Ästhetik im Wandel der Zeit

Von der Antike bis zur Neuzeit


Hausarbeit, 2011
22 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

1 Einleitung

Die Geschichte der Ästhetik stellt einen Weg mit vielen Veränderungen dar. Die Betrachtungsweisen des Begriffs unterlagen dem ständigen Wandel der Zeit. In den Aufzeichnungen Platons konnten die ersten Überlegungen und Dialoge zum Thema gefunden werden. Darauf basierend entstanden weitere Theorien, die Platons Gedankengänge vertieften, verbesserten oder verwarfen. Von der Antike über das Mittelalter und schließlich von der Renaissance, die das Ende des Mittelalters einleutete, bis zur Neuzeit stritten sich die Gelehrten über Definitionen und Erklärungsansätze. Die Entstehung der Wissenschaftsdisziplin erfolgte jedoch erst im 18. Jahrhundert.

Im Verlauf meiner Arbeit werde ich diese Definitionen und Erklärungsansätze beleuchten und analysieren. Würden alle für die Geschichte und Entstehung der Ästhetik wichtigen Personen mit ihren Theorien und Beiträgen genannt werden, würde dies den Rahmen der Arbeit sprengen. Deshalb werde ich mich auf ausgewählte Mitwirkende aus den verschiedenen Zeitabschnitten beschränken, was die Darstellung des Verlaufs jedoch nicht einschränken wird. Nachdem zum besseren Verständnis zwischen den Begriffen „Schönheit“ und „Ästhetik“ unterschieden wird, stellt die Antike den Startpunkt für die geschichtliche Einordnung dar. Nach diversen Denkansätzen aus dieser Zeit wird das Mittelalter mit den für diese Zeit relevanten Theorien aufgezeigt. Von einem Zeitabschnitt zum nächsten werden die Überlegungen umfangreicher. Schließlich folgt die Neuzeit mit ihren wichtigen Werken. Nach einem Exkurs zur evolutionären Ästhetik von Charles Darwin, werden die relevanten Aspekte der heutigen Zeit dargestellt wonach das letztendliche Fazit, also die Reflexion der Geschichte, meine eigenen Gedanken dazu und ein Zukunftsausblick folgt.

2 Begriffsdefinition

Es gilt zwischen den Begriffen „Ästhetik“ und „Schönheit“ zu unterscheiden, denn im heutigen Sprachgebrauch findet eine Verwischung der jeweiligen Definitionen statt. Wird einem Gegenstand, einer Person oder einem Moment sehr zugesprochen, folgt eine Assoziation mit den beiden Eigenschaften „schön“ und „ästhetisch“ als Synonyme. Im Lexikon und auch in der Geschichte der Ästhetik sind die Definitionen allerdings unterschiedlich.

Der Begriff „Ästhetik“ stammt vom griechischen Begriff „aisthesis“, welcher „Wahrnehmung“ bedeutet. Dabei handelt es sich um die Lehre von der Sinneserkennung und ihren Elementen. Kant sprach von einer „transzendentalen“ Ästhetik und Baumgart ging es um die Lehre vom Schönen in der Natur und Kunst, worauf im weiteren Verlauf der Arbeit eingegangen wird. Er strebte nach einer Bestimmung des Wesens und der inneren Gesetze des Schönen. Dabei sollte eine begriffliche Trennung vom Erhabenen und Nützlichen stattfinden und eine Analyse vom Erleben und Schaffen des Schönen. Außerdem war es sein Vorhaben das Geschmacksurteil zu untersuchen.[1]

„Schönheit“ wiederum ist definiert als sinnlich erfassbare Beschaffenheit von der Natur oder von Kunstgegenständen. Diese lösen in Menschen Wohlgefallen aus und der Betrachter erkennt eine Übereinstimmung zwischen des Dings an sich und seinem Wesen. Diese Übereinstimmungen heißen „Transzendentalien“. Es kann aber auch die Harmonie der Teile sein, die für den Betrachter schön sind oder aber eine Übereinstimmung mit der Idee eines Gegenstands, aus Sicht der Ästhetik.[2] Das Adjektiv „schön“ wird oft im Zusammenhang mit etwas Gutem gebraucht. So werden z. B. Dinge bezeichnet, die Menschen haben wollen oder die anderen gehören, jedoch nicht in den eigenen Besitz übergehen sollen.[3] Ein besonders großes Haus wird dabei häufig schön genannt und die meisten Menschen wünschen sich dies. Oder es wird beispielsweise eine Hochzeitstorte als schön empfunden, ohne, dass der Betrachter sie selbst haben möchte.

