"Geboren in Rudolfstal (Alexandrovac), wohnhaft in Ebensee". Eine Analyse von Lebensverläufen deutscher "KolonistInnen" in Bosnien im 19. und 20. Jahrhundert


Diplomarbeit, 2012

135 Seiten, Note: Sehr Gut (1)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Forschungsgegenstand und Ziel der vorliegenden Arbeit
1.2. Methode und Aufbau der Arbeit

2. Theoretischer Überblick
2.1. Migration und Geschlecht
2.1.1. Zum Begriff „Migration“
2.1.2. Geschichte der Migrationsforschung
2.1.3. Weibliche Migration - (k)ein Tabuthema unserer Zeit?
2.1.4. Gründe für die Migration
2.1.5. Typologisierung von Migrantlnnen
2.2. Gedächtniskulturen
2.2.1. Warum erinnern wir uns?
2.2.2. Formen des Gedächtnisses
2.2.2.1. Das autobiographische Gedächtnis
2.2.2.2. Das kollektive Gedächtnis
2.3. Biographieforschung
2.3.1. Kritische Auseinandersetzungen
2.3.2. Perspektivenwechsel
2.4. Der methodische Zugang: Oral History
2.4.1. Entwicklung und aktueller Forschungsstand
2.4.2. Anwendungsbereiche und Grenzen
2.4.3. Formen der Befragung
2.4.3.1. Standardisierte Interviews
2.4.3.2. Nicht-standardisierte Interviews
2.4.3.2.1. Das Leitfaden-Interview

3. DAS UNBEKANNTE LAND NAMENS BOSNIEN
3.1 Die Geschichte des Landes bis zur Okkupation 1878
3.2. Bosnien unter der Herrschaft der Habsburgermonarchie (1878 - 1914)
3.3. Das Königreich jugoslawien (1918 - 1941)
3.4. Bosnien und der Zweite Weltkrieg

4. Die deutschen „Kolonien“ in Bosnien im 19. und 20. Jahrhundert
4.1. „Aller Anfang ist schwer“ - Über die Beweggründe, deutsche „Kolonien“ in Bosnien zu gründen
4.1.1. Zur geographischen Lage der deutschen „Kolonien“
4.1.2. Das Trappistenkloster Mariastern
4.1.3. Die „Einladung“ an deutsche Siedlerinnen
4.1.4. Die Siedlung „Rudolfstal“
4.2. Über die (anfänglichen) Schwierigkeiten
4.2.1. Die ersten Häuser
4.2.2. Lerne, den Boden zu bebauen
4.2.3. „Abgrenzungsprobleme“
4.2.4. Das fehlende Gesundheitswesen
4.2.5. Sprachliche Barrieren
4.3. Über das alltägliche Leben in einer deutschen „Kolonie“
4.3.1. Integration und Akzeptanz
4.3.2. Bildung und Schulwesen
4.3.3. Religion und Glaube
4.3.4. Kultur und Brauchtum
4.4. Das politische Leben in der deutschen „Kolonie“ Rudolfstal
4.4.1. DerErsteWeltkrieg
4.4.2. Die Zwischenkriegszeit
4.4.3. Der Zweite Weltkrieg und seine Folgen
4.4.4. Das Schicksal der „Kolonistinnen“ nach 1945

5. „Geboren in Rudolfstal (Alexandrovac), wohnhaft in Ebensee“ - ZeitzeugInnen erinnern sich
5.1. Kurzbiographien der Zeitzeuginnen
5.1.1. Erika L
5.1.2. Hedwig W
5.1.3. StefanD
5.2. Zeitzeuginnen erinnern sich
5.2.1. Integration und Akzeptanz
5.2.2. Bildung und Schulwesen
5.2.3. Kultur und Brauchtum
5.2.4. Religion und Glaube
5.2.5. Der 23. September 1944 und seine Folgen
5.2.6. Rückkehrindie„geliebte“Heimat?!
5.2.7. MigrationausdemBlickwinkelvon„Vertriebenen“

6. „67 Jahre ist’s nun her. .- Formen der Erinnerungskultur
6.1. Heimatchroniken und „Kolonistlnnenbücher“
6.2. Sonderausstellung 2008
6.3. J ahrestreffen

7. SchlussbetrachtungundAusblick

8. Quellen-und Literaturverzeichnis
8.1. Quellenverzeichnis
8.2. Literaturverzeichnis
8.3. Abbildungsverzeichnis

9. Anhang

9.1. Glossar

Heimat

Heimat ist ein Begriff, der in den vergangenen Jahrzehnten oft mißverstanden wurde.

Viele heimatlos, wegen des Glaubens, Stammes und der Volkszugehörigkeit, vertrieben.

Heimat beinhaltetLandschaft, Geschichte, Toleranz, Nachbarschaft und Brauchtum.

Heimat wird getragen von den vielen Heimatverbundenen und Heimatgebunden, Vereinen und Verbänden.1

Heimat ist nicht Hülle und Gewandung, die man wechselt, die ein Sturm zerstört; Heimat ist ein Schicksal, Grund und Landung, was uns tiefst ohne Tod gehört.2

1. Einleitung

1.1. Forschungsgegenstand und Ziel der vorliegenden Arbeit

Denken wir an den Begriff „Heimat“, so assoziieren wir damit die verschiedensten Aspekte des menschlichen Lebens. Für die einen stellt Heimat etwas Materielles dar, das beispielsweise durch deren Zuhause, ihren Heimatort oder den Staat, dem sie sich zugehörig und verbunden fühlen, verdeutlicht wird, während für die anderen diese Bezeichnung einen seelisch-emotionalen Kern in sich trägt und sich durch oftmals schmerzvolle Erinnerungen offenbart. Insbesondere jene Menschen, die im Laufe ihres Lebens durch äußere Umstände dazu gezwungen wurden, ihre Heimat zu verlassen, um sich in weiterer Folge ein neues Zuhause und/oder eine neue Heimat zu suchen, wissen durchaus um die Emotionalität dieses Begriffs.

Ausgehend von dieser Gegebenheit möchte ich den Begriff der Heimat beziehungsweise der Heimatverbundenheit in das Zentrum der vorliegenden Arbeit stellen und ihn zugleich zum Forschungsgegenstand derselben erheben. Hinsichtlich der aufgestellten These, welche besagt, dass Menschen mehr als nur einen Ort als ihre Heimat definieren können, möchte ich mich mit dem Leben und Schicksal der deutschen „KolonistInnen“ in Bosnien näher auseinandersetzen, um in weiterer Folge aufzeigen zu können, inwiefern diese nach ihrer Vertreibung aus der „geliebten“ Heimat mit dem Begriff der Heimatverbundenheit umgehen sowie um auch zu verdeutlichen, welch emotionalen Wert dieses Wort für diese beinhaltet. Im Rahmen des empirischen Forschungsbereiches dieser Arbeit wurden Gespräche mit drei Zeitzeuginnen geführt, welche darum gebeten wurden, ihre jeweils persönlichen, subjektiven Erinnerungen an ihr Leben in Bosnien zu schildern und weiters über den Tag der Vertreibung und insbesondere über die Zeit danach zu sprechen, als sie sich gezwungen sahen, eine „neue“ Heimat zu finden.

Ebenso soll anhand der von mir durchgeführten Interviews aufgezeigt werden, ob die These, dass Personen, die selbst Erfahrungen als Migrantinnen gesammelt haben, dem Phänomen der Migration generell aufgeschlossenerer sind und sich Migrantinnen gegenüber offen und tolerant zeigen, als verifizierbar oder falsifizierbar einzustufen ist.

Es ist dementsprechend ersichtlich, dass diese Arbeit zweierlei Ziele verfolgt. So soll sie einerseits die zuvor erwähnten Thesen überprüfen, andererseits aber auch die Lebensverläufe deutscher „KolonistInnen“ in Bosnien (beziehungsweise in Österreich) behandeln und deren Schicksal in weiterer Folge für die nachfolgenden Generationen ins Gedächtnis rufen, damit die Erinnerung daran nicht verblasst.

1.2. Methode und Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Diplomarbeit ist in zwei zentrale Bereiche gegliedert. So erfolgt im ersten Teil ein „theoretischer Überblick“, der sich zunächst mit dem Thema „Migration und Geschlecht“ (Kapitel 2.1.) auseinandersetzt. Neben einer Definitionsklärung des Begriffs „Migration“ und einem historischen Abriss über die Migrationsforschung werden Gründe und Motive angeführt, welche als wesentliche Push- und Pull-Faktoren Anreiz bieten, dass Menschen sich dazu entschließen, ihre Heimat zu verlassen. Im Rahmen der geschlechterbezogenen Migration soll das Thema „weibliche Migration“, welches lange Zeit tabuisiert und schlichtweg negiert wurde, in das Zentrum des Interesses rücken. Ein abschließender kurzer Exkurs hinsichtlich des aktuellen Migrationstrends in Österreich rundet dieses Kapitel ab.

Das Kapitel 2.2. widmet sich im Wesentlichen dem Phänomen „Erinnerung und Gedächtnis“. Es soll der Versuch unternommen werden, aufzuzeigen, welchen Sinn und Zweck unsere Erinnerungen erfüllen, beziehungsweise warum Menschen sich erinnern können. Außerdem werden verschiedene Formen des Gedächtnisses vorgestellt, ehe im darauffolgenden Abschnitt das Erforschen und Schreiben von Biographien (Kapitel 2.3.) im Mittelpunkt der Untersuchungen steht. Da im Zentrum dieser Arbeit die Lebensverläufe von drei Zeitzeuginnen stehen, welche ihre Kindheit und Jugend in einer deutschen „Kolonie“ in Bosnien verbrachten, dient dieses Kapitel als Einstieg und zugleich Überblick in das breite Feld der biographischen Forschung, welche sich bis dato gegen vielerlei kritische Auseinandersetzungen behaupten musste.

Im Anschluss daran soll der methodische Zugang, sprich die Oral History (Kapitel 2.4.), welche ich für die Erstellung des empirischen Teils dieser Arbeit gewählt habe, vorgestellt und näher behandelt werden. Diesbezüglich soll zu Beginn auf die geschichtliche Entwicklung als auch auf die Anwendungsbereiche und Grenzen dieser „jungen Disziplin“ näher eingegangen werden, ehe mögliche Formen der Befragung vorgestellt und einer kritischen Betrachtung hinsichtlich ihrer Dienlichkeit unterzogen werden.

Kapitel drei („Das unbekannte Land namens Bosnien“) versteht sich als historische Annäherung hinsichtlich des Heimatbegriffs der von mir interviewten Personen. Es wird hier in einem kurzen Abriss die Geschichte dieses Landes vom Mittelalter über die Okkupation von Österreich bis hin zum Zweiten Weltkrieg behandelt.

Im darauffolgenden Kapitel steht das Leben und Schicksal der deutschen „Kolonistinnen“ in Bosnien im Zentrum des Interesses. Ausgehend von den Beweggründen (Kapitel 4.1.), welche deutsche Familien im ausgehenden 19. Jahrhundert dazu veranlassten, ihre Heimat zu verlassen, um fernab in Bosnien eine neue Existenz aufzubauen, sollen die Schwierigkeiten und Herausforderungen (Kapitel 4.2.), welche die Siedlerinnen zu bewältigen hatten, erläutert werden. Weiters soll ein Einblick in das alltägliche Leben in einer deutschen „Kolonie“ (Kapitel 4.3.) erfolgen, der zugleich wesentliche Informationen hinsichtlich Themen wie Integration, Bildung, Religion und Kultur bietet, aber auch eventuelle Fragen aufwirft.

