Wertschöpfung von Netzwerken


Bachelorarbeit, 2011

29 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition der Begriffe
2.1 Netzwerke
2.1.1 Bottom-up Netzwerke
2.1.2 Top-down-Netzwerke
2.2 Ziele von Netzwerken
2.3 Risiken von Netzwerken
2.4 Immaterielle Werte

3. Wertschöpfung in Netzwerken
3.1 Wertschöpfungsbegriff dieser Arbeit
3.2 Wertschöpfungserzielung nach Möller

4. Methoden zur Messbarkeit von Wertschöpfung
4.1 Evaluation von Netzwerken
4.2 Eindimensionale Methoden
4.3 Mehrdimensionale Methoden

5. Erstellung und Gewichtung von Kriterien
5.1 Erstellung von Kriterien zur Bewertung der Methoden
5.2 Gewichtung der Kriterien

6. Anwendung der Kriterien auf die Methoden
6.1 Untersuchung der eindimensionalen Methoden
6.2 Untersuchung der mehrdimensionalen Methoden
6.3 Ergebnis

7. Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Von 1950 bis 2007 nahm der reale Warenexport um das 29-fache zu.[1] Auch wenn der Zeitpunkt des Einsetzens der Globalisierung streitig ist - eine globale Verflechtungszunahme in den letzten Jahrzehnten ist dennoch deutlich erkennbar. Die Ursachen dafür liegen in der techni- schen Innovation, in außenhandelspolitischen Entscheidungen zur Libe- ralisierung des Welthandels[2] und in der Expansion Europas.[3] Deshalb finden Standortentscheidungen vieler Unternehmen und Institutionen aus einer internationalen Perspektive statt. Regionen konkurrieren weltweit, mit dem Ziel, ein attraktives Gebiet für potentielle Interessen- ten zu sein.[4] Um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, hat die Bundesregierung die „Hightech-Strategie für Deutschland“ entwi- ckelt. Darin ist eine Strategie zur Vernetzung in Regionen enthalten. Neben Hilfestellungen zur Gestaltung von Netzwerken sind Förderun- gen ebenfalls Teil dieser Strategie. Auch die Bundesländer führen ei- genverantwortlich Förderungsmaßnahmen durch, bei denen die Stär- ken der Regionen aufgegriffen und weiter ausgebaut werden.[5] Mit sol- chen Netzwerken beschäftigt sich diese Arbeit.

In nahezu allen Beiträgen zur Netzwerkforschung wird davon ausge- gangen, dass mit der Bildung von Netzwerken automatisch eine Wert- schöpfungssteigerung einhergeht. „Eine offene Frage, die in der Lite- ratur noch nicht zufrieden stellend beantwortet wurde[…], bleibt jedoch die konkrete Messung des Erfolgs von strategischen Allianzen.“[6] Für den Staat als Unterstützer sind damit Entscheidungsprobleme ver- bunden. Die öffentlichen Mittel sind naturgemäß und auch bei der För- derung von Netzwerken begrenzt. Vor dem Hintergrund, die Region zu stärken, ist es im Interesse des Staats, die Netzwerke zu unterstützen, die produktiv sind und die meiste Wertschöpfung erbringen. Der Staat hat aber gewöhnlich ausreichend tiefe Einblicke in die Netzwerke, so- dass er sie problemlos beurteilen könnte.

Es stellt sich nun die Frage, wie die erbrachte Wertschöpfung in der Praxis am besten gemessen werden kann. Dieser Frage wird in der vorliegenden Arbeit nachgegangen. Nach einer genauen Definition der zentralen Begriffe wird zunächst die Wertschöpfung in Netzwerken analysiert. Es werden anschließend Methoden zur Wertschöpfungs- messung in Netzwerken vorgestellt. Dann wird, angepasst an die ge- rade beschriebene Situation der Entscheidungsproblematik, ein Kriteri- enkatalog zur Wertschöpfungsmessung in Netzwerken entwickelt. Die einzelnen Kriterien werden in notwendige und hinreichende Kriterien unterteilt. Anhand der Kriterien werden die vorgestellten Methoden ei- ner kritischen Überprüfung unterzogen und daraus ein entsprechendes Ergebnis abgleitet. Im Ausblick werden neben einer Stellungnahme zum Ergebnis abschließend konkrete Handlungsempfehlungen abge- geben.

