Neorealismus in der Nouvelle Vague. Eric Rohmers „Le Signe du Lion“


Seminararbeit, 2008

16 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historie und Problematik

3. Was ist Neorealismus?
3.1. Neorealismus
3.2. Merkmale und Thematik des neorealistischen Filmes

4. Nouvelle Vague
4.1. Entstehung und Geschichte der Nouvelle Vague
4.2. Merkmale der Nouvelle Vague
4.3 Politique des auteurs
4.4 Cinema verite

5. Wahrheitsproblematik

6. Schlussfolgerung am Beispiel von „Le Signe du Lion

Bibliographie

Filmographie

Grob gesagt, will der Film dem Zuschauer eine möglichst perfekte Illusion der Wirklichkeit verschaffen, unter Berücksichtigung der logischen Erfordernisse der filmischen Handlung und der neuesten technischen Möglichkeiten.“[1] Andre Bazin

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit diskutiert die Frage, ob Elemente aus dem Neorealismus in die Nouvelle Vague eingeflossen sind und diese beeinflusst haben. Als Beispielfilm wurde explizit der Film „Le Signe du Lion[2] von Eric Rohmer gewählt, da er ziemlich den Übergang oder zumindest die zeitliche und inhaltliche Nähe beider Bewegungen erschließt.

Insbesondere soll hier der Wahrheitsgehalt näher untersucht werden, der zumindest im Neorealismus, mit der ungekünstelten Wiedergabe der Wirklichkeit einhergegangen ist.

Aber auch die Nouvelle Vague trägt Wesenszüge dieser Wirklichkeit und somit auch vielleicht der Wahrheit, die hierbei ausschlaggebend sein wird.

Es geht nicht um einen direkten Vergleich beider Stilrichtungen und ebenso nicht darum den Begriff „Wahrheit“ zu definieren, als vielmehr um den Versuch der Erfassung bestimmter Kennzeichen, die elementar für Film ist und elementar für die Erkenntnis.

Um das ganze besser zu veranschaulichen, wird ein kleiner historischer Überblick über die Anfänge des Kinos wiedergegeben, die gleichzeitig die Problematik erkennen lässt.

2. Historie und Problematik

Kino war nicht nur bemüht zu unterhalten, sondern auch immer die Realität abzubilden. Diese Versuche gehen mit innovativen technischen und geistigen Erfindungen oder Strömungen einher.

Seit der Erfindung des Kinematographen hat sich der Film ständig weiterentwickelt, sei es nun aus wirtschaftlicher, technischer oder rein ästhetischer Perspektive.

Der Kinematograf ermöglichte die Illusion, die Wirklichkeit abzubilden. So sprangen einige Zuschauer aus dem Kinosaal, als sie das erste Mal einen einfahrenden Zug auf der Leinwand sahen, da sie Illusion von Wirklichkeit nicht unterscheiden konnten.

Nach dem Kino der Attraktionen von Lumiere und Melies, entwickelte sich aus der anfänglichen Begeisterung für die Apparatur ein fließender Übergang zu einem gewöhnenden Blick, der ebenso einer ständig wachsenden und anspruchsvolleren Zuschauerkultur weichen musste. Schnell rückte die Begeisterung für die Technik in den Hintergrund und die Handlung bestimmte die Nachfrage.

Die fortwährende Industrialisierung und innovative Ideen, ermöglichten eine andere Wahrnehmung und Sichtweise und Kino wurde zu einem Massenspektakel. Dabei sind sich Illusion und Wirklichkeit immer nahe gewesen, denn erste Filme waren dokumentarähnliche Berichterstattungen.

Die Resonanz, verdankte das Kino ihrer Wandelbarkeit und dem Fortschritt die durch technische Errungenschaften ermöglicht wurden.

Aber auch ästhetisch entwickelte sich der Film durch viele geistige Errungenschaften. Diese Kreativität äußerte sich auf ästhetischer Ebene, wie z.B. der Erfindung der Montage oder etwas später, der Tiefenschärfe. Denn der Film wollte, wie die Malerei anfangs, der Realität immer näher kommen. Vertov z.B. war überzeugt, dass durch die Technik der Montage die Wahrheit gezeigt werden könne.

Anfängliche Artistennummern wurden durch einen narrativen Handlungsstrang abgelöst. Dabei bedienten sich die Filmemacher ähnlich wie die Theaterregisseure zum großen Teil aus der Literatur, die natürlich nicht nur ein großes Repertoire besaß, sondern auch einen Erfahrungshorizont von einem großen filmischen Wert.

Eine weitere Etappe waren geistige Strömungen innerhalb der Filmindustrie wie der Neorealismus und später die Nouvelle Vague, um zwei wichtige zu nennen, die auch Themenschwerpunkte dieser Arbeit sind.

