Frauenrollen des Mittelalters. Anhand der Darlegungen im Frauenbuch Ulrich von Liechtensteins


Hausarbeit, 2012

19 Seiten, Note: 1,7

Dana Frank (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil: Frauenbuch und Frauenrollen
II. 1 Autor und Werk
II. 1.1 Ulrich von Liechtenstein, Leben, Zeit, Werk
II. 1.2 Das Frauenbuch
II. 1.2.1 Allgemeines und Aufbau
II. 1.2.2 Das Frauenbuch als Minnerede
II. 1.2.3 Die Umkehrung der Machtverhältnisse: Frauen in der klassischen Minnedichtung
II. 1.2.4 Ytwitz: Der Inhalt des Streitgesprächs im Frauenbuch
II. 1.2.5 Überblick über die Frauenrollen im Frauenbuch
II. 2 Frauenrollen im Frauenbuch: Ulrichs Empfehlungen und die Wirklichkeit
II. 2.1 Die verheiratete Frau
II. 2.1.1 Die Ehefrau mit dem tüchtigen Mann
II. 2.1.2 und hât dabî sô bœsen man: Ulrichs Empfehlung für die unglücklich verheiratete Frau
II. 2.2 Die Jungfrau
II. 2.3 Die Witwe und die ledige Frau
II. 2.4 Die vriundinne

III. Zusammenfassung und Fazit

IV. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Der Umschlagtext zu Christopher Youngs Neuübersetzung von Ulrich von Liechtensteins Frauenbuch (2003) fragt, eventuell etwas reißerisch, „was das Hirngespinst der hohen Minne mit dem Leben zu tun hat“?

Diese Frage soll auch Grundlage dieser Arbeit sein, in der die verschiedenen, im Buch Liechtensteins dargelegten Frauenrollen, untersucht und der Realität Mitte des 13. Jahrhunderts gegenüberstellt werden.

Eine solche Arbeit muss sich auf die Situation der adeligen Frauen in Ulrichs Umgebung beschränken, für die das Buch auch geschrieben wurde[1]. Angehörige anderer Stände werden nicht berücksichtigt. Allerdings gibt es Hinweise, dass die Minnedichtung des Hochmittelalters auch von einem Publikum rezipiert wurde, das nicht direkt dem Adelsstand angehörte. Cordula Nolte meint dazu:

„Adlige Verhaltensnormen entwickelten sich langfristig aber vielfach auch zu Maßstäben, an denen sich Nichtadlige orientierten. […] Die demonstrative Inszenierung adliger Lebensform vor städtischem Publikum regte die Oberschichten zur Nachahmung an. Wohlhabende, gebildete Bürger trugen im Spätmittelalter die höfische Kultur mit: Sie traten als Mäzene und Sammler von Literatur hervor, veranstalteten Turniere, erwarben die Ritterwürde und bauten sich Burgen im Umland.“[2]

Somit mag der Einfluss der Darstellungen Ulrichs und seiner Mitautoren größer gewesen sein als zunächst zu erwarten ist.

Um das Frauenbuch und seine Aussagen einordnen zu können, soll im folgenden Punkt zunächst der Autor vorgestellt werden (II.1.1) und dann das Frauenbuch in Aufbau (II.1.2.1) und Inhalt (II.1.2.4), sowie als Beispiel der Gattung Minnerede (II.1.2.2).

Um das Buch und seine Besonderheiten verstehen zu können, soll außerdem noch die Rolle der Frau in der klassischen Minnedichtung dargestellt werden (II.1.2.3)

Im Anschluss werden die Rollen der Frauen aufgeführt, die Ulrich explizit erwähnt (II.1.2.5) und danach im Einzelnen näher betrachtet (Punkt II.2).

Einige der Handlungsempfehlungen, die Ulrich im Rahmen des Frauenbuchs seinen weiblichen Zeitgenossinnen gibt, sind so explizit und nahezu revolutionär, dass sie noch heute Anlass zur Diskussion geben.

