Gründe für den Ausbruch des Peloponnesischen Krieges

Eine Analyse der Kontrahenten Athen und Sparta


Seminararbeit, 2012
24 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die historische Einordnung des Peloponnesischen Krieges

2. Sparta und Athen als Antagonisten
2.1. Allgemeine Gegensätze
2.2. Gegenseitiges Misstrauen und Athenische Expansion
2.3. „Erster Peloponnesischer Krieg“

3. Die konfliktreiche Vorgeschichte
3.1. Athens Auseinandersetzung mit Korinth
3.2. Streit mit Poteidaia
3.3. Das „Megarische Psephisma“

4. Beweggründe für einen Krieg
4.1. Aggressive Innenpolitik Athens
4.2. Kriegserklärung Spartas

5. Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Die historische Einordnung des Peloponnesischen Krieges

Seit den Perserkriegen und dem damit einhergehenden Aufstieg der athenischen Poleis, bildete sich zusammen mit der ehemaligen, alleinigen Führungsmacht Sparta ein brisanter Dualismus um die Vormachtstellung in der griechischen Staatenwelt, der letzten Endes in einen bis dahin nicht gekannten, zerstörerischen Krieg führte. Für die antike Zivilisation ist diese Auseinandersetzung von immenser Bedeutung gewesen. Fast alle griechischen Stadtstaaten nahmen an den Kampfhandlungen teil, sodass sie die gesamte griechischsprachige Zivilisation umfassten.

Auch für die antike Geschichtsschreibung war der Konflikt und Gegensatz zwischen Athen und Sparta bedeutend. Der Historiker und Schriftsteller Thukydides lieferte als einer der ersten Geschichtsschreiber überhaupt eine zeitgemäße und ausführliche Darstellung des Kriegsgeschehens. Er selbst war Zeitzeuge der Auseinandersetzungen und nahm den Konflikt als Politiker, Heerführer und Verbannter im Exil wahr. Seine schriftlichen Zeugnisse stehen für den Anfang der realen Geschichtsschreibung, sodass seine Schilderungen über den Peloponnesischen Krieg auch in der heutigen Geschichtslehre von weitreichender Bedeutung sind.[1] Thukydides selbst schreibt jedoch nicht vom Peloponnesischen Krieg, sondern vom „Krieg der Peloponnesier und Athener“[2], in dessen Auseinandersetzungen sich der erste Attische Seebund und der Peloponnesische Bund mit ihren jeweiligen Führungsmächten Athen und Sparta gegenüberstanden. „Er hat gleich bei dessen Ausbruch mit der Aufzeichnung begonnen, denn er sah voraus, dass es ein großer Krieg, der denkwürdigste von allen, die sich jemals ereignet, werden würde.“[3] Er notierte weiterhin in seinen schriftlichen Aufzeichnungen, dass „beide auf der vollen Höhe ihrer Machtmittel in den Kampf eintraten und dass er das ganze übrige Hellenentum Partei ergreifen sah.“[4] Ein Tatsache, warum dieser Konflikt oft auch als „antiker Weltkrieg“ bezeichnet wird.[5] Häufig jedoch ereigneten sich kämpferische Handlungen mit nur wenigen hundert Kriegern, erst zu Beginn der Sizilienexpedition wurde ein völlig neues kriegerisches Ausmaß erreicht, bei welchem Tausende von Kriegern, so genannte Hopliten und Ruderer zum Einsatz kamen.

Der „Krieg der Peloponnesier und Athener“ begann im Jahre 431 v. Chr. mit ersten gewalttätigen Auseinandersetzungen in Territorien Zentralgriechenlands und dehnte sich in seinem weiteren Verlauf bis in Griechenlands Norden aus. Nach zehn Jahren kriegerischer Auseinandersetzung kam es zu einer Waffenruhe, welche im Nikias-Frieden geschlossen wurde. In seiner letzten Phase wurde der Krieg vor allem in Sizilien und an der asiatischen Ägäisküste geführt. Er endete nach 27 Jahren mit dem Sieg der Spartaner und der Kapitulation der Athener im Jahre 404 v. Chr. Allerdings war der vermeintliche Sieger Sparta, welcher gegen Ende hin durch die Perser unterstützt wurde, nach Einstellung der Kampfhandlungen so stark gebeutelt, dass es in der Folgezeit zu einem spürbarem Machtvakuum in der gesamten griechischen Staatenwelt kam. Erst mit den Ausdehnungen des makedonischen Reiches unter Philipp II. und dessen Sohn Alexander konnte diese Lücke geschlossen werden. Der Peloponnesische Krieg steht in seiner historischen Bedeutung für das Ende der griechischen Polis und stellt „sowohl in politischer wie in militärischer, in sozialer wie in wirtschaftlicher Hinsicht“ einen markanten Wendepunkt in der griechischen Historie dar.[6]