Der empirische Teil (Kapitel 5 und 6) dieser Arbeit widmet sich im Speziellen den Lebensverläufen drei deutscher „Kolonistinnen“, welche nach ihrer Vertreibung aus Bosnien 1944 in Österreich eine neue Heimat gefunden haben. Im Zuge der von mir durchgeführten Interviews wurden meine Gesprächspartnerinnen gebeten, mir ihre Eindrücke und Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend in Bosnien zu schildern, um daraus resultierend meine zuvor aufgestellten Thesen überprüfen zu können. So werden im fünften Kapitel nach einer kurzen biographischen Vorstellung der drei Zeitzeuginnen Auszüge der von mir erstellten Transkriptionen in Bezug auf die verschiedenen Themenbereiche zitiert als auch durch persönliche Kommentare meinerseits ergänzt, während im sechsten Kapitel die Frage beantwortet werden soll, welche Formen der Erinnerungskultur zum gegenwärtigen Zeitpunkt von Bedeutung sind, um das Leben und Schicksal der deutschen „Kolonistinnen“ aus Bosnien nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Eine abschließende Konklusion (Kapitel 7) soll die wesentlichen Erkenntnisse dieser Arbeit zusammenfassen, eine Antwort auf die eingangs aufgestellten Thesen liefern als auch klären, ob die Erinnerung an das Leben der deutscher „Kolonistinnen“ in Bosnien im Begriff ist, in Vergessenheit zu geraten.

2. Theoretischer Überblick

2.1. Migration und Geschlecht

Klaus Bades Aussage „Es „fremdelt“ allenthalben - in Europa allgemein und in Deutschland besonders “3 kennzeichnet eines der markantesten und zugleich aktuellsten Phänomene des Weltgeschehens, welches in allen Ländern dieser Erde auf unterschiedliche Art und Weise seinen Einzug findet: Migration.4

Seit Jahren können wir verfolgen, dass Migrationsvorgänge in ihren vielfältigen Arten und Erscheinungsformen immer wieder anhand gewichtiger Schlagzeilen und Beiträge in den Medien auftauchen und sich in unterschiedlichen Formen in unser Bewusstsein einprägen. Während einerseits jenen Menschen, die sich freiwillig zur „Wanderung“ entschließen, Respekt und Achtung entgegengebracht wird, so bedauerlicher und tragischer ist die Kehrseite der Migrationsmedaille, welche sich unter der Bezeichnung „unfreiwillige Migration“ in Form von Flucht, Vertreibung, Umsiedlung und Ausweisung offenbart. Migration, so lässt sich zweifelsohne sagen, ist das Thema, welches durch unterschiedliche Motive immer mehr Menschen in ihren Bann zieht und Anstoß zum Aufbruch gibt.5

Und dennoch ist das Phänomen der „Wanderung“ wahrlich keine „neue“ Erscheinung im Zuge der Zeitgeschichte. Ganz im Gegenteil: Migration, so kann man sagen, gab es „schon immer“.6 Ein Rückblick in die Geschichte offenbart uns, dass es zu allen Zeiten einzelne Menschen, Gruppen oder gar ganze Stämme (wie beispielsweise die Völkerwanderung) gegeben hat, welche sich aus verschiedensten Gründen dazu entschlossen haben, ihre Herkunftsregion zu verlassen, um sich fernab der Heimatregion in neuen, unbekannten Gebieten niederzulassen.7

Der einzige Unterschied, der sich bei einem Vergleich von „früher“ mit „heute“ offenbart, ist ein „Richtungswechsel“: Stand in der Mitte des 19. Jahrhunderts noch die Auswanderung aus Europa im Mittelpunkt der Migrationsprozesse, so zeichnet sich das 20. Jahrhundert durch einen unaufhaltsamen Zuwanderungsstrom aus.8

2.1.1. Zum Begriff „Migration“

Wirft man einen Blick in die Fachliteratur, um eine einigermaßen zufriedenstellende Definition der Begriffe „Migration“ beziehungsweise „Wanderung“ zu finden, wird man bald zur Erkenntnis gelangen, dass eine einheitliche Bestimmung dieser beiden Begriffe nicht existiert.9 Die Gründe hierfür sind vielseitig und hatten zur Folge, dass viele Forscherinnen sich im Laufe der Zeit mit der Ursachenforschung dieser Problematik auseinandergesetzt haben, als Ergebnis jedoch unterschiedliche Thesen und Ansätze hervorbrachten. So ordnet die Migrationsforscherin Annette Treibel die Problematik der Begriffsdefinition dem Wandel und Fortschritt der Gesellschaft zu. Sie spricht von einer unaufhörlichen Industrialisierung, Technisierung und Verstädterung immer größerer Teile der Welt. Des Weiteren weist sie auf die Entstehung der Nationalstaaten hin, welche dafür ausschlaggebend sind, dass Migration in der heutigen Zeit eine neue Dimension erlangt hat.10 Dieser Aspekt wird auch von Ingrid Oswald aufgegriffen und vertieft. Sie vertritt jene Vorstellung, dass unter Migration nicht mehr eine rein räumliche Bewegung, wie beispielsweise eine Ortsveränderung oder ein Wohnungswechsel von A nach B verstanden werden kann, sondern dass Migration auch andere Lebensbereiche, die vor allem die soziale Komponente (Familie, Arbeit, „soziales Netz“, „kulturelle und politische Orientierungen“) betreffen, miteinschließt.11 Ausgehend von dieser Tatsache ist es nachvollziehbar, dass Oswald zufolge die eigentliche Problematik, eine angemessene Definition von Migration zu erlangen, darin liegt, dass viele gängige Begriffsbestimmungen lediglich einen Aspekt von Wanderung herausgreifen und die anderen ausblenden.12 Es ist also wichtig, dass Wanderungsprozesse als ein komplexer Gegenstand betrachtet werden, die nicht nur die migrierenden Menschen selbst, sondern auch die Gesellschaften und Regionen, zwischen denen sich die Personen bewegen, betrifft.13

2.1.2. Geschichte der Migrationsforschung

Erste Annäherungsversuche mit der Erforschung von Migration datieren aus dem 19. Jahrhundert, als sich Statistiker aus Skandinavien, Frankreich und der Habsburgermonarchie erstmals mit der regionalen Herkunft ihrer Bevölkerung, den Wanderungsbewegungen und den daraus resultierenden administrativen und sozialen Problemen auseinandergesetzt haben. Der Beweggrund hierfür lag im Zusammenhang mit der relativ hohen Migrationsbereitschaft der Menschen, welche insbesondere innerhalb der Habsburgermonarchie in den 1840er Jahren ihren Höhepunkt erreichte und zu der Frage führte, was genau Menschen dazu veranlasst, ihre Heimat zu verlassen.14

Als eigentlicher „Pionier“ auf dem Gebiet der Migrationsforschung wird der britische Demograph und Kartograph Ernest George Ravenstein angeführt, der sich in den 1880er Jahren intensiv mit dem Phänomen der Migration befasste.15 Ravenstein ging in die Geschichte der Migrationsforschung ein, da er Migration nicht nur unter dem Aspekt der räumlichen Veränderung betrachtete, sondern auch andere Komponenten wie Entfernung, Umverteilung und das unterschiedliche Wanderungsverhalten von Frauen und Männern analysierte.16 Seine Forschungsergebnisse veröffentlichte er 1885 in der Publikation „Laws of Migration“, welche auch das 20. Jahrhundert nachhaltig prägen sollte.17

Ravensteins Thesen wurden von Forscherinnen aufgegriffen und einer strengen Analyse unterzogen.18 So kam Gustav Schmoller beispielsweise zu dem Ergebnis, dass sich die Geschichte von Migration in drei Epochen gliedere. Die erste Epoche, so Schmoller, wird als diejenige der „rohen Naturvölker“19 bezeichnet. Diese Bevölkerungsgruppe galt als noch nicht sesshaft und wanderte vorzugsweise in „geschlossenen Stämmen“20. Dieser Epoche schloss sich jene der bereits „sesshaft gewordenen Völker“21 an, welche das Interesse am Wandern verloren hatten und Migration nur noch im Sinne von Eroberung und Kolonisierung betrieben. Die dritte und zugleich letzte Epoche, zu der Schmoller auch die heutige Gesellschaft zählt, ähnelt in einem bestimmte Maße der Ersten.22 Bedingt durch die vielen Möglichkeiten der Fortbewegung, zu der vor allem der Fortschritt im verkehrstechnischen Bereich gehört, entschließen sich immer mehr Menschen dazu, die Möglichkeit einer „Einzelaus- oder Einwanderung“23 in Angriff zu nehmen.24

Auch heute noch, im 21. Jahrhundert, stellt die Migrationsforschung nach wie vor einen zentralen Gegenstand innerhalb von verschiedenen Wissenschaften dar25, dessen Hauptinteresse nunmehr der weiblichen Migration gilt.26

2.1.3. Weibliche Migration - (k)ein Tabuthema unserer Zeit?

„Im Mai 2000 brachte eine große Frankfurter Tageszeitung auf der ersten Seite einen fünfspaltigen Bericht zum Thema „Frauen und Migration“. Soviel Aufmerksamkeit glich einer Sensation. Sollte es sich etwa um eine Ermutigung handeln, MigrantInnen aus der Folklore-Ecke herauszuholen, um ihnen [...] ernsthafte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen? Weit gefehlt. Der Beitrag war auf der ersten Seite gelandet, weil die Reporterin ehrlich erbost war.“27

Betrachtet man den historischen Verlauf der Migrationsforschung, so sind sich Wissenschaftlerlnnen aus verschiedenen Disziplinen dahingehend einig, dass das Phänomen der Wanderung lange Zeit von keinem geschlechtsneutralen Standpunkt aus betrachtet wurde.28 Migration, so lautete die unangefochtene Meinung, wird von jungen Männern betrieben, die aufgrund verschiedener Aspekte wie Abenteuerlust, beruflicher Aufstiegschancen oder unter Berufung der männlichen Clique dazu ermutigt wurden, ihren Geburtsort zu verlassen, um sich auf den Weg in Richtung „besseres Leben“ zu begeben.29 Von Frauen in der Rolle als Migrantinnen fehlte jedoch jede Spur. Wurden sie erwähnt, so geschah dies zumeist in der Rolle der abhängigen, passiven und unfreiwillig migrierenden Person30, welche sich als „Opfer“ des Familiensystems dem „Patriarch der Familie“, sprich Vater oder Ehemann, zu fügen hatte.31 Frauen als „selbstständige“ und unabhängige Migrantinnen wurden somit nicht wahrgenommen und zudem mit dem Vorurteil abgestempelt, immobil und an die Migration von Männern gebunden zu sein.32 Selbst jüngere Forschungsansätze, welche sich bereits von jener Vorstellung losgerissen hatten, dass Migrationsmotive rein ökonomischer Natur sind und den zwischenmenschlichen Aspekt einfließen ließen, waren noch von dieser „männlichen Symbolik“ des typisch männlichen Migranten geprägt.33

Die Gründe, weshalb Frauen lange Zeit in der Migrationsforschung ausgeblendet wurden, liegen vor allem im Bereich der Interessensschwerpunkte.34 Da das staatliche Interesse im Rahmen der durchgeführten Migrationsforschung eher der männlichen, militärpflichtigen Gruppe der Bevölkerung galt, spielten Frauen in der Tätigkeit als Migrantinnen bei der Erstellung und Auswertung der Forschungsergebnisse keine wesentliche Rolle.35 Eine erste Erwähnung hinsichtlich der Existenz weiblicher Migration findet man in der „Statistik des österreichischen Kaiserreichs“ aus dem Jahre 1854, aus welcher hervorgeht, dass „das weibliche Geschlecht seltener die Heimath [verlasse] als das maennliche“36.37 Bekräftigt wurde dieses Bild der „heimatverbundenen Ehefrau beziehungsweise Mutter“ und dem „abenteuerlustigen Ehemann“ durch weitere Thesen, welche unter anderem von Gustav Schimmer aufgestellt wurden. Schimmer gelang zur Überzeugung, „dass die Beweglichkeit der männlichen einheimischen Bevölkerung schon früher eine stärkere war, während das weibliche Geschlecht mehr in der Heimat verweilte“38 und „das männliche seiner Natur nach weit mehr geneigt [sei], die Heimat zu verlassen und anderwärts Erwerb zu suchen“39.40