Darum soll zunächst die Frage beantwortet werden, wer der Dichter ist, der uns nach wie vor mit seinen pointierten, teils überzogenen, aber nie langweiligen Versen unterhält.

II. Hauptteil: Frauenbuch und Frauenrollen

II. 1 Autor und Werk

II. 1.1 Ulrich von Liechtenstein, Leben, Zeit, Werk

Für einen Autor des 13. Jahrhunderts, ist Ulrich von Liechtenstein eine äußerst gut dokumentierte historische Persönlichkeit[3], was nicht zuletzt daran liegt, dass er einige hohe politische Funktionen innehatte.

Sein genaues Geburtsdatum ist unbekannt[4], wird jedoch zwischen den Jahren 1200 und 1210 angenommen, sein Todestag war wohl der 26. Januar 1275[5], seine Abstammung und Nachfolge im Haus Liechtenstein lässt sich lückenlos belegen.[6]

Zu Lebzeiten war Ulrich nachweislich Truchsess und Marschall der Steiermark, ebenso Landrichter, also direkter Vertreter des Landesherrn[7], zeitweise in politische Intrigen verstrickt[8] und Erbauer einer Burg[9], der Frauenburg. Seine Ehefrau war bekanntermaßen Perchta von Weitzenstein aus Kärnten, mit ihr hatte er vier Kinder.[10]

Nirgendwo jedoch ist belegt, dass er tatsächlich derjenige ist, als der er heute noch bekannt ist[11], nämlich der Autor des „ersten deutschsprachigen Künstler-Ich-Romans“[12], des Frauendienst,datiert auf 1255 und später des Frauenbuchs, der vrouwen buoch, dessen Fertigstellung auf 1257 datiert wird[13].

Lange Zeit über nahm Ulrich eine Sonderstellung unter den Dichtern des Mittelalters ein, weil sein „Frauendienst“ als eine autobiographische, genaue Darstellung des höfischen Lebens und des Minnedienstes galt[14], einerseits bedingt durch die neue Ich-Form, wie auch durch die Nennung einer großen Zahl von realen historischen Persönlichkeiten.[15] Erst später setzte sich die Erkenntnis durch, dass vielen der von Ulrich geschilderten Ereignisse literarische Anspielungen und Motive zugrunde liegen[16] und sie mit hoher Wahrscheinlichkeit zumindest übertrieben oder gänzlich erfunden sind[17].

Dies sei hier erwähnt, weil auch im Frauenbuch Ironie und Übertreibung zu den durchgehend verwendeten Stilmitteln gehören und das Buch keineswegs als historische Quelle für die Situation der Frauen im Mittelalter gewertet werden kann.

Nichtsdestotrotz eignet sich Ulrichs Werk durch die politische und höfische Erfahrung des Autors sehr gut als Ausgangspunkt für genauere Betrachtung seines Lebensumfelds und seiner Zeit.

II. 1.2 Das Frauenbuch

II. 1.2.1 Allgemeines und Aufbau

Das Frauenbuch ist das wesentlich kürzere von Ulrichs beiden überlieferten Werken, es umfasst 2134 Zeilen, paarweise gereimt, die meisten davon als direkte Rede oder Anrede des Lesers verfasst. Es kann in sechs Teile aufgegliedert werden[18].

In einer Vorrede weist Ulrich das Werk als Minnedienst an seine liebe vrouwe mîn (5)[19] aus, die ihn mit der Erstellung des büechelîn (6)beauftragt haben soll. Dann beginnt er mit dem eigentlichen Buch.

Eine höfische Dame bittet einen Ritter, ihr zu erläutern, warum die Männer so unfrô (47) geworden sind.

