Der schwäbische Städtebund im 14./15. Jahrhundert. Ein Kampf zwischen Verteidigung der Hausmacht und Rettung der Reichsfreiheit?


Hausarbeit, 2012

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Städtebünde im Spätmittelalter

2. Hauptteil: Städtebünde und Landfriedensbündnisse im Allgemeinen und am Beispiel des Schwäbischen Städtebundes
2.1. Definition, Geschichte und Probleme der Städtebünde im Allgemeinen
2.1.1. Ziele und Legitimation von Städtebünden und Landfriedensbündnissen
2.2. Anfänge und Entwicklung des ersten Schwäbischen Städtebundes ab 1376
2.2.1. Besonderheit des Landfriedensbündnisses im Jahre 1330/1331
2.2.2. Organisation, Mitglieder am Beispiel des Schwäbischen Städtebundes in der Zeit einer großen Ausdehnung 1438–1445
2.2.2.1. Organe des Schwäbischen Städtebundes
2.2.2.2. Bundesbrief des Schwäbischen Städtebundes
2.2.2.3. Finanzen im Schwäbischen Städtebund

3.Fazit:

4. Literaturverzeichnis

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung: Städtebünde im Spätmittelalter

„Der Kaiser war nicht unbedingt identisch mit dem Reich – er war sein Oberhaupt, gewiß (sic!), ansonsten aber nur mehr sein bedeutendstes Glied, Territorialfürst wie die anderen Fürsten, höchstens noch primus inter pares, mehr auf seinen Hausbesitz bedacht als auf das Reich als ganzes (sic!), in dem er gar nicht mehr wohnte, das er nur noch gelegentlich von Prag, von Budapest, von Wien aus besuchte. Unmöglich war es für ihn, seine angestammte und höchste Aufgabe wahrzunehmen, Friedens- und Rechtswahrer.“[1]

Dies könnte einen Grund für die Bildung von Städtebünden darstellen. Gleichzeitig fürchteten die Kaiser jener Zeit ihren Machtverlust, weshalb sie „Landfriedensbündnisse“ gründeten. Bei diesen standen Stadtgemeinden und Territorialherren einander bei, Frieden zu sichern.[2]

Städtebünde entstanden im 13. – 15. Jahrhundert, welche sich häufig bei Thronwechseln oder Regierungsjahren minderjähriger Könige bildeten. Diese versuchten, sich vom König und den Fürsten zu lösen und gerieten daher mit diesem in einen Konflikt. So hat Karl IV. zum Beispiel in der „Goldenen Bulle“ im Jahre 1356 Städtebünde verboten, soweit sie nicht dem Landfrieden dienten.[3] In den nächsten Jahren verstärkte sich der Widerstand in Form von „Landfriedensbündnissen“, die sowohl von den Fürsten, als auch von dem König unterstützt wurden, da vor allem die Könige befürchteten, dass ihre Hausmacht unter den Städtebünden leiden würde. Doch gerade diese Politik schadete ihnen eher.

In der Forschung ist umstritten, ob Städtebünde einen Fortschritt im Bereich der Verfassungsbildung darstellten oder nicht. Nach Gierke war gerade der Einheitsgedanke, für den die Bünde standen, von hoher Bedeutung.[4] Harro Blezinger vertrat die Auffassung, dass der Schwäbische Bund eine besondere Organisation aufzuweisen hatte – vor allem in dem Zeitraum von 1438–1445 – und Strukturen herausbildete, welche lange Zeit nachwirkten. So war beispielsweise Ulm, welche die Bundesstadt des Schwäbischen Städtebundes darstellte, auch später im Reich wichtig. Die Quellenlage zu Städtebünden ermöglicht einen guten Überblick über die Entstehung, Probleme, Zwecke und Organisation. Als schwer erwies sich, die genaueren Abläufe der Organisation des Schwäbischen Städtebundes in Quellen wiederzufinden.