Doch nicht alle Forscherinnen vertraten diese Ansicht. So distanzierte sich George Ravenstein von dieser „frauenfeindlichen Migrationsthese“ aufgrund seiner Forschungsergebnisse und kam zu jener Einsicht, dass Frauen „a greater migrant than men“41 seien.42 Er vertrat die Ansicht, dass Frauen zwar quantitativ in einem größeren Ausmaß am Wanderungsgeschehen beteiligt waren als ihre männlichen Kollegen, jedoch beschränkten sie sich überwiegend auf den Nahbereich, während Männer bei der Fernwanderung dominierten.43 Als Grund, weshalb Frauen sich für Migration entscheiden, führte Ravenstein die Erwerbstätigkeit an. Der erhöhte Bedarf an (vorzugsweisen weiblichen) Dienstbotinnen im städtischen Raum hatte zur Folge, dass sich immer mehr Menschen (Frauen als auch Männer) dazu entschlossen, die ländliche Umgebung zu verlassen, um in die Stadt zu ziehen, da sie sich dort ein besseres Leben erhofften. Leider sollte sich dieser Wunsch, insbesondere für die Frauen, nicht erfüllen. Zweifellos herrschte ein erhöhter Bedarf an Arbeitskräften im städtischen Bereich vor, doch wurde mehr nach „Hilfskräften“ gesucht, welche „Muskelstärke“ aufweisen könnten, über eine gute Schul- und Fachausbildung verfügten sowie im Besitz einer technischen Geschicklichkeit waren. Anforderungen, welche vorwiegend nur von Männern erfüllt werden konnten.44

Auch Heinz-Dietrich Löwe, ein Migrationsforscher im deutschsprachigen Raum, vertritt ähnlich wie Ravenstein den Grundsatz, dass Frauen prinzipiell schon immer als (aus-) wanderungswillig galten und auch sehr wohl alleinstehend gewandert seien, da sie maßgeblich als Gouvernanten und Erzieherinnen mit besonderen Kenntnissen (wie beispielsweise die Schweizerinnen mit Beherrschung der französischen Sprache) vor allem in Russland gute (berufliche) Aussichten gehabt haben. Leider unterbanden jedoch viele Behörden, wie etwajene in Bern, solche Auswanderungen.45

All dieser Ansätze zum Trotz konnte sich die Existenz weiblicher Migration vorerst (noch) nicht behaupten. So wurde selbst noch in den 1970er Jahren von Vertretern der „modernen“ Sozialwissenschaften der Standpunkt vertreten, dass es die Männer sind, welche als „men in motion“46 die Hauptakteure von Migration darstellen.47 Der Grund für diese Annahme lag darin, da lange Zeit eine gezielte Ausblendung und Aussparung ganzer Teile der Gesellschaft erfolgte. So gab es beispielsweise in Paris eine große Zahl von Migrantinnen, welche als Prostituierte ihren Lebensunterhalt verdienen mussten, jedoch in den überlieferten Statistiken als Migrantinnen nicht aufschienen, da sie aufgrund ihrer Erwerbstätigkeit nicht in das „Gesamtpaket“ der damaligen Gesellschaft passten.48

Ein Perspektivenwechsel und folglich intensivere Wahrnehmung weiblicher Migration konnte erst in den 1980er Jahren Fuß fassen, als öffentlich bekannt wurde: „women were invisible in studies of migrancy“49.50 Die feministische Kritik hatte zur Folge, dass die bis dahin männlich dominierten Forschungsansätze einer Revision unterzogen wurden und sich eine „neue“ (feministische) Richtung mit deutlich differenten Fragestellungen und Analyseschwerpunkten herausbildete, deren Ziel es war und auch heute noch ist, historische Migrationsbewegungen von einem geschlechtsspezifischen Aspekt aus zu untersuchen und den Aspekt Geschlecht zu einem Kriterium der Untersuchungen zu gestalten.51 Daneben waren aber auch Impulse aus der englischsprachigen feministischen Forschung ausschlaggebend dafür, dass die geschlechtsspezifische Migrationsforschung einen Aufschwung verzeichnen konnte. Insbesondere das Interesse für die „Geschichte von unten“ führte dazu, dass sich auch innerhalb des europäischen Raumes eine tiefgreifende Änderung der Sichtweise hinsichtlich der Beschäftigung mit der Thematik „Migration und Geschlecht“ entfalten durfte.52

Seit es zur intensiven Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Wanderung gekommen ist, wurden viele Standpunkte und Überzeugungen einer starken Veränderung unterzogen.53

Für die Migrationsforscherin Mirjana Morokvasic-Muller stellt das Jahr 1989 beispielsweise einen großen Wendepunkt innerhalb der Migration dar. Der Zusammenbruch des kommunistischen Regimes und die damit verbundene Umgestaltung der Landkarte Europas hatten eine unvorhergesehene Mobilität von Personen zur Folge, welche zur Herausbildung von „globalen Trends der Migration“54 führten. All diese „Trends“ haben gemeinsam, dass sie nicht länger männlich dominiert sind55 und sich insbesondere dine „Feminisierung der Migration“ auszeichnen. Diese ist jedoch nicht nur auf die gestiegene Zahl weiblicher Migrantinnen zurückzuführen, sondern hängt vielmehr mit den veränderten strukturellen Bedingungen in den Herkunfts- und Zielländern zusammen.56 So führen neue (Arbeits-) Marktbedingungen, die neu erstarkten Diskurse der nationalistischen Politik in den jeweiligen Heimatländern als auch die neu erlangte Bewegungsfreiheit und Emanzipation dazu, dass sich immer mehr Frauen für Migration entscheiden.57

Im Zuge dessen wird auch erstmals bewusst wahrgenommen, dass es entgegen der bisherigen Überzeugung, dass Frauen nur in „abhängiger Migration“ auftauchen, durchaus spezifische Formen einer „eigenständiger Frauenmigration“ gibt.58 Dies ging aus Forschungsergebnissen verschiedener Studien hervor, welche sich mit Rückkehrmigration beschäftigt haben. Diese weisen eindeutig daraufhin, dass Frauen im Vergleich zu Männern im Allgemeinen seltener dazu bereit sind, in ihre Heimat zurückzukehren. Diese Tatsache bekräftigt das Argument, dass Frauen entgegen aller Klischees nicht an „Herd und Familie“ gebunden sind und auch eher dazu neigen, sich an ihrem neuen Aufenthaltsort niederzulassen und anzupassen, während Männer vielmehr die Tendenz aufweisen, gegen eine Umwelt, die ihnen als fremd und feindselig erscheint, zu rebellieren.59

Doch was ist ausschlaggebend dafür, dass sich Menschen freiwillig dazu entschließen, ihre Heimat zu verlassen? Tragen wir alle ein „Migrations-Gen“ in uns oder sind es doch eher äußere Faktoren, die uns dazu motivieren oder sogar zwingen?

2.1.4. Gründe für die Migration

Die Frage, warum Menschen sich dazu entschließen, auf Wanderschaft zu gehen, um nicht länger an einem Ort bleiben zu müssen, hat viele Forscherinnen dazu bewogen, unterschiedliche Thesen und Ansichten aufzustellen.

So führt beispielsweise Anderegg Klaus vorwiegend persönliche Gründe, wie etwa den Mangel an Ernährung, das Fehlen von Schutz und die Aussicht auf ein Vorwärtskommen im Leben als Motive an, welche Mann und Frau dazu animieren, seine/ihre Heimat zu verlassen.60

Andere Wissenschaftlerinnen, zu denen auch George Ravenstein zählt, plädieren dafür, dass es die ökonomisch-demographischen Faktoren sind, welche uns Menschen zur Migration bewegen. Das Zusammenwirken dieser beiden Umstände in der Herkunftsregion mit denen in der Zielregion wird als Push-Pull-Modell bezeichnet, welches von Everett S. Lee begründet wurde.61 Mit anderen Worten: Fühlt sich eine Person in ihrer Heimatregion aufgrund der aktuellen beruflichen Situation nicht mehr wohl, beginnt sie im Laufe der Zeit nach Alternativen (in anderen Regionen) zu suchen. Als Auslöser (= Push-Faktor) gilt in diesem Fall der Beruf. Offenbart sich nun dieser Person in einem anderen Ort beziehungsweise Land eine für sie vielversprechendere Stelle, so fungiert diese als Pull-Faktor, um die jeweilige Person zur Migration zu bewegen.62

im Zuge des Push-Pull-Modells kam es zur Herausbildung von drei Hypothesen, welche ebenfalls als Erklärung für Migrationsmotive dienlich sind: die Beschäftigungs-, Einkommens- und Informationsthese. Die Beschäftigungshypothese (job-vacancy-Hypothese) geht davon aus, dass Menschen sich aus vorwiegend beruflichen Gründen dazu entschließen, zu migrieren, um der im Herkunftsland vorherrschenden großen Zahl an Arbeitslosigkeit oder Unterbeschäftigung zu entfliehen. Damit einhergehend zeigt sich die Einkommenshypothese (income-differentials-Hypothesè), welche im Sinne von höheren Löhnen in der Zielregion als zusätzliche Motivation für viele Personen gilt. Von diesen beiden Thesen, welche vorwiegend das „Arbeitsmarktungleichgewicht“ behandeln, hebt sich die Informationshypothese (migrant-stock-Variable) insofern ab, da bei ihr nicht die beruflich-ökonomischen Gründe im Vordergrund stehen, sondern vielmehr der zwischenmenschliche Aspekt seine Anwendung findet. Freunde, Verwandte oder Familienmitglieder, welche bereits migriert sind, üben die Rolle des nötigen Pull-Faktors aus, indem sie beispielsweise Eltern, Geschwister oder andere Interessierte durch persönliche Erfahrungsberichte motivieren, ihnen zu folgen.63

Rosemarie Feithen führt in ihren Überlegungen noch eine vierte Möglichkeit an, welche Menschen ermutigt, die Möglichkeit der Migration ins Auge zu fassen.64 Sie vertritt die Überzeugung, dass nicht nur die ökonomischen Faktoren dafür ausschlaggebend sind, dass Menschen migrieren, denn wäre dies der Fall, müssten alle Menschen, die sich in der gleichen sozio-ökonomischen Lage wie die Wanderinnen befinden, sich für Migration entscheiden.65 Von dieser Sichtweise aus betrachtet ist es also durchaus nachvollziehbar, dass es vielmehr die persönlichen Beziehungen zu Verwandten oder Bekannten sind, welche in der Rolle als Vorläuferinnen bereits gewandert sind, demnach Informationen über die Zielregion liefern können und somit als entscheidende Stimuli dazu beitragen, dass sich zum Beispiel Familienmitglieder in der Heimat doch für Migration entscheiden.66

Neben Feithen kam auch Shmuel Noah Eisenstadt zu der Überzeugung, dass es primär die persönlichen Beziehungen und Kontakte sind, welche Menschen zur Migration ermutigen und ökonomische Faktoren lediglich den nötigen Anstoß hierfür geben.67 Gemäß seiner Auffassung findet Migration nämlich nur dann statt, wenn eine Gesellschaft nicht mehr in der Lage ist, die Erwartungen ihrer Mitglieder zu erfüllen. Dies führt er auf vier gesellschaftliche Bereiche welche Anlass zur Unzufriedenheit geben können, zurück.68

In Rückblick auf vergangene Jahrhunderte lässt sich weiters festhalten, dass vor allem im Zeitraum des 18. Jahrhunderts neben den sozio-ökonomischen Gründen ein ganz „zufälliger Faktor“ erheblich dazu beitrug, dass sich mehr und mehr Menschen für die Migration entschieden. Es war dies die Tätigkeit von Werbern oder durchziehenden Auswanderinnen, welche mittels Mundpropaganda einen großen Zuspruch fand. Sicherlich versuchten lokale und zentrale Behörden mittels Veröffentlichung abschreckender Berichte über das Schicksal der Ausgewanderten ihre Untertanen vom Weggang abzuhalten, doch hatten diese nur wenig Erfolg. insbesondere jene Gebiete, die im Laufe der Neuzeit mehrmals Schauplätze von kriegerischen Auseinandersetzungen wurden (wie die Pfalz, der hessische Raum, Württemberg, Bayern und Elsass-Lothringen) sorgten durch regelrechte Auswanderungswellen für großes Aufsehen.69

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch im Rahmen der deutschen Ostsiedlungsbewegung, welche an die Völkerwanderung anknüpfte und sich im 12. Jahrhundert zu einer bewusst geförderten Migration in slawisch besiedelte Gebiete entwickeln sollte. So waren es nicht nur mächtige Territorialfürsten, wie etwa Herzog Heinrich der Löwe von Sachsen oder Markgraf Albrecht der Bär von Brandenburg, welche als Initiatoren dieser Wanderung angesehen werden, auch christlich gewordene Slawenfürsten förderten die Ansiedlung deutscher Familien, da sie sich durch letztere wirtschaftliche und kulturelle Modernisierungen erhofften.70

