Über den Willen zur Freiheit

Historische Aspekte eines Humanen Motivs


Fachbuch, 2012
136 Seiten

Leseprobe

A.Prolog
1. Drei Gestalten
2. Donnerwetter - ich kann was!
3. Freiheit oder Macht?
4. Macht in der Gruppe
5. Quelle von Gleichheit und Ungleichheit
6. Das Höchste Wesen

B. ZurFreiheit in derRepublik
1. Demokratie als natürliche Staatsform
2. Die antike Polis
3. Religion und Norm in attischen Stadtstaaten
4. Normenwerke
5. Göttliche Gebote
6. Italien 1000 v. Christus
7. Germanisches Gefolgschaftswesen
8. Verfasstheit der Bundesrepublik Deutschland
9. Freiheit ist an Normen gebunden
10. Volk und Republik

C. Zum Ringen um Macht und Freiheit
1. Freiheit und Christentum
2. Stellung der Frau
3. Die Frau im Mittelalter
4. Frauenrechte
5. Das Lehnswesen

D. Zu Freiheit und Recht
1. Rechtsnormen
2. Freiheit und Martin Luther
3. Die Reformation als Freiheitsbewegung
4. Der Bauernaufstand

E. Zur Reformation und dem Westfälischen Frieden
1. Zum Grund des deutschen Föderalismus'
2. Gegenreformation
3. Wurzelnder Aufklärung
4. Erwachen des Nationalen
5. Humanismusund Aufklärung
6. Freiheit im Aufgeklärten Absolutismus

F. Zum Freiheitsstreben in der Neuen Welt
1. Glorious Revoution
2. Freiheit als Unabhängigkeit
3. Preußen und Großbritannien
4. Amerikas Unabhängigkeit

G. Zur Französische Revolution
1. Ereignisse in Frankreich
2. Europa und die neue Friedensordnung
3. Reformen in Deutschland
4. Staatsreformen in Preußen

H. Zu den Befreiungskriegen
1. NapoleonsRussland-Feldzug
2. Erhebung der Deutschen Staaten
3. National-liberales Streben
4. "Ich wünschte es wäre Nacht..."

J.Zum WienerKongress
1. Der Deutsche Bund
2. DieHeilige Allianz
3. Freiheit und Nationalismus

K. Zur Industrialisierung und Monarchie
1. Technik bringt Erfolge
2. Die Soziale Frage
3. Wissenschaft oder Religion
4. Sozialdarwinismus und Sozialismus
5. Christlicher Sozialismus
6. Nationale Bewegungen
7. Die Märzrevolution
8. Neoabsolutismus in Deutschland
9. Emanzipation und Toleranz gegenüber Juden
10. Wilhelm I. wird Deutscher Kaiser

L. Zur Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert
1. Der Vierte Stand
2. Sozialpolitik
3. Die Internationalitätder Arbeiterbewegung
4. Pazifismus

M. Zur Sklaverei und dem Eigentum an Arbeitskräften
1. Sklaverei, Leibeigenschaft und Kolonialismus
2. Abhängigkeitmit Tradition
3. Neue Formen der Unfreiheit

N. Zur Befreiungsbewegung in der Neuen Welt
1. Zum Sezessionskrieg
2. Theologie der Befreiung
3. Eigentum an Leib und Seele

O. Zum Imperialismus und zur Flottenpolitik
1. Nationalismusundlmperialismus
2. Die Dolchstoßlegende
3. ln WeimarerZeit

P. Die Vier Freiheiten und die Vereinten Nationen
1. Die Vier Freiheiten
2. Zu den Vereinten Nationen
3. Zur Entwicklung der Europäischen Union
4. Zur Entwicklung der Deutschen Einheit

Zusammenfassung

Nachwort

Q. Literaturauswahl

A. Prolog

1. Drei Gestalten

Stimme: Höre, dies alles will ich euch geben - ?

Gestalt II: Ich will haben und frei sein!

Gestalt III: - ja - tun und lassen können, hier, was ich will!

Im Hintergrund ein leises Geräusch. Wie Musik von Amadeus plätschert das Wasser, das metertief in den See fließt. Unter einem Baum, dessen Blätter „steh auf‘ säuseln, liegt ein nackter Mann. Die gerade aufgehende Sonne reizt seine Nase zu einem Niesen. Leicht schmerzt dem Mann die Seite. An einen Baum, einige Schritte weiter weg steht Sie: schlank die Gestalt und fein die Rundungen. Ein großartig, natürlicher Anblick.

Schon mal gehört oder gelesen?

Nun - „wir sind zu dritt“,

sagte Eva zu Adam und in diesem Augenblick sieht er die Schlange!

Eva: „Nimm nur, das ist eine wohlschmeckende Frucht“!

Adam: Nein lass - wir können uns an allen Früchten des Gartens erfreuen, sie essen, Honig naschen, aus den kristallklaren Bächen so viel trinken wie wir wollen, warum soll ich von diesem Baum nehmen, von dem uns Vater doch sagte, dass wir diesen nicht kosten dürfen!

Hin und her und her und hin - waren sie zu in Wirklichkeit zu viert, hatte Gott sich in die Schlange versetzt, um sein neues Geschöpf Eva, aus Adams Rippe genommen, zu testen - oder was?

Langsam nahm, nach mehrfacher Aufforderung, Adam den Apfel von Baum der Erkenntnis aus den Händen Evas: Als beide sich ansahen, fiel ihnen etwas auf - sie erkannten, dass sie kein Fell hatten. Sie waren nackt und wussten forthin um ihre Menschlichkeit.

Mit Recht wird der bibelkundige Leser „so ein Quatsch“ sagen. Zugegeben: Es geht weniger ums Fell, als um die Körperlichkeit der beiden. Sie merkten, dass sie Teil dieser Welt sind, dass sie irdisch waren, zu Staub vergehen, wie die Nahrung die sie zu sich nehmen. Haben sie damit Erkenntnis gewonnen oder verloren? Hatte Eva vielleicht schon vor Adam gekostet? Für was steht der Apfel?

Modern gesehen ist dies alles ein wenig bedeutungsgetragen und weniger wissenschaftlich. Der Mensch kommt, nach heutiger Sicht der Dinge aus Afrika und hat sich in verschiedenen Linien von Generation zu Generation aus Affen entwickelt. Keine Angst. Jetzt kommt nicht der zu befürchtende sozialdarwinistische Erguss. Es geht um Freiheit! Verloren Adam und Eva diese dadurch, dass sie Wissen gewannen, und wurden deswegen aus dem Paradies1 vertrieben, verlor der Mensch die paradiesische Einfältigkeit oder gewannen Sie Freiheit durch Wissen und Erkenntnis. Und was ist in evolutionstheoretischer Hinsicht frei?

2. Donnerwetter - ich kann was!

Es ist Morgen. Am Horizont ziehen sich dunkle Wolken über die Savanne zusammen. Die Sippe, fünf Frauen, drei Männer und sieben Kinder, leben in einer Felsenhöhle am Rande der Savanne. Af kommt mit seinen zwei Jagdkollegen ins Lager zurück. Sie bringen ein altes Stück Fleisch mit. Der Rest von einem Gnu, dass sie einigen Hyänen abgejagt haben. Sie legen das Fleisch in die Mitte des Lagers und hängen es an ein Gestell, das aussieht wie ein Zelt, mehrere Stöcke sind zusammengestellt. Saf holt einen scharfkantigen Stein und schneidet das Fell, von dem Rest des Gnus. Es reicht sicherlich, um zwei der Kinder einen Umhang zu machen. Im Hintergrund hört man das Grollen der Savanne. Lichtbitze erhellen das Dunkel. Es ist als wäre es Nachtdämmerung. Die ersten Tropfen fallen auf AFs Fell. Klak, Klak - auf die Felsensteine der Höhle - Klak, auf die Holzstangen. Der Donner wird lauter. Saf holt die Stangen und den Rest von dem Gnu in die Höhle. Der Wind bläst die Blätter schon von den Bäumen, morsche Äste knacken von den Bäumen, die spärlich in der Savanne verstreut sind.

Nun - was hat ein Gewitter mit Freiheit des Menschen zu tun oder mit dem Sündenfall. Frei ist der Menschenaffe oder Affenmensch zu leben wie ein Tier. Er kann jagen und Früchte sammeln. Er lebt wie der Löwe in Rudeln. Paart sich untereinander und ist in diesem übergeordneten Sinne sozial. Ein Kennzeichen auch des modernen Menschen! Er ist voll Kümmernis um die tägliche Nahrung und die Nachkommenschaft. Freiheit und Unfreiheit scheinen sich aus der Natur zu ergeben.

Saf ist die Frau von Af. Af ist nicht so kräftig wie die andern beiden Männchen der Gruppe, er ist aber der Schlauste. Saf: Sieh dort, der Baum leuchtet, weißt die Affin durch wilde Gesten Af auf den einen brennenden Baum hin. Die Windböen lassen das Licht flackern. Af nähert sich langsam, seine wülstigen Lippen verformen sich von breit zu spitz und wieder zu breit. Af zeigt Zähne. Er nimmt sich einen Stock und haut auf den Baum, es brechen brennende Äste herunter. Er merkt, dass es wärmer wird, je näher er kommt. Ein Ast brennt nur halb. Vorsichtig nähert sich Af dem halb brennenden Baumstück. Er fasst es, lässt es schnell wieder fallen, denn er griff voll in die Glut. Af schreit, lässt den Ast fallen, greift an ein anderes Ende, hält den Ast fest in der Hand. Es ist nicht das erste Mal das Af einen brennenden Baum sieht, es wäre aber vulgärdarwinistisch interpretiert, wenn man dächte, dies sei der brennende Dornbusch aus der Bibel.2Diesmal gelingt es Af den Ast ins Lager zu bringen. Mit trockener Baumrinde und einigen reisigartigen Ästen gelingt es Af in einem Loch im Boden vor der Felsenhöhle das Feuer einzugrenzen - wild gestikulierend ruft er die ganze Sippe. Das Feuer spendet Licht und wärmt. Afhaut sich auf die Brust, sein Ansehen in der Sippe ist gestiegen.

3. Freiheit und Macht

Der Mutigste, nicht der kräftigste3der Affenmenschen hat das Feuer gebändigt. Warum ist er im Ansehen gestiegen? Er, Af, hat das wärme spendende und helle Etwas erstmals zur Gruppe gebracht. Er avanciert zum Gruppenführer. Er kümmert sich ums Feuer. Er hält es am Brennen. Fleisch kann gegart werden und ist dann leichter verdaulich, besser zu kauen und wohlschmeckend. Warum schließlich steigt Af im Ansehen der Gruppe? Weil er der Gruppe etwas gebändigt hat - das Feuer? Die Gruppe ändert mit der Bändigung des Feuers ihr Verhalten. Sie lernt die Vorzüge des Feuers zu schätzen. Fleisch wird geräuchert und so haltbar gemacht. Af Ansehen steigt immer weiter. Warum aber? - Af hat auch die meisten Kenntnisse um das Feuer herum. Die Gruppe hat sicher mehr an Fertigkeiten gewonnen, Af an Ansehen. Die Gruppe braucht ihn. Die macht Fortschritte in der Jagdtechnik. Sie brennt Teile der Savanne ab und treibt ganze Herden in die Schlucht. Die Gruppe wächst - AFs Ansehen und das seiner Kinder, denen er die Fertigkeiten weitergibt mit.4Feuer ist Macht: Freiheit im Sinne erweiterte Fertigkeiten und Fähigkeiten führt zu einer Form von Wohlstand für eine betreffende Gruppe, will man Machtzuwachs auf diese Weise ableiten. Af ist mächtiger geworden! Neben mehr Ansehen und Fertigkeit erringt in erster Linie Af - oder sollen wir seine Kinder nach mehreren Generationen nicht mehr Affenmensch, sondern Menschenaffe oder Mensch nennen, mehr Macht. Er hat Macht über das Feuer und Macht in der Gruppe - auch andere Dinge die Af oder der Menschenaffe tut, erhalten mehr Bedeutung. Er leitete die Gruppe und die gesamte Gruppe entwickelt sich fort. Dort wo nicht die Geschicklichkeit über die Gewalt siegt, bleibt die Entwicklung stehen oder es wickelt sich anders fort wie bei Schimpansen, Pavianen oder Uran-Utans. Die Freiheit ist der Natur und deren Gewalt unterworfen. In der Natur herrscht zunächst der stärkere und geschicktere, der Gewaltige, manchmal der Gewalttätigere5. Darum ist Freiheit im Naturzustand ein Grad der Möglichkeit des Umgehens mit der Natur, die mit Macht zusammenhängt. Die Fortentwicklung hängt von dieser Geschicklichkeit ab. Wer die Natur beherrscht, hat Macht - auch über Menschen.

