Risikomanagement in der Immobilienprojektentwicklung

Unter Berücksichtigung der gesetzlichen Neuregelungen auf die Projektfinanzierung


Bachelorarbeit, 2012
84 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Einleitung

1 Grundlagen der Immobilienprojektentwicklung
1.1 Charakteristika von Immobilien
1.1.1 Definition
1.1.2 Immobilienarten
1.1.3 Besonderheiten von Immobilien
1.2 Charakteristiken der Immobilien-Projektentwicklung
1.2.1 Definition
1.2.2 Projektentwicklung im Lebenszyklus einer Immobilie
1.2.3 Projektbeteiligte
1.2.4 Phasen der Immobilien-Projektentwicklung
1.2.4.1 Projektinitiierung
1.2.4.2 Projektkonzeption
1.2.4.3 Projektkonkretisierung
1.2.4.4 Projektmanagement
1.2.4.5 Projektvermarktung

2 Risikomanagement in der Immobilienwirtschaft
2.1 Definition Risikomanagement
2.2 Risikokategorien und Risikoarten
2.3 Risikomanagementprozesse in der Immobilienwirtschaft
2.3.1 Risikoanalyse
2.3.1.1 Risikoidentifikation
2.3.1.2 Risikoklassifizierung
2.3.1.3 Risikobewertung
2.3.1.4 Risikobereitschaft und Risikotragfähigkeit
2.3.2 Risikopolitik
2.3.3 Risikokontrolle und Risikosteuerung

3 Gesetzliche Rahmenbedingungen
3.1 Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG)
3.2 Baseler Eigenkapitalvereinbarung
3.2.1 Bisherige Regelungen mit Basel II
3.2.2 Neue zentrale Regelungen aus Basel III
3.2.3 Mögliche Auswirkungen von Basel III auf die Projektentwicklung
3.3 Solvabilitätsvorschriften von Versicherungsunternehmen
3.3.1 Derzeitiges Regelwerk Solvency I
3.3.2 Neue zentrale Regelungen aus Solvency II
3.3.3 Mögliche Auswirkungen von Solvency II auf die Projektentwicklung
3.4 Gesetzliche Änderungen bei Immobilienfonds
3.4.1 Novellierung des Finanzanlagenvermittler- und Vermögensanlagenrechts (VermAnlG)
3.4.2 AIFM-Richtlinie
3.4.3 Mögliche Auswirkungen für die Fondsbranche

4 Kreditrisikobeurteilung durch Rating
4.1 Kreditrisikokapital nach Basel
4.1.1 Standardansatz
4.1.2 Interner Ratingansatz (IRB)
4.2 Kapitalanforderungen nach Basel an das operationelle Risiko
4.3 Kapitalanforderungen nach Basel an das Marktrisiko
4.4 Rating
4.4.1 Ratingkriterien
4.4.2 Ratingarten
4.4.2.1 Allgemeine Unterscheidung
4.4.2.2 Ratingarten in Bezug auf Immobilieninvestitionen
4.4.3 Ratingagenturen
4.5 Auswirkungen auf die Immobilienfinanzierung

5 Finanzierung in der Immobilien-Projektentwicklung
5.1 Finanzierungsformen
5.2 Anbieter von Finanzierungen
5.3 Traditionelle Finanzierung von Projektentwicklungen
5.4 Covenants bei Immobilienfinanzierungen
5.4.1 Loan-to-Value-Ratio
5.4.2 Loan-to-Cost-Ratio (LTC)
5.4.3 Interest-Cover-Ratio (ICR)
5.4.4 Debt-Service-Coverage-Ratio
5.5 Alternative Finanzierungsformen in der Projektentwicklung
5.5.1 Eigenfinanzierungsinstrumente
5.5.1.1 Real Estate Private Equity (REPE)
5.5.1.2 Joint-Venture-Finanzierungen
5.5.2 Fremdfinanzierung
5.5.2.1 Schuldverschreibung/Hypothekenanleihen
5.5.2.2 Schuldscheindarlehen
5.5.2.3 Förderdarlehen/öffentliche Darlehen
5.5.3 Mezzanin-Finanzierung
5.5.3.1 Wandelanleihen und Optionsanleihen
5.5.3.2 Convertible Mortgage
5.5.3.3 Participating Mortgage
5.5.3.4 Genussrechte
5.5.3.5 Stille Beteiligungen
5.5.4 Sonderformen
5.5.4.1 Finanzierungen über geschlossene Fonds
5.5.4.2 Leasing
5.5.4.3 Factoring
5.5.4.4 Immobilienverbriefungen (Real Estate Securitisation)