Die Hausarbeit wird sich im Folgenden mit der Frage beschäftigen, wie Städtebünde entstehen, welche Organisation, Merkmale und Ziele sie besitzen und inwieweit diese in Konflikt mit der Hausmachtspolitik der Könige jener Zeit standen, die Widerstand in Form von Landfriedensbündnissen leisteten. Die Funktionen der beiden Bündnisarten sollen beschrieben und verglichen werden. Der Schwerpunkt der Hausarbeit liegt hierbei auf dem Schwäbischen Städtebund des 14. und 15. Jahrhundert gesetzt. Das Landfriedensbündnis zwischen den 22 Städten 1330/1331, das eine Grundlage für den Schwäbischen Städtebund darstellen sollte, wird genauer behandelt, da es eine Besonderheit unter den Bünden dieser Art war. Des Weiteren soll der erste Schwäbische Städtebund von 1376 und dessen Anfänge thematisiert werden und die Blütezeit der Organisation des Städtebundes zwischen 1438 und 1448.

2. Hauptteil: Städtebünde und Landfriedensbündnisse im Allgemeinen und am Beispiel des Schwäbischen Städtebundes

2.1. Definition, Geschichte und Probleme der Städtebünde im Allgemeinen

Zunächst stellt sich die Frage, wie ein „Städtebund“ definiert werden kann. Er könnte als eine vertraglich, unter Eid festgelegte Abmachung zwischen Städten, die einen Organisationsrahmen für die gemeinsamen Ziele festlegt, bezeichnet werden. Diese Einigung wird normalerweise auf Zeit geschlossen – genauso wie bei Landfriedensbündnissen. Zuerst sind Städtebünde häufig nur mit zwei Städten geschlossen worden, später auch zwischen mehreren im regionalen oder überregionalen Rahmen.[5] Die Möglichkeit für derartige Verträge gab es daher, weil die Verfassung ein ziemlich loses Gefüge darstellte. Oftmals bildeten sich Städtebünde, da die Reichsstädte sich um ihre Reichsfreiheiten und Rechte sorgten und sich somit mehr und mehr von den Fürsten und Königen zu lösen versuchten. Diese Einigungen waren mehrfach nicht von langer Dauer oder die Mitglieder wechselten. Städtebünde waren aber nicht nur eine Verbindung zwischen Städten, es beteiligten sich auch hier Fürsten, Grafen, Herren oder Ritter an der Bildung[6].

Den ältesten Städtebund stellt die 1. Lombardische Liga mit 14 Mitgliedern im Jahre 1167 dar. Ursache für die Gründung war, dass Friedrich I. den „Podesta“ (Amtsträger) die Städte in dem Reich nicht anerkannte, sondern eigene Bevollmächtigte einsetzte. Die Kommunen rissen die staatlichen Hoheitsrechte an sich und akzeptierten kein anderes Bündnis.[7] Friedrich I. hingegen wollte einen Beamtenstaat errichten und bekämpfte den Städtebund. Im Frieden von Konstanz 1183 wurden die dauerhafte Existenz des Bundes und die Verpflichtung der Mitgliedschaft der Städte auf 30 Jahre festgelegt. Indem Friedrich I. Mailand privilegierte, nutzte er die Stadt, um die übrigen Mitglieder des Bundes unter Kontrolle zu halten. Der Lombardenbund war zu einem Herrschaftsinstrument geworden. Im Bistum Lüttich existierte ein Bund gegen Stadt- und Landesherren zwischen den Städten Lüttich, Huy, Dinant, Fosses, Saint – Trond, Maastricht und Tongern, der jedoch im Jahre 1231 durch einen Fürstenspruch verboten wurde – dennoch hatte dieser weiterhin Bestand.

Generell war die reichsrechtliche Lage von Städtebünden sehr schwierig: Im Wormser Reichstag 1231 sind Städtebünde verboten worden – weder König noch fürstliche Stadtherren durften ohne gegenseitige Zustimmung derartige Einrichtungen erlauben.[8] Allerdings existierten Städtebünde weiterhin:

Seit 1234 gab es den Lütticher Städtebund, der gegen bischöfliche Stadt- und Landesherren gerichtet war. Ab 1240 kamen Städtebünde auch in vielen anderen Regionen vor, was an der Verdichtung des Städtenetzes lag. Ein weiterer Grund war die Entwicklung von Fernhandelsbeziehungen, welche den Schutz von Kaufleuten, Straßen und Waren notwendig machte.[9] Damit sich Städtebünde bilden konnten, musste eine Stadt ein gewisses Maß an Autonomie besitzen.

