Ist das Bruttoinlandsprodukt ein geeigneter Wohlstandsindikator?

Analyse und Vergleich


Facharbeit (Schule), 2010
26 Seiten, Note: 12 Punkte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Bruttoinlandsprodukt
2.1 Definition
2.2 Bedeutung

3. Alternative Wohlfahrtsindikatoren
3.1. Human Development Index
3.2. Happy Planet Index
3.3. Bruttonationalglück
3.4. Genuine Progress Indicator

4. Kritische Bewertung des BIPs
4.1. Vorteile
4.2. Nachteile

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis
6.1. Bücher
6.2. Internetquellen

7. Anhang
7.1. Unbekannter Autor, Bruttoinlandsprodukt
7.2 Lorenz, Wilhelm: Das Bruttoinlandsprodukt
7.3. Ul Haq, Mahbub: The Human Development concept
7.4. Pfaff, Tobias: Das Streben nach Bruttosozialglück

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Berücksichtigte Faktoren der verschiedenen Indizes

Tab. 2: Verschiedene Wohlfahrtsindikatoren im Vergleich

1. Einleitung

Das Bruttoinlandsprodukt [...] gilt [...] als wichtigstes Maß für den Wohlstand in einem Land oder einer Region.“[1]

Man kann unter dem Wohlstand einer Nation Vielfältiges verstehen. Sei es das Bildungsniveau, die gesundheitliche Versorgung, der Zugang zu kulturellen Einrichtungen oder eben das Einkommen. Der meist zitierte Wohlstandsindikator ist gerade in Bezug zu letzterem das sog. Bruttoinlandsprodukt (im folgenden BIP), welches im Endeffekt das sog. Volkseinkommen bzw. die während eines bestimmten Zeitraum produzierten Waren und Dienstleistungen eines Landes misst (eine genaue Definition folgt unten).

Während des zweiten Weltkriegs veröffentlichten erstmals die Vereinigten Staaten von Amerika Daten zu ihrem Bruttoinlandsprodukt mit dem Ziel, die Dimension der volkswirtschaftlichen Produktion und mögliche Ausbaumöglichkeiten herauszufinden.[2] 1960 folgte auch Deutschland mit einer in einigen Ebenen veränderten Errechnung, bis im Jahr 2005 eine einheitliche internationale Berechnungsweise des BIPs eingeführt wurde. Ziel war es, eine vergleichbare Leistung einer Volkswirtschaft zu messen. Positive Veränderungen werden hierbei als Wachstum bezeichnet. Nullwachstum als Stagnation, und eine negative Veränderung des letzten Wertes als Zerfall oder Abnahme.

Das aktuelle BIP pro Kopf in Deutschland liegt bei 44.660 US$ und im Vergleich dazu liegt das BIP Norwegens bei opulenten 95.062 US$ und das Afghanistans bei mageren 429 US$.[3] Doch was sagt diese Zahl genau aus? Zwar ist das BIP wie wir sehen werden in der Öffentlichkeit wie auch in der Wissenschaft immer noch der dominierende Wohlfahrtsindikator, doch taugt diese Messdimension von Wachstum in der Produktion bzw. Einkommen tatsächlich als ein Index für das Wachstum in Bezug auf den Wohlstand? Erlaubt ein Vergleich uns tatsächlich, Aussagen über die doch so multidimensionalen Aspekte nationalen Wohlstands zu tätigen? Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, das das BIP eines Landes als Index für Wohlstand zu betrachten und wenn ja, warum, wenn es doch nur so unvollständig und eindimensional ist? Warum wird keine familiäre oder ehrenamtliche Arbeit berücksichtigt? Zählt die Qualität der Umwelt eines Landes weniger zu Wohlstand als die Fördermenge einer Ölraffinerie?

Schaut man regelmäßig die Nachrichten, so hört man ständig über die neuesten Entwicklungen des BIP und so wurde ich neugierig. Denn obwohl gerade die Entwicklung des BIP offenbar eine so wichtige Rolle für uns alle spielt, habe ich bislang davon nicht allzu viel gemerkt und hoffe deswegen, dies im Anschluss an meine Arbeit besser zu verstehen. Vor diesem Hintergrund stellt diese Hausarbeit die Frage, ob das BIP tatsächlich eine geeignete Messzahl für den Wohlstand einer Nation ist, wenn doch so viele über das bloße Einkommen hinausgehende Faktoren eine Rolle für den nationalen Wohlstand spielen.

Zunächst wird also das BIP vorgestellt eingeordnet. Der zweite Teil präsentiert alternative Wohlfahrtsindikatoren zum BIP. Im Vergleich zu den vorgestellten Alternativen folgt eine kritische Bewertung des BIPs. Der letzte Abschnitt zieht ein Fazit.

