Bilanzierung von Mezzanine nach HGB und IFRS


Bachelorarbeit, 2011

47 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2. Grundlegende Rechnungslegungsvorschriften
2.1 Rechnungslegungszwecke und Bewertungsprinzipien
2.2 Bilanzierung des Eigenkapitals
2.3 Bilanzierung des Fremdkapitals

3. Mezzanine
3.1 Begriff
3.2 Mezzanine-Finanzierungsformen
3.2.1 Vorzugsaktien
3.2.2 Options- und Wandelanleihe
3.2.3 Stille Gesellschaft
3.2.4 Genussschein
3.2.5 Sonderformen des Darlehens

4. Bilanzierung nach HGB und IFRS
4.1 Equity Mezzanine
4.1.1 Vorzugsaktien
4.1.2 Options- und Wandelanleihe
4.1.3 Atypische stille Gesellschaften
4.2 Debt Mezzanine
4.2.1 Typische stille Gesellschaft
4.2.2 Genussscheine
4.2.3 Sonderformen des Darlehens

5. Zusammenfassung

Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Bilanzelle Einstufung von Mezzanine

Abbildung 2: Typische Merkmale von Eigen- und Fremdkapital

Abbildung 3: Merkmal typischer- und atypischer stiller Gesellschaften

Abbildung 4: Formel zur Berechnung einer Anleihe

Abbildung 5: Bilanzierung von Wandelanleihen nach HGB und IFRS

Abbildung 6: Eigenkapital der Commerzbank AG

Abbildung 7: Bilanzierung von Genussscheinen nach IFRS

1. Einleitung

Unternehmen stehen in einem globalen Konkurrenzkampf; der Druck, die Wettbewerbspo- sition zu halten bzw. zu verbessern, ist enorm. Innovationen und daraus entstehende For- schungs- und Entwicklungsarbeiten haben in den Unternehmen einen hohen Stellenwert erhalten. Konzerne müssen sich an die Veränderungen des Marktes anpassen können, um wettbewerbs- und überlebensfähig zu sein. Infolgedessen ergeben sich auch für die Finan- zierung von Unternehmen Probleme. Der lang- und kurzfristige Finanzmittelbedarf muss immer gedeckt werden, von Eigen- und Fremdkapital. Doch in den Zeiten von Finanzkrisen und erhöhten Rendite-Erwartungen ist es speziell für mittelständische Unternehmen schwer geworden, sich zu finanzieren. Neben den klassischen Eigenkapital- (z. B. Ausgabe von Aktien) und Fremdkapitalinstrumenten (z. B. Emission von Unternehmensanleihen) gibt es hybride Finanzierungsformen, das Mezzanine-Kapital. Mezzanine-Finanzierungsinstru- mente sind unter anderem: Vorzugsaktien, Optionsanleihen, Wandelanleihen, stille Gesell- schaften, Genussscheine und Sonderformen des Darlehens (nachrangiges-, Gesellschafter- und partiarisches Darlehen). Durch Mezzanine-Finanzinstrumente können Unternehmen ihre Finanzierungsmöglichkeiten ergänzen.

Mezzanine-Kapital hat in der Bilanz eine Stellung zwischen Eigen- und Fremdkapital, wie in Abbildung 1 dargestellt ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Bilanzielle Einstufung von Mezzanine Quelle: Vgl. Wöhe et al. (2009), S. 171.

Daraus ergibt sich die Problematik, wie Mezzanine nach HGB und IFRS bilanziert werden, weil in der Bilanz lediglich Mezzanine in die Positionen Eigen- oder Fremdkapital ausge- wiesen werden können. Die vorliegende Bachelorarbeit setzt sich mit diesem Thema aus- einander.

