Wirtschaft im Nationalsozialismus: Porsche und der KdF-Wagen


Facharbeit (Schule), 2011
21 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Historische Eckpunkte
1.1 Die Geschichte der Dr. Ing. h. c. F. Porsche AG bis 1945
1.2 Wirtschaftspolitik im Dritten Reich
1.3 Die Frühphase der Volkswagen AG – Der KdF-Wagen

2 Ferdinand Porsche
2.1 Lebenslauf
2.2 Bedeutung für das NS-Regime
2.3 Bedeutung für die Nachkriegswirtschaft

3 Fazit

4 Anhang

1 Einleitung

Allgemein ist bekannt, dass die deutsche Industrie in der Bildung und Ausübung der Regierung Hitlers und im Dritten Reich eine besondere Rolle gespielthat. Die Partei Hitlers, die NSDAP und sein Koalitionspartner, die konservative DVP stützte sich auf die Industrie, um politischen Druck aufReichspräsident Hindenburg auszuüben.

Die Industrie ihrerseits versprach sich eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage, die nach der Weltwirtschaftskrise bis 1932 extrem angespannt war.Hitler erfüllte diese Hoffnungen auch, teilweise begünstigt durch die wirtschaftliche Entspannung und einer beginnenden Konjunkturphase, vor allem mitstarker staatlicher Intervention und Investition, gestützt durch Vergrößerung der Geldmenge bei gleichzeitigem staatlich festgelegten Inflationsstopp.Diese Wirtschaftspolitik ist zwar langfristig gesehen realitätsfern und führt zwangsweise zu einem Zusammenbruch, war aber in der Anfangsphase des DrittenReichs erfolgreich.

In dieser Phase gründete der bereits beruflich erfahrene und angesehene Ingenieur Ferdinand Porsche sein Entwicklungsbüro. Bereits nach kurzer Zeitentwickelte er sich zum Ansprechpartner der Industrie und später zum bevorzugten Automobilkonstrukteur Hitlers. Dieser vergab auch speziell an ihn denAuftrag zum Bau eines für die Masse erschwinglichen Volkswagens.

Früh verband sich damit die Geschichte des weltgrößten Sportwagenherstellers Porsche mit der automobilen Historie Deutschlands, die eng mit der Gründungund Entwicklung des später größten deutschen Automobilherstellers Volkswagen verbunden ist.

Die Hersteller ihrerseits schlugen die wirtschaftlichen Vorteile, die sich für sie im Dritten Reich ergaben, natürlich nicht aus. Kaum einer sprachethische Bedenken gegenüber Kriegsindustrie und Zwangsarbeit aus; die Hoffnung auf eine Phase der starken Konjunktur überwiegte.

Die drängendste Frage, die sich im Nachhinein stellen mag, ist in diesem Zusammenhang von moralischer Art: wie muss dieses Vorgehen der Industrie bewertetwerden? Auch das sogenannte Wirtschaftswunder der 50er Jahre kam nicht aus dem Nichts und baute teilweise auch auf der wirtschaftlichen Förderung imDritten Reich auf. Auch diese Phase muss kritisch durchleuchtet werden, was ich in meiner GFS am Beispiel von Porsche tun will.

2 Historische Eckpunkte

2.1 Die Geschichte der Dr. Ing. h. c. F. Porsche AG bis 1945

Die Geschichte der heutigen Porsche AG ist untrennbar mit ihrem Gründer Ferdinand Porsche verbunden. Dieser gründete am 25. April 1931 die Dr. Ing. h. c.F. Porsche G.m.b.H., die daraufhin bis 1947 hauptsächlich im Auftrag namhafter deutscher Automobilhersteller, beispielsweise Daimler oder NSU Fahrzeugeentwickelt. Das erste Automobil, das den Namen „Porsche“ trägt, wurde am 8.Juni 1948 unter dem Namen „Porsche 356“ zugelassen.[1]

In die Zwischenzeit fiel im Zusammenhang mit den Wirtschaftsplänen des Dritten Reiches ein entscheidendes Ereignis für Porsche und die deutsche Wirtschaftgleichermaßen: Nachdem Ferdinand Porsche bereits mit einem Kleinwagen-Prototypen für Zündapp (Porsche Typ 12) Aufmerksamkeit erregte, entschied dieReichsspitze, ihn mit der Entwicklung des „KdF-Wagens“, benannt nach der Arbeiterurlaubsorganisation „Kraft durch Freude“, zu beauftragen. Ab 1934 widmetesich sein Konstruktionsbüro dieser Aufgabe.[2]

Doch bereits weit vor Gründung der GmbH gewann Ferdinand Porsche durch geniale Konstruktionen Aufmerksamkeit. Die erste Entwicklung war ein Konzept, dasüber 100 Jahre später im Zuge des Revivals der Elektromobilität wieder ernsthaft aufgegriffen wird: bereits 1900 nämlich wurde das Lohner-PorscheElektromobil vorgestellt.

