Neue Medien - Veränderung des Kaufverhaltens und die Auswirkungen auf die Finanzbranche


Studienarbeit, 2012
45 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit

2. Bestehende Trends und Entwicklungen bei den neuen Medien
2.1 technologische Trends und Entwicklungen
2.2 soziale Trends und Entwicklungen
2.3 ökonomische Trends und Entwicklungen

3. Veränderung des Kaufprozesses
3.1 Informationsphase
3.2 Bewertungsphase
3.3 Kaufentscheidung
3.4 Kaufabschluss
3.5 Nachkaufevaluierung

4 Auswirkungen der neuen Medien
4.1 Auswirkungen auf die Finanzbranche
4.2 Auswirkungen auf die Unternehmen
4.3 Auswirkungen auf die Produkte

5. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Technologische Innovationszyklen

Abb. 2 Gartner Hype Cycle

Abb. 3 Kaufphasenmodell

Abb. 4 Vertrauen in verschiedene Informationsquellen

Abb. 5 Internet hilft bei Kaufentscheidungen

Abb. 6 ROPO-Effekt

1. Einleitung

1.1 Problemstellung der Arbeit

Die Art und Weise wie Menschen miteinander kommunizieren hat sich stets verändert. Die Dynamik der Verständigung untereinander hat durch das Internet enorm zugenommen. Die Geschwindigkeit, mit der sich die neuen Medien ausbreiten, ist schwer vorstellbar.

Auf Facebook werden über 700.000 neue Kommentare verfasst und mehr als 615 Menschen registrieren sich dort als neue Mitglieder. 200 Millionen E-Mails werden versendet und gut 100.000 Tweets auf Twitter veröffentlicht. 60 neue Blogs entstehen und in 1.500 Blogbeiträgen werden Meinungen verbreitet. All das passiert in nur 60 Sekunden.[1]

22 Millionen Deutsche sind bereits Mitglied bei Facebook. Weltweit hat Facebook z. Zt. 800 Millionen Nutzer. Wenn Facebook ein Land wäre, wäre es nach den Einwohnerzahlen die Nr. 3 auf der Welt vor den USA und hinter China und Indien.[2]

Verbrauchern steht heute eine Vielzahl von Informationsmöglichkeiten offen. Zunehmend wird das Internet auch unterwegs genutzt und ist nahezu immer und überall verfügbar. Die neuen Medien werden auf vielfältige Weise genutzt. Diese werden zum Beispiel zur Informationsbeschaffung, Kommunikation oder im Rahmen von Produktkäufen eingesetzt. Die Konsumenten sind zunehmend untereinander vernetzt, tauschen ihre Erfahrungen, Meinungen und Bewertungen aus. Dadurch entstehen Auswirkungen in vielen Bereichen, auch für Finanzunternehmen. Unter anderem besteht die Möglichkeit, dass die Kaufentscheidung für oder gegen ein Produkt beeinflusst wird.

Aus diesen Entwickelungen ergibt sich die Forschungsfrage, die nachfolgend beantwortet werden sollen. Die leitende Forschungsfrage lautet:

Welche Auswirkungen auf die Finanzbranche hat das geänderte Kundenverhalten auf Grundlage der neuen Medien?

Um diese Frage beantworten zu können, soll zuerst folgender untergeordneter Forschungsfrage nachgegangen werden:

Welcher Einfluss wird durch die neuen Medien auf den Kaufprozess ausgeübt?

1.2 Aufbau der Arbeit

Nach der Einleitung, mit der Problemstellung, der Zielsetzung und dem Aufbau der Studienarbeit, betrachtet das zweite Kapitel die aktuellen Trends. Im Einzelnen sind dies technologische, soziale und ökonomische Entwicklungen. Sie sind die Grundlagen für die Veränderung des Konsumentenverhaltens durch die neuen Medien.