Mit der umfangreichen Thematik von Netzwerken beschäftigen sich ne- ben Porter noch viele andere Wissenschaftler weltweit. Mit dem spezi- ellen Themenkomplex der Wertschöpfungsbewertung in Netzwerken und deren kritischer Analyse befassen sich vergleichsweise wenige Forscher. Hervorzuheben sind hier Sydow, Hess und Wohlgemuth, die dieses Gebiet in zahlreichen Schriften unter verschiedenen Gesichts- punkten thematisieren.

2. Definition der Begriffe

2. 1 Netzwerke

Es sind eine Vielzahl von Netzwerken bekannt, beispielhaft: Strom- netzwerke, Computernetzwerke, soziale Netzwerke. In dieser Arbeit liegt die Konzentration auf Netzwerken im wirtschaftlichen Kontext. Ko- operationen zwischen Unternehmen existieren schon so lange wie es Unternehmen selbst gibt, in den letzten Jahren ist jedoch in der Wirt- schaft ein starker Trend zu Kooperationen beziehungsweise zu Netzwerken zu beobachten.[7]

Diverse Wissenschaftszweige beschäftigen sich mit Netzwerkfor- schung. Allein in der Betriebswirtschaftslehre gibt es zahlreiche Definitions- und Gestaltungsvorschläge für Netzwerke.[8] Deshalb wird der Begriff des Netzwerks im folgenden Abschnitt präzisiert und einge- grenzt, was als Grundlage zum Verständnis der weiteren Arbeit dienen soll.

„In einer allgemeinen Form stellt ein Netzwerk […] ein Geflecht von Beziehungen zwischen Individuen bzw. Organisationen dar.“[9] Sie werden häufig mit einer intermediären Organisation verglichen.[10] Das Netzwerk besteht oft aus verschiedenen Unternehmen, die durch ihre Kooperation voneinander profitieren. Die Teilnahme an einem Netzwerk ist aber nicht ausschließlich auf Unternehmen beschränkt. Mögliche andere Teilnehmer können Staat und Bildungseinrichtungen (Hochschulen, wissenschaftliche Institute oder ähnliches) sein.

Zur Erklärung der kooperativen Beziehung zwischen Unternehmen, Staat und Hochschulen gibt es mehrere Ansätze.[11] Die meisten Länder und Regionen versuchen aktuell ihre Netzwerke nach dem Vorbild des in Abbildung 1 zu sehenden Modells zu gestalten. [12]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1

Die Abbildung zeigt die Akteure Staat, Industrie und Hochschulen als ineinander überlappende Flächen. Das verdeutlicht den Wissens- transfer und die Zusammenarbeit der Akteure. Ziel eines solchen Modells ist vor allem die Ankurbelung der Innovation einer Region.

Die folgenden Ausführungen konzentrieren sich auf die Untersuchung von Unternehmensnetzwerken, also dem Feld der Industrie.

Die vielfältige Netzwerkforschung hat zur Konsequenz, dass es mannigfaltige Möglichkeiten zur Kategorisierung von Netzwerken gibt. Für diese Ausarbeitung bietet sich eine Kategorisierung nach ihrer Gründungshistorie an. Netzwerke können „bottom-up“ von den Mitgliedern gegründet, oder „top-down“, initiiert als Resultat strategischer Entscheidungen meist aus der Politik[13], organisiert sein.