In seiner Zeit bei Austro-Daimler sammelte er Erfahrungen mit Sportwagen einerseits und anderen Feldern wie Flugmotoren oder Rüstungsindustrieandererseits.

1923 wechselte er zu den Daimler Motoren Gesellschaften. Bis 1928 hatte er hier einen Sitz im Vorstand inne. In dieser Zeit beschäftigte er sichhauptsächlich mit der Konstruktion von Sport- und Rennwagen. Aufgrund des Sieges seiner Daimler-Konstruktion bei der Targa Florio wurde ihm von der THStuttgart die Ehrendoktorwürde (Dr. Ing. h. c. ) verliehen. 1928 schied er nach Verwerfungen aus dem Unternehmen aus, der nachfolgende Rechtsstreit dauertebis 1930 an.

1931 folgte schließlich die Gründung des eigenen Unternehmens. Eine schwache Auftragslage zu Anfang und Ferdinand Porsches Hang zu teuren und raffiniertenLösungen machten immer wieder Investitionen seines jüdischen Freundes, Mitunternehmers und Rennfahrers Adolf Rosenberger nötig, damit die Firma überlebenkonnte. Form und Technik des KdF-Wagens bzw. des VW Käfers werden in dieser Zeit in zwei Prototypen geprägt: dem Porsche Typ 12 für Zündapp, der in Formund Konzept stark dem Käfer ähnelt, sowie dem Porsche Typ 23 für NSU, der mit seinem luftgekühlten Boxer-Vierzylinder-Motor und der PorscheDrehstabfederung spätere Merkmale des VW Käfers (und des frühen Porsche 356) vorwegnahm.[3]

Für Furore sorgte 1933 ein 16-Zylinder-Mittelmotor in einem von Porsche entwickelten Auto-Union-Rennwagen.

1934 wurde Porsche mit der Konstruktion des KdF- bzw. Volkswagens beauftragt, dadurch stieg er auch zum Hauptgeschäftsführer und Aufsichtsratsmitglied derVolkswagenwerk GmbH auf. Seine Bemühungen konzentrierten sich in dieser Zeit auf den Aufbau des Volkswagenwerks in Wolfsburg (damals „Stadt des KdF-Wagensbei Fallersleben“) und der Konstruktion des KdF-Wagens.

1935 entwickelte Porsche für die „Deutsche Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt“ (DVL) einen 32- und einen 16-zylindrigen Flugmotor.

1937 wurde die Gesellschaftsform der Porsche GmbH wegen der guten Auftragslage in eine Kommanditgesellschaft (KG) geändert. Im selben Jahr wurden dieBeziehungen zum Deutschen Reich intensiviert: Ferdinand Porsche wurde Mitglied in der NSDAP und bekam den weiteren Auftrag, einen „Volkstraktor“ zukonstruieren. Bereits 1934 ließ sich Porsche von Hitler dazu drängen, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen und damit die tschechoslowakischeabzugeben.

Nach seiner Ernennung zum Wehrwirtschaftsführer 1939 war Porsche offiziell ein militärisches Organ und engagierte sich im Rüstungsbau. Seine Konstruktiondes Volkswagens wurde genutzt, um den Kübelwagen und den Schwimmwagen für die Wehrmacht herzustellen. Zusätzlich entwickelt er verschiedene moderne Panzer,wie den „Ferdinand“ (erneut mit Hybrid-Antrieb) und die „Maus“.[4] Unter Verantwortung von Porschewurde zudem das Volkswagenwerk während der Kriegszeit auf Rüstungsbau umgestellt, unter anderem wurde im Keller unter der Halle 1 die „Vergeltungswaffe V1“hergestellt. Zudem war Porsche für den Einsatz von Zwangsarbeitern zum Aufbau des Volkswagenwerks und die spätere Produktion verantwortlich.[5]

