Der Gelähmte von Bethesda

Heilung und christologische Ausdeutung Jesu in Joh 5


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

16 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Joh 5 im Kontext

3. Exegetische Betrachtungen
3.1. Die Heilungserzählung
3.1.1. Gliederung
3.1.2. Arbeitsübersetzung Joh 5,1-9b
3.1.3. Einzelversauslegung
3.1.4. Gattungseinordnung
3.2. Der Zwischenteil
3.2.1. Der Konflikt mit den Juden
3.2.2. Die Verse 9b bis 16 als Bindeglied
3.3. Die Rede Jesu
3.3.1. Gottes Handeln im Handeln Jesu (5,17-20)
3.3.2. Lebensgabe und Gericht (5,21-30)
3.3.3. Die Legitimation Jesu (5,31-47)

4. Schlussbemerkungen

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit hat die Heilung des Gelähmten am Teich Bethesda im fünften Kapitel des Johannes-Evangeliums zum Thema. Der Dreiteilung von Joh 5 in Wundererzählung, Überleitung und Rede Jesu folgend[1] , nimmt sie nach einigen Vorbemerkungen zunächst die Wundergeschichte (V.1-9a) in den Blick, beschreibt dann in einem zweiten Schritt den Zwischenteil als Brückenfunktion (V.9b-16) und widmet sich dann in ihrem ausführlichsten Teil der Rede Jesu selbst (V.17-47). Dabei geht sie der Frage nach, inwieweit diese Rede, die der Evangelist[2] als längeren Monolog konzipiert hat, eine christologische Ausdeutung der Heilungserzählung ist, und widmet sich der Theologie des Johannes, in die die untersuchte Textstelle beispielhaft für sein ganzes theologisches Denken eingeordnet werden soll. Dabei soll auch der Konflikt Jesu mit den „Juden“, der in Joh 5,18 eskaliert, betrachtet werden.

Schließlich soll ein Deutungsversuch unternommen werden, welche Funktion das Johannes-Evangelium der Heilungserzählung zuschreibt, welche Botschaft Christi mit ihrer Hilfe verdeutlicht werden soll und wie die Wundererzählungen dem Verständnis dieser Botschaft dienlich sein können.

2. Joh 5 im Kontext

Das öffentliche Wirken Jesu beginnt im Johannes-Evangelium nach dem Prolog bereits im zweiten Kapitel. Sein Auftreten vor Zeugen kann unterteilt werden in Kapitel 3 bis 6, die von Reden und Wundern Jesu berichten, und 7 bis 12, in denen es um Streitgespräche mit Gegnern und der Scheidung in Gegner und Anhänger geht. Insbesondere die Kapitel 5 bis 12 sind geprägt von der Darstellung einer offenen Gegnerschaft zu Jesus.

Die Heilung des Gelähmten am Teich Bethesda steht am Anfang des fünften Kapitels, und das weitere Geschehen im Kapitel bezieht sich darauf. Der Wundergeschichte (V.1-9a) folgt in den V. 9b-16 eine Überleitung, die einerseits Nachgeschichte zur Heilung und Konstruktion des Konflikts Jesu gegen die Juden ist, andererseits auf dem Hintergrund dieses Konflikts das folgende Geschehen bestimmt: die Vorbereitung der Ausdeutung des Wunders Jesu (V.17–47). Das fünfte Kapitel des Johannes-Evangeliums kann für sich selbststehend betrachtet werden: Zeit, Ort und Handlung weisen auf diese Einheit hin. In V.1 kommt es zu einem Ortswechsel von Galiläa nach Jerusalem, zu Beginn des folgenden Kapitels ist ein Ortswechsel von Jerusalem in ein Gebiet östlich des Sees Genezareth. Das in V.1 erwähnte „Fest der Juden“ wird als Grund genannt, warum Jesus nach Jerusalem geht. Es ist wohl eines der drei Wallfahrtsfeste, wahrscheinlich nach Schavuot (Wochenfest), weil in Joh 2 das Pesach und in Joh 7 das Laubhüttenfest stattfindet.

3. Exegetische Betrachtungen

3.1. Die Heilungserzählung

[3] Bereits die Kirchenväter verbanden die Geschichte der Heilung des Gelähmten am Teich von Bethesda mit der Taufe – so zum Beispiel Tertullian bereits um 200 n. Chr., der in der Heilkraft des Teiches einen Verweis auf die Heilung der Seelen durch das Taufwasser sah[4] . Dies bot sich vor allem an durch die eucharistische Deutung der Brotrede in Joh 6 der johanneischen Redaktion, auch ohne dies in Joh 5 eigens zu markieren, wie es durch den Einschub in Joh 6,-51-58 geschehen ist. Auch ein von manchen Exegeten vermuteter Austausch der Kapitel 5 und 6, der aber nicht zwingend ist[5] , lässt sich so erklären: Zuerst kommt die Sündenvergebung und das „Aufstehen“ (V.8.21) zum Leben in der Taufe, erst dann die Eucharistie, die dieses neue Leben nährt[6] .

