Das karolingische Kloster Rotaha im Lichte der Flurnamen Nieder-Rodens


Ausarbeitung, 2012

40 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Flurnamen als Hinweis auf historische Gegebenheiten

3. Ermittlung der Flurnamen im Bereich der Gemarkung Nieder - Roden

4. Historische Zeugnisse für die Existenz des Klosters Rotaha

5. Der vermutete Standort des Klosters Rotaha

6. Flurnamen im Bereich des vermuteten Standortes des Klosters Rotaha

7. Auf der Königswiese

8. Das Seelig

9. Auf den neuen Röttern

10. Marcha Raodora

11. Mitten auf dem Müllemrad

12. Das Mühlenfeldchen

13. Im Bettelahl

14. Beim Gickelsbusch

15. Neben dem Gänsgraben

16. Vor dem Kreuzberg, Hinter dem Kreuzberg

17. Hinter den Heiligen und den Wildhubäckern

18. Über den Nonnenäckern

19. Auf den Rollweg

20. Die Seen

21. Zusammenfassung

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Seit rd. 190 Jahren bemühen sich verschiedene Forscher, den Standort des karolingischen Klosters Rotaha zu finden, das im Codex Laureshamensis in den Urkunden Cl 12 und CL 58 erwähnt wurde. In der heutigen Topographie sind in der dort beschriebenen Region, in der Gegend der Stadt Rödermark bzw. der Stadt Rodgau, keine Anzeichen oder Relikte mehr zu finden.

Um doch dieses Problem einer Lösung zuzuführen, stehen folgende Aktivitäten zur Verfügung:

- Urkundenforschung zwecks Auffindung weiterer Hinweise
- Auffindung von Scherben oder anderen Relikten, die Hinweise auf den Standort geben könnten
- Auswertung von Luftaufnahmen
- Geophysikalische Untersuchungen
- Suchgrabungen
- Auswertung von Flurnamen

Vorliegender Beitrag widmet sich der letzten Methode für ein Gebiet, das vom Verfasser dieser Schrift auch noch aus anderen Gründen als möglicher Standort ins Auge gefasst worden ist.

In oben erwähnter Quelle CL 12 ist nicht nur ein Kloster erwähnt, sondern auch der „Niwenhof“, der bisher in der Literatur als Verwaltungssitz eines karolingischen Magistralen bzw. als Vogtshof gedeutet worden ist.

Daneben gehört zur Anlage eines benediktinischen Klosters gemäß der Ordensregeln auch die Anlage einer Wassermühle.

So sind in dieser vorliegenden Schrift alle Flurnamen zu untersuchen, die Hinweise auf die Existenz oder Tätigkeit dieser Einrichtungen geben. Kloster, Wassermühle und Niwenhof sind also im Kontext zu sehen.

Sicherlich gibt es Hinweise in der Flurnamenforschung, dass durch falsche Übermittlung, Dialekt, falsche Schreibweise, Übernahme in die hochdeutsche Sprache bei Aufstellung der Erstvermessung im 19. Jahrhundert und Wortverschleifung der Flurname verfälscht wurde. Im Bewusstsein dieser existierenden Schwierigkeiten wird trotzdem der Versuch einer Deutung der existierenden Flurnamen unternommen. Dabei werden die Flurnamen der Erstvermessung der Gemarkung Nieder – Roden, Ortsteil der Stadt Rodgau, von 1856 durch Simon Reichhuber zugrunde gelegt.

Die fortschreitende Trockenlegung sumpfiger Geländeteile und der andere Zuschnitt der Gelände- und Feldabschnitte durch die Flurbereinigung in der Mitte des vorigen Jahrhunderts lassen den Forscher gegenwärtig eine ganz andere Landschaft vorfinden, die durchaus nicht mit den in den Flurnamen angedeuteten Bezügen zur Landschaft übereinstimmen. Dies erweckt Zweifel, ob Flurnamen überhaupt geeignet sind, Wahrheiten Preis zu geben. Nicht zuletzt auch deswegen kann es zu Fehlinterpretationen der Flurnamen kommen.