Nachdem in der Mitte des 13. Jahrhunderts die staufische Dynastie untergegangen war, existierte eine schwächere Zentralgewalt, wodurch Anarchie, Fehden und Unrecht eine größere Rolle spielten und die städtischen Interessen vernachlässigt wurden. Genau zu jener Zeit erlebten die Städtebünde ihren Höhepunkt mit dem auf 10 Jahren geschlossenen Rheinischen Städtebund von 1254/56, welcher zur Blütezeit eine Mitgliederanzahl von rund 70 Städten aufzuweisen hatte. Eine weitere wichtige Ursache für die beeindruckende Größe dieses Bündnisses war, dass er in der Zeit entstand, in der es keinen offiziellen König gab und der Staufer Konrad IV. und sein Gegenkönig Wilhelm von Holland sich bekämpften. Nach dem Tod des Konrad IV. gingen die staufertreuen Städte zu Wilhelm von Holland über, welcher den Städtebund ohne königliche Autorität legalisierte.[10]

In der Zeit der Instabilität diente dieser Bund vor allem der Wahrung der Sicherheit der Straßen, sowie der städtischen Rechte und Freiheiten. Ohne reichsrechtliche Sonderstellung übte er Reichsgewalt aus.[11] Dies war auch bei anderen Städtebünden ein häufig zu beobachtendes Phänomen.

Des Weiteren existierten der Thüringer Städtebund seit Beginn des 14. Jahrhunderts der Oberlausitzer Sechsstädtebund sowie der Bund der Neun Städte im Jahre 1346, die Hanse und viele andere.

Am bedeutendsten jedoch war die Gründung des Schwäbischen Städtebundes, der seine Anfänge im Jahre 1331 mit dem Landfriedensbündnis hatte. Dieses löste allerdings einen Widerstand der Fürsten aus, da es zu viele Freiheiten für die Städte bot. Daher musste der König Ludwig der Bayer im Jahre 1340 den Bund verändern. Auf die Inhalte des Landfriedensbündnisses von 1331 wird in der Hausarbeit später eingegangen Durch die „Goldene Bulle“ des Kaisers Karl IV. im Jahre 1356 wurden die Städtebünde verboten, soweit sie nicht dem Landfrieden dienten. 1376 entstand der Schwäbische Städtebund, welcher 1389 im Egerer Reichstag durch das Verbot der Existenz von Städtebünden, zerfiel. Ein Jahr darauf wurde dieser neu gegründet, sodass er in den Jahren 1438–1448 nicht nur eine große Ausdehnung, sondern auch eine sehr gute Organisation hatte. Zwar zerfiel jener im Jahre 1449, allerdings bildete er sich wieder neu und sollte in den nächsten Jahrhunderten bei der Reichspolitik weiterhin eine herausragende Rolle spielen. Jedoch wird auf den Schwäbischen Städtebund in einem der nächsten Punkt (2.2.) weiter eingegangen werden.

Insgesamt ist Widerstand der Fürsten und des Kaisers gegen die Gründung von Städtebünden erkennbar. Als schlüssige Erklärung dafür dient die verbreitete Sorge der Kaiser, ihre Hausmacht zu verlieren, da die Städtebünde Reichsfreiheit und Unabhängigkeit gegenüber dem Königtum erstrebten. Lösung des Problems sollten daher die Landfriedensbündnisse sein, um die Sonderstellung und den großen Einfluss zu wahren.

2.1.1. Ziele und Legitimation von Städtebünden und Landfriedensbündnissen

Da die Definition, Geschichte und Probleme der Städtebünde tiefgreifend beschrieben wurden, kann nun auf die Ziele und Legitimation eingegangen werden.

Zunächst sollen die Ziele der beiden Bündnisarten thematisiert werden. Folgende hatten Städtebünde und Landfriedensbündnisse gemeinsam: Sicherung der Handelswege zu Land, auf den Wasserstraßen und zur See. Des Weiteren sollten die Städte und reisende Kaufleute vor Unrecht und Gewalt, Mord, Raub, Brand, Gefangennahme, rechtswidriger Pfändung und Fehde geschützt werden. Im wirtschaftlichen und rechtlichen Bereich sollten rechtswidrig erhobene Zölle verhindert und Zoll- und Abgabeprivilegien eingeführt werden. Die Städte schlossen Münzverträge, Justizgewährungsvereinbarungen und Verträge über das Pfändungsrecht. Die Burgrechtsverträge dienten der gegenseitigen Aufnahme in das Bürgerrecht, wodurch Einheitlichkeit entstand. Weitere Ziele waren Schutz, Hilfe und der allgemeine Landfrieden.