4. Macht in der Gruppe

Es ist das Ende des Pleistozäns, die letzte Eiszeit, irgendwo in Afrika, Steinzeit. Af sitzt an der Feuerstelle. An seinem Spieß hat er einen kleinen Vogel, den er brät. Die anderen sind auf Jagd. Aus Entfernung sieht er drei Gestalten auf sich näher kommen. Offensichtlich zwei Frauen und ein Junge. Die beiden Frauen haben hellere Haare und gar nicht so dicke Lippen. Der Junge ist mittelblond. Die blonde Frau streckt Af die Hand entgegen und scheint etwas zu sagen, ahmt den Schrei eines Löwen nach. Um ihren Hals hängt eine Kette mit Tigerzähnen. Af versteht nicht gleich. Die Frau scheint nachzuspielen, dass sie von einem Löwen angefallen wurde. Ihr Bein ist verwundet, doch ist auf die Wunde ein Blatt gelegt und mit einem Stück Liane festgebunden. Sie hält funkelnde Steine in der Hand. Im nächsten Moment greift sie nach dem gebratenen Vogel und gibt es dem Jungen der etwa sechs Jahre alt ist. Af lässt sie gewähren, er scheint zu spüren, dass die beiden Frauen und der Junge Hilfe brauchen6. Als die anderen der Gruppe mit einem gazellenartigen Reh zurückkommen, erkennen Sie die Situation sofort. Af wartete nicht lange. Als Gegenleistung für die Nahrung fordert er Paarung - und die Frau versteht, wenn sie Schutz und Nahrung der Gruppe will, muss sie sich dem Gruppenführer und der Gruppen ungehörigen unterwerfen. Af nahm die Neuen an und nahm sich eine neue, weitere Frau. Die Kinder von Af mit seiner neuen Frau sehen anders aus als die übrigen in der Gruppe. Die neue Frau erklärte den Kindern, was sie machen mussten, wenn sie sich mit dem Stein geschnitten und hatten oder vom Hund gebissen wurden.7Offensichtlich wusste sie vieles über Kräuter. Im Naturzustand ist Freiheit die Möglichkeit in der Natur und der sozialen Einheit zu leben und zu überleben in Abhängigkeit von der sozialen Machtstruktur. Freiheit in Natur ist offensichtlich die Abhängigkeit von natürlichen Begebenheiten und den Machtverhältnissen nach Maßgabe der eigenen Fähigkeiten. Diese Aussagen scheinen altbekannt. Spätestensjetzt ist es an der Zeit auf eine, beziehungsweise die geistige Ebene von Freiheit hinzuweisen8. Der Mensch suchte und sucht häufig nach Erklärung fur Begebenheiten und Erscheinungen, manchmal unmittelbar nach deren Auftreten, manches Mal später. Unerklärbare Naturerscheinungen legen auch den schon zivilisierten menschlichen Gruppen der Vorzeit nahe, an Übersinnliches zu glauben. Zeus war bei den Griechen der Gott der Blitze warf, wie bei den Römern Jupiter, derjenige, der das Feuer auf den Boden schleuderte. Gleichsam glauben Naturreligionen an verschiedene Gottheiten, übersinnliche Mächte, für alles für das sie keine Erklärung haben. Nicht zuletzt sind Ideologeme Geflechte von Erklärungen für scheinbar Unerklärliches und Mächtiges. Es entwickelten sich Riten und Feiern, um Naturereignisse und deren Erklärungspersönlichkeiten zu beeinflussen, um Macht zu erhalten und zu bändigen. Religionen und Ideologien erklären diese Natur- und Machtverhältnisse. Macht, Freiheit und Natur stehen auf diese Weise durch Ideologie in einem unmittelbaren Erklärungszusammenhang. Noch ein paar Binsenweisheiten: Ideologien und Ideologeme, also Stücke von Ideologien, sind die Teile aus denen sich Religionen und Kulturen zusammenbauen. Kultur ist jedoch mehr als nur Religion, diese aber sicherlich ein Teil von Kultur, betrachteten wir unser modernes westliches Staatswesen. Die ethischen Grundsätze westlicher Demokratien und der EU haben sich seit der Antike und Christi Geburt entwickelt. In der westlichen kulturellen Hemisphäre herrscht Demokratie vor, in verschiedener Ausformung als parlamentarische Republik, zum Beispiel in Deutschland, als parlamentarische Monarchie, zum Beispiel Großbritannien, den Niederlanden oder Belgien oder als präsidiale Republik in Frankreich. Getragen sind alle die Formen der westlichen Demokratie, ich meine die USA und die Europäische Union, von zwei wesentlichen Säulen - der Herrschaft des Volkes (grch.: demos = Volk) und dem Christentum. In der übrigen Welt, in Arabien ist es vornehmlich der Islam in Indien Hinduismus, der Glauben der Sigh oder in China weniger religiös, weil laizistisch-kommunistisch, existieren andere Formen der Herrschaft und Demokratie. Es hängt unzweideutig von Standpunkt des Betrachters ab, was Volk ist (- oder Klasse), also Demokratie. Selbst die Spielarten des Kommunismus zeigen Interpretationsdifferenzen. Beispiele sind Marx' und Engels' Lehre, denkt man nur an die Namensunterschiede zwischen der nicht mehr existierenden Union der sozialistischen Sowjetrepubliken9(UdSSR) und der Volksrepublik China oder der Deutschen Demokratischen Republik10. Die Freiheit der Gruppe ist oft eine Standpunktfrage der Mächtigen, manchmal sogar als Diktatur einer Klasse.

5. Quelle von Gleichheit und Ungleichheit und Gewalt

Es erscheint müßig den Begriff der Freiheit an den Entwicklungen der Gruppen von der Jungsteinzeit bis zu Antike vollständig nachzuzeichnen. Doch ist es mir wichtig zu Fragen wie sich Freiheit, Macht und Demokratie kulturell am Steinzeitmenschen und seinen natürlichen Begebenheiten festmachen beziehungsweise begründen lassen. Das die Natur den Menschen formt ist eins von den schnell einsehbaren Argumenten der Natur- oder Wolfsgesellschaft11.

Ist die Natur dabei different, ist es wohl genauso schnell einsehbar das der Mensch und die Kultur, damit seine religiösen und politischen Anschauungen different sind: Aafs Kinder sind seit Generationen die Häuptlinge und Medizinmänner der Sippe geworden.

Die gewalttätige Gruppe

Es ist Sommer. Gleißend fällt das Licht auf das seidene Haar der Töchter der Sippen, die nach Norden gewandert sind, nachdem die Sommer länger wurden und das Eis schmolz. Schutzhecken umgeben das kleine Dorf in denen Aaf s und seine stark gewachsene Sippe wohnt. Jeder kümmert sich um etwas. Aaf geht Fische fangen, Ef melkt die Kuh und Aav, der ältere, mischt Balsam gegen die Wunden der Jäger. Plötzlich vibriert die Luft. Ein Speer trifft Af, als er beim Fischefangen am Bachlauf hinter dem Dorf im Wasser steht. Etwa zweihundert maskierte Männer, mit Holzmasken und Speeren, Schilden und Steinäxten überfallen das Dorf. Aaf s Familien sind hoffnungslos unterlegen, die Männer werden erschlagen und die Frauen und Kinder werden mitgeschleppt. Drei Wochen dauert der Weg durch den Wald zu dem Berg mit den Höhlen, aus denen die Angreifer kamen.

Was hat sie bewogen?

Anders als bei Aaf herrscht bei den Angreifern ein großer, starker keineswegs zu schlauer Häuptling. Der König dieser Horde hat einen Ritus durchgesetzt. Einmal im Monat, dann - wenn das Licht am Himmel rund ist, soll eine Frau das Liebste was sie hat auf einen Stein legen. Gestalten mit Masken und Steinäxten erschlagen dann das Kind, dessen Herz und Leber diesem Häuptling zu Fraß vorgelegt wird. War auch dieser Kriegszug die Suche nach Opfern für diesen scheinbar Stärksten. Erinnert uns das wieder an was? Mich mindestens an zweierlei. An Abraham12und die Maja. Abraham sollte, nachdem Gott ihn rief, seinen Sohn Isaak auf einen Stein legen und töten. Dies war und ist in nach theologischer Interpretation eine Treueprüfung gewesen. Abraham zweifelte, nahm dennoch seinen Sohn und legte ihn auf den Stein - um ihn zu töten - doch wie es im Sinne christlicher und auch jüdischer Religion ist, wies Gott diese Tat als Opferung von sich und Abraham tötete Isaak nicht. Es haben sich, nicht nur bei steinzeitähnlichen Kulturen, sondern auch bei Kulturen höherer Entwicklung Opferrituale gehalten. Baal wurden Menschenopfer gebracht und auch die Könige der Majas ließen solche Rituale zu und begünstigten diese wahrscheinlich beziehungsweise forderten sie auch. Bei den südamerikanischen Ritualen galt die Leber als Sitz des Lebens. Sie wurde den Opfern entnommen und aus den Händen der Priester dem König dargebracht. Bei Teufelskulten werden in der heutigen Zeit ähnliche Praktiken um Kinder und Jungfrauen beschrieben, die als Opferleiber dienen, um sich deren Lebensenergie einzuverleiben.

Nach heutigem Kenntnisstand der Medizin ist dies sicherlich ein Fehler. Nicht nur die arabischen, islamischen und jüdischen Essensvorschriften künden, wie beim Verzicht auf unkoscheres Essen - damit ist sicherlich nicht nur Schweinefleisch oder der Cheeseburger gemeint - sondern der Verzehr auch menschlichen Fleisches, von strengen Riten. Seit der Zeit der christlichen Seefahrt ist in Europa die Kenntnis um die krankheitsbringende Wirkung des Verzehrs von Menschenfleisch und Organen bekannt. Viele indonesische Stämme, die diese Rituale betrieben, litten an demenztaften Krankheiten. Der Glaube durch den Verzehr des Feindes oder seines Gehirns, seines Herzens und seiner Leber die Kraft des Feindes und sein Leben in sich fließen zu lassen ist eine Mär, die Um- und Verdeutung, teilweise die bewusste Fehldeutung des Gralsmythos13um das ewige Leben.

Dieses Krankheitsbild der Kannibalen kann heute als Demenzia (auch Dimentia - Cannibalisbezeichnet werden - die eine dekadente Geisteskrankheit darstellt. Ein gläubiger Mensch würde es als Fluch des Aberglaubens bezeichnen. Ich denke es kennzeichnet den vollkommenen Verfall fehlgeleiteter kultureller Entwicklung, auch in Verbindung mit Blutsmythen. In Regenwald Südamerikas finden wir heute zerfallene Städte der Majas. Denkbar ist, dass eine große Flut oder Dürre sie alle ausmürbte und dahinraffte. Ist es aber möglich, das unnatürlichen Riten zu Krankheitsausbrüchen führte, die ganze Zivilisationen zerstörten? Heute führen wir Krankheiten bei Tieren, wie etwa die Mad-Cow Krankheit auf Fehlernährung der Tiere zurück. In der Tat wurden und werden animalische Fleischreste Pflanzenfressern gefüttert. Die Mad-Cow Krankheit hat wohlmöglich schon die Artenschranke zum Menschen überschritten. Es starben Menschen an der Creutzfeld-Jacob Krankheit. Ähnliches gilt für die Geflügelgrippe und schließlich mag Aids der Durchbruch eines sich modifizierenden Virus eines Affen durch den Verzehr dieses Tieres von Menschen gewesen sein. Können so die Zivilisationsstädte der Maja ausgestorben sein?

Strenge Lebensregeln widersprechen selbstredend dem Verlangen des auch modernen Menschens nach Beliebigkeit, d.h. nach dem Tun und lassen können, wonach mir gerade mein (verwirrter) Sinn steht - verwirrt in der Zeit der Informationsüberflutung. Ich mag es mal so ausdrücken: (Menschen) - Fleisch essen kann krank machen: geisteskrank. Aber was hat dies nun mit Freiheit am Hut?

Freiheit ist der Wille zum Natürlichen nach Maßgabe der eigenen Fähigkeit dazu. In Erkenntnis eigener Möglichkeiten im Natürlichen ist Freiheit der Wille zur Handhabung von Macht (vgl. Nietsche)ich möchte schon hier ergänzen...im Dienste - des Natürlichen, das dem Menschen und dem Leben zukommt - des menschlichen Fortschritts. Af hatte gelernt seine Angst zu überwinden, das Feuer gefährlich ist und es für die Gruppe brauchbar gemacht, weil er schlau damit umging und es für die Gruppe einsetzte. Dies war ein sozialer Fortschritt, ein Fortschritt der Freiheit für die Gruppe. Schon hier verbirgt sich im Begriff Fortschritt die Grenze zur Freiheit und zum machbaren in der Beliebigkeit des Umganges mit neuen Errungenschaften. Setze ich Neues nicht konsequent und in Tradition für Freiheit, das heißt Menschlichkeit und Humanität ein, handele ich widernatürlich und verspiele die Möglichkeit zur Freiheit, wie das kräftige und unfähige Tier oder die animalische Gruppe, die mit dem Feuer das Haus anzündet. Der animalische Trieb ist der menschlichen Intelligenz unterlegen, - klar doch - möchte man meinen. Doch die Geschichte hat oft genug beweisen, dass dies nicht immer der Fall ist, auch wenn es wünschbar wäre. Dies mag der Grund sein, warum hohe Zivilisationen aussterben, wenn Macht und Gewalt nicht richtig verwendet wird - sich nicht am Lebenssinn orientieren.