6 Schlussbetrachtung

Quellenverzeichnis

Versicherung über die selbständige Abfassung der Bachelorarbeit

Vorwort

Die vorliegende Bachelorthesis wurde im achten Fachsemester an der Hochschule Biberach erstellt. Das Thema zur Bachelorthesis kam durch Anregung der großen Projektarbeit im siebten Fachsemester bei Herrn Prof. Klett zustande. Ihm gilt daher mein besonderer Dank, da er auch die Betreuung meiner Thesis übernommen hat.

Des Weiteren gilt mein Dank meinen Arbeitskollegen der Universität Ulm, welche mich während meines gesamten Studiums mit Dienstübernahmen etc. stets unterstützt haben. So war es mir möglich, mein Studium auf dem zweiten Bildungsweg problemlos zu finanzieren.

Weiterer Dank gilt meinen Eltern sowie meinem Bruder, die mich in jeglicher Situation meines bisherigen Werdegangs unterstützt haben. Der familiäre Rückhalt war sehr wichtig und hat mir sehr weitergeholfen während meiner Studienzeit.

Nicht vergessen seien meine Freunde, die es mir nicht übel genommen haben, falls die gemeinsame Freizeit in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Typologisierung nach Immobilienarten

Abbildung 2: Der Immobilienlebenszyklus

Abbildung 3: Akteure der Projektentwicklung

Abbildung 4: Phasenmodell des Projektentwicklungsprozesses

Abbildung 5: Übersicht Risikokategorien und Risikoarten

Abbildung 6: Risikokategorien und Risikoarten nach Maier

Abbildung 7: Basel I bis Basel III: Prozess der Regulierung und Stabilisierung

Abbildung 8: Basel III Wachsende Eigenkapitalanforderungen an Banken

Abbildung 9: Wesentliche Risiken der Kapitalanforderungen von Solvency II

Abbildung 10: Risikogewichte im Standardansatz

Abbildung 11: Ratingskalen

Abbildung 12 : Kreditvergabe nach IRB Ansatz

Abbildung 13: Beispielrechnung Kreditbepreisung

Abbildung 14: Beispiel Loan-to-Value-Ratio

Abbildung 15: Beispiel Loan-to-Cost-Ratio

Abbildung 16: Beispiel ICR und DSCR

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

Zielsetzung dieser Arbeit ist es, die Auswirkungen der gesetzlichen Neuregelungen auf die Projektfinanzierung kritisch zu untersuchen. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt dabei auf der Immobilien-Projektentwicklung. Nach der Subprime-Krise wurden einige gesetzliche Änderungen zur Stabilisierung der internationalen Finanzinstitutionen eingeführt. Ziel ist die Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit der Kreditinstitute. Die Projektentwicklung hat die Krise nicht ausgelöst, jedoch ergaben sich bereits zum Ausbruch der Finanzkrise erste Probleme für die Branche bei der Finanzierung. Jedoch konnten die Finanzierungsprobleme gut gelöst werden, und es kam nicht zur befürchteten Kreditklemme. Vier Jahre nach der Finanzkrise gibt es bereits erste Anzeichen dafür, dass im Bereich der Finanzierung Schwierigkeiten auftreten können.

Im ersten Kapitel und zweiten Kapitel werden zunächst Grundlagen der Immobilien-Projektentwicklung vermittelt. Hier werden die verschiedenen Immobilienarten sowie Phasen der Immobilien-Projektentwicklung beschrieben. Anschließend werden die zahlreichen Risiken der Branche sowie der Prozess des Risikomanagements vorgestellt. Besonders hier besteht in der Immobilienbranche Nachholbedarf.

Im folgenden Kapitel werden die gesetzlichen Rahmenbedingungen betrachtet. Dabei werden speziell Basel III, Solvency II, die Novellierung des Finanzanlagenvermittler- und Vermögensanlagenrechts sowie die neue AIFM- Richtlinie beschrieben. Dabei werden zunächst die Aspekte für die Entstehung und die Gründe sowie die Neuerungen, die sich ergeben, aufgezeigt. Anschließend werden der Zeitplan der Einführung sowie mögliche Auswirkungen und zukünftige Anforderungen aus den jeweiligen Gesetzen für die Branche betrachtet.

