Chaostheorie - Niklas Luhmanns Systemtheorie und Soziale Arbeit


Essay, 2010

10 Seiten, Note: 2,3

Federica Tosi (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Chaostheorie: Begriffklärung und Bedeutung für die Wissenschaft bis heute

2. Die Chaostheorie und Systemtheorie in der Soziologie
2.1. Lebende Systeme und soziale Systeme
2.2. Drei Axiome der Chaostheorie (Simon 2006: 29)
2.3. Chaostheoretische Grundannahmen und Soziale Arbeit

3. Luhmann´s Systemtheorie und deren Bedeutung Soziale Arbeit

4. Ein Soziopolitischer Aspekt der Chaostheorie /Fazit

5. Literatur

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

“Predictability: Does the flap of a butterfly's wing in Brazil set off a tornado in Texas?” [Vorhersagbarkeit: Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Wirbelsturm in Texas auslösen?]. Quelle: Nachruf auf Edward Lorenz in "Eye for Detail". (Science 320, 2008: 431 in http://www.gavagai.de/themen/HHP52.htm. 25.01.10)

Film: Butterfly Effekt, Kurzfilm: http://www.youtube.com/watch?v=f6abr5FTWgM

1. Chaostheorie: Begriffklärung und Bedeutung für die Wissenschaft bis heute

Aufgabe von Kunst heute ist es, Chaos in die Ordnung zu bringen.

(Theodor W. Adorno)

Der Begriff Chaos kommt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie „wirre gestaltlose Masse“. In der griechischen Mythologie steht der Begriff für den „ungeordneten Urstoff vor der Weltschöpfung“ (Wahrig 1989:314) aus dem sich dann der „Kosmos, griech. Ordnung, Anstand, Schmuck, die Weltordnung, das Weltall“ (Wahrig 1989:784) entwickelte.

Heute ist der Begriff in vielen Wissenschaften von großer Bedeutung. Von der Hirnforschung, bis hin zu allen anderen Naturwissenschaften versuchen Experten die „Weltformel“ zu finden um somit das Chaos endlich fassen und berechnen zu können.

Im Allgemeinen kann man sagen, dass die Chaostheorie bis heute in sämtlichen Wissenschaftsbereichen interessant ist weil sie das Verhalten von selbstorganisatorischen, autopoietischen Systemen zu erklären versucht. In diesem Zusammenhang kann man sagen, dass es eine hervorragende Theorie für alle Bereiche ist. Jedes Lebewesen, der gesamte Kosmos, jedes System organisiert sich auf gewisse Weise mittels seiner eignen Fähigkeiten selbst.

In den 70er Jahren wurde die Chaostheorie für die Soziologie relevant (Wildcat84 2009:15), als Versuch die unvorhersehbaren Veränderungen in der Gesellschaft zu erklären. Bis heute bleibt in dieser Hinsicht vor allem die „Fuzzy-Logik“ relevant, als These mit der das dialektische Denken von wahr und falsch aufgehoben wird, und mehr Möglichkeiten eröffnet werden (Ernst 2009:56).

2. Die Chaostheorie und Systemtheorie in der Soziologie

Eine Wahrheit kann erst wirken, wenn der Empfänger für sie reif ist.
Nicht an der Wahrheit liegt es daher, wenn die Menschen noch so voller Unweisheit sind.

(Christian Morgenstern)

Die Chaostheorie hat die systemtheoretischen Ansätze umgearbeitet und durch die Kommunikation zwischen den Systemen in eine Richtung erklärt, in der endlich auch die lebenden, psychischen Systeme die theoretische Chance haben, auf Hierarchien einzuwirken.

Durch die Chaostheorie und Forschung wird erwiesen, dass es dem einzelnen Individuum möglich ist, Veränderungen innerhalb der Systeme zu beeinflussen. Durch die Komplexität der Systeme kann eine kleine Veränderung eine große hervorrufen. Wird jedem Individuum diese Möglichkeit vor Augen gehalten, dass es mit seinen Handlungen und Äußerungen etwas bewegen kann und zur Veränderung des Gesamten beitragen kann, haben lebende Systeme die Möglichkeit, sich in die Richtung der Selbstbestimmung zu bewegen. Unabhängig von den großen Gesellschaftssystemen, kann der Einzelne über sein Leben bestimmen und zusätzlich zur Veränderung des Gesamten beitragen.