Trotz dieser Gefahr gibt es eine Menge von Flurnamenforschern, denen sich Germanisten angeschlossen haben, um dem Sinn der Flurnamen auf die Spur zu kommen. Es gibt landesweite Sammlungen von Flurnamen, um sie für die Zukunft zu bewahren und weiterer Forschung zugänglich zu machen. So dürften im Laufe der Zeit immer größere Erkenntnisse entstehen.

Im diesen Sinne sollte vorliegende Untersuchung als „Arbeitshypothese“ betrachtet werden, die eben verbessert oder widerlegt werden kann.

Der Kritiker sollte sich aber auch vor Augen führen, dass bei örtlicher Anhäufung dieser verdächtigen Flurnamen in einer Gegend doch nicht mehr nur von Zufall gesprochen werden kann. Man kann davon mit Fug und Recht eine gewisse Plausibilität ableiten. Einer Verifizierung der Aussagen durch andere Methoden steht nichts im Wege.

2. Flurnamen als Hinweis auf historische Gegebenheiten

Flurnamen sind ein wichtiges Kulturgut. Aus diesem Grunde beschäftigen sich Wissenschaftler aller möglichen Wissenschaftszweige mit ihnen, da sie wertvolle Hinweise liefern können. Für den Germanisten und Sprachwissenschaftler enthalten sie Informationen über die Sprache und ihre Entwicklung. Für den Völkerkundler übermitteln sie Informationen über Lebensweisen und Gewohnheiten, ja über gesellschaftliche Beziehungen. Nicht zuletzt der Historiker und Archäologe entdeckt in ihnen eine Quelle von Informationen aus der Vergangenheit.

„In den Flurnamen spiegeln sich alle historischen und sprachlichen Entwicklungen wider.“ [1] Trotzdem müssen wir auch erkennen, dass der kurze betrachtete Zeitabschnitt der Menschheitsentwicklung sehr viele Veränderungen aufzeigt.

„In vielen Fällen stimmt die Bedeutung eines Flurnamens mit den realen Gegebenheiten des nach ihm benannten Flurstücks nicht mehr überein.“ [2]

An dieser Entwicklung war die in den 50 ziger Jahren des vorigen Jahrhunderts durchgeführte Flurbereinigung nicht unbeteiligt. Durch Flächenumlegung, Begradigung und andere Flächennutzung verschwanden viele typische Merkmale, die die Flur kennzeichneten. Trotz dieser Schwierigkeit wird der Heimatforscher und Archäologe nicht entmutigt, auf die Mitteilungen der Vergangenheit zurück zu greifen und sie allgemein verständlich bekannt zu machen..

„ Flurnamen sind also Zeugen der Vergangenheit, die entschlüsselt werden müssen und dann wertvolle Informationen preisgeben.“ [3]

In Erkenntnis dieser Tatsachen sind in ganz Deutschland sowohl von Privatforschern als auch von offiziellen wissenschaftlichen Stellen Flurnamenverzeichnisse angelegt worden.

„Flurnamen sind wie ein historisches Archiv. Sie bewahren Informationen aus der Vergangenheit.“ [4]

Viele sind durch Befragung älterer bäuerlicher Bürger entstanden. Die meisten zeichnen sich durch den Mangel aus, dass der genaue Grenzverlauf der Flur verschwommen ist. Der Bestand der Flurnamen in Nieder- Roden besticht jedoch dadurch, dass die ermittelten Flurnamen des Zeithorizontes 1856 in eine Karte des Jahres 2007 übertragen wurden. Diese genaue Kenntnis der Lage der Fluren ermöglicht die Feststellung einer „verdächtigen“ Anhäufung von Flurnamen, wenn in einem Bereich der Gemarkung auf eine historische Gegebenheit aufmerksam gemacht wird.[5]

