Das Menschenbild in Luthers Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ (1520) (WA 7; [12]20-38)


Hausarbeit, 2012
20 Seiten, Note: 2,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einordnung der Quelle

3. Inhaltliche Skizze der Quelle
3.1 Formaler Aufbau der Quelle
3.2 Inhaltliche Gliederung der Quelle

4. Das Menschenbild in der Freiheitsschrift
4.1 Die seelische Natur des Menschen
4.1.1 Die Seele und das Wort Gottes
4.1.2 Gebote oder Gesetze und Verheißung oder Zusage
4.1.3 Die Seele und Jesus
4.1.4 „Eyn Christen mensch ist eyn freyer her ueber alle ding und niemandt unterthan“1
4.2 Die leibliche Natur des Menschen
4.2.1 Die leibliche Natur des Menschen und die Werke
4.2.2 „ Eyn Christen mensch ist eyn dienstpar knecht aller
Ding und yedermann unterthan“2

5. Zusammenführung der Ausführungen zur seelischen und leiblichen Natur des Menschen

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Thema „Das Menschenbild in Luthers Schrift 'Von der Freiheit eines Christenmenschen'3 (1520) (WA 7;[12]20-38)“. In dieser Arbeit geht es darum, dieses Thema auf Grundlage der vorgegebenen Quelle nach den Methoden der kirchengeschichtlichen Forschung zu bearbeiten, zu begründen und zu eigenen Ergebnissen zu kommen. Um diesen Anforderungen gerecht werden, wird zunächst die eingegrenzte Quelle charakterisiert und in ihren geschichtlichen Kontext eingeordnet. Auch zum Autor werden wesentliche Informationen angeführt, die zur Einordnung dieser Quelle dienen. Um den Schwerpunkt dieser herauszuarbeiten und der Behandlung des Themas näher zu kommen, besteht der zweite Schritt darin, die Quelle zu gliedern und zu nennen. Der damit herausgearbeitete Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf den zu Beginn der Schrift formulierten Thesen Martin Luthers: „Eyn Christen mensch ist eyn freyer herr ueber alle ding und niemandt unterthan“ und „Eyn Christen mensch ist eyn dienstpar knecht aller ding und yderman unterthan“.4 Aus diesen lässt sich das Menschenbild der Freiheitsschrift entwickeln; beide Thesen scheinen so gegensätzlich, dass sie zunächst nicht von ein und demselben Menschen zu sprechen scheinen. Ob dieser erste Eindruck zutrifft, oder ob sich beide Behauptungen in ein und demselben Menschen vereinbaren lassen, gilt es in einer intensiven Auseinandersetzung mit jeder einzelnen Aussage herauszuarbeiten. Somit wird für jede These untersucht, wie Luther zu der Aussage kommt und was er vermutlich damit aussagen möchte. Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden dazu verwendet, um die oben zitierten Thesen in Beziehung zueinander zu setzen. Dadurch wird gezeigt, inwieweit sie sich widersprechen und inwieweit sie sich ergänzen und vereinbaren lassen. Abschließend werden die Ergebnisse zusammengetragen um die Ausgangsfrage, ob sich beide Thesen auf den gleichen Menschen beziehen und welches Menschenbild sie darstellen, zu klären.

