Evolutions-biologische Theorien I – Darwin und Nachfolger


Referat (Ausarbeitung), 1998
15 Seiten

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. DER WEG ZU DARWIN ODER: DIE ENTWICKLUNG DER DESZENDENZTHEORIE

2. DARWIN UND SEINE EMOTIONSTHEORIE
2.1 Emotionstheorie oder die Theorie der Herkunft des Emotionsausdrucks?
2.2 Die Entstehung von Emotionen nach Darwin
2.3 Die Entstehung des Emotionsausdrucks nach Darwin
2.4 Darwins Forschungsmethoden zur Emotionstheorie
2.4.1 Methode 1 - Intrakulturelle Beurteilung des Emotionsausdrucks
2.4.2 Methode 2 - Interkultureller Vergleich des Emotionsausdrucks
2.4.3 Methode 3 - Beobachtung des Emotionsausdrucks von Kindern
2.4.4 Methode 4 - Vergleich des Emotionsausdrucks von Menschen und Tieren
2.4.5 Methode 5 - Beobachtung des Emotionsausdrucks von Blindgeborenen
2.4.6 Methode 6 - Beobachtung des Emotionsausdrucks von Geisteskranken
2.4.7 verworfene Methode - Beobachtung von Kunstwerken
2.5 Darwins Forschungsergebnisse zur Emotionstheorie
2.6 Die Erklärung des Emotionsausdrucks nach Darwin
2.6.1 Prinzip 1 - Prinzip der zweckmäßig assoziierten Gewohnheiten
2.6.2 Prinzip 2 - Prinzip der Antithese
2.6.3 Prinzip 3 - Prinzip der direkten Tätigkeit des Nervensystems
2.7 Die biologische Funktion des Emotionsausdrucks (nach Darwin)
2.7.1 Organismische Funktion
2.7.2 Kommunikative Funktion
2.8 Die Diskussion um Darwins Emotionstheorie

3. DARWINS ERBE ODER: VON EKMAN UND ANDEREN

4. RESÜMEE UND AUSSICHT

LITERATURVERZEICHNIS (VERWENDETE ARTIKEL UND AUFSÄTZE)

KURZE BIOGRAPHIE VON CHARLES ROBERT DARWIN (1809 - 1882)
a. tabellarischer Lebenslauf 1836
b. Hauptwerke des Charles Darwin (in chronologischer Reihenfolge)
c. Fiktives Interview mit Charles Darwin

I.Der Weg zu Darwin oder: Die Entwicklung der Deszendenztheorie

Die Deszendenztheorie oder Evolutionstheorie[1] beschäftigt sich mit der Theorie über die Herkunft der verschiedenen Arten[2]. Dabei wird davon ausgegangen, dass sich die unterschiedlichen Arten im Verlauf der Erdgeschichte aus einfacher organisierten Vorfahren (SCHÜLER DUDEN 1996, 74) entwickelt haben.

Die Deszendenztheorie sträubt sich gegen die Unveränderlichkeit der Arten und damit gegen die Idee eines göttlichen Schöpfungsaktes.

Die Etablierung der Theorie bis in heutige Zeit begann im letzten Drittel des 19.

Jahrhunderts[3], jedoch ist die Idee einer kontinuierlichen Entwicklung von Organismen so alt wie die Philosophie selbst. Hier wird schon deutlich, dass die Evolutionstheorie den Rahmen der Biologie schnell sprengt, in viele andere Wissenschaftszweige mit hineindrängt und diskutiert werden muss. Nicht nur die Philosophie, sondern auch z.B. die Psychologie oder Soziologie sind von der Theorie beeinflußt worden (GESTETTNER 1994, 307 f.) und zum Teil sogar geprägt worden.

Bereits bei den ionischen Naturphilosophen (Demokrit, Anaximander von Milet u.a.) sind Ansätze zum Abstammugsdenken vorhanden. Ebenso können auch ARISTOTELES oder Lukrez in der darauffolgenden Zeit genannt werden. Bei der aufmerksamen Lektüre von Mythen und Sagen alter Kulturen oder rezenter Naturvölker werden immer wieder die Beziehungen von Menschen zu Tieren und von Tieren untereinander erwähnt und nicht selten verblüffend einfach durch „Abstammungsgedanken“ erklärt.