3.1.1. Gliederung

V.1 bietet eine Exposition zur Heilungserzählung. „Zoomartig“ bewegen sich die Verse 1 bis 5 vom Weitwinkel-Blick auf Jerusalem auf die Stätte zu den Kranken bis zur Nahaufnahme zu dem Gelähmten, von dem dann die Rede ist. V.2f. führt in die Heilungsszene ein, V.5 schließlich nennt das Disäquilibrium. Einer kurzen Dialog-Sequenz (Frage-Antwort V.6f.) folgt in V.8 der Befehl Jesu zum Aufstehen. Die Perikope schließt mit der Heilung in V.9 (Äquilibrium).

3.1.2. Arbeitsübersetzung Joh 5,1-9b

1 Μετὰ ταῦτα ἦν ἑορτὴ τῶν Ἰουδαίων καὶ ἀνέβη Ἰησοῦς εἰς Ἱεροσόλυμα.
Danach war ein Fest der Juden, und hinaufstieg Jesus nach Jerusalem.
2 Ἔστιν δὲ ἐν τοῖς Ἱεροσολύμοις ἐπὶ τῇ προβατικῇ κολυμβήθρα ἡ ἐπιλεγομένη Ἑβραϊστὶ Βηθζαθὰ πέντε στοὰς ἔχουσα.
Es ist aber in Jerusalem beim Schaftor ein Teich, welcher zubenannt ist auf Hebraisch Bethzatha, fünf Säulenhallen habend.
3 ἐν ταύταις κατέκειτο πλῆθος τῶν ἀσθενούντων, τυφλῶν, χωλῶν, ξηρῶν.
In diesen daniederlag eine Menge Kranker, Blinder, Lahmer, Ausgezehrter.
5 ἦν δέ τις ἄνθρωπος ἐκεῖ τριάκοντα [καὶ] ὀκτὼ ἔτη ἔχων ἐν τῇ ἀσθενείᾳ αὐτοῦ·
(Es) war aber ein Mensch dort, achtunddreißig Jahre tragend an seiner Krankheit.
6 τοῦτον ἰδὼν ὁ Ἰησοῦς κατακείμενον καὶ γνοὺς ὅτι πολὺν ἤδη χρόνον ἔχει, λέγει αὐτῷ· θέλεις ὑγιὴς γενέσθαι;
Diesen sehend Jesus daniederliegend, und erkennend, dass viel Zeit er schon trägt, sagt ihm: Willst du gesund werden?
7 ἀπεκρίθη αὐτῷ ὁ ἀσθενῶν· κύριε, ἄνθρωπον οὐκ ἔχω ἵνα ὅταν ταραχθῇ τὸ ὕδωρ βάλῃ με εἰς τὴν κολυμβήθραν· ἐν ᾧ δὲ ἔρχομαι ἐγώ, ἄλλος πρὸ ἐμοῦ καταβαίνει.
Es antwortete ihm der Kranke: Herr, einen Menschen habe ich nicht, dass, wann aufgewühlt wird das Wasser, er mich werfe in den Teich; bis ich aber komme,
ein anderer vor mir steigt hinab.
8 λέγει αὐτῷ ὁ Ἰησοῦς· ἔγειρε ἆρον τὸν κράβαττόν σου καὶ περιπάτει.
Es sagt zu ihm Jesus: Steh auf, trag deine Bahre und geh umher!
9 καὶ εὐθέως ἐγένετο ὑγιὴς ὁ ἄνθρωπος καὶ ἦρεν τὸν κράβαττον αὐτοῦ καὶ περιεπάτει
Und sogleich wurde gesund der Mensch Heilung und trug seine Bahre und ging umher.

[...]


[1] vgl. Wengst, Klaus: Das Johannes-Evangelium, von dem ich die Gliederung übernehme

[2] Der Einfachheit halber wird der Verfasser des vorliegenden Evangeliums als „Johannes“ oder „Der Evangelist“ bezeichnet, ohne dass damit einer bestimmten Abfassungstheorie gefolgt werden soll. Auf die Uneinigkeiten der Verfasserschaft des Evangeliums und die „johanneische Schule“ kann in dieser Arbeit nicht eingegangen werden.

[3] Die Ausführen folgen, wenn nicht anders angegeben, den von mir als schlüssig empfundenen Ausführungen von Klaus Wengst.

[4] vgl. Theobald: Das Evangelium nach Johannes, 363.

[5] Vgl. Wengst: Johannesevangelium,180.

[6] Theobald: Das Evangelium nach Johannes, 363.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Gelähmte von Bethesda
Untertitel
Heilung und christologische Ausdeutung Jesu in Joh 5
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Katholisch-Theologische Fakultät)
Veranstaltung
Johanneische Wundergeschichten
Note
2,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V201704
ISBN (eBook)
9783656277866
ISBN (Buch)
9783656278047
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Referatsausarbeitung zum Referat mit dem gleichen Titel
Schlagworte
gelähmte, bethesda, heilung, ausdeutung, jesu
Arbeit zitieren
Ulrich Hagemann (Autor), 2012, Der Gelähmte von Bethesda, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201704

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