2. Einordnung der Quelle

Die Quelle „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ zählt zu den sogenannten reformatorischen Hauptschriften, die Luther im Jahre 1520 verfasst hat. Hierzu zählen noch zwei weite Schriften. Die erste trägt den Titel „An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung“. Die zweite ist „ De Captivitate Babylonica Ecclesiae Praeludium “.5 Ihre Bedeutung erhalten die Schriften vor allem dadurch, dass Luther in ihnen sein „reformatorisches Programm entwickelt[e]“6 . Hierzu veranlasst sieht er sich vor allem durch die Tatsache, dass sich die Kirche in einer Zeit des Umbruchs und der Krise befindet. Luther verwickelt sich in einen Konflikt mit der Kirche als Institution. Er kritisiert vor allem ihren - seiner Meinung nach - größten Missstand, das Ablasswesen.7 Anstoß für seine Kritik am Ablasswesen gibt der sogenannte, durch den Papst Pius eingeführte, Petersablass. Dieser soll dazu dienen, den Neubau der Peterskirche zu finanzieren. Papst Leo X., an welchen Luther später seinen Sendbrief richtet, welcher gleichzeitig und dennoch unverbunden mit der Freiheitsschrift erscheint8 , „ überträgt diesen Ablass außerdem noch auf die Kirchenprovinzen Mainz und Magdeburg9 . Luthers Reaktion auf diesen sind seine 95 Thesen, die er im Jahr 1517 verfasst und an Albrecht, den Erzbischof von Mainz, schickt. Auch andere Bischöfe und Freunde Luthers bekommen diese Thesen zugesendet. Es für ihn besonders problematisch, dass diese Ablasskampagne nach seinen Auffassungen keine theologischen Grundlagen enthält.10 Seine 95 Thesen erregen großes Ansehen, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Als sie Rom erreichen, entsteht der Verdacht, dass es in Wittenberg einen Ketzer gibt. Gegen diesen muss umgehend vorgegangen werden. Gegen Luther wird 1518 von der Kurie ein Inquisitionsverfahren eröffnet.11 Luther wird nach Augsburg befehligt, damit er vor den Kardinal Cajetan treten kann. Dieser verlangt von ihm, dass er seine Irrlehren widerrufe.12 Luther ist sich aber keiner Irrlehren bewusst und verlangt von dem Kardinal, dass er ihm erläutere, um welche Irrlehren es sich handle. Diese Forderung zieht eine inhaltliche Diskussion mit sich. Das Resultat dieser Diskussion bestand darin, dass Cajetan Verständnis für Luthers Ansichten über den Ablassstreit zeigt. Luthers Ansichten das Papsttum betreffend, lehnt Cajetan jedoch deutlich ab.13 Durch den Tod von Kaiser Maximilian im Jahr 1519 wird der Prozess gegen Luther unterbrochen, da es nun darum geht, einen neuen Kaiser zu finden. Dies hat höchste Priorität. Dadurch bekommt Luther die Gelegenheit seine Lehren weiter zu verbreiten.14 Neuer Kaiser wird, gegen den Willen von Leo X, der Habsburger Karl V. Luther ist es zu dieser Zeit bereits gelungen, einen großen Bekanntheitsgrad zu erlangen. Dies erreicht er durch die Leipziger Disputation gegen Johannes Eck.15 Eck vertritt die Kirche mit ihren Standpunkten. Mit der Behauptung, dass Päpste irren können, bringt Luther seine Gegner 1520 endgültig dazu, ihn der Häresie zu beschuldigen.16 Daraus folgt die Banndrohungsbulle „Exurge Domine“. Diese fordert Luther dazu auf, seine Irrtümer zu widerrufen, was dieser aber ablehnt. In den Augen seiner Gegner ist dies ein weiterer Beweis dafür, dass es sich bei Martin Luther um einen Ketzer handle. Eine weitere Bannbulle folgt 1521. Diese wird allerdings nicht ausgeführt, weil politische Umstände es verhindern.17 Hieraus ist zu erkennen, dass sich Luther von der drohenden Gefahr nicht davon abhalten lässt, Schriften zu verfassen. Als er seine reformatorischen Hauptschriften verfasst, ist der Prozess gegen ihn bereits wieder aufgenommen und ihm droht der Bann. Dennoch lässt er sich nicht einschüchtern und ist darum bemüht, sein Programm zu veröffentlichen und zu verbreiten, um gegen die vorherrschenden Missstände angemessen vorzugehen. Karl Miltitz, der Gesandte des Papstes, verhandelt in dieser Zeit mit Luther. Er drängt ihn dazu, einen Brief an den Papst zu verfassen, indem er diesem erklärt, dass er nie die Absicht hatte, ihn persönlich anzugreifen. Außerdem soll er dem Papst mitteilen, dass er bereit ist zu schweigen solange auch seine Gegner bereit sind, zu schweigen. Außerdem soll auch ein Traktat mitgesendet werden. Luther verfasst seinen Brief an Leo X. in lateinischer Sprache und übersetzt ihn dann ins Deutsche. Er schildert die Situation so, dass er dazu bereit ist in Schriftfragen zu schweigen. Er schreibt außerdem, dass er einsieht Eck provoziert zu haben und damit sei auch die römische Kirche herausgefordert. Seine eigentliche Absicht, die Kirche zu verteidigen, habe er dadurch verfehlt. Da der Brief unter Druck verfasst wird, ist zu bezweifeln, dass Luther seine Ausführungen ernst meint.18 Am Ende des Briefes stellt Luther dem Papst seine Schrift „De libertate Christiana“ vor.19 Im November 1520 erscheint die deutsche Fassung des Sendbriefes und etwas später die lateinische. Das Traktat erscheint nicht mit dem Sendbrief, sondern getrennt von ihm.20 Auch das Traktat erscheint in deutscher und in lateinischer Fassung. Dieses beinhaltet jedoch im Gegensatz zu dem Brief an den Papst, den Luther unter Zwang schreiben muss, seine Überzeugungen. Die Freiheitsschrift stellt die deutsche Bearbeitung des Traktats dar. Wichtige Unterschiede der beiden Fassungen sind im Längenverhältnis zu sehen und im Abfassungsstil.21 Außerdem ist die deutsche Bearbeitung nicht, wie die lateinische, dem Papst gewidmet, sondern22 „dem fursichtigen und weyßen hern Hieronymo Mühlphordt, Stadtvogt zu Zwiyckau, meynem besondern, günstigen freund und Patron, Empiete ich genantt D. Martinus Luther Augustiner meyne willige Dienst unnd allis guttis.23 In den Zeilen 7 bis 21 geht Luther dann darauf ein, was ihn dazu veranlasst hat, seine Schrift Hieronymus zu widmen und warum er sich dazu gezwungen sieht, diese deutsche Bearbeitung des Traktats zu verfassen. Die Schrift dem Stadtvogt zu widmen wird ihm vom Stadtprediger Johann Sylvius Egranus ans Herz gelegt. Er sieht in Hieronymous einen Mann, der sich mit großem Enthusiasmus mit der Heiligen Schrift befasst.24 Durch die Widmung wollte Luther die Freundschaft zu Hieronymous intensivieren, denn dieser erkennt die göttliche Wahrheit und richtet sich mit viel Liebe nach ihr. Da diese Wahrheit aber nicht von allen geliebt wird, sieht Luther sich dazu gezwungen, das Traktat ins Deutsche zu übersetzen, damit seine Lehre für ein breites Publikum zugänglich gemacht werden kann.25