6. Das Höchste Wesen

Schaut man auf die verschiedenen Kulturen in dieser Welt, wird eines offensichtlich und augenscheinlich: Die meisten gehen von einem höchsten Wesen aus, einem höchsten Gott, wie Jupiter oder Zeus, Wotan und Odin. Dabei ist die Gottheit - oder sind die Gottheiten nicht weltentrückt, sondern mit ganz menschlichen Attributen ausgestattet. Der Gott des Alten Testamentes ist eifersüchtig, zornig, hilfsbereit, gerecht,... so wie man sich einen guten Vater vorstellt. Auch der gottgleiche Pharao ist in Menschengestalt eher ein Vater des Volkes, der Menschen - nicht ein blinder Herr oder eigensüchtiger Herrscher. Auch Mohamed predigt von Gott - von nur einem wirklich existierenden, als jemand der väterlich ist. Nicht wesentlich anders ist es bei den Buddhisten und Hindus, um nur einige der großen Weltreligionen zu nennen. Wesentlich bei allen dieser Weltreligionen ist eine evolutionäre Dimension und bei allen spielt Licht oder Erleuchtung eine entscheidende Rolle. Der Erleuchtete, der Heilige, das Lichtwesen ist der Welt entrückt - ist dem Menschen in einer Beschützerrolle zugetan, wie die Engel im christlichen Glauben.

Ein Regelwerk zum Beten oder für eine gute Lebensführung, das Wort Gottes im christlichen Glauben, soll Unheil fernhalten und ein Miteinander von Natur und Mensch gewährleisten. Das evolutionär fundamentale und unbestreitbar universelle Symbol für Gott, für ein höchstes Wesen ist Licht. Evolutionär - warum? Weil neben den Elementen Wasser und Luft, Feuer, -besser Licht, lebensspendend ist. Die Orientierung an der Lichtquelle ist den meisten lebenden Organismen als Orientierungsreaktion gemeinsam - er bildet einen Archetypus auch für den Menschen. Selbst die den Religionen oft beiseite stehenden Totenkulte implizieren den Tod als Teil des Lebens, im christlichen Glauben ist der Tod Teil des ewigen Lebens - dem ewigen Licht zugewandt.

Neben aller Differenz gibt es archetypische Gemeinsamkeiten aller Religion, Kultur und Kreatur. Freiheit als Wille zum Natürlichen zeigt sich in der Orientierung am Lebendigen über alle kulturellen Unterschiede hinaus. (Ende Prolog)

B. Zur Freiheit in der Republik

1. Demokratie als natürliche Staatsform

Vielen kommt unsere heutige pluralistische Gesellschaft als wirklich frei vor und die Mitbestimmung in Staat und Gesellschaft ist sehr demokratisch. Ja - mag sein, Deutschland ist eine Parlamentarische Republik - aber was ist Deutschland, was Demokratie und was eine Republik ist historischer Entwicklung. Zurückgedacht zu den Anfängen stammen wir ja alle von Adam und Eva ab - biblisch gesehen. Das heißt, es gibt zwischen den Menschen keine Unterschiede. Alle sind gleich - alle sind Menschen. Doch schon seit der Tat Kains, der seinen Bruder Abel aus Neid und Missgunst erschlug, gibt es Unterschiede zwischen Täter und Opfer, zwischen dem guten Zweig der Menschheit und den „Minderwertigen“, den Auserwählten und den Anderen, wovon in der Bibel steht, es werden am Ende nur 144- Tausend sein, die gerettet werden. Gehören wir zu diesen oder zu der Masse an schlechten Menschen? Darwinistisch gesehen waren Adam und Eva wohl eher zwei Menschenaffen, die Kinder beziehungsweise Junge hatten, woraus sich verschiedene Arten von Menschen entwickelten, gute und weniger gute. Aus der Familie entwickelten sich Sippen, Stämme und Stammesbündnisse, ganze Völker - heute zum Teil Minderheiten. Der Begriff des Volkes geht genuin auf die Familie beziehungsweise auf unterschiedliche Familien zurück. Daneben gibt es Stammesfamilien und ganze Völkerfamilien und Rassen, wie Europide, Afrikaner u.s.w. Hier zu behaupten, sie wären alle gleich ist ein Kennzeichen von Blindheit - sie sind ungleich:

- aus der stammesgeschichtlichen Entwicklung hervorgehend,
- in der Religion14(jede Naturreligion hat ihre divergierenden Spielarten,
- kulturell15.

Doch als Menschen, als natürliche Wesen haben sie alle denselben Anspruch auf Würde, als natürliche Kreatur angesehen und behandelt zu werden. Diese innere und gültige philosophische und humane Überzeugung kann als philosophisches Axiom, als Paradigma angesehen werden - und mag die Ursache für die moderne Staatenbildung sein, für die Entstehung von Gesellschaft und Gemeinschaft16. Denn Ungleichheit sollte und soll durch die humane Gemeinschaft und in den Vergesellschaftungen von Familie und Volk beziehungsweise Völkern niviliert werden. Dies ist wohl das entscheidende Problem einer funktionierenden Polis. So ist der Politiker der Manager der Gesellschaft und Gemeinschaft, die ungleich ist. Hieraus ergibt sich die Forderung: Der Politiker hat die Freiheit des ungleichen Individuums in der Gesellschaft (Staat) zu gewährleisten. Die Gleichheit der Individuen kann der Politiker nicht gewährleisten, denn sie ist nicht existent, wohl aber die Würde des Menschen. Freiheit wird in unserem heutigen Staatswesen oft in einem Kausalzusammenhang mit Demokratie, der Herrschaft des Volkes gesehen. Nur scheint es außerordentlich wichtig neben der Freiheit des in Uno-Chartern verbrieften Selbstbestimmungsrechts des Volkes zu differenzieren und zu fragen, was Volk denn genuin ist. Af hatte eine Frau und Kinder, sie wuchsen zu Familien, aus der Familie wurde nach Aufnahme EFs die Sippe, der Stamm. Ein Blick auf die Entwicklung der Demokratie des alten Griechenlands, das von deutschen Politikern häufig als Beispiel und Idealbild von Freiheit in Verbindung mit Demokratie genannt wird, stellt die Polis in den Mittelpunkt.

2. Die antike Polis

Etwa 2500 vor Christus bildeten sich in der Ägäis verschiedene Kulturkreise, die im wesentlichen bäuerlicher Charakter hatten, die bekanntesten sind die von Attika und Korinth, die nicht indogermanisch waren, also eher nicht am Schwarzen Meer entstanden sind. Sie können afrikanische Wurzeln haben oder auch aus Rückwanderern nördlicher Gefilde entstanden sein. Die Einwanderung indoeuropäischer Stämme gibt es seit 2000 vor Christus. Man kann sich leicht vorstellen, dass diese Einwanderung nicht ganz friedlich war. Trotzdem kam es hierbei zu keinen großen Schlachten. Die Verschmelzung dieser Achaier, es mögen auch Germanen und Kelten unter ihnen gewesen sein, mit der Urbevölkerung des Mittelmeers, führte in das mykenische Zeitalter. Es bildeten sich verschiedene Stämme und Stammesriten heraus. Gemeinsam war ihnen jedoch schon eine Differenzierung zwischen eher Herrschenden und rechtlosen, zwischen Patriziern und Plebejer, wenn man es zu dieser Zeit auch noch nicht so genannt hat. Sie bauten Burgen. Ja - Athen ist eine mit der Arbeitskraft von Landstämmigen (Bauern) errichtete Burg, ebenso Theben oder Jolkos im Norden. Die Wehrhaftigkeit der Bauern in ihren Burgen, lange bevor in Mitteleuropa die bekannten Burgen gebaut wurden, und lange bevor sich in Mitteleuropa Städte unter dem Ruf „Stadtluft mach frei“ bewehrte Stadtanlagen durch die Kraft von Bauern und Handwerkern bildeten, zeigte das Streben nach bewehrtem Leben in traditioneller Ordnung durch die Sicherheit von Mauern (dies könnte einer von der Staatssicherheit der DDR geschrieben haben) und gemeinsamer Ordnung. Bewehrung zielte auf die Abwehr von Angreifern und auf innere Sicherheit. Jedem scheint heute eingängig, dass Freiheit, wenn sie einmal errungen scheint, gewahrt werden muss und deswegen einer Bewehrung bedarf. Der Bauer und Bewohner der Burg war auf diese Weise nicht nur derjenigen, der durch seine Freiheit Wohlstand genoss - er war auch der Träger der Sicherheit - er war auch Krieger, der wehrhafte Kämpfer gegen Angreifer. Der Wahrung der Freiheit bedarf die Verpflichtung des einzelnen „Bürgers“ auf Beteiligung an der Gewährung von Sicherheit. Wir können uns die Gemeinschaft der Menschen im Antiken Athen durchaus als demokratisches miteinander Leben vorstellen. Doch war nicht jeder Stadtstaat in Griechenland gleich demokratisch. Die Polis war der Stadtstaat des antiken Griechenlands. Er entwickelte sich aus den festen Burgen und den Ländereien umher. Kennzeichen dieser Stadtstaaten war eine gewisse Unabhängigkeit.17Sie waren in einem gewissen staatspolitischen Sinn frei, denn neben Autarkie wiesen sie sich durch innenpolitische Unabhängigkeit, d.h. keine Fremdeinmischung aber außenpolitischer Selbstbestimmung aus. Zwei ganz bedeutsame Faktoren für die Freiheit eines Staates, ob Bundesstaat oder Staatenbund, sind hiermit genannt: nämlich Selbstbestimmungsrecht und Abstinenz von Fremdeinmischung. Souveräne Staaten auf dieser Welt kennzeichnen diese zwei Freiheitsdimensionen. Beides basiert darauf, dass auch das staatsbildende Volk eines im genuinen Sinne ist, nicht der einfache Staatsbürger. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker, wie es in der Uno-Charter umzeichnet ist, meint den Staat, der die Familie als Ursprung hat und sieht, als das Volk in stammesgeschichtlicher Hinsicht. Wie heute in der multipolaren und komplexen Welt, der Zeit nach dem Kalten Krieg, wurde das Verhältnis der attischen Staaten untereinander durch Bündnissysteme gewährleistet. Entscheidend für den Stammescharakter der Polis ist, dass sich ihr Name aus der Bevölkerung der Stadt, dem Stadtvolk ableitet - nicht nach der Örtlichkeit. Traditionell­rituell war auch die allgemeine soziale Struktur. Es wacht ein Gott über die Stadt und die Gemeinden durch seine Regeln, die durch Priester verbreitet und aufrechterhalten werden. Schon hier findet sich das im Mittelalter für das Lehnswesen typische Schutz-Treue Verhältnis: Zeus schütze die Polis. Gemeinsam war den Stadtstaaten nicht nur die Differenzierung zwischen Patriziern, wozu die Priester, Krieger und Gelehrten zählten, und Plebejern, was weniger ein Qualitätsunterschied als ein Tätigkeitsunterschied gewesen ist, sondern auch die Form des Königtums. Es gab unter den Bauern Krieger und Großgrundbesitzer. Der König herrschte nicht aus eigener Willkür, sondern nach den allgemeinen kulturellen, religiösen und rituellen Regeln - der König, der sich in den Stadtstaaten fand, übte seine Macht unter diesem Regelwerk in Ableitung von der Gottheit (Zeus) aus. Der Grieche der Polis genoss seine Freiheit in treuer Verpflichtung auf seinen Stadtstaat und auf Zeus. Eine absolute Stilisierung der attischen Polis als Vorbild für die moderne europäische Demokratie ist sicherlich zu abstrakt. Zu groß sind die Unterschiede und zu stark der animalische Trieb des Menschen. Wurde Zeus unter der indoeuropäischen Einwanderungswelle zum Wetter und Lichtgott, zum göttlichen Erzeuger und Hüter des Rechts, zeigen die Menschen doch ihre nicht weniger archetypischen, animalischen Schwächen. Es bildeten sich Oligarchien, die Herrschaft weniger über viele, durch Patrizier aus, die sich weniger im Dienst an der Polis verwirklichten, als den Reichtum in die eigenen Taschen zu wirtschaften, ohne gute Zweckbindung. Sie leiteten das Gut der Polis in den eigenen Münzbeutel, um Genuss und Wohlstand zu frönen - und dies ohnejede kultische und edle Bindung. Dies schwächte Stadt, Burg und schränkte natürlich die Freiheit der gesamten Polis enorm ein, wie später auch in Rom offensichtlich wurde. Es fehlte das Interesse am Gesamten und der Patrizier diente seinem eigenen Wohl. Böse Zungen könnten sagen: siehst Du - alles schon Mal da gewesen. 1000 vor Christus ist auch der Zeitraum der Herausbildung von Tyranneien. Große beispielhafte Übertreibung oder andersherum: Auch Tiefstapelei überdeckt das eigentlich gut gedachte in der Polis negativ, denn bescheidene Gelehrsamkeit und Lehre schienen dem Machterhalt einer Oberschicht zu dienen. Sokrates wurde wegen Verderbnis angeklagt und 399.v. Chr. hingerichtet.