Darauf aufbauend werden im vierten Kapitel die spezifischen Aspekte bei der Kreditvergabe dargestellt. Dabei werden die Ratingansätze, die den Kreditinstituten zur Verfügung stehen, skizziert und der Frage nachgegangen, wie die Projektentwicklungsunternehmen die Kreditkosten senken können.

Im letzten Kapitel werden als Folge der aktuellen Situation um die Staatsschuldenkrise und die gesetzlichen Neuerungen Reaktionsalternativen bei der Finanzierung von Immobilienprojekten dargestellt.

1 Grundlagen der Immobilienprojektentwicklung

1.1 Charakteristika von Immobilien

1.1.1 Definition

Der Begriff „Immobilie“ ist in der Gesetzgebung nicht definiert. Juristisch von großer Bedeutung ist jedoch der Begriff „Grundstück“, welcher zur Definition des Immobilienbegriffs führen kann. Gemäß den §§ 93 bis 97 BGB gehören zu einem Grundstück wesentliche Bestandteile, die mit Grund und Boden fest verbunden sind. Der Begriff Immobilie ist somit ein Sammelbegriff für ein Grundstück und die darauf befindlichen Grundstücksbestandteile.[1]

1.1.2 Immobilienarten

Die Unterscheidung der Immobilienarten nach Wohn-, Gewerbe-, Industrie- und Sonderimmobilien ist weit verbreitet, wie es der Abbildung 1 zu entnehmen ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Typologisierung nach Immobilienarten[2]

Bei dieser Unterscheidung ist die Funktion ausschlaggebend. Wohnimmobilien stellen Raum zur Befriedigung von Wohnbedürfnissen zur Verfügung. Gewerbeimmobilien liefern Raum, in welchem erwerbswirtschaftliche Zwecke verfolgt werden. Industrieimmobilien bieten Unternehmen Raum zur Erstellung und Bearbeitung industrieller Güter. Die Zuordnung der Sonderimmobilien ist jedoch weitaus komplexer.[3] Aufgrund der Vielfalt werden Sonderimmobilien auch Spezialimmobilien genannt, da diese einer spezifischen, nicht industriellen Nutzung dienen. Die Drittverwendungsfähigkeit ist gering, jedoch haben Sonderimmobilien oftmals Potenzial für höhere Erträge, sind aber auch risikobehafteter. Beispiele für Sonderimmobilien sind Freizeitimmobilien wie Vergnügungsparks, Theater, Kinos, Sozialimmobilien wie Krankenhäuser, Seniorenresidenzen oder auch Verkehrs- und Infrastrukturimmobilien wie Flughäfen und Kraftwerke.[4]

1.1.3 Besonderheiten von Immobilien

Die Eigenschaften von Immobilien sind physisch-technischer oder ökonomischer Natur. Die physisch-technischen Eigenschaften sind absolut nicht veränderbar. Demgegenüber können Beschränkungen durch ökonomische Eigenschaften prinzipiell entweder durch geschicktes Management oder durch gesellschaftlichen Wandel überwunden werden. Daraus ergeben sich wesentliche charakteristische Eigenschaften, welche wichtige Faktoren für die Entscheidungsfindung in der Immobilienwirtschaft sind.[5]

Immobilität/Standortgebundenheit

Diese sowohl physische und auch ökonomische Eigenschaft von Immobilien ist wesentlich. Immobilien sind unbeweglich und somit an Ihren Standort gebunden. Die Nutzungsmöglichkeiten und der ökonomische Wert werden über die Lage einer Immobilie bestimmt. Investitionsentscheidungen stehen immer in Abhängigkeit zur regionalen Wirtschaftsstruktur und Arbeitsmarktsituation sowie der technischen und kulturellen Infrastruktur eines Standortes. Des Weiteren sind die Eigentumsverhältnisse der benachbarten Grundstücke und die Nutzung der Grundstücke entscheidend für die wirtschaftliche Identität eines Standortes. Diese Faktoren sind nicht veränderbar.[6]

Einmaligkeit

Selbst bei gleichem Grundriss ist jede Immobilie ein Unikat. Die Einmaligkeit resultiert aus der Lage. Auch identische Wohnungen in einem Mehrfamilienhaus am selben Standort sind nicht gleich, trotz gleichem Grundriss gibt es immer noch Unterschiede in der Beleuchtung und Beschallung.[7]

