Öffentliche Träger – Aufbau und Struktur des Jugendamts


Hausarbeit, 2011

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Geschichtlicher Diskurs – Entwicklung zum SGB VIII

3. Kinder- & Jugendhilfegesetz (KJHG/ SGB VIII)

4. Träger der öffentlichen Jugendhilfe
4.1. Bundes-, Landes- & überörtliche Ebene
4.2. Das Jugendamt (JA) - örtliche Ebene
4.2.1. Jugendhilfeausschuss (JHA)
4.2.2. Verwaltung des Jugendamtes (VJA)
4.2.3. Verhältnis: JHA & VJA

5. Verhältnis von Trägern der öffentlichen & freien Jugendhilfe

6. Schlussbemerkung

7. Quellenverzeichnis

8. Anhang
8.1. Abkürzungsverzeichnis:
8.2. Abbildung III

1. Einleitung

In der Sozialen Arbeit gibt es drei relevante öffentliche Träger: das Sozialamt, das Gesundheitsamt und das Jugendamt (JA). Letzteres soll in dieser Arbeit in Bezug auf Organisation und Aufbau näher beleuchtet werden. Alle Facetten der Organisation und Struktur des JA darzustellen ist in diesem kleinen Rahmen nicht möglich, daher beschränkt sich diese Arbeit auf einen Überblick.

Mit der geschichtlichen Entwicklung zum Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG)/ Sozialgesetzbuch Acht (SGB VIII) möchte ich einleitend beginnen und das KJHG anschließend im Kapitel Drei kurz vorstellen. Darauffolgend sollen im vierten Kapitel die einzelnen Ebenen der öffentlichen Jugendhilfe (JH) von der Bundesebene bis hin zur örtlichen Ebene, dem JA dargestellt werden. Genauer wird auf das JA mit seiner Besonderheit der Zweigliedrigkeit eingegangen, bis ich abschließend im fünften Kapitel mit dem Verhältnis von Öffentlichen und freien Trägern der Jugendhilfe ende.

So abstrakt wie es klingt gibt es eine Voraussetzung dafür, dass es ein Jugendhilferecht geben kann, nämlich das Bestehen einer Jugend. Vor dem Jahre 1850 gab es die Jugend als eigenständige Lebensphase nicht, erst mit der Industrialisierung veränderten sich die Verhältnisse und die Jugend entstand als eigenständige Lebensphase (vgl. Bernzen 2005, S. 3).

2. Geschichtlicher Diskurs – Entwicklung zum SGB VIII

Wenn man den Begriff der öffentlichen Jugendhilfe in dem Sinne verstehen will, dass er alle behördlichen Maßnahmen zur Förderung der Jugendwohlfahrt umfasst, so muss der Erlass des Reichsjugendwohlfahrtsgesetzes (RJWG) vom 9. Juli 1922 als der entscheidende Schritt angesehen werden, mit dem sich der Staat einer planvollen Arbeit in diesem Bereich zuwandte. Das RJWG ist aber nicht das erste Gesetz, das sich mit der öffentlichen Jugendhilfe befasste, denn vorausgegangen waren Arbeitsschutzmaßnahmen für Jugendliche und die öffentliche Waisenfürsorge (vgl. Deisenhofer/Deisenhofer in Jugendrecht (SGB VIII) 2009, S. XVIII). Mit dem RJWG vollzog sich ein Durchbruch, der seit der Jahrhundertwende diskutierten Idee, die Jugendfürsorge von der Armenpflege zu entkoppeln. Es wurde eine einheitliche Durchführung der jugendhilferechtlichen Aufgaben festgelegt und das Gesetz bestimmte u.a. die Konzeption der öffentlichen Jugendhilfe im JA. Dieses sollte als Fachbehörde mit Erziehungsauftrag in allen Stadt- und Landkreisen eingerichtet werden (vgl. Liebig 2001, S. 50). Am 1. April 1924 trat das Gesetz in Kraft (vgl. Gries/Ringler 2005, 29) und wurde das erste Mal deutschlandweit als einheitlicher organisatorischer Rahmen installiert. Ein Jahr später wurden die ersten Gründungen von Jugendämtern festgestellt, mit den damaligen Zielen: materielle Sonderfürsorge für Minderjährige, die Heilfürsorge als freiwillige, vorbeugende Gesundheitsfürsorge, die Krüppelfürsorge und die Fürsorgeerziehung (vgl. jugendamt-infos.de 2007). Trotz seiner sozialpädagogisch inspirierten Programmformel in § 1 („Jedes deutsche Kind hat ein Recht auf Erziehung zur leiblichen, seelischen und gesellschaftlichen Tüchtigkeit.“) ist das RJWG im Kern noch kein pädagogisches Leistungsgesetz, sondern ein Organisationsgesetz (vgl. Münder 2006, S. 93), „das die Konzentration der Aufgaben der örtlichen öffentlichen Jugendhilfe im Jugendamt herbeiführte und das Verhältnis der öffentlichen zur freien Jugendhilfe regelt“ (ebd.)