2.1.5. Typologisierung von Migrantlnnen

Wie bereits im vorhergehenden Kapitel festgestellt wurde, hat sich Migration im Laufe der letzten Jahrhunderte zu einer dominanten Lebensform entwickelt, der sich zeitweise die Bevölkerung ganzer Landstriche bediente, um Bedrohungen in verschiedenster Form (militärische Operationen, materielle Not, etc.) auszuweichen und sich dorthin zu retten, wo das Leben jedes Einzelnen und jeder Einzelner als sicher galt. Migration, so lässt sich sagen, wurde folglich als Überlebensstrategie praktiziert, welche alle sozialen Schichten von hoch bis niedrig und alle ethnischen Bevölkerungsgruppen betraf.71

Jegliche zeitgenössischen Versuche, eine Typologisierung von Migrantlnnen zu vollziehen, orientieren sich an jenen Klassifikationen, welche von George Ravenstein in Folge seiner „Migrationsgesetzte“ formuliert wurden. Ausgehend von dem generellen Migrationsverhalten erstellte Ravenstein fünf Migrantentypen, wobei ihm die zurückgelegte Distanz der jeweiligen Person als wichtiges Unterscheidungskriterium diente.72 So differenziert er in seiner Klassifikation der Wanderer zwischen dem lokalen Wanderer (local migrant), dem Nahwanderer (short-journey migrant), dem

Etappenwanderer (migration in stages), dem Fernwanderer (long-journey migrants) und den temporären Wanderern (temporary migrants), welche trotz ihrer heterogenen Ordnung eine sehr wichtige Gruppe darstellen, da ihr Aufenthalt in der Regel zeitlich begrenzt ist (Studentinnen, Saisonarbeiterinnen, u.a.).73

Zusätzlich vollzog Ravenstein eine Unterteilung in „innovative“ und „konservative“ Migrantlnnen. Während die „konservativen“ Wanderinnen die Intention verfolgen, ihre alt eingeprägten Lebensgewohnheiten und Zustände (wie Arbeits- und Lebensbedingungen, Lebensstandard, etc.), soweit möglich, am gewählten Zielort wieder herzustellen, schließen die „innovativen“ Migrantlnnen mit dem Wechsel in ein neues Land oder neue Gesellschaft mit ihrem „alten“ Leben ab und steuern bewusst und optimistisch auf einen Neuanfang zu.74

Ingrid Oswald steht dieser Gliederung jedoch kritisch gegenüber. Sie äußert ihre Bedenken mit den Worten:

„So interessant derartige Beobachtungen sind, sie lassen sich kaum zu „Gesetzen“ verallgemeinern, die auf alle anderen (regional und zeitlich differenten) Fälle einfach zu übertragen sind. Eher beschreiben sie das konkrete Migrationssystem der britischen Industrialisierungs- und Urbanisierungsphase vor rund 120 Jahren, das man sich bildhaft vorAugenführen kann: [...] “75 und führt darüber hinaus weiter an, dass:

„[...] aber auch einige Migrationsarten [fehlen], die heute in keiner Typologie fehlen dürfen: Pendelmigration zum Beispiel, obwohl sie in der Figur des „temporären Migranten“ durchaus angelegt ist, vor allem aber die erzwungene Migration in Form von Flucht und Vertreibung. Ravensteins Gesetze sind erkennbar nur dem Fall der mehr oder Wenigerfreiwilligen Arbeitsmigration gewidmet.“76

Diese Bedenken mögen sicherlich ihre Berechtigung haben, doch sei darauf hingewiesen, dass Ravensteins Versuch einer Typologisierung der verschiedenen Migrationstypen im 19. Jahrhundert erfolgte und sich somit nicht flächendeckend mit der Migration der heutigen Zeit vereinbaren lässt.

2.2. Gedächtniskulturen

Vergessen und Erinnern - so widersprüchlich und gegensätzlich diese beiden Begriffe auf den ersten Blick auch sein mögen, so essentiell wichtig ist ihr Zusammenspiel in unserem Leben, wenn es darum geht, sich zu erinnern und folglich ein Gedächtnis aufbauen zu können. „Man muss vergessen, um sich erinnern zu können“, meint John Kotre in seinem Werk „Der Strom der Erinnerung“ und verweist damit auf die Tatsache, dass „man [...] bestimmte Dinge [einfach] vergessen [muss], damit man sich andere merken kann 77 Eine Feststellung, die durchaus zum Schmunzeln und Nachdenken anregt.

Dieses Wechselspiel von Erinnern und Vergessen hat auch die deutsche Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann dazu gebracht, sich näher mit dieser Thematik zu beschäftigen. Assmann kam dabei zu der Schlussfolgerung, dass „Erinnerungen zum Flüchtigsten und Unzuverlässigsten gehören, das es gibt. Und dennoch“, so plädiert die Kulturwissenschaftlerin einige Zeilen später, „müssen wir feststellen, dass es die Erinnerungsfähigkeit ist, die - so fragwürdig sie auch sein mag - Menschen erst zu Menschen macht. Ohne sie könnten wir kein Selbst aufbauen und nicht mit anderen als individuelle Person kommunizieren. Auch wenn sie es nicht immer sind, müssen wir unsere Erinnerungen doch für wahr halten, weil sie der Stoff sind, aus dem [...] das Bild der eigenen Identität gemacht ist.“78

Die Frage nach dem Grund, warum Menschen ein Gedächtnis besitzen und sich in weiterer Folge erinnern können, hat Forscherinnen seit jeher beschäftigt. Dennoch lässt sich insbesondere in den letzten Jahrzehnten ein permanent steigendes Interesse am Erforschen dieses Bereichs verzeichnen, welches dazu führte, dass sich mittlerweile viele Wissenschaftlerinnen aus verschiedenen Bereichen dem Phänomen „Gedächtnis & Erinnerung“ zugewendet haben.76 Die Beweggründe hierfür sind durchaus vielfältig. So

lassen sich historische, politische und gesellschaftliche Motive unterscheiden, zu denen sich noch eine vierte Gruppe, nämlich der technologische Bereich, hinzugesellt.80

Die intensive Beschäftigung mit dem Gedächtnis hat Forscherinnen einerseits dazu geführt, Thesen zu bilden, um die Frage nach dem Zweck von Erinnerungen beantworten zu können, andererseits aber auch verschiedenste Diskussionen ausgelöst, die sich mit den unterschiedlichen Formen des Gedächtnisses befassen.81 Beide Aspekte sollen im Folgenden näher ausgeführt und beschrieben werden.

2.2.1. Warum erinnern wir uns?

Wendet man sich der Frage zu, welchen Sinn unsere Erinnerungen und folglich unser Gedächtnis erfüllen, so lassen sich diesbezüglich verschiedene Meinungen anführen.

Günter Lottes ist beispielsweise der Ansicht, dass Erinnerungen dazu dienen, einen bewusst gelenkten kathartischen Akt des „Sich Befreiens“ vollziehen zu können. Lottes meint, dass wir Menschen generell dazu neigen, gewisse Ereignisse aus unserer Vergangenheit in unserem Gedächtnis zu verdrängen, da sie zu schmerzhaft oder als traumatisch empfunden wurden und unser Leben dementsprechend belasten. indem wir uns nun aber dazu entschließen, diese Erinnerungen bewusst in unser Gedächtnis zu transportieren und uns in weiterer Folge damit auseinanderzusetzen, ist es möglich, jene zu neutralisieren. Dies bedeutet, dass der Gedanke an die jeweiligen Erlebnisse zwar noch immer in unserem Gedächtnis vorhanden ist und in Form von Erinnerungen jederzeit wieder auftreten kann, uns aber emotional nicht mehr berührt.82 Dem Prozess der Erinnerung ist folglich eine psychologische Funktion beizumessen, die uns dazu verhelfen soll, ein seelisch-emotionales Gleichgewicht im Leben zu erlangen.

Eine andere Sichtweise betreffend den Zweck von Erinnerungen vertritt John Kotre, der zwischen drei verschiedenen Aufgaben unterscheidet, die unser Gedächtnis zu erfüllen hat. Er bezeichnet jene als „instrumenteile“ und „transmissive“ Funktion beziehungsweise „Lebensrevision“.83

Instrumenteil sind, so Kotre, unsere Erinnerungen dahingehend, da sie uns Menschen bewusst werden lassen, wie wir bestimmte Probleme in der Vergangenheit bewältigt oder gewisse Ziele erreicht haben. Sie dienen uns daher zu einem gewissen Maße als Motivationsfaktor für gegenwärtig anstehende Aufgaben oder Vorhaben, können aber auch dazu benutzt werden, um unsere eigene Kompetenz und den Glauben an unsere Fähigkeiten in der Gegenwart zu bestätigen. Die „transmissive“ Funktion der Erinnerung dient einem anderen Zweck. Sie verhilft uns Menschen dazu, dass wir anderen unser eigenes kulturelles Erbe oder unsere eigenen Lebenserfahrungen vermitteln können und wir somit in gewisser Weise eine „Lehrtätigkeit“ auf unsere Zeitgenossen ausüben. Die Veranschaulichung von Werten einer vergangenen Epoche als auch das Bewusstmachen von Ereignissen aus der Vergangenheit ist ebenfalls Bestandteil dieser Funktion. Die dritte und zugleich wichtigste Funktion des Gedächtnisses zielt jedoch weniger auf äußere Veränderungen ab, sondern vielmehr auf den inneren Prozess. Als Produkt einer „Lebensrevision“ dienen Erinnerungen dazu, unser Leben Revue passieren zu lassen, um in einer Art Rückschau uns selbst bewusst zu machen, dass gewisse Entscheidungen, die wir im Laufe unseres Lebens treffen mussten, ihre Richtigkeit hatten. Diese Funktion setzt für gewöhnlich im späteren Erwachsenenalter ein und verhilft den Menschen, sich mit bestimmten Erinnerungen und Konflikten aus der Vergangenheit zu versöhnen.84

2.2.2. Formen des Gedächtnisses

Seit geraumer Zeit beschäftigen sich Vertreterinnen aus den verschiedensten Disziplinen mit Phänomenen der Erinnerung und des Gedächtnisses. Ihre Ergebnisse haben unterschiedliche Sichtweisen und Überzeugungen hervor gebracht, die auch in der gegenwärtigen Gesellschaft für Diskussionsstoff sorgen. Eine Gemeinsamkeit istjedoch die Tatsache, dass zwischen zwei grundlegenden Formen des Gedächtnisses unterschieden werden kann: Das individuelle (autobiographische) Gedächtnis zum Einen und das kollektive Gedächtnis zum Anderen.85

2.2.2.1. Das autobiographische Gedächtnis

Das autobiographische Gedächtnis zeichnet sich dadurch aus, dass es sich um eine spezifisch menschliche Gedächtnisform handelt, welches sich im Laufe der ersten Lebensjahre herausbildet. Kennzeichnend für diese Form des Gedächtnisses ist, dass es im Rahmen einer gemeinsamen Kultur und Gruppe entsteht, zu der wir uns zugehörig fühlen. Es ist demzufolge als Teil unseres gemeinsamen kulturellen Erbes in seiner Entwicklung abhängig von sozialen Beziehungen und sprachlichen Praktiken, wodurch es je nach Kultur und Individuum, zu der derjeweilige Mensch gehört, unterschiedlich stark86 ausprägt ist.87

