Rechnungswesen: Einführung in die doppelte Buchführung und Kosten- und Leistungsrechnung

Kompendium für Einsteiger und zur Vorbereitung auf die schriftlichen Prüfungen der Finanzbuchhalterlehrgänge der Volkshochschulen


Fachbuch, 2012
120 Seiten

Leseprobe

THEMA

Doppelte Buchführung
1. Teil Allgemeine Grundlagen (für alle Kontenrahmen geeignet)
01) Rechtliche Pflichten
02) Begriff und Bestandteile des Rechnungswesens im Überblick
03) Aufgaben der doppelten Buchführung
04) Aufgaben und Struktur der Bilanz
05) Wie kommen die Werte in die Bilanz? Inventur und Inventar
06) Unterschiede zwischen Inventar und Bilanz:
07) Wertbewegungen in der Bilanz
08) Warum überhaupt eine Buchführung?
09) Was bedeutet eigentlich „doppelte Buchführung“?
10) Die Bildung von Buchungssätzen und Kontierung
11) Wichtige Bewertungsgrundsätze
12) Eröffnungsbilanzkonto und Schlussbilanzkonto
13) Kontenrahmen und Kontenplan
14) Bücher der doppelten Buchführung
15) Das Gewinn- und Verlustkonto
16) Erfolgsermittlung durch Eigenkapitalvergleich

Doppelte Buchführung
2. Teil Buchhalterische Einzelfälle (nach dem Kontenrahmen der Industrie)
01) Buchung von Bestandsveränderungen an fertigen und unfertigen Erzeugnissen
02) Buchung von Abschreibungen
03) Buchung geringwertiger Wirtschaftsgüter
04) Einführung in das Wesen der Umsatzsteuer und Buchung der Steuerkonten
05) Buchung privater Vorgänge
06) Buchungen im Beschaffungs- und Absatzbereich
07) Buchung von Anzahlungsgeschäften
08) Buchungen im innergemeinschaftlichern Güterverkehr
09) Buchungen im Lohn- und Gehaltsbereich
10) Buchungen im Finanzverkehr
11) Buchungen im Sachanlagenbereich
12) Buchungen aktivierungspflichtiger Eigenleistungen
13) Steuerbuchungen
14) Buchung zeitlicher Abgrenzungen
15) Buchung von Forderungsabschreibungen
16) Buchung von Rückstellungen

Kosten- und Leistungsrechnung
1. Teil Grundlagen
01) Aufbau der Kosten- und Leistungsrechnung
02) Wichtige Grundbegriffe
03) Einteilungsmöglichkeiten von Kosten und Kostenbegriffe

Kosten- und Leistungsrechnung
2. Teil Kostenartenrechnung
01) Ziele und Aufgaben der Kostenartenrechnung
02) Sachliche Abgrenzung in der Kosten- und Leistungsrechnung
03) Kalkulatorische Kosten

Kosten- und Leistungsrechnung
3. Teil Kostenstellenrechnung
01) Ziele und Aufgaben der Kostenstellenrechnung
02) Hauptkostenstellen und Hilfskostenstellen
03) Kostenstellen im Betriebsabrechnungsbogen
04) Der Betriebsabrechnungsbogen (BAB)
05) Maschinenstundensatzrechnung

Kosten- und Leistungsrechnung
4. Teil Kostenträgerrechnung/Kalkulation
01) Ziele und Aufgaben der Kostenträgerrechnung
02) Prinzipien der Kostenträgerrechnung
03) Wichtige Kalkulationsverfahren im Überblick

Kosten- und Leistungsrechnung
5. Teil Beschäftigung, Kapazität, Beschäftigungsgrad

Kosten- und Leistungsrechnung
6. Teil Kurzfristige Erfolgsrechnung/Kostenträgerzeitrechnung

Kosten- und Leistungsrechnung
7. Teil Grundlagen der Deckungsbeitragsrechnung
01) Vollkostenrechnung und Teilkostenrechnung im Vergleich
02) Einführung in die Deckungsbeitragsrechnung
03) Bestimmung der Gewinnschwellenmenge
04) Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung
05) Absolute und relative Deckungsbeiträge unter Berücksichtigung eines optimalen Produktionsprogramms
06) Preisuntergrenzen
07) Deckungsbeitragsrechnung als Hilfsmittel bestimmter unternehmerischer Entscheidungen

Doppelte Buchführung

1. Teil Allgemeine Grundlagen (für alle Kontenrahmen geeignet)

01) Rechtliche Pflichten

Bevor auf die Technik der doppelten Buchführung (Doppik = „doppelte Buchführung in Konten“) eingegangen wird, sollte anfangs die Frage beantwortet werden, wer überhaupt zur Vornahme einer doppelten Buchführung verpflichtet ist.