Im dritten Kapitel wird der Kaufprozess in fünf Phasen unterteilt und analysiert.[3] Die einzelnen Bereiche, von der Informationsbeschaffung bis zur Nachkaufevaluierung, werden unterschiedlich von den neuen Medien beeinflusst. Die Vernetzung der Kunden untereinander trägt ebenso zu einer Veränderung bei, wie die jederzeitige Verfügbarkeit des Internets. Die Produkte und Unternehmen werden zunehmend transparenter durch veröffentlichte Erfahrungen, Meinungen und Test im Internet. Es werden die einzelnen Kaufphasen betrachtet und die Veränderungen herausgearbeitet.

Resultierend aus den bisherigen Erkenntnissen, betrachtet das vierte Kapitel, welche direkten Folgen für die Finanzbranche entstehen. Von den Kunden wird eine hohe Transparenz und Qualität vorausgesetzt. Dies betrifft sowohl den Vergleich von einzelnen Produkten, als auch von Unternehmen. In diesem Kapitel werden jeweils die Konsequenzen für Produkte, Unternehmen und die Finanzbranche dargestellt.

2. Bestehende Trends und Entwicklungen bei den neuen Medien

Die neuen Medien sind eine Weiterentwicklung der bestehenden Kommunikation.

Es gibt eine Vielzahl von Definitionen der neuen Medien in der wissenschaftlichen Literatur. Diese Arbeit bezieht sich auf die zeitlose Definition von Müller, der die neuen Medien als Sammelbegriff für alle Technologien im Bereich der elektronischen Kommunikation und den elektronischen Informationsaustausch betrachtet. Darunter fallen das Internet, PC und mobile Endgeräte.[4] Die aktuellen Trends und Entwicklungen werden für diese Arbeit in 3 Themen aufgeteilt, die technologischen Entwicklungen, die sozialen Entwicklungen und die ökonomischen Entwicklungen.

2.1 technologische Trends und Entwicklungen

Die technischen Möglichkeiten entwickeln sich rasant. Es entstehen zahlreiche neue Trends, die noch vor Jahren undenkbar schienen.

Die hohe Dynamik der technologischen Entwicklungen zeigt Abbildung Nr. 1. Es wird der Zeitraum dargestellt, in dem die einzelnen Technologien 50 Millionen Nutzer erreicht haben. So brauchte die Entwicklung des Radios 38 Jahre, um die Anzahl der aktiven Nutzer zu erreichen. Diese technologischen Innovationszyklen verkürzen sich zunehmend. Das Fernsehen benötigte noch 13 Jahre. Das Internet konnte sich in 4 Jahren schneller durchsetzen und der iPod benötigte nur noch 3 Jahre. Seitdem Facebook für alle Personen zugänglich ist, war ungefähr 1 Jahr nötig, um 50 Millionen Menschen zu erreichen. Es zeichnet sich der Trend ab, dass neue Technologien wesentlich schneller von den Konsumenten angenommen werden und sich die Innovationszyklen sehr stark verkürzt haben.[5]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Vater (2011) S. 33

Abb. 1: Technologische Innovationszyklen

Der Konsument war es vor Jahren noch gewohnt, Texte und Dokumente in Programmen zu bedienen. Wenn er etwas im Web veröffentlichen wollte, war dies nicht ohne umfangreiche Programmierkenntnisse möglich. Die Schnittstellen wurden im Laufe der Zeit geöffnet und standardisiert. Dies führte dazu, dass Webseiten keine abgeschlossenen Systeme mehr sind, sondern Daten untereinander austauschen können.[6] Diese Technik ermöglichte erst die Nutzung von Online-Communities wie Facebook.

Während noch vor einigen Jahren die Konsumenten auf statischen Webseiten Informationen suchen mussten und der Kontakt mit dem Unternehmen oder anderen Kunden schwer und langsam war, besteht heute die Möglichkeit, über viele Wege, wie zum Beispiel Blogs, Podcasts und Social Media, mit einer großen Menge an Interessenten zu kommunizieren.