Beide sind jedoch von ihrem Wesen sehr unterschiedlich durch politische, soziale, gesellschaftliche, technische oder auch ästhetische Bedingungen bzw. Einflüsse geprägt.

So ist auch die Darstellung der Wirklichkeit sehr unterschiedlich.

Die Filmästhetik entwickelte sich dann allmählich immer stärker zum Realismus hin. Doch das war nicht immer so, denn während in Italien alle Zeichen auf eine neue Ästhetik innerhalb des Filmes, in Form des Realismus, deuteten, war in Frankreich zur selben Zeit von Realismus wenig zu spüren. Erst im nach hinein reifte auch in Frankreich der innovative Gedanke einer geistigen Gesinnung nach mehr Authentizität. Dokumentarfilmer wie z.B. Jean Rouch, der auch als der „Vorbereiter und Großvater“ der Nouvelle Vague bezeichnet wird, gehörte zu den ersten der glaubhaft in Filmen wie „Les Maitres Fous“ die Gegensätze von fiktional und dokumentarisch, also Illusion und Realität, aufbrach.[3]

3. Was ist Neorealismus?

3.1. Neorealismus

Der Begriff Neorealismus stammt nicht, wie man zunächst annimmt aus der Literatur,[4] auch wenn diese die Filmtheorie manifestierte und einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung des Filmes hatte.[5]

Der Begriff „neorealistisch“ wurde erstmals von Mario Serandrei im Jahre 1943 für den Film verwendet. Er bezeichnete so die Anfangssequenzen des Films „Ossessione“ von Luchino Visconti.[6] Eine andere Quelle, rechnet Umberto Barbaro den Verdienst an, der den Begriff 1942 in der französischen Zeitschrift Cinema gebraucht haben soll.[7]

Neorealismus, oder auf italienisch Neoverismo, ist eine Stilrichtung im italienischen Film, aber auch in der Literatur, Kunst und Musik „die eine realistische Darstellung der technisierten Welt, durch die Einbeziehung des Hässlichen, neuartige ästhetische Aspekte abgewonnen werden.“.[8]

Explizit auf den neorealistischen Film bezogen, definiert James Monaco den Neorealismus als „Stilrichtung des italienischen Films in den vierziger Jahren, die sich durch betont kunstlose, quasi dokumentarische Abbildung von sozialer Realität auszeichnete, mit Laiendarstellern und an Originalschauplätzen gedreht.“[9]

[...]


[1] Andre Bazin, Was ist Film?, Berlin: Alexander 2004, S. 308

[2] Le Signe du Lion, Regie: Eric Rohmer, Frankreich 1959

[3] Edmund Ballhaus, Der ethnographische Film: eine Einführung in Methoden und Praxis, Berlin: Reimer 1995, S. 227

[4] Chiara Polverini, Schauspiel oder Dokumentation? Dimensionen der Wirklichkeit in Neorealismo nd Neuer Sachlichkeit, Bonn: Romanistischer 2007, S. 54

[5] Barbara Langl, Kino des Verismus. Unter Berücksichtigung des Films „La terra trema“ von Luchino Visconti, Dipl. Universität Wien, Theater-, Film-, Medienwissenschaft 2002, S. 23

[6] Chiara Polverini, Schauspiel oder Dokumentation? Dimensionen der Wirklichkeit in Neorealismo nd Neuer Sachlichkeit, Bonn: Romanistischer 2007, S. 52

[7] Barbara Langl, Kino des Verismus. Unter Berücksichtigung des Films „La terra trema“ von Luchino Visconti, Dipl. Universität Wien, Theater-, Film-, Medienwissenschaft 2002, S. 33

[8] Duden, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache, Band 6: Lein-Peko in 10 Bänden, Mannheim Leipzig Wien Zürich: Dudenverlag 3. Auflage 1999

[9] James Monaco, Film verstehen. Kunst, Technik, Sprache, Geschichte und Theorie des Films und der Medien. Mit einer Einführung in Multimedia, Reinbek: Rowohlt Taschenbuch 1980, S. 566

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Neorealismus in der Nouvelle Vague. Eric Rohmers „Le Signe du Lion“
Hochschule
Universität Wien  (Theater-, Film-, Medienwissenschaft)
Veranstaltung
Bild- und Raumkonzepte: Nouvelle Vague. Haupt- und Nebenwege
Note
2
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V209826
ISBN (eBook)
9783656376408
ISBN (Buch)
9783656376965
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aspekte, neorealismus, nouvelle, vague, beispiel, eric, rohmers, signe, lion
Arbeit zitieren
Hüseyin Kocintar (Autor), 2008, Neorealismus in der Nouvelle Vague. Eric Rohmers „Le Signe du Lion“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209826

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