Pflicht nach Handelsrecht

Grundsätzlich gilt: Wer sein Gewerbe im Handelsregister eingetragen hat, der muss gemäß § 238 HGB Handelsbücher führen. Daraus leiten wir ab, dass für eingetragene Kaufleute grundsätzlich eine handelsrechtliche Pflicht zur doppelten Buchführung besteht. Für alle anderen gewerblich oder beruflich tätigen Unternehmer (z.B. Freiberufler) besteht umgekehrt also keine Pflicht.

Pflicht nach Steuerrecht

Nach § 140 der Abgabenordnung (AO) muss jeder Unternehmer, der nach Handelsrecht eine doppelte Buchführung betreibt, dieses auch für die Besteuerung tun (§§ 4 (1) + 5 (1) EStG).

Nicht im Handelsregister eingetragenen Unternehmern ist es erlaubt, eine Einnahmenüberschussrechnung vorzunehmen (§ 4 (3) EStG).

02) Begriff und Bestandteile des Rechnungswesens im Überblick

Das betriebliche Rechnungswesen gliedert sich in:

Geschäftsbuchhaltung

Hierunter versteht man das Buchen der Geschäftsfälle und das Führen der Geschäftsbücher. Die Geschäftsbuchhaltung ist Teil des internen Rechnungswesens, d.h. sie richtet sich in erster Linie an das Unternehmen bzw. die Unternehmensleitung selbst. Ihre Durchführung ist an keine gesetzlichen Bestimmungen gebunden.

Finanzbuchhaltung

Die Finanzbuchhaltung umfasst alle Maßnahmen, die den betrieblichen Jahresabschluss betreffen. Hierzu gehören die Inventur, die Erstellung der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung (Bewertung) sowie die Verteilung von Gewinn und Verlust an die Gesellschafter und die Bilanzanalyse. Gerade die Bewertung ist an strenge Gesetze gebunden, die sich hauptsächlich aus dem Steuerrecht ergeben. Die Finanzbuchhaltung ist nach außen gerichtet (externes Rechnungswesen), d.h. sie richtet sich in erster Linie an verschiedene Gläubiger.

Kosten und Leistungsrechnung

Das Endziel dieses Teils des internen Rechnungswesens ist die Kalkulation der Verkaufspreise. Hierzu wird zunächst ermittelt, welche Kosten in welchem Teil des Unternehmens angefallen sind. Später werden dann diese Kosten anteilsgerecht auf die Kostenträger verteilt. Dies kann je nach Art des Unternehmens auf unterschiedliche Weise geschehen. Die Leistungsrechnung beschäftigt sich dann schließlich mit der Bewertung der Wirtschaftsgüter.

Weitere wichtige Aufgaben der Kosten- und Leistungsrechnung sind die ständige Kontrolle der betrieblichen Wirtschaftlichkeit und die Bereitstellung von Zahlenmaterial für weitere Zwecke.

Statistik

Im Groben handelt es sich um einen übersichtlichen Vergleich von didaktisch aufbereitetem Zahlenmaterial.

Planungsrechnung

Unter einer Planungsrechnung versteht man eine betriebliche Vorschaurechnung anhand verschiedenartiger Pläne. Vor allem seien hier Gründungspläne, Finanzpläne, Beschaffungs- und Absatzpläne zu nennen.

Controlling

Controlling beschreibt im deutschen Sprachraum die Kontrolle, vor allem aber die Steuerung eines Unternehmens anhand verschiedener Maßnahmen.