Daraufhin entspinnt sich im zweiten Teil eine Debatte, die zunehmend zum Streitgespräch wird (ab 45). Im Folgeteil (757 - 1820) sieht Young eine „dialogisch aufgebaute Minnelehre“[20], die didaktisch vermitteln will, wie Frauen sich in verschiedenen Situationen gegenüber Männern verhalten sollten. Gegen Ende (vierter Teil, 1821 bis 2052) erscheint der Dichter selbst, entscheidet den Streit der beiden und stimmt einen Lobgesang auf alle Frauen an. Zum Schluss preist Ulrich noch einmal, wie im einführenden Teil, seine eigene Dame, für die er das Buch gedichtet hat, nennt es der vrouwen buoch“ (2125) und legt es seinen Leserinnen ans Herz, um die werden man, die in mit dienst sint untertân (2131-2132)identifizieren zu können.

[...]


[1] die vrouwen suln ez gerne lesen, Zeile 2130. Im übrigen galten adelige Frauen als besser gebildet und belesen als ihre Männer, dazu z. B. Nolte (2011), S. 49, was nicht zuletzt daran gelegen haben mag, dass ihnen andere Tätigkeiten weitgehend untersagt blieben, vgl. Schirmer (o.J.), S. 13.

[2] Nolte (2011), S. 48.

[3] Sandra Linden beziffert die Zahl der Urkunden, „in denen Ulrich entweder als Zeuge aufgeführt wird oder sogar Aussteller ist“ auf 94. Linden, S., Biographisches und Historisches: Eine Spurensuche zu Ulrich von Liechtenstein, in Linden/Young (2010), S. 45.

[4] Dopsch, H., Zwischen Dichtung und Politik. Herkunft und Umfeld Ulrichs von Liechtenstein, in Spechtler/Maier (1999), S. 77.

[5] Ebd.

[6] Ebd.

[7] Linden in Linden /Young (2010), S. 50.

[8] Linden (ebd., S. 51f.) verweist auf die Österreichische Reimchronik, nach der Ulrich wegen Hochverrats gegen Ottokar II. von Böhmen angeklagt und gefangen gehalten wurde.

[9] Deuer, W., Ulrich von Liechtenstein als Auftraggeben und Bauherr. Eine kunsthistorische Spurensuche, in Spechtler/Maier (1999), S. 137ff.

[10] Linden in Linden/Young (2010), S. 54.

[11] Ursula Liebertz-Grün geht soweit, zu fragen, ob es sich bei Ulrich eventuell nur um eine Kunstfigur handelt, der andere Autoren den Namen einer real existierenden Person gegeben haben. Liebertz-Grün, U., Ambivalenzen, Intertextualität, Satire, in Linden/Young (2010), S. 159.

[12] Ebd., S. 136.

[13] Linden in Linden/Young (2010), S. 59 f.

[14] Young, C., Ulrich von Liechtenstein in German Literary History, in: Linden/Young (2010), S. 13.

[15] Spechtler, F.V., Ulrich von Liechtenstein. Literatur und Politik im 13. Jahrhundert in Spechtler/Maier (1999), S. 17.

[16] Vgl. Dopsch in Spechtler/Maier (1999), S. 90.

[17] Young (2003), Einleitung zum Frauenbuch, S. 9.

[18] Ebd., S. 20.

[19] Ulrich von Liechtenstein, Das Frauenbuch, in der Bearbeitung von Young (2003), Zeile 5. Im folgenden werden sämtliche Verweise auf das Frauenbuch lediglich mit der Angabe der Zeile in Klammern direkt nach dem zitierten Text belegt.

[20] Young (2003), Einleitung zum Frauenbuch, S. 20.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Frauenrollen des Mittelalters. Anhand der Darlegungen im Frauenbuch Ulrich von Liechtensteins
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V199481
ISBN (eBook)
9783656257578
ISBN (Buch)
9783656259299
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frauenrollen, mittelalters, darlegungen, frauenbuch, ulrich, liechtensteins, liechtenstein, frauendienst, mittelalter, minne
Arbeit zitieren
Dana Frank (Autor), 2012, Frauenrollen des Mittelalters. Anhand der Darlegungen im Frauenbuch Ulrich von Liechtensteins, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199481

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