Die Schönheit spielt in jedem Bereich des Lebens eine bedeutende Rolle. Sie gilt als zentrale Norm der Ästhetik von bspw. Aussehen, Wunschvorstellungen oder Design.[4] Demzufolge ist Schönheit nicht mit Ästhetik gleichzusetzen, denn das Schöne ist nur ein Aspekt der breitgefächerten Ästhetik, die Menschen im Alltag am häufigsten mit ihr assoziieren oder in der Kunst anstreben. Dort ist sie das Ziel menschlicher Kreativität, in der Philosophie jedoch recht rational das Gute oder die Wahrheit, eine objektive Idee oder einfach der Reflex einer subjektiven Empfindung die z. B. ein Gegenstand hervorruft. Schönheit hingegen ist nur ein ästhetischer Begriff, der wegen seinem weiten Anwendungsbereich den Oberbegriff aller positiven ästhetischen Begriffe darstellt.[5] Dementsprechend gibt es zwar Zusammenhänge und Überschneidungen von „Ästhetik“ und „Schönheit“, allerdings ist der Gebrauch als Synonyme falsch. „Schönheit“ beschreibt Dinge, die gut gefallen und die einfach stimmen. „Ästhetik“ meint die Lehre von den „schönen“ Dingen im weitesten Sinne. Die Aufgabe der Philosophie ist es, Ästhetik mithilfe von Kategorien dem Verstehen zugänglich zu machen, was allerdings voraus setzt, dass es sich überhaupt erklären lässt.[6] Daran versuchten sich die Gelehrten bereits seit über 2000 Jahren. Bevor die Ästhetik allerdings ein Teil der Philosophie wurde, handelte es sich lediglich um einen Seitenpfad der Erkenntnislehre.[7] Die Geschichte der Ästhetik ist durch Aristoteles und Platon begründet und seitdem wechseln sich zwei philosophische Ziele regelmäßig ab. In einem Zeitabschnitt soll eine philosophisch- spekulative Definition der Ästhetik erstellt werden und im nächsten liegt der Schwerpunkt auf dem Aufzeigen von deskriptiv- psychologischen Momenten.[8]

Im Laufe der Arbeit wird bis zum 18. Jahrhundert nur von der „Schönheit“ gesprochen werden, da der Begriff „Ästhetik“ erst dann entstand. Sie sollen damit nicht gleichgesetzt werden, sondern lediglich als Überlegungen zur Schönheit und Basis zum Entstehen der philosophischen Ästhetik dargestellt werden.

Ein treffendes Beispiel für Schönes und später Ästhetisches ist die Kunst. Sie spielt von Beginn des hier dargestellten Zeitabschnitts und auch schon vorher eine wichtige Rolle in der Kultur jedes Volkes. Darum tritt sie auch im Rahmen dieser Arbeit in Bezug auf die Schönheit immer wieder auf, um zu verdeutlichen, was als schön gilt ohne aber über diese Definitionen hinauszugehen. Eine Darstellung von genauen Schönheitsidealen würde über diesen Rahmen hinaus zu viel. Die Beschränkung liegt also auf Kunst als Beispiel für Versuche allgemeingültiger Definitionen von Schönheit bzw. später Ästhetik.

3 Antike

Bei der Antike handelt es sich um eine historische Epoche, die den Zeitabschnitt zwischen dem Ende der frühgriechischen mykenischen Zeit, also dem zwölften Jahrhundert v. Chr. und der Absetzung des letzten weströmischen Kaisers (476) abdeckt.[9] Es entwickelten sich Wissenschaft, Philosophie Geschichtsschreibung und zum ersten Mal trat das Thema Schönheit in den Fokus von philosophischen Ergründungsversuchen. Geprägt durch Platon, Sokrates, Heraklit, Pythagoras und Plotin[10] entbrannte ein für die Geschichte der Ästhetik erstes Interesse an der Lehre von der Schönheit. So erstellten die für die Geschichte der Philosophie wichtigen Gelehrten und Vordenker eigene erste Theorien zum Thema Erkennen, Erschaffen und Begründen von Schönheit.