Zur Begünstigung der vorgenannten Entwicklungen hat neben der Verfügbarkeit des Internets für Jedermann, ebenfalls die Kostenentwicklung für das Internet und die Endgeräte geführt. Für eine Internetnutzung von einer Stunde am Tag mussten 1999 noch umgerechnet 60 Euro im Monat gezahlt werden. Die Tarife bestanden aus drei Preisfaktoren. Sie setzten sich aus der Grundgebühr, einer jeweiligen Einwahlgebühr und einem Minutenpreis zusammen. Auf Grund der hohen Gebühren war eine Nutzung zu Unterhaltungszwecken unwirtschaftlich. Daraus folgte, dass das Internet aus Kostengründen hauptsächlich zielgerichtet genutzt wurde. Die ersten Firmen boten bereits ISDN Flatrates an, die allerdings nicht kostendeckend waren und kurz darauf wieder eingestellt wurden.

Die ersten DSL Pakete wurden 1999 mit Inklusivminuten oder Inklusivvolumen verkauft. Für 50 Stunden mussten umgerechnet 100 Euro im Monat gezahlt werden.

Diese Inklusivangebote entwickelten sich bis heute zu reinen Flatrates weiter, für die jetzt nicht einmal mehr als 20 Euro bezahlt werden müssen.

Die Entwicklung der mobilen Datentarife ist ähnlich, allerdings noch nicht ganz so weit fortgeschritten. Die Preise belaufen sich auf etwa die gleiche Höhe. Allerdings werden diese Tarife oft zusätzlich zum Festnetzanschluss gebucht und ersetzen diese nicht.

Neben den Kosten für den Internetzugang sind auch die Kosten für die Hardware stark gesunken. Anfang der 2000er Jahre musste noch für ein internetfähiges Notebook umgerechnet 1.500 EUR ausgegeben werden. Die Preise sind in den vergangenen Jahren stark gesunken. Ein Notebook mit ausreichender Ausstattung kann man heute bereits für 300 bis 400 EUR kaufen. Zusätzlich wird meistens die Hardware wie WLAN-Router oder DSL-Modem kostenlos mitgeliefert. Ebenfalls günstiger wurden die Smartphones. Bei Abschluss eines neuen Vertrages sind sie oft kostenlos erhältlich.[7]

Die Gartner Group hat einen Hype Cycle entwickelt, in dem sich die Entwicklung der Technologien vereinfacht in fünf Phasen bis zur Marktreife einteilen lassen (Abbildung Nr. 2). Dieses Modell kann man als Orientierungshilfe nutzen. Grob verallgemeinert sind diese Phasen:[8]

1. Der technologische Auslöser
2. Der Gipfel der überzogenen Erwartungen
3. Das Tal der Enttäuschung
4. Der Pfad der Erleuchtung
5. Das Plateau der Produktivität

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Gartner, Inc (2011b)

Abb. 2: Gartner Hype Cycle

Ende 2011 ist besonders hervorzuheben, dass sich viele Technologien auf dem „Gipfel der überzogenen Erwartungen“ befanden. Dies betrifft vor allem das bargeldlose Bezahlen mit Funkchips (Near-Feald-Communication), Augmented Reality und Cloud Computing. In diesen Bereichen gibt es noch keine massentauglichen Anwendungen. Lediglich die QR-Codes setzen sich langsam durch.[9]

An dem Punkt der überzogenen Erwartungen befand sich 2009 auch das Web 2.0. Durch die Auseinandersetzung mit diesen Erwartungen in den Folgejahren und durch konkrete Einsatzgebiete konnte sich das Web 2.0 schließlich durchsetzen.[10]

Das Interesse an Banking über das Mobiltelefon hat sich durch die Smartphones und die entwickelten Apps in der letzten Zeit verstärkt. So tragen viele Kunden den Zugang zu ihrer Bank in der Hosentasche und können an nahezu jedem Ort und jeder Zeit mit der Bank Kontakt aufnehmen.[11]

Ein einflussreicher Trend wird in Zukunft die Verschmelzung von Realität und Internet sein. So werden Gegenstände aus der realen Welt mit Informationen aus dem Internet angereichert. Dies ist die Augmented Reality.[12] Hier kann der Kunde sein Smartphone mit der Kamera nutzen, um zum Beispiel Immobilienangebote abzurufen, und vor Ort durch die Ausrichtung der Kamera auf das Objekt das Exposé aufrufen.

