Israel und der Iran

Analyse der Beziehung zwischen Israel und dem Iran nach 1948 mit Schwerpunkt auf die Möglichkeit eines Krieges


Seminararbeit, 2012

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Beziehung zwischen Israel und der islamischen Republik Iran
2.1. Die Beziehung vor der islamischen Revolution
2.1.1. Staatsgründung Israels und Periphere-Strategie
2.1.2. Suez-Krise und Pan-Arabismus im Hinblick auf den Iran
2.1.3. Zusammenarbeit auf militärischer und ziviler Basis
2.1.4. Sechs-Tage-Krieg, Öl-Importe und Delegierte
2.1.5. Resolution 242
2.1.6. Die Irakische Bedrohung und „Project Flower“
2.2. Die Beziehung nach der islamischen Revolution
2.2.1. Das Geiseldrama von Teheran
2.2.2. Der erste Golfkrieg und der Libanon-Feldzug
2.2.3. Ajatollah Ruhollah Chomeini und der Al-Quds-Tag
2.2.4. 2. Golfkrieg und Zusammenbruch der Sowjet Union
2.2.5. 1991 bis 2005
2.3. Die Beziehung zwischen Israel und dem Iran in der heutigen Zeit
2.3.1. Mahmud Ahmadinedschad
2.3.2. Das Atomprogramm des Irans
2.3.3. Die Atomwaffen Israels
2.3.4. Angriffe auf das iranische Atomprogramm

3. Wie gefährlich ist die Lage im Nahen Osten?
3.1. Die politische Aufteilung des Nahen Ostens
3.1.1 Verhältnis Israels und Irans zu den anderen Staaten der Region
3.1.2. Die geografisch-militärischen Nachteile des Irans
3.2. Vor- und Nachteile der beiden Staaten
3.2.1. Innenpolitische und wirtschaftliche Lage des Irans
3.2.2. Innenpolitische und wirtschaftliche Lage Israels
3.2.3. Die Bewaffnung des Irans und Israels
3.3. Wie wahrscheinlich ist ein Krieg?

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Israel und der Iran, grenzenloser Hass aufeinander. So berichten die Medien über die beiden Staaten und es stimmt, Israel und der Iran hassen sich. Der Iran droht Israel zu vernichten, Israel will einen nuklear bewaffneten Iran nicht hinnehmen. In den Medien hört man fast täglich über die beiden rivalisierenden Staaten. Man könnte glauben, dass der Iran und Israel sich schon immer hassten. Israel, der kleine jüdische Staat, Partner des Westens und Feind aller Araber und der Iran, Kirche und Staat in einem, in dem schiitisch-fundamentalistische Moslems die Oberhand haben, sollen zusammengearbeitet haben? – Aus heutiger Sicht unvorstellbar. Trotzdem ist es wahr, der Iran und Israel waren einst Freunde, die gemeinsam, Seite an Seite, gekämpft haben. Wer die heutige Situation betrachtet, findet von Freundschaft keine Spur, doch genau diese Entwicklung, vom engsten Freund zum ärgsten Feind, möchte ich im ersten Teil meiner Facharbeit analysieren.

Noch nie gab es einen Krieg zwischen Israel und dem Iran, doch in Anbetracht der momentanen Situation fragt man sich wie lange das noch so bleiben wird. Die Rivalitäten spitzen sich immer weiter zu. Der Iran und Israel drohen einander. Doch kann der Iran einen erfolgreichen Krieg gegen Israel führen? Wer hat die Oberhand im Nahen Osten? Wer ist militärisch und wirtschaftlich überlegen? Diese Fragen stellen sich zweifellos jedem, der sich mit dem aktuellen Nahostkonflikt auseinandersetzt. Doch nur die wenigsten Menschen kennen die Antwort. Genau diese Antwort möchte ich im zweiten Teil meiner Facharbeit geben und erläutern.

Meine Facharbeit baut also auf zwei Kernfragen auf: Wie hat sich die Beziehung zwischen Israel und dem Iran im Verlauf der Geschichte entwickelt und wie sieht die militärische und politische Situation im Nahen Osten aus?

2. Die Beziehung zwischen Israel und der islamischen Republik Iran

Die Beziehung zwischen den beiden Staaten war im Verlauf der Geschichte sehr wechselhaft und lässt sich in drei Hauptteile unterteilen. Der erste Teil ist die Beziehung zwischen Israel und dem Iran vor der islamischen Revolution, der zweite Teil die Beziehung beider Staaten danach und als drittes die Beziehung der beiden Staaten heute.