3.1 Dialoge

Sokrates´ Schüler Platon wirft in seinen aufgezeichneten Dialogen philosophisch zu behandelnde Themen auf, um aus den Gesprächen seine Schlüsse zu ziehen. Auch andere Leser dieser Dialoge können dadurch auf den Weg der Erkenntniserlangung zu den jeweiligen Problematiken gelangen.

In einem seiner Dialoge, dem „Hippios maior“ wirft Platon das erste Mal im philosophischen Sinn die Frage nach dem „Schönen“ auf recht banale Weise auf. Sokrates stellt hier dem ziemlich oberflächlich betrachtenden Hippios die Frage was Schönheit ist. Dabei verfolgt er das Ziel Hippios zu überlisten und ihn mit den gegebenen Antworten in ein Dilemma zu führen. Dieser geht auf Sokrates´ Plan ein und antwortet, dass für ihn schöne Frauen und auch schöne Pferde schön sind. Sokrates erkennt daraufhin, dass es sich bei Schönheit um kein Kriterium, sondern lediglich eine Instanz handelt. Denn das Pferd kann schön sein, ohne, dass es sich bei dem Pferd um eine schöne Frau handelt. Hippios meint weiter, Schönheit kann durch Geld erreicht werden, worauf Sokrates erwidert, dass demnach auch ein Kochlöffel zum Schönen zählt, da er erworben werden kann.

Im Endeffekt schließt Sokrates aus dem Gespräch, dass Schönheit das Passende und Angemessene ist und das Kriterium mit dem Schönes erkannt wird, nicht nur eine einzelne Instanz und auch nicht materiell greifbar ist.[11] Diese Art nach dem Schönen zu fragen wird in der Geschichte noch häufiger auftreten, da der Mensch ein ideales Beispiel dafür ist. Der Mensch wird nämlich auch heute noch als ein Urquell der Schönheit betrachtet.[12]

Platons eigenes Fazit aus dem Dialog ist, dass Schönheit nicht isoliert und unabhängig betrachten werden kann, sondern nur in Bezug auf das Gute, Moralische. Frauen sind gut, weil sie Kinder gebären, sexuell anziehend sind und den Haushalt führen. Pferde sind gut, da sie als Transportmittel und je nach Körperbau auch als Statussymbol dienen. Dementsprechend handelt es sich bei dem Schönen um das Gute und bei dem Hässlichen um das Böse.[13] Außerdem ergibt sich Schönheit nach Platon aus der spezifischen Einheit der dargestellten Sache. Ein Beispiel dafür ist, dass sich ein Violinenbauer an der Idee der Violine, also dem was eine Violine ausmacht orientiert und deshalb die erstellte Violine dann als schön gilt, wenn sie der Idee entspricht. So war es in der Antike das Ziel die Idee eines Objekts durch die Kunst oder einfach durch das Handwerk zum Ausdruck zu bringen.[14]

In Platons „Symposion“ greift er abermals die Frage nach der Schönheit und dieses Mal im Sinne der Attraktivität auf. Er erkennt, dass der Blickwinkel aus dem Schönheit betrachtet und erkannt wird im Laufe der Entwicklung eines Menschen reift. So wird Schönheit zuerst in einem Körper gesehen, dann in mehreren, unterschiedlichen Körpern, daraufhin in unterschiedlichen Lebensformen und abschließend in Wissensgebieten und dem Erkenntnisleben. Am Ende seines Dialogs stellt sich heraus, dass nicht der äußerlich schöne und junge Allebiades, sondern der alte Sokrates mit der Eigenschaft seiner Weisheit als schön befunden wird.[15]

Zu Beginn des Reifeprozesses sieht beispielsweise ein junger Mann die Schönheit nur in einer schlanken Frau. Schreitet er allerdings auf seinem Lebensweg voran, wird ihm klar, dass auch korpulentere und nicht ganz junge Frauen sehr schön aussehen können. Nach diesem Schritt wird ihm irgendwann klar, dass auch die Tiere und besondere Pflanzen als schön gelten können. Abschließend löst er sich vollkommen vom sinngeleiteten Empfinden und entdeckt, dass die Erkenntnisgewinnung und das Verstehen und Wissen als das wesentlich Schöne empfunden wird.