Erst mit der Aufklärung im 18. Jahrhundert lösten sich in Europa die Naturwissenschaftler vom Gedankenmonopol der christlichen Kirche und stellten den biblischen Schöpfungsglaube in Frage. Wissenschaftler wie F. Bacon, R. Descartes oder J. Ray begannen mit wagen Andeutungen zu Artenentwicklungen zu arbeiten. B. de Maillet stellte als erster Wissenschaftler der Moderne eine Entwicklungslehre auf, nach der alle Lebewesen „Umbildungen“ von einfacheren Nachkommen sind, die letztlich aus dem Meer stammen.

Mit der 12. Auflage des Hauptwerks „Systema naturae“ schließt auch C. VON Linné den Menschen in seine Klassifikation mit ein; stellt ihn als Primaten auf eine Stufe mit den Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans und nennt ihn den einsichtigen Menschen, bekannter als Homo sapiens.

J. -B. de Lamarck legte in seinem Werk „Philosophie zoologique“ (1809) den Grundstein für eine lange philosophisch-naturwissenschaftliche Diskussion über Evolutionsfaktoren, die als Lamarckismus bekannt ist und sich um die Weitervererbung von, während des Individuallebens erworbenen (SCHMALFUSS 1994, 4), Eigenschaften dreht.

Noch radikalere Theorien zu dieser Evolutionstheorie legte È. G. Saint-Hilaire vor, der somit die lamarckistischen Diskussionen weiter anfachte.

Auch G. Baron de Cuvier beteiligte sich mit der Katastrophentheorie[4] an der regen Evolutionsdiskussion.

I. Kant hingegen beschrieb die Idee der real-existierenden Evolution der Organismen als „ein gewagtes Abenteuer der Vernunft“.

Erst mit dem Erscheinen und der Verbreitung des 1859 erschienen Werkes „On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or the Preservation of Favoured Races in the Struggle for Live“[5] von C. Darwin erhielt die Deszendenztheorie eine geordnete Bahn. Ein kausales Verständnis zum Evolutionsgeschehen (SCHÜLER DUDEN 1996, 75) baute sich auf. Der Darwinismus bedeutete eine wissenschaftliche Revolution und die Grundlage für die moderne Biologie (MCFARLEND 1989)[6].

Mit weiteren Veröffentlichungen, die sich eingehender mit der Evolution des Menschen beschäftigten[7] und sich mit der Mimik (und Gestik) bei Menschen (unter anderem im Vergleich mit Tieren) befassten[8], kann Darwin auch in der Emotionspychologie als einer der bedeutenden wissenschaftlichen Urväter angesehen werden.

2. Darwin und seine Emotionstheorie

2.1 Emotionstheorie oder die Theorie der Herkunft des Emotionsausdrucks?

Darwin spricht im Titel seines 1872 publizierten Buches von „dem Emotionsausdruck“ („the expression of the emotions“), dabei geht er jedoch in dem Werk auf ein größeres Spektrum an Thesen ein. Er behandelt:

- die stammesgeschichtliche Herkunft des Ausdrucks an Emotionen
- neben der Erörterung von Gestik, die psychologischen Veränderungen, die Vokalisation im besonderen Maße den mimischen Ausdruck
- die Natur von Emotionen, die Entstehung von Emotionen in konkreten Situationen (Aktualgenese) und ihre Beziehung zum Emotionsausdruck, sowie als weiterer Schwerpunkt die Phylogenese des Emotionsausdrucks

Es kann gesagt werden, dass die Theorie der Herkunft des Emotionsausdrucks in Darwins werk die absolute Priorität besitzt, dass aber durch die umfassende Betrachtungsweise in der Monographie von Darwins Emotionstheorie gesprochen werden kann, die die Frage nach der Herkunft des Emotionsausdrucks einschließt. (vgl. MEYER et al. 1997a, 37)

2.2 Die Entstehung von Emotionen nach Darwin

Emotionen sind für Darwin bewusste psychische Zustände, die von allen höheren Tieren (also auch dem Menschen) empfunden werden können. Er vertritt damit eine mentalistische Emotionsdefinition, so wie die Mehrzahl der Emotionstheoretiker seiner Zeit.

Die Entstehung von Gefühlen[9] wird durch die Einschätzung/ Bewertung von Ereignissen, Situationen und Objekten hervorgerufen, ist also eine kognitive Einschätzung nach Darwin.