2. Das Bruttoinlandsprodukt

2.1 Definition

Als Bruttoinlandsprodukt wird im Allgemeinen der gesamte „Output“ einer Volkswirtschaft bezeichnet. Das heißt alle von Bürgern des jeweiligen Landes und von Menschen mit ihrem wirtschaftlichen Schwerpunkt im betreffenden Land legal für den Endverbrauch produzierten Waren und Dienstleistungen (wenn nur wirkliche Staatsbürger berücksichtigt werden, so spricht man vom sog. Bruttosozialprodukt). Auf der anderen Seite erfasst das BIP die Waren und Dienstleistungen, welche von privaten Haushalten und vom Staat konsumiert werden sowie die Investitionen der Unternehmen als auch der sog. Außenbeitrag, also die Differenz zwischen Ex- und Importen. Dabei wird davon ausgegangen, dass bis auf den Außenbeitrag alle in der Volkswirtschaft produziert wurden, auch in dieser konsumiert werden. Der Output wird periodisch (meistens vierteljährlich) neu errechnet und in US-Dollar angegeben.[4] Grundsätzlich geht in das BIP jedes legale auf dem Markt verfügbare Gut (d.h. jede Ware und Dienstleistung) ein. Das BIP schließt ebenfalls den Marktwert des Wohnraums ein – so entspricht dies dem Mietpreis bei Wohnungen, sowie der geschätzten Miete bei Eigentumswohnungen oder Häusern. Hier wird die Mietzahlung theoretisch an den Eigentümer, sprich sich selbst gezahlt. Des Weiteren werden die einzelnen Gehälter der Haushalte, die erhaltenen Zinsen und Kapitalerträge, wie auch jegliche Pachten und Unternehmensgewinne erfasst.[5]

2.2 Bedeutung

Das Bruttoinlandsprodukt ist ein international anerkannter Wohlfahrtsindikator[6] und somit einer der meist zitierten, aber auch meist kritisierten Indizes bezüglich dem Zustand eines Landes. Seit den 1940er Jahren richten sich „ Unternehmer und Anleger [...] nach den Wachstumsprognosen der Konjunkturforscher wie Bergsteiger nach dem Wetterbericht; Politiker tun alles, damit das Volkseinkommen wächst.“[7] Denn steigt das BIP, bedeutet das Wachstum, Wachstum heißt, dass die Firmen mehr Geld verdienen, dadurch profitieren in der Regel auch die Angestellten und wenn vorhanden, die Aktionäre, also die Inhaber der Unternehmen mehr. Durch das Produktionswachstum und die erhöhten Einnahmen vergrößern die Firmen ihre Produktion. Dazu werden neue Angestellte benötigt, also sinken die Arbeitslosenzahlen. Die Menschen haben also nominal mehr Geld in ihren Taschen. Doch darf man bei dieser Betrachtung gewisse Faktoren nicht außer Acht lassen. Die Inflation zum Beispiel, also die Geldentwertung bzw. der Verlust an realer Kaufkraft des Geldes, kann einer nominal positiven BIP-Entwicklung entgegenwirken. Steigt das BIP jährlich um 2% und liegt die Inflation bei jährlichen 2%, so hat im Endeffekt niemand etwas von dem erhöhten Einkommen, da sich die Bürger nicht mehr Waren und Dienstleistungen von dem Mehr an Geld kaufen können. Außerdem heißt eine Steigerung des BIPs um 2% noch lange nicht, dass diese 2% tatsächliches Wirtschaftswachstum auch bei allen Bürgern gleich ankommt bzw. alle gleich davon profitieren. Denn nicht immer führt Wirtschaftswachstum gleichermaßen zu mehr Arbeitsplätzen und höheren Erträgen für Aktionäre. Ferner stellt sich die Frage, wie staatlich initiierte wirtschaftliche Aktivität zu bewerten ist, sie eventuell politisch interessengesteuert oder gar im Interesse einer kleinen Minderheit sein könnten.

Das neue „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“[8] der aktuellen Bundesregierung oder auch das „Wachstums- und Stabilitätsgesetz“[9] von 1967 benennen das BIP bzw. Wirtschaftswachstum, welches durch das BIP gemessen wird, explizit als Zielgröße für wirtschafts- aber allgemeine politische Ziele. Das BIP kann zwar keine Gesundheit oder die Qualität der Ausbildung messen und auch Ehrenamtliche oder familiäre Arbeit wird nicht berücksichtigt,[10] jedoch wird oft angeführt, dass Länder mit einem höheren Bruttoinlandsprodukt z.B. ein besseres Gesundheits- oder auch Rentensystem leisten können als jene mit einem geringeren. So leitet man ab, dass die bloße Einkommensentwicklung schon eine zufriedenstellende Größe bei der Bewertung der Entwicklung des Wohlstandes eines Landes darstellt. Das erklärt, warum das BIP eine zentrale Rolle dabei spielt, den Zustand der Gesamtwirtschaft zu bestimmen. Folglich entwickelt sich aus politisch-öffentlicher Sicht das Ziel, die Konjunktur, also das Wachstum der volkswirtschaftlichen Produktion „anzukurbeln“ um es dadurch den Menschen besser gehen zu lassen. Im Folgenden soll nun diese dominierende Rolle des BIP kritisch betrachtet und verglichen werden. Es wird beleuchtet, ob „es den Leuten besser gehen lassen“ tatsächlich mit Wirtschafts- und Einkommenswachstum gleichzusetzen ist.