2.1.1 Bottom-up Netzwerke

Bottom-up-Netzwerke sind historisch gewachsen und durch viele Ak- teure initiiert: sie bilden einen Zusammenschluss von Unternehmen. Die Kooperation ist bedingt durch den gegenseitigen Nutzen, den die Ko- operation bringt. Die Partner arbeiten gleichberechtigt und bedarfsori- entiert zusammen. Typische weitere Mitglieder von Netzwerken, wie Universitäten, werden gezielt hinzugezogen. Die Mitgliedschaft ist für die Mitglieder durch schriftliche Abkommen und zu zahlende Beiträge verbindlich und langfristig angelegt. Die Projekte werden kaum öffent- lich gefördert und es besteht somit selten eine Abhängigkeit von der öffentlichen Hand. Bottom-up-Netzwerke werden überwiegend durch ihre Mitglieder finanziert und bieten für sie damit im Zusammenhang mit den bindenden Verträgen langfristig Sicherheit.[14]

2.1.2 Top-down-Netzwerke

Top-down-Netzwerke werden überwiegend durch (politische) Externe initiiert und sind regional- oder innovationspolitisch (oder beides) moti- viert. Die Politik spielt bei diesen Netzwerken somit eine große Rolle. Die Netzwerkkooperation ist vertikal angelegt, die Netzwerkmitglieder sind auf unterschiedlichen Stufen einer Wertschöpfungskette angesie- delt und stehen gleichzeitig im horizontalen Wettbewerb zueinander.

Die Themenfelder werden auch oft von den Initiatoren vorgegeben und es besteht damit eine starke Abhängigkeit von der öffentlichen Hand und den zur Verfügung stehenden (begrenzten) regionalen Fördermitteln. Das Netzwerkmanagement wird von den Initiatoren von vornherein an Institutionen, wie zum Beispiel Wirtschaftsförderungsagenturen, übertragen. Top-down-Netzwerke werden anfangs durch die öffentliche Hand finanziert. Die Förderungszeit ist aber oft begrenzt und eine weitere Förderungsphase ist nicht sichergestellt.[15]

2.2 Ziele von Netzwerken

Netzwerkteilnehmer und -antreiber würden eine Netzwerkbildung nicht anstreben, wenn sie nicht mit der Erfüllung bestimmter, für sie relevanter Ziele rechnen würden.

2.2.1 Ziele von Bottom-up-Netzwerken

Bei Bottom-up-Netzwerken setzen sich die Ziele eines Netzwerks aus den Erwartungen der Netzwerkteilnehmer an das Netzwerk zu- sammen.[16] Damit sich eine Kooperation lohnt, müssen durch ein Zu- sammentun positive Synergieeffekte entstehen. Positive Synergieeffek- te liegen dann vor, wenn die Gesamtwirkung größer ist, als die Summe der Einzelwirkungen.[17]

Nach Porter entscheiden Wettbewerbsvorteile über Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens.[18] Allen anderen Zielen übergeordnet ist daher das Ziel der Sicherung von Wettbewerbsvorteilen. Zur Errei- chung dieses Ziels lassen sich folgende weitere Netzwerkziele benennen:

- Zeitvorteile
- Flexibilitätsvorteile
- Qualitätsvorteile
- Kostenreduktion
- Erlössteigerung
- Risiko- und Lastenteilung
- (neue) Marktzugänge
- Ressourcenvorteile
- Know-how Vorteile
- Wettbewerbsbeeinflussung[19]

In Bottom-up-Netzwerken gehen Unternehmen folglich Kooperationen ein, weil sie für sich Wettbewerbsvorteile generieren können.

2.2.2 Ziele von Top-down-Netzwerken

Top-down-Netzwerke sind häufig politisch initiiert. Die beteiligten Unternehmen werden ähnliche Ziele verfolgen wie die des Bottom-up- Netzwerks. Doch was sind die Ziele der politischen Initiatoren für die Einleitung eines Netzwerks? Die Antwort liegt erneut in der Generierung von Wettbewerbsvorteilen gegenüber anderen Regionen, also Standortvorteile. Die Ziele von politischen Initiierungen von Netzwerken lassen sich daher wie folgt zusammenfassen:[20]

- Werben und Fördern von qualifizierten Arbeitskräften und deren Bindung
- Schaffung einer guten branchenspezifischen Infrastruktur, Ansiedlung neuer Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Investoren
- Förderung von Innovationen, Repräsentierung komprimierter Kompetenz
- Einbindung von Unternehmen und Forschungseinrichtungen in eine gemeinsame Strategie zusammen mit der Politik um sie langfristig in einer Region zu halten und eine gute Wirtschaftspo- litik zu entwickeln Die Ziele werden der (lokalen) Situation entsprechend angepasst.[21]

Langfristiges Ziel einer politischen Unterstützung ist außerdem natur- gemäß immer, dass das unterstützte Objekt sich einmal selbstständig trägt.

