Jungenbenachteiligung an Schulen

Inwiefern tragen Lehrer wirklich eine Teilschuld an der Bildungsmisere?


Hausarbeit, 2012

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Diskussionsgrundlage

3. Lehrerinnen und ihre Schuld an der Schulkrise der Jungen
3.1 Argumentationen für die Schuld
3.2 Argumentationen gegen den Vorwurf
3.2.1 Hypothese: kognitiv schlechtere Entwicklung
3.2.2 Hypothese: schlechtere Beurteilung
3.2.3 Hypothese: Einfluss auf die Empfehlung für das Gymnasium

4. Kritik und Zustimmung
4.1 Erste Hypothese
4.2 Zweite Hypothese
4.3 Dritte Hypothese

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Unterschiedliche Schulvergleichsstudien (unter anderem von Diefenbach/Klein) zeigen eine Ungleichheit bezogen auf eine Gruppe, bei denen es lange nicht vermutet wurde. Jungen schneiden systematisch schlechter in der Schule ab als Mädchen, so die Erkenntnisse. Diese Befunde wurden im Lehrforschungsseminar anhand unterschiedlicher Textbeispiele und Perspektivendarstellung geprüft und diskutiert. Einigkeit besteht lediglich in der Tatsache, dass die Jungen in den Schulen bei den Noten durchschnittlich schlechter abschneiden und allgemein schlechtere Schulabschlüsse erhalten. Die Gründe dafür scheinen vielfältig zu sein und von Wissenschaftler zu Wissenschaftler unterschiedlich gewichtet. Es reicht von der Annahme, dass es biologische Ursachen hat, über das fehlende männliche Vorbild bis hin, dass Lehrerinnen die Störaktionen der Jungs schärfer beurteilen.[1]

Aufgrund der Vielfältigkeit der Ursachenfindung werde ich mich in dieser Arbeit nur auf eines der Gründe konzentrieren und unterschiedliche Seiten beleuchten. In dem Seminar wurde mehr als einmal deutlich, dass einige Wissenschaftler die Ursache bei den Lehrerinnen sehen. Es sind zu viele weibliche Lehrerinnen, die den Jungen kein männliches Vorbild sein können und diese dafür häufig strenger benoten als Mädchen. Bei der Recherche stieß ich auf die Artikel von Marcel Helbig : „Sind Lehrerinnen für den geringeren Schulerfolg von Jungen verantwortlich?“ und „Lehrerinnen trifft keine Schuld an der Schulkrise der Jungen“. Dies rückt die Situation in ein völlig neues Licht und erweckt mein Interesse. Da Helbig ausführlich auf die Aussagen von Diefenbach/Klein und Budde eingeht, werden diese Autoren als Gegenpart aufgegriffen. Es bietet sich an eine Gegenüberstellung der Positionen dieser Wissenschaftler in dieser Arbeit an.

Ziel ist es diese gegenläufigen Darstellungen vorzustellen, gegenseitig abzuwiegen und am Ende ein Fazit zu ziehen. Dieses Fazit wird im Idealfall eine eindeutige Aussage enthalten, ob Lehrerinnen eine Schuld an der Schulkrise der Jungen tragen oder nicht.

Der nachfolgende Textvergleich beschäftigt sich auf der einen Seite mit den Autoren, die den Lehrerinnen eine eindeutige Mitschuld einräumen, und auf der anderen Seite mit Herrn Helbig, der nicht nur mit seiner Textüberschrift das Gegenteil behauptet.

Aus diesem methodischen Vorgehen ergibt sich folgende Gliederung. Zunächst wird die Problematik der schlechter abschneidenden Jungen in der Schule kurz umschrieben und in prägnanten Punkten zusammengefasst. Der Hauptteil gibt anschließend den Standpunkt derjenigen wieder, die eine Mitschuld der Lehrerinnen an der Schulkrise der Jungen sehen. Ohne eine Wertung meinerseits wird daraufhin die Argumentation von Helbig ausführlich dargestellt. Nach dieser Gegenüberstellung, in der die Grenzen der jeweiligen Parteien kenntlich gemacht wurden, werden beide Argumentationspositionen auf Vor- und Nachteile hinterfragt. Dazu werden Argumentationslogik und –lücken aufgezeigt. Abschließend soll eine klare Position zu dem Thema bezogen werden. Innerhalb dieser Ausführungen wird anhand von Fragen ein Blick in zukünftige Forschungen gewagt, die in dieser Diskussion entscheidend eingreifen könnten.

Die Literaturlage zu diesem Thema ist erstaunlich umfangreich. Zunächst erschien mir das Thema der Bildungsungleichheit für Jungen als ein neuer Aspekt, da dieses bis hierhin keine Erwähnung fand. Bei der Recherche stellte sich jedoch heraus, dass einige Forschungen und Theorien existieren, in denen hierüber stark diskutiert wird. Es handelt sich dabei um ziemlich aktuelle Literatur von der umstrittenen Wissenschaftlerin Heike Diefenbach über Jürgen Budde und Bettina Hannover bis hin zu Michael Meuser, um an dieser Stelle nur einige zu nennen.