2.1. Die Beziehung vor der islamischen Revolution

2.1.1. Staatsgründung Israels und Periphere-Strategie

Am 14. Mai 1948 entstand im Nahen Osten ein neuer, pro westlicher Staat auf dem Gebiet des britischen Mandats Palästina: Israel. Noch in derselben Nacht begann der Unabhängigkeitskrieg, in dem Ägypten, Syrien, Transjordanien, der Libanon, der Irak und Saudi-Arabien Israel und israelische Milizen angriffen. Der Krieg endete mit einem Waffenstillstandsabkommen und dem Überleben, sowie der Unabhängigkeit Israels.

Israel war der gehasste Feind der arabischen Welt, was Ben-Gurion, den ersten Premierminister Israels, dazu veranlasste mit seiner Periphere-Strategie neue Verbündete zu suchen. Ziel dieser Strategie war es Bündnisse mit nicht arabischen Staaten oder Minderheitengruppen in der Periphere zu schließen, die den Einfluss der arabischen Staaten im Nahen Osten verringern konnten.[1]

Die wichtigsten neuen Bündnispartner waren die Türkei, der säkularste und westlichste islamische Staat und der pro-westlich ausgerichtete Staat Iran. Die Türkei (1948) und der Iran (1951) waren die ersten islamisch geprägten Staaten, die Israel als Staat anerkannten. Während die arabischen Staaten Israel weiterhin hassten, begann der Aufbau von guten Beziehungen zwischen Israel und dem Iran.

Die frische Freundschaft wurde vertieft, indem der Iran half Israelis aus dem Irak heraus zu schmuggeln. Im Irak wurde nach der Staatsgründung Israels den Juden die Ausreise verboten und antisemitische Strömungen dominierten die Gesellschaft. Da es möglich war, Juden über den Iran aus dem Irak zu schmuggeln, wurden israelische Agenten in den Iran geschickt und die Operation Esra und Nehemia (Die Befreiung von Juden aus dem Irak) eingeleitet.

2.1.2. Suez-Krise und Pan-Arabismus im Hinblick auf den Iran

Schon wenige Jahre später (1956) eskalierte der Konflikt im Nahen Osten, es kam zur Suez-Krise und zum Krieg. Der Iran selbst hatte nichts mit der Suez-Krise und dem darauf folgenden Krieg zu tun, doch die Folgen der Suez-Krise waren ein weiterer Faktor der Beziehung zwischen Israel und dem Iran. Militärisch gewannen Israel, Frankreich und Großbritannien, doch politisch erlebten sie eine Niederlage. Der Sturz Nassers und die Internationalisierung des Suez-Kanals[2] konnten von den militärischen Siegern nicht durchgesetzt werden. Durch diese Entwicklung stieg der Staatspräsident Ägyptens, Gamal Abdel Nasser, zum Nationalhelden auf.

Mit ihm gewann der Pan-Arabismus, die Idee eines Einheitsstaates in gesamten Nahen Osten, einen zunehmenden Einfluss auf die Region. Dieser Einfluss bewirkte und inspirierte Putsche in anderen arabischen Ländern gegen ihre pro-westlichen Regierungen.[3]

Da der Iran zu jener Zeit unter Schah Reza Pahlewi stark pro-westlich und national statt pan-arabisch ausgerichtet war, war er ein Hindernis für Nassers aufflammende Bewegung. Da dies dem Iran bewusst war, stärkte er seine Verbindungen zur westlichen Welt, also den USA und Israel. Diese drei Staaten und der Rest der westlichen Welt bildeten das Gegenstück zu den pan-arabischen Staaten, die von der Sowjetunion unterstützt wurden.