Die Internationale Rechnungslegung hat seit der Einführung in der Europäischen Union stark an Bedeutung gewonnen, da kapitalmarktorientierte Unternehmen ihren Konzernab- schluss nach IFRS bilanzieren müssen. Deutsche Unternehmen müssen dabei ihre Bilanz in deutscher und englischer Sprache sowie in der Währung Euro aufstellen. Einzelabschlüsse von Unternehmen sowie Konzernabschlüsse von nicht kapitalmarktorientierten Unterneh- men haben ein Wahlrecht, nach IFRS zu bilanzieren1. Die Intention der internationalen Harmonisierung der Rechnungslegung ist es, die Jahresabschlüsse weltweit vergleichbar zu machen.

Mezzanine-Kapital hat sich durch seine vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten in vielen Unternehmen durchgesetzt. Ziel dieser Bachelorarbeit ist es, ausgewählte praktische Finanzinstrumente von Mezzaninen und ihre Bilanzierung sowohl nach HGB als auch IFRS zu zeigen. Die Arbeit unterteilt sich in mehrere Hauptgliederungspunkte. Zuerst werden die beiden Rechnungslegungsvorschriften, HGB und IFRS, gegenübergestellt, es werden die unterschiedlichen Adressaten gezeigt und die wesentlichen Differenzen, die durch domi- nante Rechnungslegungsgrundsätze entstehen. Dabei wird die Passivseite der Bilanz genauer betrachtet: Wie setzt sich das klassische Eigenkapital einer Kapitalgesellschaft zusammen und wie wird es bilanziert? Des Weiteren wird erörtert, wie sich Fremdkapital - das Hauptaugenmerk gilt dabei den Verbindlichkeiten - zusammensetzt und wie es bilan- ziert wird.

In dem nächsten Hauptgliederungspunkt wird der Begriff ‚Mezzanine‘ definiert. Dabei ist es wichtig, diese hybriden Finanzinstrumente genau von Eigen- und Fremdkapital abzu- grenzen. Anschließend werden ausgewählte Mezzanine-Finanzierungsformen erläutert, jeweils an einem aktuellen Beispiel. Die Vorzugsaktien werden am Beispiel der Volkswa- gen AG, BMW AG und der Henkel AG & Co. KGaA, die Options- und Wandelanleihen am Beispiel des Jenaer Unternehmens biolitec AG, die stille Gesellschaft am Beispiel der Commerzbank AG und die Sonderformen des Darlehens (Gesellschafter-, Nachrangiges- und partiarisches Darlehen) am Beispiel der Sky Deutschland AG erläutert. Außerdem werden die verschieden Anwendungsbereiche von Genussscheinen erörtert.

Im Rahmen des vorletzten Hauptgliederungspunktes, der den Schwerpunkt dieser Bachelorarbeit bildet, werden die Mezzanine-Finanzinstrumente in eigenkapitalnahe (Equity Mezzanine) und fremdkapitalnahe (Debt Mezzanine) eingeordnet2. Es wird erläutert, wie sich die Fremd- bzw. Eigenkapitalnähe charakteristisch äußern und wie sie in den einzelnen Rechnungslegungsstandards bilanziert werden müssen; welche Gemeinsamkeiten zwischen dem HGB- und der IFRS-Bilanzierung bestehen bzw. welche Unterschiede es gibt, und woraus die Differenzen der Bilanzierung entstehen.

Abgeschlossen wird die Bachelorarbeit mit einer Zusammenfassung, in der die vorangegangenen Gliederungspunkte komprimiert aufgegriffen und reflektiert sowie Erkenntnisse und Schlussfolgerungen zusammengetragen werden.

2. Grundlegende Rechnungslegungsvorschriften

2.1 Rechnungslegungszwecke und Bewertungsprinzipien

Im Gegensatz zu dem Handelsgesetzbuch, welches eine nationale (deutsche) Rechtsnorm darstellt und von der Bundesrepublik Deutschland beschlossen und veröffentlicht wird, werden die International Accounting Standards/International Financial Reporting Standards von der privaten Rechnungslegungsinstitution International Accounting Standards Board, deren Sitz sich in London befindet, verfasst3.

