Die Stellung der Frau in der Gesellschaft im Wandel der Zeit

Aufgezeigt anhand von ausgewählten Beispielen


Essay, 2001

20 Seiten


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Inhaltsangabe

VORWORT

I. EINLEITUNG ODER: WO SIND EIGENTLICH DIE FRAUEN ?

II. BEISPIELE FÜR DIE STELLUNG DER FRAU IN IHRER GESELLSCHAFT
II. 1 JUNGPALÄOLITHIKUM (JÜNGERE ALTSTEINZEIT) BIS NEOLITHIKUM (JUNGSTEINZEIT)
II. 1.1 Geschichtlicher Hintergrund (des Weges zum &) des Jungpaläolithikums
II. 1.2 Geschichtlicher Hintergrund des Mesolithikums
II. 1.3 Geschichtlicher Hintergrund des Neolithikums
II. 1.4 Die Stellung der Frau in der Urgesellschaft
II. 2 MITTELALTER
II. 2.1 Geschichtlicher Hintergrund des Mittelalters
II.2.2 Der Papst, eine Frau?
II.2.3 Die Stellung der Frau im Mittelalter
II. 3 WIKINGERZEIT
II.3.1 Geschichtlicher Hintergrund zur Wikingerzeit
II.3.2 Die Stellung der Frau in der Wikingerzeit

III. RESÜMEE UND AUSBLICK

Vorwort

Diese Arbeit kann nicht als klassische Hausarbeit beschrieben werden, was das fehlende Literaturverzeichnis und der essayhafte Charakter mit der geringen Zahl an Zitaten schnell zeigt, dennoch ist sie als eine intensive Literaturarbeit, die den Schwerpunkt auf jüngste Veröffentlichungen legt, anzusehen.

Die subjektive, bewertende Betrachtungsweise, teilweise abseits von Lehrmeinungen, war, so schien es mir, der einzige mögliche Weg, mich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Immer wieder musste ich sehen, dass meine Sicht des geschichtlichen Kontexts von enormer Bedeutung war, um meine Sicht zur Stellung der Frau zu beschreiben, so dass ich beides eng miteinander verknüpfte.

Die mögliche Auswahl an Beispielen ist mit „gegen unendlich“ zu bezeichnen - meine im Inhalt genannten Schwerpunkte sind aus reinem Interesse ausgewählt und haben nicht den Anspruch wichtiger oder interessanter zu sein, als andere Beispiele aus anderen Zeiten.

I. Einleitung oder: Wo sind eigentlich die Frauen ?

„ Die Zeit eilt, heilt, teilt.“

mittelalterliche Hausinschrift in Augsburg (Drosselgasse 6)

Sechs Millionen Jahre Menschwerdung1, Vierzigtausend Jahre Menschheitsgeschichte2, Achttausend Jahre belegbare Vorgeschichte3, Viertausend Jahre Frühgeschichte4 - das sind über Zweihundert Generationen5 in denen es schriftliche Quellen gab - grob Zweihundert Milliarden6 Menschen, wovon rechnerisch Einhundert Milliarden Personen Frauen gewesen sein mussten, d.h. ca. fünfzig Prozent des Gesamtbevölkerungsanteils, seit die ersten abstrakten Zeichen7 in die weichen Tontafeln in Babylonien und Assyrien geritzt wurden, war weiblich.

Mensch

„Was der Mann sei, sagt ihm nur die Geschichte.“

Wilhelm Dilthey, dt. Philosoph, 1833 - 1911 [Handschriftliche Änderung des Manuskripts]

Warum nun diese rechnerische Ereiferung, mag sich der eine oder die andere fragen, es ist doch klar, dass etwa die Hälfte aller Menschen Frauen waren. Die Rechnung soll als Verstärkung dienen, da gerade dieses unumstößliche Faktum in der Geschichtsschreibung8, nicht einmal im Ansatz, deutlich wird. Die Geschichte der Menschen scheint, glaubt man den Geschichtsbüchern und Geschichtsschreibern, nur von Männern gestaltet worden zu sein. Die Männer erbauten, regierten, richteten, verwalteten, entdeckten, entwickelten, erneuerten, (zerstörten), und so weiter... um nicht zuletzt zu schreiben. Und genau darin liegt zunächst eine große Fehlerquelle.

Die Männer schrieben (und schreiben) über Männer. Besondere Taten und das einfache Leben schien bei den Männern viel interessanter, war doch das Leben der Frauen darauf beschränkt zu waschen, fegen, kochen und zu gebären9. Die Männer rühmten den Fleiß und die Aufopferung der Frauen, doch gaben sie ihr in der Geschichtsschreibung keinen Platz oder nur als Herrin (!) im Hause.

„Als eine Frau lesen lernte, trat die Frauenfrage in die Welt.“

Marie von Ebner-Eschenbach, östr. Erzählerin, 1830 - 1916, Gesammelte Aphorismen

Die wenigen herausragenden Frauengestalten, die sich mit viel kräftezehrender Mühe über die Masse der Männer gekämpft hatten, wurden meist mit männlichen Attributen belegt. Weiblichkeit und Macht10 waren in keinem Fall miteinander vereinbar. Frauen die überlegen waren besaßen (und besitzen) in Geschichtsbüchern das Gender der „Männlichkeit“. Eine geschlechterspezifische Betrachtungsweise von geschichtlichen Gegebenheiten gibt es nicht. Es wird von der „Gesellschaft“ zu einer Zeit gesprochen, vielleicht unterteilt in Standesunterschiede, manchmal wurden sogar Familienverhältnisse oder Einzelschicksale beleuchtet, aber meist ohne dabei einen differenzierten, umfangreichen (geschlechterspezifischen) Hintergrund zu beachten.

„Wir wissen vollkommen,

dass die Geschichtsschreiber der Zukunft unfehlbar finden werden, dass unser Denken voller Einbildungen gewesen ist:

weil sie eine vollendete Welt hinter sich sehen werden.“

Georges Sorel, frz. Soziologe, 1847 - 1922; Réflexions sur la violence,4,3

Das Problem ist ein brüchiges Glatteis auf das sich Geschichtsschreiber nicht gerne begeben: Jeder Mensch wird beeinflußt von seiner Zeit. Wir können nicht wissen, wie eine „Bäuerin“ vor 1500 Jahren über alltägliche Dinge gedacht hat. Wir besitzen einen ganz anderen Horizont. Was waren ihre Moralvorstellungen, was ihr Glaube (und Aberglaube), was waren ihre alltäglichen Ängste und Freuden, wie ihr Naturverständnis, welches ihre geschärften (oder nicht geschulten) Sinneswahrnehmungen - wir können es nicht wissen! Und selbst wenn es zu jeder Zeit Schreiber gab, die gar Kleinigkeiten niederschrieben, war das eine absolut subjektive Sichtweise. So ein Schreiber hat vielleicht darüber berichtet, wieviel Lastkähne den Main hinauffuhren, aber er hat nichts davon geschrieben, wie er seine Schuhe schnürte und als wie entspannend er es empfand einen blühenden Apfelbaum im Frühjahr anzusehen. Solche Dinge mit den Augen und dem Wissen der jeweiligen Zeit nachzuempfinden ist nicht möglich, Versuche das zu wagen sind reine Spekulation. Dennoch sind Lösungsvorschläge (oder Denkansätze) wichtig, um Handeln und Wirken einer Zeit großräumig zu verstehen. Leider meiden Geschichtsschreiber diesen Schritt. Genau hier ist der Ansatz für das fast-nicht- vorhanden-sein von Frauen in der Geschichte zu suchen: Die Männer (als Geschichtsschreiber) vermieden es, sich in die „Idee einer Frau“ zu versetzen, um unangreifbar zu bleiben.

„Diese Welt ist absurd.“

Albert Camus, frz. Schriftsteller, 1913 - 1960, Les mythes de Sisyphe

Warum nun in der Geschichte der Menschheit die überwiegende Zahl an (heute bekannten) Geschichtsschreibern Männer sind11 steht auf einem anderen Blatt. Gibt es naturgegebene Rollen? Wollten sich die Frauen unterwerfen lassen, um im Hintergrund zu lenken? Sind die Männer herrsch- und erfolgssüchtiger, handeln sie brutaler und unüberlegter, kommen so aber doch zum Ziel? Alle genannten Vermutungen sind bereits subjektiv formuliert, aus einer männlichen Sichtweise, eingebettet in einen Horizont des beginnenden 21. Jh.!

Steht es uns (in der heutigen Zeit) überhaupt zu über die Vergangenheit zu urteilen, können wir tiefer vordringen oder prallen wir ohnehin an der starren Oberfläche (der primären Quellen und archäologischen Funde12 und Befunde13 ) ab, wenn es uns im Jetzt schon unmöglich erscheint, trotz unserer Ähnlichkeit, das andere Geschlecht zu verstehen?

„Wage es weise zu sein.“

Quintus Horatius Flaccus (Horaz), röm. Dichter, 65 - 8 B.C.; Episteln, 1, 2, 40

Diese Arbeit ist ein Versuch eines geradezu nichtigen Einblicks in einige wenige Ideen und Vorstellungen von und zu Frauen in geschichtlichen Standaufnahmen. Dennoch kann solch ein Überblick dem Leser14 (mit dem Wissen um Subjektivität und Blickweise) einen Ansatz zum Verständnis der wechselnden Bedeutungen und Bilder von Frauen geben und ihn zum Weiter - Denken anregen.

II. Beispiele für die Stellung der Frau in ihrer Gesellschaft

II. 1 Jungpaläolithikum (jüngere Altsteinzeit) bis Neolithikum (Jungsteinzeit)

grobe zeitliche Einordnung15:

Jungpaläolithikum (jüngere Altsteinzeit) 40 000 - 8000 B.C.16

Zeitstufen: Aurignacien, Gravettien, (Solutréen), Magdalénien Mesolithikum (Mittelsteinzeit) 8000 - 4000 B.C.

