Der Physiker Werner Heisenberg

Wissenschaft im Dienste Hitlers? Eine Charakterisierung


Facharbeit (Schule), 2012
20 Seiten, Note: 15

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Werner Heisenberg – Übersicht zu Person und Schaffen
2.1 Biographische Daten
2.2 Quantenmechanik und Nobelpreis

3 Wirken in Zeiten des Nationalsozialismus
3.1 Die Frage nach der Gesinnung
3.2 Flucht ins Exil?
3.3 Verwicklung mit NSDAP und Regierung

4 Physik in Kriegszeiten
4.1 Das Uranprojekt des Heereswaffenwaffenamtes
4.2 Heisenberg und Bohr – Die Frage nach der Verantwortung
4.3 Einfluss Heisenbergs auf das Kaiser-Wilhelm- Institut

5 Kriegsende und Internierung

6 Resumé

7 Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

„Wissenschaft wird von Menschen gemacht“, damit beginnt Werner Heisenberg seine Autobiografie: „Der Teil und das Ganze“[1], was aber sagt uns dieses Zitat über den Physiker selbst? In meiner Facharbeit möchte ich diesen Mann, um den sich mannigfaltige Kontroversen drehen, versuchen zu charakterisieren. Dabei liegt mein klarer Schwerpunkt auf der Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945. Welche Verbindung hatte Heisenberg zum Hitler-Regime?

Nach einer kurzen biographischen Übersicht über sein bewegtes Leben möchte ich mich auf diese Zeit in meinen Analysen beschränken.

Mein Ziel am Ende dieser Facharbeit und des damit verbundenen Prozesses der Auseinandersetzung mit der historischen Materie des Werner Heisenberg soll ein historisches Urteil entwickelt werden, mit dem ich die Frage des Titels dieser Arbeit für mich zu beantworten versuche. Auf dem Weg zu diesem Urteil werde ich verschiedene Quellen, Zeitzeugenberichte und Darstellungen über sein Leben, Handeln und Umfeld auswerten um einen breiten Eindruck zu erhalten.

Diesen Prozess habe ich in Phasen gegliedert, die jeweils für sich einen Einblick in das Leben Heisenbergs liefern sollen und gemeinsam als Puzzleteile für mein Urteil dienen. Angefangen mit seinem Leben und seinem Werk für die Wissenschaft, über sein Wirken im Nationalsozialismus bis zu seinem umstrittenen Schaffen während des 2. Weltkrieges. Dazu die Frage der Verantwortung, die auf vielen Atomforschern seiner Zeit schwer lastet.

2 Werner Heisenberg – Übersicht zu Person und Schaffen

2.1 Biographische Daten

Werner Heisenberg wurde 05. Dezember 1901 in Würzburg geboren. Sein Vater August Heisenberg lehrte an der örtlichen Universität und war als Byzantinist über die Grenzen der Stadt bekannt.[2] Seine Mutter Annie Wecklein wurde zwar als intelligent beschrieben, war jedoch

„wie so viele Frauen ihrer Generation unter dem autokratischen Vater und dem stürmerischen Temperament ihres Mannes nie zu innerer Selbstständigkeit gelangt“.[3]

Als er „acht Jahre alt war, zog die Familie nach München“[4], wo er seine restliche Jugend verbracht hatte und im Jahre 1920 schließlich sein Studium der Physik aufnahm.[5] Der Erste Weltkrieg, der in der Zwischenzeit verheerend über Europa zog, war für Heisenberg erst spät ein Thema, erst als ein Vetter von ihm im Krieg fiel, der sich, wie viele junge Leute seiner Zeit, euphorisch zum Kriegsdienst meldete, rührten ihn die Ereignisse.[6]

Im Zeitraum bis 1927 zieht er durch verschiedene Universitäten, auch im europäischen Ausland, u.a. Kopenhagen, wo er seinen späteren engen Freund Niels Bohr kennenlernt, schließlich wird er im Jahre 1928 einer der jüngsten Professoren an der Universität zu Leipzig. Seinen zusätzlichen Lehrstuhl in München verliert er 1936, nachdem er öffentlich die Lehre Albert Einsteins verteidigt und so gegen das Bild nationalsozialistischer Wissenschaft verstößt.

