Welchen Wert haben die Goertz Briefe?


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2012

18 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Teil A – Archivfund im Württembergischen
I. Einleitung
II. Geschichte
III. Ausgewählte Briefstellen
IV. Vergleich der Briefe
V. Was bleibt?

Teil B – Bilder und Anhang
I. Heinsius (um 1770)
II. Goethe (1774)
III. Berliner Monatsschrift (Januar 1791)
IV. Guérin (nach 1790)
V. Bause (1797)
VI. Klenze / Schwanthaler (1824)
VII. - XI. Denkmal Detailansichten (Inschrift vorne, rechts, links, Büste, Rückseite mit Wappen)

Abbildungsnachweis

Vorwort

Seit 2010 ist das Interesse am umfassenden Briefwechsel des Ehepaares Goertz deutlich angestiegen. Dabei handelt es sich nicht lediglich um eine größere Aufmerksamkeit durch die breite Masse und Zeitschriftenartikel, auch Literaturwissenschaftler nähern sich Ihnen an. So weist zum Exempel Rüdiger Bernhardt in seinem Band zu Iphigenie auf Tauris aus der berühmten Reihe Königs Erläuterungen auf Seite 136 auf Norbert Leitholds 2010 veröffentliches Buch Graf Goertz. Der große Unbekannte hin. Dabei merkt er unter anderem an, die Briefe würden Details zur Entstehungszeit des Werks enthalten. Eine Prüfung auf Vertrauenswürdigkeit der deutschen Versionen dieser ursprünglich in französischer Sprache abgefassten Briefe hingegen steht bisweilen aus. Hier versucht der vorliegende Artikel einzuspringen. In Teil A werden nach einer kurzen Einführung in die Vita des Ehepaares, sowie die Geschichte ihrer Korrespondenz und der Nutzung durch Wissenschaftler, einzelne Briefstellen exemplarisch zitiert und die deutschen Versionen mit den greifbaren französischen Originalen verglichen. Teil B teilt sämtliche bekannten Abbildungen des Grafen und ihre Herkunft mit.

Trotzdem die Darstellung sich nicht zuvorderst an auf den jungen Goethe und die Zeit des Sturm und Drang spezialisierte Wissenschaftler richtet, dürfte es evident sein, dass jene davon am meisten profitieren werden. Auf eine Kommentierung, respektive einen Vergleich der in den Briefen erwähnten Ereignisse wurde verzichtet, da die Umstände sich leicht und schnell aus greifbaren Zeittafeln und Biographien ermitteln lassen. Erwähnt werden soll aber, dass es sich beim Treffen zwischen Wieland und Lenz am 8. April 1776 und bei der Nennung des Namens Fräulein von Lasberg in Bezug auf Lenzens Fehlverhalten am Hofball um bisher unbekannte Fakten handelt, die sich durch die Briefe endlich klären ließen.

Es ist anzunehmen, dass in den folgenden Jahren weitere Details aus der Frühzeit des Weimarer Musenhofs durch den Briefwechsel geklärt werden können. Als ein Beispiel sei nur Klingers Ausweisung genannt. Einzelne Publikationen dürften wohl mit einer gewissen Vorsicht zu genießen sein, doch ist zu hoffen, dass das wissenschaftliche Interesse durch vorliegende Arbeit erweckt wird.

Teil A – Archivfund im Württembergischen oder:

Welchen Wert haben die Goertz Briefe für die Sturm und Drang Forschung?