Erst diese Auffälligkeiten brachten den Verfasser auf die Spur, in welcher Gegend der Gemarkung der Standort des Klosters Rotaha samt der Vogtei „Niwenhof“ und Wassermühle zu suchen ist. Da Prof. Schallmayer diese genaue Aufstellung der Flurnamen und Karten nicht vorlagen, konnte er nur resigniert äußern:

„Auch die oftmals in Bezug auf geschichtliche Vorgänge in einer Gemarkung so verräterischen Flurnamen geben weder für Ober-Roden noch für Nieder-Roden eine Flurbezeichnung >> Neuhof<< oder ähnlich zu erkennen.“ [6, S. 82 ]

„Sie [die Flurnamen] konservieren sprachlich Reliktwörter, die aus den heute lebenden Sprachen und Dialekten längst verschwunden sind. Flurnamen sind zudem historische Dokumente, die wichtige Aufschlüsse geben für die Kultur - und Siedlungsgeschichte.- sowie für die Volkskunde und Heimatforschung einer Landschaft oder Region.“

[7]

3. Ermittlung der Flurnamen im Bereich der Gemarkung Nieder-Roden

Bisher waren in Nieder – Roden schon mehrere Versuche unternommen worden, eine Sammlung von Flurnamen für das Gemarkungsgebiet aufzustellen und zu lokalisieren. Diese waren unvollständig und ungenau. Sie hatten auch den Mangel, dass in den Aufstellungen keine Lokalisierung aufgenommen wurde.

Deswegen wurde auf die Grundlage der Erstvermessung von 1856 durch Simon Reichhuber zurückgegriffen.[8]

In seinen Katasterkarten waren die Grenzen der Fluren zum Zeitpunkt 1856, also vor der Flurbereinigung, enthalten. Durch Rückgriff auf markante, noch später beibehaltene Passpunkte konnten die Karten trotz der Veränderung der Katastergrenzen durch die Flurbereinigung in die Katasterkarte von 2007 eingepasst werden. Toleranzen in der Papierdehnung des alten Kartenpapiers und durch die Heftungsart der alten Übersichtskarte wurden so gut es ging, ausgeglichen. Insgesamt konnten sie jedoch nicht vermieden werden..

Der Verfasser griff auf diese Unterlagen von 1856 zurück, da ab diesem Zeitpunkt die Beschreibung der Lage eines Grundstücks durch die Flurnummer und die Flurstücksnummer begann.

Bis zu diesem Zeitpunkt war die Beschreibung der Lage eines Grundstücks durch die Lage der Flur und die angrenzenden Nachbarn erfolgt. Man kann deshalb davon ausgehen, dass mit größter Sorgfalt auch die Flurnamen in die Katasterkarten von 1856 einbezogen worden sind, um so den Übergang zu dem neuen Nummernsystem zu sichern.[8]

Heute sind die Flurnamen eigentlich überflüssig. So sind sie in den heutigen Karten auch kaum mehr zu finden, so dass sie dem Vergessen preisgegeben sind. Allenfalls sind sie noch in den Straßennamen des inzwischen bebauten Gebietes enthalten.

Insgesamt wurden 341 Flurnamen ermittelt. Dazu kommen noch 62 örtliche Bezüge, die zwar nicht in den Karten von 1856, sondern in den dazugehörigen Grundbüchern enthalten sind. Auch sie können Hinweise auf örtliche Gegebenheiten geben

4. Historische Zeugnisse für die Existenz des Klosters Rotaha

„Eindeutige Hinweise auf das Kloster gibt es aus zwei urkundlichen Belegen beide aus dem Lorscher Codex.

Die erste Urkunde vom 25. Februar 786 [9] berichtet, dass die reich begüterte, aus dem karolingischen Hochadel stammende Äbtissin Aba das ihr gehörende Kloster, das der Hl. Maria und den übrigen Heiligen geweiht ist, samt etlicher Güter in Hessen und Rheinland-Pfalz dem Kloster in Lorsch übereignet.

