Die Rolle Venedigs im Vierten Kreuzzug

Von der Planung bis zum Eintreffen vor Konstantinopel


Hausarbeit, 2011

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Vorbereitungen des Kreuzzugs
2.1. Das Entstehen des Vierten Kreuzzuges
2.2. Die diplomatischen Vorbereitungen des Kreuzzugs
2.3. Der Chartervertrag mit Venedig

3. Der weitere Verlauf bis zur Eroberung von Zara
3.1. Das Kreuzfahrerheer in Venedig im Juni 1202
3.2. Die Eroberung Zaras und die Verhandlungen mit Alexius IV
3.3. Die Fahrt nach Konstantinopel

4. Der Vierte Kreuzzug - Aneinanderreihung unglücklicher Umstände oder venezianische Verschwörung?
4.1. Planung des Kreuzzugs und Bau der Flotte
4.2. Die Ankunft des Alexios im Westen
4.3. Die Versorgungslage im Kreuzfahrerheer

5. Schluss

6. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Kaum ein Ereignis hat die Geschichte des Byzantinischen Reiches im Mittelalter auf kulturellem, wirtschaftlichem und politisch-militärischem Gebiet mehr beeinflusst als die Eroberung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer im Jahr 1204. Im Folgenden soll ein Überblick über den Verlauf des 4. Kreuzzugs, von der Ausrufung durch Papst Innozenz III., über die Eroberung Zaras bis hin zum Angriff auf Konstantinopel gegeben werden. Hierbei soll insbesondere die Rolle Venedigs in Bezug auf die Wendung des Kreuzzuges gegen Byzanz erörtert werden. Der 4. Kreuzzug stellt in vielerlei Hinsicht eine Zäsur dar: Zum einen wendete er sich als erster Kreuzzug gegen ein christliches Reich und sorgte durch das Vorgehen der Lateiner gegen den griechisch geprägten Osten für eine Verstärkung des Misstrauens zwischen Ost- und Westkirche, welches zum Teil bis in die heutige Zeit anhält. Auch hatte der Kreuzzug in den folgenden Jahrhunderten immense Auswirkungen auf das Machtgefüge im südosteuropäischen Raum. So stellt Ralph-Johannes Lilie fest, dass Byzanz „durch die Eroberung Konstantinopels 1203/04 und die Errichtung lateinischer Herrschaften auf dem Reichsgebiet so geschwächt [war, dass es] nicht mehr in der Lage war, seine alte Abwehrfunktion im Südosten Europas wahrzunehmen“[1]. Dies führte im 14. und 15. Jahrhundert zur Expansion des Osmanischen Reiches in den vormalig byzantinischen Gebieten, welche erst vor Wien zum Stillstand gebracht werden konnte.

2. Vorbereitungen des Kreuzzugs

2.1. Das Entstehen des 4. Kreuzzuges

Durch die Wahl Innozenz` III. zum Papst erhielt die Kreuzzugsbewegung neuen Aufschwung: Er erklärte die Rückeroberung des Heiligen Landes zu einer seiner Hauptaufgaben und rief im Sommer 1198 alle Christen zur Unterstützung der Glaubensbrüder auf[2]. Aufgrund der Konflikte zwischen den Königen während des Dritten Kreuzzuges und den andauernden innereuropäischen Gegensätzen[3], war er davon überzeugt, dass die Kreuzzugsvorbereitung nicht, wie im 3. Kreuzzug geschehen, von den Fürsten und Königen, sondern direkt vom Papst koordiniert werden sollte. Er konzentrierte sich deswegen vor allem darauf, Fürsten der „zweiten Reihe“, also nicht die Könige, sondern Herrscher über mittelgroße Gebiete anzusprechen. Hierzu „beauftragte Innozenz […] eine große Zahl von besonderen Kreuzpredigern“[4] und spannte den gesamten Klerus in die Vorbereitungen ein. Die Anwerbung von Kreuzzugsteilnehmern verlief zu Beginn schleppend. Erst das Turnier auf dem Schloss Ecri in den Ardennen, wo Fulco von Neuilly im Auftrag des Papstes den Teilnehmern den Kreuzzug predigte, kann als Durchbruch angesehen werden. Hier erklärten sich Theobald, der Graf der Champagne, Ludwig, der Graf von Blois und Chartres, Simon von Montfort und weitere Adlige aus Frankreich zur Teilnahme am Kreuzzug bereit. Zu Beginn der Fastenzeit im darauffolgenden Jahr schloss sich mit Graf Balduin von Flandern und Hennegau ein weiterer mächtiger Fürst dem Kreuzzug an[5]. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen mit Zügen ins Heilige Land entschied man sich schon früh für den Seeweg. Konflikte mit den östlichen Reichen, insbesondere mit Byzanz, konnten hierdurch weitgehend umgangen werden. Forderte die Aufstellung einer Flotte schon für die europäischen Könige enorme Kraftanstrengungen, so war diese für die Herzöge und Grafen des Vierten Kreuzzugs unmöglich. Sie waren auf die Unterstützung einer, wenn nicht gar mehrerer italienischer Seestädte angewiesen. Diese allein wären imstande gewesen, die nötigen Transportkapazitäten bereitzustellen. Die Kreuzfahrer schickten Boten, unter ihnen auch den Chronisten des Kreuzzuges, Gottfried von Villehardouin, mit ausreichenden Vollmachten nach Venedig, Pisa und Genua[6].