Anfang 1937 lernt er Elisabeth Schumacher kennen, er wird sie noch im selben Jahr heiraten und mit ihr insgesamt 7 Kinder haben.[7] Nils Bohr stellt er sie in einem Brief wie folgt dar:

„Meine zukünftige Frau ist die Tochter eines Professors der Nationalökonomie in Berlin und heißt Elisabeth Schumacher. […] Ich glaube auch sicher, daß Euch meine zukünftige Frau gut gefallen wird.“[8]

Seine Arbeit erringt schnell aufsehen. Der Höhepunkt seiner Karriere und der internationalen Aufmerksamkeit ist die Verleihung des Nobelpreis für Physik im Jahre 1933. Im selben Jahr erhält er die Planck-Medaille, später kommen mehrere Ehrendoktorwürden und das Große Bundesverdienstkreuz dazu.

Erst mit Eintreten des Zweiten Weltkrieges wird seine Forschung wieder staatlich unterstützt, so wird ihm das Kaiser-Wilhelm-Institut [heute Max-Planck-Institut] unterstellt. Dieses leitet er bis Kriegsende 1945 als Präsident.

Mit Ende des Krieges beginnt Heisenberg erneut in unterschiedlichen Universitäten zu lehren, darunter Göttingen, München und als Gastdozent in Cambridge. Zusätzlich wird er als Experte für Kernphysik zum Vizepräsidenten des "Europäischen Rates für kernphysikalische Forschung" ernannt und wird Präsident des Max-Planck-Institutes für Physik.[9]

1958 zog der von Krankheit geschwächte Heisenberg mit seiner Familie zurück nach München „das er liebte, in dem er sich lebendig und jung fühlte.“[10]

Tatsächlich blühte Heisenberg noch einmal auf und arbeitete noch bis zu seinem Tod für die Universität München, sowie das Max-Planck-Institut in München.

Schließlich verstarb der Physiker und Nobelpreisträger Heisenberg nach einem erlebnisreichem Leben am 1. Februar 1976.[11]

2.2 Quantenmechanik und Nobelpreis

Das wissenschaftliche Werk Heisenbergs ist vielseitig und komplex, weshalb ich an dieser Steller lediglich den bekanntesten Teil seines Schaffens beschreiben möchte, für den er später auch mit Nobelpreis für Physik ausgezeichnet wurde: Die Quantenmechanik.

Die Quantenmechanik beschäftigt sich mit Materie und dessen Bestimmung. Es werden Eigenschaften und Gesetzmäßigkeiten aufgestellt, die dazu dienen, Modelle von z.B. Atomen aufzustellen. Damit werden mathematische Berechnungen oder das Aufstellen neuer Formeln für diese Materie ermöglicht.[12]

Heisenbergs Arbeit im Feld der Quantenmechanik wurde besonders von einer Errungenschaft seinerseits geprägt, die nach nach ihm benannte „Heisenberg-

sche Unschärferelation“. Nun war es möglich die „Größenordnung des Planck- schen Wirkungsquantums“ zu bestimmen. Dies wird als Produkt aus der „Impuls-

genauigkeit“ und der „Ortsungenauigkeit“ errechnet.[13]

Die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften begründete die Verleihung an Heisenberg wie folgt:

„für die Begründung der Quantenmechanik, deren Anwendung zur Entdeckung der allotropen Formen des Wasserstoffs geführt hat.“[14]

Unter „allotrop“ versteht man Stoffe, die eine Allotropie aufweisen:

Als Allotropie bezeichnet man chemische Elemente, die in einem Aggregatzu-

stand in mehreren Modifikation vorkommen. Diese unterscheiden sich jedoch

in ihren chemischen und physikalischen Eigenschaften.[15]

3 Wirken in Zeiten des Nationalsozialismus

3.1 Die Frage nach der Gesinnung

„Heisenberg war in erster Linie spontaner Mensch, dem nächst genialer Wissen-

schaftler, dann ein Künstler, nahe der produktiven Gabe, und erst in vierter Linie,

aus Pflichtgefühl, 'homo politicus'.“

So schrieb sein langjähriger Assistent Carl Friedrich von Weizsäcker über ihn[16] und in meiner Betrachtung liegt er damit nicht falsch. Heisenberg hielt sich aus dem politischen Tagesgeschäft seiner Zeit heraus, soweit es ihn nicht direkt betraf. Er war weder Mitglied der NSDAP, noch solidarisierte er sich übermäßig mit Widerstandsbewegungen. Nur, wenn sein Lebensthema, die Wissenschaft im Fokus politischer Bestrebungen stand, galt es für Heisenberg Stellung zu nehm-

en.[17] Wie bereits in seiner Biographie von mir beschrieben, kam es schnell zu Problemen zwischen Heisenberg und dem NS-Regime, diese galten seinen An-

sichten, was die Physik betraf:

