Risikosport und Fairness im Gesundheitssystem

Sollen Risikosportler selbst für ihre Unfälle aufkommen?


Hausarbeit, 2012
21 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Gesundheitssystem in Deutschland
2.1 Grundprinzipien des Gesundheitssystems
2.2 Solidarprinzip
2.3 Zwischenfazit

3 Kosten durch Unfälle im Gesundheitssystem

4 Risikosport
4.1 Extrem- und Risikosport als Reizsuche
4.2 Extrem- und Risikosport als Angstüberwindung
4.3 Zwischenfazit

5 Gesundheitsförderung und Prävention durch Sport
5.1 Auswirkungen von Sport auf die Gesundheit
5.2 Gesundheitsförderung durch Sportförderung
5.3 Ziele der Sportförderung

6 Fazit

7 Anhang

8 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Unfälle im privaten Umfeld im Jahr 2000

Abbildung 2: Sportunfälle nach Unfallort im Jahr 2000

Abbildung 3: Gegenstandsbereiche der Sport- bzw. Gesundheitsförderung

Abbildung 4: Anzahl der Fallschirmsprünge/Jahr von 1995-2010

Abbildung 5: Anzahl der Fallschirmsprünge, Unfälle & tödlicher Unfälle
(incl. der tödlichen Unfälle Deutscher im Ausland) 1995- 2010

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Es gibt Menschen, die von 28 Meter hohen Klippen in einen See springen, ungesichert über dem Meer an Felswänden klettern, mit über 70km/h auf dem Mountainbike holpriges Gelände hinunterflitzen und fernab von Tageslicht in Höhlen tauchen.

Die Meinungen in der Bevölkerung zu solchen Sportarten reichen von Faszination bis zum Unverständnis (Allmer 1995). Die Autorin bezweifelt, dass der Großteil der Bürger[1] in Deutschland annähernd über die Vielzahl der Sportarten im Bilde ist, da sich die Gesellschaft eher punktuell auf Fußballmeisterschaften, Tour de France und Olympische Spiele fokussiert, diese live im Fernsehapparat übertragen werden und das Titelblatt diverser Zeitungen schmückt. Das Interesse an den Risiko- und Extremsportarten wird nach Ansicht der Autorin erst durch Schlagzeilen in den Medien geweckt, meist mit negativen Schlagzeilen. Wie bspw. im Jahr 2010 in der Live-Übertragung der Fernsehsendung "Wetten, dass...?". Der Wettkandidat Koch verunglückt bei dem Versuch mit Sprungfedern einen Salto über ein fahrendes Auto zu springen. Die Reaktionen einiger Bürger sind heftig und erschreckend. In einem Leser-Kommentar auf Focus Online steht von einem sogenannten Bernd: "(...)Wer so ein Risiko eingeht sollte keinen Cent von der Krankenkasse bekommen.(...)" (2011). Möglicherweise sind die Reaktionen jener Bürger spontan geäußert und noch nicht ausreichend reflektiert. Doch auch in der Politik wird dieses Thema diskutiert. Im Rahmen der Gesundheitsreform 2003 hat sich Schmidt, als Bundesministerin für Gesundheit, für die Einführung einer privaten Unfallversicherung für extreme oder riskante Hobbys engagiert (Berliner Zeitung 2003).

Sollen nun riskante Hobbys durch eine private Unfallversicherung abgesichert werden? Interessant auch mit dem Hintergrund, dass durch die eben genannte Gesundheitsreform 2003, Bürger durch Raucherentwöhnungskurse und dem Besuch von Ernährungskursen Bonus-punkte sammeln können, welche in Form verschiedenster Prämien ausgezahlt werden (Krankenkasse 2012/ Barmer GEKb).

Wie fair ist die Verteilung der Gesundheitsausgaben in Deutschland? Sollen zukünftig jene Bürger belohnt werden, die an Kursen von Gesundheitskassen teilnehmen (Sportverein, Entspannungs- und Ernährungskurs), und jene leer ausgehen deren sportliche Aktivität in der Freizeit nicht dem Leistungskatalog der Gesundheitskassen entspricht? Und weiter noch jene bestraft werden, welche einem riskanten Hobby nachgehen?

Die vorliegende Arbeit wird Sie zunächst in das deutsche Gesundheitssystem einführen, um im weitern Verlauf auf die Gesundheitsausgaben, welche durch Unfälle und explizit durch Sportunfälle zustande kommen, aufzeigen. Anschließend befasst sich diese Arbeit mit dem Risikosport, was darunter zu verstehen ist und welche Auswirkungen diese Sportarten nach sich ziehen. Der letzte Teil befasst sich mit Prävention und Gesundheitsförderung durch Sport. Welche gesundheitlichen Effekte durch Sport gezogen werden können, und wie durch Sport-förderung die Gesundheit der Bevölkerung gestärkt werden kann.

2 Das Gesundheitssystem in Deutschland

Das Fundament der sozialen Absicherung in Deutschland hat Bismarck in seiner Zeit als Reichskanzler (1871- 1890) ausgeklügelt, welches in Form des Krankenversicherungsgesetzes im Jahre 1883 verabschiedet wird (Simon 2010/Wikipedia 2008). Das System ist mittlerweile 129 Jahre alt und ist im Vergleich zu den ersten 15 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union das älteste Finanzierungssystem im Gesundheitswesen innerhalb der EU (Werner 2012). Es hält dem Druck historisch wichtiger Ereignisse, darunter zwei Weltkriege, die Vereinigung Deutschlands und drei Währungsreformen, sowie Gesetzesänderungen (Kostendämpfungs-, Gesundheitsstruktur-, Krankenhausfinanzierungsgesetz) des Gesundheitssystems, stand. Die Beständigkeit, des überwiegend durch Sozialversicherungsbeiträge finanzierte Gesund-heitssystems, ist laut Simon auf sieben Grundprinzipien zurückzuführen (2010).

