Das Kommunikationsmedium Internet in Saudi Arabien


Studienarbeit, 2011
16 Seiten, Note: 1,1
Martin Friedrich (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Themenhinführung
1.2. Problemstellung
1.3. Zielsetzung und Vorgehensweise

2. Definitionen und Grundlagen
2.1. Internet
2.2. Web 2.0
2.3. Social Media
2.4. Zensur

3. Internetzensur in Saudi Arabien
3.1. Entwicklung des Internets in Saudi Arabien
3.2. Internetzensur
3.3. Analyse der OpenNet Initiative

4. Diskussion
4.1. Problematik der saudischen Zensurmaßnahmen
4.2. Verhalten der saudischen Regierung
4.3. Ausblick

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Themenhinführung

In der heutigen Zeit ist das Internet als Kommunikationsmedium und Informationsquelle sowohl aus dem beruflichen als auch aus dem privaten Leben einer Vielzahl von Menschen nicht mehr wegzudenken. Die Anzahl der weltweiten Internetnutzer, im Folgenden auch als Internetuser bezeichnet, verdoppelte sich seit 2005 auf rund 2 Milliarden Menschen im Jahr 2010. Der prozentuale Anteil der Internetuser in den arabischen Staaten lag 2010 mit einem Wert von 24,9 unter dem Durchschnittswert aller Internetnutzer auf der Welt von 30 Prozent.1 In Saudi Arabien nutzten im selben Jahr 38,1 Prozent der rund 26 Millionen Einwohner das Internet.2

Der öffentliche Zugang zu diesem Medium existiert in dem Wüstenstaat seit dem Jahr 1999. In den Jahren davor konnten sich saudische Bürger lediglich durch einen internationalen Telefonanruf eines Internetdienstanbieters in Bahrain oder anderen Nachbarstaaten in das World Wide Web einwählen. Dieses Verfahren wurde von sehr wenigen saudischen Bürgern genutzt.3 Seitdem der öffentliche Internetzugang besteht, kann aber ein starker Zuwachs der Internetnutzer innerhalb der Bevölkerung des Königreichs beobachtet werden.

1.2. Problemstellung

Die arabischen Staaten weisen grundsätzliche Unterschiede hinsichtlich ihrer politischen Systeme und dem Grad der Einschränkungen der Bevölkerung auf. Da die freie Meinungsäußerung nicht in allen Staaten erlaubt ist, hat dies auch für das Medium Internet Konsequenzen. So unterliegt der Informationsfluss im Internet in den Ländern Jordan und Marokko beispielsweise wenigen Einschränkungen, während das Medium Internet im Iran sowie in Saudi Arabien streng überwacht und kontrolliert wird.4 Laut der international tätigen Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen zählen neben Saudi Arabien und dem Iran auch die Länder Birma, China, Kuba, Nordkorea, Syrien, Turkmenistan, Usbekistan und Vietnam zu den sogenannten „Feinden des Internets“.5 Die Organisation kritisiert, dass die genannten Staaten das Internet zu einem Intranet gemacht haben, um der Bevölkerung den Zugang zu „unerwünschten“ Informationen zu verwehren.6

Bei den Protesten und Demonstrationen in Tunesien und Ägypten Ende 2010 bis Anfang 2011 spielten das Internet und insbesondere soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter eine entscheidende Rolle.7 Die Ereignisse im arabischen Raum belegen die große Bedeutung von Social Media für die Information und die Mobilisierung von Menschenmassen. Vor diesem Hintergrund verschärfen die Regierungen der zehn „Feinde des Internets“ sowie weiterer Staaten die Kontrolle und Zensur des Internets. So führen derzeit rund 60 Nationen Zensurmaßnahmen durch, von denen jeder dritte Internetnutzer betroffen ist und somit nicht über einen freien Zugang zum Internet verfügt.8

1.3. Zielsetzung und Vorgehensweise

Ziel dieser Arbeit ist es, die Kontroll- und Zensurmaßnahmen des Internets am Beispiel von Saudi Arabien zu diskutieren und hinsichtlich des wachsenden Ein-flusses dieses Kommunikationsmediums zu bewerten.