Bestimmend für das autobiographische Gedächtnis sind Katherine Nelson zufolge drei zeitliche Dimensionen. Die erste Dimension geht davon aus, dass erinnerte Erlebnisse chronologisch gespeichert sind. Dies bedeutet, dass beispielsweise bereits kleine Kinder sensibel auf die Abfolge von bestimmten Ritualen reagieren und diese gegebenenfalls korrigieren, wenn gewisse Abfolgen nicht eingehalten oder schlichtweg ausgelassen werden. Die zweite Dimension besagt, dass sich eine Erinnerung an einem bestimmten Punkt in der Vergangenheit lokalisieren lässt. Dies stellt insbesondere für Kinder eine schier unlösbare Aufgabe dar, da sie die Vergangenheit und Zukunft zwar als Zeitraum verstehen, zugleich aber noch nicht in der Lage sind, diese Zeitebenen miteinander in Verbindung zu bringen. Die dritte Dimension von Zeit steht für die eigene Lebensgeschichte, die wir als solche wahrnehmen können. Das bedeutet, dass wir sprachlich sowie sozial in der Lage sind, unsere eigene Lebensgeschichte von der Sozial- und Kulturgeschichte zu unterscheiden, aber auch eine Verbindung zwischen beiden herstellen zu können.88

Auch Aleida Assmann beschäftigt sich mit dem autobiographischen Gedächtnis und kommt zu der Schlussfolgerung, dass dieses in zwei Modi aufgesplittert werden kann. Sie verwendet hierfür die Bezeichnung des „Ich-Gedächtnis“ und des „Mich-Gedächtnis“ und vertritt damit die Vorstellung, dass wir Menschen den Erinnerungsprozess in einer aktiven als auch passiven Form vollziehen können.90 Diese Ansicht wird von Günter Lottes, der sich im Zuge seiner Forschungen auch mit dem sprachwissenschaftlichen Bereich befasst hat, insofern geteilt, da seiner Meinung nach das Verb „erinnern“ im deutschen Sprachgebrauch eine transitive als auch intransitive Funktion beinhaltet. Der intransitive Gebrauch besagt, so Lottes, dass die Tätigkeit des Erinnerns ein auf das Individuum bezogener Akt ist. Diese Leistung setzt ein Subjekt voraus und hat vergangene Erfahrungen, Wahrnehmungen und Wissen zum Gegenstand.91 Demzufolge äußert sich das Ich-Gedächtnis durch eine verbale und deklarative Aussage, die von der jeweiligen Person aktiv und gewollt geäußert wird, während das Mich-Gedächtnis eher flüchtig und diffus in Erscheinung tritt und durch äußere unwillkürliche Einflüsse wie Objekte, Bilder und Worte beeinflusst wird.91

In diesem Zusammenhang spricht Aleida Assmann auch von zwei Hälften, die, bildlich gesprochen, unsere Erinnerungen symbolisieren. Während sich die eine Hälfte in uns befindet, ist die andere in Form eines Objektes, Ortes oder Menschen in der uns umgebenden Welt manifestiert. Unser Gedächtnis wird demzufolge immer dann aktiviert, wenn es uns gelingt, das jeweils fehlende externe Stück mit unserer leiblichen Hälfte zu vereinen. Ein Vorgang, den Assmann als „somatisches Gedächtnis“ bezeichnet und weder überprüfbar noch kontrollierbar ist. Der Mensch fungiert somit nicht als Agens, der diesen Prozess willentlich steuern kann, sondern als Medium und ist gezwungen zu warten, bis er oder sie den „Zugangscode“ zu seiner Erinnerung findet.92

Eine besondere Form innerhalb autobiographischen Gedächtnisses stellen die so genannten „flashbulb memories“93 dar, welche im deutschen Sprachraum auch unter dem Begriff „Blitzlicht“-Erinnerungen bekannt sind. Gemeint sind damit wichtige historische Ereignisse, die von Zeitzeuginnen mit einer großen Detailgenauigkeit geschildert werden können und in der Regel zu einem Wendepunkt in ihrem persönlichen Lebens geführt haben.94

Das autobiographische Gedächtnis, so kann an dieser Stelle festgehalten werden, umfasst also mehr als jene Erinnerungen, die wir durch das eigene Erleben gewonnen haben. Unser Gedächtnis entwickelt sich durch einen kommunikativen und sozialen Austausch mit unseren Mitmenschen95, welcher insbesondere durch die Teilnahme an bestimmten Riten, Festlichkeiten und anderen kulturellen Ereignissen gefördert wird. Es ist somit ersichtlich, dass sich das autobiographische Gedächtnis in einem wechselseitigen Verhältnis zum kollektiven Gedächtnis befindet.96

2.2.2.2. Das kollektive Gedächtnis

Aleida Assmann beschäftigt sich in ihrem Werk „Der lange Schatten der Vergangenheit‘ neben der autobiographischen Form der Erinnerung auch mit dem kollektiven Gedächtnis und kommt zur Erkenntnis, dass

„Jedes „Ich“ [...] mit einem „Wir“ [verknüpft ist], von dem es wichtige Grundlagen seiner eigenen Identität bezieht. [...] Der Eintritt in diese Wir-Gruppen erfolgt zum Teil unwillkürlich [...] wie im Falle der Familie, der Generation, der Ethnie oder auch der Nation, in die wir hineingeboren werden.“97

Assmann verweist damit auf die Tatsache, dass ein kollektives Gedächtnis nur dann entstehen kann, wenn das jeweilige Individuum die Entscheidung trifft, sich in einer Gruppe mit anderen, der „Wir-Gruppe“, auszutauschen. Hierbei stützt sie sich auf die zentrale These des französischen Soziologen Maurice Halbwachs. Halbwachs gilt zusammen mit dem Kunst- und Kulturhistoriker Aby Warburg als „Erfinder“ des kollektiven Gedächtnisses. Er beschäftigte sich in den 1920er Jahren intensiv mit dem Phänomen des Gedächtnisses und der Erinnerung. Seine Forschungsergebnisse diesbezüglich veröffentlichte er in den Werken „Les cadres sociaux de la mémoire“ (Das Gedächtnis und seine soziale Bedingungen) und „La mémoire collective “98 (Das kollektive Gedächtnis), in denen er das zentrale Anliegen vertrat, dass die soziale Bedingtheit als Voraussetzung für den Erinnerungsprozess gilt. Er wandte sich somit gegen die gängigen Gedächtnistheorien seiner Zeitgenossen, welche Erinnerung als einen rein individuellen Vorgang verstanden, der ohne den Austausch mit anderen Personen stattfindet.99

Maurice Halbwachs war der Ansicht, dass der Mensch gemäß der aristotelischen Auffassung ein soziales Wesen darstelle, welches erst durch den Rückgriff auf soziale Bezugsrahmen (cadres sociaux) in der Lage sei, ein autobiographisches Gedächtnis zu entwickeln.100 Mit anderen Worten ausgedrückt könnte also ein Mensch, der jeglichen sozialen Kontakt meidet und sein Leben in absoluter Einsamkeit verbringt, keine einzige Erinnerung besitzen, weil diese erst durch den sprachlichen Austausch mit den Mitmenschen aufgebaut und gefestigt wird.101 Dies gilt zudem als Beweis, dass das autobiographische und das kollektive Gedächtnis miteinander verbunden sind und sich gegenseitig ergänzen.102

Damit ein kollektives Gedächtnis entstehen kann sind gewisse Aspekte notwendig, die von Angela Keppler als Kristallisationspunkte bezeichnet werden. Sie dienen als Manifestationsobjekte, an denen sich das kollektive Gedächtnis in Form einer Erinnerung heften kann und somit der Gesellschaft dazu verhilft, bestimmte historische Ereignisse nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Als Beispiele hierfür führt Keppler Daten und Feste, Namen, Symbole, Monumente und Gegenstände des Alltags an, welche in Form eines wiederkehrenden Rhythmus auf die jeweilige Generation eine erinnernde Funktion ausüben. Daneben tragen auch Medien, wie Bücher und Filme, in großem Maß dazu bei, dass ein kollektives Gedächtnis entstehen kann.103

Auch der deutsche Kulturwissenschaftler Jan Assmann hat sich im Rahmen seiner Forschungen intensiv mit der Existenz und Ausprägung des kollektiven Gedächtnisses befasst und kam in weiterer Folge zu der Ansicht, dass eine Unterteilung dieses Begriffs vonnöten ist, da sich das kollektive Gedächtnis zwei verschiedener Formen bedient, um Ausdruck zu erlangen: Es ist dies die Verwendung symbolischer Objekte zum einen und die Alltagskommunikation zum anderen, wodurch eine Unterscheidung zwischen einem kulturellen104 und einem kommunikativen105 Gedächtnisrahmen vollzogen werden sollte.106

2.3. Biographieforschung

Das Erforschen und Schreiben von Biographien ist in der heutigen Zeit von großem Interesse107 oder um es mit den Worten des Historikers Jacques Le Goff zu benennen: „Il paraît que récemment la biographie est devenue très à la mode...“108.109

Wohin man seine Aufmerksamkeit auch richten mag, Biographie oder - einfach ausgedrückt - das Leben verfolgt uns immer und überall. Sei es in Form von Büchern, in denen „einfache“ Menschen uns Einblick in deren Lebensverlauf gewähren, sich demnach ihre Vergangenheit „von der Seele“ schreiben, um in weiterer Folge den Prozess einer inneren Katharsis zu vollziehen, oder durch visuelle Medien wie beispielsweise Filme und Dokumentationen, welche insbesondere durch den audio-visuellen Zugang die seelisch-emotionale Ebene bei den Zuhörerinnen ansprechen. All diesen Techniken ist eines gemein: Es geht darum, sein ICH und folglich sein Ego der Welt zu offenbaren und Einblick zu gewähren in die Lebenswelt, die uns als Individuen ausmacht und prägt.

Dieses „Mitteilungsbedürfnis“, sein Leben der breiten Masse der Bevölkerung öffentlich zugänglich zu machen, hatte zur Folge, dass sich im Laufe der Zeit verschiedenste Disziplinen mit der Erforschung von Biographien beschäftigt haben. Und dennoch: So unterschiedlich und zugleich individuell sich die Biographien einzelner Menschen darstellen, so schwierig gestaltet es sich, die Biographieforschung als Forschungsgegenstand einer einzelnen Teildisziplin zuzuordnen, sodass man sagen könnte, dass die „historischen Wurzeln“ der biographischen Forschung einen geradezu vielfältigen „Familienstammbaum“aufweisen.110 Welche Disziplinen interessieren und beschäftigen sich aber im Wesentlichen mit dem (Er-)Forschen von Biographien? Diese Frage zu beantworten ist bei weitem kein leichtes Unterfangen. So lassen sich als erste Gruppe, welche sich der Biographieforschung bedient, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen der Volkskunde anführen. Diese betreiben biographische Forschung mit der Intention, herausragende Persönlichkeiten innerhalb einer bestimmen Volksgruppe herauszugreifen und in weiterer Folge zu beschreiben.111 Diese Art der Forschung mag zwar durchaus seinen Zweck haben, wenn es darum geht, Heldentaten von einst für die Nachwelt aufzubereiten, doch ist hier die Gefahr inhärent, dass sich die Geschichte zu sehr an den „Taten großer Männer“ orientiert und das Leben „einfacher Menschen“ schlichtweg vergessen oder verdrängt wird.

Neben der Volkskunde genießt die Biographieforschung auch innerhalb der Psychoanalyse großes Ansehen. Seit jeher vertreten Psychoanalytikerinnen den Standpunkt, dass das Erforschen von Biographien auf den „Urvater“ der Psychoanalyse, Sigmund Freud, zurückzuführen sei und bekräftigen diese Überzeugung durch die Aussage, dassjeder Mensch Eigentümerin eines besonderen Lebensdramas ist und folglich jede Person eine individuelle Biographie besitzt.112

Als dritte Gruppe, welche sich mit der biographischen Forschung beschäftigt, gelten die Sozialwissenschafterinnen. Diese vertreten die These, dass die „Geburtsstunde“ der Biographieforschung auf zwei bedeutende Soziologen, Thomas und Znaniecki, zurückgeht, welche sich mit dem Lebensverlauf polnischer Bauern auseinandergesetzt und deren Forschungsergebnisse 1918 publiziert hatten.113 Polen hob sich für die beiden Soziologen insofern als Forschungsfeld hervor, da das Schreiben von Tagebüchern in diesem Land auf eine lange Tradition zurückblickt und somit eine ideale Möglichkeit darstellte, einen Einblick in das Leben „einfacher Menschen“ erlangen zu dürfen.114

2.3.1. Kritische Auseinandersetzungen

Seitdem der Versuch unternommen wird, die Biographieforschung als Forschungsgegenstand mehrerer Wissenschaften zu etablieren, musste sie sich mit vielerlei an Kritik auseinandersetzen. So lautet der wohl gängigste Tadel an Vertreterinnen der Volkskunde, Psychoanalyse als auch Soziologie, dass diese zwar gewissenhaft danach streben, das Wesen Mensch im Kontext seiner Lebensweise zu erforschen, doch allesamt den gleichen Fehler begehen, den Fokus ihres jeweiligen Forschungsschwerpunktes auf bestimmte Episoden oder Abschnitte einer Person zu lenken.115 So neigen beispielsweise Psychoanalytikerinnen dazu, nur die frühe Kindheit einer Person zu analysieren, während Soziologinnen sich auf einen bestimmten Lebensbereich eines Menschen fixieren und Volkskundlerinnen die Tendenz haben, berühmte Persönlichkeiten ins Rampenlicht zu stellen. Viel wichtiger, so Heinz Bude, wäre es, den Blick auf das ganze Leben einer Person zu lenken116, da nur so ein ganzheitliches Verständnis der Lebensgeschichte eines Menschen möglich ist.

