Anforderungen des Kunden an seine Bank hinsichtlich ethisch-ökologischer Kreditvergaben und Veranlagungen


Masterarbeit, 2012

103 Seiten, Note: Sehr Gut (47 von 50 Punkten)


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Management Summary

2. Persönliche Motivation

3. Das Problem
3.1 Problemnachweis
3.2 Zielformulierung

4. Definitionen
4.1 Ethisch-ökologische Veranlagungen
4.2 Ethisch-ökologische Kreditvergabe

5. Der Problemlösungsweg
5.1 Forschungsfragen
5.2 Gewählte Methodik und wissenschaftlicher Prozess

6. Das Ergebnis
6.1 Beantwortung der Forschungsfragen

7. Literaturverzeichnis

8. Abbildungsverzeichnis

9. Anhänge

1. Management Summary

Eine nicht zu unterschätzende Anzahl von Bankkunden gibt sich mit den heutigen Angeboten der konventionellen Finanzindustrie nicht mehr zufrieden. Die Kunden können den Begriff ethisch-ökologisch, jeder für sich mit eigenen Worten, genau definieren. Im Wesentlichen beinhaltet dieser die Nachhaltigkeit, einen Nutzen oder Mehrwert für die Gesellschaft und den Schutz der Umwelt.

Die Kunden suchen nach sinnstiftenden Möglichkeiten Geld zu sparen um damit gleichzeitig etwas Gutes zu tun. Wie die Finanzierung eines Windparks, einer Photovoltaikanlage oder auch eine Nahwärmeheizung die mit Biomasse aus erneuerbaren Energien betrieben wird.

Unternehmer die ein ethisch-ökologisches Projekt finanzieren möchten, schauen sich den Kreditgeber genau an und wählen aus Überzeugung einen Finanzierungspartner aus der Region, der im besten Fall auch noch Geld aus einem eigenen ethisch-ökologischen Sparkreis zur Verfügung stellen kann.

Die heutigen Konsumenten von Finanzprodukten wünschen sich größtmögliche Transparenz in der Produktgestaltung und Ehrlichkeit in der Kommunikation. Die größeren Finanzskandale der letzten Jahre haben diese Entwicklung noch beschleunigt.

Es braucht dazu weder eine völlig neue Bank, noch neue Berater. Die Kunden wünschen sich eine kleine spezialisierte Abteilung die mit einem ausgewogenen und durchdachten Produktmix die Wünsche nach ethisch-ökologischen Finanzprodukten bedienen kann.

Hat man als Bank die Möglichkeit eine Abteilung für ethisch-ökologische Finanzprodukte einzurichten, sollte man diese Chance wahrnehmen. Im Vordergrund stehen hier die Verantwortung der Bank und ihren Mitarbeitern gegenüber der Gesellschaft, der Realwirtschaft und der Umwelt.

2. Persönliche Motivation

„A jeder woass, dass a Geld net auf da Wiesen wochst und essen kann ma's a net aber brenna tat's guat, aber hoazen toan ma Woazen und de Ruabn und den Kukuruz und wann ma long so weiter hoazen brennt da Huat.“

Hubert von Goisern – „Brenna tuats guat“

Der Oberösterreichische Musiker, Hubert von Goisern, ist bekannt für seine gesellschaftskritischen Texte und skizziert damit die aktuelle Finanzkrise wohl aufs vortrefflichste. Viele Menschen sind der Meinung, dass Geldeinkünfte, also Zinsen aus Kapital, aus dem Nichts entstehen. Doch dafür muss jemand hart arbeiten und selber Zinsen abliefern. Es muss an dieser Stelle nicht erwähnt werden was davon zu halten ist wenn Nahrungsmittel zur Profitsteigerung in Treibstoffe verwandelt werden, während ein nicht unerheblicher Teil der Menschheit hungert.

Als Kundenbetreuer bei einer genossenschaftlich organisierten Raiffeisenbank, beschäftige ich mich schon aus der Natur der Sache mit ethischen und nachhaltigen Themen. Unsere Kunden kommen sowohl aus den ländlichen Einzugsgebieten als auch aus den umliegenden Städten. Aber viele haben eines gemeinsam, sie haben sich bei der Wahl der Hausbank bewusst für eine Regionalbank entschieden.

Doch seit dem Ausbruch der größten Finanzkrise der letzten Jahrzehnte hat sich vieles verändert. Das Banken-Bashing der Medien hat bei den Kunden Spuren hinterlassen. Die Regionalbanken wurden in einen Topf mit den großen Investmenthäusern geworfen. Letztere haben den weitaus größeren Anteil an der Krise zu verschulden. Diese haben aber in der Regel sehr wenig bis gar keine Privatkunden und somit auch keinen Kontakt zum Endverbraucher der zahlreichen Finanzdienstleistungen.

So kommt es, dass auch das Angebot der kleineren Banken hinterfragt wird. Entspricht es noch den Ansprüchen der Kunden? Weiß der Kunde was mit seinem Geld passiert das auf dem Sparbuch liegt? Möchte er es wissen? Wofür soll das angesparte Kapital verwendet werden?

Es sind genau diese Fragen die mich zu diesem Thema motiviert haben.