Heterogenität

Aus der Einmaligkeit ergibt sich die Heterogenität, was Ungleichartigkeit der Immobilien bedeutet. Die Heterogenität kann größer oder sehr klein sein und in Richtung der homogenen Güter gehen. Die Ungleichartigkeit ist größer, wenn bspw. Büroimmobilien in verschiedenen Städten miteinander konkurrieren. Diese konkurrieren insoweit miteinander, wie die Entscheidung eines Unternehmens für die Ansiedlung an einem Standort getroffen wird. Die Heterogenität ist sehr klein, wenn bspw. zwei Zwei-Raum-Wohnungen mit gleichem Grundriss in unterschiedlichen Etagen miteinander konkurrieren.[8]

Dauer des Entwicklungsprozesses

Der Zeitraum zur Fertigstellung einer Immobilie und Übergabe an den Nutzer beträgt erfahrungsgemäß zwei bis fünf Jahre oder länger. Die Laufzeit ist abhängig vom Planungs- und Baurecht, von der Größe und Komplexität, der Bauweise sowie von der Organisationsfähigkeit des Bauherrn und der Projektbeteiligten des Bauvorhabens.[9] Unsicherheiten ergeben sich aus dem nicht exakt vorhersehbaren Genehmigungsverfahren, aus witterungsbedingten Verzögerungen in der Bauphase sowie auch häufig aus einem mangelhaften Planungs- und Baumanagement.[10]

Höhe des Investitionsvolumens

Eine weitere Besonderheit von Immobilien ist die hohe Investitionssumme. Es ergibt sich meist eine hohe Kapitalbindung für Investoren, die Immobilien zum Zwecke der Vermietung bzw. zur Eigennutzung in ihrem Bestand haben. Die Dauerhaftigkeit der hohen Kapitalbindung hängt vom Zeitraum des Immobilieneigentums ab. Bei Zwischeninvestoren ist der Zeitraum relativ kurz, sonst eher lang. Dennoch tragen die Investoren das Risiko einer veränderten Marktlage in Form von stagnierenden oder sinkenden Mietpreisen, was die Werthaltigkeit einer Immobilie beeinflusst.[11]

Lebenszyklus einer Immobilie

Der komplette Wertverlust einer Immobilie ist für gewöhnlich nicht zu erwarten, da die Nutzungsmöglichkeit von Grund und Boden normalerweise nicht begrenzt ist. Daher zählt die Immobilie zu den langlebigsten Wirtschaftsgütern. Für das Gebäude ist die ökonomische von der physisch-technischen Nutzungsdauer zu unterscheiden. Die ökonomische Nutzungsdauer von Gebäuden ist in den letzten Jahren tendenziell kürzer geworden, da die Anforderungen der Gebäudenutzer sich immer schneller verändert haben. Die technische Lebensdauer von Gebäuden übertrifft regelmäßig die wirtschaftliche Nutzungsdauer.[12] Aufgrund dessen kommt es dazu, dass Immobilien in ihrem Lebenszyklus mehrfach revitalisiert werden, um erneut einen ökonomischen Nutzen zu erzielen. Des Weiteren gibt es bei Immobilien hohe Übertragungskosten, sowohl bei der Übertragung des Eigentums wie auch der Nutzung. Diese entstehen bei einer Eigentumsübertragung durch die Erwerbsnebenkosten in Form von Grunderwerbssteuer, Notar- und Amtsgerichtsgebühren sowie ggf. der Maklercourtage. Bei einer Nutzungsübertragung kommen Kosten in Form von Umzugskosten, Aufwendungen für Adressumschreibungen etc. und evtl. der Maklercourtage hinzu.[13]

Begrenzte Substituierbarkeit

Nutzer können Flächen nur sehr begrenzt durch andere Wirtschaftsgüter ersetzen. Aufschieben kann man den Bedarf nur bedingt in zeitlicher und qualitativer Hinsicht. Wohnen zählt zu den grundlegenden Bedürfnissen des Menschen. Ebenso bilden gewerbliche Flächen eine Grundvoraussetzung für die unternehmerische Existenz.[14]