Es wird ihr vertraglich die weitere Nutzung des Klosters und der Güter für einen Pachtpreis von 10 Solidi / Jahr zugesichert. ( 1 Solidus = 12 Denare, 1 Denar = 1,299 g Silber). Aba gibt an, dass das Kloster schon seit Generationen von Äbtissinnen aus ihrem Adelsgeschlecht geleitet wird. Aus dieser Bemerkung kann vorsichtig auf das Gründungsjahr des Klosters geschlossen werden. Es dürfte um das Jahr 700 gegründet worden sein.

Aba sichert vertraglich die Leitung des Klosters für weitere würdige Nachfolgerinnen ihres Adelsgeschlechtes. Erst wenn diese Bedingung nicht erfüllt werden kann, sollte das Kloster samt Güter dem Kloster Lorsch einverleibt werden.“ [10]

„Dadurch war nun das Kloster Rotaha mit dem Reichskloster Lorsch assoziiert und genoss so auch die Vorzüge eines Reichsklosters und den militärischen Schutz des Königs. Kloster Lorsch wurde somit Eigenkirchenherr und hatte für die ständige kirchliche Versorgung zu sorgen.

Die zweite Urkunde vom 21. November 903 [11] enthält die Übertragung von 3 weiteren Ländereien, die das Kloster in der Zwischenzeit erworben hatte, durch die Äbtissin Kunigunde an das Kloster Lorsch. Zur Mehrung und zur Übertragung war Kunigunde gemäß Urkunde Nr. 1 verpflichtet. Das Kloster Rotaha, die bereits zum Kloster gehörenden Ländereien und die 3 neuen Ländereien erhält Kunigunde zur weiteren Nutzung zurück. Der Pachtpreis bleibt bei 10 Solidi / Jahr trotz des größeren Pachtumfanges. Eine Erhöhung wäre auch nicht gerechtfertigt gewesen, da seit der Synode von Frankfurt von 794 der Denar mit einem Silbergehalt von 1,701 g geschlagen wurde. Insofern wurde Rotaha zwischen 794 und 903 übervorteilt.

Zum Zeitpunkt der Übertragung durch Kunigunde wurde das Kloster Rotaha als dem Hl. Nazarius gehörig bezeichnet. Von einem Patroziniumswechsel ist keine Rede.“ [10]

In der ersten Zinsliste des Klosters Seligenstadt aus dem 10. Jahrhundert wird Rotaha als zinspflichtig bezeichnet. „ Notizen aus einem alten Evangelienbuch der Abtei Seligenstadt über Schenkungen, Revenüen ... dortselbst, ohne Jahreszahl, wahrscheinlich aus dem 9. Jahrhundert:

„ hic est thesaurus ecclesiaticus, quem ego Reginoltus in monasterion S.mart. Marcellini et Petri … inveni …” Es folgt eine lange Aufzählung darunter .” de Rotaha Frouuirat II, Albger II, item Albger II.“

{ Bei dem Steiner –Text fehlt gegenüber der Urkunde hinter den römischen Ziffern „d“ = ( Denar) } [12, S.186]

Wer konnte zu der Zeit beim Kloster Seligenstadt schon ein Darlehen aufnehmen, das die Zahlung von Zinsen nach sich zieht? Das war bestimmt nicht Dorfbewohnern möglich! Diese Notiz kann sich nur auf das Kloster Rotaha beziehen.

Verstärkt wird diese Vermutung durch das nachgestellte Wort „Frouuirat“ , das wohl als >>frouvirat<< zu lesen ist. Man denkt beim letzten Teil des Wortes an „Triumvirat“, dessen Worterklärung ein Bündnis von 3 Personen ist [13]

So kann man >>frouvirat<< als ein Bündnis von Frauen deuten, das auch bestimmt von einem Nonnenkonvent dargestellt werden kann.

An dieser Stelle wäre noch auf die Souveränitätserklärung des Kaisers Ludwig des Frommen für das Kloster Lorsch aus dem Jahre 815 hinzuweisen.

