Der Einfluss familienpolitischer Maßnahmen in der Bundesrepublik Deutschland auf die Geschlechterrollen und das Erwerbsleben

Internationale Familienpolitik


Seminararbeit, 2011
26 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Problemstellung

2 Grundlagen der Familienpolitik
2.1 Was ist Familienpolitik?
2.2 Motive und Instrumente
2.3 Einordnung in Typologien

3 Die Entwicklung der Familienpolitik und ihr Einfluss auf die Geschlechterrollen und das Erwerbsleben
3.1 Aufbau und erste Entwicklungen bis 1982
3.2 Die „Kohl-Regierung“ 1982 – 1998
3.3 Rot-Grüne-Koalition 1998 – 2005
3.4 Die Große Koalition ab

4 Fazit/Ausblick

Literaturverzeichnis

1 Problemstellung

„Kinder kriegen die Leute sowieso“, davon war der ehemalige Bundeskanzler Konrad Adenauer Anfang der 50er Jahre überzeugt. Adenauer behielt nur bis Mitte der 1960er Jahre Recht, danach sank die Geburtenrate in Deutschland rapide ab und stagniert seit etwa den 1990er Jahren auf geringem Niveau. Im internationalen Vergleich steht Deutschland damit zwar nicht alleine dar, jedoch gibt es noch eine Reihe von Ländern, in denen die Geburtenrate nicht derart stark zurückgegangen ist oder deren Rate zumindest nicht seit 20 Jahren stagniert. In den Skandinavischen Ländern und in Frankreich erreicht die Geburtenrate noch fast das Reproduktionsniveau von 2,1.

Was beeinflusst aber die Geburtenrate? Helfen staatliche Maßnahmen diese zu steigern oder gibt es noch weitere Einflussfaktoren auf die Geburtenrate?

Zu eindeutigen Ergebnissen kamen Wirtschaftswissenschaftler, die zu diesem Thema forschen. Nach ihnen lässt sich die Geburtenrate vor allem durch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie beeinflussen. Dies gilt besonders für Frauen. Es kommt dabei nicht nur auf eine starke monetäre Unterstützung der Familien und Frauen an, sondern auch auf Infrastruktureinrichtungen, wie Betreuungsmöglichkeiten für Kinder. Ein wichtiger Faktor ist zudem die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau. Je stärker Männer ihre Frauen im Haushalt entlasten und je ausgeglichener die Arbeit zwischen Mann und Frau verteilt ist, desto positiver wirkt sich dies auf die Geburtenrate aus (vgl. Storbeck, 2008, S.1-3).

Vor dem Hintergrund der Annahme, dass sich sowohl die Rollenverteilung der Geschlechter, als auch die Erwerbsbeteiligung von Frauen und dazu staatliche Förderungsmaßnahmen auf die Geburtenrate auswirken, behandelt die folgende Arbeit den Einfluss von familienpolitischen Maßnahmen auf die Geschlechterrollen und das Erwerbsleben. Inwieweit hat die Politik seit Bestehen der Bundesrepublik durch die Familienpolitik Einfluss auf die Erwerbsbeteiligung von Frauen gehabt und die Geschlechterrollen beeinflusst?

Ist eine Entwicklung in den familienpolitischen Maßnahmen und deren Auswirkungen erkennbar?

Ausgehend von dieser Problemstellung werden im Kapitel zwei Grundlagen der Familienpolitik skizziert. Zunächst wird erläutert, was unter Familienpolitik zu verstehen ist, anschließend wird beschrieben, welche Motive und Inhalte diese umfasst. Die Einordnung der deutschen Familienpolitik in international gängige Typologien schließt Kapitel zwei ab. In Kapitel drei wird die Entwicklung der Familienpolitik in der Bundesrepublik Deutschland und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Geschlechterrollen und das Erwerbsleben von Mann und Frau behandelt. Dazu werden vier verschiedene Phasen betrachtet. Abschließend werden die Erkenntnisse im vierten Kapitel zusammengefasst und ein Fazit gezogen. Zudem wird ein Ausblick auf weitere relevante Fragestellungen gegeben.

2 Grundlagen der Familienpolitik

Im nachfolgenden Kapitel werden kurz einige Grundlagen der Familienpolitik der Bundesrepublik Deutschland beschrieben. Dazu werden neben der Frage, was unter Familienpolitik zu verstehen ist, auch die Instrumente und Motive erläutert. Abschließend wird die deutsche Familienpolitik in die bestehenden Typologien von Gøsta Esping-Andersen und Anne Hélène Gauthier eingeordnet.