3. Inhaltliche Skizze der Quelle

Die vorliegende Quelle „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ lässt sich auf zwei Weisen gliedern. Zum einen kann der formale Aufbau beschrieben werden, den der Verfasser vorgibt und zum anderen kann die Quelle inhaltlich gegliedert werden, was der Gliederung des Verfassers in einigen Punkten widerspricht.

[...]


1 WA 7; 21,1-4.

2 AaO; 21,1-4.

3 Im Folgenden als Freiheitsschrift bezeichnet

4 WA 7; 21,1-4.

5 Vgl. Wolff, J, Programmschriften, 2005; 266 – 269.

6 Jung Martin H., Reformation und Konfessionelles Zeitalter (1517-1648);34 f.

7 Vgl. Hausschild, W.-D., Lehrbuch der Kirchen und Dogmengeschichte, 2007; 30.

8 Vgl. WA 7; 12.

9 Sommer, W. Und Klar, D., Kirchengeschichtliches Repetitorium, 2007;128,27.

10 Vgl. Jung, Martin H., Reformation und Konfessionelles Zeitalter (1517-1648); 34 f.

11 Vgl. Hausschild, W.-D., Lehrbuch der Kirchen und Dogmengeschichte, 2007; 39.

12 Vgl. aaO; 32.

13 Vgl. Lohse, Bernhard, Martin Luther, 1997; 63.

14 Vgl.,Sommer, W. Und Klar, D., Kirchengeschichtliches Repetitorium, 2007; 129.

15 Vgl. Hausschild, W.-D., Lehrbuch der Kirchen und Dogmengeschichte, 2007; 39.

16 Vgl. Jung, Martin H., Reformation und Konfessionelles Zeitalter (1517-1648); 34.

17 Vgl. Hausschild, W.-D., Lehrbuch der Kirchen und Dogmengeschichte, 2007; 39 f..

18 Vgl. Rieger, Reinhold, Von der Freiheit eines Christenmenschen, 2007; 1-3; 12.

19 Vgl. aaO; 3.

20 Vgl. aaO; 4.

21 Vgl. aaO; 8f.

22 Vgl. Hausschild, W.-D., Lehrbuch der Kirchen und Dogmengeschichte, 2007; 12.

23 WA 7; 20,3-6.

24 Vgl. aaO; 20,8-23.

25 Vgl. aaO; 12,18-19.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Das Menschenbild in Luthers Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ (1520) (WA 7; [12]20-38)
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,3
Jahr
2012
Seiten
20
Katalognummer
V202262
ISBN (eBook)
9783656284871
ISBN (Buch)
9783656285250
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Luther, Freiheitsschrift, Menschenbild, WA
Arbeit zitieren
Anonym, 2012, Das Menschenbild in Luthers Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ (1520) (WA 7; [12]20-38), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/202262

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