"Eine globale, nachhaltige Entwicklung erfordert eine aktive Beteiligung der international wie lokal agierenden Wirtschaftsakteure. Finanzdienstleister haben einen bedeutenden Einfluss auf Unternehmen und Märkte und nehmen daher eine entscheidende Rolle ein. Es stellt sich die zentrale Frage, wie dieser Einfluss positiv genutzt werden kann, um eine nachhaltige Entwicklung zu forcieren."[1]

Aber es mehren sich kritische Stimmen die eine tiefgreifende Reform der Finanzmärkte und der Finanzindustrie für immer unwahrscheinlicher halten. Durchtauchen und genau so weitermachen ist angesagt. Aus wirtschaftsethischer Sicht muss darauf verwiesen werden, dass die Finanzwirtschaft eingebettet ist in ein gesellschaftliches Ganzes und keinen Selbstzweck an sich darstellen kann und darf. Die Banken haben in Hinblick auf eine verantwortungsvolle Lenkung der Kapitalströme und in Bezug auf ihre Rolle als gesellschaftliche Akteure eine große Verantwortung.[2]

Banken haben also große Macht und den nötigen Einfluss um in der Wirtschaft etwas zu bewegen. Die Frage ist ob es der Kunde möchte und auch fordert. Und wie werden die Banken darauf reagieren?

Einen Teil dieser für mich sehr spannenden Fragen, möchte ich mittels dieser Arbeit beantworten.

Für einen angenehmen Lesefluss wird die jeweils gewohnte Art von Anrede für Personengruppen verwendet und auf das moderne Gendering verzichtet. Es dürfen sich sowohl weibliche als auch männliche Leser angesprochen fühlen, es erfolgt dadurch keinerlei Wertung.

3. Das Problem

3.1 Problemnachweis

Ist es nur ein Gefühl, eine Intuition, oder gibt es tatsächlich eine Diskrepanz zwischen den Wünschen der Kunden und dem Angebot der Banken? In diesem Kapitel wird versucht für das subjektive Empfinden von erhöhter Nachfrage nach ethisch-ökologischen Finanzprodukten einen Nachweis zu finden. Dafür wurden Recherchen in wissenschaftlichen Arbeiten, Fachbüchern, Hochschulschriften, Internetartikel und Medienberichten angestellt.

Die größte Finanzkrise der Nachkriegszeit

"In den Jahren vor dem Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise schien das Wirken und Agieren des Wirtschafts- und Bankensektors kaum moralischen, sozialen oder ethischen Prinzipien zu unterliegen. Nahezu ausschließlich ging die Führung einer Bank im Schwerpunkt von finanzmathematischen Kennzahlen aus."[3]

Die seit 2008 anhaltende Finanzkrise hat die Banken in den Fokus der breiten Öffentlichkeit gerückt. Sie wurden von den Medien, der Wirtschaft und Politik als die Verursacher gebrandmarkt. Diese Ideologisierung gegenüber der Finanzwirtschaft kommt nicht von heute auf morgen. Zum Teil sind dafür verantwortungslose, eigennützige und maßlose Führungskräfte in Banken verantwortlich. Andererseits gibt es auch eine historisch tiefgreifende Abneigung gegenüber dem vermeintlich unproduktiven Sektor der Finanzwirtschaft.[4] Die Entkoppelung des Finanzmarktes von der Realwirtschaft ist ein sozialethisches Problem. Die Trennung von realwirtschaftlich genutztem und spekulativ eingesetztem Kapital wird als zentrale Ursache der aktuellen Finanzkrise gesehen.[5]

Das klingt alles noch sehr abstrakt und ist für den einzelnen Kunden nicht greifbar. Menschen nehmen eine bestimmte Wertehaltung ein. Diese umfasst verschiedene Bereiche des Lebens, unter anderem auch die Frage, wem gebe ich mein Geld zu Veranlagung. Es ist für den Investor wichtig ob seine veranlagten Beträge zur Umsetzung von Projekten verwendet werden die seiner Wertehaltung entsprechen.[6] Geld verdienen per se ist ja nicht unanständig, es darf nur nicht zulasten anderer gehen. Es wird dabei das klassische Veranlagungsdreieck Ertrag, Sicherheit und Verfügbarkeit um die ethische Dimension erweitert.[7]

Die falsche Ethik

Ethik als allgemeiner Wirtschaftstrend boomt und lockt mit unzähligen Schriften und Kodizes in ein Zeitalter des fairen Interessenausgleichs. Doch der Schein trügt. Ethik wird missbraucht für das ungestrafte Ausleben selbstsüchtigen Verhaltens sowie zum Rechtfertigungsgrund für die Verschärfung kapitalistischer Maßnahmen zur Steigerung der Produktivität und des Shareholder Value.[8] Ethik darf also nicht nur vorgegeben sondern muss auch gelebt werden. Nur weil etwas Legal ist muss es nicht gesellschaftlich richtig sein.

Es besteht in Bezug auf die Finanzierung von gesellschaftlich schädlichen und ökologisch riskanten Projekten eine erhebliche Diskrepanz gegenüber den selbst formulierten Leitbildern und auferlegten Richtlinien.[9] Die Banken sind ein entscheidender Akteur mit sehr großem Einfluss auf Unternehmen und Märkte. Und mit großer Macht, geht auch große Verantwortung einher.[10]

Das große Geld regiert die Welt, nicht nur ein Spruch sondern harte Realität. Dort wo Rendite lockt wird die Realität so lange verbogen bis sie wieder ins Leitbild der ethisch korrekten Finanzierung oder Veranlagung passt. Hier fehlt es oftmals an der nötigen Transparenz. Was nicht zu Letzt auch an der schieren Größe der Institute scheitert.

