Offener Unterricht - Kurzdarstellung und Rekapitulation der Leitideen


Hausarbeit, 2009
12 Seiten, Note: 1,6

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Erste Wege der Öffnung von Schule

3. Vom Leitbild des Offenen Unterrichts

4. Von den Vorteile von Offenem Unterricht

5. Von der Veränderung der Lehrerrolle im Offenen Unterricht bis zur Bedeutung von Ermutigungen

6. Schlussbemerkung

7. Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Die landläufig zerschlagene Debatte über verbesserungswürdige PISA-Ergebnisse lässt immer noch viele Schuldzuweisungen zu. Was zu verbessern ist, bleibt zu diskutieren! Was jedoch bestehen bleibt, ist die Frage, wie sich Schüler besser zu Schule und deren Inhalten motivieren lassen, damit Schule Freude bereitet und wertvolle Inhalte an die heranwachsenden Lernenden heranträgt. Unter dem Reformdruck im deutschen Bildungswesen zeigen sich Schulen und Lehrer offen für neue Methoden. Besonders der Offene Unterricht gerät mehr und mehr als „DIE“ Alternative zu traditionell lehrerzentrierten Unterrichtsmethoden in die Schlagzeilen. Dreh- und Angelpunkt ist stets die Verbesserung der Qualität von Schule und Unterricht.

Die Seminararbeit soll einen kurzen Einblick liefern, inwiefern der so genannte „Offene Unterricht“ einen didaktischen Kompromiss darstellt, seine Vorteile und Unterschiede nennen und herausstellen sowie historisch in die Kultur der Schule einbinden.

2. Erste Wege der Öffnung von Schule

Zu Beginn der Diskussion über Offenen Unterricht stand die sog. Idee der Freiarbeit, ein Unterrichtskonzept, das sich vor allem auf die Grundgedanken der Reformpädagogen Peter Petersen, Maria Montessori und Clestine Freinet beruft. Bereits im ersten Drittel des letzten Jahrhunderts forderten sie Lehrerinnen und Lehrer auf, die Rolle des „Belehrers“ aufzugeben und stattdessen die eines Beraters und Begleiters einzunehmen. Freiarbeit kann daher als eine Form des offenen Lernens verstanden werden, die sich an den individuellen Bedürfnissen des Lernenden ausrichtet und somit einen Prozess selbständiger Arbeit ermöglicht. Der wichtigste Aspekt der Freiarbeit nach Montessori ist die freie Wahl der Arbeit und damit die Verwirklichung der Selbstbestimmung. Lernenden haben diesbezüglich die volle Freiheit z.B. unter verschieden inhaltlichen Angeboten und die Ausführlichkeit der Auseinandersetzung mit dem Thema auszuwählen, ob sie allein oder gemeinsam arbeiten und in welcher Weise sie die Ergebnisse präsentieren wollen. Da im herkömmlichen Unterricht eine solche Wahlfreiheit in der Regel nicht beliebig realisiert werden kann, haben sich Unterrichtsformen entwickelt, die viele Aspekte bzw. Vorteile der Freiarbeit beibehalten. Für diese Auswahl an Unterrichtsformen hat sich der Begriff Offener Unterricht in seiner Vorstellung etabliert. Charakteristische Bausteine des Offenen Unterrichts sind heute neben der freien Arbeit beispielsweise eine anregende Lernumgebung in einer Klasse mit Werkstattcharakter, selbsttätige Lernmethoden, Tages- und Wochenplanablauf, Projektunterricht und vieles mehr (Gudjons, 2001). Den Schülerinnen und Schülern bleibt offen, in welcher Reihenfolge sie z.B. sich ein einem Thema zuwenden und in welchem Tempo sie Aufgaben bewältigen, welche Lernstrategie sie verwenden und in welcher Form sie die Ergebnisse dokumentieren oder vorlegen.

Wie lässt sich Offener Unterricht dennoch ersichtlich und eindeutig beschreiben ohne Fehlvorstellungen hervorzurufen? Kapitel 3 liefert hierzu eine detailliertere Betrachtung.

3. Vom Leitbild des Offenen Unterrichts

Offener Unterricht lässt sich weniger in einem Satz beschreiben. Vielmehr spiegelt diese Form des Unterrichts eine Tendenz wieder, Spielräume für unterschiedliche Persönlichkeiten zu schaffen und die Entfaltung individueller Interessen zu unterstützen, sowie die Selbsttätigkeit von Schülern zu fördern. Wulff Wallrabenstein (1994) versuchte durch eine Kinderbefragung zu klären, was Offener Unterricht für junge Lernende bedeutet. Die Antwort einer Schülerin auf die Frage „Was verstehst du unter Offenem Unterricht“ ist im Folgenden wiedergegeben.