1.2 Charakteristiken der Immobilien-Projektentwicklung

1.2.1 Definition

Gesetzlich gibt es für den Begriff der Immobilien-Projektentwicklung keine Definition. Ebenso konnte sich in der Immobilienwirtschaft bisher keine einheitliche Begriffsbestimmung durchsetzen. Projekt leitet sich aus dem lateinischen Wort „projectum“ ab, welches „das nach vorne Geworfene“ bedeutet. Somit kann das Wort Projekt mit „etwas voranbringen“ übersetzt werden. Gemeinsam mit dem Wort „Entwicklung“ ist es dem allgemeinen Sprachgebrauch nach etwas, das ständig weiterentwickelt wird, bis es zur Realisierung gelangt. In der Immobilienwirtschaft steht die Bezeichnung für die Prozedur und Erstellung von in der Regel größeren Projekten. Es umfasst dabei die Phasen vom Projektanstoß bis zur Realisierung inklusive des Verkaufes des Projektes. Neben der Projektidee sind immer das Grundstück, das Kapital und die Nutzung der Immobilie notwendige Komponenten. Ziel ist es in der Regel, eine Rendite zu erwirtschaften, um eine rentable Investition zu tätigen.[15]

1.2.2 Projektentwicklung im Lebenszyklus einer Immobilie

Im Laufe des Lebenszyklus einer Immobilie wird eine Projektentwicklung meist häufiger erforderlich, da sich diese sowohl auf Neubauten als auch auf die Revitalisierung von Bestandsobjekten erstreckt. Die Dauer der Projektentwicklungsphase variiert in Abhängigkeit von Standort und Gebäudetyp normalerweise zwischen zwei und vier Jahren, jedoch kann sie auch deutlich darüber liegen. Mit der Projektentwicklung bzw. der Bebauung eines Grundstücks beginnt der Lebenszyklus einer Immobilie.

Je hochwertiger die Lage und je flexibler die Bebauung eines Neubauprojektes ist, desto länger ist die Nutzungsdauer. Die technische Lebensdauer kann durch Instandhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen erheblich verlängert werden. Je flexibler das Neubauprojekt geplant wurde desto einfacher ist es, auf geänderte Marktbedingungen zu reagieren. Aus ökonomischer Sicht erfolgt eine Aufrechterhaltung und Anpassung der Nutzung, wenn Nutzen und Ertrag in ausgewogenem Verhältnis zu den damit verbundenen Kosten stehen. Durch fehlende Flexibilität in der Nutzung und mangelnde Instandhaltung sowie unprofessionelles Management, aber auch durch negative externe Einflüsse oder ungünstige Marktverhältnisse kommt es zu einer Phase des Leerstandes. Ist eine Drittverwendungsfähigkeit der Immobilie auf dem Markt gegeben, kann sich die Suche nach Fremdnutzern als sinnvolle Alternative ergeben. Erhöhtem bzw. vollständigem Leerstand kann in aller Regel nur durch eine Umstrukturierung bzw. durch Abriss des Gebäudes mit anschließender Projektentwicklung begegnet werden.[16]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Der Immobilienlebenszyklus[17]

1.2.3 Projektbeteiligte

Während des Projektentwicklungsprozesses findet eine interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Akteure statt. Dem Projektentwickler ist es aufgrund der Vielschichtigkeit der Problemstellungen nicht möglich, sämtliche Aufgaben selbst durchzuführen. Die Aufgabe des Projektentwicklers besteht vielmehr darin, den Entwicklungsprozess zu koordinieren. In der folgenden Abbildung werden mögliche Akteure in der Projektentwicklung gezeigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Akteure der Projektentwicklung[18]

1.2.4 Phasen der Immobilien-Projektentwicklung

Der Projektentwicklungsprozess umfasst sämtliche Tätigkeiten, die erforderlich sind, um ein Projekt von der Initiierung bis zur Baufertigstellung und Nutzungsübergabe heranzubilden. Dabei gliedern sich die Phasen in vier Hauptkomponenten. Hinzu kommt die Projektvermarktung, diese begleitet den Entwicklungsprozess in allen Phasen und beinhaltet alle Aktivitäten, um das Projekt zu vermieten bzw. zu verkaufen. Die wesentlichen Entscheidungsschritte kann man in fünf Phasen unterteilen. Die fünf Phasen, welche im Folgenden erläutert werden, lauten:[19]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Phasenmodell des Projektentwicklungsprozesses[20]

1.2.4.1 Projektinitiierung

Bei der Projektinitiierung entstehen die Ideen für die Entwicklung eines Projektes. Die Projektinitiierung lässt sich allgemein in drei Ausgangssituationen differenzieren.