Dazu werden zunächst die grundlegenden Begriffe definiert und erläutert. Im Anschluss wird die Entwicklung des Internets in Saudi Arabien thematisiert, um dann die Zensurmaßnahmen im Königreich zu beleuchten. Es wird die Proble-matik der Internetzensur und das Verhalten der saudischen Regierung in diesem Zusammenhang diskutiert. In einem Ausblick soll auf mögliche zukünftige Entwicklungen und Problemfelder eingegangen werden. Abschließend werden die Kernaussagen dieser Arbeit im Rahmen einer Schlussbetrachtung zusammen-gefasst.

2. Definitionen und Grundlagen

2.1. Internet

Der Begriff Internet leitet sich aus der englischen Phrase Interconnected Net ab. Es bezeichnet ein globales Netzwerk, in dem mithilfe von Daten- oder Tele-kommunikationsleitungen Computer und lokale Netze auf der ganzen Welt ver-bunden sind und Daten austauschen bzw. miteinander kommunizieren können. Die übertragenen Daten können in Form von Text-, Ton-, Video- oder Grafikdateien vorliegen.9 Gleichzeitig stellt das Internet eine nicht überschaubare Menge an Informationen und Daten zur Verfügung, die beispielsweise von Institu-tionen, Organisationen oder privaten Internetnutzern veröffentlicht werden und damit potenziell für alle Internetusern weltweit verfügbar sind. Das Internet wird nicht von einer zentralen Institution oder Organisation kontrolliert und verwaltet. Es ist daher dezentral.10

2.2. Web 2.0

Der Begriff Web 2.0 macht deutlich, dass das Internet eine Weiterentwicklung erfahren hat und impliziert die Entwicklung neuer Instrumente wie zum Beispiel Social Media. Der Terminus bezieht sich nicht auf eine bestimmte Technik oder neue Software, sondern auf das Zusammenwirken unterschiedlicher Werkzeuge und Methoden und eine damit korrelierende wirtschaftliche und soziale Ent-wicklung.11 So ist zum einen der soziale Austausch über das Internet leichter geworden und zum anderen lässt sich bei Internetusern eine zunehmende Bereit-schaft, sich über das Medium Internet zu „vernetzen“, feststellen.12

Eine wesentliche Eigenschaft des Web 2.0 ist der User Generated Content, kurz UGC.13 Internetuser produzieren und modifizieren die Inhalte des World Wide Web selbst. Gleichzeitig werden die Informationen von untereinander vernetzten Nutzern verbreitet und nicht mehr zentral von bedeutenden Medienkonzernen propagiert.14 In der Fachliteratur wird das Web 2.0 daher häufig als sogenanntes „Mitmach- oder Partizipatives Web“15 bezeichnet. Eine allgemein gültige Definition des Begriffes Web 2.0 existiert in der wissen-schaftlichen Literatur bislang nicht. Der Terminus wird aber häufig für neue und innovative Bewegungen, Vorlieben der Internetuser oder Chancen in Bezug auf das Medium Internet verwendet.16 Für die vorliegende Arbeit soll Web 2.0 als technische Veränderung des Internets als solches in Kombination mit sozialen und wirtschaftlichen Einflussfaktoren definiert werden. Diese wirken von außen auf das Medium ein, werden aber gleichzeitig auch selbst durch das Internet beeinflusst. Das Web 2.0 stellt die umfassende Grundlage dar, ohne die die neuen Möglich- keiten des Informationsaustausches, wie beispielsweise die Social Media-Kommunikation, nicht möglich wären.17

2.3. Social Media

Unter dem Begriff Social Media versteht man Internetanwendungen, welche als soziale, interpersonale Kommunikationskanäle fungieren und es Individuen und Gruppen ermöglichen im World Wide Web soziale Wechselbeziehungen und Interaktionen einzugehen.18 Das Kommunikationsinstrument Social Media mit seinen zahlreichen Online-Applikationen und Plattformen umfasst exakt das Spektrum an Möglichkeiten, welches infolge des Web 2.0 als Weiterentwicklung des Internets entstanden ist.19 Es ermöglicht Konsumenten Informationen, Wissen und Meinungen in Form von sogenanntem Content20 zu generieren, zu übermitteln und auszutauschen. Dabei sind die Kommunikationsprozesse zwischen den partizipierenden Individuen und Gruppierungen ungefiltert und unbeschränkt.21