Erst wenn das Bewußtsein des einzelnen Menschen soweit bewegt ist, dass sich jeder einzelne als autopoietisches System fühlt, welches selbst bestimmen kann was geschieht, wird es möglich, dass jeder Einzelne eine „selbstorganisierte Kritikalität[1] entwickelt.

Bei physikalischen Vorgängen spricht man von Kritikalität, wenn die Zustände der Elemente beim Phasenübergang das System bedrohen. Systeme erreichen nur im statischen Fall selbstorganisierte Kritikalität. Dabei bilden hierarchiefreie Systeme spontan eine neue Ordnung, ohne dass sich dafür Umweltfaktoren verändern müssen (Gernot 2009:40-44).

Bei der Gesellschaft kann nicht von einem statischen System, sondern von einem äußerst chaotischen, sich immer wieder neu schreibenden, am Rande des Risikos wandernden Systems ausgegangen werden. Die sozialen Systeme sind mit ihren Phasenübergängen und Gradwanderungen ständig der Gefahr ausgeliefert, ins totale Chaos zu stürzen. Eine Art Selbstreferenz bzw. Selbstorganisation sollte demzufolge, um auch bei den sozialen Systemen bei der Anlehnung an die Physik zu bleiben, besser nicht stattfinden.

Für den Einzelnen bedeutet die Chaostheorie, dass jeder Schritt, welcher im System mit dem System vollbracht wird, für das gesamte System von Vorteil ist. Jeder Ansatz in eine andere Richtung kann eventuell das gesamte System zum Kippen bringen. Kleine Veränderungen in den Strukturen können auch nach Luhmanns Aussage über die „Komplexität der Systeme“ große Veränderungen hervorrufen.

Solange die Systeme nicht aufhören sich selbst zu gestalten und nicht in einen starren Zustand verfallen, ist es möglich Systeme zu verändern. Fallen die Systeme in starre Zustände, sind die Strukturen genauso bedroht wie vor der Begründung der Systemtheorie. Systeme schreiben sich selbst ständig neu, es ist also laut neuesten Erkenntnissen jedem selbst überlassen, inwieweit er in die Systematik einsteigt bzw. inwieweit er sie verändert.

Die „Netzwerktheorie“ beispielsweise erklärt, wie durch kleine Veränderungen in den Strukturen, das ganze System in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Als soziologisches Beispiel dafür führt Gernot Ernst in „Komplexität, Chaostheorie und die Linke“, die strukturellen Systemveränderungen nach den Studentenbewegungen der 70er Jahre an. Vielen kleinen Netzwerken ist es hierbei gelungen ein großes System zu verändern (Gernot 2009:93).

Luhmanns Theorie ist eine Aufklärung und Analyse über die Funktionalität der Systeme in der Gesellschaft. Luhmann gibt keine Anweisungen zur Veränderung. Wenn man seinen Gedankengang gesellschaftskritisch fortführen will, ist es im Endeffekt jedem selbst überlassen, etwas dazu beizutragen. In der systemischen Denkweise kann davon ausgegangen werden, dass wenn eine Veränderung von den lebenden Systemen ausgeht, die sozialen Systeme sich nicht unbedingt anpassen, umgekehrt jedoch von den lebenden Systemen eine Anpassung erzwungen wird. Durch mehr Kommunikation der Systeme miteinander, könnte zusammen mit chaostheoretischen Grundsätzen, welche auch in Luhmanns Theorie bereits angerissen werden, an einer Veränderung der Gesellschaft gearbeitet werden.

[...]


[1] grch. kritike „Kunst der Beurteilung, hier kritisch im Sinne von bedrohlich für das System. (Wahrig 1986: 795)

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Chaostheorie - Niklas Luhmanns Systemtheorie und Soziale Arbeit
Hochschule
Alice-Salomon Hochschule Berlin
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
10
Katalognummer
V207136
ISBN (eBook)
9783656343080
ISBN (Buch)
9783656343806
Dateigröße
580 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Chaostheorie, Luhmann, Soziale Arbeit
Arbeit zitieren
Federica Tosi (Autor), 2010, Chaostheorie - Niklas Luhmanns Systemtheorie und Soziale Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207136

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