Begriff „Unternehmen“ in der wissenschaftlichen Literatur keine einheitliche Definition. Als ein gemeinsames Merkmal vieler Definitionen taucht immer wieder das Prinzip der Gewinnmaximierung auf. Exemplarisch mochte in diesem Zusammenhang den Wirtschaftssoziologen Richard Swedberg erwahnen. Nach ihm haben Unternehmen als oberstes Ziel die Erwirtschaftung von Gewinnen. Dies beeinflusse die Organisationsstruktur ebenso wie das Verhalten der Unternehmensmitglieder.[7] Wie in Familien scheint es in Unternehmen Verhaltensmuster zu geben, die im Widerspruch zu den Familienstrukturen stehen konnen. Diesem soll im weiteren Verlauf noch nachgegangen werden.

2.3 Familie und Unternehmen - ein Gegensatz?

Es stellt sich nun die Frage, welche spezifischen Verhaltensmuster in beiden Institutionen herrschen und wie diese zueinander stehen. Bei der Suche nach Antworten kann Fritz Simon weiter helfen.

In seinem Werk „Die Familie des Familienunternehmens“ schreibt er unter anderem uber die Gegensatze von Familienunternehmen. Dazu vergleicht er die Regeln der Interaktion und Kommunikation in Familien und Unternehmen. Im Folgenden sollen nun diese Gegensatze im Einzelnen vorgestellt werden.

In der Familie sind nach Simons Auffassung die einzelnen Mitglieder im Mittelpunkt der Interaktion und Kommunikation, nicht aber ihre Funktion als „Betriebsangehorige“.

Dagegen sind die Beschaftigten in einem Unternehmen, so Simon weiter, vor allem funktionsorientiert. Damit ein Unternehmen uberleben konne, mussen sie Produkte entwickeln, herstellen und vertreiben. Dies gelinge nur, wenn bestimmte Funktionen von dem Betriebsangehorigen erfullt werden. Mit Funktionen meint der Autor, dass gewisse Ablaufe und Prozesse in einem Unternehmen etabliert sein mussen. Die personlichen Beziehungen der Akteure spielen demzufolge nur eine untergeordnete Rolle im Unternehmen.

Ein weiterer Gegensatz, den der Autor beschreibt, betrifft die Austauschbarkeit. Im Gegensatz zum Unternehmen gelten in Familien andere Kriterien. Nicht Leistung oder Versagen, sondern emotionale Faktoren stehen im Vordergrund wie Sympathie oder Liebe (z.B. Ehepartner) oder biologische Grunde (z.B. Kinder). Gemeinsame Werte wie Gerechtigkeit und Zuverlassigkeit in Familien stehen den Effizienzerwagungen in Unternehmen gegenuber. Dagegen konne ein Unternehmen nur uberleben, wenn jeder Mitarbeiter ersetzbar ist.

Ein drittes Unterscheidungsmerkmal, das Simon nennt:

In Familien haben psychologische und emotionale Faktoren eine wesentlich grofiere Bedeutung als in Unternehmen. Beziehungen zwischen Familienmitglieder (speziell zwischen Eltern und Kinder) konnen nicht einfach gekundigt werden wie zwischen einem Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Dies kann zur Folge haben, dass starke emotionale Bindungen im positiven wie negativen Sinne zwischen Familienmitglieder entstehen konnen.

[...]


[1] Langenscheidt 2009: 12

[2] Hauser 2010:32

[3] Haibach 2001:129.

[4] Worffel 2010:7.

[5] Feldenkirchen 2000:75.

[6] Nave-Herz (2004):30.

[7] Vgl. Swedberg (2009):127.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Familienunternehmen - Generationenwechsel in Familien
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V194572
ISBN (eBook)
9783656198345
ISBN (Buch)
9783656200437
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Generationenwechsel, Familienunternehmen, Adolf Merckle, Merckle
Arbeit zitieren
Christoph Joschko (Autor), 2011, Familienunternehmen - Generationenwechsel in Familien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/194572

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