„Besonders krass im Widerspruch stehen Kapitalmarkt und Ethik. Was am Kapitalmarkt unter Ethik verstanden wird, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als kaufmännische Regel zur langfristigen Sicherung der gegenseitigen Geschäftsfähigkeit. Verstöße gegen diese Normen führen zur Ächtung. Börsianer und Banker akzeptieren Börsenregeln und Kapitalmarktgesetze. Eine uneigennützige Moral haben sie nicht. Jesus vertrieb die Händler aus dem Tempel. Heute bauen sie sich ihre eigenen.“[11]

Prof. Gerke geht hier mit den Banken besonders hart ins Gericht. Sobald es eine Möglichkeit gibt Regularien legal zu umgehen, werden sie auch so lange genützt bis sie wieder geschlossen oder geändert werden.

Ein Beispiel dazu ist die britische Börsensteuer, die wenige außerhalb Großbritanniens kennen. Genannt „Stamp Duty Reserve Tax“ und existiert seit 1986. Eine Steuer die bei jedem Aktienkauf, einer AG die in Großbritannien gelistet ist, fällig wird. Allerdings wird die Steuer nicht auf Derivate oder Finanzwetten eingehoben. So gelten die Briten als die Erfinder der CFD (Contract for difference) oder auch dem Spread Betting, beides eine Art von Barausgleich von Kursdifferenzen bei Kauf und Verkauf von Aktienderivaten. Ein größtenteils unregulierter Millionenmarkt, was die Erfassung einzelner Transaktionen betrifft.

Ein Umdenkprozess beginnt

Es findet bei den Kunden ein Umdenken statt. Sie geben den renditeorientierten traditionellen Banken eine ursächliche Schuld an der Finanz- und Wirtschaftskrise.[12] Banken sind aber auf gesellschaftliche Akzeptanz angewiesen. Diese zu erreichen und zu erhalten oder sogar zu verbessern sollte Teil der gesellschaftsorientierten Bankpolitik sein.[13]

Seit Beginn der Finanzkrise leiden die Banken an erheblichen Vertrauensverlusten seitens der Kunden. Zusehends gerät die vertriebsorientierte und von Eigeninteressen bestimmte Kundenberatung in die Kritik der Gesellschaft. Daher ist es nicht verwunderlich, dass ethisch und sozial ausgerichtete Banken zunehmend an Bedeutung gewinnen.[14]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Vertrauenskrise Banken

Ein weiteres nicht unwesentliches Problem. Es wird kritisiert das Banken mit scheinbar billigen und in Wahrheit teuren Ratenkrediten bzw. Leasingfinanzierungen zur massiven Verschuldung privater Haushalte beitragen.[15] Hier arbeiten der Handel und die Banken Hand in Hand. Eine komplette Schuldzuweisung an die Finanzdienstleister wäre hier nicht angebracht. Erst die verführerische Werbung und ein ausgeklügeltes Produktmarketing lassen den Kunden bei seiner Hausbank um eine Finanzierung anfragen.

Auswirkungen ethisch-ökologische Richtlinien

Werden bei der Kreditvergabe, ethische, soziale oder ökologische Grenzen berücksichtigt, ergibt sich zwar für die Bank kurzfristig ein Rückgang der Rentabilität, vermindert jedoch langfristig negative betriebswirtschaftliche Folgen.[16] Gemeint ist hier eine Reduzierung der Risikofinanzierungen mit schlechter Besicherung die eine höhere Verzinsung mit sich bringen. Typischerweise findet man diese im Kommerzbereich mit niedrigen Eigenkapitalquoten. Hier ist ein Ausfall wahrscheinlicher als zum Beispiel bei der Finanzierung eines nachhaltig ökologischen Windparks der nicht die Gewinnmaximierung verfolgt sondern die umweltfreundliche Versorgung seiner Abnehmer auf möglichst lange Zeit.

Fehlendes Produktwissen

Ethische und nachhaltige Veranlagungsmöglichkeiten werden häufig nur als Ergänzung der Produktpalette gesehen und der Informationsstand der Kundenberater über diese Produkte ist meist sehr bescheiden.[17] Diese Produkte werden alibihalber ins Beratungsportfolio aufgenommen, es könnte ja doch mal jemand danach Fragen. Angeboten bekommt man solche Veranlagungen aber meist nur in darauf spezialisierten Banken oder Filialen. Hier dürfte wohl auch der Ertragsanteil für den Vermittler eine Rolle spielen.

Krisenbedingte Verunsicherung führte bei Privatanlegern dazu, dass Einlagen in erheblichem Umfang von renditeorientierten Privat- und Großbanken abwanderten. Sparkassen und Genossenschaftsbanken verzeichneten im gleichen Zeitraum deutliche Zuwächse im Einlagengeschäft. Deren existierende Verbundhaftung vermittelte Kunden eine zusätzliche Sicherheit.[18] Ein Argument das nicht nur im Marketing existiert ist die gegenseitige Haftung der angesprochenen Banken.

Fällt eine Bank einigen großen Kreditausfällen zum Opfer, springen die restlichen für sie ein. Der einzige Schwachpunkt ist ein totaler Zusammenbruch des Kreditmarktes, allerdings darf dann auch an der Einlagensicherung des Staates gezweifelt werden.