Nicht alle aufgeführten Ziele sind monetärer Natur, weswegen in Kapitel

2.4 immaterielle Werte eines Netzwerks genauer betrachtet werden.

2.3 Risiken von Netzwerken

Wo Chancen liegen, existieren auch Risiken. Auch die Risiken von Netzwerken sollen hier kurz genannt werden. Dazu zählen:

- unkontrollierter Wissensabfluss
- schwere Verantwortlichkeitszurechenbarkeit
- Erschwerung strategischer Steuerung, einseitige Abhängigkeit,
- hohe Koordinationskosten
- geringeres Engagement der Netzwerkteilnehmer durch fehlende Identifikationsmöglichkeiten
- erhöhte Kosten durch Koordinationsaufwand, Vermehrung von Konflikten[22]

Ein wesentliches Risiko für den politischen Initiator liegt überdies darin, die Wertschöpfung eines Netzwerks falsch einzuschätzen und daraus folgend falsche Investitionsentscheidungen zu treffen.

Ausgehend von der Fragestellung in der Einleitung liegt in dieser Arbeit der Fokus auf staatlich initiierten und geförderten Netzwerken, also bei Top-down-Netzwerken.

[...]


[1] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2010), S.1f.

[2] Der Begriff Liberalisierung ist zurückzuführen auf den von der OECD eingeführten Liberalisierungskodex, der den Abbau intraeuropäischer Mengenbeschränkungen vorschreibt.

[3] Vgl. Borchard, K. (2001), S. 34

[4] Vgl. Fritsch et. al. (1998), S. 247

[5] Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2008b), S. 4

[6] Hungenberg/ Wulf/ Maack (2002), S.263

[7] Vgl. Balling (1997), S. 29 f.

[8] Vgl. Zentes/ Swoboda/ Morschett (2003), S. 5ff

[9] Corsten (2001), S.2

[10] Vgl. Windolf/ Nollert (2000), S.55

[11] Vgl. Etzkowitz / Leydesdorff, (2000), S. 111

[12] Vgl. Etzkowitz/ Leydesdorff (2000), S. 112

[13] Vgl. Provan/ Kenis, P. (2007), S. 229

[14] Vgl. Ausführungen Bundesministerium für Wirtschaft und Entwicklung (2008), S.11

[15]Vgl. Ausführungen vom Bundesministerium für Wirtschaft und Entwicklung (2008), S.11; Top-down-Netzwerke werden dort weiter in endogene und exogene Top-down- Netzwerke unterteilt.

[16] Vgl. Möller (2006), S. 66

[17] Vgl. Altwegg (1995), S. 10

[18] Vgl. Porter (1999), S. 33ff.

[19] Vgl. Möller (2006), S.68 f.

[20] Vgl. Bundesministerium für Forschung und Entwicklung (2008), S. 15 ff.

[21] Vgl. Bundesministerium für Forschung und Entwicklung (2008a), dort wird ein Überblick über die (Zielsetzungen der) Netzwerkaktivitäten der deutschen Bundesländer geben.

[22] Vgl. Möller (2006), S.69

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Wertschöpfung von Netzwerken
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Veranstaltung
Entrepreneurship
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
29
Katalognummer
V209695
ISBN (eBook)
9783656376521
ISBN (Buch)
9783656377023
Dateigröße
768 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Es gibt viele Möglichkeiten Netzwerke zwischen Unternehmen, Staat und Universitäten zu bewerten. In dieser Arbeit werden Bewertungsmethoden vorgestellt und herausgearbeitet, welche Bewertungsmethoden sich am besten eignet.
Schlagworte
wertschöpfung, netzwerken
Arbeit zitieren
Anna Genske (Autor), 2011, Wertschöpfung von Netzwerken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209695

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Titel: Wertschöpfung von Netzwerken



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