2.2 soziale Trends und Entwicklungen

Die neu entstehenden Möglichkeiten lassen sich nicht nur auf technologischen Veränderungen berufen. Eine wichtige Rolle spielen ebenfalls die sozialen Trends und Entwicklungen in der heutigen Gesellschaft.

Durch die allgegenwärtige Informations- und Kommunikationstechnologie ist Wissen jederzeit an nahezu jedem Ort verfügbar. Hierdurch entfällt die Notwendigkeit zur physischen, sozialen Interaktion mit Mitmenschen, wodurch eine gewisse Anonymität entsteht. Stattdessen verlagert sich die soziale Kommunikation zunehmend in virtuelle Welten. Es besteht in der Altersgruppe von 18 bis 25 Jahren eine stark erhöhte Mobilität. Diese resultiert aus beruflichen Anforderungen, aber auch aus dem Wunsch nach Individualität. Es werden im Vergleich zu früher größere Entfernungen für den Beruf oder die Freizeitgestaltungen zurückgelegt. Diese Entwicklung wird durch die allgegenwärtige Informations- und Kommunikationstechnologie unterstützt. Hieraus entsteht die Notwendigkeit, seine sozialen Kontakte überregional zu pflegen.[13]

Ein großer Trend ist die Individualisierung unserer Gesellschaft mit zunehmender Selbstbestimmung und individuellem Lebensstil. Die Menschen bestimmen zunehmend selbst und legen viel Wert auf einen individuellen Lebensstil. Dies beeinflusst die künftige Geschäftstätigkeit massiv.[14]

Eine Studie des Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom) hat sich Anfang 2011 umfassend mit der Mediennutzung und dem Informationsverhalten der Gesellschaft in Deutschland beschäftigt.

Zu diesem Zeitpunkt ist der Großteil der Bevölkerung ans Internet angeschlossen. Bereits 51 Millionen Bundesbürger nutzen dieses regelmäßig. Das entspricht umgerechnet an der Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren 72 Prozent. Unter den 30 jährigen sind sogar fast alle im Internet unterwegs. Bei den 14-29 jährigen sind dies 95 Prozent und bei den 30-49 jährigen noch 89 Prozent. Allerdings nimmt die Nutzung des Internets mit dem Alter ab. Bereits die 50-64 jährigen nehmen mit 68 Prozent teil. Die Quote fällt bei den über 65-jährigen auf 25 Prozent ab.[15] Auf Grund des demografischen Wandels ist zu erwarten, dass die Nutzung und der versierte Umgang des Internets in den älteren Gruppen stetig ansteigt, da sie es bisher privat, sowie beruflich, genutzt haben werden. Die Kluft zwischen den Altersgruppen wird sich sukzessive verringern. Auch ältere Personen informieren sich wie selbstverständlich über Produkt-, Buch- oder Hotelempfehlungen.[16]

Der meistgenutzte Zugang zum Internet ist der heimische PC (84 Prozent). Allerdings nutzen bereits 24 Prozent einen mobilen Zugang wie zum Beispiel Laptop, Netbook oder Tablet PC. Auch der mobile Zugang mit dem Smartphone steigt an. Bislang nutzen ihn 18 Prozent der Internetuser.