Eine andere Frage, die immer wieder zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der Biographieforschung führt, ist jene, ob das Erforschen von Biographien, welche sich zweifellos in einem historischen Kontext abspielen, nicht doch eher in den Zuständigkeitsbereich der Geschichtswissenschaft fällt. Der britische Historiker Alan Taylor plädiert beispielsweise in seinem Aufsatz „The historian as biographer“117 für ein „Nein“ und bekräftigt eine generelle Unterscheidung zwischen Historikerin und Biographin. Seiner Auffassung zufolge lässt sich die Geschichtswissenschaft nicht mit der Biographieforschung kombinieren, da Historikerinnen es in der Regel gewöhnt sind, sich den „Daten und Fakten“ zu widmen, während Biographinnen dahingehend geschult sind, sehr viel mehr Wert und Präzision auf das einzelne individuum zu legen.118 Eine Sichtweise, die auch von anderen Forschern wie beispielsweise Richard Foster bestätigt wird. Er plädiert für Empathie und Einfühlungsvermögen, wenn es darum geht, sich mit der (Er-) Forschung von Biographien und Lebensgeschichten „einfacher Leute“ zu beschäftigen.119 Historikerinnen, so scheint es, verfügen demnach nicht über das nötige Feingefühl, um sich mit „lebenden Quellen“ ernsthaft und seriös auseinandersetzen zu können. Betrachtet man die Biographieforschung jedoch von einem anderen Blickwinkel, so gelangt man zujener Schlussfolgerung, dass die biographische Forschung weit mehr mit der Geschichtswissenschaf t verbindet, als diese auf den ersten Blick vermuten lässt. Die Annahme, dass das Erforschen von Lebensverläufen einzelner Menschen ohne jegliche Hilfe anderer Disziplinen auskommt, ist gänzlich falsch. So ist es durchaus keine Seltenheit, dass eine Zusammenarbeit von verschiedenen Disziplinen vonnöten ist, um eine neutrale Darstellung und Interpretation individueller Lebensgeschichten zu erlangen. Zwar mögen Sozialwissenschaf t lerinnen oder Psychoanalytikerinnen mehr berufliche Praxis aufweisen, wenn es darum geht, mit Menschen „als Quelle“ zu arbeiten, doch sind die historischen Kenntnisse von Historikerinnen unumgänglich, um beispielsweise gesellschaf t spolitisch wichtige Ereignisse aus Sicht „einfacher Menschen“ richtig verstehen und interpretieren zu können.120

Neben der vieldiskutierten Frage, welche Teildisziplin sich am besten dafür eigne, biographische Forschung zu betreiben, wurde auch vielfach darüber debattiert, ob sich Lebensgeschichten generell als Datenmaterial für wissenschaftliches Forschen eignen.121 Kritikerinnen vertreten diesbezüglich die Meinung, dass es zwar interessant und zugleich spannend sein möge, den Erzählungen von Zeitzeuginnen zu lauschen, doch fördert „biographisches Material“ primär „individuelle Geschichten“122 zu Tage. Es ist durchaus verständlich, dass jede Biographie anders ist und eine einzigartige, individuelle Vermengung von Erlebnissen, Erfahrungen und Reflexionen darstellt.123 Dies hat einerseits den Vorteil, dass eine Abwendung der kollektiven Sichtweise erfolgt und somit dem „einfachen Volk“ eine Stimme zuteil wird, doch liegt gerade hierin die Gefahr, dass die Lebensgeschichte eines „einfachen Menschen“ zwangsläufig „geadelt“ wird und man folglich vor einem neuen

Problem steht: Wie viel Prozent der Erzählungen sind wahr und was wurde mitunter nur erfunden?124

2.3.2. Perspektivenwechsel

Wendet man sich der gegenwärtigen Entwicklung der Biographieforschung zu, so lässt sich mitunter feststellen, dass innerhalb der letzten Jahre eine Ausweitung des Begriffs und der Themenfelder zu verzeichnen ist. Zum einen lässt sich feststellen, dass die primäre Intention der biographischen Forschung, (Auto-) Biographien „großer Männer“ und Herrscher an das Volk zu bringen, zunehmend in den Hintergrund gerückt ist und insbesondere seit Beginn der neueren Frauenbewegung in den späten 1960er Jahren eine Existenz „weiblicher Biographie“ vermehrt in den Vordergrund getreten ist.126 Dies wurde insofern gefördert, da Frauen den Mut fanden, im öffentlichen Rahmen ihre Bedürfnisse und Ängste zu artikulieren, aber auch aktiv begannen, „die Geschichte der Frauen, die Art und Weise, wie Frauen ihre Situation erleben und analysieren, wie sie Unterdrückung wahrnehmen und erklären, Formen und Strategien ihresjahrtausendealten Widerstandes“126, aufzugreifen.127

Daneben hielt aber auch ein anderes Themengebiet, welches bis dato nicht mit Biographie an sich in Zusammenhang gebracht wurde, Einzug in die „neuere“ Biographieforschung. Dennoch übt es einen großen Einfluss dahingehend aus, in welchem Maße wir in Interaktion mit dem Leben treten, nämlich die Sprache.

Rita Franceschini äußert sich hierzu mit folgenden Worten:

„Die Biographieforschung hat seit ihrer starken Verbreitung in den modernen Sozialwissenschaften seit den achtziger Jahren zahlreiche Themen bearbeitet: [...]

[...]


1 Vgl. SCHINDLER, Peter: Heimatchronik der zwei deutschen Kolonien Windthorst und Adolfstal (Rudolfstal) in Bosnien (Jugoslawien). Hamburg, o.J., p. 1.Im Folgenden zitiert als: SCHINDLER: Heimatchronik, p. xy.

2 Vgl.ebda,p.1.

3 Das unbekannte Land namens Bosnien 44 Die Geschichte des Landes bis zur Okkupation 1878.. 45 Bosnien unter der Herrschaft der Habsburgermonarchie (1878 - 1914)... 46 Das Königreich jugoslawien (1918 - 1941).. 49

3 Vgl. BADE, Klaus: Einführung: Das Eigene und das Fremde - Grenzerfahrungen in Geschichte und Gegenwart. In: BADE, Klaus: Deutsche im Ausland - Fremde in Deutschland: Migration in Geschichte und Gegenwart. München, 1993, p. 15-28, hier: p. 15. Im Folgenden zitiert als: BADE: Einführung: Das Eigene und das Fremde, p. xy.

4 Vgl. BEER, Mathias: Die „trockene Auswanderung“. Eine thematische und forschungsgeschichtliche Einordnung. In: Beer, Mathias / Dahlmann, Dittmar (Hgg.): Migration nach Ost- und Südeuropa vom 18. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Stuttgart, 1999, p. 9-24, hier: p. 9. Im Folgenden zitiert als: Beer, Mathias: Die „trockeneAuswanderung“, p. xy.

5 Vgl. ebda, p. 9.

6 Vgl. OSWALD, Ingrid: Migrationssoziologie. Konstanz, 2007, p. 9. Im Folgenden zitiert als: OSWALD: Migrationssoziologie, p. xy.

7 Vgl. Treibel, Annette: Migration in modernen Gesellschaften. Soziale Folgen von Einwanderung, Gastarbeit und Flucht. München, 1990, p. 11. Im Folgenden zitiert als: TREIBEL: Migration in modernen Gesellschaften, p. xy.

8 Vgl. BEER: Die „trockeneAuswanderung“, p. 10.

9 Vgl. OSWALD: Migrationssoziologie, p. 13.

10 Vgl. TREIBEL: Migration in modernen Gesellschaften, p. 11.

11 Vgl. OSWALD: Migrationssoziologie, p. 14f.

12 Vgl. ebda, p. 17f.

13 Vgl. TREIBEL, Anette: Migration in modernen Gesellschaften, p. 17.

14 Vgl. HAHN, Silvia: Migration - Arbeit - Geschlecht: Arbeitsmigration in Mitteleuropa vom 17. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. In: HAHN, Sylvia / HARZIG, Christiane / HOERDER, Dirk: Transkulturelle Perspektiven 5. Göttingen, 2008, p. 31f. Im Folgenden zitiert als: Hahn: Migration - Arbeit - Geschlecht, p.xy.

15 Vgl. TREIBEL: Migration in modernen Gesellschaften, p. 23.

16 Vgl. ebda, p. 24.

17 Vgl. HAHN: Migration - Arbeit - Geschlecht, p. 42.

18 Vgl. ebda, p. 42.

19 Vgl. SCHMOLLER, Gustav: Grundriß der Allgemeinen Volkswirtschaft. Erster Theil. Leipzig, 1908, p. 178. Zitiert nach: HAHN: Migration - Arbeit - Geschlecht, p. 42. Im Folgenden zitiert als: SCHMOLLER: Grundriß der Allgemeinen Volkswirtschaft, p. xy.

20 Vgl. SCHMOLLER: Grundriß der Allgemeinen Volkswirtschaft, p. 178. Zitiert nach: HAHN: Migration - Arbeit - Geschlecht, p. 42.

21 Vgl. SCHMOLLER: Grundriß der Allgemeinen Volkswirtschaft, p. 178. Zitiert nach: HAHN: Migration - Arbeit - Geschlecht, p. 42.

22 Vgl. SCHMOLLER: Grundriß der Allgemeinen Volkswirtschaft, p. 178. Zitiert nach: HAHN: Migration - Arbeit - Geschlecht, p. 42.

23 Vgl. SCHMOLLER: Grundriß der Allgemeinen Volkswirtschaft, p. 178. Zitiert nach: HAHN: Migration - Arbeit - Geschlecht, p. 42.

24 Vgl. HAHN: Migration — Arbeit — Geschlecht, p. 42.

25 Vgl. BADE, Klaus et al.: Enzyklopädie: Migration in Europa vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Wien et al., 2007, p. 15.

26 Vgl. HAHN, Sylvia: WieFrauen in derMigrationsgeschichte verloren gingen, p. 77-96, hier: p. 77. In: HUSA, Karl / Parnreiter, Christoph / Stacher, Irene (Hgg.): Internationale Migration. Die globale Herausforderung des 21. Jahrhunderts? Frankfurt/Main, 2000. Im Folgenden zitiert als: HAHN: Wie Frauen in der Migrationsgeschichte verloren gingen, p. xy.

27 Vgl. Apitzsch, Ursula: Einleitung, p. 7-19, hier: p. 7. In: APITZSCH, Ursula / JANSEN, Mechthild M. (Hgg.): Migration, Biographie und Geschlechterverhältnisse. Münster, 2003. Im Folgenden zitiert als: Apitzsch: Einleitung, p. xy.

28 Vgl. OSWALD: Migrationssoziologie, p. 38.

29 Vgl. AUFHAUSER, Elisabeth: Migration und Geschlecht: Zur Konstruktion und Rekonstruktion von Weiblichkeit und Männlichkeit in der internationalen Migration, p. 97-122, hier: p. 97. In: HUSA, Karl / Parnreiter, Christoph / Stacher, Irene (Hgg.): Internationale Migration. Die globale Herausforderung des 21. Jahrhunderts? Frankfurt/Main, 2000. Im Folgenden zitiert als: AUFHAUSER: Migration und Geschlecht, p.xy.