Die IFRS haben die Intention, Konzernabschlüsse durch eine Standardisierung der Rech- nungslegung weltweit vergleichbar zu machen. Durch nationale Vorschriften ist es sehr zeit- und kostenaufwendig, die Jahresabschlüsse gegenüberzustellen. Ein direkter Vergleich der Unternehmensdaten ist meist nicht möglich, da zum Beispiel unterschiedliche Bilanz- wahlrechte herrschen. Durch die IFRS können Anleger, die in Aktien investieren wollen, die Bilanzen der Unternehmen einfacher und kostengünstiger miteinander vergleichen. Für Aktiengesellschaften besteht der Vorteil, dass sie für ausländische Investoren attraktiver werden, da ihre Konzernjahresabschlüsse leichter zu vergleichen sind. Infolgedessen kann die Aktionärsstruktur für das Unternehmen internationalisiert werden. Durch einheitliche Bewertungs- und Bilanzierungsvorschriften ist die Vergleichbarkeit des Unternehmenser- folges gegeben. Im Gegensatz zum HGB verzichtet die IFRS im Sinne einer Uniformität weitestgehend auf Bilanzierungs- und Bewertungswahlrechte. Des Weiteren machen ein- heitliche Sprache und Gliederungsschemata die IFRS-Konzernjahresabschlüsse vergleich- bar4.

Das Handelsgesetzbuch ist im Vergleich zu den International Financial Reporting Stan- dards unterschiedlich aufgebaut. Das deutsche HGB zeichnet sich durch seine kurzen For- mulierungen aus, die in einer Vielzahl von Sachverhalten formuliert sind (Generalrege- lungen). Der daraus resultierende Nachteil des HGB ist, dass die einzelnen Regelungen konkretisiert werden müssen. Im Gegensatz dazu sind die IFRS-Vorschriften speziell und ausführlicher formuliert (Spezialregelungen). Aus diesem Grunde lässt es sich nicht ver- meiden, dass Vorschriften sich wiederholen, wie zum Beispiel bei den Abschreibungsver- fahren5.

Die IFRS bestehen aus vier Teilen:

- dem Vorwort,
- den Rahmenkonzept,
- den Standards,
- Interpretationen6.

Seit dem 01.01.2010 gelten 38 IFRS-Standards; die einzelnen Standards enthalten Bilanzierungs- und Bewertungsvorschriften für die einzelnen Positionen in der Bilanz und in der Gewinn- und Verlustrechnung. Zum Beispiel wird in der IAS 1 die Darstellung des Jahresabschlusses geregelt. Für die Bilanzierung der Finanzinstrumente, die für die vorliegende Bachelorarbeit relevant ist, gilt IAS 327.

Der elementare Unterschied zwischen beiden Rechnungslegungsstandards sind die Ab- schlussadressaten. Im deutschen HGB stehen die Gläubiger und der Fiskus im Vorder- grund, erst danach kommen die anderen Interessengruppen (u. a. die Gesellschafter). Im Mittelpunkt der IFRS-Bilanz stehen dagegen die Eigenkapitalinvestoren, denn diesen obliegt letztendlich die Entscheidung darüber, ob sie Unternehmensanteile kaufen bzw. verkaufen wollen, andere Stakeholder stehen dabei im Hintergrund8. Somit stehen sich die Intentionen der Rechnungslegung in Form des Gläubigerschutzes (HGB) und des Anleger- schutzes (IFRS) direkt gegenüber.

Aus den verschiedenen Zielen der Bilanzierung ergeben sich prinzipiell verschiedene dominante Rechnungslegungsgrundsätze. Die HGB-Bilanz ist geprägt von dem Vorsichts- prinzip und den daraus folgenden Konkretisierungen durch die Folgeprinzipien: das Impari- täts- und das Realisationsprinzip. Durch das Vorsichtsprinzip besteht der Grundsatz, bei gleichwahrscheinlichen Werten den geringsten (auf der Aktivseite) bzw. den höchsten (auf der Passivseite) zu bewerten. Dagegen herrscht im IFRS der Grundsatz der fair presenta- tion9.