Ein weiterer entscheidender Beitrag für die Wurzeln der Ästhetik ist Platons Dialog „Timaios“. Darin geht es um Timaios, der hauptsächlich im Monolog über die Schöpfung der Welt spricht. Dabei verweist er auf die Wichtigkeit der Proportionen bei den Elementen etc. während der Gestaltung des Kosmos[16] Durch ihn entstand daraufhin die „Große Theorie“, die Proportionslehre von Verhältnismäßigkeiten also der objektiven Harmonie von Dingen die als schön bezeichnet werden und hauptsächlich in der Natur zu finden sind. Dies sollte zum antiken Leitbegriff der Ästhetik werden.[17] Damit ist gemeint, dass die Schönheit aus der Harmonie der Teile und der Proportionen resultiert, weil schon Pythagoras durch mathematische Regeln und die Lehre der richtigen Teile das wirklich Perfekte anhand von Regeln zu definieren verstand. Ein Beispiel dafür ist die richtige musikalische Proportion in Musikstücken, denn in der Zusammensetzung der Noten klingt das Ergebnis, also die Melodie gut und schön.[18] Platon ist also der Meinung, dass Schönheit die Harmonie der Teile ist, wodurch die Definition von Ästhetik 2000 Jahre lang geprägt werden sollte.[19]

[...]


[1] S. 648, „Band 2 Bertelsmann Lexikon“, Verlagshaus Stuttgart GmbH, Stuttgart, 1994

[2] S. 8729, „Band 19 Bertelsmann Lexikon“, Verlagshaus Stuttgart GmbH, Stuttgart, 1994

[3] S. 8, Umberto Eco, „Die Geschichte der Schönheit“, Carl Hanser Verlag, München, 2004

[4] S. 1, Konrad Paul Lissmann, „Schönheit“, Facultas Verlag, Wien, 2009

[5] S. 94, Franz von Kutschera, „Ästhetik“, De Gruyter Verlag, Berlin, 1998

[6] S. 18, Annemarie Gethmann- Siefert, „Einführung in die Ästhetik“, Wilhelm Fink Verlag, München, 1995

[7] S. 31, Annemarie Gethmann- Siefert, „Einführung in die Ästhetik“, Wilhelm Fink Verlag, München, 1995

[8] S. 648, „Band 2 Bertelsmann Lexikon“, Verlagshaus Stuttgart GmbH, Stuttgart, 1994

[9] http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/bildung/index,page=1049784.html

[10] Siehe Personenregister S. 18

[11] S.41, Stefan Büttner, „Antike Ästhetik: Eine Einführung in die Prinzipien des Schönen“, C. H. Beck Verlag, München, 2006

[12] S. 14, Konrad Paul Lissmann, „Schönheit“, Facultas Verlag, Wien, 2009

[13] S. 12 f.,Konrad Paul Lissmann, „Schönheit“, Facultas Verlag, Wien, 2009

[14] S. 90, Umberto Eco, „Die Geschichte der Schönheit“, Carl Hanser Verlag, München, 2004

[15] S. 17, Konrad Paul Lissmann, „Schönheit“, Facultas Verlag, Wien, 2009

[16] http://www.zeno.org/Philosophie/M/Platon/Timaios

[17] S. 18, Konrad Paul Lissmann, „Schönheit“, Facultas Verlag, Wien, 2009

[18] S. 63, Umberto Eco, „Die Geschichte der Schönheit“, Carl Hanser Verlag, München, 2004

[19] S. 43, Stefan Büttner, „Antike Ästhetik: Eine Einführung in die Prinzipien des Schönen“, C. H. Beck Verlag, München, 2006

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Ästhetik im Wandel der Zeit
Untertitel
Von der Antike bis zur Neuzeit
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
22
Katalognummer
V206060
ISBN (eBook)
9783656329756
ISBN (Buch)
9783656331681
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
ästhetik, wandel, zeit, antike, neuzeit
Arbeit zitieren
Marieke Keunecke (Autor), 2011, Ästhetik im Wandel der Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206060

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