Werden alle Teilbereiche des Unternehmens gemeinsam betrachtet, ergibt sich für den Begriff des Rechnungswesens folgende Deutung:

Unter Rechnungswesen versteht man unter Wahrung aller gesetzlichen Vorschriften ein „Abbild“ des betrieblichen Leistungsprozesses durch eine lückenlose Aufzeichnung aller Vorgänge, die den Unternehmenserfolg bestimmen.

Dabei bildet die Buchführung, wenn man es so will, die erste Stufe des Rechnungswesens. Sie sammelt Daten, Fakten, Belege und ordnet Zahlenmaterial, welches in die anderen Bereiche des Rechnungswesens weitergegeben wird.

03) Aufgaben der doppelten Buchführung

Zu den Aufgaben einer doppelten Buchführung gehören:

a) Feststellung des Standes von Vermögen und Schulden
b) Aufzeichnung aller Wertveränderungen durch die laufenden Geschäftsfälle
c) Ermittlung des Unternehmenserfolgs durch Erfassung aller Aufwendungen und Erträge des Geschäftsjahres
d) Ermittlung von Zahlenmaterial zur weiteren Verwendung
e) Schutz der Gläubiger durch realistische Darstellung der Vermögenslage
f) Beweismittel bei Rechtsstreitigkeiten
g) innerbetriebliche Kontrolle
h) Lieferung von Zahlenmaterial für eine optimale Besteuerung

04) Aufgaben und Struktur der Bilanz

Um die buchhalterischen Abläufe verstehen zu können, ist es erforderlich, sich zunächst mit der Struktur des eigentlichen Ziels der Buchführung auseinander zu setzen: der Bilanz. Die Erstellung der Bilanz ist gemäß § 242 HGB gesetzliche Pflicht. Dabei handelt es sich um eine Gegenüberstellung des Vermögens mit dem Kapital. Beide Seiten müssen sich dabei die Waage halten. Der Aufbau einer Bilanz unterliegt gesetzlichen Bestimmungen, die im Modul „Bilanzierung“ besprochen werden, und deshalb an dieser Stelle nicht weiter vertieft werden.

Die Bilanz ist eine zweispaltige Tabelle mit folgenden Inhalten:

Aktiva (Vermögen) Bilanz Passiva (Kapital)

Das Kapital ist im Vermögen gebunden. Somit besteht eine Beziehung zwischen den Bilanzseiten, die im Folgenden erläutert wird.

Der Aufbau der Bilanz ist für mittlere und große Kapitalgesellschaften vorgeschrieben (§ 266 HGB). Alle anderen Unternehmungen orientieren sich hieran.

Im Weiteren sind leere Zeilen in der Bilanz durch eine Buchhalternase zu entwerten, die Bilanzsummen sind doppelt zu unterstreichen. Die Bilanz ist vom Unternehmer zu unterschreiben.

05) Wie kommen die Werte in die Bilanz? Inventur und Inventar

Die Werte in der Bilanz werden durch Inventur ermittelt. Hierunter versteht man eine Reihe von Maßnahmen zur Aufnahme aller Vermögensteile und Schulden durch zählen, messen, wiegen, schätzen, bewerten und durch den Abschluss der Konten in der Buchführung.

Die Ergebnisse der Inventur werden geordnet erfasst in einer Liste, die man Inventar nennt. Es besteht aus drei Teilen:

A. Vermögens- und Besitzteile
B. Schulden
C. Eigenkapitalermittlung (Reinvermögen)

Auf Grundlage u.a. des Inventars wird schließlich die Schlussbilanz erstellt.

06) Unterschiede zwischen Inventar und Bilanz:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

07) Wertbewegungen in der Bilanz

Jeder gebuchte Geschäftsfall (Hierunter versteht man betriebliche Vorgänge, die Zahlenmaterial liefern.) hat einen unmittelbaren Einfluss auf die Jahresbilanz.

Man unterscheidet dabei vier Möglichkeiten:

1. Aktivtausch

Beispiel: Barabhebung von der Bank 300,00 €

Angesprochen sind die Bilanzposten Kasse und Bank. Beide Posten befinden sich auf der Aktivseite der Bilanz. Dabei erhöht sich der Kassenbestand um 300,00 €, das Bankkonto vermindert sich um den gleichen Betrag.

