„Contrat sociale“ versus „Leviathan“ – Das politische Denken Jean Jacques Rousseaus im Vergleich zu Thomas Hobbes


Hausarbeit, 2012

17 Seiten, Note: 1,3

Felix Silvester (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Zielsetzug und Aufbau der Arbeit

II. Historischer Abriss zum Zeitalter der Aufklärung

III. Kurze biographische Übersicht zu den Autoren
A. Das Leben des Thomas Hobbes
B. Das Leben des Jean Jaques Rosseau

IV. Der Naturzustand des Menschen als Urzustand desselben
A. Positiver Naturzustand bei Rosseau
B. Negativer Naturzustand bei Hobbes

V. Die Rolle des Naturzustandes in der Staatsbildung
A. Naturzustand als Vorraussetzung für Staatsbildung
B. Überwindung des Naturzustandes erforderlich bei Hobbes

VI. Das Prinzip der Vergesellschaftung
A. Vollständige Übereignung aller an alle im “Contrat Social”
B. Übereignung aller unter Bedingung an Einzelnen

VII. Der Souverän und die Souveränität
A. Staat als Souverän
B. Übergeordnete Person als Souverän

VIII. Hervorhebung der zentrale Unterschiede zwischen dem Contrat Social und dem Leviathan

IX. Literaturverzeichnis

I. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

Diese Arbeit dient dem Zweck die Kernaussagen der politischen Philosophie Jean Jacques Rousseaus der von Thomas Hobbes gegenüber zu stellen. Obwohl beide Autoren aus verschiedenen Epochen stammen- Hobbes aus dem 16. Jhd., Rosseau aus dem 18. Jhd.- ist es durchaus legitim die Hauptwerke beider Philosophen zu vergleichen, zumal Rosseau selbst sich immer wieder auf den hobbschen „Leviathan“ in seinem „Contrat social“ bezieht. Es aufgrund des Umfangs beider Werke drei zentrale Aspekte herausgegriffen und gesondert betrachtet. Zum einen die Beschreibung und Bewertung des Naturzustandes, da dies in gewissem Sinne die Basis aller weiteren Überlegungen zur Staats- und Gesellschaftsbildung ist. Damit einhergehend werden die Form der Vergesellschaftung, folglich die Überwindung des bereits erwähnten Naturzustandes, und die daraus resultierende Frage der Souveränität genauer beleuchtet werden. Es liegt in der Natur der Sache, dass in dieser Arbeit selbstredend nur ein kleiner Teil der Aspekte beider Schriften verglichen werden kann. So wird z.B. weder auf die Gesetzgebung oder die Regierungsformen, noch auf die Rolle der Religion im Staat eingegangen werden. Zuerst allerdings wird ein kurzer Überblick über die Epoche der Aufklärung gegeben, da diese den Rahmen für die rosseausche Denkweise liefert. Auch werden kurze Biographien zu beiden Autoren gegeben werden, damit ihre Denk- und Sichtweisen leichter einzuordnen und nachzuvollziehen sind. Es ist essentiell, dass man beide Philosophen aus dem historischen Kontext heraus und eben nicht vom heutigen, demokratisierten Standpunkt aus betrachtet. Ein solches Vorgehen würde der Sache nicht gerecht werden und die Kernaussagen des Textes nicht richtig wieder geben.

II. Historischer Abriss zum Zeitalter der Aufklärung

Das Zeitalter der Aufklärung (~ 1720-1785), in dem der „Contrat social“ Jean Jacques Rousseaus entstand, gilt als Epoche der Hinwendung zum modernen Menschenbild. Nicht mehr Kirche, Monarch und Stand, sondern der eigene, freie Verstand und die natürlichen Anlagen zur Vernunft sollten das Denken, Streben und Handeln der Menschen bestimmen. „Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ lautet der Wahlspruch aus der Feder Immanuel Kants, der prägnant die Hauptmerkmale dieser Epoche wiedergibt. Im Zentrum dieser Denkweise steht die Annahme, dass jeder Mensch eine naturgegebene Vernunft besitzt, welche ihn befähigt aus Erfahrungen die naturgegebenen Gesetze und Ordnungssysteme der Welt zu erkennen und umzusetzen. Dieses Menschenbild ist von zentraler Bedeutung, wenn man Jean Jacques Rousseau aus seiner Zeit heraus deuten möchte[1].

III. Biographische Übersicht zu den Autoren

A Das Leben Thomas Hobbes

Thomas Hobbes wurde 1588 in Südwestengland geboren. Sein Vater, ein Geistlicher, lehrt ihn und seinen Bruder Lesen, Schreiben und Rechnen. Als im Jahr 1603 James I., der Sohn Maria Stuarts, die im Geburtsjahr Hobbes hingerichtet wurde, Elisabeth I. auf den Thron folgt, beginnt Hobbes sein Studium in Oxford. Nach seinem Studium wird er 1608 Tutor im Dienst der Familie Cavendish, eine der reichsten und einflussreichsten Familien Englands. Zu dieser Familie hat er viele Jahre lang regen Kontakt und steht immer wieder in ihren Diensten. Als in England 1642 der Bürgerkrieg ausbricht, indem sich der König, Charles I. und das Parlament gegenüber stehen, steht die Familie Cavendish auf Seiten der Parlamentstruppen. Während 1649 der Bürgerkrieg mit der Hinrichtung Charles I. beendet wird, beginnt Hobbes mit dem „Leviathan“. Er kehrt 1652 nach England zurück, nachdem er 12 Jahre in Paris im Exil gelebt hatte. Im Frühling des Vorjahres erscheint der Leviathan in London. Hobbes verfasst bis zu seinem Tod 1679 sowohl weitere politische, als auch nichtpolitische Schriften, sein bekanntestes Werk allerdings bleibt der „Leviathan“[2].