30 Vgl. HESS, Sabine: Globalisierte Hausarbeit. Au-pair als Migrationsstrategie von Frauen aus Osteurpa (— Geschlecht und Gesellschaft, Bd. 38). Wiesbaden, 2005, p. 128. Im Folgenden zitiert als: HESS: Globalisierte Hausarbeit, p. xy.

31 Vgl. AUFHAUSER, Elisabeth: Migration und Geschlecht, p. 97.

32 Vgl. LUTZ, Helma: Gender Mobil? Geschlecht und Migration in transnationale Räumen (— Schriftenreihe der Sektion Frauen- und Geschlechterforschung in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, Bd. 26). Münster, 2009, p. 28. Im Folgenden zitiert als: Lutz: Gender Mobil? p. xy.

33 Vgl. AUFHAUSER, Elisabeth: Migration und Geschlecht: Zur Konstruktion und Rekonstruktion von Weiblichkeit und Männlichkeit in der internationalen Migration, p. 97-122, hier: p. 97. In: HUSA, Karl / Parnreiter, Christoph / Stacher, Irene (Hgg.): Internationale Migration. Die globale Herausforderung des 21. Jahrhunderts? Frankfurt/Main, 2000. Im Folgenden zitiert als: AUFHAUSER: Migration und Geschlecht, p. xy.

34 Vgl. HAHN: Migration — Arbeit — Geschlecht, p. 85.

35 Vgl. HAHN: WieFrauen in der Migrationsgeschichte verloren gingen, p. 80.

36 Vgl. Statstik 1854, p. 63. Zitiertnach: Hahn: Migration — Arbeit — Geschlecht, p. 85.

37 Vgl. HAHN: Migration — Arbeit — Geschlecht, p. 85.

38 Vgl. SCHIMMER, Gustav Adolf: Bevölkerung der im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder. Auf Grundlage der Zählung vom 31. Dezember 1869. In: K. K. STATISTISCHE CENTRAL-COMMISSION (Hg.): Bevölkerung und Viehstand der im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder nach der Zählung vom 31. Dezember 1869 (= Erläuterungen zu den Bevölkerungsergebnissen mit 4 Karten, Heft 5). Wien, 1872, p. V-XIV, hier: p. 70. Zitiert nach: Hahn: Migration - Arbeit - Geschlecht, p. 85. Im Folgenden zitiert als: SCHIMMER: Bevölkerung der im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder, p. xy. Zitiert nach: HAHN: Migration - Arbeit - Geschlecht, p. xy.

39 Vgl. SCHIMMER: Bevölkerung der im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder, p. xy. Zitiert nach: HAHN: Migration -Arbeit- Geschlecht, p. 86.

40 Vgl. HAHN: Migration - Arbeit - Geschlecht, p. 86.

41 Vgl. RAVENSTEIN, Ernest George: The Laws of Migration. In: JOURNAL OFT HE STATISTICAL SOCIETY (Part 1). 1885, p. 167-235, hier: p. 196. Zitiertnach: HAHN: Migration - Arbeit - Geschlecht, p. 87.

42 Vgl. HAHN: Migration - Arbeit - Geschlecht, p. 87.

43 Vgl. HAHN: Wie Frauen in der Migrationsgeschichte verloren gingen, p. 83.

44 Vgl. HAHN: Migration - Arbeit - Geschlecht, p. 88.

45 Vgl. LÖWE: Deutsche Migration, p. 341.

46 Vgl. KNIGHTS, Peter R. / ThernSTROM, Stephan: Men in Motion: Some Data and Speculations about Urban Population Mobility in Nineteenth-Century America. In: HAREVAN, Tamara K. (Hg.): Anonymous Americans: Explorations in Nineteenth-Century Social History. New York, 1971, p. 17-47. Zitiert nach: HAHN: Migration -Arbeit- Geschlecht, p. 92.

47 Vgl. ebda, p. 92.

48 Vgl. HAHN: WieFrauen in der Migrationsgeschichte verloren gingen, p. 79.

49 Vgl. BUIJS, Gina: Migrant Women. Crossing Boundaries and Changing Identities. Oxford-Providence, 1993, p. 1. Zitiert nach: HAHN: Wie Frauen in der Migrationsgeschichteverlorengingen, p. 77.

50 Vgl. HAHN: WieFrauen in der Migrationsgeschichte verloren gingen, p. 77.

51 Vgl. HAHN: Migration - Arbeit - Geschlecht, p. 95.

52 Vgl. OSWALD: Migrationssoziologie, p.41.

53 Vgl. Do MAR CASTRO VARELA, María: Zur Skandalisierung und Re-Politisierung eines bekannten Themas: „Migrantinnen auf dem Arbeitsmarkt“, p. 8-30, hier: 11. In: Do MAR CASTRO VARELA, Maria / CLAYTON, Dimitria (Hgg.): Migration, Gender, Arbeitsmarkt. Neue Beiträge zu Frauen und Globalisierung. Königstein/Taunus, 2003.

54 Mirjana Morokvasic-Muller unterscheidet zwischen einer dauerhaften Migration, zu der insbesondere die Familienmigration gehört; der transnationalen Arbeitsmigration, welche seit den 1980er Jahren einen starken Anstieg verzeichnet und zu der die Pendelmigration gehört; weiters die erzwungene (Flucht und Vertreibung) sowie die nichtdokumentierte Migration, sprich Menschenhandel. Vgl. MOROKVASIC: Gender- Dimensionen der postkommunistischen Migration in Europa, p. 143-171, hier: p. 151-164. In: APITZSCH, Ursula / Jansen, Mechthild M. (Hgg.): Migration, Biographie und Geschlechterverhältnisse. Münster, 2003. Im Folgenden zitiert als: MOROKVASIC: Gender-Dimensionen, p. xy.

55 Vgl. ebda, p. 143.

56 Vgl. HESS: GlobalisierteHausarbeit, p. 133.

57 Vgl. MOROKVASIC: Gender-Dimensionen, p. 143.

58 Vgl. AUFHAUSER: Migration und Geschlecht, p. 98.

59 Vgl. Lutz: Gender Mobil? p. 32.

60 Vgl. ANDEREGG: Menschen in Bewegung: Reise, Migration, Flucht. Basel, 1990, p. 8. Im Folgenden zitiert als: ANDEREGG: Menschen in Bewegung, p. xy.

61 Vgl. Lee, Everett S.: Eine Theorie der Wanderung. In: Szell, S., 1972, p. 115-129. Zitiert nach: TREIBEL: Migration in modernen Gesellschaften, p. 29.

62 Vgl. TREIBEL: Migration in modernen Gesellschaften, p. 29.

63 Vgl. ebda, p. 29f.

64 Vgl. FEITHEN, Rosemarie: Arbeitskräftewanderungen in der Europäischen Gemeinschaft. Bestimmungsgründe und regionalpolitische Implikationen. Frankfurt/Main u.a., 1985, p. 2. Zitiert nach: Treibel: Migration in modernen Gesellschaften, p. 30. Im Folgenden zitiert als: FEITHEN: Arbeitskräftewanderungen, p. xy.

65 Vgl. FEITHEN: Arbeitskräftewanderungen, p. 2. Zitiert nach: TREIBEL: Migration in modernen Gesellschaften, p.30.

66 Vgl. TREIBEL: Migration in modernen Gesellschaften, p. 30f.

67 Vgl. EISENSTADT, Shmuel Noah: The Absorption of Immigrants. A comperative study based mainly on the Jewish community in Palestine and the State of Israel. London, 1954, p. 2. Zitiert nach: TREIBEL: Migration in modernen Gesellschaften, p. 32.

68 Dazu gehören die Bedrohung der physischen Existenz des Wanderers und seiner Familie; die Nichtgewährleistung verschiedenster Ziele durch die institutionelle Struktur, der politisch-ideologische Bereich und die Nichtrealisierung persönlicher Lebensvorstellungen. Vgl. Treibel: Migration in modernen Gesellschaften, p.32.

69 Vgl. LÖWE, Heinz-Dietrich: Deutsche Migration nach Ost- und Südosteuropa im 18. Jahrhundert. Ergebnisse und neue Fragestellungen. In: Beer, Mathias / DAHLMANN, Dittmar (Hgg.): Migration nach Ost- und Südeuropa vom 18. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Stuttgart, 1999, p. 427-444, hier: p. 428f. Im Folgenden zitiert als: LÖWE: Deutsche Migration, p. xy.

70 Vgl. PRESS, Volker: Von der mittelalterlichen zur frühneuzeitlichen Ostsiedlungsbewegung - ein Rückblick. In: Bade, Klaus: Deutsche im Ausland - Fremde in Deutschland: Migration in Geschichte und Gegenwart. München, 1993, p. 29-36, hier: p. 29f. Im Folgenden zitiert als: PRESS: Ostsiedlungsbewegung, p. xy.

71 Vgl. SEEWANN, Gerhard: Migration in Südosteuropa als Voraussetzung für die neuzeitliche West­Ostwanderung. In: Beer, Mathias / Dahlmann, Dittmar (Hgg.): Migration nach Ost- und Südeuropa vom 18. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Stuttgart, 1999, p. 89-108, hier: p. 90. Im Folgenden zitiert als: SEEWANN: Migration in Südosteuropa, p. xy.

72 Vgl. OSWALD: Migrationssoziologie, p. 66f.

73 Vgl. TREIBEL: Migration in modernen Gesellschaften, p. 24.

74 Vgl. OSWALD: Migrationssoziologie, p. 70.

75 Vgl. ebda, p. 67.

76 Vgl. ebda, p. 67.

77 Vgl. KOTRE, John: Der Strom der Erinnerung. Wie das Gedächtnis Lebensgeschichte schreibt. München, 1998, p. 84. Im Folgenden zitiert als: KOTRE: Der Strom der Erinnerung, p. xy.

78 Vgl. ASSMANN, Aleida: Der lange Schatten der Vergangenheit. Erinnerungskultur und Geschichtspolitik. München, 2006, p. 24. Im Folgenden zitiert als: ASSMANN: Der lange Schatten der Vergangenheit, p. xy.

79 Vgl. Welzer, Harald / MARKOWITSCH, Hans: Reichweiten und Grenzen interdisziplinärer Gedächtnsiforschung. In: WELZER, Harald / MARKOWITSCH, Hans (Hgg.): Warum Menschen sich erinnern können. Fortschritte in der interdisziplinären Forschung. Stuttgart, 2006, p.7-16, hier: 9. Im Folgenden zitiert als: WELZER / MARKOWITSCH: Reichweiten und Grenzen interdisziplinärer Gedächtnisforschung, p. xy.

80 Vgl. Erll, Astrid: Kollektives Gedächtnis und Erinnerungskulturen, in: NÜNNING, Ansgar / NÜNNING, Vera (Hgg.): Einführung in die Kulturwissenschaften. Theoretische Grundlagen - Ansätze - Perspektiven. Stuttgart, 2008, p. 156-185, hier: p. 156. Im Folgenden zitiert als: Erll: Kollektives Gedächtnis und Erinnerungskulturen, p. xy.

81 Vgl. Welzer, Harald: Das soziale Gedächtnis. In: Welzer, Harald (Hg.): Das soziale Gedächtnis. Geschichte, Erinnerung, Tradierung. Hamburg, 2001, p. 9-21, hier: p. 11. Im Folgenden zitiert als: Welzer: Das soziale Gedächtnis, p. xy.

82 Vgl. LOTTES, Günther: Erinnerungskulturen zwischen Psychologie und Kulturwissenschaft In: OeSTERLE, Günter (Hg.): Erinnerung, Gedächtnis, Wissen. Studien zur kulturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung. Göttingen, 2005, p. 163-184, hier: p. 165. Im Folgenden zitiert als: LOTTES: Erinnerungskulturen, p. xy.