2.3 Die Entstehung des Emotionsausdrucks nach Darwin

Die emotionalen Gefühle verursachen nach Darwin den Emotionsausdruck (MEYER et al. 1997a, 41). Der sog. Emotionsausdruck ist die beobachtbare physiologische Veränderung, die bei Emotionen entsteht. Das sind besonders:

- Mimik (Gesichtsausdruck)
- Gestik
- Körperhaltung
- Vokalisation (z.B. Überraschungsausruf)
- weitere Veränderungen (Pupillenerweiterung, „Rot werden“)

Im Umkehrschluß kann auch gesagt werden, dass ein Emotionsausdruck ein direkter Hinweis auf das „Vorhanden sein“ von Gefühlen ist. Es ist also ein Indikator für das Vorliegen einer Emotion.

Beachtet werden muss in diesem Zusammenhang jedoch, dass gerade beim mimischen Ausdruck der Emotionsausdruck überdeckt werden kann durch:

- willentliche Kontrolle
- Wünsche
- Gedanken
- Absichten

Häufig gehen die mentalen Zustände (Gedanken, Absichten) aber mit den Gefühlen einher[10]. Ein eher beiläufiger Ansatz Darwins ist, ob durch bewusste Regulierung des Emotionsausdrucks - soweit dies möglich ist - eine Emotion auch reguliert werden kann.

2.4 Darwins Forschungsmethoden zur Emotionstheorie

Im Buch „Der Emotionsausdruck beim Menschen und den Tieren“ ist Darwins Hauptziel die Verifizierung seiner Hypothese, dass der Mensch von Tieren abstammt[11]. Weiterhin will er beweisen, dass nicht nur der Mensch „eine natürliche Sprache“ besitzt, sondern Mimik auch bei Tieren auftritt.

Seine Annahmen versucht er mit Hilfe von ineinander überlappenden (sich teilweise selbst kontrollierenden), empirischen Testmethoden zu bestätigen.

2.4.1 Methode 1 - Intrakulturelle Beurteilung des Emotionsausdrucks

Idee: Darwin wollte zunächst sicherstellen, dass bestimmte Gesichtsausdrücke, zumindest innerhalb einer Kultur[12] erkannt und als solche gedeutet werden können.

Ausführung: Darwin zeigte Fotografien mit echten und künstlich erzeugten Gesichtsausdrücken „gebildeten Personen verschiedenen Alters und beiderlei Geschlechts“[13].

[...]


[1] früher auch häufig Abstammungslehre

[2] Pflanzen, Tiere (inklusive des Menschen)

[3] in der ausgehenden Aufklärung

[4] nach der Theorie werden alle Lebewesen periodisch (durch Katastrophen) vernichtet [alle Spuren von Vorexistenzen gehen ebenfalls verloren] und danach neu erschaffen (von einem Schöpfer) [als jüngstes Beispiel führte er die Sintflut an]

[5] „Über den Ursprung der Arten (durch natürliche Zuchtwahl)“

[6] D. MCFARLEND, Biologie des Verhaltens. (Weinheim 1989). zitiert nach: MEYER et al. 1997a, 39

[7] „The Descent of Man, and the Selection in Relation to Sex“ (1871)

[8] „The Expression of the Emotions in Man and Animals“ (1872); „Der Emotionsausdruck beim Menschen und den Tieren“

[9] = Aktualgenese von Emotionen

[10] wie zum Beispiel bei kognitiven Einschätzungen

[11] diese Hypothese stellt er explizit im Werk „Die Abstammung des Menschen ...“ (1871) auf

[12] intrakulturell 5

[13] C. DARWIN, Der Ausdruck der Gemütsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren. (Stuttgart 1872) 13. zitiert nach: MEYER et al. 1997a, 43

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Details

Titel
Evolutions-biologische Theorien I – Darwin und Nachfolger
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)  (Institut für Psychologie)
Veranstaltung
Emotionspsychologie
Autor
Jahr
1998
Seiten
15
Katalognummer
V198162
ISBN (eBook)
9783656258346
ISBN (Buch)
9783656258759
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Darwin, Emotion, Emotionen
Arbeit zitieren
Dr. phil. Marco Boehm (Autor), 1998, Evolutions-biologische Theorien I – Darwin und Nachfolger, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198162

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