B Das Leben Jean Jaques Rosseau

Jean Jaques Rosseau wurde 1712 im schweizerischen Genf geboren. Im Alter von 16 Jahren floh er aus seiner Lehre und fand bei einer weitaus älteren Frau Zuflucht, die ihn später zum Katholizismus bekehrte und mit der er über Jahre hinweg auf deren Gut lebte. Nach seinen ersten literarischen Erfolgen lebte er teilweise in Paris, teilweise in anderen Orten Frankreichs, kehrte zum Calvinismus zurück und heiratet ein Mädchen von einfacherer Herkunft. 1750, als er mit seiner Schrift „Abhandlung über die Wissenschaft und Künste“ einen von der Akademie von Dijon ausgeschriebene Preisfrage gewann, wurde er quasi über Nacht zum gefeierten Schriftsteller. Durch Rosseaus Schrift angeregt erstellte die Akademie eine weitere Preisfrage, auf die er 1753 mit „Abhandlung über den Ursprung und Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen“ antwortete, in der er sein Bild des Naturzustandes zeichnete. Durch diese Schrift aufgeworfene Fragen, wie etwa die, was zu tun sei um zum Naturzustand, von dem sich der Mensch entfernt habe, zurückzukehren antwortete er im „Gesellschaftsvertrag“, dem „Contrat social“. Zentral für Rosseau ist der Glaube an die Erziehbarkeit des Menschen und die Notwendigkeit der Erziehung. Sein Erziehungsroman „Emile“ wird noch heute während der pädagogischen Ausbildung angehender Lehrer/innen behandelt. Rosseau verstarb 1778, 11 Jahre vor der Französischen Revolution, in der seine Schriften immer wieder zitiert und behandelt wurden, in Frankreich.[3]

IV Der Naturzustand des Menschen als Urzustand desselben

A Positiver Naturzustand bei Rosseau

Im Zentrum der rosseausschen Sichtweise des Naturzustands steht zunächst folgender Satz: „Sie (die Menschen, L.A.) sind von Natur aus keine Feinde.“[4]

Aus ihm geht klar hervor, dass der Naturzustand an sich nicht schlecht ist und es keineswegs einen Staat oder Monarchen zur Sicherung des friedlichen Miteinanders der Menschen braucht. Dieses friedliche Miteinander ist nach Rosseau bereits in der Natur des Menschen selbst verankert und diesem folglich angeboren. Es erscheint logisch, dass es keinen Regelungsmechanismus für etwas bedarf, was jedem Menschen von Geburt an zu eigen ist. Weiter schreibt Rosseau:

„Da kein Mensch von Natur aus einen Machtanspruch über seinesgleichen hat (…)“[5]

Zu der Friedfertigkeit der Menschen untereinander gesellt sich folglich die natürliche Gleichheit derselben. Alle Menschen sind von Natur aus gleich, in diesem Stadium gibt es keinen Herrscher und keine Beherrschten, es gibt niemanden, der über dem Anderem steht. Auch hier wird wieder deutlich, dass es keinen Monarchen oder eine andere, herrschende Einzelperson braucht, dass herrschaftliches Bestreben etwas dem Menschen Unnatürliches ist. Rosseau trifft zudem eine weitere, zentrale Aussage über den Naturzustand des Menschen, indem er jenem eine natürliche Vernunft zuspricht.

„Die Stimme der Natur und die Stimme der Vernunft widersprechen sich niemals (…)“ [6]

[...]


[1] Vgl. Wucherpfennig, Wolfgang: Deutsche Literaturgeschichte, Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Stuttgart 2012, Ernst Klett Verlag, S. 58f.

[2] Vgl. Waas, Lothar: Kommentar in: Hobbes, Thomas: Leviathan, oder Stoff, Form und Gewalt eines kirchlichen und bürgerlichen Staates, Teil I und II, Berlin 2011; Suhrkamp Verlag, S. 650-659.

[3] Vgl. Störig, Hans Joachim: Kleine Weltgeschichte der Philosophie in zwei Bänden, Band 2, Stuttgart10 1961; Fischer Taschenbuch Verlag, S. 41-45.

[4] Rosseau, Jean Jaques: Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechts in: Rosseau, Jean Jaques: Politische Schriften, Band 1, Paderborn 1977, Ferdinand Schönigh Verlag, S. 68.

[5] Ebd. S. 66.

[6] Rosseau, Jean Jaques: Politische Fragmente in: Rosseau, Jean Jaques: Politische Schriften, Politische Schriften, Band 1, Paderborn 1977, Ferdinand Schönigh Verlag, S. 211.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
„Contrat sociale“ versus „Leviathan“ – Das politische Denken Jean Jacques Rousseaus im Vergleich zu Thomas Hobbes
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Politische Wissenschaft II)
Veranstaltung
Christlicher Konservatismus nach der Französischen Revolution
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V205672
ISBN (eBook)
9783656323723
ISBN (Buch)
9783656324539
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
contrat sociale, leviathan, Rousseau, Hobbes, politisches Denken, Gesellschaftsvertrag
Arbeit zitieren
Felix Silvester (Autor), 2012, „Contrat sociale“ versus „Leviathan“ – Das politische Denken Jean Jacques Rousseaus im Vergleich zu Thomas Hobbes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205672

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