Die Rolle des Schulleiters und seine Handlungsmöglichkeiten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Das Schulsystem und ihr tradiertes Selbstverständnis

2. Bereiche und Dimensionen von Führungshandeln in Schule
2.1 Rollen und Rollenkonflikte
2.1.1 Der Schulleiter als Vorgesetzter und Leitliniengeber

2.1.1.1 Rollen und Rollenkonflikte
2.1.1.2 Der Schulleiter als Vorgesetzter und Leitliniengeber
2.1.2 Der Schulleiter als Lehrer und Kollege
2.1.3 Vermittler zwischen Behörden und Kollegium
2.1.4 Das Selbstverständnis des Schulleiters als Pädagoge und Verwaltungschef
2.1.5 Kennzeichen und Kernkompetenzen eines „guten Schulleiters“
2.1.5.1 Kommunikations- und Konfliktfähigkeit
2.1.5.2 Fach- und Sachkompetenz im Hinblick auf Unterricht und Verwaltung
2.1.5.3 Bereitschaft zu Innovationen

3. Handlungsrepertoires und Handlungsstrategien
3.1 Entwicklung eigener Fähigkeiten und Kompetenzen
3.2 Umgang mit verschiedenen Akteuren der Schule
3.2.1 Verhältnis von Schulleitung und Eltern
3.2.2 Verhältnis zwischen Schulleitung und Schülern
3.2.3 Verhältnis zwischen Schulleitung und Lehrern

4. Umgang mit Delegation innerhalb der Schulleitung

5. Entscheidungsfindungsprozesse

6. Entwicklung pädagogischer Neuerungen

Einleitung

„Es ist eine mittlerweile weitverbreitete Überzeugung, dass hinter einer erfolg-reichen Schule eine fähige Schulleitung steht und umgekehrt Fehlentwicklungen häufig mit ungeeignetem Schulleitungspersonal zusammenhängen“[1]

Dieses Zitat Rosenbuschs unterstreicht die entscheidende Bedeutung von Schulleitungshandeln, das Wesen der einzelnen Schulleiterinnen und Schulleiter und ihre Wirkung auf die Einzelschule. Eine „starke, positive Schulleitung“, so Wissinger, sei „eines von insgesamt acht evidenten Merkmalen guter Schulen“[2].

Welche sind jedoch die Kriterien zur Qualitätsbestimmung bzw. -Messung der Einzelschule, welche Paradigmen kommen an dieser Stelle für ihre Schulleitung in Frage? Welche sind insbesondere im Hinblick auf sich ändernde und wachsende Anforderungen an Schulleitung die Kernqualifikationen, die eine gute Schulleiterin und einen Schulleiter auszeichnen?

Die aktuelle Schulentwicklungsforschung liefert zu diesen Fragen verschiedene neue Ansätze und Antworten. Wenn die Schule, die als Institution und als Ort sozialen Handelns bei der Gesellschaft -Stichwort PISA-Studie oder Gewalt in Schulen- in Kritik steht, sieht sich in besonderem Maße die Schulleitung als erste Instanz, von der ja die Realisierung neuer Konzepte und Lösungen zum „Projekt Einzelschule“ verlangt wird, unmittelbar mit diesen Forderungen konfrontiert und – muss handeln.

Nun versteht sich wiederum das „Projekt Schule“ als Schlagwort, wie auch PISA, das insbesondere in Deutschland sowohl politisch als auch gesellschaftlich diskutiert, seitens der Politik mitunter auch polemisiert wird. Sie selbst, die Schule, ihr Handlungsrahmen, ihre didaktischen Konzepte, ihre Angebote an Kinder und Jugendliche sollen im Zuge bzw. dem Tempo der sich rasant entwickelnden gesellschaftlichen Prozesse angepasst, neu definiert und bewertet, ihr Selbstverständnis durchleuchtet werden.

Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die zentralen Ansätze zu (und Probleme von) Schulleitungshandeln aufzugeigen. Zunächst soll die Schulleitung im Schulsystem betrachtet werden, um ihre Position zu verdeutlichen. Anschließend folgen die verschiedenen Rollen, die ein Schulleiter einnimmt und seine Kernqualifikationen benannt werden. Hierbei werden sowohl rein theoretische als auch empirische Arbeiten zu Hilfe gezogen, insbesondere Bonsens, Iglhausts und Pfeiffers „Schulleitungshandeln aus Schulleitungssicht“, das sich auf das Land Niedersachsen zwar beschränkt, in Kernfragen jedoch auf die Bundesebene übertragbar ist.

1. Das Schulsystem und ihr tradiertes Selbstverständnis

Die u.a. Grafik zum Modell der Schulbürokratie[3] veranschaulicht die top-down-Struktur der Schule. Sie zeigt einerseits die in das Schulsystem involvierten Parteien, andererseits ihre (Un-)abhängigkeit voneinander. Schule als Organisation enthält per se eine strikte Hierarchie.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Schwänke nennt sein Schulsystem Bürokratie – ein polarisierender Begriff, der aufgrund seiner tradierten Bedeutung vom Beamtentum als aufgeblähtem und realitätsfremdem Gebilde und ihren Mitgliedern, jenen kleinlichen, aber eben unantastbaren Machthabern, die –je nach Dienstgrad- einen entsprechend portionierten Einfluss, d.h. Macht innehaben.