3. Religion und Norm in attischen Stadtstaaten

In den attischen Stadtstaaten gab es zwei wesentliche kultische Richtungen. Die eine war der überlieferte der mediterranen bäuerlichen Kultur, die andere - die sich nach der indoeuropäischen Einwanderungen entwickelnde olympische mit dem Göttervater Zeus. Im zweiten Jahrtausend vor Christus verschmolz die altmediterrane Gottesvorstellung mit der indoeuropäischen. Die Gliederung der antiken Götterwelt fand ihre irdische Ordnung in der durchaus noch feudalen Struktur der wichtigsten Städte des Hellenismus. Neben Athene, war es der Göttervater Zeus, Hera, Poseidon, Hermes, Apoll und auch Dionysos, denen gehuldigt wurde. Hera war die Göttin der Familie, der gebändigten Feuerstelle, Ares der Kriegsgott doch Apoll war der Gott des Astral's, der Reinheit und der Helligkeit - neben Zeus Lichtgestalt voll innerer und äußerlicher Schönheit und Harmonie. Daneben gab es gerade bei den Phythagoränern einen Glauben an ein Jenseits mit den Göttern und durch sie - als Strafe und Lohn für das diesseitige. Die weltliche Bedeutung solcher Religionsauffassung war das Normen setzendes Instrument18, das Recht, das von Zeus kommt und überwacht wird, durch König und Priester. Der Priester setze mit dem König unmittelbares Recht. Ausgeübt wird das Recht durch die hierfür von den Göttern (Gott) befohlenen, über den Umweg des Königs oder Priesters19. Recht wurde von König gesetzt und meist durch die Priester und deren Delegierte ausgeübt.

Das Recht bestimmt auch die sittliche Freiheit des Einzelnen in der Polis, gleichgültig welchen Ranges. Die rechtliche Norm leitet sich aus dem übersinnlichen, dem Transzendenten ab. Die Struktur des Lebens hängt am Glauben und an der höheren transzendentalen Einsicht - beziehungsweise dem Grad der Erleuchtung. Recht leitet sich aus den Erklärungen für das Natürliche und von den Göttern ab. Die Norm ist hingegen praktisch auf die Lebensbegebenheit bezogen. Das für den Menschen Mögliche in der Natur wird erkannt als der Wille der Götter.

Die für die spätere europäische Aufklärung wichtigen antiken Philosophen Pythagoras, Aristoteles, Sokrates und Platon halten, wenn auch in Ansatz divergierend, die natürliche Erfahrung des Menschen als konstituierend für das Recht. Der Mensch erhält seine Grenze durch die Natur: Dies ist in der induktiven Erkenntniswelt und in der deduktiv gesetzten Kenntnis der Naturerklärung gleich. Es ergänzen sich beide Modelle der Erfahrungswelt und der Explikationswelt gegenseitig. Versuchte Sokrates die Erscheinungen der Welt zu erklären war es Platon, der die Grenze durch Erfahrung des Individuums erkennbar machen wollte.

Einmal ist die Norm gesetzt durch die höhere Erkenntnis des Lehrers zum anderen durch die natürliche Erfahrung des Individuums. Freiheit als Orientierung am Lebendigen hat seine Grenzen in der Erfahrung des Natürlichen (dies ist eher die platonische Sicht der Dinge) und muss von einem Standpunkt des höher Erkennenden, des Lehrers oder Richters, als natürliche Norm und transzendentes Gebot gesetzt werden (die ist eher die Sicht von Sokrates).

Es ist müßig aber interessant genau festlegen zu wollen wie und warum sich Platon und Sokrates eher zu ergänzen scheinen als zu widersprechen. Es mag eine verengte Perspektive sein, einer Schule folgen zu wollen. Bei möglichen Erklärungsversuchen sollte der Kelteneinfall und der Baalkult, der in dem hellenistischen Zeitalter durchaus Anhänger hatte, nicht vernachlässigt werden. Die Einmischung anderer Vorstellungen führt auch im „Gastland“ häufig zu Veränderung der transzendentalen Vorstellung bis hin zur Mutation der rechtlichen Norm.

Bedeutsam ist, dass der induktiven Theorie Platons wohl, wie in verschiedenen Spielarten des Liberalismus20, der Glaube an die Fähigkeit zur Einsicht in das Mögliche und damit zur Freiheit unterstellt werden muss. Negation des offensichtlichen ist die Negation des Möglichen und damit die Negation eigener Fähigkeit und Freiheit, beziehungsweise der Fähigkeit zur Freiheit. Die Einsicht in die Gedankengänge oder Gedankenwelt des Lehrers Sokrates ist Voraussetzung für Platons Glaube an das Gute im Menschen - als an die Qualität der Einsicht. Die Negation von Norm und Erfahrung zeigt die Grenze eigener Fähigkeit auf, auch die Fähigkeit zur Einsicht, insofern die Erfahrung natürlich ist und die Norm auf der Natur basiert. Der Arbeiter, der in Gehart Hauptmanns "Die Weber" das Nein propagierte, führte zwar den Aufstand der Weber mit an, negierte aber die Natur und die Kraft des Stärkeren - schon gegenüber dem Zahlmeister Zwanziger und verursachte die blutige Niederschlagung des Aufstandes mit. Was geschieht, wenn dieser oder solcher Aufstand losbricht? Nach Marx schwillt dieser zu Revolution und läuft von Revolution zu Revolution, bis die Arbeiterklasse ihre Herrschaft einrichtet u.s.w. Die Entartung dessen haben wir in der Sowjet-Union und auch in der DDR erlebt. Das Nein zur Pression ist manchmal, wenn es unreflektiert oder suggerierte Unfreiheit ist, nicht das Nein zur eigenen Ohnmacht, nicht ein „Nein“ gegen die Schere im Kopf - sondern das Skalpell des Optimaten, der verdeckt Grund zur Okkupation und zum Machterhalt sucht. Dies zu erkennen ist heute wie damals Pflicht des mündigen und beteiligten Bürgers. Die Gedanken sind frei - vor allem bei dem, der Sie sich macht. Leider muss man in der heutigen Konsumgesellschaft sagen, dass die Gedanken unfrei gemacht und auf Aktion getrimmt werden.

4. Normenwerke: Gleichheit vor dem Recht

Die überlieferten Regeln des göttlichen Rechtes finden und fanden ihren Niederschlag in Gesetzestexten, wie der Bibel, oder die Verfassung Solons und Kleisthenes im antiken Athen. Bei Solon delegierte das Volk von Athen eine Versammlung und ein Gericht, welche die Regierung, die Archonten und den Schatzmeister wählten. Diese wählten die Beamten aus, entschieden über Krieg und Frieden, erwählten die Richter und überwachten und bestimmten die Gesetze. Die Archonten wählten den AREOPAG - die Oberaufsicht, die Wächter der Gesetze. Die vierte Klasse bildete zudem einen Rat der 400, der in der Volksversammlung eine Art Initiativrecht für Gesetze besaß. Die Verfassung Solons hatte wesentliche Eckpfeiler, der Sie flankierte: Die Leibeigenschaft wurde aufgehoben (in 6. Jahrhundert vor Christus in Athen), es wurde die Macht der Besitzenden durch ein Klassenrecht eingeteilt (die Klassen stellten allerdings etwas ganz anderes dar als die Klassen des Kommunismus, sie war nach Besitz gestaffelt und auch besitzlose hatten Rechte) und eine Währungsreform. Wesentlich warjedoch dass Rechte aufgezeichnet wurden und jeder Bürger die Möglichkeit zur offenen Anklage hatte. Athen hatte also eine geschriebene Verfassung. Der demokratische Fortschritt den schließlich Kleisthenes Verfassung bedeutetet war die Isonomie: dass alle Staatsbürger dem gleichen Recht unterworfen waren. Dies bedeutete neben dem existierenden göttlichen Recht eine Form der höheren Gerechtigkeit für alle unter diesem Recht lebenden Menschen, auch eine Form ersten bürgerlichen Rechts.

5. Göttliche Gebote - als Normen

Die Ableitung des Rechts im frühen Athen fußte auf den Geboten der Götter. Sie wurden aufgeschrieben und dem praktischen Leben angepasst. Nicht viel anders bei den Juden. Die Gebote, die Moses auf dem Berg Sinai empfing (auch in christlicher Interpretation), waren und sind für die Juden Gottes niedergeschriebenes, heiliges Wort. Sie stellten nicht eine Verfassung eines Staates dar, sondern höheres Recht - wie es schon im ersten Gebot zum Ausdruck kommt, ist Gott ein Weltenherrscher mit menschlichen Attributen. Gott sei ein eifersüchtiger Gott21, Die Gebote wurden durch Moses niedergeschrieben, nicht weil, wie im platonischen Sinne, der Mensch von sich aus gut und einsichtig ist, sondern weil er schlecht handelt, und Gott gegenüber ungerecht ist - wie in der Geschichte vom goldenen Kalb22, wo nach der Reise durch die Wüste und Gottes Wundertaten, - der Auszug aus Ägypten war nun einmal gelungen (Exodus) - die Juden Götzen anbeteten. Ich möchte daran erinnern, dass die Gebote mehrfach aufgeschrieben und abgewandelt und verfeinert wurden, weil sich die

Menschen Israels daran nicht hielten. Die Gesetze wurden mit der Zeit spezieller und genauer. Unbestritten etablieren Verfassungen und göttliche Gebote eine Herrschaft, auch im antiken Griechenland der Patrizier und Priester, beziehungsweise die Gelehrten. Herrschaft leitete sich somit aus dem Naturzustand unter Beteiligung des Rechts Gottes oder allgemeinen Rechts ab. Freiheit ist nur in diesem Rahmen möglich. Freiheit bedeutete in der Antike vor allem auch die Gleichheit vor dem Gesetz, das sich aus Naturrecht und den transzendenten Vorstellungen ableitet. Ein historischer Blick auf die Demokratie der Antike wäre verfälschend, würde man die Kriege der Stadtstaaten untereinander, auch jenen mit unterschiedlicher Staatsform und divergierenden Rechtsnormen, aus dem Auge lassen. Arbeiteten Athens Philosophen an der Demokratie, herrschten in anderen Stadtstaaten Monarchien. Schließlich führten die innerattischen Kriege zu einer Vorherrschaft Athens. Nachdem die erneuerte Demokratie Athens aus innerer Unsicherheit, Sokrates wurde wegen der Verderbnis der Jugend! - durch den Schierlingsbecher hinrichtet, stieg sein Schüler Alexander zu monarchischer Macht auf und richtete für die Griechen nach Issos Schlacht ein Weltreich auf. Wesentlicher als die Macht und das kriegerische Können des Makedoniers ist wohl, dass sich das Gedankengut der Mykener (Bibliothek Alexandriens) hierdurch über den gesamten kleinasiatischen Raum und Nordafrika und später über Rom bis nach Mitteleuropa verbreiten konnte. Was wäre wohl gewesen, wenn die Perser in Issos das mykenische Heer geschlagen hätten. Alexander kann als Kriegsgott mit friedlicher Wirkung bezeichnet werden. Ganz im Sinne des Gemeinspruchs Kants, der davon ausgeht, dass ein gerechter Krieg zum Frieden und zur Prosperität führt, wenn der Weise siegt, denn Kriege seien zwar notwendig „sollen aber mit der Zeit ganz aufhören“. Neben der Demokratie gab es eben in Griechenland ebenso Monarchie und Tyrannei. Eine Verklärung der mykenischen Staatsformen als Vorbild wäre fehl am Platze. Dasselbe gilt für Rom.

6. Italien 1000 vor Christus

Die Ureinwohner Italiens, wenn man von der Zeit um 1000 vor Christus ausgeht, waren im Norden von den Kelten, die sich mit den westlichen Etruskern vermischten und im Osten von den teilweise semitischen Illyrern umrandet. Sie waren die Träger der sogenannten Molfetta, Stentinello und Remedello Kultur. Später bezeichnete man sie als Terra mara (dunkele Erde) Kultur. Im Süden des italienischen Stiefels herrschte die an Hellas angelehnte Kultur. Man kann also schon früh von einer Art kulturellem Schmelztiegel in Italien sprechen, in dem Kelten, Illyrer und Griechen dominierten. Erst um 750 vor Christus kam es zu der eigentlichen Gründung Roms. Die Legende erzählt von den sieben Hügeln und den Himmelserscheinungen, von Romulus und Remus. Tatsächlich war die Gründung Roma ein bewusster politischer Akt, nämlich der Zusammenschluss, der unter etruskisch-griechisch­keltischen Einfluss stehenden Latiner und der illyrisch beeinflussten Sabiner. Der Name der Stadt leitet sich aus dem etruskisch-keltischen „Gens Ruma“ ab. Später einigte man sich mit dem Sabinerfürsten Titus Tatius und auf die Herrschaft der sieben Stadtkönige. Rom war ursprünglich eine Monarchie und sollte sich zu einer monarchischen Republik entwickeln.