Ethik in der Ausbildung

Selbst in Business Schools und postgradualen Bildungseinrichtungen ist man mittlerweile der Ansicht, dass man ein Stück weit zur aktuellen Finanzkrise beigetragen hat. Es werden MBA Programme auf ihre Nachhaltigkeit überprüft und wenn nötig nachgebessert. Die Ausrichtung alleine auf die Eigenkapitalmaximierung darf nicht oberstes Gebot sein. Weniger Shareholder, mehr Stakeholder, also mehr gesellschaftliche Verantwortung, lautet die Devise.[19]

Ethisch orientierte Banken bieten Alternativen. Im Zentrum der Geschäftspolitik steht wieder das klassische Einlagen- und Ausleihungen Geschäft und das verantwortungsvolle Wirtschaften ohne Spekulationen. Dabei erfolgt die Thematische Konzentration auf den Menschen und dessen Ökologie.[20]

Positive Beispiele für steigende Nachfrage

Die GLS, Gemeinschaft, Leihen, Schenken, existiert seit 1974 und bietet ihren 500.000 Kunden in Deutschland umweltbewusste und ethisch-moralisch vertretbare Geldgeschäfte. Transparenz steht ganz oben. Im hauseigenen Bankspiegel wird jeder Kredit, den die GLS vergibt, in Höhe, Empfänger und Verwendungszweck veröffentlicht. Wer Geld haben möchte, muss dem zustimmen.[21]

Die Umweltbank hat sich verpflichtet das Geld ihrer Kunden ausschließlich in ethisch-ökologische Projekte zu investieren. Finanziert werden damit Projekte aus den Bereichen Solarenergie, ökologisches und soziales Bauen, Wind- und Wasserkraft, Biomasse etc. Gestartet mit einer Vollbanklizenz im Jahr 1997 verzeichnet das Institut jährlich 2-stellige Zuwachsraten bei der Bilanzsumme.[22]

Die Finanzkrise ist eine zu große Katastrophe als dann man sagen könnte sie ist ein Glücksfall für manche, aber die Ethikbank (Online Ableger der Volksbank Eisenberg) kann im Jahr 2009 auf die besten Monate ihrer Geschichte zurückblicken.[23] Wie jede andere Bank arbeitet die Ethikbank mit den Kundengeldern an Wertpapier- und Kapitalmärkten, allerdings nach bestimmten ökologischen und sozialen Kriterien.[24] Damit es ein Produkt bis ins Anlageuniversum der Bank schafft, werden Analysen von Firmen zugekauft die sich auf die Bewertung nach sozial-ökonomischen Richtlinien spezialisiert haben. Dabei kann es schon vorkommen, dass ein Unternehmen zwar die Richtlinien gerade noch erfüllt, es aber unter den Kunden zu einer Onlineabstimmung kommt und man sich gegen das Investment ausspricht.[25]

Regional- und Genossenschaftsbanken

Auch die Regional- und Genossenschaftsbanken brauchen sich nicht zu verstecken. Sie haben üblicherweise keine derivativen Finanzprodukte in oder besser gesagt außerhalb der Bilanzen. Schon durch ihren Satzungsauftrag sind sie der Förderung der regionalen Wirtschaft verpflichtet. Es liegt jedoch nun an ihnen, die Nachhaltigkeit ihres Handelns besser zu transportieren, mittels mehr Transparenz.[26]

Eine nachhaltige Bankpolitik beinhaltet die permanente Aufgabe, ökonomische und gesellschaftliche Ansprüche im Gleichgewicht zu halten. Dazu genügt es nicht, wenn als Rahmenbedingungen und Voraussetzung eine eigentlich selbstverständliche Legalität in den Handlungen gegeben ist, diese müssen vielmehr auch legitim sein, das heißt den herrschenden gesellschaftlichen Werthaltungen und Ansprüchen genügen.[27]

3.2 Zielformulierung

Die Bankwelt allgemein gilt als Verursacher der größten Finanzkrise der Neuzeit. Ein unstillbarer Hunger nach Gewinnen auf Kosten der Allgemeinheit um Boni in lichte Höhen zu treiben. Skrupellose Bankmanager die mit ihren Renditeversprechen ganze Branchen in die Tiefe gerissen haben. Siehe Baubranche in Spanien oder der Häusermarkt in den USA. Die völlige Abgehobenheit von den Wurzeln des ehemals ehrbaren Kaufmanns als privaten Bankier der sich an gesellschaftliche Regeln hielt und das Ansehen der Bevölkerung genoss. Hin zu Renditecasinos die ohne realwirtschaftlichen Hintergrund aus Geld noch mehr Geld machen.

Mangelnde Transparenz in der Verwendung der Sparguthaben oder fehlende Richtlinien für die ethische-ökologische und nachhaltige Bankbetriebswirtschaft. Immer mehr Kunden möchten wissen was mit ihrem Geld auf dem Sparbuch passiert.

Die vorhin genannten Banken, Ethikbank, Umweltbank und GLS gelten als Pioniere auf ihrem Gebiet und der Erfolg gibt ihnen Recht. Zuwachsraten im 2-stelligen Bereich der Bilanzsumme von denen eine konventionelle Universalbank nur träumen kann.

Der Nachweis für zahlreiche Probleme die Kunden mit ihren Banken haben ist somit erbracht. Doch wie weit gehen die veränderten Anforderungen? Die große Finanzkrise als Katalysator für ein Umdenken der Kunden?