Somit können nach dem Handelsgesetzbuch Erlöse erst bilanziert werden, wenn der Verkauf von Sachgütern vollständig abgeschlossen ist bzw. Dienstleistungen beendet worden sind (Realisationsprinzip). Sachgüter werden dadurch bis zur Übergabe höchstens mit den Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten bilanziert. Durch das Imparitätsprinzip müssen Buchwertherabsetzungen erfolgen, wenn der tatsächliche Wert geringer ist als der Buchwert. Des Weiteren müssen wahrscheinliche Verluste aus noch zu erfüllenden Lieferverträgen bilanziert werden (Antizipationszwang )10.

Dagegen ist die fair presentation (‚angemessene Darstellung`) der oberste Grundsatz in der IFRS-Bilanzierung. Dieser führt dazu, dass die Jahresabschlüsse ein tatsächliches Bild über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens vermitteln11. Wirtschaftsprü- fer haben die Richtlinie, bei der Überprüfung des Jahresabschlusses, die fair presentation als oberstes Prinzip anzusehen. Die ökonomische Situation des Konzerns soll dabei realistisch und wahrheitsgemäß dargelegt werden. Durch die Funktion der Informationsvermittlung werden Relevanz, Verlässlichkeit, Vergleichbarkeit und Stetigkeit als Grundsätze der fair presentation zusammengefasst12.

2.2 Bilanzierung des Eigenkapitals

Eigenkapital definiert sich durch eine langfristige Bindung von Kapital in einem Unternehmen. Durch Thesaurierung des Gewinnes bzw. Verlustes sowie Kapitalerhöhungen wird das Eigenkapital unter anderem verändert. Unter Eigenkapital wird außerdem der Unterschiedsbetrag zwischen dem kumulierten Wert der Aktivseite abzüglich der Schulden verstanden13. Nach § 266 Abs. 3 HGB unterteilt es sich in:

- Gezeichnetes Kapital;
- Kapitalrücklagen;
- Gewinnrücklagen;
- Gewinnvortrag/Verlustvortrag;
- Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag14.

Das gezeichnete Kapital wird bei einer Aktiengesellschaft bzw. KGaA als Grundkapital und bei einer GmbH als Stammkapital deklariert. Es ist das gleichbleibende Eigenkapital, welches sich als Haftungsvermögen auszeichnet. In der IFRS-Bilanz wird es als issued capital bezeichnet. In Deutschland beträgt das Grundkapital einer AG mindestens 50.000 Euro und jede Aktie muss einen Nennbetrag von mindestens 1 Euro ausweisen. Das Stammkapital einer GmbH muss mindestens 25.000 Euro betragen und jede Einlage des Gesellschafters muss mindestens 100 Euro aufweisen. In der IFRS-Bilanz ist das issued capital auch der erste Posten im Eigenkapital (Equity); es setzt sich auch aus den kumulier- ten Nennwerten der Aktien zusammen15.

Neben dem gezeichneten Eigenkapital gibt es die Rücklagen. Die Kapitalrücklagen enthal- ten nach HGB- und IFRS-Bilanzierung zusätzliches Eigenkapital, welches von den Aktio- nären bzw. Gesellschaftern von außen zugeführt wird. Diese Rücklagen umfassen generell das Agio, welches den Unterschiedsbetrag zwischen dem Nennbetrag und den Erlösen aus der Ausgabe von Aktien bzw. Anteilen an Gesellschaften enthält. In der IFRS- Rechnungslegung werden die Kapitalrücklagen als capital reserves deklariert.

Dagegen bilden sich die Gewinnrücklagen aus den einbehaltenen Jahresabschlüssen bzw. Jahresfehlbeträgen. Der Gewinnvortrag/Verlustvortrag ist in der HGB-Rechnungslegung der nicht ausgeschüttete Gewinn des vergangenen Geschäftsjahres. Gleichzeitig zeigt der Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag den Gewinn/Verlust des aktuellen Geschäftsjahres aus. Die Hauptversammlung einer Aktiengesellschaft bzw. Gesellschafterversammlung einer GmbH muss darüber entscheiden, ob der Jahresüberschuss ausgezahlt wird oder Gewinn- rücklagen gebildet werden. In der IFRS-Bilanzierung werden die thesaurierten Vorjahres- ergebnisse einschließlich des aktuellen Geschäftsjahres ausgewiesen. Lediglich die Divi- dende pro Aktie, die beschlossen oder vorgeschlagen ist, muss bilanziert werden. Dabei muss beachtet werden, dass in der HGB-Bilanzierung eigene Anteile gesondert bilanziert werden, während diese gesonderte Deklaration nach IFRS nicht notwendig ist16.