2.1.3. Zusammenarbeit auf militärischer und ziviler Basis

Der Iran und Israel festigten ihre Beziehung, indem sie auf militärischer und ziviler Basis gut zusammenarbeiteten. Das Bewässerungssystem Israels wurde von den Iranern besonders geschätzt und benötigt. Israelis bildeten mehrere tausend Agrarexperten des Irans aus. Desweiteren wurden 400 iranische Soldaten von Israelis zur Handhabung besonderer militärischer Fahrzeuge geschult. Diese Fahrzeuge wurden dabei gleich mit an den Iran verkauft.[4]

2.1.4. Sechs-Tage-Krieg, Öl-Importe und Delegierte

Die Beziehung zwischen dem Iran und Israel entwickelte sich in den 60er Jahren des 20. Jh. prächtig. Zwischen 1954 und 1965 wuchs die Wirtschaft in Israel so stark wie noch nie zuvor und auch bis heute nicht noch einmal[5]. Daraus resultierte, dass der Bedarf an Öl in Israel ebenfalls immer weiter stieg. Die arabischen Staaten hatten gegen ihren Todfeind Israel ein Ölembargo verhängt, von dem sich der Iran allerdings unbeeindruckt verhielt und weiter Öl an Israel lieferte. Im Gegenzug lieferte Israel wie bereits genannt Bewässerungstechnologie und Militärgeräte. Außerdem unterhielt Israel eine inoffizielle Delegation von Botschaftern in Teheran, die für Israel im Iran agierten. Offiziell waren diese Botschafter in anderen Ländern unterwegs.

Bereits 1957 wurde die Eilat-Ashkelon Pipeline gebaut. Mit dieser Pipeline wurde Israel unabhängig vom Suez-Kanal oder der langen Schifffahrtsroute um Afrika herum und konnte das iranische Öl schneller vom Iran nach Israel transportieren. Der Bau dieser Pipeline und die anderen kooperativen Projekte zeigen, dass der Iran und Israel sich prächtig verstanden. Trotz aller guten Verbindungen zu Israel blieb der Iran bei einer zweischneidigen Politik. Zum einen arbeitete der Iran gemeinschaftlich mit Israel zusammen, zum anderen sollten die guten Beziehungen des Irans zu den arabischen Nachbarn nicht verloren gehen.

1967 begann der Sechs-Tage-Krieg als Folge der Blockade der Meerenge von Tiran durch das ägyptische Militär. Im Verlauf des Krieges eroberte Israel die Sinaihalbinsel, die Westbank, Ost-Jerusalem und die Golanhöhen.[6] Während des Sechs-Tage-Krieges wurde diese zweischneidige Politik des Irans auf die Spitze getrieben. Der Iran lieferte sowohl Öl an Israel als auch an dessen Kriegsgegner Ägypten.

2.1.5. Resolution 242

Nach dem Sechstagekrieg wurde im UN-Sicherheitsrat die Resolution 242 vorgelegt, die den Rückzug Israels aus den besetzten Gebieten forderte. Um ein Verhältnis zu den arabischen Staaten zu wahren, stimmte der Iran für die Resolution 242. Durch diese Entscheidung kühlte die Beziehung der beiden Staaten ab und gemeinsame Projekte verliefen im Sand.

2.1.6. Die Irakische Bedrohung und „Project Flower“

Nachdem Ägypten 1972 alle sowjetischen Militärberater aus dem Land verwiesen hatte, wendete sich die Sowjetunion dem Irak zu und unterstützte ab sofort dessen militärische Kapazitäten. 1973 begann der Jom-Kippur-Krieg, der mit einer Niederlage Ägyptens und Syriens endete. Nach dieser Niederlage, für die Ägypten die Sowjetunion verantwortlich machte, normalisierte sich das Verhältnis zwischen Israel und Ägypten immer weiter und schließlich wurde 1979 das Camp-David-Abkommen geschlossen, das den Frieden zwischen Israel und Ägypten sicherte.

Durch die Zunahme des sowjetischen Einflusses auf den Irak wurde dieser zu einer neuen Bedrohung sowohl für Israel als auch für den Iran. Bereits 1970 wurden die alten, abgekühlten Beziehungen wieder aufgenommen, um gemeinsam kurdische Aufständische im Irak auszubilden.[7] Israel und der Iran schwächten nicht nur ihren gemeinsamen Feind, sondern begannen ebenfalls mit einem gemeinsamen Militärprojekt. Dieses Projekt, genannt Project Flower, war die gemeinsame Zusammenarbeit zur Verbesserung einer Antischiffsrakete.