Ziel und Aufgabe der Seminararbeit ist es, die Gründe für den Peloponnesischen Krieg aufzuzeigen und zu verdeutlichen, wie es zu dem so genannten „antiken Weltkrieg“ kommen konnte. Dabei stellt sich unvermeidlich die Frage nach der Kriegsschuld. Um auf diese komplexe Fragestellung eingehen zu können, ist es von Bedeutung den athenisch-spartanischen Antagonismus seit dem Ende der Perserkriege und der Zeit der Pentekontaetie zu beleuchten sowie die politischen Maßnahmen, die letztendlich in diesen Konflikt führten, sowohl auf spartanischer als auch auf athenischer Seite zu erläutern. Für diese Bearbeitung nehmen die Konfliktherde vor Ausbruch des Peloponnesischen Krieges sowie die letztendlichen Beweggründe für einen Krieg einen zentralen Stellenwert ein.

Es kann jedoch nicht im Anliegen der Seminararbeit sein, einen Hauptschuldigen auszumachen, denn das ist aufgrund der Komplexität der Entstehungsgeschichte nicht möglich. Vielmehr geht es darum politisches Verhalten und Entscheidungen auf beiden Seiten zu beleuchten, sowie auf ökonomische, militärische und ideologische Unterschiede einzugehen, die letztendlich auch entscheidend für den Beginn des Peloponnesischen Krieges waren. Als bedeutendste Quelle für die Entstehungsgeschichte am „Vorabend des Peloponnesischen Krieges“ und während des Ausbruchs der Auseinandersetzungen, dient der Geschichtsschreiber Thukydides, auf dessen Schilderungen sich die Seminararbeit zu großen Teilen berufen wird.

2. Sparta und Athen als Antagonisten

2.1. Allgemeine Gegensätze

In der Pentekontaetie, welcher Begriff den Zeitraum von 479 v. Chr. bis zum Beginn des Peloponnesischen Krieges im Jahre 431 v. Chr. bezeichnet, kam es in Athen zu einer bedeutenden künstlerischen und philosophischen Entfaltung sowie zu einer Blütezeit des demokratisch-politischen Systems.[7]

Zur selben Zeit entstand auch der von Athen angeführte Attische Seebund. Den Athenern ging es darum, mithilfe des Seebundes wirtschaftlich aber auch politisch an Bedeutung und Einfluss in der griechischen Welt zu erlangen. Ursprünglich waren diese Maßnahmen gedacht, um damaligen Einflüssen der Perser zu entgegnen.[8]

Diese Prozesse geschahen zu einer Zeit, in der Sparta den alleinigen Führungsanspruch Griechenlands für sich beanspruchte. Aus militärischer Perspektive betrachtet, herrschte Sparta seit dem 6. Jahrhundert über die meisten Staaten der Peloponnes. Da die Spartaner mit anderen Poleis bilaterale Verträge schlossen, verfügten sie zu jederzeit neben der eigenen Truppenmacht auch über eine beachtenswerte Anzahl von verbündeten Heeren.[9] Der militärische Vorteil Spartas lag bei den Kämpfen auf dem Lande. Es verfügte über gut ausgestattete Hoplitenphalanxen, die ihrem Ruf nach in ganz Griechenland Angst und Schrecken verbreiteten.

Der Kontrahent Athen konnte hingegen auf eine große Bevölkerung zurückgreifen und besaß zudem große militärisch und wirtschaftlich wichtige Ressourcen, wie etwa Silber. Dadurch wurde unter Themistokles ein Flottenbauprogramm ermöglicht, durch welches eine große Trierenflotte hervorging.[10] Im Gegensatz zu Sparta lag der militärische Vorteil Athens demnach auf dem Wasser.[11]

Die widerstandsfähigen Trieren hatten schon in der Zeit der Perserkriege für den Erfolg des athenischen Heeres gesorgt und sich als die entscheidende Kriegswaffe offenbart. Nach dem das Perserreich in diesen Schlachten als Verlierer hervorging, gelang es den Athenern ionische Städte an der Küste Kleinasiens zu befreien und unter ihren Schutz zu bringen. Daraus hervorgehend wurde, wie schon genannt, 478/477 v. Chr. der erste Attische Seebund, welcher oft auch Delisch-Attischer Seebund bezeichnet wird, gegründet. In der Folgezeit wurden weitere Territorien, welche zuvor unter persischem Einfluss gestanden hatten, befreit und dem Attischen Seebund untergeordnet.[12] Die militärischen Verhältnisse brachte Thukydides auf den Punkt: „ es herrschte die eine zu Lande, die andere mit ihren Schiffen.“[13]