Die Eigenkapitalgliederung einer Aktiengesellschaft nach IFRS-Rechnungslegung unterteilt sich wie folgt:

- issued capital;
- capital reserves;
- revenue reserves;
- other reserves17.

Neben der Bilanzierung des Eigenkapitals in der HGB- und IFRS-Rechnungslegung muss für die bilanzielle Einordnung des Mezzanine-Kapitals auch das Fremdkapital bilanziert werden.

2.3 Bilanzierung des Fremdkapital

Fremdkapital zeichnet sich durch eine zeitliche Befristung aus und wird von Personen bzw. Unternehmen (Banken) gestellt, die nicht am Schuldner beteiligt sind. Fremdkapital setzt sich im Sinne des deutschen Handelsrechtes aus Verbindlichkeiten, passiven Rechnungsabgrenzungsposten und Rückstellungen zusammen18.

In § 266 Abs. 3 HGB werden folgende Verbindlichkeiten aufgeführt:

- Anleihen, davon konvertibel;
- Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten;
- Erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen;
- Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen;
- Verbindlichkeiten aus der Annahme gezogener Wechsel und der Ausstellung eigener Wechsel;
- Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen;
- Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen, mit denen eine Beteiligungsverhältnis besteht;
- Sonstige Verbindlichkeiten, davon aus Steuern, davon im Rahmen der sozialen Sicherheit19.

Verbindlichkeiten definieren sich durch Verpflichtungen eines Unternehmens, die nach Höhe und Rechtsgrund am Bilanzstichtag feststehen. Der Ausweis in der Bilanz wird nach Fristigkeit vorgenommen; langfristige Verb. zeichnen sich durch eine Laufzeit von mehr als einem Jahr aus, kurzfristige Verb. sind binnen eines Jahres fällig. Kapitalgesellschaften müssen zusätzlich einen Verbindlichkeitsspiegel aufstellen, in der die Restlaufzeiten einzu- ordnen sind. Dagegen von Verbindlichkeiten abzugrenzen sind Anleihen, die meist durch Teilschuldverschreibungen langfristig am Kapitalmarkt aufgenommen werden20.

In der IFRS-Rechnungslegung wird, wie in der HGB-Bilanz, die Bilanz nach der Fristigkeit gegliedert. Es wird zwischen Non Current Liabilitites (langfristige Verbindlichkeiten) und Current Liabilitites (kurzfristige Verbindlichkeiten) unterschieden. Die Non Current Liabilitites werden dabei unterteilt in:

- Non Current Financial Liabilitites;
- Deferred Tax Liabilitites;
- Non-Fiancial Liabilitites.

Dagegen werden Current Liabilitites in folgende Positionen gegliedert:

- Trade and Other Payables;
- Current Financial Liabilitites;
- Non-Fiancial Liabilitites;
- Deferred Income21.

In der Bilanzierung des Fremdkapitals in der IFRS-Rechnungslegung werden die Schulden, genau wie in dem HGB, nach ihrer Fristigkeit gegliedert.

3. Mezzanine

3.1 Begriff

Das Wort ‚Mezzanine‘ kommt aus dem Italienischen und charakterisiert in der Architektur das Zwischengeschoss zwischen zwei Hauptgeschossen. In der Finanzwirtschaft stehen Mezzanine bilanziell zwischen Eigen- und Fremdkapital. Sie sind ein Sammelbegriff für alle Finanzierungsformen, die zwischen reinem Eigen- und Fremdkapital stehen. Infolgedessen wird es auch als hybrides bzw. gemischtes Kapital deklariert22.