Deshalb ist es das Ziel dieser Arbeit herauszufinden, welche Anforderungen der Kunde an seine Bank hinsichtlich ethisch-ökologischer Veranlagungen und Kreditvergabe tatsächlich hat. In den folgenden Kapiteln wird dargestellt wie der Autor versuchen wird sich der Zielformulierung anzunähern.

4. Definitionen

4.1 Ethisch-ökologische Veranlagungen

Um ein besseres Verständnis für die verwendeten Begriffe ethisch-ökologische Kreditvergaben und Veranlagungen zu bekommen, wird hier zunächst dargestellt was man im Allgemeinen darunter versteht.

Der Kunstbegriff „ethisch-ökologisch“ setzt sich zusammen aus den Wörtern Ethik und Ökologie. Die Ethik unterliegt dem ständigen Wandel der Zeit und lässt sich in regelmäßigen Abständen neu definieren. Ethik ist auch stark mit der Moral verbunden, die wiederum stark von kulturellen Gegebenheiten abhängt.

Sie befasst sich mit dem menschlichen Handeln und den daraus resultierenden Reflexionen. Ethik versteht sich als Anleitung zum richtigen Handeln und ist ein Teilgebiet der Philosophie, die sich mit den Grundlagen menschlicher Werte und Normen, der Moral und den allgemeinen Sitten befasst.[28]

In aller Kürze, Richtig ist was nützlich ist, Genuss bereitet, glücklich macht oder vom Prinzip her definiert ist.

Der Begriff ökologisch oder Ökologie kommt aus der Biologie und beschreibt die Wechselbeziehungen zwischen Lebewesen und der natürlichen Umwelt bzw. von Ökosystemen.[29] Der Mensch nimmt mit seinen Handlungen ständig Einfluss auf das Ökosystem und hinterlässt somit Spuren. Je nach Handlung sind diese ökologisch positiv also fördernd oder ökologisch negativ, zerstörend.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb 2: Ökologische Zusammenhänge

Führt man nun diese beiden Begriffe zusammen, ergibt sich daraus ein Produkt mit den folgenden Eigenschaften. Ethisch-ökologisch bedeutet, dass dabei nach geltenden moralischen Richtlinien und mit Rücksicht auf die Umwelt und deren Ökosysteme gehandelt wird. In diesem Zusammenhang fällt auch oft das Wort Nachhaltigkeit.

Damit meint man nach der heute überwiegend akzeptierten Definition, eine Entwicklung, die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne dabei die Grundlage künftiger Generationen zu zerstören.[30]

Da ohne nachhaltigem Handeln den Ökosystemen und auch moralischen Ansprüchen selten genüge getan wird, kann man davon ausgehen das die Begriffe ethisch-ökologisch und nachhaltig, ohne es gesondert erwähnen zu müssen, miteinander untrennbar verbunden sind.

Eine ethisch-ökologische Veranlagung kennzeichnet sich also dadurch, dass bei der Anlageentscheidung Überlegungen eine Rolle spielen, die der Verantwortung des Anlegers für Umwelt und Gesellschaft gerecht werden.[31]

Der Investor steuert mit seiner Vorstellung über die Verwendung des Geldes, die direkten Auswirkungen auf die Gesellschaft und Umwelt. Jeder für sich vermag keine großen Änderungen, aber die breite Masse nimmt sehr wohl Einfluss auf die Produktgestaltung der Finanzindustrie.

Beispiele für ethisch-ökologische Veranlagungen:

Investmentfonds die in erneuerbare Energien, Klimaschutz, Ethik/Ökologie oder Mikrofinanz (Kleinstkredite an Einpersonenunternehmen in Entwicklungsländern) investieren. Werden meist von einem Ethikrat überwacht und beraten.

Ethiksparbuch, das Geld wird nachweislich Unternehmen in Form von Krediten zur Verfügung gestellt, die Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit in der Geschäftspolitik verankert haben.

Ethische Zinskonten werden in Staatsanleihen und Pfandbriefen investiert die ethischen Ansprüchen genügen. Oder Solidarsparbücher, dabei wird das Geld dafür verwendet Unternehmen mit regionalem Bezug ohne Bankenspanne Geld zur Verfügung zu stellen um Personen über 50 im Arbeitsmarkt zu halten.

Es gibt Lebensversicherungen die laufendes Ansparen im Investmentmantel einer Assekuranz anbieten die wiederum ethisch-ökologische Investmentfonds bevorzugen.

Bei Mikrofinanzanleihen stellt der Anleger sein Geld einer Bank oder einem Investmentfonds zur Verfügung, der wiederum Kleinstunternehmer unterstützt ein eigenes Geschäft zu starten. Diese Menschen wären sonst vielleicht jahrelang ohne Beschäftigt weil ihnen wenige 100 Euro für den Geschäftsbeginn fehlen.

Die Produktpalette in diesem Bereich ist bereits sehr umfangreich und zeugt für sich alleine nach einer hohen Nachfrage bei den Kunden.

Eine so zahlreiche Angebotspalette kommt nur auf den Markt wenn es auch eine entsprechende Nachfrage dafür gibt.

Diese kurze Übersicht ist nicht abschließend und soll nur einen kurzen Auszug der Möglichkeiten aufzeigen um ethisch-ökologisch zu veranlagen.

4.2 Ethisch-ökologische Kreditvergabe

Ethisch-ökologische Kreditvergabe bildet das genaue Gegenstück zur Veranlagung. Kunden die bei Banken Erspartes auf einem Sparbuch anlegen, stellen dem Institut ihr Geld zur Verfügung, das es im Gegenzug wieder an Private, Unternehmen oder öffentliche Einrichtungen verleiht.