Mehrung eines Aktivpostens, bei gleichzeitiger Minderung eines anderen Aktivpostens

2. Passivtausch

Beispiel: Umwandlung einer kurzfristigen Schuld in eine langfristige Schuld 1.000,00 €

Angesprochen sind die Bilanzposten Verbindlichkeiten und Darlehen. Beide Posten befinden sich auf der Passivseite der Bilanz. Dabei erhöht sich der Darlehensbestand um 1.000,00 €, das Konto Verbindlichkeiten vermindert sich um den gleichen Betrag.

Mehrung eines Passivpostens, bei gleichzeitiger Minderung eines anderen Passivpostens

3. Aktiv-Passiv-Mehrung

Beispiel: Kauf von Büroschränken auf Ziel (= Rechnung) für 800,00 €

Angesprochen sind die Bilanzposten Betriebs- und Geschäftsausstattung und Verbindlichkeiten. Der Posten Betriebs- und Geschäftsausstattung befindet sich auf der Aktivseite, der Posten Verbindlichkeiten auf der Passivseite der Bilanz.

Beide Posten erhöhen sich um den gleichen Betrag, da der Geschäftsfall das Vermögen und gleichzeitig die Schulden um 800,00 € vermehrt.

Mehrung eines Aktivpostens, bei gleichzeitiger Mehrung eines Passivpostens

4. Aktiv-Passiv-Minderung

Beispiel: Wir bezahlen eine Liefererschuld durch Banküberweisung 750,00 €

Angesprochen sind die Bilanzposten Verbindlichkeiten und Bank. Der Posten Verbindlichkeiten befindet sich auf der Passivseite, der Posten Bank auf der Aktivseite der Bilanz. Beide Posten vermindern sich um den gleichen Betrag, da der Geschäftsfall das Bankvermögen und gleichzeitig die Liefererschulden um 750,00 € vermindert.

Minderung eines Aktivpostens bei gleichzeitiger Minderung eines

Passivpostens

08) Warum überhaupt eine Buchführung?

Eine Bilanz ist tabu. Sie darf nicht geändert, verändert oder modifiziert werden. Aus diesem Grunde dürfen die genannten Wertbewegungen nicht direkt auf der Bilanz, sondern müssen auf Konten erfasst werden. An dieser Stelle beginnt der Übergang in die doppelte Buchführung.

09) Was bedeutet eigentlich „doppelte Buchführung“?

Es gibt unterschiedliche Deutungen, weshalb eine doppelte Buchführung eben doppelt ist:

a) Jeder Geschäftsfall wird doppelt gebucht, einmal auf der Sollseite (linke Seite) und einmal auf der Habenseite (rechte Seite) eines Kontos.
b) Es gibt zwei Möglichkeiten einer Gewinnermittlung:
b1) über die Erfolgsrechnung (Gewinn- und Verlustrechnung)
b2) durch den Eigenkapitalvergleich:
c) Es gibt zwei elementare Bücher der Buchführung, das Grund- und das

Hauptbuch, die durch mehrere Nebenbücher ergänzt werden.

10) Die Bildung von Buchungssätzen und Kontierung

Buchungssätze werden aus Geschäftsfällen konstruiert.

Um Buchungssätze formulieren zu können, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

1) Der Geschäftsfall muss Hinweise auf mindestens zwei Konten enthalten.
2) Der Geschäftsfall muss Hinweise auf Geldbeträge enthalten.

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, so kann mit der Formulierung des Buchungssatzes begonnen werden. Dazu muss der Buchhalter zunächst ermitteln, welche Konten von diesem Geschäftsfall betroffen sind.

Ist diese Frage beantwortet, muss man sich darüber Gedanken machen, auf welcher Seite der ermittelten Konten eine Mehrung bzw. Minderung stattfindet.

Um dieses Problem zu lösen, muss dem Buchhalter klar sein, auf welcher Bilanzseite (links oder rechts) die jeweiligen Konten zu finden sind.