2.2. Die diplomatischen Vorbereitungen des Kreuzzuges

Um einen reibungslosen Ablauf des Kreuzzuges auf dem Weg ins Heilige Land zu gewährleisten, nahm Innozenz Verhandlungen mit den Reichen im östlichen Mittelmeer auf: Das Hauptaugenmerk jeder Diplomatie in der Region musste auf Byzanz liegen. Dieses stellte, obwohl sein Einfluss seit dem „Übergang des Thrones von den Komnenen auf eine Seitenlinie des Hauses, die Angeli, ständig zurückging“, mit seiner Flotte eine „potentielle Bedrohung“[7] für den Kreuzzug dar. Durch die Gegensätze in kirchlichen Fragen und die Konflikte der Deutschen Kaiser mit Byzanz war das Verhältnis zwischen lateinischem Westen und griechischem Osten angespannt. Bestimmend im Briefwechsel zwischen Alexius III. und Innozenz sind die Angst der Griechen vor einem Angriff des Kreuzfahrerheeres auf Byzanz, die Frage nach der Stellung des oströmischen Kaisertums sowie die Forderung des Papstes nach einer Kirchenunion von Ost- und Westkirche[8]. Auch die Zypernfrage belastete das Verhältnis zwischen Byzanz und lateinischem Westen: Die vormals unter byzantinischer Herrschaft stehende Insel war im Verlauf des Dritten Kreuzzugs von Richard Löwenherz erobert worden und stand seitdem unter dem Kommando lateinischer Herrscher. Der Protest des oströmischen Kaisers und seine Forderung, Zypern wieder byzantinischer Kontrolle zu übergeben, blieben ungehört. Zu wichtig war die strategische Lage der Insel für den bevorstehenden Kreuzzug, als dass Innozenz sie zum Verhandlungsgegenstand werden ließ[9].

Trotz aller Bemühungen des Papstes kann festgehalten werden, dass kein abschließender Ausgleich mit Byzanz gefunden werden konnte, doch die innenpolitischen Wirren im oströmischen Reich sowie die Nachfolgekämpfe im ägyptischen Ayyubidenreich ließen ein schnelles Handeln erfolgversprechend erscheinen. Trotz des „nüchterne[n] Blick des Papstes“ und seinem Organisationstalent „stellten sich die päpstlichen Kreuzzugsvorbereitungen“ als „sehr unzureichend heraus, sobald 1201 die Phase der Durchführung des Kreuzzuges begann“[10], urteilt Roscher.

2.3. Der Chartervertrag mit Venedig

Für den Transport des Kreuzfahrerheeres über See waren zwei Maßnahmen entscheidend: Zuerst musste eine Flotte angeworben, bzw. gebaut werden, welche imstande war, ein Heer solchen Ausmaßes[11] zu transportieren und anschließend, durch Diplomatie und andere Vorsichtsmaßnahmen, dessen Weg ins Heilige Land abgesichert werden. Im Frühjahr 1201 schlossen die Kreuzfahrer einen Chartervertrag für eine Flotte zum Transport ins Heilige Land mit der Republik Venedig[12]. In dieser Vereinbarung verpflichtete sich die Lagunenstadt zur Bereitstellung von Transportschiffen für die kalkulierten über 30.000 Kreuzfahrer und ließ sich dies im Gegenzug mit dem Versprechen der Zahlung einer beachtlichen Summe von insgesamt 85000 Mark[13] vergüten. Darüber hinaus erklärte sich Venedig dazu bereit, unter der Bedingung einer Teilung von Beute und eroberten Ländereien, 50 Kriegsgaleeren zum Geleite mit[zu]geben[14] sowie die Versorgung mit Lebensmittel für ein Jahr bereit zu stellen.

[...]


[1] Lilie, Christen gegen Christen. Die Eroberung Konstantinopels 1203/04, S.155.

[2] Vgl. Roscher, S.58.

[3] Die Könige von England und Frankreich lagen miteinander im Streit, weshalb aus Angst seine Grenzen zu offenbaren keiner von beiden die Mittel für einen Kreuzzug bereitstellen wollte. Der Deutsche Kaiser, mittlerweile eine feste Größe in der Kreuzzugsbewegung war, fiel aufgrund des Thronstreits zwischen Philipp von Schwaben und Otto von Braunschweig aus den Kreuzfahrplänen aus. (vgl. Roscher, S.83-87)

[4] Roscher, 65.

[5] Villehardouin, S.9f.

[6] Vgl. Villehardouin, S. 12.

[7] Zimpel, S. 110.

[8] Vgl. Roscher, S.93-95.

[9] Vgl. Roscher, S. 95f.

[10] Roscher, S.99.

[11] Nach den Angaben von Villehardouin rechnete man mit einem Kreuzfahrerheer von 33500 Mann und 4500 Rossen für den Transport (vg. Villehardouin, S.13).

[12] Vgl. Villehardouin, S.12-16.

[13] Der Betrag ist in Kölner Mark angegeben (vgl. Villehardouin S.14, Anmerkung 2)

[14] Villehardouin, S.14.

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Details

Titel
Die Rolle Venedigs im Vierten Kreuzzug
Untertitel
Von der Planung bis zum Eintreffen vor Konstantinopel
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Probleme des 13. Jahrhunderts
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V205704
ISBN (eBook)
9783656326359
ISBN (Buch)
9783656327967
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der benotete Text wurde noch einmal von mir nachkorrigiert.
Schlagworte
Kreuzzug, Vierter Kreuzzug, Venedig, Papsttum, Konstantinopel, Dandolo, Villehardouin, Innozenz III
Arbeit zitieren
Daniel Schweich (Autor), 2011, Die Rolle Venedigs im Vierten Kreuzzug, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205704

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