Die Definition von ethisch-ökologisch, wie gerade bei den Veranlagungen beschrieben, trifft in gleicher Art auch auf die Kreditvergabe der Banken zu. Es gilt dabei ebenfalls zu berücksichtigen ob der Kreditnehmer das Geld dafür einsetzt der Gesellschaft zu nützen und die Umwelt zu erhalten. Hier hat allerdings der geldgebende Sparer keinen direkten Einfluss. Die Entscheidung wer das Geld bekommt trifft in letzter Instanz die Bank die es verleiht.

Daher muss in diesem Fall die Auflage, nach ethisch-ökologischen Kriterien Geld zu verleihen, auf Ebene der internen Kreditvergaberichtlinien und der Geschäftspolitik eines Kreditinstitutes stattfinden.

Die differenzierte Geschäftsausrichtung resultiert im Wesentlichen aus unterschiedlicher Gewichtung der gesellschaftlichen und ökonomischen Zielsetzungen. Ein weiterer Unterschied findet sich in der Bewertung der gesellschaftlichen Wirkungen der verschiedenen Bankprodukte. Nützt der Kredit dem Gemeinwohl und wird damit die Gesellschaft gefördert oder wird damit reines Profitstreben ohne Rücksicht auf andere unterstützt.

Häufig wird das Kreditgeschäft bei ethisch-ökologischen Kreditinstituten in zwei Bereiche geteilt. Den normalen Kreditbereich, der sich, abgesehen von der Verwendungsorientierung, nicht wesentlich von anderen Banken unterscheidet, sowie dem Förderbereich bei dem ausgesuchten Kunden Geld zu besonders günstigen Konditionen überlassen wird.[32]

Hier wird also ein eigener Bereich errichtet wo ethisch-ökologische Projekte speziell mit besseren oder besser gesagt gestützten Konditionen gefördert werden. Gestützt deshalb weil auch diese Banken zumindest ausgeglichen bilanzieren müssen um zu überleben. Von daher trägt ein ethisch-ökologischer Sparer mit seinen Einlagen einen Teil dieser Förderung durch etwas niedrigere Zinsen auf sein Erspartes.

Ein Beispiel für ethisch-ökologische Kreditvergabe anhand der Richtlinien der Ethikbank, eine Zweigniederlassung der Volksbank Eisenberg eG in Deutschland. Diese hat für die Vergabe von Krediten, sowohl Positiv- als auch Negativkriterien.

Negativkriterien:

Es gibt kein Geld für Unternehmen die Militärwaffen herstellen, Atomkraftwerke besitzen, Saatgut gentechnisch verändern, Kinderarbeit zulassen oder die Verstöße im Umgang mit Menschenrechten zulassen.

Wenn ein Kreditnehmer die Tabukriterien erfüllt folgt noch die Prüfung der positiven Seite. Hier liegt das Augenmerk auf sozialökologischen Standards.

Positivkriterien:

Umweltmanagementsysteme (das Unternehmen befasst sich aktiv mit den Auswirkungen der Geschäftstätigkeit auf die Umwelt), Leistungen im Umweltbereich (spürbare Anstrengungen den Ressourcenverbrauch oder die Emissionen zu senken), Managementsysteme zur Weiterbildung und Personalentwicklung oder auch Vorsorgemaßnahmen um Korruption und Bestechung zu verhindern (Leitlinien für Mitarbeiter die in Kontakt mit Entscheidungsträger oder Ämter stehen).[33]

Anhand der Kriterien, am Beispiel der Ethikbank, sieht man sehr gut wie ethisch-ökologische Kreditvergabe in der Praxis aussehen kann. Der Fokus liegt klar auf der Förderung der Gesellschaft und der Erhaltung der Ökosysteme.

5. Der Problemlösungsweg

5.1 Forschungsfragen

Zur Erreichung der Zielformulierung definiere ich daher folgende Forschungsfragen. Es werden je 3 Fragen zur Kreditvergabe und zu Veranlagungen formuliert.

Fragen zu ethisch-ökologischen Kreditvergaben:

a) Welche Anforderungen stellen Kreditnehmer eines ethisch-ökologischen Projekts an ihre Bank?
b) Wenden sich Kunden die ein ethisch-ökologisches Projekt finanzieren möchten, an ein darauf spezialisiertes Kreditinstitut?
c) Welche Rolle spielen Förderungen von Staat und Bank für den Kreditnehmer?
Fragen zu ethisch-ökologischen Veranlagungen:
d) Welche Anforderungen stellen Kunden einer ethisch-ökologischen Veranlagung an ihre Bank?
e) Was sind die Gründe sich für ein ethisch-ökologisches Investment zu entscheiden?
f) Nimmt der Kunde zugunsten von ethisch-ökologischen Veranlagungen eine niedrigere Rendite in Kauf, wenn er damit die Projekte fördert?