I. Einleitung

Im Sommer 2005 stieß der Historiker Norbert Leithold bei seinen Recherchen zum Preußenkönig Friedrich II. auf einen bisher kaum ausgewerteten Fund von Briefen der Goethezeit im Gräflich Rechbergschen Familienarchiv Donzdorf.[1] Es handelt sich dabei um die über 4000 Briefe[2] umfassende Korrespondenz des Ehepaares Johann Eustach von Goertz[3] (1737–1821) und Caroline von Goertz (1749–1809). Zur gröbsten Erläuterung Ihrer Vita sei gesagt, dass Anna Amalia den Grafen zwischen 1761 und 1775 als Prinzenerzieher beschäftigte, Graf und Gräfin 1768 heirateten und in Weimar ein Mietshaus an der Esplanade bezogen, sie 1778 Weimar für Potsdam und den dort auf den Grafen wartenden Posten als preußischer Staatsminister verließen und hernach ihren Wohnsitz trennten. Die Gräfin verblieb in Potsdam, zog für ein Jahr als Oberhofmeisterin ins schlesische Lüben und wechselte dann 1781 endgültig nach Berlin. Der Graf lebte von 1779 an als Gesandter der Preußen in St. Petersburg.[4]

Neben der historisch-politischen Bedeutung, die sich aus den sehr engen Kontakten Eustachs von Goertz mit Friedrich II. und weiteren Größen seiner Zeit[5] ergibt, ist in der Literaturwissenschaft die Weimarer Periode des Paares von Bedeutung. Durch die stets sehr langen und ausgedehnten Reisen des Grafen, fühlte seine Frau sich genötigt ihm in ihren Briefen mehr oder minder detailreich die Vorkommnisse am Hof zu schildern. Hier scheint es möglich eine weitere Quelle zur Rezeption des jungen Goethe, sowie der anderen Sturm und Drang Dichter am Hof von Anna Amalia zu erhalten.

Doch welchen Wert haben diese Briefe nun tatsächlich und wie steht es mit der vorangegangenen, als auch aktuellen Forschungssituation um sie? Nach einem kurzen Abriss zur Geschichte der Korrespondenz innerhalb der Forschung, soll hier ihrer tatsächlichen Bedeutung für die Literaturwissenschaft nachgespürt werden. Erbracht wird dies durch Wiedergabe ausgewählter Briefstellen und dem kritischen Vergleich verschiedener Briefversionen miteinander. Wertende Kommentare über den möglichen Beitrag zur Erforschung der Geschichte Weimars und seines Musenhofs und der Thesen Ettore Ghibbelinos bleiben hier jedoch gänzlich ausgespart.

II. Geschichte

Nach dem Tode des Grafen gelangten die Briefe in den Besitz der jüngsten Tochter Marianne und ihren Mann Aloys Graf von Rechberg.[6] Im Rechbergschen Archiv lagert der Briefnachlass seit den 1820er Jahren[7] durch Eustachs Enkelin.[8]

Laut Leithold ist seit 1821 der Besuch von fünf Forschern im Rechbergschen Archiv nachzuweisen[9] . Namentlich nennt er dabei Flodoard von Biedermann[10] , sowie Willy Andreas. Zwar schweigt er sich über die weiteren Wissenschaftler aus, doch ist ihnen zum größten Teil durch die Artikel Gabriele von Trauchburgs beizukommen.[11] Zählt man dort nach, so kommt man auf deutlich mehr Besucher. Es handelt es sich bei ihnen, neben den schon genannten beiden Männern, um Othmar Freiherr von Stotzingen, welcher als erster 1909 Teile der Briefe publizierte, Georg Mentz, Wilhelm Bode, Renate und Ernst Grumach, sowie Joachim und Leonie Berger.[12] Ginge man man bei den Ehepaaren davon aus, nur ein Partner hätte das Archiv frequentiert, so blieben trotzdem sieben Forscher als Besucher zu nennen, zu denen sich mindestens noch der auch bei Trauchburg vergessene Marcus Ventzke, der 2004 aus Donzdorf zitiert, gesellt.