Der Großteil der Bevölkerung nutzt das Internet 1 bis 2 Stunden am Tag (35 Prozent), gefolgt von den Wenignutzern mit einer Dauer von weniger als einer Stunde (29 Prozent). Allerdings sind auch 26 Prozent Intensivnutzer mit einer Onlinezeit von 2 bis 5 Stunden am Tag. Gleichzeitig lässt sich auch feststellen, dass die Internetnutzungsdauer mit steigendem Alter abnimmt.[17]

Hochrechnungen zeigen, dass 2015 das Internet ca. 30 Prozent der gesamten Mediennutzung in Deutschland ausmachen sollen.[18] Inzwischen sehen die Internetnutzer weltweit das Internet als wichtigsten Medien-, Informations- und Kommunikationskanal.[19]

Die Menschen werden immer weniger bewusst ins Internet gehen, sondern nutzen es einfach wann sie es wollen, am PC, mit dem Mobiltelefon, im Auto usw.[20]

Die dadurch erworbenen Kenntnisse beeinflussen unter anderem auch das Kaufverhalten der Internetnutzer. So hat bereits fast jeder Internetnutzer (85 Prozent) Waren im Internet erworben. Dies hat Auswirkungen auf die meisten Branchen. Die Auswirkungen werden im nächsten Kapitel näher betrachtet. Allerdings werden Finanzprodukte nur zu einem sehr geringen Teil online gekauft (4 Prozent), wesentlich häufiger dagegen Konsumgüter.[21] Das Thema Online-Einkaufen und Shoppen nutzen 55 Prozent aktiv und suchen im Rahmen des Kaufprozesses auch häufig (29 Prozent) nach Testergebnissen.[22] Viele Bundesbürger beschäftigen sich online mit ihren KFZ-Versicherungen. Hier suchen und vergleichen bereits 13 Millionen Personen ihren Tarif im Internet. Es hat fast jeder Zehnte eine Police im Web abgeschlossen.[23] Der reine Onlineverkauf von Finanzprodukten und Versicherungen ist relativ gering, allerdings informieren sich nach einer Forsa Umfrage 40 Prozent der Deutschen über diese Themen. Sie nutzen neben den Seiten der Anbieter häufig auch Vergleichsrechner, Finanzportale und Netzwerke.[24] Bereits die Hälfte der Internetnutzer (55 Prozent) konnte durch Preisvergleiche oder Empfehlungen Geld beim Einkauf von Produkten sparen. Die jüngere Gruppe der 30-49 jährigen nutzt diese Vergleiche mit 66 Prozent am häufigsten. Bei den vielen Möglichkeiten des Internets haben 68 Prozent der Nutzer noch gar keine negativen Erfahrungen damit gemacht.[25]

Bereits heute besitzen 83 Prozent der Befragten ein Mobiltelefon. In der Altersgruppe von 14 bis 49 Jahren sind es 95 Prozent. Da der Anteil der Smartphones seit Einführung des iPhones von Apple stark gestiegen ist und auch zukünftig steigen wird, ist zu erwarten, dass die mobile Nutzung von diversen Internetdiensten stark ansteigen wird. Bis 2015 soll der Anteil der Smartphones auf 70 Prozent ansteigen.[26]

Das Internet hat 75 Prozent der Nutzer so beeinflusst, dass sie es für unverzichtbar in ihrem Leben halten. Ebenfalls ein hoher Anteil mit 63 Prozent bestätigt diese Aussage für Mobiltelefone.[27]

Die Vielzahl von Informationskanälen bewirkt, dass man immer leichter an Informationen gelangen kann. Diese sind zu jeder Zeit an jedem Ort verfügbar. Allerdings haben bereits ein Drittel der Personen Probleme mit dieser Nachrichtenflut mit der Folge, dass viele Marketingmaßnahmen vom Konsumenten nicht mehr wahrgenommen werden. Sie schalten ab oder ignorieren einfach die Werbung.[28]