Die nachfolgende Bilanz enthält hilfsweise für den Buchführungsanfänger wichtige Posten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anmerkungen:

1. „Forderungen“ werden gebucht, wenn wir unserem Kunden auf Ziel (also auf Rechnung) Güter verkaufen
2. „Verbindlichkeiten“ werden gebucht, wenn wir auf Ziel (also auf Rechnung) Güter einkaufen oder Dienstleistungen in Anspruch nehmen.

Die Konten, die nun auf der linken Bilanzseite zu finden sind, haben ihren Anfangsbestand im Konto gleichfalls auf der linken Seite (Sollseite). Die betragsmäßigen Mehrungen der einzelnen Konten werden unterhalb des Anfangsbestands auf der Sollseite gebucht.

Die Konten, die dagegen auf der rechten Bilanzseite zu finden sind, haben ihren Anfangsbestand dementsprechend im Konto auf der rechten Seite (Habenseite). Die betragsmäßigen Mehrungen der einzelnen Konten werden unterhalb des Anfangsbestands auf der Habenseite gebucht.

Nachdem mindestens eine Sollseite und mindestens eine Habenseite gefunden wurden, wird der Buchungssatz abgelesen in der Leserichtung

SOLL

an HABEN

Es folgen hierzu zwei ausführlich ausformulierte Beispiele:

1. Beispiel

Der Geschäftsfall soll heißen:

Bareinzahlung auf das Bankkonto 1.000,00 €

a) Sind die Voraussetzungen eines Geschäftsfalls gegeben?

Ja. Es sind mindestens 2 Konten angesprochen. Der Geldbetrag ist ebenfalls angegeben.

b) Auf welche Konten weist dieser Geschäftsfall hin?

Auf die Konten „Bank“ und „Kasse“.

c) Welche Auswirkungen hat dieser Geschäftsfall auf die ermittelten Konten?

Aus der Übungsbilanz entnehmen wir, dass beide Konten auf der linken Bilanzseite stehen. Beide Konten haben daher ihren Anfangsbestand auf der linken Kontoseite. Das heißt auch, dass beide Konten ihre wertmäßigen Mehrungen ebenfalls auf der linken Seite verbuchen.

Für dieses Beispiel bedeutet das:

Das Bankkonto wird wertmäßig erhöht. Die Erhöhung erfolgt auf der linken Kontoseite. Hier wird jetzt im Soll gebucht.

Das Kassenkonto wird wertmäßig vermindert. Die Buchung der Bestandsminderung erfolgt auf der rechten Kontoseite.

Der Buchungssatz lautet damit in der Reihenfolge Soll an Haben:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Beispiel

Der Geschäftsfall soll heißen:

Rückzahlung eines Liefererkredits durch Banküberweisung 800,00 €

a) Sind die Voraussetzungen eines Geschäftsfalls gegeben?

Ja. Es sind mindestens 2 Konten angesprochen. Der Geldbetrag ist ebenfalls angegeben.

b) Auf welche Konten weist dieser Geschäftsfall hin?

Auf die Konten „Verbindlichkeiten“ und „Bank“.

c) Welche Auswirkungen hat dieser Geschäftsfall auf die ermittelten Konten?

Aus der Übungsbilanz entnehmen wir, dass das Konto „Verbindlichkeiten“ auf der rechten und das Konto „Bank“ auf der linken Bilanzseite steht.

Das bedeutet:

Das Konto „Verbindlichkeiten“ hat seinen Anfangsbestand auf der rechten Kontenseite im Haben. Die Mehrungen stehen also auch auf der Habenseite.

Das Konto „Bank“ hat seinen Anfangsbestand auf der linken Kontenseite im Soll. Die Mehrungen stehen demnach auch links.

Aber: Durch den Sinn des Geschäftsfalls ergibt sich eine Wertverminderungen auf jedem der beiden Konten. Eine Minderung wird auf dem Bankkonto im Haben und auf dem Verbindlichkeitskonto im Soll gebucht.

Der Buchungssatz lautet damit in der Reihenfolge Soll an Haben:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Merke zu den Buchungssätzen

a) Man spricht von einem einfachen Buchungssatz, wenn nur insgesamt zwei Bilanzposten (Konten) von einem Geschäftsfall betroffen sind.

b) Man spricht von einem zusammengesetzten Buchungssatz, wenn mehr als zwei Bilanzposten (Konten) von einem Geschäftsfall betroffen sind.