Andreas, Stotzing und Mentz nutzten den umfassenden Briefbestand vor allem wegen ihrer reichhaltigen Informationen zur Erziehung Carl Augusts. Inhalte zu Schriftstellern, die von Goertz initiierte Berufung Wielands an den Hof ausgenommen, findet man dort selten. Da die Briefe, wenn überhaupt, nur in kurzen Auszügen zitiert werden, können uns ihre Arbeiten in dieser Untersuchung leider nicht dienlich sein. In ähnlicher Art verfährt auch Wilhelm Bode, obschon jener seinen Blick leicht über Carl August hinaus schweifen lässt. Erwähnenswert dabei ist übrigens ein Portrait Johann Eustachs vom Hofmaler Heinsius, beigegeben im Band Der weimarische Musenhof. Zu den Abbildungen des Grafen sei unten aber noch weiteres vermerkt.

[...]


[1] Vgl. hierzu die vier Anfangskapitel im ersten Teil von Leitholds Buchpublikation zum Fund aus 2010. Leithold, Norbert: Graf Goertz. Der große Unbekannte. Berlin 2010. S. 7 – S. 51.

[2] Vgl. Leithold, Norbert: Liebesbriefe und Geheimdepeschen. Berlin 2012. S. 8.

[3] Sein voller Name lautete Johann Eustachius Graf von Schlitz genannt Goertz.

[4] Vgl. Leithold: Liebesbriefe und Geheimdepeschen. 2012, S. 9 – S. 22.

[5] Ebd.

[6] Vgl. Trauchburg, Gabriele von: »Wer war Gräfin Görtz? Erste biographische Fragmente zu ihrem 260. Geburtstag« In: Goethes erstes Weimarer Jahrzehnt. Ilse Nagelschmidt, Stefan Weiß, Jochanan Trilse-Finkelstein (Hrsg.). Weimar 2010. S. 319.

[7] Ebd.

[8] Vgl. Puthz, Volker: »Neue Details aus einer bewegten Epoche. Caroline und Johann Eustach von Schlitz g. v. Görtz und ihre Weimarer Zeit« In: Schlitzer Bote. 15. Dezember 2009. Wie auch alle nachfolgenden Zitate aus dem Schlitzer Boten ist auch dieser Artikel über das Online-Archiv der Zeitung abrufbar.

[9] Vgl. Leithold: Liebesbriefe und Geheimdepeschen. S. 25.

[10] Die Goertz-Briefe finden sich übrigens nicht in den von Flodoard edierten Ausgaben, wohl aber in den Bänden von Wolfgang Herwig, die zwischen 1965 und 1967 erschienen. Herwig erwähnt in seinem Vorwort, die Briefe stammen aus den nachgelassenen Manuskripten Flodoards, welcher vor seinem Tode die Möglichkeit hatte, das Archiv aufzusuchen. Vgl. Herwig, Wolfgang: Goethes Gespräche. B 1: München 1998. S. 11, fortan zit. als: Herwig.

[11] Vgl. Trauchburg, Gabriele von: »Zwei verkannte Weimarer Schöngeister. Beobachtungen und Anmerkungen der Gräfin Caroline und des Grafen Johann Eustachius von Görtz zu Literaten und Philosophen zwischen 1768 und 1778.« In: Goethes erstes Weimarer Jahrzehnt. Ilse Nagelschmidt, Stefan Weiß, Jochanan Trilse-Finkelstein (Hrsg.). Weimar 2010. S. 59f, sowie ebd. S. 109

[12] Der gemeinsamen Biographie von Anna Amalia (2006) geht die Dissertation von Joachim Berger (2003) voraus.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Welchen Wert haben die Goertz Briefe?
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V201602
ISBN (eBook)
9783656276517
ISBN (Buch)
9783656277002
Dateigröße
5078 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
goertz, goethe, briefe, leithold, trauchburg, rechberg, sturm, drang, weimar, musenhof, wieland, lenz, herder, carl, august, anna, amalia, donzdorf
Arbeit zitieren
Christian Kaserer (Autor:in), 2012, Welchen Wert haben die Goertz Briefe?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201602

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