Charles Baudelaire - Über Fotografie und den Zerfall der Kunst


Seminararbeit, 2009
11 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Die Entwicklung der Fotografie im 19. Jahrhundert
2.2 Die Salonkritik von Charles Baudelaire

3. Schlussteil

Literaturverzeichnis

Einleitung

Ich will es nicht glauben. Aber ich bin davonÜberzeugt, da ß die fehlgeleitete Entwicklung der Fotografie wie jeder rein materielle Fortschritt sehr stark zur weiteren Verarmung des ohnehin schon seltenen kÜnstlerischen Genies in Frankreich beigetragen hat.

Charles Baudelaire über die Fotografie

Der französische Dichter und Kunsttheoretiker Charles Baudelaire (1821 - 1896), der die moderne Literatur vor allem aufgrund seiner Lyrik mit seinem berühmten Hauptwerk „Die Blumen des Bösen“ wie kein anderer prägte, hat ebenso die Kunstszene in Frankreich in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch zahlreiche kunsttheoretischen Beiträge maßgeblich beeinflusst und die zentrale Entwicklungsphase des damals neuen Mediums Fotografie in seinem Land als Zeitzeuge miterlebt. Zu diesem Anlass publizierte Baudelaire im Jahre 1859, also in einer Zeit, in der sich die Fotografie in der Gesellschaft massenhaft verbreitete und langsam fest etablierte, in seiner Salonkritik den berühmten Aufsatz „Die Fotografie und das moderne Publikum“. Dieser Aufsatz zählt zu den ersten kunst- theoretischen Schriften überhaupt, welcher sich der Entwicklung der Fotografie kritisch entgegenstellte und dabei vor allem den schädlichen Einfluss der Fotografie auf die bildende Kunst und die damalige Gesellschaft thematisiert.

Doch was hatte Baudelaire an der Fotografie auszusetzen ? Worin sah der den Schaden, den die Fotografie seiner Meinung nach der Kunst zufüge? Welche Aufgaben und Kritierien sollte ein Künstler nach Baudelaire auf der Leinwand erfüllen? Mit diesen Fragen soll sich nun die vorliegende Hausarbeit genauer auseinandersetzen. Zentraler Schwerpunkt der Analyse soll dabei Baudelaires Essay „Die Fotografie und das moderne Publikum“ von 1859 sein, wobei es in einem ersten Schritt darum gehen soll, einen kurzen Überblick über die Entwicklung und den Stand der Fotografie zur Zeit der 1850er Jahre zu geben. Zusätzlich soll der Aufsatz „Der Daguerrotyp“ von Jules Janin aus dem Jahr 1839 dabei als repräsentatives Zeugnis des damaligen, euphorischen Gefühls der Bevölkerung über das neue Medium fungieren. Auf dessen Grundlage soll der darauf folgende Bericht Baudelaires abschließend für die kritische Gegenposition zur Fotografie des 19. Jahrhunderts stehen. Am Ende dieser Hausarbeit folgt eine Auswertung der erzielten Ergebnisse, sowie ein Ausblick auf weitere, mögliche Untersuchungen zu dieser Thematik.

2.1 Die Entwicklung der Fotografie im 19. Jahrhundert

Das 19. Jahrhundert ist zweifellos das innovativste Zeitalter der technischen Entwicklung der Fotografie gewesen. Obwohl bereits lange Zeit vorher der Traum von der Fixierung eines realistischen Bildes von den Menschen gehegt, aber nie erreicht werden konnte, wurde dieses Vorhaben dank der erfolgreichen Experimente von Louis Daguerre nun unmittelbare Realität und der breiten Öffentlichkeit von Frankreich im Jahre 1939 erstmals durch ein praxistaugliches Verfahren in ungewohnter Schärfe und Detaildichte präsentiert. Das Problem an der Verfahren von Daguerre war jedoch, dass es zu jeder fotografischen Aufnahme nur eine Platte gab, welche nicht vervielfältigt werden konnte. Von größerer Bedeutung für die spätere, massenhafte Ausbreitung der Fotografie war daher die um 1840 veröffentlichte Erfindung des Positiv-Verfahrens dank Hippolyte Bayard in Frankreich und William Henry Fox Talbot in England. Das Ergebnis, die Kalotypie bzw. Talbotypie, sollte sich als Vorstufe der heute geläufigen fotografischen Methode erweisen, durch die es erstmalig möglich wurde, Fotografien in einer grenzenlosen Serie herzustellen. Nach 1839 arbeiteten zahllose Forscher an stetigen Verbesserung des fotografischen Verfahrens und entdeckten dabei lichtempfindliche Silbersalze, verbesserten die Linsen, bauten erstmals lichtstarke Objektive und verkürzten im wesentlichen Maße die Belichtungszeiten. Da im Laufe der Jahre „ihre Bedienung unproblematischer wurde, versuchten sich immer mehr Amateure in der Fotografie“1. Sie stellte für viele Betrachter zum ersten Mal „eine vollkommene Wiedergabe des Gegenstandes dar“2. Oftmals wurde sie als etwas beschrieben, was in seiner Einzigartigkeit nicht durch die gängigen Kategorien der Kunst erfasst werden konnte. Fotografie stand plötzlich „zwischen Kultur und Natur, zwischen ästhetischen und wissenschaftlichem Bild“3.