In der letzten Zeit sind die sozialen Netzwerke ein großes Thema. Sie haben eine erstaunliche Entwicklung vollzogen. Insgesamt sind 40 Millionen Bundesbürger Mitglieder in sozialen Netzwerken. In 2010 waren dies mit 30 Millionen noch 10 Millionen weniger. Der Hauptgrund für die Teilnahme liegt in der Pflege von Sozialkontakten und das Interesse, sich über Veranstaltungen und Treffen zu informieren. Fast jeder Internetnutzer (96 Prozent) zwischen 14 und 29 Jahren ist Mitglied in sozialen Netzwerken. Dies ist allerdings kein Jugendphänomen. In der Altersgruppe von 30 bis 49 Jahren ist die Mehrzahl mit noch 80 Prozent der Internetnutzer Mitglied. Die Profile sind heutzutage so selbstverständlich wie früher der Telefonbucheintrag. Und auch die über 50 jährigen beschäftigen sich mit diesem Thema. Hier ist jeder Zweite (53 Prozent) bereits Mitglied. Doch belassen es die meisten nicht dabei, bei einer Community Mitglied zu sein. Im Schnitt meldet sich jeder bei 2,4 Portalen an. Im Durchschnitt haben die Mitglieder eine Reichweite von 133 Kontakten. So können sehr viele Menschen mit nur wenig Aufwand erreicht werden. Auch bei den sozialen Medien überwiegen bei den Nutzern die positiven gegenüber den negativen Erfahrungen.[29]

Die Entwicklungen im Web 2.0 werden die Beziehung zwischen den Unternehmen und Konsumenten dauerhaft ändern.[30] Es reicht nicht mehr aus, nur Informationen bereitzuhalten. Die Kunden legen viel Wert auf eine transparente und vor allem authentische Kommunikation. Eine Herausforderung für Unternehmen wird die Integration der Rückkanäle in die Kommunikation. Das alte Sender-Empfänger-Modell wird durch die beidseitige Kommunikation abgelöst. Die Kommunikation kann von allen Seiten erstellt und weiterverbreitet werden.[31]

Weit mehr als jeder Zweite (58 Prozent) nutzt für sein persönliches Kommunikationsverhalten soziale Netzwerke. Im Vergleich dazu werden Fax zu 69 Prozent und E-Mail zu 92 Prozent eingesetzt. Hier zeigt sich der gewachsene Stellenwert der sozialen Netze.[32] Jugendliche meiden eher die E-Mail und bevorzugen die sozialen Medien. Laut einer Untersuchung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung werden sie bevorzugt, da es dort weniger formale Hürden gibt. Dadurch wird die

E-Mail für diese Personengruppe unattraktiver.[33]

Diese Entwicklung haben auch die Banken bereits registriert. In der Studie Bank & Zukunft 2010 geben 64 Prozent der Banken an, dass die Kunden erwarten, ihren Berater über verschiedene Medien zu erreichen (81 Prozent). Ebenfalls ist der Wunsch gegeben, dass mehr auf den Kunden eingegangen werden soll und zunehmend Individuallösungen anstatt Massenprodukte angeboten werden (64 Prozent).[34] Für viele Kunden ist heute ein überzeugender Social Media Auftritt der Unternehmen Voraussetzung. Gleichzeitig suchen sie allerdings weniger nach den Unternehmen im Social Media selbst, sondern werden am Häufigsten über Links von anderen Internetseiten auf diese Unternehmen aufmerksam (56,8 Prozent). Die Kunden erwarten dort mehr Relevanz der Nachrichten als Interaktion und Produktabverkauf (61 Prozent). Als Kommunikationskanal hat sich Social Media bereits etabliert. Die Kunden fordern, dass in Zukunft eine Kanalübergreifende Kommunikation mit dem Unternehmen möglich ist.[35]

Das Online Banking setzt sich bei der Bevölkerung immer mehr durch. Bereits über 27 Millionen Menschen nutzen diesen Zugangsweg zu ihrer Bank. Das entspricht einer Nutzungsquote in der Altersgruppe von 16 bis 74 Jahren von 43 Prozent. Dies zeigt den starken Anstieg von einer Quote in 2003 von lediglich 21 Prozent.[36] Doch es wird sich nicht auf das reine Online Banking mit Transaktionen beschränkt. Bereits jeder achte hat die Möglichkeit in Anspruch genommen, ein Konto im Internet zu eröffnen. 6 Prozent haben bereits online Aktien gekauft oder sich über Geldanlagen beraten lassen. Die Hälfte der Personen, die noch keine Finanztransaktionen gemacht haben, geben an, dass sie keinen Bedarf haben. Gleichzeitig sagt aber auch die Hälfte, dass Sicherheitsbedenken bestehen und der Datenschutz bemängelt wird.[37]

[...]