In der Gründungsphase Rom löste sich die Familie der Stadtgemeinde vomjeweiligen Stamm und wurde selbstsicherer und selbstständiger in dem die Bindung an die Gentes23, die zugunsten der Bildung des Volkes aufgehoben wurde. Nicht mehr der Stamm und der Häuptling sind maßgeblich, sondern der Senat (Adelsrat) und der einzige König, später der Magistrat und der König. Ist diese Machttrennung kennzeichnend für Republiken? Nein - vorerst nicht, wohl aber für deren entstehen - denn Rom blieb nicht Monarchie, sondern entwickelte sich zu Republik. Der König wurde noch mit Zustimmung der Götter eingesetzt. Dazu bedürfte es einer Priesterschaft, die sich selbst rekrutierte. Wesentlich für das gesamte Volk, das sich zur Treue auf den König verpflichtete, waren das Auspizium und die Anerkennung und das Erkennen des Willens der Götter. Das römische Volk bestand aus den beinahe rechtlosen Plebejern und den adligen Patriziern sowie den Kriegern. Rom war zu dieser Zeit eine Männergesellschaft, denn die Verpflichtung des Volkes erfolgte auf den sogenannten Curien, denen nur Männer angehörten. Plebejer wurden nicht gefragt.

Eine Heeres- und Verfassungsreform beendete die Königszeit um 300 vor Christus vorerst. Es wird ein Senat gebildet, in dem die Geschlechter Roms mit 300 Abgeordneten vertreten waren. Ein zu diesem Zwecke aus dem Senat ernannter Zwischenkönig bestimmt den Magistrat, dem die Konsuln angehören, welche in Kriegszeiten den Diktator ernennen, und dieser den Oberst. Ja richtig gelesen, die „Senatus populusque Romanus“, hatten die Möglichkeit einen Diktator einzusetzen. Es war die erste republikanische Verfassung und als Antwort des regierten Volkes auf eine etwaig ungerechte Herrschaft des Göttlichen Rechts und monarchischer Verfassung eher ungeeignet, wenn es auch Volkstribune und plebejische Beauftragte gab. Auch wenn die oberste Macht nominell bei den Konsuln lag, hatten die Herrschenden immer die Möglichkeit bei Widerstand auch im Inneren den Diktator einzusetzen. Dieser hatte die Gewalt über das Heer. In Kriegszeiten hatte der Diktator unumschränkte Macht - ohne Rechenschaft. Dies war für einen militärischen Sieg gegen einen äußeren Feind in der Tat sogar dienlich. Das Volk wurde vertreten durch die Volksversammlung. Die Vertreter des Magistrates wurden seit der sogenannten servianische Verfassungsreform durch das römische Volk bestimmt. Ein Vorbild für unsere Demokratie?

7.Germanisches Gefolgschaftswesen

Anders als in der Antike, ob in der römischen Republik oder im antiken Griechenland bildete sich ein Gemeinwesen bei den Germanen aus. Schicksal oder Glück war eng mit Herrschaft verbunden. Es ist gar nicht falsch, auch wenn es sich hierbei eher um die keltischen Gallier handelte, ein wenig an Asterix zu denken. Denn Germanen lebten wie die Kelten in einer dörflichen Kultur. Es gab die Handwerker und Priester, die Druiden. Der Führer - der Majestix, eines Dorfes oder Stammes, war meist derjenige, der 1. stark - und 2. von Schlachtenglück gesegnet war. Gelang es einem Krieger sich zu profilieren und wurde er von den Priestern - in germanischen Kulten eher Magier - „gesegnet“, galten diese als Führer des Dorfes oder Stammes. Hieraus kristallisierte sich ein Königsgeschlecht heraus, das sich in Jagd und Kampf beweisen musste und dann per Akklamation (allgemeiner Zustimmung) Dorf oder Stamm führte. Das Schlachtenglück hing natürlich nicht alleine von der eigenen Kraft oder einem Zaubertrank ab - sondern von der Gunst Odins oder Wotans. Sich zu beweisen war Pflicht der Krieger - der Sieg eine Gunst der Götter. Im diesem Sinne leistete der keltische Fürst Xeringetorix den Römern und Julius Caesar lange Widerstand - bis ihm und den selbst zahlenmäßig überlegenen Kelten das Schlachtenglück verließ. Heute machen wir die Kriegs- und Militärtechnik der Römer für den Sieg verantwortlich; eine Begründung die naheliegender ist, betrachtet man auch das Beispiel von Herman den Cherusker. Diesem gelang mit Kenntnis der römischen Kriegsführung ein bedeutender Sieg. Ostgermanien blieb frei? Oh - habe ich da frei geschrieben. Natürlich: Freiheit ist -vor allen auch die Abstinenz von Okkupation, Fremdbestimmung und Handlungen wider den Willen des Volkes - heute im Rahmen allgemeinen humanistischer - man könnte auch sagen christlicher - Gesetze!

8. Verfasstheit der Bundesrepublik Deutschland

Das Grundgesetz verliert seine Gültigkeit an dem Tage „an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die vom deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist“, heißt es beziehungsweise hieß es im Artikel 146 des Grundgesetzes. Dies bedeutet nicht nur, dass das deutsche Volk zurzeit keine selbstbestimmte Verfassung hat und nur ein gegebenes Grundgesetz. Artikel 146 impliziert auch einen Volksentscheid über einen Verfassungsentwurf. Gesetze werden aber gegeben -, von Herrschern, Parlamenten oder Siegern, das Grundgesetz ist dem deutschen Volk, unter der Federführung der Alliierten Siegermächte, am 24. August 1948 auf dem Konvent von Herrenchiemsee in einer ersten Fassung gegeben worden. Ein Convent ist im engeren Sinne ein Begriff der republikanischen Tradition, wenn man die christlichen Konvente in Klöstern im Allgemeinen ausnimmt, soweit - so gut: Deutschland ist seither eine Republik. Schon in der Französischen Revolution, die erst in eine jakobinische Republik - und dann in ein Kaisertum unter Napoleon mündete, gab es Convente, vor allem der Jacobiner. Doch der Ursprung der Verfasstheit einer Republik und was in einer Republik das Volk ist, liegt in der Antike - im alten Griechenland und im Rom der Caesaren. Eine Republik ist nicht immer die bei uns beschworene Bürgergesellschaft, sondern auch völkisch zu verstehen.Griechenland und seine Gemeinwesen, wie zum Beispiel die Polis Athens, sind die eher ethischen Vorbilder unserer demokratischen Ordnung. Der griechische Philosoph Aristoteles formulierte „so wie es für den Menschen gilt, die rechte Mitte zu wahren, so ist es auch im Staatsleben die richtige, vernunftgemäße Form das Beste.“ Dies ist nicht nur aufklärerisch, in diesem Sinne lebte und regiert der Alte „Fritz“ Preußen. Auch für die Gründerjahre der Bundesrepublik galt die goldene Regel, die Ludwig Erhard in seiner Mahnung „Maß halten“ formulierte. In antikem Sinne ist Demokratie die Herrschaft des Volkes durch das Volk, vertreten durch seine edelsten Häupter. Dies war auch schon in Rom so. Der römische Denker Cicero lässt Africanus in seiner „de re publica“ sagen: „Der Staat ist die Sache des Volkes“, Volk sei aber eine Menge von Menschen, die vor allem in der Übereinkunft der Rechtssätze und des gemeinsamen Nutzens zusammenleben. In diesem Sinne konstituiert das Recht einen Raum, unabhängig von der Art des geltenden Rechts, also egal ob ein religiös oder ein laizistisch Recht, durch die Gebundenheit der Menschen an die Normen, ein Volk. Hier gilt die Verfassung für die Bürger, nicht für ein Volk, im stammeshistorischen Sinne. Zum deutschen Volk in diesem Sinne gehört jeder, der dieser Rechtsnorm unterworfen ist, der also im Geltungsbereich des Grundgesetzes lebt und einen deutschen Pass besitzt. An dieser Stelle stößt man auf den Widerspruch zwischen Republik als Regierungsform einerseits und Demokratie als Volksherrschaft andererseits. In der Republik herrscht das Recht über die Bevölkerung, und nicht das Volk über sich selbst, was die ursprüngliche Idee der Demokratie im antiken Sinne ist. Dabei entscheidet die Herrschaft über das Recht und durch das Recht im Sinne der römischen Konzeption der Republik über die Herrschaft im Staat. War es in Rom zuerst das Triumvirat, das die Entscheidungen traf, war es in der römischen Republik der Magistrat, der den Diktator ernannte, wenn dies für notwendig erachtet wurde oder es opportun erschien. Dieser hatte alle Amtsgewalt. In der Bundesrepublik wird der Bundeskanzler durch das Parlament bestimmt, und er bestimmt die Richtlinien der Politik. Recht bestimmt das Parlament. Es sind in dem Sinne des antiken Vorbildes der römischen Republik heutzutage aber nicht die Tüchtigen, die durch Herkunft und Ertüchtigung Fähigkeit erwerben und beweisen und Verantwortlichkeit sowie Macht im Staat und für den Staat übernehmen, wie im alten Griechenland. Es sind heute oft Mächtige (ohne das Streben nach Macht grundsätzlich als schlecht zu bezeichnen, denn der Gute und Tüchtige benötigt Macht für gute Ziele), die oft auf Grundlage materieller Voraussetzungen Macht erlangen und ausüben. Dies ist ähnlich wie in unserem heutigen Staate, wo die Lobbys ihre Kandidaten in Parteien und Ämter setzen, wo Amtszahllungen über Wahlausgänge entscheiden, Bestechungen getarnt werden und Leistung und Charakter weniger zählen als Opportunismus. Es nimmt nicht mehr das Volk initiativen Einfluss, sondern eine zusammengewürfelte „Gesellschaft“, die sich nach ökonomischen Bedingungen gebildet hat. Es ist nicht die Aristokratie im Senat, sondern Interessen und deren Parteien im Parlament und öffentlichen Leben, die Politisches bestimmen. Dies bedeutet zwangsläufig langfristig ein Desinteresse an Erhalt des Ganzen (des Staates, der Volksgemeinschaft) und bewirkt eine Motivation nur an der Durchsetzung von Individual- beziehungsweise Gruppeninteresse von politischen Klassen. Rom ist an dieser Fehlentwicklung zugrunde gegangen.

9. Freiheit ist an Normen gebunden

Cicero hat die Herrschaft des Mächtigen aus sich selbst vorausgesehen und abgelehnt. Es sei keine gute Gewalt, die sich nur auf das Geschick stützt und sich über die Moral stellt. In unserem republikanischen System ist aber gerade solche, unmoralische Politik an der Tagesordnung. Hier zählt Macht an sich mehr als Kompetenz, und Lüge ist schon wissenschaftlich zur evolutionären Qualität erhoben worden, weil sie geschicklich sei. Jedes Volk habe den Herrscher, den er verdient, meint Cicero. Man kann es konkretisieren: Es herrscht die Klasse, die es am geschicktesten versteht, sich mit allen Mittel an der Macht zu halten. Es herrscht nur einer Menge Menschen, die lediglich bewahrt sein will, und dient der Herrschaft des Optimaten. Am geschicktesten erscheint die Lüge, nicht als Selbstschutz, sondern, als Vorteilsnahme, wenn sie die Norm scheinbar stützt, beziehungsweise durch die Norm gestützt wird, - ausgenommen der Schutzbehauptung zur Wahrheit23. Der Optimat, der Diktator, der die Mittel der Staatslenkung und die Wege der Machtausübung beherrscht, um seinen Zwecken zu dienen, dient schließlich nicht dem Volk, sondern Einzelinteressen. Diese aber müssen mit den Interessen der Bevölkerung, oder anders: - der Bürger, nicht übereinstimmen. In der Republik dienen das Parlament und die Regierung nicht dem Volk, sondern sich selbst und den Lobbys. Das Volk - besser die Bürgervergesellschaftung - 23