1944 wurde die Porsche KG nach Österreich verlegt, um das Büro und die Konstruktionen vor den Bombardements zu schützen. Von 1945 bis 1948 war FerdinandPorsche in französischer Haft, da ihm die Zwangsdeportation französischer Arbeiter vorgeworfen wurde. Nach seiner Rückkehr begann mit dem Porsche 356 dieeigentliche Unternehmensgeschichte Porsches. Für die weiteren Konstruktionen wie den 911 zeichnete vor allem sein Sohn Ferdinand „Ferry“ Porscheverantwortlich, da Ferdinand Senior am 30.Januar 1951 starb.

2.2 Wirtschaftspolitik im Dritten Reich

Die Rahmenbedingungen für Porsches wirtschaftlichen Aufstieg bis zum Zweiten Weltkrieg lagen vor allem in den Wirtschaftsprogrammen, die ab 1933 von dernationalsozialistischen Regierung gestartet wurden. Sie basierten auf den Erkenntnissen der vorangegangenen Weltwirtschaftskrise und der Ansicht, dass dasKonzept einer liberalen Marktwirtschaft gescheitert sei.[6] Eine sehr konservativeWirtschaftspolitik, die einen möglichst autarken und unabhängigen deutschen Markt schaffen wollte, war die Folge. Eine „Großraumwirtschaft“, die denbaltischen Raum, Österreich, den Balkan und Osteuropa umfasst, war das wirtschaftliche Ziel und zugleich ideologisch mit der rassischen Theorie der NSDAPund Hitlers Osterweiterungsplänen vereinbar.

Die NSDAP forcierte damals zahlreiche Investitionen wie z.B. Arbeitsbeschaffungsprogramme und die Entstehung der „Wehrwirtschaft“. Diese sollten das Reichschon in Friedenszeiten auf zukünftige Kriege vorbereiten.[7]

Eine der ersten gesetzlichen Maßnahmen war die Auflösung aller Arbeitnehmerverbände und -gewerkschaften und der Aufbau der „Deutschen Arbeitsfront“ alsregimetreue Arbeiterorganisation.

Des Weiteren wurden alle Arbeiter durch das „Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit“ am 20.01.1934 zur direkten Gefolgschaft des Unternehmersverpflichtet, um das „Führerprinzip“ auch auf Unternehmensebene durchzu-setzen.

Die Unternehmen wurden zudem neu in Reichsgruppen organisiert und unterstanden direkt dem Wirtschaftsminister. Dies geschah mit dem „Gesetz zurVorbereitung des organischen Aufbaus der deutschen Wirtschaft“ (27.02.1934). Eine Widerspruchsmöglichkeit für Unternehmen gab es nicht, der Beitrittgeschah per Gesetz zwangsweise. Bereits vorher, am 15.07.1933, trat ein neues Kartellgesetz in Kraft, um Kartelle, Zwangskartelle und Konzentration derWirtschaft zu fördern.

Kartelle sind Zusammenschlüsse wirtschaftlicher Akteure mit dem Ziel, den Wettbewerb zu beschränken. Werden die Kartell- und Wirtschaftsordnungs-gesetzezusammengefasst, wird ersichtlich, dass ein quasi wettbewerbsfreier, staatlich kontrollierter und gelenkter Markt geschaffen wird. Es handelt sich bei derWirtschaftspolitik des Nationalsozialismus folglich um eine als nationalsolidarische und unternehmerliberale getarnte Planwirtschaft.

Ergänzt wurde diese Struktur durch die „Wehrwirtschaft“. Die gesamte Wirtschaft wurde zwar schon ab der Machtergreifung mithilfe umfangreicherInvestitionen auf die Rüstungsindustrie umgestellt. Diese Investitionen wurden mithilfe der „metallurgischen Forschungsgesellschaft m.b.H.“ (mefo)finanziert. Über einen finanzpolitischen Wechseltrick wurden die Ausgaben an die Reichsbank weitergeleitet, was bis 1939 Investitionen in Höhe von 12 Mrd.Reichsmark ermöglichte.

Die Inflation als natürliche Folge dieser Belastungen der Reichsbank wurde durch allgemeine Lohn- und Preisstopps verhindert.