„Die moderne theoretische Physik wurde als jüdisch abgestempelt, eine damals

lebensgefährliche Bedrohung. Heisenberg trat öffentlich für die Relativitätstheorie

ein und wurde in der SS-Zeitung 'Das Schwarze Korps' als 'Weißer Jude' ange-

griffen. Aber die Physiker hielten zusammen. Als der Krieg kam, begann das

Regime den Wert guter Naturwissenschaft zu würdigen.“[18]

Die „Deutsche Physik“ war ein klassisches Beispiel, für den Plan der NSDAP

jedes Feld des öffentlichen Lebens zu instrumentalisieren. Die meisten Physiker der Zeit stellten sich gegen diese Idee, es gab jedoch auch Opportunisten, die ihre Zustimmung nicht verbargen. Ein Beispiel für das Weltbild dieser Physiker ist Philipp Lenard (1862-1947):

„‚ Deutsche Physik?‘ wird man fragen. Ich hätte auch arische Physik oder Physik der nordisch gearteten Menschen sagen können, Physik der Wirklichkeits- Ergründer, der Wahrheits-Suchenden, Physik derjenigen, die Naturforschung begründet haben. – ‚Die Wissenschaft ist und bleibt international!‘ wird man mir einwenden wollen. Dem liegt aber immer ein Irrtum zugrunde. In Wirklichkeit ist Wissenschaft, wie alles was Menschen hervorbringen, rassisch, blutsmäßig bedingt. […] Naturforschung […] hat kein Volk überhaupt je begonnen, ohne auf dem Nährboden schon vorhandener Eigenschaften von Ariern zu fußen. “[19]

[...]


[1] Vgl. Heisenberg, Werner, Der Teil und das Ganze, München 1969, Vorwort

[2] Vgl. Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Werner Heisenberg, in: http://www.hdg.de/lemo/html/biografien/HeisenbergWerner/index.html (Zugriff am 01.03.2012)

[3] Heisenberg, Elisabeth: Das politische Leben eines Unpolitischen, München 1980, S. 20

[4] Ebd. S. 22

[5] Vgl. Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, a.a.O.

[6] Vgl. Heisenberg, Elisabeth, a.a.O.: S. 24f.

[7] Vgl. Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, a.a.O.

[8] Heisenberg, Werner, Brief an Niels Bohr, in http://www.physik.tu-berlin.de/~dschm/lect/heislek/html/heirat.html (Zugriff am 01.03.2012)

[9] Vgl. Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, a.a.O.

[10] Heisenberg, Elisabeth, a.a.O.: S. 176

[11] Vgl. Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, a.a.O.

[12] Quantenmechanik, in: http://de.wikipedia.org/wiki/Quantenmechanik#Heisenberg sche_Unsch.C3.A4rferelation (Zugriff am 05.03.2012)

[13] Vgl. Sturm, Günter, ScienceUP. Anmerkungen zur Heisenbergschen Unschärferelation,

in http://www.quanten.de/pdf/unschaerferelation.pdf (Zugriff am 06.03.2012)

[14] Max-Planck-Gesellschaft, Nobelpreise der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, in http://www.mpg.de/237655/Nobelpreise_der_KWG (Zugriff am 06.03.2012

[15] Bolesta, Marc u.A., Die allotropen Modifikationen des Kohlenstoffs, in https://www.fh-muenster.de/fb1/downloads/personal/Kohlenstoff.pdf (Zugriff am 06.03.2012)

[16] Vgl. Heisenberg, Elisabeth, a.a.O.: Vorwort (Keine Seitenangabe)

[17] Vgl. Fischer, Ernst: Werner Heisenberg – Das selbstvergessene Genie, München 2001, S. 236ff.

[18] Von Weizsäcker, Carl Friedrich u.a.: Werner Heisenberg, München 197, S. 33

[19] Lenard, Philipp: Deutsche Physik, München 1936, S. IX

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der Physiker Werner Heisenberg
Untertitel
Wissenschaft im Dienste Hitlers? Eine Charakterisierung
Hochschule
Kreisgymnasium St. Ursula, Haselünne
Veranstaltung
Seminarfach "Wissenschaft und Gesellschaft"
Note
15
Autor
Jahr
2012
Seiten
20
Katalognummer
V207796
ISBN (eBook)
9783656352433
ISBN (Buch)
9783656352822
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
physiker, werner, heisenberg, wissenschaft, dienste, hitlers, eine, charakterisierung, heereswaffenamt, uranprojekt, atombombe
Arbeit zitieren
Tobias Deters (Autor), 2012, Der Physiker Werner Heisenberg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207796

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