Lüge in diesem Sinne ist die Behauptung von Unwahrheit wider einer natürlichen, der materiellen Realität und objektiven Wirklichkeit und wider der spirituellen, tranzedentalen Erkenntnis und Einsicht - zur einseitigen Vorteilsnahme - . Sie ist gekennzeichnet insbesondere durch die ihr inneliegenden, schlechten Absicht, die sich gegen das Gute, als dem Leben zuträglicher Maßstab, richtet. Betrug in diesem Sinne ist Lüge wider dieser Wahrheit zum Schaden eines Anderen (Dritten) - im Allgemeinen besonderes des natürlich Guten. Verrat ist die bewußte Verwendung der Lüge auch zur Täuschung wider der Wahrheit.,wohingegen die Verwendung geeigneter, sozialtechnischer Mittel, entsprechend der Wahrheit, zum Guten hin, keine Lüge ist, sondern einer gerechtfertigten Schutzbehauptung auch List entspricht, die der Wahrheit genügt. vergnügt sich derweil mit „Spaer-Ripps“ im „Neighbourhood“ (auf Deutsch: Brot und Spiel) und versteht Wirtschaftswachstum als Fortschritt. Der Fortschritt, der einer guten und richtigen traditionellen Norm widerspricht, ist die Lüge in der Handhabung für den mächtigen Optimaten, der sie aus Machtkalkül missbraucht. Dieser Fortschritt widerspricht der humanen Freiheit. In der antiken Entartung der Demokratie dient der Optimat sich selbst und nur in diesem Sinne seiner Herrschaftslobby. Das Volk formt er mit dem Recht nach seiner Willkür. Das Gesetz wird zum Machtvehikel. Es herrschen nicht die Besten zum Wohle aller, sondern Mächtige und Geschickte im Eigennutz. Dies endet in Dekadenz.Es ist kein Zufall das Machiavelli24in den Jahren vor der Reformation in Europa, die Republik einerseits als demokratische Herrschaftsform erklärte, andererseits über die Möglichkeiten des Machterhalts seiner Tyrannen philosophierte und Techniken hierzu entwarfen. Das „gewusst wie“ entlarvt sich als pure Heuchelei, wenn das formulierte Ziel der Republik als Demokratie, es geht, angeblich darum die Stabilität des Staates zu gewährleisten, dem Tyrann und seiner Clique die Macht erhält. Volk und Bürger sind in diesem entarteten Sinne nur Manövriermasse und „Verfassung“ kann als Geisteszustand eines Usurpators erklärt werden. Auch Machiavelli nimmt Rom als Beispiel, wo sich drei Elemente der Staatsform positiv vereinigt haben. Ein monarchisches Element, durch den regierenden Konsul, ein demokratisches Element, durch den Volkstribun und ein aristokratisches Element durch den Senat. So weit funktionierte dies in Rom ja auch zeitweise gut, sogar mit einem Caesar. In unserem heutigen Staat, der Bundesrepublik Deutschland, ist von diesen drei Elementen der Volkstribun ausgebildet, der sich Kanzler nennt und sich auf parlamentarische Mehrheiten stützen muss. Der Bundespräsident müht sich redlich integrativer Repräsentant zu sein, wie ein Monarch. Es gelingt ihm kommentierend. Die Weiterentwicklung demokratischer Verhältnisse in der Konzeption des Gesellschaftsvertrages durch Rousseau führt vor allem zur Teilung der Gewalten im Staat, um Tyrannis zu verhindern. Aber selbst diese Gewaltenteilung zwischen Rechtsprechung, Regierung und Parlament existiert in der beabsichtigten Form in der Bundesrepublik heute nicht. In der Parteiendemokratie sind die Regierungen und Regierungschefs von den Mehrheiten im Parlament abhängig. Die Verschränkung zwischen exekutiver und legislativer Gewalt ist offenkundig, genauso wie die Verquickung von Gerichtsbarkeiten mit Parteieninteressen. Parteien sollen nach dem Grundgesetz lediglich bei der Meinungsbildung mitwirken und nicht einen Apparat bilden, der das gesamte öffentliche und private Leben durchwirkt, wie bei der SED. Durch den Bundestag als Herrschaftsinstrument und weniger als Regierungskontrollgremium hat sich in Deutschland eine Form der Republik etabliert, in dem eine politische Klasse, aufgrund der finanziellen und kollegialen Verhältnisse, dem Streben nach Selbsterhalt unterliegt. Dies ist nicht die Herrschaft des Volkes durch Aristokratie oder einen Repräsentanten, wie in Athen oder Rom, sondern die Machtausübung einer Versorgungsklasse, besser: Selbstversorgungsklasse. Man sollte nicht unbeachtet lassen, dass mit der Französischen Revolution, auf dem Fuß der Aufklärung, sich ein anderes Verständnis der Herrschaft durchgesetzt hat. Der Revolution der Straße folgte die durch Schreckensherrschaft der Jacobiner. Freiheit, als Verantwortungslosigkeit, Gleichheit als Begründung für den Mord am Besseren und Brüderlichkeit als Gruppenzwang - sind, und warenjedoch nie die Ideale des „wahren Jacob“. Mariannes Freiheit führt das Volk und verführt es nicht wie der grundlose Schrei rünstiger Vororthyänen,jener politischen Gesellschaften, welche die Revolution so blutig machten. Ein Volk lehnt sich immer gegen Pression auf, selbst der Bürger ruht nicht in Bier und Wein oder Brot und Spiel, wenn er im Bewusstsein eigener Leistungsfähigkeit nach Höherem strebt. In diesem Sinne waren die Junirevolutionen von 1832 und die Revolutionsansätze von 1848 von Paris bis Berlin, kein Aufbegehren gegen die alte Ordnung oder die Monarchie, sondern Ausdruck einer Ohnmacht, wie sie sich auch in heutigen Republiken vergegenwärtigt. Was die Trikolore 1790 blutrot färbte und die Kommunisten 1919 im Zarenreich und Nationalsozialisten 1939 in Deutschland an die Regierung brachte, istjene Uneinsichtigkeit in die Maßgabe von Freiheit. Freiheit bedarf der rechten Form, das heißt eines ursprünglichen Rechtssystems, einer für das Volk gemachten und durch das Volk gegebener Verfassung, mit integrativer Repräsentanz, also Identifikation und Identität durch lebende Symbole - nicht durch konsumelle Äußerlichkeit, wie in einer am Freimarkt orientierten Gesellschaft. Will der Eine durch seine persönlichen „Freiheit“ alles machen können, ihm solle also alles erlaubt sein, ist dem Anderen Freiheit eine Pflicht zur verantwortungsvollem Handeln in einem Rechtsrahmen:

„Handele stets so, dass Dein tun einem allgemeinen Gesetze entsprechen könnte“, lautet der Kategorischen Imperativ Kants.

Ist wiederum dem Einen der Ruf nach Freiheit nur Mittel zum Zweck, erlangen jene, die um diese kämpfen, eine Form in Freiheit, ein Recht zur Freiheit. Aber jenes soll möglichst gut, die beste Rechtsordnung für das Volk sein - im Sinne der alten Griechen. Die Realisierung dieser Form zur Freiheit fehlt der Bundesrepublik Deutschland, da es für diesen Staat keine selbstbestimmte Verfassung des deutschen Volkes gibt.

10. Volk und Republik

Welche Form hat denn die Bundesrepublik Deutschland? Was heißt hier Republik, und wie soll diese aussehen? - Wie die Volksrepublik in China oder die präsidiale Republik Frankreichs - oder wie die USA. Herrscht das Volk hier wirklich durch das Parlament oder herrscht immer noch eine alte Clique. In den sozialistischen Republiken des Bolschewismus und des real existierenden Sozialismus zerbrachen die republikanisch-sozialistischen Demokratien an Cliquenwirtschaft. Das Volk versetzte der DDR den Todesstoß, nicht die führende Klasse, wenn sie auch teilweise beteiligt blieb.

Die jetzige Form oder Verfasstheit der Republik, das Grundgesetz, ist nicht statisch, sondern ist dynamisch, wie diese Staatsform selbst: Ziel ist die Europäische Union, die politische Einheit Europas! Das Grundgesetz der Bundesrepublik ist Rechtsraum für die Bundesbürger und offensichtlich nicht alleine für das deutsche Volk, denn es scheint beispielhaft. Es wird ständig der Realität angepasst und dies leider oft im Sinne der Versorgungsklasse.

Es scheint nur eine Frage für wen die Gesetze gelten, wer sich einem Gesetz unterstellt, oder diesem unterstellt wird. Ein Grundgesetz wie Deutschland kennt man in Groß-Britannien überhaupt nicht, und dennoch ist dieser Staat eine Demokratie, mit Parlament und Wahlen und Gesetzeswerk. Wer also behauptet eine Republik gründet sich auf fest verfasste Rechtsnormen und sei sicher eine Demokratie, der irrt. Wir sind keine Demokratie im antiken Sinne - leider, weil der Begriff des Volkes nicht klar umrissen ist und immer weiter verwischt wird. Ein Volk baut sich aus Familien auf, die stammeshistorisch und genuin zusammen gehören - nicht schon eine Menge von Menschen mit gleichen Interessen und Zielen, sind ein Volk. Dies ist eher eine Masse Menschen, die leitbar und leicht zu regieren, wie auch leichter zu verführen ist. Die Zersetzung der Familien in Deutschland und der Verlust der Identität des Individuums im Markt macht das Volk zum Spielball von Mächtigen, von Kapitalinteressen.

C. Zum Ringen um Macht und Freiheit

1. Freiheit und Christentum

Jesus Christus hat im Judentum gegen die existierenden Machtverhältnisse aufbegehrt. Die Bergpredigtsprach von dem „Schwachen“ als endgültigem Sieger, von den Einfältigen und Sanften, die Gottes Liebe ernten. Er trennte in gewissem Sinne Staat und Kirche, als er sagte „gebt des Kaisers, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist“. Aber er war nicht der erwartete Revoluzzer, den die Juden für die Befreiung von dem römischen Joch erwarteten. Seine Reden und Gleichnisse stellen wieder den Menschen in den Mittelpunkt des Glaubens, dazu den Duldsamen - und nicht den Wortführer des Gesetzes. Er tat immer das, was die Gesetzeslehrer der Juden, die Pharisäer ärgern musste25. Er aß mit Zöllner, ließ sich von Ehebrecherinnen das Haupt salben, sagte, man müsse auch die linke Wange hinhalten, wenn einer auf die rechte Wange schlüge - alles Aspekte der Liebe, welche den jüdischen Gesetzeshütern unangenehm waren, weil Jesu anklang fand und die Autorität derjenigen untergrub, die Gesetze hüteten. Das Jesu an Sabbat, also den geheiligten Tage der Juden arbeitete - er aß vom Felde Körner - war durch die Gesetzeshüter ebenso aufgebauscht wie schließlich die Ursache seiner Kreuzigung. Sie wollten einen Revoluzzer aus dem Wege schaffen, der die „Gebote Gottes infrage stellte“. Dabei befreite Jesu durch sein Wort das Denken der Menschen von einer Vielzahl unnötiger Gesetze, die weniger Gottes Gebot als systemerhaltende Stereotype26waren. Das Christentum ist ein Glaube der Freiheit und Befreiung auf humaner, menschlicher Ebene. Auf diesen Geboten und den entsprechenden alttestamentarischen Geboten baute sich das mittelalterliche Europa auf. Auch Luthers Thesen und Bibelübersetzung sind nicht weniger, als das. Jesu und Luther zwei Meilensteine auf dem Wege zur Aufklärung sind, den Durchbruch des menschlichen Denkens zum Freisein aus Liebe Denn die Freiheit des Christenmenschen liegt in eigener Verantwortung des Handelns und in der Liebe zu sich selbst, zu Gott und seinen Geboten und damit zu seinem Nächsten.

In diesem Sinne ist das Christentum eine Befreiungsreligion. Besonders wichtig und interessant ist die Stellung der Frau in der christlichen Kirche und in Christentum. Jesus Verhältnis zu Maria Magdala und das Gleichnis von der Ehebrecherin sind Kennzeichen einer modernen und humanen Sichtweise. Die zum Tode durch Steinigung verurteilte Ehebrecherin konnte durch Jesus Einschreiten weiterleben. Auch Jesus Mutter Maria, leidend unter dem Kreuz und in der Kirche oft als Pieta, als leidende Mutter, dargestellt, ist die Gebärerin des Befreiers. Die Marienverehrung hat im Mittelalter die Verehrung nicht nur der heiligen Frau, sondern jener, die Jesu gebar - einer Frau - ¡hohen Stellenwertes. Der Befreier hätte ja auch anders auf Erden kommen können. Die Frau ist somit in christlicher Religion Ehefrau und Mutter, Spenderin und Hüterin des Lebendigen und nicht natürliche Sünderin oder von Natur aus mit Makel oder Schuld beladen oder gar unrein, deswegen Jungfrau. Das Christentum ist eine Befreiungstheologie gleichsam für die Frau in der ihre natürliche Stellung in der Familie, als lebendiges und schützendes Element erhalten bleibt. Freiheit ist gesellschaftlich ein bewahrendes Element, wenn alle Menschen als im Ursprung gleichwertig angesehen werden.