Aus ökonomischer Sicht betrachtet, war Sparta den Athenern unterlegen, besonders weil sie nicht auf so bedeutende Ressourcenvorkommen und große Finanzreserven zurückgreifen konnten wie der nördliche Kontrahent. Athen war der „Mittelpunkt von Handel und Gewerbe für die ganze griechische Welt“.[14] Begünstigt wurde diese Situation durch die zahlreichen Kolonien, welche den angesprochenen Handel erst möglich machten und nebenbei noch finanzielle Einnahmen, in Form von Abgaben und Tributen an Athen, zur Folge hatten.[15]

Im Gegenteil zu Athen „hielt Sparta seine Verbündeten nicht abgabenpflichtig…während Athen mit der Zeit seinen Städten…die Schiffe wegnahm und allen eine Abgabe in Geld zumaß.“[16]

Auch in ideologischen Gesichtspunkten unterschieden sich Athen und Sparta. Während sich die Athener in der Pentekontaetie in einer Blütezeit von Handel und Kultur befanden, und ein demokratisches System bevorzugten, existierte bei den Spartanern eine politische Mischform aus Oligarchie, Aristokratie und Demokratie.[17] Die politischen Gegebenheiten in Sparta waren im Gegensatz zur athenischen Demokratie kaum auf eine politische Beteiligung des Volkes ausgerichtet. Zudem besaß Sparta über die ungünstigere gesellschaftliche Struktur.[18]

2.2. Gegenseitiges Misstrauen und Athenische Expansion

Die nachfolgende Zeit brachte es mit sich, dass aus den einst Verbündeten Poleis in der Zeit der Perserkriege, aufgebrachte Rivalen werden konnten. Dabei stellt sich die Frage wie es zu diesem Antagonismus kommen konnte. Schließlich existierten zwischen den beiden Parteien auch zahlreiche Gemeinsamkeiten. So waren beide im Hellenbund miteinander vereint, teilten sich den gleichen griechischen Kulturraum und hatten mit Persien und Makedonien dieselben Feindbilder. Warum jedoch war in der Folgezeit zwischen den beiden größten politischen Mächten der griechischen Antike kein einheitliches Miteinander möglich?

[...]


[1] Vgl. Schuller, Wolfgang, Griechische Geschichte, 3. überarb. u. erw. Aufl., München 1991.S. 42.

[2] Thuk. I 1.

[3] Thuk. I 1.

[4] Thuk. I 1.

[5] Bleckmann,Bruno, Der Peloponnesische Krieg, München 2007, S.8.

[6] Austin, Michel/Vidal-Naquet,Pierre, Gesellschaft und Wirtschaft im alten Griechenland, München 1984, S.107.

[7] Vgl. Bleckmann, B., Der Peloponnesische Krieg, 15f.

[8] Vgl. Bleckmann, B., Der Peloponnesische Krieg, 15ff..

[9] Vgl. Bleckmann, B., Der Peloponnesische Krieg, 21.

[10] Vgl. Bleckmann, B., Der Peloponnesische Krieg, 21.

[11] Vgl. Tarkiainen,Tuttu, Die athenische Demokratie, übers. von Rita Öhquist, Zürich 1966, S.169.

[12] Vgl. Bleckmann, B., Der Peloponnesische Krieg, 8.

[13] Thuk. I 18.

[14] Gschnitzer, Fritz, Griechische Sozialgeschichte.Von der mykenischen bis zum Ausgang der klassischen Zeit, Wiesbaden 1981, S.110.

[15] Vgl. Gschnitzer, F., Griechische Sozialgeschichte,110ff.

[16] Thuk. I 19.

[17] Vgl. Gschnitzer, F., Griechische Sozialgeschichte,110ff.

[18] Vgl. Hansen, Mogens Herman, Die Athenische Demokratie im Zeitalter des Demosthenes, Berlin 1995, S.38.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Gründe für den Ausbruch des Peloponnesischen Krieges
Untertitel
Eine Analyse der Kontrahenten Athen und Sparta
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
24
Katalognummer
V204444
ISBN (eBook)
9783656304883
ISBN (Buch)
9783656306139
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gründe, ausbruch, peloponnesischen, krieges, eine, analyse, kontrahenten, athen, sparta
Arbeit zitieren
Nico Ocken (Autor), 2012, Gründe für den Ausbruch des Peloponnesischen Krieges, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204444

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