3. Alternative Wohlfahrtsindikatoren

Der folgende Abschnitt soll diverse alternative, womöglich bessere Wohlstandsindikatoren im Vergleich zum herkömmlichen Bruttoinlandsprodukt zeigen, um anschließend die kritische Betrachtung des BIP zu erleichtern und zu verdeutlichen. Tab 1. zeigt bereits auf den ersten Blick, dass sich starke Differenzen bei den berücksichtigten Faktoren der in diesem Abschnitt vorgestellten Indikatoren abzeichnen.

[...]


[1] Lorenz, Wilhelm: Das Bruttoinlandsprodukt. <m@kro>online. Aus: http://www.makroo.de/Wirtschaftskreislauf/Das%20Bruttoinlandsprodukt.htm, Stand: 21.02.10

[2] Vgl. Tönnesmann, Jens: Wenn Staus den Wohlstand erhöhen. Handelsblatt Aus:http://www.handelsblatt.com/politik/nachrichten/bruttoinlandsprodukt-wenn-staus-den-wohlstand-erhoehen;2545959;3, Stand: 15.03.10

[3] Vgl. Unbekannter Autor: Report for Selected Countries and Subjects. International Monetary Fund. Aus: http://www.imf.org/external/pubs/ft/weo/2009/01/weodata/weorept.aspx[...] Stand: 12.03.10

[4] Vgl. bip-info@destatis.de: Bruttoinlandsprodukt (BIP). Statistisches Bundesamt Deutschland. Aus: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/abisz/BIP,templateId=renderPrint.psml, Stand: 15.03.10

[5] Vgl.S 99. - Willke, Gerhard: Pocket Wirtschaft in Deutschland.Gerhard Willke. Bonn 2003.(Bundeszentrale für politische Bildung

[6] Vgl. Unbekannter Autor: Grundlagen Bruttoinlandsprodukt. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Aus: http://lexikon.bmwi.de/BMWi/Navigation/Wirtschaft/Industrie/gesamtwirtschaftliche-bedeutung,did=186874.html?zknotenId=83908&zdid=9844&artikel_id=50000807, Stand: 26.02.10

[7] Vgl. Brandt, Arno: Wird Bruttoinlandsprodukt als Wohlstandsindikator abgelöst? Norddeutsche Landesbank. Aus: https://www.nordlb.de/fileadmin/Volks_und_Regionalwirtschaft/pdf/RegioVision/RegioVision_3-2009.pdf Stand: 24.02.10

[8] Vgl. Unbekannter Autor: Was ist das Wachstumsbeschleunigungsgesetz? Norddeutscher Rundfunk. Aus: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/wachstumsbeschleunigungsgesetz104.html, Stand: 10.02.10

[9] Vgl. Unbekannter Autor: Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Stabilitäts- und Wachstumsgesetz (StWG), Gabler Verlag. Aus:
http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/55470/stabilitaets-und-wachstumsgesetz-stwg-v3.html, Stand: 11.02.10

[10] Vgl. Mankiw, Nicholas Gregory/ Taylor, Mark P.: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre. Von N. Gregory Mankiw und Mark P. Taylor. Aus dem amerikanischen Englisch. übertragen von Adolf Wagner und Marco Herrmann. Stuttgart 2008. (Schäffer-Poeschel)

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Ist das Bruttoinlandsprodukt ein geeigneter Wohlstandsindikator?
Untertitel
Analyse und Vergleich
Note
12 Punkte
Autor
Jahr
2010
Seiten
26
Katalognummer
V209404
ISBN (eBook)
9783656430544
ISBN (Buch)
9783656435150
Dateigröße
1208 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bruttoinlandsprodukt, Hausarbeit, Wirtschaft, VWL, BIP, Bruttonationalglück, Human Development Index, HDI, Bruttosozialglück, Genuine Progress Indicator, Happy-Planet Index
Arbeit zitieren
Nils Hendrik Hungerland (Autor), 2010, Ist das Bruttoinlandsprodukt ein geeigneter Wohlstandsindikator?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209404

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