In Anlehnung an den Public Relations und Social Media Experten Solis ist Social Media als Demokratisierung der Medien zu bezeichnen und hebt die bisherige Grenze zwischen Medienkonzernen in der Rolle der Sender und Konsumenten als Empfänger von kommunizierten Informationen auf.22 Vor diesem Hintergrund ist ein Wandel von einer sogenannten Push-Kommunikation hin zu einer Pull-Kommunikation, bei der das Individuum im Zentrum steht, zu beobachten. Die Auswirkungen dieses Wandels werden im Zuge dieser Arbeit im Punkt 4.3 thematisiert.

2.4. Zensur

Nach Steele wird jeder Versuch, den freien Austausch von Informationen zu beschränken bzw. zu verhindern, als Zensur bezeichnet.23

In Anlehnung an Day tritt Zensur dann auf, wenn eine Regierung, Interessen-vertretung oder Individuen anderen Menschen ihre moralischen oder politischen Werte aufzwingen, indem sie bestimmte Ausdrücke, Bilder oder Ideen unterdrücken, welche ihrer Meinung nach verwerflich und unerwünscht sind. Somit ist Zensur eine Restriktion von dem, was Menschen sagen, hören, schreiben, lesen oder sehen, und kann jegliche Form der Meinungsäußerung oder des Informationsaustausches beeinträchtigen.24

[...]


1 Vgl. International Telecommunication Union (Hrsg.) (2010), S. 4

2 Vgl. o.V. (2009): http://www.internetworldstats.com/stats5.htm (Stand: 16.04.2011)

3 Vgl. Abdulla, R. A. (2007), S. 77

4 Vgl. Abdulla, R. A. (2007), S. 77

5 Vgl. Reporters Without Borders (Hrsg.) (2011), S. 9

6 Vgl. o.V. (2009): http://www.reporter-ohne-grenzen.de (Stand: 17.04.2011)

7 Vgl. Reporters Without Borders (Hrsg.) (2011), S. 4

8 Vgl. Reporters Without Borders (Hrsg.) (2011), S. 5

9 Vgl. Fritz, W. (2004), S. 25

10 Vgl. Hildebrand, J. (2009), S. 32

11 Vgl. Kapitza, S. (2009), S. 13

12 Vgl. Faulstich, W. (2004), S. 435

13 Vgl. Utz, M. (2007), S. 3

14 Vgl. Lammenett, E. (2009), S. 196

15 Kapitza, S. (2009), S. 14

16 Vgl. Behrendt, J.; Zeppenfeld, K. (2008), S. 5

17 Vgl. Kapitza, S. (2009), S. 14

18 Vgl. Mallek, M. (2010), S. 6

19 Vgl. Kapitza, S. (2009), S. 16

20 Mit Content sind in diesem Zusammenhang alle Inhalte und Informationen gemeint, die in Form von Text, Audio- und Videodateien oder Grafiken im World Wide Web vorkommen.

21 Vgl. Safko, L.; Brake, D. (2009), S. 5

22 Vgl. Solis, B. (2007): http://www.briansolis.com/2007/06/defining-social-media/ (Stand: 20.04.2011)

23 Vgl. Steele, P. (1999), S. 6

24 Vgl. Day, N (2001), S. 10

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Das Kommunikationsmedium Internet in Saudi Arabien
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart, Horb, früher Berufsakademie Stuttgart; Horb
Note
1,1
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V197803
ISBN (eBook)
9783656239567
ISBN (Buch)
9783656240549
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kommunikationsmedium, internet, saudi, arabien
Arbeit zitieren
Martin Friedrich (Autor), 2011, Das Kommunikationsmedium Internet in Saudi Arabien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197803

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