2.2. Die Beziehung nach der islamischen Revolution

1979 eskalierten im Iran die seit 1977 andauernden Proteste und Demonstrationen gegen das Regime Reza Pahlewis und es begann die islamische Revolution. Der schiitische Klerus unterstützte aktiv die Revolutionsbewegung[8] und Ruhollah Chomeini, der bisherige religiöse Führer des Irans, übernahm nach der Flucht Pahlewis die Kontrolle über den Staatsapparat. Im Iran wurde die bis heute anhaltende Einheit aus Staat und Religion gebildet und das Land islamisiert. Mit der islamischen Revolution fand ein Paradigmenwechsel in der Beziehung zu Israel und der gesamten westlichen Welt statt. Sämtliche Bündnisse und Übereinkünfte mit Israel wurden aufgelöst. Der Iran stützte seine Gesetzgebung auf den Koran, westliche allgemeine Werte wie die Gleichberechtigung von Mann und Frau verschwanden im Zuge der Islamisierung. Der Iran schien der westlichen Welt komplett den Rücken zugedreht zu haben. Dies zeigte sich unter anderem in folgender Begebenheit:

2.2.1. Das Geiseldrama von Teheran

Am 4. November 1979 änderte sich das Verhältnis des Irans zu den USA schlagartig. Grund dafür war das sogenannte Geiseldrama von Teheran, bei dem ca. 400 iranische Studenten die Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika stürmten, besetzten und die Angestellten der Botschaft als Geiseln hielten. Ein Teil der Geiseln wurde wenig später auf Bitte des Revolutionsführers Chomeini freigelassen, trotzdem verblieben 52 Geiseln 444 Tage lang in der Gewalt der Studenten. Einer der Geiselnehmer soll der heutige Präsident des Irans Mahmud Ahmadinedschad gewesen sein.[9] Mit dieser Geiselnahme wurde nicht nur internationales Recht aufs schärfste verletzt, sondern auch die Regierung der Vereinigten Staaten und das gesamte amerikanische Volk gedemütigt. Nachdem eine Militäraktion zur Rettung gescheitert war, konnten die verbliebenen 52 amerikanischen Geiseln mit Hilfe von Lösegeld freigekauft werden. Die Folge dieser Geiselnahme war der Abbruch der Beziehung zwischen den USA und dem Iran.

2.2.2. Der erste Golfkrieg und der Libanon-Feldzug

Am 1. April 1980 tötete ein iranischer Student im Irak den stellvertretenen Ministerpräsidenten des Iraks, Tarik Asis, durch ein Attentat. Daraufhin ließ man am 13. April im Irak das geistliche Oberhaupt der Schiiten (der mehrheitlichen islamischen Gruppe im Iran) hinrichten. Dieser geistliche Führer wurde für das Oberhaupt einer oppositionellen Bewegung gehalten. Am 22. September marschierte die irakische Armee über die gemeinsame Grenze in den Iran ein und begann mit einem Überraschungsangriff.

[...]


[1] Vgl. http://www.zeit.de/2010/16/GES-Iran-Israel/seite-2, Stand: 08.02.2012.

[2] Vgl. http://bazonline.ch/panorama/dossier/heute-vor--oktober08/-52-Jahren-Suezkrise-eskaliert/story/26067694 Stand: 12.02.2012.

[3] Vgl. http://www.zeit.de/2010/16/GES-Iran-Israel/seite-2, Stand: 08.02.2012.

[4] Vgl. http://www.zeit.de/2010/16/GES-Iran-Israel/seite-3, Stand 08.02.2012.

[5] Vgl. http://www.hagalil.com/01/de/Israel.php?itemid=1683, Stand: 12.02.2012.

[6] Vgl. http://www.hagalil.com/israel/geschichte/kriege-3.htm, Stand: 12.02.2012.

[7] Vgl. http://www.zeit.de/2010/16/GES-Iran-Israel/seite-4, Stand: 08.02.2012.

[8] Vgl. http://www.focus.de/politik/ausland/umsturz-1979_aid_105219.html, Stand: 12.02.2012.

[9] Vgl. http://www.sueddeutsche.de/politik/vor-jahren-geiselnahme-von-teheran-tage-martyrium-1.141476, Stand: 15.02.2012.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Israel und der Iran
Untertitel
Analyse der Beziehung zwischen Israel und dem Iran nach 1948 mit Schwerpunkt auf die Möglichkeit eines Krieges
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
24
Katalognummer
V197413
ISBN (eBook)
9783656296591
ISBN (Buch)
9783656297277
Dateigröße
732 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Israel, Iran, Krieg, Geschichte, Antisemitismus, Al-Quds-Tag, Atomprogramm, Wirtschaft, Politik
Arbeit zitieren
Heiko Tempel (Autor), 2012, Israel und der Iran, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197413

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