Judith Butlers Konzept der Gender-Performativität am Beispiel von Julia Rothhaas´ Artikel "Geschlecht: geheim"


Essay, 2012
10 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Judith Butlers Konzept der Gender- Performativtät

3. Das Beispiel von Charlie Björns
3.1 Performativität und Dekonstruktion im Artikel „Geschlecht: geheim“
3.2 Schwierigkeiten einer Dekonstruktion

4. Schlussbetrachtung

5. Literaturverzeichnis.

1. Einleitung

Die US- amerikanische Philosophin und Philologin Judith Butler, zählt zu den wichtigsten Vertreterinnen der Geschlechterstudien. 1990 erschien ihr Werk Gender Trouble. Feminism and the Subversion of Identity. [deutsch 1991: Das Unbehagen der Geschlechter], welches als ihr bekanntestes und auch einflussreichstes Buch gilt und zum Aushängeschild der Geschlechterforschung wurde. Darin tritt sie für einen „postmodernen, poststrukturalistischen Anti-Essentialismus“1 ein, welcher jegliches Denken, das Identitäten als grundlegend und natürlich existent begreift, ablehnt. Nach Butler beruht nicht nur die Geschlechtsidentität auf einem sozialen Konstrukt, vielmehr zweifelt sie auch die Natürlichkeit und die Unvermeidlichkeit des biologischen Geschlechts an.

„Was ist eine Frau eigentlich? Warum ist das so wichtig? Ich bin so viel mehr als mein Geschlecht.“2 Diese Aussage stammt von der 32- jährigen Malin Björns aus Malmö in Schweden, die die Kategorien weiblich und männlich ebenfalls anzweifelt und als konstruiert begreift. Die Mutter des 2- jährigen Charlie hat sich für eine geschlechtsneutrale Erziehung entschieden. Das Geschlecht ihres Kindes hält sie geheim, um zu vermeiden, dass Charlie in Rollenklischees gedrängt wird und um ihrem Kind die Möglichkeit zu geben, vielmehr als Mädchen oder Junge und Mann oder Frau, zu sein.

In dem hier vorliegenden Essay werde ich, am Beispiel des von Julia Rothhaas verfassten Artikels „Geschlecht: geheim,“ welcher in der Dezember/ Januar 2011/ 2012 Ausgabe der Nido erschienen ist, das Konzept der Performativität nach Judith Butler, veranschaulichen.

In meiner Analyse soll es um die Frage gehen, wie eine Binarität der Geschlechter im sozialen Umfeld der Familie Björns geschaffen wird und durch welche gesellschaftlichen Sanktionen diese gestützt wird.

Das Essay soll am Beispiel des Artikels zeigen, wie Geschlecht performiert und wie es durch Inklusion und Exklusion ständig reproduziert wird.

2. Judith Butlers Konzept der Gender- Performativtät

Der Begriff der Performanz bezeichnet in der Sprachwissenschaft, nach dem Begründer der Sprechakttheorie John L. Austin, einen Sprechakt mit dem eine Handlung vollzogen wird. John L. Austin begründet diese performativen Äußerungen im Unterschied zu den konstativen Äußerungen, welche einen Zustand beschreiben. Die Handlung wird erst durch ein autonomes und intentional agierendes Subjekt hervorgebracht.

Im Gegensatz dazu steht der Terminus der Performativität, welcher nach Judith Butler das autonome und intentional agierende Subjekt negiert und stattdessen davon ausgeht, dass das Subjekt erst durch den Akt der Äußerung und den damit vollzogenen Handlungen hervorgebracht wird.

In ihrem 1991 in Deutschland veröffentlichten Werk „Das Unbehagen der Geschlechter“ definiert und charakterisiert Butler in dem Kapitel „Von der Innerlichkeit zu den Performanzen der Geschlechtsidentität“ den Terminus der Performativität und erläutert auf dessen Basis die Entstehung der Geschlechter und der Geschlechtsidentitäten. Als Ausgangspunkt ihrer Theorie der Gender Performativität stützt Butler sich auf ein von Foucault, in „Überwachen und Strafen“ entwickeltes Konzept. Butler versteht Foucaults Konzept als eine Umformulierung, der von Nietzsche formulierten Lehre von der Verinnerlichung, in „ein Modell der Einschreibung.“ Sie erklärt, dass nach diesem Modell Körper entstehen, welche die normativen Erwartungen der Gesellschaft und dessen Gesetze reflektieren. Körper entstehen durch die Produktion der Seele, die permanent auf die Körper eingeschrieben wird und durch dessen dauerhafte Wiederholung internalisiert wird. Dabei wird die Seele zum Gefängnis des Körpers.3

Judith Butler überträgt Foucaults Modell auf die Geschlechtsidentitäten, die auf den Körper eingeschrieben werden und durch Gesetze, Exklusion oder Inklusion die Binarität der Geschlechter und die Heterosexualität festigen sollen. Durch andere Formen der Sexualität und des Begehrens zeigt sich nach Butler allerdings, dass Geschlechtsidentität nicht aus dem Geschlecht folgen muss und sich dann als Konstruktion erweist.4 So heißt es:

„Akte, Gesten, artikulierte und inszenierte Begehren schaffen die Illusion eines inneren Organisationskerns der Geschlechtsidentität (organizing gender core), eine Illusion, die diskursiv aufrechterhalten wird, um die Sexualität innerhalb des obligatorischen Rahmens der reproduktiven Heterosexualität zu regulieren.“5

[...]


1 Jensen 2005, S. 254

2 Vgl. Rothhaas 2011/ 2012, S. 40

3 Vgl. Butler 1991, S. 198- 199

4 Vgl. Butler 1991, S. 199- 200

5 Butler 1991, S. 200

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Judith Butlers Konzept der Gender-Performativität am Beispiel von Julia Rothhaas´ Artikel "Geschlecht: geheim"
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Interdisziplinäres Zentrum für Frauen- und Geschlechterstudien)
Veranstaltung
Einführung in die Gender Studies
Note
1,0
Jahr
2012
Seiten
10
Katalognummer
V207830
ISBN (eBook)
9783656353546
ISBN (Buch)
9783656354130
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
judith, butlers, konzept, gender-performativität, beispiel, julia, rothhaas´, artikel, geschlecht
Arbeit zitieren
Anonym, 2012, Judith Butlers Konzept der Gender-Performativität am Beispiel von Julia Rothhaas´ Artikel "Geschlecht: geheim", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207830

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