„Das wichtigste ist diese Freie Arbeit. Wo man machen kann, was man möchte von den Sachen, die es da gibt.“ (Wallrabenstein, 1994, S. 52)

Diese und andere Zitate bzw. Beschreibungen, die einer kindlichen Definition ähneln, nutzte Wallrabenstein zur Bildung seiner Schlussbetrachtung. Die Formulierung einer einheitlichen Definition ist bisher ausgeblieben. In seinem Ergebnis bezeichnet Wallrabenstein (1994, S.52ff) Offenen Unterricht als ein pädagogisches Verständnis und eine pädagogische Haltung gegenüber Kindern und Jugendlichen. Thorsten Bohl (2006, S.12) stellt gleichsam fest, dass seit ungefähr 30 Jahren Offener Unterricht in Deutschland thematisiert wird, „eine einheitliche Definition, die etwa in der Lehrerbildung ein klare Orientierung bieten würde“, jedoch nicht erkennbar ist. Derzeit fasst der Begriff Offener Unterricht ein großes Repertoire an Unterrichtsmoden, die einem die Übersicht enorm erschweren und dazu verleiten, sie traditionellen Unterrichtsmethoden (v.a. Frontalunterricht) gegenüberzustellen. Offener Unterricht versteht sich nicht als Gegensatz zu anderen Formen im Unterricht, weder zum Lehrervortrag noch z.B. zum fragend-entwickelnden Unterrichtsgespräch, sondern als Möglichkeit für die Unterrichtsgestaltung, wie sie ganz im Sinne von Weinert (1998) wäre. Dieser war davon überzeugt, dass Lernsituationen dann als positiv erfahren werden wenn sie schülerorientiert und lehrergeleitet sind (Weinert, 1998, S.14)

Aus diesem Grund empfiehlt Bohl, anstelle einer Definition eine Rahmenkonzeption zu entwickeln. Sie spiegelt die „Gesamtchoreographie des Unterrichts“ (Bohl, 2006, S.14) wieder, die sowohl aus offenen als auch geschlossenen, lehrerzentrierten Phasen bestehen kann und langfristig zu selbständigem Lernen anregt.

Bohl (2003, S.5) formulierte in einem Symposium zum Thema „Leistungsbeurteilung nach PISA“ am 2. und 3. April 2003 auf der Bildungsmesse in Nürnberg folgenden Zusammenhang:

„Erfolgreicher Unterricht ist weit mehr als die Realisierung offener Konzepte. Erfolgreicher Unterricht ist gleichwohl ohne offene Phasen und Konzepte nicht denkbar. Daher gerät die Gesamtchoreographie des Unterrichts in den Blick, und nicht die isolierte Realisierung offener Phasen. Diese Gesamtchoreographie ist ohne drei Leitbilder kaum denkbar.“

Zu den Leitbildern der sog. Gesamtchoreographie zählt Bohl v.a.: Den erweiterten Lernbegriff Die kontinuierliche Erhöhung des Ausmaßes an selbstständigem Lernen Den pädagogischen Leistungsbegriff Auf der Basis der täglichen Unterrichtsplanung versteht der erweiterte Lernbegriff methodisch-didaktische Elemente, die dem Lernenden bis zum Ende seiner Schulzeit die Fähigkeit verleihen, fachlich, methodisch, sozial und persönlich denken und handeln zu können. Als Zielsetzung versteht Bohl (2006, S. 20) die Vermittlung der sog. vier Subkompetenzen:

1. Fachlich-inhaltliche Kompetenz (Fachwissen besitzen, urteilen, definieren können)
2. Sozial-kommunikative Kompetenz (kooperieren, einfühlsam zuhören, argumentieren können)
3. Methodisch-strategische Kompetenz (visualisieren, planen, exzerpieren, nachschlagen können)
4. Selbst- und Persönlichkeitskompetenz (kritikfähig sein, Selbstbild und Selbstvertrauen entwickeln können).

Die kontinuierliche Erhöhung des Ausmaßes an selbstständigem Lernen fordert eine zunehmende Selbstständigkeit des Lernenden im Laufe seiner Schullaufbahn. Durch die gesteigerte Selbsttätigkeit und die Fähigkeit zu eigenverantwortliches Lernen werden Schlüsselkompetenzen und eigene Lernstrategien von den Schülerinnen und Schülern entwickelt, die sowohl kognitive, als auch soziale und pragmatische Ebenen ausbilden. Ein auf dem erweiterten Lernbegriff basierender pädagogischer Leistungsbegriff legt die Bewertungskriterien im Unterricht fest. Infolgedessen kann Leistung vielfältig an den Maßstäben der vier Subkompetenzen gemessen werden und spiegelt darüber hinaus einen Lern- und Leistungsprozess wieder. Einen Prozess der über längere Zeit eine Verbesserung oder Verschlechterung zulässt (Bohl, 2006).

4. Von den Vorteile von Offenem Unterricht

Da es nach Bohl (2006) in offenen Unterrichtsformen maßgebliche um die Vermittlung der sog. vier Subkompetenzen geht, steht nicht die reine Wissensvermittlung im Vordergrund, sondern darüber hinaus die Vermittlung sozial-emotionale Kompetenzen. Diese reformpädagogische Zielsetzung, Schüler mehr und mehr selbsttätig werden zu lassen und an eigenverantwortliches Lernen heranzuführen, trägt dazu bei, dass ein Schlüsseleffekt eintritt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Offener Unterricht - Kurzdarstellung und Rekapitulation der Leitideen
Hochschule
Universität Kassel
Note
1,6
Autor
Jahr
2009
Seiten
12
Katalognummer
V201042
ISBN (eBook)
9783656270249
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Offener Unterricht, Montessori, Freiarbeit
Arbeit zitieren
Christian Gebhardt (Autor), 2009, Offener Unterricht - Kurzdarstellung und Rekapitulation der Leitideen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201042

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