Standort sucht Projektidee

Die Ausgangssituation hierbei ist anders als bei der sonst vertretenen Auffassung, dass eine erfolgreiche Projektentwicklung vor allem von den drei Faktoren „Lage, Lage, Lage“ abhängig ist. Für einen vorhandenen Standort wird eine geeignete Projektidee bzw. Nutzungskonzeption gesucht. Auf Grundlage der Einschätzung des Immobilienmarktes und der Rahmenbedingungen sowie der Qualität des vorgegebenen Standortes besteht die Aufgabe darin, die Eignung des vorgegebenen Standortes für eine bestimmte Immobiliennutzung herauszuarbeiten und ein grobes Nutzungskonzept und eine erste überschlägige Wirtschaftlichkeitsberechnung zu entwickeln.

Projektidee sucht Standort

Hierbei wird für eine vorhandene Projektidee nach einem geeigneten Standort gesucht. Die verschiedenen Grundstücke sind auf ihre Eignung für die vorgegebene Nutzungskonzeption im Rahmen einer Standortanalyse zu untersuchen. Hierzu wird normalerweise eine Nutzwertanalyse durchgeführt, bei der zunächst einzelne Standortfaktoren entsprechend der zugrunde liegenden Nutzung gewichtet werden.

[...]


[1] Vgl. Pfnür, Andreas: Modernes Immobilienmanagement, 2011, S. 5, 6.

[2] Vgl. Walzel B. in: Schulte, K.–W.: Immobilienökonomie, 2008, S. 120.

[3] Vgl. Walzel, B. in: Schulte, K.-W.: Immobilienökonomie, 2008, S. 120.

[4] Vgl. Walzel, B. in: Schulte, K.-W.: Immobilienökonomie, 2008, S. 137.

[5] Vgl. Bone-Winkel, S., Focke, C. in: Schulte, K.-W: Immobilienökonomie, 2008, S. 17.

[6] Vgl. Brauer, Kerry-U.: Grundlagen Immobilienwirtschaft, 2011, S. 11; Schulte, K.–W.: Immobilienökonomie, 2008, S. 17.

[7] Vgl. Brauer, Kerry-U.: Grundlagen Immobilienwirtschaft, 2011, S. 11.

[8] Vgl. Brauer, Kerry-U.: Grundlagen Immobilienwirtschaft, 2011, S. 11.

[9] Vgl. Schulte, K.–W.: Immobilienökonomie, 2008, S. 19.

[10] Vgl. Brauer, Kerry-U.: Grundlagen Immobilienwirtschaft, 2011, S. 11.

[11] Vgl. Brauer, Kerry-U.: Grundlagen Immobilienwirtschaft, 2011, S. 12.

[12] Vgl. Schulte, K.-W.: Immobilienökonomie, 2008, S. 21.

[13] Vgl. Brauer, Kerry-U.: Grundlagen Immobilienwirtschaft, 2011, S. 13.

[14] Vgl. Schulte, K.-W.: Immobilienökonomie, 2008, S. 21.

[15] Vgl. Schäfer/Conzen: Praxishandbuch der Immobilien-Projektentwicklung, 2007, S. 1.

[16] Vgl. Schulte, K.-W./Bone-Winkel, Stephan: Handbuch Immobilien-Projektentwicklung, 2008, S. 70, 71.

[17] Vgl. Schulte, K.-W./Bone-Winkel, Stephan: Handbuch Immobilien-Projektentwicklung, 2008, S. 70 mit eigener Ergänzung.

[18] Vgl. Schulte, K.-W.: Immobilienökonomie, 2008, S. 262.

[19] Vgl. Schulte, K.-W.: Immobilienökonomie, 2008, S. 242.

[20] Eigene Darstellung in Anlehnung an: Schulte, K.-W.: Immobilienökonomie, 2008, S. 243.

Ende der Leseprobe aus 84 Seiten

Details

Titel
Risikomanagement in der Immobilienprojektentwicklung
Untertitel
Unter Berücksichtigung der gesetzlichen Neuregelungen auf die Projektfinanzierung
Hochschule
HBC Hochschule Biberach. University of Applied Sciences
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
84
Katalognummer
V200228
ISBN (eBook)
9783656292227
ISBN (Buch)
9783656294559
Dateigröße
6803 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Projektentwicklung, Basel, risikomanagement, risikomanagementprozess, KonTrag, solvency, AIFM, Kreditrisikobeurteilung, rating, finanzierung
Arbeit zitieren
Michael Grabinski (Autor), 2012, Risikomanagement in der Immobilienprojektentwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200228

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