83 Vgl. KOTRE: Der Strom der Erinnerung, p. 215.

84 Vgl.ebda,p.215f.

85 Vgl. Welzer: Das soziale Gedächtnis, p. 11.

86 Katherine Nelsen berichtet in ihrem Beitrag über Forschungsstudien, welche in den USA durchgeführt wurden und die unterschiedlich starke Ausprägung des autobiographischen Gedächtnisses innerhalb verschiedener Kulturen zum Inhalt hatten. Bei den Studien zeigte sich, dass bei Personen aus dem asiatischen Raum das autobiographische Gedächtnis später einsetzt als bei Euroamerikanerinnen. Begründet wird dieses Ergebnis mit der Aussage, dass amerikanische Eltern eher dazu neigen, die Kinder mit ihren Eigenschaften, Vorlieben und Abneigungen in das Zentrum von Erzählungen zu stellen, während asiatische Eltern sich eher auf Normen, gesellschaftliche Regeln und auf Erwartung an das Verhalten des Kindes konzentrieren. Vgl. NELSON, Katherine: Über Erinnerungen reden: Ein soziokultureller Zugang zur Entwicklung des autobiographischen Gedächtnisses. In: Welzer, Harald, MARKOWITSCH, Hans J. (Hgg.): Warum Menschen sich erinnern können. Fortschritte in der interdisziplinären Gedächtnisforschung. Stuttgart, 2006, p. 78-94, hier: p. 88. Im Folgenden zitiert als: NELSON: Über Erinnerungen reden, p. xy.

87 Vgl. NELSON: Über Erinnerungen reden, p. 78.

88 Vgl. ebda, p.81.

89 Vgl. ASSMANN, Aleida: Wie wahr sind unsere Erinnerungen? In: Welzer, Harald, MARKOWITSCH, Hans J. (Hgg.): Warum Menschen sich erinnern können. Fortschritte in der interdisziplinären Gedächtnisforschung. Stuttgart, 2006, p. 95-110, hier: p. 95. Im Folgenden zitiert als: ASSMANN: Wie wahr sind unsere Erinnerungen, p. xy.

90 Vgl. LOTTES: Erinnerungskulturen zwischen Psychologie und Kulturwissenschaft, p. 164-173.

91 Vgl. ASSMANN: Wie wahr sind unsere Erinnerungen, p. 96.

92 Vgl. ebda, p. 97f.

93 Vgl. ebda, p. 101.

94 Vgl. ebda, p. 101.

95 Vgl. ASSMANN: Der lange Schatten der Vergangenheit, p. 209.

96 Vgl. ebda, p. 208.

97 Vgl.ebda,p.21.

98 Das Werk „La mémoire collective“ erschien unvollständig und posthum, zuvor veröffentlichte Halbwachs ein drittes Buch, welches sich einem Fallbeispiel bediente um die Formen und Funktionsweisen des kollektiven Gedächtnisses aufzuzeigen, welches unter dem Titel: „La topographie légendaire des évangiles en Terre Sainte“ („ Verkündigte Orte im Heiligen Land. Eine Studie zum kollektiven Gedächtnis“) erschien. Vgl. Erll, Astrid: Kollektives Gedächtnis und Erinnerungskulturen. In: NÜNNING, Ansgar / NÜNNING, Vera (Hgg.): Einführung in die Kulturwissenschaften. Theoretische Grundlagen- Ansätze- Perspektiven. Stuttgart, 2007, p. 156-175, hier: p. 159. Im Folgenden zitiert als: Erll: Kollektives Gedächtnis und Erinnerungskulturen, p. xy.

99 Vgl. Erll: Kollektives Gedächtnis und Erinnerungskulturen, p. 158.

100 Vgl. ebda, p.159.

101 Vgl. ASSMANN: Der lange Schatten der Vergangenheit, p. 25.

102 Vgl. ASSMANN, Jan: Das kulturelle Gedächtnis. München, 1992, p. 37. Im Folgenden zitiert als: ASSMANN: Das kulturelle Gedächtnis, p. xy.

103 Vgl. KEPPLER, Angela: Soziale Formen individuellen Erinnerns. Die kommunikative Tradierung von (Familien-)Geschichte. In: Welzer, Harald (Hg.): Das soziale Gedächtnis. Geschichte, Erinnerung, Tradierung. Hamburg, 2001, p. 137-159, hier: p. 142f. Im Folgenden zitiert als: KEPPLER: Soziale Formen individuellen Erinnerns, p. xy.

104 Das kulturelle Gedächtnis zeichnet sich durch die Errichtung von Fixpunkten in der Vergangenheit aus, welche nicht mit der Gegenwart mitwandern, sondern schicksalshaft markiert werden und durch „kulturelle Formung“ im Sinne von Texten, Riten und Denkmälern an nachfolgende Generationen „wachgehalten“ werden. Gemäß Assmann wird die Erinnerung an ein bestimmtes (historisches) Ereignis somit für die Nachwelt materiell aufbewahrt, ist demzufolge zeitlich ungebunden und nicht an eine mündliche Weitergabe, wie es beim kommunikativen Gedächtnis der Fall ist, verpflichtet. Vgl. Welzer: Das soziale Gedächtnis, p. 13f, sowie: ASSMANN: Der lange Schatten der Vergangenheit, p. 53.

105 Das kommunikative Gedächtnis wurde von Harald Welzer als das „Kurzeitgedächtnis der Gesellschaft“ definiert, da es sich im Wesentlichen auf die mündliche Weitergabe von Erinnerungen in Form von Oral History stützt und daher als zeitlich begrenzt anzusehen ist. Im Gegensatz zum kulturellen Gedächtnis erweist es sich als unorganisiert und unspezialisiert, zeichnet sich jedoch durch seine „Alltagsnähe“ aus. Günther Lottes zufolge ist der Holocaust auf dem Weg, von einem kommunikativen Gedächtnis zum kulturellen Gedächtnis zu werden, da die Generation von heute nur noch „mittelbar“ mit den Ereignissen verbunden ist. Vgl. Welzer: Das soziale Gedächtnis, p. 13, sowie: LOTTES: Erinnerungskulturen zwischen Psychologie undKulturwissenschaft, p. 176.

106 Vgl. Erll: Kollektives Gedächtnis und Erinnerungskulturen, p. 172.

107 Vgl. Fischer, Wolfram / Kohli, Martin: Biographieforschung. In: VOGES, Wolfgang (Hg.): Methoden der Biographie- und Lebenslaufforschung. Opladen, 1987, p. 25-50, hier: p. 25. Im Folgenden zitiert als: FISCHER / Kohli: Biographieforschung, p. xy.

108 Dt. Übersetzung des Autors: „Es scheint, als wäre die Biographie kürzlich in Mode gekommen.“

109 Vgl. Le Goff, Jacques / Ankli, Ruedi: La tentation de la biographie pour l’historien des Annales. Interview de Ruedi Ankli avec l’historien Jacques Le Goff sur sa biographie de Saint-Louis. In: FrANCESCHINI, Rita (Hg.): Biographie und Interkulturalität. Diskurs und Lebenspraxis. Tübingen, 2011, p. 13-23, hier: p. 23. Im Folgenden zitiert als: Le Goff / Ankli: La tentation de la biographie pour l’historien, p. xy.

110 Vgl. DAUSIEN, Bettina: Biographieforschung: Theoretische Perspektiven und methodologische Konzepte für eine re-konstruktive Geschlechterforschung. In: BECKER, Ruth / KORTENDIEK, Beate: Handbuch der Frauen- und Geschlechterforschung: Theorie, Methoden, Empirie. Opladen, 2004, p. 314-325, hier: p. 314. Im Folgenden zitiert als: DAUSIEN: Biographieforschung, p. xy.

111 Vgl. FUCHS-HEINRITZ, Werner: Biographische Forschung. Eine Einführung in Praxis und Methoden. Wiesbaden, 20053, p. 85. Im Folgenden zitiert als: FUCHS-HEINRITZ: Biographische Forschung, p. xy.

112 Vgl. ebda, p. 85.

113 Vgl. ebdap. 87.

114 Vgl. EßBACH, Wolfgang: Über soziale Konstruktion von Biographien. In: FRANCESCHINI, Rita (Hg.): Biographie und Interkulturalität. Diskurs und Lebenspraxis. Tübingen, 2011, p.59-69, hier: p. 64f.

115 Vgl. BUDE, Heinz: Rekonstruktion von Lebenskonstruktionen - eine Antwort auf die Frage, was die Biographieforschung bringt, in: KOHLi, Martin / Robert, Günther (Hgg.): Biographie und soziale Wirklichkeit. Neue Beiträge und Forschungsperspektiven. Stuttgart, 1984, p. 1-28, hier: p. 1. im Folgenden zitiert als: BUDE: Rekonstruktion von Lebenskonstruktionen, p. xy.

116 Vgl. BUDE: Rekonstruktion von Lebenskonstruktionen, p. 1.

117 Vgl. TAYLOR, Alan John Percivale: The historian as biographer, in: KLiNGENSTEiN, Grete et al. (Hg.): Biographie und Geschichtswissenschaft. Aufsätze zur Theorie und Praxis biographischer Arbeiten. Wien, 1919, p. 254-261, hier: p. 254. im Folgenden zitiert als: TAYLOR: The historian as biographer, p. xy.

118 Vgl. TAYLOR: The historian as biographer, p. 254.

119 Vgl. FORSTER, Robert: Family biography, in: KLiNGENSTEiN, Grete et al. (Hg.): Biographie und Geschichtswissenschaft. Aufsätze zur Theorie und Praxis biographischer Arbeiten. Wien, 1979, p. 111-126, hier: p. 111. im Folgenden zitiert als: FORSTER: Family biography, p. xy.

120 Vgl. ROSENMAYR, Leopold: Lebensalter, Lebensverlauf und Biographie, in: KLiNGENSTEiN, Grete et al. (Hg): Biographie und Geschichtswissenschaft. Aufsätze zur Theorie und Praxis biographischer Arbeiten. Wien, 1979, p. 47-67, hier: p. 48. im Folgenden zitiert als: ROSENMAYR: Lebensalter, Lebensverlauf und Biographie, p. xy.

121 Vgl. FuCHS-Heinritz: BiographischeForschung, p. 83.

122 Vgl. DausIEN: Biographieforschung, p. 319.

123 Vgl. ebda, p. 319.

124 Vgl. FUCHS-HEINRITZ: Biographische Forschung, p. 95.

125 Vgl. DausIEN: Biographieforschung, p. 317.

126 Vgl. MIES, Maria: Methodische Postulate zur Frauenforschung - dargestellt am Beispiel der Gewalt gegen Frauen. In: SOZIALWISSENSCHAFTLICHE FORSCHUNG UND PRAXIS FÜR Frauen (Hg.): Beiträge zur feministischen Theorie und Praxis (= Heft 1). München 1978, p.41-63, hier: 45. Zitiert nach: KRAUL, Margret: Biographieforschung und Frauenforschung. In: KRÜGER, Heinz-Hermann / MAROTZKI, Winfried (Hgg.): Handbuch erziehungswissenschaftliche Biographieforschung. Wiesbaden, 20062, p. 483-497, hier: p. 484f.

127 Vgl. KRAUL, Margret: Biographieforschung und Frauenforschung. In: KRÜGER, Heinz-Hermann / Marotzki, Winfried (Hgg.): Handbuch erziehungswissenschaftliche Biographieforschung. Wiesbaden, 20062, p. 483-497, hier: p. 484f. Im Folgenden zitiert als: KRAUL, Margret: Biographieforschung und Frauenforschung, p. xy.

Ende der Leseprobe aus 135 Seiten

Details

Titel
"Geboren in Rudolfstal (Alexandrovac), wohnhaft in Ebensee". Eine Analyse von Lebensverläufen deutscher "KolonistInnen" in Bosnien im 19. und 20. Jahrhundert
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz  (Zeitgeschichte)
Veranstaltung
Zeitgeschichte
Note
Sehr Gut (1)
Autor
Jahr
2012
Seiten
135
Katalognummer
V210452
ISBN (eBook)
9783656379737
ISBN (Buch)
9783656380979
Dateigröße
3274 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bosnien, Deutsche Kolonien, Migration, Oral History, Biographie, Gedächtnis, Erinnerungskulturen
Arbeit zitieren
Mag. Stefan Loidl (Autor), 2012, "Geboren in Rudolfstal (Alexandrovac), wohnhaft in Ebensee". Eine Analyse von Lebensverläufen deutscher "KolonistInnen" in Bosnien im 19. und 20. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210452

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