„In den unter der Botmäßigkeit unseres Kaisertums stehenden Besitz des Klosters, ob es nun gerecht und gesetzesmäßig erworben oder von rechtgläubigen Menschen dem Kloster geschenkt ist, darf kein gerichtliches Verhör stattfinden, Bußen und Steuern dürfen nicht eingetrieben werden, auch Hofstätten oder Neubauten dürfen von Außenstehenden nicht errichtet, Untertanen nicht weggeführt, Untergebene des Klosters, die dort wohnen, sowohl Freie wie auch Knechte, nicht ungerecht in Anspruch genommen werden. Niemand unterstehe sich dort, Verbindlichkeiten oder unerlaubte Forderungen.

jetzt oder in Zukunft das Gebiet des Klosters anzueignen oder eine der oben verbotenen Handlungen auszuführen.“ [14]

Wenn also vom Kloster Rotaha in diesem Falle Geld vom Kloster Lorsch erhoben wird, so handelt es sich um eine erlaubte Forderung in einem Besitzteil des Klosters Lorsch, der „ von rechtgläubigen Menschen dem Kloster geschenkt „ worden ist.

Weitere urkundliche Nachrichten über die Existenz des Klosters sind nicht bekannt.

5. Der vermutete Standort des Klosters Rotaha

In der Urkunde von 786 waren Ortsbezeichnungen enthalten, die zur Hoffnung Anlass gaben, den Standort des Klosters Rotaha auch zu finden. Dort hieß es in karolingischen Minuskeln:“in pago moynecgowe in loco nuncupato nivenhof sup fluvium Rodaha“ und als Randbemerkung hinzugefügt „ in fine vel marcha raodora “.

Karl Glöckner brachte den Minuskeltext in gängiges Latein, aber die Forscher auch auf eine falsche Fährte: Er setzte fleißig Kommata, die der Lateiner gar nicht kennt. Er trennte dadurch den Zusatz „ sup fluvium Rodaha „ als Lokalisierung des Niwenhofes ab und ordnete diesen Zusatz sinnmäßig dem Kloster Rotaha zu. So suchte man bisher das Kloster Rotaha in Flussnähe und nicht den Niwenhof, auf den sich die Ergänzung urschriftlich bezieht.

In Schenkungsurkunden der späteren Zeit wird immer wieder „rotaha“ erwähnt, wobei diese Urkunden offenlassen, ob damit Ober- oder Nieder-Roden gemeint ist. Lediglich eine Urkunde, die des Erlulf von 791 [15], machte die Unterscheidung von Ober – und Nieder-Roden. Die Leute von damals kannten also die zwei Orte und konnten sie genau voneinander trennen. Zur Lagebestimmung des Klosters wurden beide Orte nicht herangezogen, jedoch der wohlbekannte (nuncupato) Niwenhof. Wohlbekannt deswegen, weil er zu diesem Zeitpunkt den zentralen Verwaltungssitz der Gegend darstellte. Wer kennt nicht sein Finanzamt?

Nun bleibt nur die Frage zu klären, auf welchem Gemarkungsgebiet der Standort heute zu suchen ist.

Oberroden hat die Frage für sich schon beantwortet. Durch Ausgrabungen Ende des vorigen Jahrhunderts unter der kath, Pfarrkirche St. Nazarius meint Prof. E. Schallmayer auf die Reste des Klosters gestoßen zu sein. Vor allem das Patrozinium der Kirche sei ein Vermächtnis der Lorscher Mönche und damit ein Beweis, dass das Kloster Rotaha unter der kath. Kirche von Oberroden zu suchen sei. Zu dieser, aus der Sicht des Verfassers unzureichenden, Argumentation wurde in mehreren Schriften Stellung genommen und muss hier nicht wiederholt werden. Im Nachfolgendem soll geprüft werden, ob die Flurnamen auf dem Gemarkungsgebiet von Nieder-Roden nicht einen Hinweis auf die ehemalige Existenz von Kloster Rotaha, Niwenhof und Wassermühle geben können.