2. Die Stellung der Frau

Da es nicht bestritten werden kann, dass zündende Ideen in der Steinzeit auch von körperlich unterlegenen geleistet wurden, ist die Stellung der Frau stammesgeschichtlich und kulturell divergierend. Es mag religiöse oder rituelle Ursachen haben, wenn manche Stämme Frauen als Fürsten und Krieger hatten, denkt man an die legendären Amazonen der Antike. Gesellschaftlich durchgesetzt hat sich dies bis heute nicht. Im Grundgesetz heißt es, das Männer und Frauen gleichberechtigt sind - dass bedeutet, sie haben vor dem Gesetz dieselben Rechte und Pflichten. Dies muss einem schon komisch Vorkommen, denn Frauen werden beruflich bei gleicher Leistung geringer bezahlt und es gibt immer noch traditionelle Männerberufe, in denen Frauen Exoten sind - allerdings auch umgekehrt. Körperlich war, und mit Verlaub ist, die Frau heute meist immer noch gesellschaftlich unterlegen, was natürlich­biologische und stammesgeschichtliche Ursachen hat. Familiär genoss sie aber in vielen Familien, Sippen und Stämmen hohes Ansehen als Lebenserhalterin - genauso wie der Mann. Bei den Kelten waren Frauen in manchen Sippen Heilerinnen, Seherinnen und Priesterinnen. Sie wurden auch als Magierinnen oder Gute Hexen bezeichnet. Im kelto-germanischen Raum wurden Heilerinnen verehrt, jedoch wurden bei ihnen gute und böse Geister, Lebens- und Todeszauber, unterschieden. Erst im Mittelalter wurden Hexen ein Pakt mit dem Teufel unterstellt. Bis zur frühen Neuzeit wurden Hexen verfolgt und es starben über 60.000 auf den Scheiterhaufen. Hexen und Magier waren und sind, ob männlich oder weiblich, meist heilkundige. Ihr Wissen war begehrt und half schwierige soziale und gesundheitliche Lagen zu meistern. Dabei war sie Mutter und die Herrin von Feuer und Herd (Göttin Hera). Es ist kein Zufall, dass die auch bei den Galatern (Kelten in Norden Griechenlands) die griechischen Göttinnen Hera und Athene verehrt wurde. Sie stand neben dem Schutz des Lebendigen für die Hüterin von Kenntnissen der Heilkunst und Ernährung im positiven Sinne im Ansehen. Ansonsten wurden Frauen bei den Kelten, wie bei Römern und Griechen, als gleichrangig angesehen. Sie war Frau des Patriziers, Edele und Mutter der Krieger, der Jäger und Priester. In diesem Sinne ist die Emanzipation der Frau eine Rückbesinnung auf ihre natürliche Freiheit. Die Freiheit des weiblichen Geschlechtes ist nicht mehr und nicht weniger die Rückbesinnung auf ihre natürlichen Fähigkeiten.

3. Die Frau im Mittelalter

Das, was der Frau heute als Freiheit zukommt, wurde in Mittelalter vielfach verbrämt. Heilkundige Frauen wurden als Hexen, oder andersherum als Heilige verehrt, Hildegard von Bingen ist da nur ein Beispiel. Sie starb 1179 eines natürlichen Todes. Es war die Frühzeit der Mystik. Gott sollte nicht rational begründet oder bewiesen, sondern durch innere Anschauung erfahren werden. Durch Zurückgezogenheit und Kontemplation in sich selbst sollte Gott gefunden und erlebt werden. Diese Ansicht ist ganz im Sinne des antiken Platonismus, bei dem durch Introspektion27Natur und Welt erfahren werden sollte. Nach und gegen den Investiturstreit und der Verweltlichung der Kirche in der Scholastik entstand als Gegenbewegung die Mystik. Die Scholastik ist die Philosophie der Verweltlichung des Glaubens. Seit 1074 gab es die Zölibatsvorschriften und eine Verweltlichung der Klöster, um christlichen Gemeinschaften zu verhindern. Heinrich der IV. wurde von Papst Gregor gebannt, weil dieser auf sakrale Akte, wie die Investitur mit Ring und Stab, nicht verzichten wollte. Auch nachdem sich Heinrich scheinbar dem Papst unterwarf (Canossa), konstituierte der damalige deutsche König Heinrich mit dem Gegenpapst eine Opposition gegen eine Kirche, die weltliche und kirchliche Macht in Händen des Papstes sehen wollte. Ich möchte es mal vereinfachen: Heinrich wollte Kaiser werden, darum ließ er sich von einem Gegenpapst, Clemens, zu Kaiser krönen. Der Papst Gregor wollte diesen Kaiser nicht - die Gottesunmittelbarkeit des Königs wird aber durch die Philosophie der Scholastik ebenso angegriffen wie die Autorität des Papstes. Urban II rettet das Papsttum, indem er teilweise auf die Forderungen Heinrichs einging. Lehnseide von Geistlichen an Weltliche blieben jedoch offiziell untersagt. Die Scholastik insgesamt schwächt sowohl die sakrale Bedeutung der Investitur, die des Königs und des Papstes - im Prinzip, ohne dies zu wollen. Heinrich war mächtig28, doch konnte er die Bündnisse gegen den Papst nicht halten. Die Krönung Heinrichs durch Clemens wird allgemein als illegal und illegitim angesehen und schließlich stirbt Heinrich IV. vor der vorläufigen sakralen Entscheidung. Diese vollzieht Heinrich V., indem er auf die Investitur verzichtet. Von der weltlichen Macht aus gesehen war Heinrich V. jedoch Kaiser, sodass es an seiner weltlichen Bedeutung historisch keine Deuteleien geben sollte. Doch verliert Heinrich gleichsam zu Teil den sakralen Schutz der Kirche, wie in England Anselm von Canterbury den weltlichen Schutz, als jener den Lehnseid auf den Kaiser verweigerte. Seit dem Wormser Konkordat von 1122 findet in Gegenwart des Königs die kanonische Wahl statt - erst im Vertrag von Sutri verzichtet Heinrich auf die Investitur mit Ring und Stab, eine Schwächung der Sicht der Gottesunmittelbarkeit des Königs. In Deutschland erstarken die Fürsten in der Folgezeit in ihrer weltlichen Gewalt und wenden sich vielfach der komplentativen Mystik zu - ohne alle wirklich Mystiker zu werden. Das Ergebnis war eine Stärkung der weltlichen Herrschaft der Päpste mit der Unterstützung der Mystik nahe stehenden Fürsten. Das Verständnis von Freiheit kann ab diesem Zeitraum als geteilt angesehen werden: weltlich und kirchlich-spirituell. Es kann davon ausgegangen werden, dass weltliche Fürsten die spirituelle Freiheit ihrer weltlichen Macht unterordnen wollten, wie auch manche Päpste die spirituelle Macht in der Welt erhalten wollten. Dies mag der tiefere Urgrund des Investiturstreits gewesen sein: - die Legitimation von Macht. Heute wird die Macht der Parlamente Stimmungen unterworfen: Abstimmungen! Eine transzendente Legitimation findet sich beinahen nur noch im Papsttum, mit dem Vorteil, dass der Papst sein Tun und Reden an Göttlichen, also universellen und transzendenten Geboten ausrichtet. Man denke nur an die Papstwahl. In der christlichen und kirchlichen Interpretation wird der Papst nicht wirklich gewählt, sondern durch die Hand der Kardinäle, die durch den Heiligen Geist erleuchtet werden, bestimmt: - eine eindeutige Orientierung an dem göttlichen Gebot. Dies sollte man sich mal für den Kanzler der Bundesrepublik vorstellen? Es fällt mir schwer zu denken, dass alle Parlamentarier bei der Wahl des Kanzlers von einem höheren Wesen erleuchtet sind - übrigens das Wahlvolk der Bundesrepublik Deutschland wohl auch nicht! Ähnliches wie bei der Investitur in Deutschland wiederholte sich in England. In die Scholastik flossen vielfach die antiken Vorstellungen der Lehren von Aristoteles ein. Man versuchte Gott und Gottes Herrschaft logisch zu erfassen. Doch die Entwicklung bis zur Hochscholastik und die folgenden Kommentare, auch von Thomas von Aquin, lassen den Schluss zu: Die Scholastik begründet Gott und die Herrschaft von Gottes Gnaden nur weniger spirituell als die Mystik. Die Freiheit der Scholastiker besteht eher in dem Versuch des Menschen Gott vernunftmäßig zu begreifen (ich benutze meinen Verstand und erschließe mir die Welt: - also bin ich frei) - so fern dies mir intellektuell möglich ist. Dass Philosophen und Lehrer aus der Scholastik zu dem Schluss kommen, dass es keinen Gott gäbe, lässt Marxisten manchmal auf Scholastiker zurückgreifen.

2. Frauenrechte

a. Starke Frauen kämpfen

Seit der Steinzeit haben sich Geschlechterrollen entwickelt, in denen der Mann als Jäger hinauszieht, um die Sippe zu ernähren - und jagt. Die Frau ist Sammlerin und kümmert sich an der Feuerstelle um Kind und "Höhle". Hieraus leiteten sich Aufgaben und Pflichten - aber auch Rechte ab. Noch in der Antike waren Frauen vor allem im Haus, dem Oikos tätig. In Sparta hatte die Frau Verfügungsgewalt über das Haushaltsgeld. Zur Zeit der Stoa konnte die Frau Berufe ergreifen, die ihr gemäß waren: Schauspielerin, Sängerin, Dichterin, Ärztin u.s.w. Bei den Kelten und Germanen hatten Frauen stammesabhängig als Mutter hohes Ansehen. Sie war Priesterin und Heilerin - wurde als Naturgottheit vielfach verehrt. In Rom hatte die Frau als Hausherrin, als Domina, Vorrechte. Sie waren jedoch nach dem Römischen Recht dempaterfamiliasuntergeordnet. Als Priesterin der GottheitVestahatte sie hohe spirituelle Stellung. Im christlichen Rom erlangte die Frau immer mehr Rechte als Bürgerin - gleichberechtigt und gleich verpflichtet. Dies galtjedoch meist nur für geheiratete Frauen und Patrizier-Töchter. Sklavinnen und Prostituierte waren verständlicherweise weniger sozial anerkannt und fristeten nicht selten ein erbärmliches Dasein. Im Christentum erlangte die Frau durch das Beispiel starker, weiblicher Persönlichkeiten, wie Maria Magdalena oder die Mutter Christi, eine sakrale Bedeutung, die als das alltägliche Ansehen des weiblichen Geschlechts durchschlug. Der Islam führt in Arabien zu deutlichen Verbesserungen in der rechtlichen Stellung der Frau, denn sie wurde als eigenes Rechtssubjekt angesehen. Ehe-, Scheidungs­und Erbrecht wurde geregelt und die Mitgift unter die Verfügungsgewalt der Braut gestellt. Nach der Einführung des Islamischen Rechtes (Scharia) wurde insbesondere die Ehe als ein ziviler Vertrag zwischen gleichberechtigten Partnern gesehen, zumindest nach dem Gesetz. Aber es wurde Kindesmord - vor allem der Töchter, unter Strafe gestellt.WahhabismusundIslamismusdrängen diese Frauenrechte wieder zurück. Die Stellung als juristische Person erhielten Frauen in Europa meist erst wieder Ende des Mittelalters, was auf aufklärerische Kreise und "starke" Frauen in der Antike und im Christentum zurückzuführen sind, wie die Mutter Konstantin des Großen, die Kaiserin und Heilige Helena, Katharina von Siena oder Hildegard von Bingen. Sie orientierten ihr Leben am Beispiel von Heiligen und Heldinnen - auch der Antike. Die AusstellungStarke Frauen,vom 4. Juni 2008 bis zum 1. August 2010im Haus der Staatlichen Antikensammlungen, gab einen historischen Überblick. Attische Frauen werden als Ideale stilisiert, deren Charakter ambivalent göttlich, emotional-menschlich ist. Auch Amazonen29, ein legendäres Geschlecht antiker Kriegerfrauen, die ihren Mann im Kampfe besiegen müssen, bevor sie sich mit ihr vereinigen, waren Themen der Ausstellung. Neben Athene wurde auch die Frevlerin und Kindesmörderin Medea präsentiert. Im Mittelalter wurde die Frau teils als Mutter verehrt, andererseits als Hexe verbrannt, sie wurde im Marienbild idealisiert oder ihr ein Pakt mit dem Teufel unterstellt - oft nach der Gemütslage des Klägers. Erst mit der Aufklärung und der Akzeptanz der Frau als gleichberechtigtes und verpflichtetes Wesen im Christentum, als eine natürliche Kreatur durch Gott, beginnt sich die Stellung der Frau in Europa zu ändern. Eine Rückbesinnung auf das Urchristentum stärkte das Ansehen der Frau und mit der beginnenden Aufklärung traten Frauen auf, die ihre Rechte einforderten, weil der Alltag doch so oft männlich bestimmt wurde - und wird. Zunächst wurden Frauen jedoch als Objekte der Begierde verehrt - ohne zu verkennen, dass es in der Geschichte schon immer Frauen gab, wie Nofretete, Cleopatra oder Katharina die Große von Russland, die es verstanden, weibliche Reize und Herrschaftsansprüche in ihrem Machtkalkül zu vereinigen und andere Mächtige, meist Männer, zu benutzen. Schon vor der Aufklärung setzten sich auch viele Männer für Frauenrechte ein. Frauen gründeten Salons, in denen freiheitliche Gedanken besprochen wurden. Frauen wollten als gleichberechtigte Bürgerinnen angesehen werden, vor allem, wenn Sie in der Gesellschaft weniger Einfluss und Macht entfalten konnten. Olympe de Gouges forderte als eine der ersten Frauenrechtlerinnen volle Bürgerrechte für Frauen, wozu zunächst Bildung, Arbeit, Eigentum und politische Mitbestimmung. In der Französischen Revolution verfasste sie 1791 die Déclaration des droits de la femme et de la citoyenne (Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin). Die durch sie initiierten Frauenvereine wurden jedoch 1793 verboten - und Olympe de Gouges wurde hingerichtet. Aber ihr Engagement hatte Wirkung. Noch vor ihrer Hinrichtung, im Jahr 1792, publizierte Mary Wollstonecraft die Vindication of the Rights of Woman. Im selben Jahr erschien das Traktat Über die bürgerliche Verbesserung der Weiber, von Theodor Hippel. Die Verbesserungen ließenjedoch noch rund 100 Jahre auf sich warten, bevor sie verbrieft wurden. Vorreiter war Finnland - vor allem in Familienrecht. 1885 wurde dort das Ehegüterrecht aufgehoben und 1906 erhielten die Frauen in Finnland Wahlrecht. Dies war im Deutschen Reich erst 1919 der Fall. Und erst 1958 wurde das Letztentscheidungsrecht der Ehemänner in allen ehelichen Familienfragen in der Bundesrepublik Deutschland aufgehoben. Doch bis heute werden, trotz der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte seit 1948, Frauen vor allen in Bereichen der Zwangsprostitution, Ehrenmorden, Zwangsheirat, Kindesmord, Beschneidung und Bildung als Menschen zweiter oder dritter Klasse behandelt. Gleichberechtigung und Gleichbehandlung sind auch in aufgeklärten westlichen Demokratien noch lange nicht der Normalfall. Auf der Frauenrechtskonferenz von Peking wurde 1995 ein Forderungskatalog verabschiedet, der die Gleichberechtigung und -behandlung der Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen beinhaltet - und der inzwischen von 189 Staaten verabschiedet wurde - doch im Jahr 2012 wird deutlich, das Anspruch und Wirklichkeit hier noch weit auseinander klaffen.