Für die Malerei bedeutete das neue Medium einen umwälzenden Einbruch in ihren Bereich der Realitätsabbildung, da nun vor allem seitens der Wissenschaft die Ungenauigkeit und die daraus resultierenden Fehler des Künstlers gegenüber der objektiven Fotografie kritisiert wurde. Zudem verhindere die Subjektivität des Künstlers eine möglichst präzise Repräsentation der Natur in ihrer ursprünglichen Gestalt. Die meisten Künstler standen der Fotografie deswegen eher ablehnend gegenüber.

Der französische Schriftsteller und Kunsttheoretiker Jules Janin ( 1804 - 1874 ) schafft es in seinem Aufsatz „Der Daguerrotyp“ aus dem Jahr 1839 dank einer Vielzahl an metaphorischen Formulierungen und biblischen Vergleichen wie kein zweiter, die damalige Euphorie der Gesellschaft über das das neue Medium stellvertretend in Worte zu fassen, und im Gegensatz dazu den Menschen als Künstler vollkommen zu deklassieren. So bemängelt Janin in seinem Aufsatz vor allem die „Unzulänglichkeit der menschlichen Kunstfertigkeit“4, die gegenüber der Fotografie allgemein hin völlig versage. Die unsichere, fehlerhafte Art und die subjektive Wahrnehmung des Menschen würden höchsten einen kläglichen Versuch darstellen, den für ihn nahezu unerreichbaren Realismus der Natur in vergänglichen Momenten einzufangen. Die Fotografie dagegen übertreffe sogar „die Zeichenkunst der großen Meister“5 und eigne sich anhand ihrer Unvergänglichkeit und ihrer Dauerhaftigkeit als ein viel geeigneteres Medium für die Darstellung zeitgenössischer Kunst. Sie wirke ganz „im Augenblick, so zügig wie der Gedanke, so schnell wie der Sonnenstrahl, der das dürre Bergland oder die kaum erschlossene Blüte trifft.“6 Fotografie ist für Janin ein Zeugnis göttlicher Qualitäten, erreiche nun mehr die künstlerische Perfektion und sei ein Beweis für das einzigartige Genie Frankreichs. Hinzu komme, dass keines der fotografischen Bilder dem anderen gleiche und der Mensch durch die Möglichkeit, eine Vielzahl von ästhetischen Entscheidungen zu treffen, stets der Meister dieser Erfindung bleibe. Für Janin ist daher klar: „Zwischen der Kunst und ihrem neuen Rivalen gibt es nichts mehr zu verhandeln.“7 Wenn es nach ihm ginge, sollte der Fotografie genauso viel Ehre erwiesen werden wie der Erfindung der Dampfmaschine, weil sie besonders untalentierten Menschen durch ihre geringen Kosten und ihre Schnelligkeit in jeder Hinsicht als verlässliche Hilfe diene und dabei gleichzeitig alle künstlerischen Bedürfnisse erfüllt. Janins Faszination für den technischen Fortschritt macht sich besonders am Ende des Aufsatzes bemerkbar: So begrüßt er zukünftige Entwicklungstendenzen zur vollständigen Technisierung als Aufbesserung des menschlichen Lebensstandarts und spricht sich ebenso für eine universale Übernahme der Kunst durch die Maschinen aus.

[...]


1 Honour, Hugh / Fleming, John: Weltgeschichte der Kunst, Prestel-Verlag, München: 2007, S. 623.

2 Stiegler, Bernd:Theoriegeschichte der Photographie, Wilhelm Fink Verlag, München: 2006, S. 16.

3 Stiegler, Bernd:Theoriegeschichte der Photographie, Wilhelm Fink Verlag, München: 2006, S. 19.

4 Stiegler, Bernd:Theoriegeschichte der Photographie, Wilhelm Fink Verlag, München: 2006, S. 21.

5 Janin, Jules: Der Daguerreotyp (1839) In: Theorie der Fotografie Band 1. Hg. v. Wolfang, Kemp/ Hubertus von Amelunxen, München: 2006, S. 47.

6 Ebd., S. 47.

7 Ebd., S. 48.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Charles Baudelaire - Über Fotografie und den Zerfall der Kunst
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Veranstaltung
Einführung in die Geschichte und Theorie der Fotografie
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
11
Katalognummer
V199002
ISBN (eBook)
9783656255321
ISBN (Buch)
9783656255888
Dateigröße
667 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
charles, baudelaire, über, fotografie, zerfall, kunst, Salonkritik, Charles Baudelaire
Arbeit zitieren
Daniel Kohlstadt (Autor), 2009, Charles Baudelaire - Über Fotografie und den Zerfall der Kunst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199002

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