Zielsetzung von Mezzanine-Finanzinstrumenten ist es, die Lücke zwischen Eigen- und Fremdkapital zu schließen. Überdies können sie durch ihre anpassungsfähige Gestaltung spezifisch für jedes Kapital suchende Unternehmen angepasst werden. Durch entsprechen- de vertragliche Ausgestaltung können Mezzanine-Finanzierungsformen aus typischen Eigen- und Fremdkapitaleigenschaften zusammengesetzt werden23. In der nachfolgenden Übersicht werden einzelne charakteristische Eigen- und Fremdkapitalmerkmale dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Typische Merkmale von Eigen- und Fremdkapital Quelle: Vgl. Hutzschenreuter (2009), S. 143.

Eindeutige Merkmale für Mezzanine zu finden, ist dagegen schwierig; des Weiteren gibt es auch keine allgemein gültige Definition für Mezzanine. Dessen ungeachtet lassen sich trotzdem einige typische und übereinstimmende Charakteristika von Mezzanine-Kapital feststellen. Gegenüber dem Fremdkapital ist die Rendite für Mezzanine-Kapital höher; gleichzeitig erhöht sich das Ausfallrisiko von Mezzaninen durch eine Nachrangigkeit ge- genüber Fremdkapital. Simultan besteht im Insolvenzfall eine Vorrangigkeit gegenüber klassischen Eigenkapitalgebern. Die Laufzeit ist dabei im Regelfall zeitlich befristet, aber meistens langfristig24. Günter Wöhe beschreibt in seinem Buch „Grundzüge der Unterneh- mensfinanzierung“ das magische Fünfeck, welches idealtypisches Mezzanine-Kapital kennzeichnet:

- Pufferfunktion durch Nachrangigkeit;
- Erhöhung der Eigenkapitalquote;
- Ergebnisabhängige Verzinsung;
- eingeschränkte Mitspracherechte;
- steuerliche Abzugsfähigkeit25.

[...]


1 Vgl. Buchholz (2008), S. 14f.

2 Vgl. Wöhe et al. (2009), S. 171.

3 Vgl. Wöhe/ Mock (2010), S. 202f.

4 Vgl. Buchholz (2008), S. 1ff.

5 Vgl. ibid., S. 6.

6 Vgl. Tanski (2005), S. 18.

7 Vgl. Wöhe (2010), S. 831ff.

8 Vgl. Leibfried/ Weber (2003), S. 31f.

9 Vgl. Funk/ Rossmanith (2011), S. 38.

10 Vgl. Coenenburg (2000), S. 63ff..

11 Vgl. Lüdenbach (2010), S. 74ff.

12 Vgl. Pellens (2001), S. 160f.

13 Vgl. Urnik/ Schusching (2007), S. 9f.

14 Vgl. § 266 Abs. 3 HGB.

15 Vgl. Coenenberg (2000), S. 275ff.

16 Vgl. Goenenberg (2000), S. 288ff.

17 Vgl. Wöhe (2010), S. 859.

18 Vgl. Urnik/ Schusching (2007), S. 10f.

19 Vgl. § 266 Abs. 3 HGB.

20 Vgl. Urnik/ Schusching (2007), S. 12f.

21 Vgl. Buchholz (2008), S. 93.

22 Vgl. Werner (2004), S. 13.

23 Vgl. Wöhe et al. (2009), S. 171f.

24 Vgl. Bieg/ Kußmaul (2009), S. 213f.

25 Vgl. Wöhe et al. (2009), S. 173.

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten

Details

Titel
Bilanzierung von Mezzanine nach HGB und IFRS
Hochschule
Fachhochschule Nordhausen
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
47
Katalognummer
V211188
ISBN (eBook)
9783656430438
ISBN (Buch)
9783656438168
Dateigröße
561 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
IFRS, Mezzanine, Finanzierung
Arbeit zitieren
Andreas Gläser (Autor:in), 2011, Bilanzierung von Mezzanine nach HGB und IFRS, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/211188

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Bilanzierung von Mezzanine nach HGB und IFRS



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden