Fatah und Hamas: Palästinensische Zerrissenheiten und die Auswirkungen auf die Beziehungen zu Israel

Der israelisch-palästinensische Konflikt


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011
32 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Fatah und Hamas: Gemeinsame Ziele und unterschiedliche Positionen
2.1 Organisation und Ziele der Fatah
2.2 Organisation und Ziele der Hamas
2.3 Vergleich der Fatah und Hamas: Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Aufbau und den Zielen

3 Auswirkungen der palästinensischen Zerissenheiten auf die Beziehungen zu Israel

4 Ergebnis/Ausblick

Literaturverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

1 Einleitung

Ende April 2011 unterzeichneten die beiden stärksten palästinensischen Fraktionen, die Fatah und Hamas, ein erstes Versöhnungsabkommen und stellten zumindest teilweise vorerst vier Jahre der Uneinigkeit und des Konflikts in den palästinensischen Autonomiegebieten ein. Im Jahr 2006 begannen erste bewaffnete Kämpfe zwischen der Fatah und Hamas, in diesen ersten Monaten wurden zahlreiche Palästinenser bei blutigen Auseinandersetzungen getötet. Eine Versöhnung der beiden großen Fraktionen ist eine wichtige Voraussetzung um den angestrebten unabhängigen Palästinenserstaat zu gründen und hat damit auch Auswirkungen auf die Beziehungen zu Israel und deren Politik. Das Abkommen aus diesem Jahr sieht die Bildung einer gemeinschaftlichen Koalitionsregierung mit parteifernen Persönlichkeiten, sowie Wahlen innerhalb eines Jahres vor.

Doch wie kam es zu dem Konflikt zwischen der Fatah und der Hamas, bei dem sich Menschen, die eigentlich dasselbe große Ziel eines unabhängigen palästinensischen Staates verfolgten, sich gegenseitig bekämpften? Wo liegen die Unterschiede bezüglich des Aufbaus und der Ziele der beiden Fraktionen und wie kam es aufgrund dieser zu den Konflikten?

Auf die westliche Seite, allen voran den Israelis und den USA, hatte die palästinensischen Zerissenheit ebenfalls Auswirkungen. Die Fatah entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem Verhandlungspartner, diese hatte aber nicht mehr die Macht in Palästina weitreichende Entscheidungen zu treffen. Die Hamas wurde als Verhandlungspartner dagegen abgelehnt. Die Spaltung in zwei große Fraktionen schwächte die palästinensische Außenpolitik gegenüber Israel, die einen gemeinsamen Wunsch aller Palästinenser zunächst nicht zu befürchten hatte. Die Sorge Israels ist verständlich, nun einer gemeinsamen und starken Position und einem klaren Wunsch der Palästinenser nach einem eigenen Staat, gegenüberzustehen. Insofern hat also die innerpalästinensische Beziehung zwischen der Fatah und Hamas Auswirkungen auf die Politik und Rolle Israels und der westlichen Staaten.

Ausgehend von der Fragestellung warum sich die Fatah und Hamas die letzten Jahre bekämpften, sollen in Kapitel zwei die beiden Fraktionen unter den Gesichtspunkten

ihres Aufbaus, ihrer Entstehung und ihrer Ziele näher betrachtet werden. Nach dieser Betrachtung wird ein Vergleich der Fatah und Hamas gezogen, der im dritten Kapitel darin mündet, welche Auswirkungen die derzeitige Versöhnung auf Israel und seine Politik hat. Im vierten Kapitel werden die Ergebnisse zusammengefasst und es wird ein Ausblick über die künftigen Beziehungen zwischen der Fatah und Hamas und der palästinensischen Beziehungen zu Israel gegeben.

2 Fatah und Hamas: Gemeinsame Ziele und unterschiedliche Positionen

Die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) ist die Dachorganisation für verschiedene nationalistische Fraktionen der Palästinenser, zu der auch die Fatah gehört. Die Fatah ist dabei die stärkste Fraktion innerhalb der PLO, sie verlor aber zunehmend an Macht. Die islamistische Hamas wurde 1988 in Opposition zur Fatah gegründet und nahm in den vergangenen Jahren eine deutliche Gegenposition ein, die sogar in kämpferischen Auseinandersetzungen endete. Im folgenden Kapitel werden die beiden Fraktionen der Fatah und Hamas genauer untersucht, beginnend mit der zur PLO gehörigen Fatah, die zeitlich vor der Hamas gegründet wurde.

2.1 Organisation und Ziele der Fatah

Die Fatah (arab. Harakt al-Watani al Tahrir al-Filastini, Palästinensische nationale Befreiungsbewegung) wurde 1959 von Yassir Arafat und einigen in der weltweiten Wahrnehmung weniger bekannten Mitstreitern als Guerillaorganisation gegründet. Dank ihres schnellen Aufstieges und der großen internationalen Aufmerksamkeit gilt sie bis heute als eine der erfolgreichsten terroristischen Vereinigungen weltweit. Deswegen galt sie auch lange Zeit als Vorbild für linksterroristische Organisationen, da sie es als erste Organisation schaffte, den strategischen Terrorismus durchzuführen. Obwohl die Fatah schnelle Erfolge feierte, in den Anfangsjahren wuchs und an Einfluss gewann, konnten die langfristigen Ziele, auf die später näher eingegangen

wird, nie erreicht werden. Innerhalb der oben genannten PLO war die Fatah mit ihrem bekannten und populären Anführer Yassir Arafat die wichtigste Fraktion. Seit Ende der 1960er Jahre zentrierte sich die Organisation auf Arafat, mit dessen Tod im November 2004 die Fraktion immer weiter an Anerkennung verlor. Auch in der palästinensischen Bevölkerung schwand das Ansehen, unter anderem wurde der Fatah verstärkt Korruption vorgeworfen. Ein fehlendes politisches Programm war ebenfalls ein wichtiger Grund, warum die Fatah in der eigenen Bevölkerung an Beliebtheit einbüßte (vgl. Wunder, 2007, S. 125-126; BPB1).

Die Fatah wurde im Vergleich zur Hamas bereits früh gegründet und hat bis heute einige Entwicklungen vollzogen, auf die später näher eingegangen wird. Die anfängliche Guerillaorganisation entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer politischen Partei, mit der von westlicher Seite Verhandlungen geführt wurden. Auffällig ist die Abhängigkeit von ihrem populären Anführer Yassir Arafat. Er war nicht nur Mitgründer der Guerillaorganisation, die die Fatah anfänglich war, sondern begleitete den Weg der Fatah als Anführer bis zu seinem Tod. Nach dem Tod Arafats wurden die Zerfallstendenzen der Fatah deutlicher, zudem verlor die Organisation auch in der eigenen Bevölkerung weiter an Ansehen. Die Wahrnehmung in der Bevölkerung, dass der Fatah ein politisches Programm fehle, war eine weitere Schwachstelle der Organisation, der den politischen Gegnern eine Angriffsfläche bot. Dazu kommt bis heute, dass die Fatah intern heterogen aufgestellt ist. Nur ein gemeinsames großes Ziel verband die Organisation über die Jahre, welches offiziell aber seit Mitte der 1960er Jahre abgeschwächte wurde. Die verschiedenen Weltanschauungen in der Fatah machten es der Fraktion schwierig, sich auf gemeinsame politische Standpunkte zu einigen.

Innerhalb der Fatah reichten diese Standpunkte von westlich-liberal über sozialistisch bis zu islamistisch. Was die Fraktion aber immer vereinte, war das übergeordnete große Ziel, der Schaffung eines eigenen palästinensischen Staates und dem daraus resultierenden Kampf gegen Israel. Zu Beginn war das Ziel der Fatah Israel zu vernichten und die dort lebenden Juden auszulöschen. Aus diesem Grund sah die Verfassung von 1964 als Endziel der Fatah auch die vollständige Befreiung Palästinas in allen Bereichen vor und dazu die vollständige Auslöschung der „Zionisten“.

Artikel 12 der Verfassung schreibt:

„Complete liberation of Palestine, and eradication of Zionist economic, political, military and cultural existence” (ACPR²).

Dieses Endziel sah die Fatah erst dann erreicht, wenn Israel komplett zerstört und Palästina vollständig befreit ist. Militärische Mittel, also den bewaffneten Kampf, sah die Fraktion als unabdingbar an - es sei der einzige Weg, die Ziele zu erreichen. Vereinzelte gegenteilige Behauptungen erwiesen sich als falsch. Nach 1968 wurde das ursprüngliche Ziel etwas abgeschwächt. Im Vordergrund stand nun (offiziell) die Gründung eines multinationalen Staates mit einer jüdischen Minderheit. Dafür sollten keine weiteren Juden in den geplanten Staat dazukommen, die eingewanderten Juden sollten vertrieben werden und die verbleibende jüdische Minderheit ohne politische Rechte in dem Staat leben. Die Existenz Israels anzuerkennen, sah Arafat weiterhin als Verbrechen an. (vgl. Wunder, 2007, S. 125-129; BPB1, 2009, S. 1-2; ACPR²).

Die Fatah konzentrierte sich fast ausschließlich auf das Ziel, Israel zu vernichten und einen palästinensischen Staat aufzubauen. Innenpolitische Themen und der Aufbau staatlicher Institutionen wurden in der Fatah nur unzureichend behandelt und erarbeitet, was für die Position der Fatah auch in den Palästinenser Gebieten auf Dauer zu einer Machteinbüßung führte. Die leichte Abschwächung des in der Verfassung verankerten Zieles, war ein deutlicher Unterschied zur Hamas, die noch deutlich radikaler ihre Ziele formulierte, wie im nachfolgenden Kapitel gezeigt wird.

Nach der Gründung und den Zielen der Fatah werden im folgenden Abschnitt die Kampfhandlungen gegen Israel und die damit verbundenen Strategien der Fatah erläutert. Auch hier lässt sich im Laufe der Zeit eine Entwicklung erkennen.

Bis 1967 agierte die Fatah durch Anschläge vom Boden arabischer Nachbarstaaten aus. Die Ziele innerhalb Israels sollten einen Krieg zwischen den Nachbarstaaten und Israel herbeiführen, der für Israel die Vernichtung zur Konsequenz haben sollte. Der gewünschte Krieg von 1967 („6-Tage-Krieg“) fand zwar statt, jedoch war der Ausgang überhaupt nicht nach Wunsch für die Fatah. Israel eroberte den Sinai, die Golan-Höhen und das Westjordanland. Danach wich die Fatah von ihrer ursprünglichen Strategie ab und verlegte ihren Hauptschwerpunkt und ihr Aktivitäten in den Gaza-

Streifen und das Westjordanland. Die Lebensumstände der Israelis sollte verschlechtert werden, sodass dort ein „Volkskrieg“ entstehen sollte. Ziel der Fatah war es, die Einwanderung von Juden zu stoppen und gleichzeitig Menschen zum auswandern zu bewegen. Auch dieser Plan der Fatah scheiterte, da in der arabischen Gesellschaft eine zu geringe Bereitschaft für dieses Vorgehen herrschte (Wunder, 2007, S. 126-128; Schulte, 2007, S. 1-3).

Die Fatah war also in der Anfangszeit auf Guerillaaktionen beschränkt, die zu Beginn auch Wirkung zeigten. Den ersten Anschlägen folgte der gewollte Krieg 1967, der für die Fatah nicht den gewünschten Erfolg brachte. Im Gegenteil, Israel konnte seine Machtstellung nicht nur behaupten, sondern sogar durch Gebiete vergrößern. Die Organisation sah ein, dass Israel militärisch zunächst nicht direkt zu bezwingen war und verlagerte ihre Strategie auf einen „Volkskrieg“, der vor allem die israelische Bevölkerung treffen sollte. Dieser Plan fand jedoch bei der eigenen Bevölkerung zu wenig Rückhalt, sodass auch dieses Vorgehen verworfen werden musste. 1974 änderte die PLO erneut ihre Strategie und versuchte es nun mit dem „Phasenplan“.

Der „Phasenplan“ wurde 1974 von der PLO ins Leben gerufen und war eine weitere Abkehr von dem Ziel, Israel komplett zu zerstören. Deshalb waren auch nicht alle Mitglieder innerhalb der PLO und der Fatah mit diesem Plan einverstanden und er erntete deutliche Kritik. In einem Zug zur Annäherung an Israel und aus der Sicht der Fatah der Aufgabe der eigentlichen Ziele ist auch der Osloprozess zu nennen. Diese ersten direkten, aber zunächst geheimen Verhandlungen fanden erstmals Anfang der 1990er Jahre statt. Israel wollte mit allen Nachbarn Frieden schließen, die besetzen Gebiete dienten als „Faustpfand“. Der Osloprozeß sollte dazu genutzt werden, eine Annäherung zu den Palästinensern zu schaffen. Arafat rechtfertigte die Aufgabe der ursprünglichen Ziele der Fatah damit, dass diese Strategie nur solange verfolgt werden würde, wie die Schwächephase der Palästinenser gegenüber Israel anhielte. Erstmals erkannte Arafat als Vorsitzender der PLO Israel 1993 an. Danach würde sich seine Organisation aber wieder auf die Kernziele konzentrieren. Diese Haltung galt bis zum Beginn der Al-Aqsa Intifada (Wunder, 2007, S. 127-128; Szpiro, 2004, S. 1-2).

Diese Intifada, die im September/Oktober 2000 begann und bis in das Jahr 2005 hineinreichte, markierte die Wiederaufnahme der Gewalt. Die Gewaltlosigkeit sei einer Schwächephase der PLO und der Fatah Anfang der 1990er Jahre zu verdanken gewesen, die nun beendet sei, so die Begründung der PLO. Da diese Schwächephase nun vorüber sei, sollte das Ziel eines eigenständigen Palästinenser Staates wieder offensiv angegangen werden. Hierzu passte auch die Begründung, dass der Osloprozeß von der Fatah nur vorübergehend anerkannt wurde, solange wie sich die Fatah nicht stark genug fühlte, die langfristigen Ziele auf direktem Wege zu erreichen. Nach dem Tod Arafats und der Beendigung der Al-Aqsa Intifada, die mit einem Waffenstillstand besiegelt wurde, war die Fatah sehr geschwächt. Dieser Schwächungsprozess setzte schon während der Intifada ein und wurde durch den Tod Arafats noch verstärkt. Eine deutliche Strategie ist seitdem nicht erkennbar, vielmehr gibt es unterschiedliche Strömungen innerhalb der Organisation, die verschiedene Ziele verfolgen. Die Kontrolle der Führung über die Basis war gering, denn Mahmud Abbas, der neue Anführer, war gemäßigter und pragmatischer veranlagt als die Basis der Organisation. Deshalb gab es nach dem Tod Arafats auch ständige Spannungen zwischen militanten Teilen und der Führung der Fatah (vgl. Wunder, 2007, S. 130-132; BPB1, 2009, S. 1-2; Putz, 2009, S. 1-3).

Diese häufigen Strategiewechsel hinterließen vermutlich auch in der Basis der Fatah und in der Palästinensischen Bevölkerung Spuren. Die Fatah war zwar am Anfang erfolgreich und wuchs sehr schnell an, war aber danach mit keiner Strategie erfolgreich. Weder vermochte sie innenpolitisch etwas zu bewegen, da sie sich auf dieses Politikfeld wenig fokussierte, noch hatte sie außenpolitisch Erfolge vorzuweisen. Die gewünschte Verwicklung Israels in den 6-Tage-Krieg endete für die Palästinenser in einer herben Niederlage, da Israel nicht geschwächt, geschweige denn vernichtet wurde, sondern durch Landgewinn sogar noch größer und mächtiger wurde. Mit dem „Phasenplan“ erkannte die Fatah ihre Schwäche an und wechselte die Strategie. Statt mit militärischer Kraft wollte sich die Organisation nun auf dem Verhandlungsweg rehabilitieren. Auch dies gelang aus heutiger Sicht nur unzureichend. Arafat musste für weitere Verhandlungen Israel erstmals anerkennen und opferte somit eine der Grundüberzeugungen und Ziele der Fatah überhaupt. Mit diesem Schritt war eine Spaltung der ohnehin heterogen besetzten Fatah nicht mehr zu stoppen.

Arafat begründete seinen Schritt mit der momentanen Schwächephase und versuchte seinen Weg gegen aufkommende Kritik aus den eigenen Reihen zu rechtfertigen. Mit Beginn der Al-Aqsa Intifada wurde erneut ein Strategiewechsel vorgenommen. Diese vielen beschriebenen Strategiewechsel brachten trotzdem nicht den gewünschten Erfolg, denn das langfristige Ziel Israel zu vernichten, rückte kein Stück näher. Mit dem Tod des populären Arafats sank das Vertrauen der Bevölkerung in die Fatah noch weiter.

Auch die verschiedenen Gruppierungen innerhalb der Fatah gaben kein einheitliches Bild ab und verfolgten unterschiedliche Ziele. Zu unterscheiden waren vor allem die moderaten Teile der Fatah und die militanten Teile. Die moderaten Teile erkannten während der Intifada, dass es nach Selbstmordanschlägen auf Israel zu erheblichen Gegenreaktionen kam und diese zum Nachteil der eigenen Gesellschaft führte. Noch während der Amtszeit Arafats forderten daher die moderaten Teile Arafat auf, die Anschläge einzustellen. Aus ihrer Sicht wurde Israel genau da angegriffen, wo es sich am besten verteidigen konnte, nämlich militärisch. Durch die bewaffneten Angriffe hätten die Israelis zudem die Legitimation zurückzuschlagen. Abbas, der Nachfolger Arafats, war ein bekennender Gegner militanter Strategien, er verwies auf die bisherigen Ergebnisse, die die militärischen Auseinandersetzungen mit Israel bislang hatten. Allerdings hatte er damit auf eigener Seite viele Gegner, denn die Mehrheit war für militante Taktiken. (vgl. Wunder, 2007, S. 131-132).

Diese Kluft zwischen der Strategie der Führung und der Basis der Organisation war einer der Hauptgründe für die Schwächung der Fatah. Die Uneinigkeit zwischen den moderaten Teilen, allen voran Abbas und den militanten Teilen nutzte die Hamas geschickt aus. Sie konzentrierte sich mit ihrer Organisation auf einen Teil und konnte so eine breite Basis für sich gewinnen.

Um diesem Zugewinn der Hamas entgegenzuwirken, gründete die Fatah eine militante Miliz, die Al-Aqsa-Märtyrerbrigade (AMB), die 2000 gegründet wurde. Die AMB sind in Zellen gegliedert und „spezialisierten“ sich auf die Durchführung von Selbstmordattentaten. Schwerpunkt der AMB war das Westjordanland, diese Unterorganisation wurde von Arafat persönlich gegründet und unterstützt. Mit zunehmendem Verlauf der Al-Aqsa Intifada geriet die AMB mehr und mehr unter das Kom-

mando der Hisbollah und des Irans. Die Israelis töteten oder verhafteten einen Großteil der Führungsspitze der AMB, was zu einer Zersplitterung führte. Diese neuen Unterorganisationen entwickelten sich weitestgehend autonom, einige standen nunmehr unter Führung der Hisbollah oder des Irans (vgl. Wunder, 2007, S. 131-135).

Mit dem weitestgehenden Verlust der Kontrolle über die AMB verlor die Fatah auch den gewünschten Gegenpart zur Hamas, dem großen Konkurrenten in den eigenen Reihen, der im nachstehenden Kapitel näher betrachtet wird.

2.2 Organisation und Ziele der Hamas

Nach der Betrachtung der Fatah wird nun die islamische Widerstandsbewegung Hamas näher betrachtet, die zweite große Organisation der Palästinenser. Ein intensiverer Vergleich mit der Fatah wird im nächsten Kapitel vollzogen, zunächst geht es um eine Einordnung der Hamas und deren Aufbau, Ziele und Strategien.

Die Hamas hat ihren Hauptsitz im Gazastreifen und orientiert sich in ihren Haltungen an der Muslimbruderschaft. Sie ist ein palästinensischer Zweig der Muslimbruderschaft und näherte sich seit der Regierungsübernahme in den Palästinensischen Autonomiegebieten immer weiter dem Iran an. Die Hamas verfolgte seit ihrer Gründung und der Veröffentlichung der Charta im Jahre 1988 dieselben Ziele. Israel sei zu vernichten, zu diesem Ziel stand sie auch nach der Regierungsübernahme 2006 noch. Dabei verwendet die Organisation die Muslimbruderschaft als Vorbild für ihre Ziele, wonach westliche Ideologien und der Zionismus als Verschwörung gegen den Islam angesehen werden. Sie wird von vielen Staaten aufgrund ihrer Weltanschauung und Anschläge als extremistische, fundamentalistisch-islamische Organisation eingeschätzt. Grundsätzlich versucht die Hamas die komplette Zerstörung des Staates Israel zu erreichen und die Juden und Siedler zu töten (vgl. Wunder, 2007, S. 108-109; Hagalil3).

Das beweist auch die 1988 veröffentlichte Charta der Hamas, in der die Hamas zum Jihad (Heiligen Krieg) aufruft und in der es auszugsweise heißt:

"Israel existiert und wird weiter existieren, bis der Islam es ausgelöscht hat, so wie er schon andere Länder vorher ausgelöscht hat." (Präambel) (Hagalil3).

"Der Jihad ist die persönliche Pflicht jedes Moslems, seit die Feinde Teile des moslemischen Landes geraubt haben. Angesichts des Raubes durch die Juden ist es unvermeidlich, dass ein Banner des Jihad gehisst wird." (Artikel 15) (Hagalil3).

Der Jihad soll dazu dienen das ganze Palästina zu befreien, damit meint die Hamas vom Mittelmeer bis zum Jordan (Hagalil3).

Auffällig ist, dass die Hamas ihre Ziele, die vollständige Zerstörung Israels und die Errichtung eines großen Palästinensischen Staates, über die Jahre nie aufgegeben hat. Die Organisation wurde deutlich später als die Fatah gegründet, wich in dieser kürzeren Zeit von Zielen aber nie ab. Dazu gehört auch, dass die Hamas Verhandlungen mit Israel kategorisch ablehnte, wie in Artikel 13 ihrer Charta geschrieben:

"Friedensinitiativen und so genannte Friedensideen oder internationale Konferenzen widersprechen dem Grundsatz der Islamischen Widerstandsbewegung. Die Konferenzen sind nichts anderes als ein Mittel, um Ungläubige als Schlichter in den islamischen Ländern zu bestimmen ... Für das Palästina-Problem gibt es keine andere Lösung als den Jihad. Friedensinitiativen sind reine Zeitverschwendung, eine sinnlose Bemühung." (Artikel 13) (Hagalil3).

Die Hamas vertritt die Auffassung, dass die Palästinenser durch eine säkularisierte Weltanschauung geschwächt wurden. Nur eine grundlegende Islamisierung könnte diese Schwäche überwinden, dazu wollte die Hamas Stärke zeigen und konzentrierte ihre Aktionen und Aktivitäten auf die Gebiete des Westjordanlandes und des Gazastreifens. Trotz des geographisch eingeschränkten Gebietes, in dem die Hamas aktiv ist, versteht sie sich als Teil einer globalen islamischen Organisation unter dem Dach der Muslimbruderschaft. Deshalb geht es zwar vorrangig um die Vernichtung Israels, allerdings wird nahezu der komplette Westen als Feindbild betrachtet. Seit den 2000er Jahren wurden auch der USA immer wieder mit Terroranschlägen gedroht. Fast 90 Prozent der Palästinensischen Bevölkerung äußerten sich negativ über die USA, sodass die Hamas eine populäre Meinung vertrat, auch die USA als Feindbild zu bekämpfen. Dabei dachte die Hamas, dass eine Schwächung der USA auch indi-

rekt negative Folgen auf Israel habe und ihnen zugute käme (vgl. Wunder, 2007, S. 108-112; Hagalil3; Hörter, 2007, S. 20-24).

[...]

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Fatah und Hamas: Palästinensische Zerrissenheiten und die Auswirkungen auf die Beziehungen zu Israel
Untertitel
Der israelisch-palästinensische Konflikt
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Veranstaltung
Der israelisch-palästinensische Konflikt
Note
3,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
32
Katalognummer
V198148
ISBN (eBook)
9783656243540
ISBN (Buch)
9783656244899
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fatah, hamas, palästinensische, zerissenheiten, auswirkungen, beziehungen, israel, konflikt
Arbeit zitieren
Peter Stoffels (Autor), 2011, Fatah und Hamas: Palästinensische Zerrissenheiten und die Auswirkungen auf die Beziehungen zu Israel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198148

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