Zur weiteren Aufrüstung und „Kriegsbefähigung“ der deutschen Wirtschaft wurde ab 1936 ein Vierjahresplan mit weiteren Investitionen verkündet. Dieser wurdejedoch schon 1938 für gescheitert erklärt, gleichzeitig aber das Ziel formuliert, weitere Probleme durch die Niederwerfung von Österreich und derTschechoslowakei zu lösen.

Diese Art der Politik führte direkt auf die Wirtschaftspolitik ab Kriegsbeginn zu. Sie war durch eine noch radikalere Umstellung der Wirtschaft aufRüstungsindustrie und den Einsatz von Kriegsgefangenen und Konzentrationslagerinhaftierten als Zwangsarbeiter gekennzeichnet.

Konkrete Instrumente der Zwangsarbeit waren zu Anfang der Reichsarbeitsdienst (RAD), der zentral Arbeitskräfte an verschiedene industrielle Projekteverteilte. Er war für Männer, später auch für Frauen, von 19 bis 24 Jahren verpflichtend und wurde ergänzt durch die bereits erwähnte „DeutscheArbeitsfront“ (DAF) als zentrales gewerkschaftsersetzendes Organ. Zusätzlich nahm das Arbeitererholungsamt „Kraft durch Freude“ (KdF) seine Arbeit auf. Eswar als Propagandainstrument zuständig für Erholungs- und Urlaubsorganisation der Arbeiter und sollte auch den Verkauf des Volkswagens bzw. später treffendbenannten „KdF-Wagens“ übernehmen.[8]

Die Organisation der Zwangsarbeit geschah einerseits durch die Konzentrationslager (KZ), andererseits durch die Unternehmen selbst. KZ wurden strategischan Knotenpunkten der deutschen Wirtschaft errichtet, um diese mit Zwangsarbeitern zu versorgen, wie beispielsweise das KZ Arbeitsdorf bei Fallersleben bzw.der späteren Stadt Wolfsburg. Dieses Lager wurde zur Versorgung der Volkswagenwerke mit Zwangsarbeitern genutzt und galt als Modellprojekt für dieZusammenarbeit zwischen der für die KZ zuständigen SS und der Industrie.[9]

2.3 Die Frühphase der Volkswagen AG

Die Arbeiten an einem massenhaft produzierbaren, günstigen Automobil begannen im Wesentlichen mit der Gründung der Dr. Ing. h. c. F. Porsche GmbH fürMotoren und Fahrzeugbau“. In diesem Vorgängerunternehmen – lediglich ein Konstruktionsbüro – des späteren Automobilherstellers Porsche reifte der Volks-bzw. KdF-Wagen und spätere VW Käfer, von der Idee über den Entwurf bis zur Produktion.

Im September 1931 bekam das Büro den Auftrag, für Zündapp einen Entwurf mit der Typnummer 12 zu entwickeln. Zunächst völlig unabhängig von Staat undRegierung zeigte dieses Modell einige Konstruktionsmerkmale des Volkswagens.

[...]


[1] Hunger, A., Landenberger, D: Das Porsche Calendarium 1931 – 2008, S. 38

[2] Hunger, A., Landenberger, D: Das Porsche Calendarium 1931 – 2008, S. 16

[3] Hunger, A., Landenberger, D: Das Porsche Calendarium 1931 – 2008, S. 12 / 13

[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Porsche#Porsches_Rolle_im_Dritten_Reich

[5] http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,651153,00.html

[6] http://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaft_im_nationalsozialistischen_Deutschland#Wirtschaftskonzepte_der_.E2.80.9EReformer.E2.80.9C_und_der_NSDAP

[7] http://www.glasnost.de/autoren/schoen/nswirt.html

[8] http://de.wikipedia.org/wiki/KdF-Wagen

[9] http://de.wikipedia.org/wiki/Volkswagen_AG#Gr.C3.BCndung

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Wirtschaft im Nationalsozialismus: Porsche und der KdF-Wagen
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
21
Katalognummer
V206316
ISBN (eBook)
9783656430636
ISBN (Buch)
9783656436065
Dateigröße
1345 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ferdinand, Porsche, Volkswagen, 2. Weltkrieg, Käfer, 356, Wirtschaft, Nachkriegswirtschaft
Arbeit zitieren
Maximilian Rathgeb (Autor), 2011, Wirtschaft im Nationalsozialismus: Porsche und der KdF-Wagen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206316

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