Kinder der Verheißung - Exegese zu Galater 4, 21- 31


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Galaterbrief
2.1. Gal. 4, 21- 31

3. Paulus’ Methoden

4. Exegese zu Gal. 4,21-31
4.1. Das Gesetz
4.2. Abrahams Söhne und ihre Mütter

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In den verschiedensten Epochen entstehen von Theologen, Schriftstellern, Künstlern und Musikern Werke, die ihn zum Thema haben: Paulus.

Deismann beginnt sein Kapitel über ihn, mit „Ein anatolischer Paulus und ein antiker Paulus, ein homo novus, der aus der Masse der Vielen und Kleinen herauswächst und, von keinem Literaten der heidnischen Umwelt beachtet zur welthistorischen Führerpersönlichkeit bestimmt ist, ein homo religiosus,…“[1].

Er ist ein Jude aus der Diaspora, in Jerusalem ausgebildeter Schriftgelehrter, erst Verfolger der jungen Gemeinde der Jesus-Gläubigen[2], durch die „Erscheinung“ Jesus Christus bei seinem Damaskuserlebnis beeindruckt wird er danach der wohl wirksamste Apostel in der antiken jüdischen Diaspora und in der heidnischen Welt. Der Apostel gehört zu den einflussreichsten Personen der gesamten Geistesgeschichte.

An ihm scheiden sich die Geister, und ihn zu verstehen ist nicht möglich, ohne eine Leidenschaft dafür zu entwickeln.

Dies ist mir klar geworden, als ich auf den Abschnitt Gal. 4,21-31 stieß. Im restlichen Neuen Testament gibt es keine Stelle, die es so sehr bedürft hatte, sie immer und immer wieder zu lesen, wie diese, um Sie zu verstehen.

Interessant ist hierbei, dass Paulus selber quasi als Exeget fungiert, seine Auslegungen jedoch heute wieder ausgelegt werden.

Ich werde mich beim Auslegen des Briefteils erstmal mit dem Gesetz nach der Paulinischen Ausführung befassen, da es ein ausschlaggebendes Thema der zu behandelnden Perikope ist, und danach Vers für Vers weiter vorgehen, um abschließend ein Fazit zu ziehen.

2. Der Galaterbrief

Im Galaterbrief werden vorab, wie für die Briefe des Paulus üblich, der Absender und der Adressat angeführt, worauf der Segenswunsch folgt, der im Galaterbrief ziemlich knapp ausfällt. Anhand dieser 2-Teilung lässt sich erkennen, dass sich dieser Briefanfang, wie auch die meisten Briefe des Neuen Testaments, der orientalischen Form bedienen. Anders als bei griechischen Präskripten wird in der orientalischen Form erst in einem prädikatlosen Satz in 3. Person gegrüßt, worauf hin ein Gruß in 2. Person folgt[3].

Die Angabe des Absenders im Nominativ vor dem Adressaten im Dativ kommt allerdings der hellenistischen Form gleich, womit es sich bei dem Briefanfang eher um eine Mischform handelt[4]. Daraufhin folgt in der Regel die Danksagung, die in dem Fall durch Tadel ersetzt wird. Dieser Brief ist verglichen mit Paulus’ anderen Briefen ungewöhnlich streng verfasst. Paulus beginnt seine Ausführungen ohne in einem Wort zu loben oder zu danken, was ziemlich außergewöhnlich ist. Auch die Bitte für ihn zu beten fällt hier weg. Stattdessen folgt der Ausdruck seines Ärgers über seine Gegner, die konsequenten Judenchristen, die Beschneidungsforderungen an die Galater stellen[5], was bei Paulus starke Polemiken hervorruft. Mit Paukenschlägen versucht er seine Gemeinde von seiner Lehre zu überzeugen, die für die Heidenchristen das Halten der Gesetze nicht vorsieht. Im Großen und Ganzen fasst er die Grundzüge seiner Theologie im Galaterbrief zusammen, so dass dieser deswegen auch als „kleiner Römerbrief“ gilt.

Die benannte Problematik bezüglich des Haltens des Gesetzes, bildet den Einstieg in die genannte Perikope:

2.1. Gal 4:21-31

(21) Sagt mir, die ihr unter der Tora sein wollt, die Tora, hört ihr sie nicht?
(22) Denn es steht geschrieben, dass Abraham zwei Söhne hatte, einen von der Sklavin und einen von der Freien.
(23) Aber der (Sohn) der Sklavin ist auf fleischliche Weise gezeugt worden, der (Sohn) der Freien dagegen durch Verheißung.
(24) Dies ist allegorisch geredet. Denn diese (Frauen) sind zwei Bundesschlüsse, der eine vom Berg Sinai, der in die Sklaverei gebärt, dieser ist Hagar.
(25) Dies bedeutet aber: Hagar ist der Berg Sinai in Arabien, sie entspricht dem jetzigen Jerusalem, denn es ist Sklavin mit seinen Kindern.
(26) Aber das obere Jerusalem ist frei, sie ist unsere Mutter.
(27) Denn es steht geschrieben: Freue dich, Unfruchtbare, die du nicht geboren hast, juble und jauchze, die du nicht in Wehen gelegen hast, denn zahlreich werden die Kinder der Einsamen sein, mehr als (die Kinder) derer, die den Ehemann hat. (Jes 54,1)
(28) Ihr aber, Brüder und Schwestern, seid wie Isaak Kinder der Verheißung.
(29) Aber wie damals der auf fleischliche Weise Gezeugte den auf geistliche Weise Gezeugten verfolgte, so auch jetzt. (Gen 21,9)
(30) Aber was sagt die Schrift? Verstoße die Sklavin und ihren Sohn, denn der Sohn der Sklavin soll nicht mit dem Sohn der Freien erben. (Gen 21,10)
(31) Deshalb, Brüder und Schwestern, sind wir nicht Kinder der Sklavin, sondern der Freien.“

3. Paulus’ Methoden

Die Auslegung des Alten Testament ist in Methoden und Denkformen wesentlich von der zeitgenössischen rabbinischen Exegese bestimmt. Das haben in neuer Zeit zahlreiche Untersuchungen gezeigt. So begegnen bei Paulus etwa den Rabbinen so geläufige Auslegungsformen wie der Qal-Wachomer-Schluß ( Röm. 5, 2. Kor. 3), oder die Analogiebildung, die z.T. in der Form eines mehr formalen Schreibbeweises erscheint (vgl. Vor allem Röm. 4,1-12) in den meisten Fällen aber auf der allgemeinen Struktur einer Aufeinanderbeziehung alttestamentlicher Stoffe auf andere Geschichtssituationen beruht. Von dieser Methode rabbinischer Auslegung her ist auch die typologische Erfassung alttestamentlichen Geschichtsstoffes bei Paulus zu verstehen. Aber es ist interessant zu beobachten, wie vom Inhalt seiner Verkündung her die hermeneutische Struktur der Typologie bei Paulus eine neue und eigene Gestaltung erfährt, wie die Möglichkeiten rabbinischer Auslegungsformen durchbrochen werden und gerade so die Typologie nicht zu einer festen technischen Methode erstarrt, sondern selbst von der Sache her gestaltet und verwandelt werden kann.[6]

Bei einer Typologie werden Personen, Begebnisse und Einrichtungen des AT als „Ideale“ angesehen, die auf derzeit lebende Personen, gegenwärtige Begebenheiten und Einrichtungen verweisen. So bezieht Paulus die Vorbilder auf das, was sich ihm in seinem Damaskuserlebnis offenbart hat und die damit verbundene Heilsgeschichte. Paulus bedient sich aber nicht nur der typologischen, sondern auch der allegorischen Methode. Diese sind, wenn auch nur schwer, voneinander zu unterscheiden. „ Typologie ist die Interpretation eines Ereignisses der Gegenwart oder der unmittelbaren Vergangenheit als Erfüllung einer ähnlichen Situation, die entweder aufgezeichnet oder in der Schrift prophezeit ist. Allegorie ist die Interpretation eines Objekts oder einer Person, bzw. einer Anzahl von Objekten oder Personen, die in Wirklichkeit irgendein Objekt oder eine Person einer späteren Zeit bedeuten, ohne dass man den Versuch unternimmt, eine Beziehung auf Grund einer ‚ähnlichen Situation’ zwischen ihnen herzustellen[7].

[...]


[1] Deissmann, A., Paulus. Eine kultur- und religionsgeschichtliche Skizze, Tübingen, 1911

[2] Eigenwort um das Wort „junge Christengemeinde“ zu umgehen, welches ich hier nicht passend finde

[3] Schnider, Franz , Stenger, Werner, Studien zum neutestamentlichen Briefformular, Brill 1987, S. 3

[4] Ebenso auch bei anderen Paulinischen Briefeingängen

[5] Gal 5,12; 6,12f

[6] Müller , Heinrich (Pfarrer Dr.) , Zeitschrift für die Neutestamentliche Wissenschaft und die Kunde der Älteren Kirche. Band 58, Der rabbinische Qal - Wachomer - Schluß in paulinischer Typologie. Zur Adam-Christus- Typologie in Röm 5.

[7] Hanson, R.P.C., Allegory and Event, London 1959, S.7

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Kinder der Verheißung - Exegese zu Galater 4, 21- 31
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Katholische Theologie)
Veranstaltung
Wege der Schriftauslegung - jüdisch-christliche Beziehungen
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V200677
ISBN (eBook)
9783656272588
ISBN (Buch)
9783656272908
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kinder, verheißung, exegese, galater
Arbeit zitieren
Husna Korani-Djekrif (Autor), 2012, Kinder der Verheißung - Exegese zu Galater 4, 21- 31, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/200677

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