5.2 Gewählte Methodik und wissenschaftlicher Prozess

Für die Beantwortung der Forschungsfragen sind zunächst weitere Überlegungen anzustellen. Es wird die Forschungsmethode vorgestellt und der wissenschaftliche Prozess beschrieben und auf die Anforderungen abgestimmt ausgewählt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb 4: Struktur empirisch sozialwissenschaftlicher Forschungsprozesse

Empirische Sozialforschung

Empirische Wissenschaft wird üblicherweise Erfahrungswissenschaft genannt. Damit soll zum Ausdruck gebracht werden, dass die mit empirischen Daten begründeten Aussagen auf der "Erfahrung" beruhen. Diese Begriffswahl ist durchaus gerechtfertigt, denn empirisch-wissenschaftliche Erfahrungen und Alltagserfahrungen sind nicht grundsätzlich verschieden. Beide basieren auf Beobachtungen.[34]

Diese wissenschaftliche Teildisziplin der Sozialwissenschaften beschäftigt sich also mit den Bereichen unserer Welt die durch das menschliche Handeln konstituiert werden.

- Gegenstand der sozialwissenschaftlichen Forschung: soziales Handeln,
- das Ziel der Forschung: Handeln in seinem Ablauf und in seinen Wirkungen ursächlich zu erklären und
- die besondere, gegenstandsadäquate Vorgehensweise: Handeln deutend zu verstehen.[35]

Im Wesentlichen dreht sich alles um 3 Fragen:

1. Spezifizierung des Untersuchungsgegenstandes; was für ein Ausschnitt der sozialen Wirklichkeit soll untersucht werden?
2. Der Entstehungs- und Verwertungszusammenhang; warum wird gerade dieser Bereich untersucht?

1. Erhebung sozialer Daten und deren Auswertung; wie soll Frage 2 beantwortet werden?[36]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb 3: Grundfragen der empirischen Sozialforschung

Erhebungsmethoden – Qualitative Forschung

„Qualitative Forschung widmet sich der Untersuchung der Sinnhaften Strukturierung von Ausdrucksformen sozialer Prozesse. Es geht also darum, zu verstehen, was Menschen in einem sozialen Kontext dazu bringt, in einer bestimmten Weise zu handeln, welche Dynamik dieses Handeln im sozialen Umfeld auslöst und wie diese auf die Handlungsweisen zurück wirkt.“[37]

Qualitative Forschung verfolgt nicht die Strategie der selektiven Erhebung vorab definierter Merkmale, wie bei der standardisierten Forschung, sondern breite Informationssammlung aus möglichst vielfältigen Perspektiven.[38]

Die Erhebungsmethode, nach Stand der Technik der qualitativen Forschung, ist das Experteninterview. Mit der Erkenntnis, dass empirische Sozialforschung auf Erfahrungen beruht, kommt für eine Befragung mittels Interview eine sehr große Zielgruppe in Frage. Um nicht zu sagen jeder der eigene Beobachtungen macht. Das wäre aber der Zielformulierung und somit den gestellten Forschungsfragen nicht dienlich. Da nicht jeder auf die gestellten Forschungsfragen antworten kann. Dazu müsste man unterstellen, dass jede Person die gleichen Beobachtungen mit unterschiedlicher Interpretation macht. Ansonsten würde jedes Interview das gleiche Ergebnis liefern und damit die Forschung sinnlos machen.

Daher ist es zwingend notwendig die Zielgruppe durch genaue Definition einzuschränken, dazu später mehr.

Interviewarten

Es werden die verschiedenen Interviewarten kurz umrissen und die gewählte Art ausführlich beschrieben.

Die wichtigste Klassifizierung von Interviews ist die nach der Technik der Datenerhebung. Eine erste Unterscheidung von Interviews ist die nach dem Grad der Standardisierung des Interviews. Anhand des Standardisierungsgrades kann man Interviews grundsätzlich unterscheiden in:

- standardisierte Interviews, bei denen sowohl die Fragen des Interviewers als auch die Antwortmöglichkeiten für jedes Interview exakt gleich sind. Der Interviewer hat einen Fragebogen, in dem fest formulierte Fragen in einer festen Reihenfolge stehen. Die Fragen sind geschlossen, das heißt, der Interviewpartner kann die Antwort nicht selbst formulieren, sondern muss eine von mehreren vorgegebenen Antwortmöglichkeiten auswählen
- halb-standardisierte Interviews, bei denen die Handlungen des Interviewers in der oben beschriebenen Weise durch den Fragebogen standardisiert werden, dem Interviewpartner aber freigestellt wird, wie er die Fragen beantwortet
- nicht-standardisierte Interviews, bei denen weder die Fragen des Interviewers noch die Antworten des Interviewpartners standardisiert werden.

Als Regel für die Einteilung kann man sich merken. Sind die Fragen und Antworten vorgegeben ist es standardisiert, sind die Fragen vorgegeben und die Antworten offen ist es halb-standardisiert und sind sowohl die Fragen als auch die Antworten offen handelt es sich um ein nicht-standardisiertes Interview.

Die beiden zuerst genannten haben in der qualitativen Forschungspraxis wenig Bedeutung, daher wird hier das nicht-standardisierte Interview mit offenen Fragen und offenen Antworten als optimale Erhebungsmethode zur Beantwortung der Forschungsfragen gewählt.

Leitfadeninterviews

Die Leitfadeninterviews gehören in die Gruppe der nicht-standardisierten Interviews und werden mit einem vorgegebenem Thema und einer Frageliste geführt. Der Interviewleitfaden enthält die Fragen, die in jedem Interview beantwortet werden müssen. Allerdings sind weder die Frageformulierungen noch die Reihenfolge der Fragen verbindlich. Um den natürlichen Gesprächsverlauf zu fördern, können Fragen auch außer der Reihe des Leitfadens gestellt werden, wenn es sich ergibt. Auch kann die vollständige Beantwortung einer Frage häufig nur dadurch erreicht werden, dass zu einer Antwort ad hoc Nachfragen gestellt werden.