Besondere Ziele der Städtebünde wären zudem, die errungene Autonomie, Rechte, Privilegien und Unabhängigkeit gegenüber dem Stadtherren zu bewahren.[12] Darüber hinaus sollte durch dieses Bündnis eine Pfändung des Gebiets verhindert werden. Ein weiterer, wichtiger Punkt, weshalb sich Städtebünde bildeten, war die Wahrung ihrer Reichsfreiheit – also ihre Reichsunmittelbarkeit.

Das Landfriedensbündnis hingegen bot nicht nur Vorteile für die Städte, sondern auch für die Fürsten und das Königtum: So ernannte der König den Obmann des Geschworenengerichts und den Landfriedenshauptmann und bestimmte über die Einsetzung vom Schiedsgericht. Dies sollte die Unabhängigkeit der Städte schwächen. Städte verbanden sich mit den Fürsten gegen den Adel und die Ritter auch deswegen, weil sie in den Wirtschaftsräumen Sicherheit erreichen und die Fehde als Rechtsmittel abschalten wollten.

[...]


[1] S. SCHNURRER, L.: Heinrich Toppler von Rothenburg und der Schwäbische Städtebund, in: i.A. Frankenbund (Hg.): Frankenland, Würzburg 1988, S. 209.

[2] Vgl. HIRSCHMANN, Frank: Die Stadt im Mittelalter (Enzyklopädie Deutscher Geschichte, Band 84), S. 40.

[3] Vgl. ISENMANN, E.: Die deutsche Stadt im Spätmittelalter. 1250 – 1500 Stadtgestalt, Recht, Stadtregiment, Kirche, Gesellschaft, Wirtschaft, Stuttgart 1988, S. 121.

[4] Vgl. BOCK, E.: Der Schwäbische Bund und seine Verfassungen, in: GIERKE, J. v.: Untersuchungen zur Deutschen Staats- und Rechtsgeschichte, Band 137, Breslau 1927, S. 1.

[5] Vgl. FAHLBUSCH: Art. „Städtebund“, in: Lexikon des Mittelalters, Band VIII, München 1997, Sp. 17.

[6] Vgl. ISENMANN, E.: Die deutsche Stadt im Spätmittelalter, Stuttgart 1988, S. 121.

[7] Vgl. BELOW, G. v.: Der deutsche Staat des Mittelalters. Ein Grundriß der deutschen Verfassungsgeschichte, Band 1, Leipzig 1914, S. 269.

[8] Vgl. ISENMANN, E.: Die deutsche Stadt im Spätmittelalter, Stuttgart 1988, S. 122.

[9] Vgl. ENGEL, E.: Die deutsche Stadt des Mittelalters, Stuttgart 1988, S. 279 f.

[10] Vgl. Ebd., S. 281.

[11] Vgl. ISENMANN, E.: Die deutsche Stadt im Spätmittelalter. 1250 – 1500 Stadtgestalt, Recht, Stadtregiment, Kirche, Gesellschaft, Wirtschaft, Stuttgart 1988, S. 123 f.

[12] Vgl. Ebd., S. 121.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Der schwäbische Städtebund im 14./15. Jahrhundert. Ein Kampf zwischen Verteidigung der Hausmacht und Rettung der Reichsfreiheit?
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Veranstaltung
Mittelalterliche Städtelandschaften
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
22
Katalognummer
V200408
ISBN (eBook)
9783656265498
ISBN (Buch)
9783656265986
Dateigröße
638 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
städtebünde, beispiel, schwäbischen, städtebundes, jahrhundert, kampf, verteidigung, hausmacht, könige, rettung, reichsfreiheit, städte
Arbeit zitieren
Sonja Guthier (Autor), 2012, Der schwäbische Städtebund im 14./15. Jahrhundert. Ein Kampf zwischen Verteidigung der Hausmacht und Rettung der Reichsfreiheit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200408

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