6. Flurnamen im Bereich des vermuteten Standortes des Klosters Rotaha

In der Auswertung festgestellter Flurnamen fielen Flurnamen auf, die als übliche Bezeichnung einer Ortsgemarkung aus dem Rahmen fielen, ja „exotische „ Merkmale trugen.

Hinzu kam, dass sich diese Art der Flurnamen im Bereich des Rollwaldes (Teil des Ortes Nieder-Roden) besonders häuften.

Dazu kamen noch topografische Hinweise aus der Erstvermessung von 1856, die - im Zusammenhang betrachtet- erst einen Sinn ergeben. Sie vermitteln uns eine eindeutige Nachricht über die Zeit, als das Kloster Rotaha im Verbund mit der Wassermühle in der Obhut der Vogtei Niwenhof existierte.

Die Signale treten so massiert auf, so dass man nicht mehr von einer zufälligen Ansammlung der hinweisenden Flurnamen sprechen kann.

Die ins Auge fallenden Flurnamen heißen im Einzelnen:

- Auf der Königswiese
- Das Selig
- Auf den neuen Röttern
- Mitten auf dem Müllemrad
- Das Mühlenfeldchen
- Im Bettelahl
- Beim Gickelsbusch
- Neben dem Gänsgraben
- Vor dem Kreuzberg, Hinter dem Kreuzberg
- Hinter den Heiligen und den Wildhubäckern
- Über den Nonnenäckern

Daneben wird noch über die Marcha raodora, den Rollweg und die Seen gesprochen, die einst das Landschaftsbild in der Gegend des Rollwaldes prägten.

7. Auf der Königswiese

Nieder- Roden liegt abseits des Weltgeschehens. Vom Mittelalter her ist nicht bekannt, dass sich ein Landesherrscher einmal nach Nieder-Roden verirrt hätte. Da war das benachbarte Seligenstadt besser dran.

[...]


[1] Internet – Flurnamen

[2] Internet – Die Flurnamen von Riehe

[3] Elke Lüken „ Flurnamen der Klosterstandorte - Hinweise und Spuren auf die Klöster in Flurnamen“, 2007

[4] Internet: Institut für geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V.

[5] Karl Pohl: „Die Flurnamen in der Gemarkung Nieder-Roden“, 2008 Hrsg. Arbeitskreis für Heimatkunde Nieder –Roden e.V.

[6] Leuschner / Schallmayer: 1200 Jahre Ober –Roden in der Rödermark 1986

[7] Internet: „Historischer Verein für Mittelboden e.V. Abt. Flurnamen und Mundart“

[8] Karten und Grundbücher der Erstvermessung von 1856 durch Simon Reichhuber. Archiv der Stadt Rodgau

[9] Codex Laureshamensis CL 12

[10] Internet: Kloster Rotaha – Wikipedia

[11] Codex Laureshamensis CL 58

[12] J. W. Chr. S t e i n e r (1820) , Bachgau III. .Theil { Ein Foto der besprochenen Urkunde befindet sich in „ 1100 Jahre Obertshausen“, Herausgeber: Gemeindevorstand, Handschrift von 865}

[13] Internet:Triumvirat –Wikipedia

[14] Codex Laureshamensis CL 17

[15] Codex Laureshamensis CL 1965

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Das karolingische Kloster Rotaha im Lichte der Flurnamen Nieder-Rodens
Autor
Jahr
2012
Seiten
40
Katalognummer
V199706
ISBN (eBook)
9783656280224
ISBN (Buch)
9783656281573
Dateigröße
654 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kloster, rotaha, lichte, flurnamen, nieder-rodens
Arbeit zitieren
Dipl.Ing. (TU) Karl Pohl (Autor), 2012, Das karolingische Kloster Rotaha im Lichte der Flurnamen Nieder-Rodens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/199706

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