Merke zur Kontenführung

Unterhalb des Anfangsbestands stehen stets die Kontenmehrungen.

Die Minderungen stehen analog auf der anderen Kontenseite.

Steht der Anfangsbestand im Konto im Soll, dann steht der Schlussbestand im Haben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ausnahmen: Wenn die Bankkonten vom Unternehmer überzogen werden, ergibt sich durch den in Anspruch genommenen Kontokorrentkredit, dass die Minderungen höher sind als die Mehrungen. Anfangs- und Schlussbestand befinden sich dann beide auf der Sollseite.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Steht der Anfangsbestand im Konto im Haben, dann steht der Schlussbestand im Soll.

Ausnahmen: keine

Merke zum Kontenabschluss

1. Die wertmäßig kleinere Kontenseite wird von der wertmäßig größeren Kontenseite abgezogen.
2. Das Ergebnis ist der Schlussbestand, der auch „Saldo“ genannt wird.
3. Der Saldo wird auf die wertmäßig schwächere Seite gebucht.

11) Wichtige Bewertungsgrundsätze

Eine Buchführung soll ordnungsgemäß sein, d.h.

a) Sie soll den gesetzlichen Vorschriften entsprechen.
b) Ein sachverständiger Dritter (z.B. Steuerberater oder

Wirtschaftsprüfer) soll ohne fremde Hilfe in angemessener Zeit einen Überblick über die Lage des Unternehmens erhalten.

Wird gegen diese Ordnungsmäßigkeit verstoßen, drohen Schätzung von Vermögen, Schulden und Unternehmenserfolg, sowohl Geldstrafen bis hohe Haftstrafen.

Auch wenn die Durchführung der Buchhaltung selbst an keine gesetzlichen Vorschriften geknüpft ist, so ist sie andererseits jedoch an gesetzliche Vorschriften (Buchhaltungs- und Bewertungsregeln) zur Bilanzaufstellung nach Handels- und Steuerrecht gebunden. Hier greifen wir nochmals den Punkt a) der Ordnungsmäßigkeit der Buchführung auf:

Wesentliche für die Buchführung maßgebliche Bewertungsgrundsätze sind:

Klarheit und Übersichtlichkeit

(§ 243 (2) HGB)

zeitgerechte (auf die Rechnungsperiode bezogene) Aufstellung

(§ 243 (3) HGB)

Vollständigkeit

(§ 246 (1) HGB)

Buchungen dürfen nicht unleserlich gemacht werden

(§ 239 (3) HGB)

keine Buchung ohne Beleg

(§ 257 (1) HGB)

ordnungsgemäße Aufbewahrung von Unterlagen

(§ 257 (4) HGB / § 147 (3) AO)

12) Eröffnungsbilanzkonto und Schlussbilanzkonto

Wir wissen mittlerweile, wie die Anfangsbestände in die Konten gelangen. Wenn also ein Betrag auf der linken Seite der Eröffnungsbilanz steht, findet er sich als Anfangsbestand auf der linken Seite des entsprechenden Kontos wieder. Mit den passiven Anfangsbeständen verhält es sich dementsprechend.

Nun ist es aber so, dass jeder Betrag auf einem Konto gebucht werden muss und damit auch die Anfangs- und Schlussbestände.

Das Partnerkonto der Anfangsbestände ist das Eröffnungsbilanzskonto. Ist der Anfangsbestand in einem aktiven Bestandskonto (z.B. Grundstücke, Fuhrpark oder Technische Anlagen und Maschinen) auf der Sollseite gebucht worden, muss im Eröffnungsbilanzkonto der entsprechende Wert im Haben gebucht werden. Damit ergibt sich im Vergleich zur Eröffnungsbilanz ein spiegelverkehrtes Verhältnis.

Spiegelverkehrte Darstellung des Eröffnungsbilanzkontos im Beispiel

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Schlussbestände werden auf das Schlussbilanzkonto gebucht. Hier ergibt sich durch die Logik der doppelten Buchführung k e i n spiegelverkehrtes Verhältnis zur Schlussbilanz!