Gleichzeitig aber soll mit dieser Grafik aufgezeigt werden, dass Schule eine Organisation ist (oder eine „hat“) und erhebt nicht den Anspruch auf eine umfassende „Erklärung“ von Schule im allgemeinen.

Allerdings ist angesichts der von verschiedensten Seiten an die Schule gestellten Anforderungen, d.h. was sie „soll“, zunächst die Funktion von Schule näher zu bestimmen. Diese Frage ist wiederum eng verknüpft mit dem Verständnis von Schule. So führt Jochen Wissinger das Argument Hurrelmanns[4] an, dass die Einzelschule als ein Ort sozialen Handelns „am ehesten einer Dienstleistungsorganisation wie dem Krankenhaus vergleichbar“ und deren „Ziele und berufsmäßige Arbeit auf den Menschen gerichtet“ sei. Die Mitglieder, so Wissinger, ließen sich am ehesten in zwei Gruppen fassen, nämlich in Lehrer und Schüler.

Im Rahmen der Schule als „Organisationsform“ jedoch gehören Lehrer zu den Organisationsmitgliedern von Schule. Als solche stellen sie, so Wissinger weiter, „das Schlusslicht in der Beamtenhierarchie der staatlichen Bildungsverwaltung“ dar, die Schule selbst, d.h. der Ort ihres aktiven Handlungsvollzugs, sei gleichsam die unterste Ebene des gesamten Schulverwaltungsinstanzen.

Insofern verwundert es nicht, dass die Schüler bspw. in der obigen Grafik nicht erwähnt werden.

Diese grundverschiedenen Wahrnehmungen von Schule, der einen, rein organisationsbedingten (formalen) und der anderen, jener Vorstellung von Schule als Ort menschlicher Interaktion (informal) sind Kernstreitpunkte von Schule überhaupt. Sie miteinander zu verbinden und zu harmonisieren, ist Gegenstand aktueller Schulentwicklungs- und insbesondere der Organisationsforschung.

Die Organisationsforschung versucht neue Ansätze und Antworten auf altbewährte und teils selbstverschuldete Strukturprobleme der Schule zu liefern. Sie geht der Frage nach unter der Prämisse, dass Schule sowohl „Organisation ist “ als auch eine „Organisation hat “, und behauptet dass Schule auch unter diesen, voneinander abhängigen, Wahrnehmungen veränderbar ist. Somit liegt ihr Fokus eindeutig auf der Einzelschule. Ferner hinterfragt sie, inwieweit bestehende, d.h. veraltete, „Mitgliedschaftsrollen“ innerhalb der Einzelschulen zum Tragen kommen und wie diese unter dem Aspekt der Individualität effektiver sein könnten. Dies betrifft insbesondere die Wechselbeziehung zwischen Schulleitung und Lehrerschaft, zwischen welchen, so Hans-Günter Rolff, „aufgrund des politischen Gewichtes der staatlichen Bildungsverwaltung sowie je nach Grad zentralistischer Abhängigkeit der Einzelschule tendenziell immer der Gefahr [besteht], ihre Beziehung auf ein dominant formal strukturiertes, durch das Medium der Macht gekennzeichnetes Abhängigkeitsverhältnis zu reduzieren, [...].“[5] An dieser Stelle ist das traditionelle Rollengefüge des Lehrerkollegiums –welches ja ebenfalls eine eigene, z.T. welchselnde, top-down-Struktur innehat (z.B. Schulleiter, Stufenleiter, SV-Lehrer etc.) – von Bedeutung und insbesondere die Rolle und das Selbstverständnis des Schulleiters. Feste Machtverteilungen können im Hinblick auf Teamkooperation hinderlich sein.

So verwundert es nicht, dass der Soziologe Max Weber[6] (1864-1920) die Bürokratie im Rahmen der „reinen Typen legitimer Herrschaft“ ins Raster der „legalen Herrschaft“ klassifiziert und somit einen „wesensgemäßen Antagonismus“ zwischen Bürokratie und Pädagogik feststellt. Wissinger kritisiert diese pauschale Einteilung und vermisst bei Weber den Bereich der Pädagogik, der in Webers Ausführungen im Hinblick auf den Herrschaftsbegriff jedoch nicht berücksichtigt wird.

[...]


[1] Rosenbusch/Schlemmer, 1997

[2] Wissinger 2000, 852

[3] in ihrer primären Bedeutung „Beamtenherrschaft“

[4] Hurrelmann

[5] Hans-Günter Rolff, S. 84

[6] Max Weber

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Rolle des Schulleiters und seine Handlungsmöglichkeiten
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
18
Katalognummer
V204008
ISBN (eBook)
9783656302964
ISBN (Buch)
9783656303824
Dateigröße
751 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rolle, schulleiters, handlungsmöglichkeiten
Arbeit zitieren
StR Sener Saltürk (Autor), 2004, Die Rolle des Schulleiters und seine Handlungsmöglichkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204008

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