2.1 Was ist Familienpolitik?

„Familienpolitik ist die Summe aller Handlungen und Maßnahmen, die im Rahmen einer feststehenden Verfahrens-, Kompetenz- und Rechtfertigungsordnung

eines Staates normativ und/oder funktional begründbar die Situation von Familien im Hinblick auf eine als wünschenswert definierte Erfüllung von deren Teilfunktionen hin beeinflussen“ (Gerlach, 2004, S. 341).

Kurt Lüscher definiert die Familienpolitik folgendermaßen: „... bezeichnet öffentliche Aktivitäten, Maßnahmen und Einrichtungen, um zu versuchen, familiale Leistungen, die explizit oder implizit erbracht werden sollen, anzuerkennen, zu fördern, zu ergänzen, somit zu beeinflussen oder durchzusetzen, wobei – unter Bezug auf gesellschaftspolitische Ordnungsvorstellungen – gleichzeitig umschrieben wird, welche Sozialform als Familie gelten sollen“ (Lüscher, 1988, S. 28).

Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass der Staat neben weiteren Funktionen, vor allem zwei Teilfunktionen von Familien unterstützt und als wünschenswert erachtet. Zum einen die Reproduktionsfunktion, das heißt das Fortbestehen einer Gesellschaft durch das Hinzukommen von neuen Mitgliedern und zum anderen die Sozialisationsfunktion, die neu hinzugekommene Mitglieder in die Gesellschaft eingliedert (vgl. Bouß, 2006, S. 20-22).

Die Familienpolitik ist dabei in mehrfacher Hinsicht ein sehr komplexes Politikfeld. Es bestehen sehr unterschiedliche familienpolitische Maßnahmen und Motive, die nicht nur das Ressort des Familienministeriums betreffen, sondern auch verschiedene andere Ressorts beteiligen. Beispielsweise sind die familienpolitischen Leistungen abhängig vom aktuellen Haushalt und den Verhandlungen mit dem Finanzministerium. Doch nicht nur die Politik kann die Familienpolitik beeinflussen. Neben ihr kommt der Wirtschaft und den gesellschaftlichen Individuen eine entscheidende Rolle zu. In den letzten Jahren hat sich zudem ein „familiärer Wandel“ in der Gesellschaft vollzogen. Die Folge ist eine Auffächerung der familiären Lebensformen. War früher das „Ganze Haus“ eine Wirtschafts- und Lebensgemeinschaft für unbeschränkte Zeit (meist ein Leben lang), ist die „Kernfamilie“ die letzten Jahrzehnte vorherrschend. Sie besteht so lange, bis die erwachsen gewordenen Kinder wieder ausziehen. Diese „Kernfamilien“ sind bis heute rechtlich, gesellschaftlich und politisch legitimiert. Seit den 1960er Jahren ist aber eine Verschiebung zu erkennen. Die „Kernfamilie“ ist zwar weiterhin die häufigste Familienform, jedoch gibt es einen Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist. Alleinerziehende, gleichgeschlechtliche Ehen und nicht-eheliche Lebensgemeinschaften haben zu einem Wandel, hin zur „Pluralisierung“ der Lebensformen geführt. Die unterschiedliche Interpretation der Parteien, welche der oben genannten Lebensformen als Familie gelten soll und wie

diese Lebensformen gefördert werden sollen, ist ein entscheidender Faktor für familienpolitische Maßnahmen (vgl. Bleses & Rose, 1998, 134-137).

Familienpolitik kann dabei grundsätzlich auf drei verschiedenen Wegen in die Familienverhältnisse eingreifen. Zum Ersten kann sie die ökonomischen Bedingungen verändern, zum Zweiten in die rechtlich-institutionelle Gestaltung, also durch Formulierung und Durchsetzung von Rechten und Gesetzen, eingreifen. Zum Dritten kann die Familienpolitik durch die Gestaltung von Familienumwelten und der Kommunikation von familienbezogenen Leitbildern (Wertorientierungen, Bewusstseinslage) wirksam werden (vgl. Bouß, 2006, S. 33-35).

Das Ziel der Familienpolitik formuliert die Sachverständigenkommission im 7. Familienbericht im Jahr 2005 so: „Ziel einer nachhaltigen Familienpolitik ist es, jene sozialen, wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen zu schaffen, die es der nachwachsenden Generation ermöglichen, in die Entwicklung und Erziehung von Kindern zu investieren, Generationensolidarität zu leben und Fürsorge für andere als Teil der eigenen Lebensperspektive zu interpretieren“ (BMFSFJ, 2005, S. 25). Dieses sehr allgemein gehaltene Ziel ist so formuliert, dass es Rahmenbedingungen zu schaffen gilt, die es möglich machen in Kinder und deren Entwicklung und Erziehung zu investieren. Wie diese Rahmenbedingungen aussehen sollen oder wie stark dieses Ziel gefördert wird, ist an dieser Stelle noch nicht beschrieben.