2. Diskussionsgrundlage

Das männliche Geschlecht wird selten einher mit der These gebracht, gegenüber dem weiblichen Geschlecht benachteiligt zu werden. Trotz der Dominanz der Männer in der westlichen Industrie und in Führungspositionen weisen Wissenschaftler, beispielsweise wie Diefenbach/Klein und Budde, auf die ungleiche Behandlung von Jungen gegenüber Mädchen in der Schule hin. Sie kritisieren die Ignoranz des brisanten Themas, da es anscheinend politisch und in der Bildungsforschung verbreitet ist, dass Frauen, historisch gesehen den Männern gegenüber immer benachteiligt seien (vgl. Diefenbach 2010, S. 245). Betrachtet man jedoch den Schulerfolg von Jungen, hängen sie ihren weiblichen Altersgenossen hinterher. Die Mädchen weisen nicht nur deutlich bessere Lesekompetenzen auf, sondern erhalten im Durchschnitt bessere Noten und sind an Gymnasien häufiger vertreten (vgl. Helbig 2010, S. 94). Währenddessen sind die Jungen häufiger an niedrigeren Schulen anzutreffen und erhalten öfter keinen Abschluss. Die Verteilung der Schulabschlüsse auf die Geschlechter kann man anhand der Daten des statistischen Bundesamtes (1994/95 bis 1999/2000) sehen, die auch bei Diefenbach/Klein angebracht wurden. Die erste Tabelle zeigt den bundesweiten Trend dieser Erkenntnis. In jedem Bundesland zeichnet sich ein deutlich hoher Anteil von männlichen Schulabgängern ohne Schulabschluss ab. Hier ist jedoch nicht die Verteilung derjenigen ersichtlich, die weiterhin einen Schulabschluss anstreben. Erst die zweite Tabelle zeigt grafisch, dass Mädchen häufiger an Gymnasien und Realschulen vertreten sind, Jungen dagegen häufiger an Hauptschulen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Diefenbach/Klein 2002, S. 940)

Es ist in Deutschland quasi erwiesen, dass Jungen im allgemeinbildenden Schulsystem schlechter abschneiden (vgl. Helbig 2010, S. 94). Die Wissenschaftler sind sich in den Folgen weitgehend einig. Woran es fehlt, ist eine systematische Untersuchung zu den Ursachen dieses Phänomens. Unterschiedliche Bereiche der Wissenschaft suchen Erklärungsansätze. Eine der häufigen Vorwürfe ist es, dass eine „Feminisierung der Schule“ stattgefunden hat und die nachteiligen Effekte auf den fehlenden Schulerfolg von Jungen wirken (vgl. Budde 2008, Diefenbach/Klein 2002). Dieser Vorwurf soll im folgenden Kapitel näher betrachtet werden.

3. Lehrerinnen und ihre Schuld an der Schulkrise der Jungen

Ist die Mehrheit von Lehrerinnen an den Schulen und somit die einkehrende „Feminisierung“ (vgl. Diefenbach 2010, S. 258) der Schule Schuld an den Bildungsungleichheiten zwischen den Geschlechtern? Diefenbach/Klein und Budde bestätigen diese Aussage, während Helbig es anhand von Statistiken wiederlegen will. Interessanterweise legen beide Parteien eine der seltenen Statistiken zu diesem Thema in Deutschland vor, die ihre Ansicht bestätigen soll. Welche Argumente die jeweiligen Parteien vorbringen und welche Schlussfolgerungen sie daraus ziehen, soll im Folgenden genauer erläutert werden.

3.1 Argumentationen für die Schuld

Die Schulen wurden aufgrund der hohen Anzahl der weiblichen Lehrkräfte feminisiert und die Schulkultur (mehr oder weniger unbewusst) auf Mädchen ausgerichtet; so die grundlegende Aussagen von Diefenbach, Klein und Budde (vgl. Diefenbach 2010, S. 258). Mit dieser Schulkultur ist sowohl die Unterrichtspraxis gemeint, die den Mädchen, mit beispielsweise der Gruppenarbeit, deutlich mehr liegt, als auch das Verhängen von unterschiedlich häufigen Sanktionen gegen unerwünschtes Verhalten. Es wird davon ausgegangen, dass das Verhalten der Mädchen eher der Norm entspricht. Dabei sollen die Lehrerinnen die Motivation, die Leistungsfähigkeit und die Bildungsempfehlung der Schüler negativer beeinflussen, als die von Schülerinnen (vgl. Diefenbach/Klein 2002, S. 949). Helbing führt zu diesem Thema „Sexton (1969)“ an, die der Ansicht ist, dass die Schule somit eine Konformität schafft, die man mit „Weiblichkeit“ gleichsetzt und somit im natürlichen Konflikt zu „Männlichkeit“ steht. Die Jungen werden somit zu Außenseitern mit einer unterentwickelten Männlichkeit (vgl. Sexton 1969, S. 10f. z.n. Helbing 2010, S. 97).

[...]


[1] Ergänzende Literatur: Preuß- Lausitz, Ulf (2008): Voraussetzung einer jungengerechten Schule. In: Metzner, Michael/ Tischner, Wolfgang (Hrsg.): Handbuch Jungen- Pädagogik. Weinheim und Basel. Budde, Jürgen (2008): Bildungs(miss)erfolge von Jungen und Berufswahlverhalten bei Jungen(männlichen Jugendlichen. Bildungsforschung Band 23. Bonn/Berlin. Diefenbach, Heike (2010): Jungen- die „neuen“ Bildungsverlierer. In: Quenzel, Gutrun/ Hurrelmann, Klaus (Hrsg.): Bildungsverlierer-Neue Ungleichheiten.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Jungenbenachteiligung an Schulen
Untertitel
Inwiefern tragen Lehrer wirklich eine Teilschuld an der Bildungsmisere?
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Veranstaltung
Projektseminar: Bildung & Heterogenität. Neue soziale Ungleichheiten
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V203194
ISBN (eBook)
9783656292968
ISBN (Buch)
9783656294542
Dateigröße
1250 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
benachteilugung, jungen, an schulen, Lehrer schuld
Arbeit zitieren
Master of Arts Elisa Bohms (Autor), 2012, Jungenbenachteiligung an Schulen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203194

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Titel: Jungenbenachteiligung an Schulen



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