1933 übernahm das NS-Regime die Kontrolle über die Jugendwohlfahrt da sie Teil der Staatsgewalt war und übertrug Bürgermeistern und Landräten die Geschäftsführung der Jugendämter (vgl. ebd.). Es wurde der staatliche Einfluss auf die außerschulische Erziehung der Jugend wesentlich verstärkt und somit sollte eine „Erziehung“ im nationalsozialistischen Sinne gesichert werden (vgl. Bernzen 2005, S. 5). „D as pädagogische Bemühen der Jugendhilfe [verlagerte sich] von der intellektuellen Seite der Jugendbildung und –erziehung auf die Erziehungswerte körperlicher Ertüchtigung, charakterlicher Gestaltung und Ausbildung des Verstandes nach Anweisungen des Führers“ (Gries/Ringler 2005, S. 36). Es lässt sich festhalten, „dass die Entwicklung des Gesamtbereiches der Jugendhilfe in der Zeit des Nationalsozialismus organisatorisch durch die [Hitlerjugend] und vor allem durch die [Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt] gegenüber kommunalen Jugendämtern und konfessionellen Trägern der Jugendhilfe gekennzeichnet war“ (ebd., S. 44). Infolgedessen wurden Vertreter nicht nationalistischer Jugendhilfeorganisationen ausgeschaltet (vgl. ebd.). Bestimmungen im Grundgesetz von 1949 wurden durch diese Erfahrungen wesentlich beeinflusst, es sollte eine tendenziell staatsferne Erziehung in elterlicher Verantwortung sichergestellt werden (vgl. Bernzen 2005, S 5). Der Jugendhilfebereich knüpfte nach der NS-Zeit wieder an die Praxis der Weimarer Republik an (vgl. Gries/Ringler 2005, S. 45). „O hne neue grundlegende fortschrittliche Ausgangspositionen einzunehmen“ (ebd.) wurde das RWJG von den Besatzungsmächten für anwendbar erklärt. Ein wesentliches Ereignis in der Nachkriegszeit war die Einrichtung von Jugend- und Landesjugendämtern, desweiteren wurde der Jugendamtsausschuss wieder eingeführt. Durch die Neuerung wurde das JA zu einer zweigliedrigen Behörde aus Ausschuss und Verwaltung (vgl. Gries/Ringler 2005, S. 45). Eine Überarbeitung und Anpassung an die veränderten Verhältnisse in Deutschland erwiesen sich aber als notwendig, obwohl sich das RJWG so bewährte. Infolgedessen gab es eine Neufassung mit dem Gesetz für Jugendwohlfahrt (JWG) vom 11. August 1961 (vgl. Deisenhofer/Deisenhofer in Jugendrecht (SGB VIII) 2009, S. XIX). Die Gesetzesnovelle führte erstmals individuelle Rechtsansprüche auf Leistungen der Jugendhilfe ein und stärkte die elterliche Gewalt sowie die (vorrangige) Position der freien Träger, desweiteren wurde die freiwillige Erziehungshilfe eingeführt (vgl. Liebig 2001, S. 51). Das JWG stellte sich aber ebenfalls wie das RJWG als ein organisations- und ordnungsrechtlich geprägtes und weniger als ein leistungsorientiertes Gesetz dar (vgl. Münder 2006, S. 94).

Über eine Reform des JWG wurde seit Beginn der siebziger Jahre diskutiert (vgl. ebd., S. 6), Ziel war es, „ein Jugendhilfeorganisationsgesetz durch ein Sozialleistungsgesetz für das Gebiet der Jugendhilfe abzulösen. Diese Diskussion kam erst 1989 mit dem Beschluss eines [neuen Gesetzes] zum Abschluss“ (ebd.)[1] . Angestoßen wurde dieser Wandlungsprozess mit dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG/ SGB VIII), welches Ende 1990 vom Bundestag verabschiedet wurde.

[...]


[1] In der DDR wurden die Traditionen der „Jugendfürsorge“ bis 1989 fortgesetzt und die Tätigkeiten im Bereich der „Jugendpflege“ wurden in anderer Form und in Orientierung auf die Ziele der staatssozialistischen Gesellschaftordnung im Wesentlichen von den staatlichen Jugendorganisationen übernommen (vgl. Bernzen 2005, S. 5-6).

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Öffentliche Träger – Aufbau und Struktur des Jugendamts
Veranstaltung
Organisationslehre der Sozialen Arbeit
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
15
Katalognummer
V201589
ISBN (eBook)
9783656275077
ISBN (Buch)
9783656275879
Dateigröße
1334 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendamt, öffentliche Träger, Jugendhilfeausschuss, Organisation, Struktur, Aufbau, Träger
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts in Social Work Erik Theuerkauf (Autor), 2011, Öffentliche Träger – Aufbau und Struktur des Jugendamts , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201589

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