2.1 Grundprinzipien des Gesundheitssystems

Zu den sieben Grundprinzipien des Gesundheitssystems zählen das Sozialstaatsgebot, Solidar-, Subsidiaritäts-, Bedarfsdeckung- und Sachleistungsprinzip, sowie die Ver-sicherungspflicht und Selbstverwaltung. Diese Arbeit wird sich auf die Erarbeitung des Solidarprinzips beschränken, da es sich um das Kernprinzip im Falle einer Erkrankung handelt. Grundlegend ist anzumerken, dass sich die Umsetzung der Prinzipien fast ausschließlich auf die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) einfassen lässt. Da jedoch 88,11% der deutschen Bevölkerung Mitglied in der GKV sind, betreffen die Auswirkungen dieser Prinzipien das gesamte soziale System. Die Hohe Beteiligung der Mitgliedschaft ist der Versicherungspflicht zu entnehmen, die auf den Großteil der deutschen Bevölkerung zutrifft. Für die Gerechtigkeit gelten die Grundsätze des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland und werden laut Simon durch das Sozialstaatsgebot erbracht (2010/ Statistisches Bundesamt 2007).

2.2 Solidarprinzip

Das Solidarprinzip ist das Kernprinzip des deutschen Gesundheitssystems. Wegen der zentralen Rolle im Krankheitsfall wird hierauf nun näher eingegangen.

Mit der Beitragszahlung erlangt das Individuum den Eintritt in die sogenannte Solidar-gemeinschaft. Ist das Individuum gesund, erfährt es während dieser Zeit keinen Nutzen durch die Gemeinschaft, lediglich die Gewissheit, im Falle einer Erkrankung aufgefangen zu werden und Hilfe zu erhalten, auf diese bei Bedarf auch rechtliche Ansprüche erhoben werden können. Grundsätzlich werden in der GKV zwei Solidarausgleiche unterschieden.

"Solidarausgleich zwischen Gesunden und Kranken" (Simon 2010: 76). Das kranke Individuum profitiert von den Beitragszahlungen der Gesunden und erhält finanzielle Unter-stützung für dessen erforderliche Versorgung. Die Kosten, die durch den Krankheitsfall entstehen, werden von der Gemeinschaft getragen. So erfährt das Individuum keine finanziellen Nöte durch die Erkrankung. Für die Aufrechterhaltung des Systems ist eine ausreichende Anzahl gesunder Individuen nötig, um die hohen Kosten für die Kranken zu decken. Nur geringfügig muss das Individuum selbst für persönliche Kosten (z.B. Zuzahlungen, Zahnersatz, Krankenhausbehandlung) aufkommen, um gegenüber der Solidar-gemeinschaft Nachsicht zu üben (Subsidiaritätsprinzip). Die Höhe der Zuzahlungen beschränkt sich im Jahr auf max. 2% der Bruttoeinnahmen eines Individuums, bzw. 1% für chronisch Kranke.

Zusätzlich beinhaltet das System den "Solidarausgleich zwischen höheren und niedrigeren Einkommen" (ebd.: 78). Die Beitragsleistungen der Mitglieder sind nicht identisch hoch, sondern richten sich prozentual nach deren Einkommen, welche wiederum durch den Höchstbetrag von 3.825€/mtl. (Stand 2012) eingegrenzt werden (ebd./Beitragsbemessungs-grenze Krankenversicherung 2012).

Irrtümlich wurde in der Vergangenheit von einem "Solidarausgleich zwischen Jungen und Alten" (Simon 2010: 79) gesprochen. Die Überlegung wird vermutlich aus Berechnungen der Gesundheitskosten entstanden sein, welche überproportional auf die Altersgruppe 85 Jahre und älter anfallen, da sich im zunehmenden Alter die Krankheiten in der Regel häufen. Dies wiederum erledigt sich durch den "Solidarausgleich zwischen Gesunden und Kranken" (ebd.: 76). Allenfalls müssten sonst sämtliche Individuen, welche ein bestimmtes Alter erreicht haben, Leistungen erhalten, unabhängig von dessen Gesundheitsstatus (ebd./ Statistisches Bundesamt 2008).

[...]


[1] Im vorliegenden Text wird durchgängig die männliche Form benutzt. Im Sinne des Gleichbehandlungsgesetzes sind diese Bezeichnungen als nicht geschlechtsspezifisch zu betrachten.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Risikosport und Fairness im Gesundheitssystem
Untertitel
Sollen Risikosportler selbst für ihre Unfälle aufkommen?
Hochschule
Katholische Hochschule Freiburg, ehem. Katholische Fachhochschule Freiburg im Breisgau  (Berufspädagogik im Gesundheitswesen)
Veranstaltung
Gesundheitsförderung und Prävention
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
21
Katalognummer
V210121
ISBN (eBook)
9783656383369
ISBN (Buch)
9783656386674
Dateigröße
676 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Solidarität, Risikosport, Extremsport
Arbeit zitieren
Sabrina Fehn (Autor), 2012, Risikosport und Fairness im Gesundheitssystem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210121

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