13) Kontenrahmen und Kontenplan

Kontenrahmen

Ein Kontenrahmen beinhaltet in systematisierter und geordneter Form Konten. Jeder Wirtschaftszweig (Industrie, Groß- und Außenhandel, Einzelhandel, Handwerk und Dienstleistungen) besitzt einen eigenen Kontenrahmen. Dabei handelt es sich jeweils um Empfehlungen der einzelnen Bundesverbände. Verbindlich sind Kontenrahmen seit 1953 nicht mehr.

In der Praxis werden meist Standardkontenrahmen eingesetzt (SKR).

Die Systematisierung im Kontenrahmen schlägt sich nieder in der Katalogisierung der Konten, d.h. jedem Konto wird eine eigene Kontonummer zugeordnet:

- Kontenklassen (1. Zahl von links)
- Kontengruppen (1. und 2. Zahl von links)
- Kontenart (1., 2. und 3. Zahl von links)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Industriekontenrahmen (IKR) ist nach dem Abschlussgliederungsprinzip gegliedert, was heißen soll, dass die Konten entsprechend dem Jahresabschluss angeordnet sind.

Ein weiterer Kontenrahmen der Industrie, der Gemeinschaftskontenrahmen (GKR), ist nach dem Prozessgliederungssystem aufgebaut, also gemäß den Arbeitsprozessen und Geschäftsabläufen.

Kontenplan

Der Kontenrahmen erlaubt eine weitere Unterteilung der Konten und Kontenunterarten. Diese Kontenunterarten sind auf betriebliche Schwerpunkte und Belange ausgelegt. Die vierte Stelle der Kontennummer im Kontenrahmen ist den Kontenplänen vorbehalten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

14) Bücher der doppelten Buchführung

Grundbuch (Journal)

Das Grundbuch beinhaltet die aus den Geschäftsfällen entwickelten Buchungssätze in chronologischer Ordnung. Ein amtliches Muster gibt es nicht. Ein Grundbuch könnte folgendes Aussehen haben:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hauptbuch

Das Hauptbuch beinhaltet die Buchungssätze in sachlicher Ordnung. Hier wird auf Konten gebucht.

Nebenbücher

Nebenbücher dienen der Erfassung wichtiger Details z.B. über den Zustand der Lagerbestände. Wichtige Nebenbücher sind:

- Lagerbücher für die Erfassung von Ein- und Ausgängen von Vorräten
- Kontokorrentbücher für Forderungen und Verbindlichkeiten
- Lohn und Gehaltsbuchhaltung für die Lohnabrechnung
- Anlagenkarteien, die Auskunft über Anschaffungs-/Herstellkosten, Abschreibungspläne und Buchwerte geben

15) Das Gewinn- und Verlustkonto

Aufwendungen und Erträge bestimmen den Erfolg des Unternehmens, der sich in einem Gewinn oder Verlust ausdrücken kann. Diese Erfolgskonten haben unmittelbaren Einfluss auf das Eigenkapital. Aus Gründen der Klarheit und Übersichtlichkeit dürfen diese Konten jedoch nicht direkt auf dem Eigenkapitalkonto gebucht werden, sondern auf eigenen Konten.

Beispiele für Erfolgskonten

Typische Aufwandskonten sind Büromaterial, Mietaufwendungen, betriebliche Steuern und Zinsaufwendungen.

Typische Ertragskonten sind Umsatzerlöse (im Großhandel Warenverkauf genannt), Mieterträge und Zinserträge.

Erfolgskonten werden bei Bedarf eingerichtet und weisen deshalb – im Gegensatz zu den Konten, die ihren Ursprung in der Bilanz haben, also den Bestandskonten, keinen Anfangsbestand auf.

Erfolgskonten werden abgeschlossen über das Gewinn- und Verlustkonto.

Im Gewinn- und Verlustkonto wird dann buchhalterisch der Unternehmenserfolg ermittelt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein Gewinn wird umgebucht auf die Habenseite des Eigenkapitalkontos und erhöht somit das Eigenkapital.

Ein Verlust wird umgebucht auf die Sollseite des Eigenkapitalkontos und vermindert somit das Eigenkapital.