[1] Vgl. Hayes, G. (2011).

[2] Vgl. Mai, J. / Müßgens, C. / Rettig, D. (2010) S. 1.

[3] Vgl. Kuß, A. / Tomczak, T. (2007) S. 102.

[4] Vgl. Müller (2003) S. 11.

[5] Vgl. Vater, D. (2011) S. 34.

[6] Vgl. Messerschmidt, C. / Berger, S. / Skiera, B (2010) S. 14ff.

[7] Vgl. Messerschmidt, C. / Berger, S. / Skiera, B (2010) S. 25f.

[8] Vgl. Gartner, Inc (2011a).

[9] Vgl. Gartner, Inc (2011a).

[10] Vgl. Messerschmidt, C. / Berger, S. / Skiera, B (2010) S. 10.

[11] Vgl. Czotscher, E. (2010) S. 20.

[12] Vgl. Böhmler, C. / Schäfer, L. / Madlener, S. / Ruf, S. / Welker, C. (2011) S. 37.

[13] Vgl. Pohle, A. / Eitler, K. (2011) S. 1f.

[14] Vgl. GAD eG (2011) S. 36.

[15] Vgl. Bitkom (2011i) S. 8f.

[16] Vgl. Diedrich, A. (2011) S. 14f.

[17] Vgl. Bitkom (2011i) S. 12ff.

[18] Vgl. Ziegler, M. / Zaboura, N. / Schlautmann, A. / Hachen, N. / Morath, J. (2011) S. 18ff.

[19] Vgl. Pohle, A. / Eitler, K. (2011) S. 1.

[20] Vgl. Gustorf, C. / Nowak, M. (2011) S. 32.

[21] Vgl. Bitkom (2011i) S. 14ff.

[22] Vgl. Bitkom (2010b).

[23] Vgl. Bitkom (2010a) S. 1.

[24] Vgl. Bitkom (2009g) S. 2.

[25] Vgl. Bitkom (2011i) S. 18ff.

[26] Vgl. Ziegler, M. / Zaboura, N. / Schlautmann, A. / Hachen, N. / Morath, J. (2011) S. 14f.

[27] Vgl. Bitkom (2011i) S. 36f.

[28] Vgl. Bitkom (2011i) S. 37f.

[29] Vgl. Bitkom (2011f) S. 1f.

[30] Vgl. Fröhlich, S. / Wasner, G. / Immenschuh, A. (2008) S. 159.

[31] Vgl. Mühlenbeck, F. / Skibicki, K. (2007) S. 116ff.

[32] Vgl. Krüger, M. (2011).

[33] Vgl. Becker, C. (2010) S. 22f.

[34] Vgl. Praeg, C. / Vocke, C. / Engstler, M. (2010) S. 22ff.

[35] Vgl. Keyerslingk, A. / Lampe, T. (2011) S. 3ff.

[36] Vgl. Bitkom (2011e) S. 1.

[37] Vgl. Bitkom (2011h) S. 1f.

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Neue Medien - Veränderung des Kaufverhaltens und die Auswirkungen auf die Finanzbranche
Hochschule
Steinbeis-Hochschule Berlin  (ADG Business School)
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
45
Katalognummer
V200630
ISBN (eBook)
9783656268130
ISBN (Buch)
9783656268260
Dateigröße
765 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Social Media, Web 2.0, Veränderung Kaufverhalten, Finanzen, Banken
Arbeit zitieren
Christian Greven (Autor), 2012, Neue Medien - Veränderung des Kaufverhaltens und die Auswirkungen auf die Finanzbranche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200630

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