Dabei wird es bei einer nachhaltigen und zukunftsorientierten Familienpolitik immer wichtiger, Familie und Beruf vereinbaren zu können und die Geschlechterrollen von Mann und Frau möglichst gleich zu verteilen, (Rump, Eilers & Groh, 2008, S. 123) denn es bildet sich die These heraus, dass Paare (insbesondere Frauen) ihre Entscheidung über die Kinderzahl rational zwischen Kindernutzen und Kinderkosten abwägen. Familienpolitische Maßnahmen im Bereich der Geschlechterrollen und –gleichstellung werden nur dann erfolgreich sein, wenn der Kindernutzen für die Eltern (Mütter) soweit erhöht wird, dass er die Kinderkosten mindestens aufwiegt (vgl. Steinmann, 2007, S. 120-121).

2.2 Motive und Instrumente

Die staatliche Familienpolitik umfasst verschiedene Motive und Instrumente, die im Folgenden näher betrachtet werden. Hierbei sollen zunächst nicht die Höhen einzelner Leistungen betrachtet werden, sondern ein Überblick über die wichtigsten Motive und Instrumente geschaffen werden. Über den Verlauf der Entwicklung der Familienpolitik wird in diesem Kapitel zunächst ein Überblick über die Instrumente und Motive gegeben, der weder vollständig ist, noch für alle Phasen der BRD gilt. Zwei grundlegende Instrumente können bei der Familienpolitik in Deutschland unterschieden werden. Zum einen die Transferzahlungen und steuerliche Vergünstigungen und zum anderen die Infrastruktur- und Serviceleistungen.

Zu Transferzahlungen und steuerlichen Vergünstigungen zählt vor allem das Elterngeld, das für jedes Kind gezahlt wird. Daneben gibt es das Mutterschaftsgeld, das für die Dauer einer Schutzfrist (sechs Wochen vor Geburtstermin bis acht Wochen nach Geburtstermin) Müttern eine finanzielle Unterstützung zusichert. Das Wohngeld wird in Abhängigkeit des Gesamteinkommens des Haushaltes, der Familienmitglieder und der Höhe der zuschussfähigen Miete berechnet. Ausgenommen sind hiervon Empfänger von Transferleistungen. Zu den Transferleistungen zählen weiterhin das Kindergeld und die Kinderfreibeträge. Das Kindergeld ist eine einkommensunabhängige Leistung, die für alle Kinder mindestens bis zum 18. Lebensjahr ausgezahlt wird. Bei der Einkommenssteuer können Kinderfreibeträge geltend gemacht werden. Für Schüler und Studenten gibt es Stipendien, beziehungsweise den Anspruch auf BaföG.

In der zweiten Gruppe, die die Infrastruktur- und Serviceleistungen umfasst, ist der Mutterschutz, der für Schwangere und junge Mütter gilt, die in einem Arbeitsverhältnis stehen, von besonderer Bedeutung. Ziel ist es, mithilfe von gesetzlichen Regelungen Mutter und Kind vor Gefahren des Arbeitsplatzes zu schützen. Zusätzlich haben Väter und Mütter, die in einem Arbeitsverhältnis stehen, einen Anspruch auf Elternzeit. Dabei spielt es, ebenso wie beim Mutterschutz, keine Rolle, um welches Arbeitsverhältnis (Teilzeit, befristet, etc.) es sich handelt. Neben diesen beiden Leistungen wird auch die Kinderbetreuung

immer wichtiger und gefördert. Das gilt für die Kinderbetreuung in öffentlichen Einrichtungen genauso, wie für die Förderung von betrieblichen Kinderbetreuungseinrichtungen (vgl. Rump, Eilers & Groh, 2008, S. 33-61).

Ob und wie stark diese Instrumente der Familienpolitik genutzt werden und wurden, zeigt Kapitel drei, in dem die Entwicklung in der Bundesrepublik aufgezeigt werden soll. Zunächst werden noch Motive der Familienpolitik vorgestellt, das heißt aus welchen Gründen der Staat überhaupt in die Lebensbeziehungen von Familien eingreift.

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss familienpolitischer Maßnahmen in der Bundesrepublik Deutschland auf die Geschlechterrollen und das Erwerbsleben
Untertitel
Internationale Familienpolitik
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Veranstaltung
Familienpolitik im internationalen Vergleich
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
26
Katalognummer
V198287
ISBN (eBook)
9783656244226
ISBN (Buch)
9783656244974
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einfluss, maßnahmen, bundesrepublik, deutschland, geschlechterrollen, erwerbsleben, internationale, familienpolitik
Arbeit zitieren
Peter Stoffels (Autor), 2011, Der Einfluss familienpolitischer Maßnahmen in der Bundesrepublik Deutschland auf die Geschlechterrollen und das Erwerbsleben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198287

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