16) Erfolgsermittlung durch Eigenkapitalvergleich

Neben der buchhalterischen Ermittlung des Reingewinns bzw. des Reinverlustes in der Gewinn- und Verlustrechnung ist es möglich, den Unternehmenserfolg durch Eigenkapitalvergleich unter Einbeziehung privater Entnahmen und Einlagen rechnerisch zu bestimmen.

Doppelte Buchführung

2. Teil Buchhalterische Einzelfälle (nach dem Kontenrahmen der Industrie)

01) Buchung von Bestandsveränderungen an fertigen und unfertigen Erzeugnissen

In der Industrie werden bekanntlich Güter gefertigt. Zwei Lagerkonten müssen in diesem Zusammenhang betrachtet werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beide Konten sind Bestandskonten, d.h. sie besitzen einen Anfangsbestand.

Vorgegeben ist in der Regel auch ein Schlussbestand lt. Inventur.

Die Werte der Anfangs- und Schlussbestände sind normalerweise unterschiedlich hoch. Der Unterschiedsbetrag deutet entweder eine

Bestandserhöhung (wenn Anfangsbestand < Schlussbestand) oder eine

Bestandsminderung (wenn Anfangsbestand > Schlussbestand) an.

Diese Lagerbestandsveränderungen werden auf das Erfolgskonto

Bestandsveränderungen umgebucht.

Reihenfolge der Buchungsarbeiten zum Kontenabschluss

a) Buchung der Schlussbestände an fertigen und unfertigen Erzeugnissen auf das Schlussbilanzkonto (kurz: SBK).
b) Umbuchung der Lagerbestandsveränderungen auf das Konto Bestandsveränderungen
c) Abschluss des Kontos Bestandsveränderungen buchen auf das Gewinn- und Verlustkonto (kurz: GuV)

Beispiel für Umbuchungen von Lagerbestandsveränderungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus diesem Beispiel ist zu erkennen, dass die Bestandsveränderungen unterm Strich einen unternehmerischen Ertrag von 3.000,00 € bewirkt haben. Das ist natürlich nicht immer der Fall, d.h. auch ein Verlust wäre denkbar. Aus diesem Grunde kann vor Abschluss der Konten Unfertige Erzeugnisse und Fertigerzeugnisse nicht genau gesagt werden, ob das Konto Bestandsveränderungen nun ein Aufwands- oder Ertragskonto ist. Vom Charakter her ist es auf jeden Fall ein Erfolgskonto und muss somit über das Gewinn- und Verlustkonto abgeschlossen werden.

02) Buchung von Abschreibungen

Einführung und Begriff der Abschreibung

Bevor die relativ einfache Art der Abschreibungsbuchung betrachtet wird, ist es sinnvoll, nützliches Hintergrundwissen über die Abschreibung zu erwerben.

Bei einer Abschreibung werden die Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten auf die Jahre der Nutzung eines Sachanlagengutes verteilt. Die Abschreibung soll der Wertminderung der Sachanlagengüter entsprechen. Die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer, die bei der Vornahme einer linearen oder degressiven Abschreibung zugrunde gelegt wird, wird den so genannten AfA-Tabellen entnommen.

Abschreibungsgründe für eine planmäßige Abschreibung technischer Verschleiß durch Abnutzung natürlicher Verschleiß durch z.B. Verrostung technischer Fortschritt Substanzverringerung.

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Details

Titel
Rechnungswesen: Einführung in die doppelte Buchführung und Kosten- und Leistungsrechnung
Untertitel
Kompendium für Einsteiger und zur Vorbereitung auf die schriftlichen Prüfungen der Finanzbuchhalterlehrgänge der Volkshochschulen
Autor
Jahr
2012
Seiten
120
Katalognummer
V200165
ISBN (eBook)
9783656267379
ISBN (Buch)
9783656267690
Dateigröße
796 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Buchführung, Kostenrechnung, doppelte Buchführung
Arbeit zitieren
Matthias Hofer (Autor), 2012, Rechnungswesen: Einführung in die doppelte Buchführung und Kosten- und Leistungsrechnung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200165

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