Zeitstufen: Maglemose-, Kongemose-, Ertebøllekultur (nordischer Raum) Neolithikum (Jungsteinzeit) 4000 - 2000 B.C.

Zeitstufen: (sind bereits sehr differenziert) Linearbandkeramik, Trichterbecherkultur, Einzelgrabkultur, Schnurkeramik, Glockenbecherkultur (deutscher Raum)

II. 1.1 Geschichtlicher Hintergrund (des Weges zum &) des Jungpaläolithikums

Der Homo sapiens sapiens übernimmt durch einen Vorsprung an Intelligenz die Vormachtstellung unter den Hominiden („Menschenartigen“). Geprägt ist diese Zeit durch einen großen Umbruch zum gesellschaftlichen Leben. Auf einer breiten Zone von Spanien und Frankreich bis Osteuropa wird der „denkende Mensch“ durch Kunst, Waffen und Befunde (Opferplätze, Beerdigungen usw.) archäologisch faßbar/ definiert.

[...]


1 Gemeint ist die Abspaltung der Hominidae („Menschenartigen“) von den Hominoidea („Menschenaffen“).

2 Gemeint ist die Einwanderung (vielleicht Übernahme der Herrschaft) des homo sapiens sapiens, der Beginn des Jung-Paläolithikums (der jüngeren Altsteinzeit) und damit die ausgeprägte Verbreitung von Handwerk und Kunst.

3 Belegbare Vorgeschichte sei hier als Beginn der Seßhaftigkeit und damit besseren Faßbarkeit durch Artefakte (von Menschen produzierte oder veränderte Gegenstände oder Dinge) zu verstehen.

4 Die Frühgeschichte definiert sich durch die Schrift. Letzte Volksstämme leben noch in heutiger Zeit urgeschichtlich (also ohne eine niedergeschriebene Geschichte). In Norddeutschland begann die Frühgeschichte mit den Runen (und klerikalen Geschichtsschreibern) im 2. - 6. Jh. A.D. (!).

5 Eine Generation ist mit 19 Jahren veranschlagt.

6 Grundlage: 20 Generationen (G) á 1 Mio. Menschen Gesamtbevölkerung (MV); 20 G á 10 Mio. MV; 60 G á 50 Mio. MV; 50 G á 1 Mrd. MV; 40 G á 2 Mrd. MV; 5 G á 4 Mrd. MV; 5 G á 6 Mrd. MV = grob 183 Mrd. MV

7 Aus Piktogrammen entwickelte sich die Keilschrift, daraus das Frühbabylonische Alphabet und das Assyrische.

8 Gemeint sind primäre Quellen, als auch sekundäre Quellen bis in heutige Zeit.

9 Die Erziehung gehörte auch in ihr Aufgabenfeld; doch entwickelte sich ein Kind gut, so wurde dem Vater, auch ohne Zutun, ein entscheidender Anteil an der Entwicklung des Kindes zugesprochen.

10 Macht sei hier gemeint als Überlegenheit im politischen, gesellschaftlichen und/ oder geistigen Sinne.

11 Auch das wäre bei entsprechender zeitlicher Aufwendung belegbar.

12 Funde sind Dinge, die durch Menschenhand geformt oder hergestellt wurden (Waffen z.B.), sind Dinge, die durch Menschenhand zu einem Gesamtbild gefügt wurden (Holzpfeiler für ein Haus z.B.).

13 Befunde sind Überreste (Verfärbungen in Böden, chemische Ablagerungen), die Rückschlüsse auf das menschliche Leben in früherer Zeit zulassen (Holzkohlereste von Lagerfeuern z.B.).

14 An dieser Stelle angemerkt, dass, wenn nicht ausdrücklich darauf hingewiesen, für den Lesefluss, alle Bezeichnungen von Personen, Berufen, Aufgaben, Handlungen uneingeschränkt für beide Geschlechter gelten.

15 Insbesondere für den nordeuropäischen Raum; die Chronologien können in anderen Gebieten (gerade in Regionen von Hochkulturen) stark von der hier beschriebenen abweichen.

16 B.C. = Before Christ (vor unserer Zeit) A.D. = Anno Domini (nach Christi Geburt) [im Jahre des Herren]

20 von 20 Seiten

Details

Titel
Die Stellung der Frau in der Gesellschaft im Wandel der Zeit
Untertitel
Aufgezeigt anhand von ausgewählten Beispielen
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
„Normale“ und „Außenseiter“
Autor
Jahr
2001
Seiten
20
Katalognummer
V197871
ISBN (Buch)
9783656245605
Dateigröße
672 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte, Frau, Mann, Gender, Neolithikum, Mesolithikum, Paläolithikum, Mittelalter, Wikingerzeit
Arbeit zitieren
Dr. phil. Marco Boehm (Autor), 2001, Die Stellung der Frau in der Gesellschaft im Wandel der Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197871

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