Solche Nachfragen können nicht in den Interviewleitfaden aufgenommen werden. Deshalb ist er eher eine Richtschnur, die die unbedingt zu stellenden Fragen enthält.

Bezüglich des Gegenstandes der Befragung gibt es kaum Einschränkungen, allerdings wird es sich in den meisten Fällen um Interviews über Handlungen, Beobachtungen und Wissen des Interviewpartners handeln. Interviewpartner für Experteninterviews kann somit jeder Mensch sein, dessen spezifisches Wissen für die Untersuchung relevant ist.[39]

Auswertungsmethoden – Qualitative Inhaltsanalyse

Qualitative Erhebungsmethoden erzeugen Texte, in diesem Fall Interviewprotokolle. Diese Texte sind die auszuwertenden Rohdaten. Anders als bei quantitativen Erhebungsmethoden sind die Texte mit prinzipiellen Unschärfen behaftet, sprich es ist noch nicht klar welche für die Untersuchung relevanten Informationen sich darin befinden. Diese Unschärfe ist gewollt, sie entspringt der spezifischen Art und Weise, wie qualitative Erhebungsmethoden das Prinzip der Offenheit realisieren.

Das macht es aber umso schwerer da das Datenmaterial auch schwer interpretierbare, irrelevante und widersprüchliche Informationen enthalten kann.

- Freie Interpretationen sind in der Forschungspraxis recht weit verbreitet. Der Forscher liest und interpretiert die Interviews und fasst die seiner Ansicht nach für die Beantwortung der Forschungsfrage wichtigen Interpretationen zusammen. Bei dieser Vorgehensweise kann man eigentlich nicht von einer Auswertungsmethode sprechen. Wenn keine Regeln existieren und das Vorgehen bzw. der Prozess nicht beschrieben werden kann, kann niemand nachvollziehen wie der Forscher von seinen empirischen Daten auf das Ergebnis gekommen ist. Es fehlt die Duplizierbarkeit für Dritte
- Qualitative Inhaltsanalyse ist in diesem Fall die Auswertungsmethode der Wahl, um das Rohmaterial, die Interviewprotokolle, zu bearbeiten und die relevanten Informationen zu filtern. Dieses Analyseverfahren wertet Texte aus, indem sie ihnen in einem systematischen Vorgehen Informationen entnimmt. Dabei wird der Text auf relevante Informationen hin durchsucht. Die dem Text entnommenen Informationen werden den Kategorien der Forschungsfragen zugeordnet und relativ unabhängig vom Text weiterverarbeitet. Dieses Verfahren bleibt also nicht mit dem Ursprungstext verhaftet, sondern extrahiert Informationen und verarbeitet sie getrennt vom Text weiter.[40]

[...]


[1] Busch und Orbach 2003, S. 3

[2] Gabriel 2009, S. 3

[3] Münchow et al. 2011, S. 1

[4] Griepentrog 2010, S. 103ff

[5] Gabriel 2011

[6] Bergauer 2011

[7] Bergauer 2011

[8] Gerke 2005, S. 1

[9] Gabriel 2009, S. 2

[10] Busch und Orbach 2003, S. 9

[11] Gerke 2005, S. 2

[12] Münchow et al. 2011, S. 8

[13] Schuster 1997, S. 3

[14] Münchow et al. 2011, S. II

[15] Gabriel 2009, S. 1

[16] Franz 2005, S. 1

[17] Gabriel 2009, S. 2

[18] Münchow et al. 2011, S. 8

[19] Ilg 2012

[20] Münchow et al. 2011, S. 8

[21] Schraven 2007

[22] Wikipedia 2012b

[23] Seith 2009

[24] Seith 2009

[25] Seith 2009

[26] Nefischer 2012

[27] Schuster 1997, S. 4

[28] Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft e.V.

[29] Prof. Dr. Edeltraud Günther

[30] Grunwald 2006, S. 7

[31] Michels 2005, S. 18

[32] Franz 2005, S. 35

[33] Ethikbank

[34] Kromrey 1998, S. 5

[35] Gläser und Laudel 2010, S. 4

[36] Atteslander 2003, S. 4–5

[37] Froschauer 2003, S. 15

[38] Kromrey 1998, S. 209

[39] Gläser und Laudel 2010, S. 41–43

[40] Gläser und Laudel 2010, S. 43–46

Ende der Leseprobe aus 103 Seiten

Details

Titel
Anforderungen des Kunden an seine Bank hinsichtlich ethisch-ökologischer Kreditvergaben und Veranlagungen
Hochschule
Joseph Schumpeter Institut  (wwedu - World Wide Education)
Veranstaltung
Master of Business Administration - Banking / Finance / Marketing
Note
Sehr Gut (47 von 50 Punkten)
Autor
Jahr
2012
Seiten
103
Katalognummer
V208913
ISBN (eBook)
9783656365549
ISBN (Buch)
9783656366607
Dateigröße
994 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
anforderungen, kunden, bank, kreditvergaben, veranlagungen
Arbeit zitieren
Mario Baumüller (Autor), 2012, Anforderungen des Kunden an seine Bank hinsichtlich ethisch-ökologischer Kreditvergaben und Veranlagungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208913

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