b. Frauen- und Männerbewegungen

Die Bewegungen der Frauen zur Gleichstellung und -berechtigung kann in der Neuzeit in drei Phasen eingeteilt werden, wozu die ersten „Wellen“, wie eben erwähnt, im 18. Jahrhundert ihren Anfang nahm - und im Wahl- und Familienrecht des beginnenden 20. Jahrhunderts erste Früchte trug. In den 60er Jahren wurde im Zusammenhang mit der allgemeinen auch sexuellen Befreiung der Schritt der Frauen hin zu einer größeren Selbstbestimmung getan. Die Ergebnisse dieses andauernden Kampfes, der wesentlich vom Aktionsrat der Frauen 1968 und Protagonisten wie Alice Schwarzer in Deutschland vorangetrieben wurden, sind vor allem die Regelungen des § 218 und das Offizaldelikt der Vergewaltigung in der Ehe, erst 2004. Rebecca Walker verlieh Anfang der 90er Jahren der Frauenrechtsbewegung, als Gegenbewegung zum Antifeminismus, neuen Schwung - mit der Gründung der Third Wave Foundation. Hierbei geht es um den Ausbruch aus traditionellen Geschlechterrollen und um ein neues Identitätsverständnis der Frauen. In Reaktion und Übereinstimmung auf das neue Selbstbewusstsein und -verständnis entwickelte sich in den 60er auch bei dem anderen Geschlecht, den Männern, eine facettenreiche Bewegung. Einerseits profeministisch, auch als Emanzipation von Homosexuellen, später als Väterbewegung oder Initiativen zum maskulinen Männerkulten. Vor allem hinsichtlich des 2. Weltkrieges und des Indochina- und Vietnamkrieges wurden traditionelle Männerrollen infrage gestellt. Die Men-Liberation- Strömungen und antisexistische Gruppe vermittelten beide eine Ansicht des Mannes, der sich von archaischen Vorstellungen trennen solle, als zweite Strömung neben die Profeministen. Offensives und selbstbewusstes Auftreten gab es auch bei Schwulen, mit dem heute schon wieder traditionellen Christopher-Street-Day, seit Ende der 60er Jahre. In den 80er Jahren kam es zu einer Rückbesinnung auf die "Vorzüge" der Männlichkeit, die manche als verlustig konstatierten.301991 entwickelt sich die Men's Rights Movement, die von einer Übertreibung des Feminismus ausgeht. Männer würden in eine Rolle gezwungen, in der sie Herrschaft ausüben, Gewalt anwenden und Kriege führen müssten - zum Schutze von Familie und des Selbst. Ihre Position in der Wirtschaft, Politik und Militär sei eine positive Diskriminierung von Frauen, die hiervon verschont würden - diese Schonung aber zum Teil gar nicht wollten. Sam Keen forderte eine Abkehr von zu großer Weiblichkeit, auf das der Mann wieder zu sich selbst finden könne. Seit 2011 wird erneut explizit und vor allem durch Bjoern Leimbach von archetypischen, idealen, männlichen Charaktereigenschaften gesprochen, wozu Zielstrebigkeit, Zuverlässigkeit, Aufrichtigkeit, Durchsetzungskraft, Gütigkeit und positiv gelebte Aggression gehören - und Männerfreundschaft, sowie männliche Initiation, werden als dienlich für die Entwicklung dieser Charaktereigenschaften begriffen. Nach der Hochphase der 68er-bewegung kam es auch in Deutschland zu einer Rückbesinnung auf das natürlich Männliche. In diese Zeit fällt das Buch von Volker Elis Pilgram "Manifest für den freien Mann" (1977). Die sich in den 70er Jahren aus der Sponti-Szene entwickelte Männerbewegung in Deutschland ist die Basis für Männergruppen, die bis heute ein Selbstverständnis des Mannes fördern - und zum Teil profeministisch, auch zu einer ideellen Erneuerung des Männerbildes in der Gesellschaft beitragen - und zum Teil spiritueller und religiöser Natur sind. Da diese Gruppen oft in positiver Reaktion zu Feminismus oder durch Frauen gegründet wurden - sind sich von Antifeministischen Gruppen zu unterscheiden. Beispiele des Männerthemas in Deutschland sind die Lieder der NDW-Gruppe Extrabreit "Welch ein Land - was für Männer" (1981), Ina Deter, "Neue Männer braucht das Land" (1983) und Herberts Gönemeyers Hit "Männer" (1984). In Anlehnung an den Feminismus finden sich heute Therapiegruppen für Männer, Männercafds, Männerfreizeiten, Männerbildungseinrichtungen und schließlich Männerforschung als wissenschaftliche Disziplin. Freiheit, angesichts des geschlechter-spezifischen Rollenverständisses, versteht sich vor allem als eine innere Übereinkunft mit von den Natur gegebenen Voraussetzungen in Abstimmung mit den kontextuellen Möglichkeiten - einfachheitshalber gefragt: Wer bin ich - und was kann ich? Schließlich aber auch - was darf ich? ( - in Anerkennung und Akzeptanz derpersönlichen und sozialen Konsequenzen individueller Handlungen).

5. Das Lehnswesen

Wie schon in der Erwähnung des germanischen oder auch keltischen Gefolgschaftswesens31angeklungen, bedeutete die Gunst der Götter oder die Gunst Gottes Glück für den jeweiligen Fürsten. Dieser war mit Gott nicht nur der Herrscher, sondern der Schützer seines Volkes und seiner Anhänger. Der Fürst war Inhaber der Gewalt und Setzer der Rechtsnorm bis hinab zu Grafen. Er gewährte ein Lehen, was Schwertleihe, Ritterschlag,... mehr sein konnte. Es forderte von seinem „Getreuen“ eben Treue. Das Lehnswesen war ein Schutz-Treue Verhältnis. In Frankreich und England des Hochmittelalters bindet die sogenannte ligische Treue den Gefolgsmann an seinen Führer, Fürst beziehungsweise König. Dies war ein Treueid. Erledigte Lehen konnten wegen Untreue entzogen werden. In Deutschland herrschten Lehnsgesetze, deren wesentlicher Charakter es war, dass die Lehen-, Land- und Waffenrechte vererbt werden konnten. Der hohen Adligen Mitteleuropas war Lehnsträger. Sie gingen aus den germanischen und keltischen beziehungsweise fränkischen Fürstengeschlechtern hervor. Wie in karolingischer Zeit stützten sich die meisten Fürsten neben anderen Fürstengeschlechtern vor allem auf die Grafen. Macht, Recht und Freiheit beruhen auf der Verknüpfung von Herrschaft und Grafschaft.

[...]


1vgl. Heilige Schrift, Paul Pattloch-Verlag, Brönner und Daentler K.G., Eichstätt, 1957

2In christlicher Hinsicht ist der brennende Dornbusch ein Zeichen für Heil, Erleuchtung und Verantwortung oder der Begegnung mit Gott: vgl. Lukas 2.9 bzw. 8.16

3siehe Joh., 8.32

4die unterschiedliche Aufgabenteilung und die Art des Lebens zwischen Ausnutzung der Freiheit und Freiräume beziehungsweise Nutzung der mit Kenntnis verbundener Macht zeigt ausdrücklich unterhaltend und eindrucksvoll der Film: . „Planet der Affen“, oder „Am Anfang war das Feuer“

5siehe die Kainsaat oder auch Röm. 8.18

6vgl. Mk. 12.28

7siehe hierzu die Geschichte der Kinder und Söhne Abrahams, Mt.1.1

8siehe hierzu auch Röm. 8.2 oder Kor. 3.17, Petr. 2.16 auch Off. 2.7 und siehe auch die Unterschiede in der Bibelübersetzung: 1. einmal ist in Bezug aufErkenntnis vom Baum des Lebens die Rede (oktav Bibel Heilige Schrift zum Andern in materialistischer Deutung von „Holz des Lebens“ : Die Bibel, Otus-Verlag, St. Gallen, 2003 Gallen, 1993, - macht in vielen Zügen und Textstellen den Eindruck einer populären Schrift.

9In der UdSSR waren es Räterepubliken, als geführt vorn Rätekommissionen - insgesamt geführt von Obersten Sowjet, der Obersten Rat der Sowjet-Union

10In der Deutschen Demokratischen Republik herrsche als Pendant zum obersten Sowjet das Politbüro um Erich Honecker, beides, DDR und UdSSR, waren Diktaturen

11im „Leviathan von 1651 kennzeichnet Thomas Hobbes einen animalischen Charakterzug des Menschen: Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf - er geht bei seinen gesellschaftspolitischen und staatstheoretischen Überlegungen von dieser Maxime aus - nämlich: Dass der Mensch dem Menschen nicht ursprünglich Gutes will, sondern: Der Mensch sei durch Egoismus angetrieben. Thomas Hobbes (1588 -1679) ist Holländer - später bemerkt er, dass diese Wolfsgesellschaft durch den Staat eingedämmt werden müsste (Bemerkung des Autors: Hobbes theoretische Ansätze werden zu einer Zeit entwickelt, als die Antriebe des Menschen noch nicht sonderlich erforscht waren, wie später in der Verhaltensforschung, siehe hierzu und zur Herausbildung menschlicher Charaktere und Archetypen auch Konrad Lorenz, Lorenz, K.: Die angeborenen Formen möglicher Erfahrung, Zeitschrift für Tierpsychologie, 5/1943

12Genesis, 22.

13Vgl.: Festenberg, v., u.a.: Der Spiegel 52/ 2004: Mythos Heiliger Gral, S.134ff

14 jede Naturreligion hat ihre eigenen Spielarten

15 jeder Stamm legte auf einzelne Dinge mehr Wert. Es sind eher Hirten, Jäger, Sammler

16vgl. hiezu Ferdinand Tönnies, Tönnies, F.: Gesellschaft und Gemeinschaft, Berlin 1887 im historischen Fachjargon „Eleuthrie“ genannt

18wie im Judentum bestrafte Gott oder die Götter schlecht handelnde Menschen mit Verdammnis. Die Götter hatten, wie der Gott der Christen und Juden, menschliche Eigenschaften

19Salomons war nicht nur König in Israel, er war auch oberster Richter

20siehe hierzu später in diesem Buch der nutzenorientierte Liberalismus: Utilitarismus

21Exodus, 20., A .a .O.

22Exodus 32., A.a.O.

23das Buch von Nicolo Machiavelli (1469-1527) diente dem Mächtigen zu Machterhalt durch Geschicklichkeit und geschicktes agieren in der Politik: „Il Principe“ Florenz, 1513

24Mat. a.a.O.

25siehe hierzu Lebensberichte Jesu in Neuen Testament

26siehe hierzu Freie Universität Berlin, Gerigk, Karl-P.: Zur Stabilität politischer Systeme, Berlin 2000

27ein anderes Wort für in sich hinein hören

28siehe auch DTV-Atlas zur Weltgeschichte, Bd1.,S. 147ff, Deutscher Taschenbuch Verlag München, 2003

29Vgl. Im Gegensatz hierzu die Nibelungensagen, in der die isländische Königing Kriemhild nur den Manne heiratet, der sie im Kampf besiegt

30Siehe Robert W. Connell: Der gemachte Mann, Konstruktion und Krise von Männlichkeiten. Verlag Leske + Budric, Opladen 2000

31siehe Luk. 2.5, vgl. Mat.

Ende der Leseprobe aus 136 Seiten

Details

Titel
Über den Willen zur Freiheit
Untertitel
Historische Aspekte eines Humanen Motivs
Autor
Jahr
2012
Seiten
136
Katalognummer
V201996
ISBN (eBook)
9783656284857
ISBN (Buch)
9783656285663
Dateigröße
1177 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
über, willen, freiheit, historische, aspekte, humanen, motivs
Arbeit zitieren
Karl-Peter Gerigk (Autor), 2012, Über den Willen zur Freiheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/201996

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